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Hintergrund
der Erfindung
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Gebiet der Erfindung
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Diese
Erfindung bezieht sich allgemein auf das Gebiet der Schmerztherapie
und insbesondere auf die Verwendung von von Prosaposin abgeleiteten
Peptiden für
die Behandlung von neuropatischen Beschwerden.
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Hintergrundinformation
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Neuropatische
Beschwerden resultieren aus einer Verletzung eines Nervs. Im Gegensatz
zu dem sofortigen Schmerz, der durch eine Gewebeverletzung verursacht
wird, können
sich neuropatische Beschwerden Tage oder Monate nach einer traumatischen
Verletzung entwickeln. Während
die Schmerzen, die durch Gewebeverletzung verursacht werden, normalerweise
auf die Dauer der Gewebereparatur begrenzt sind, sind die neuropatischen
Schmerzen außerdem
häufig
langlebig oder chronisch. Darüber
hinaus können
neuropatische Schmerzen spontan oder als Ergebnis einer Stimulation
auftreten, die normalerweise nicht schmerzhaft ist.
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Klinische
Ursachen von neuropatischen Schmerzen sind weit verbreitet und schließen sowohl
Trauma als auch Krankheit ein. Z.B. sind traumatische Nerven-Kompression oder
-Quetschung und eine traumatische Verletzung des Gehirns oder des
Rückenmarks
allgemeine Ursachen von neuropatischen Schmerzen. Außerdem verursachen
die meisten traumatischen Nervenverletzungen auch die Bildung von
Neuromas, in denen der Schmerz als Ergebnis einer anomalen Nervenregeneration
auftritt. Zusätzlich
werden Krebs-verwandte neuropatische Schmerzen verursacht, wenn
ein Tumorwachstum angrenzende Nerven, das Gehirn oder das Rückenmark
schmerzhaft zusammendrückt.
Die neuropatischen Schmerzen werden auch mit Krankheiten, wie Diabetes
oder Alkoholismus, in Verbindung gebracht.
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Leider
sind die neuropatischen Schmerzen häufig gegenüber verfügbaren Arzneimitteltherapien
resistent. Zusätzlich
haben aktuelle Therapien ernsthafte Nebenwirkungen, einschließlich z.B.
kognitiver Veränderungen,
Beruhigung, Übelkeit
und, im Falle von narkotischen Arzneimitteln, Suchtgefahr. Viele
Patienten, die unter neuropatischen Beschwerden leiden, sind älter oder
haben eine andere medizinische Vorgeschichte, die ihre Toleranz
gegenüber
Nebenwirkungen, die mit bestehenden Arzneimitteltherapien zusammenhängen, besonders
einschränken.
Die Unzulänglichkeit
einer aktuellen Therapie bei der Minderung neuropatischen Schmerzen,
ohne unerträgliche
Nebenwirkungen hervorzurufen, wird häufig bei unter Depression und
suizidaler Tendenz bei unter chronischen Schmerzen Leidenden gefunden.
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Die
Verfahren zur Linderung von neuropatischen Schmerzen würden die
Lebensqualität
vieler Menschen verbessern, die unter Beschwerden auf Grund eines
Traumas oder einer Krankheit leiden. Jedoch gibt es aktuell keine
wirksamen Arzneimittel, die neuropatische Schmerzen ohne unerwünschte Nebenwirkungen, wie
Beruhigung und Suchtgefahr, mindern. Daher gibt es einen Bedarf
an Verfahren zur Linderung von neuropatischen Schmerzen, ohne unerwünschte Nebenwirkungen
hervorzurufen. Die vorliegende Erfindung erfüllt diesen Bedarf und liefert
außerdem
diesbezügliche
Vorteile.
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Zusammenfassung
der Erfindung
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Die
vorliegende Erfindung stellt ein Verfahren zur Milderung bzw. Linderung
von neuropatischen Schmerzen bzw. Beschwerden durch Verabreichung
einer wirksamen Menge eines aktiven Prosaposin-Fragments an ein
Subjekt zur Verfügung.
Z.B. liefert die Erfindung ein Verfahren zur Minderung von neuropatischen Schmerzen,
resultierend aus einer Störung
eines periphereren Nervs, der Spinalganglia, des Rückenmarks, des
Hirnstammes, des Thalamus' oder
des Cortex', durch
Verabreichung einer wirksamen Menge eines aktiven Prosaposin-Frag ments
an ein Subjekt, das die Aminosäuresequenz
von Cys-Glu-Phe-Leu-Val-Lys-Glu-Val-Thr-Lys-Leu-Ile-Asp-Asn-Asn-Lys-Thr-Glu-Lys-Glu-Ile-Leu
(SEQ ID NO. 1) oder Thr-D-Ala-Leu-Ile-Asp-Asn-Asn-Ala-Thr-Glu-Glu-Ile-Leu-Tyr
(SEQ ID NO. 2) aufweist. Zusätzlich
stellt die Erfindung ein Verfahren zur Vermeidung von neuropatischen
Schmerzen bei einem Subjekt unter Verabreichung einer wirksamen
Menge eines aktiven Prosaposin-Fragments an das Subjekt zur Verfügung. Die
vorliegende Erfindung stellt auch von Prosaposin abgeleitete Peptide
und die Verwendung dieser Peptide zur Stimulation des Neurit-Wachstums,
welches neuralen Zelltod inhibiert, zur Verfügung, so dass Myelinisierung
gefördert
und neurale Demyelinisierung inhibiert wird. Zusätzlich wird ein Verfahren zur
Inhibierung sensorischer oder motorischer Neuropathie durch In-Kontakt-Bringen
neuronaler Zellen mit einer Zusammensetzung, die eine wirksame inhibierende
Menge eines aktiven Prosaposin-Fragments enthält, zur Verfügung gestellt.
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Kurze Beschreibung
der Zeichnungen
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1 zeigt
den Schwellenwert einer tastbaren Allodynie vor (Zeit 0) und zu
verschiedenen Zeiten nach einer Bolus-Injektion des von Prosaposin
abgeleiteten 22-mer-Peptids
(SEQ ID No. 1) in Chung-Modellratten.
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2 zeigt
den Schwellenwert einer tastbaren Allodynie vor (Zeit 0) und zu
verschiedenen Zeiten nach einer Bolus-Injektion des von Prosaposin
abgeleiteten 14-mer-Peptids
(SEQ ID No. 2) in Chung-Modellratten.
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3 zeigt
das gesamte Zurückzucken
als Antwort auf 0,5 %iges Formalin nach einer intraperitonealen
Verabreichung des von Prosaposin abgeleiteten 14-mer-Peptids (SEQ ID No.
2) oder einer Kochsalzlösung
an Ratten.
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Detaillierte
Beschreibung der Erfindung
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Die
vorliegende Erfindung stellt ein Verfahren zur Minderung von neuropatischen
Schmerzen bei einem Subjekt durch Verabreichung einer wirksamen
Menge eines aktiven Prosaposin-Fragments an ein Subjekt zur Verfügung. Wie
hierin offenbart, kann das erfindungsgemäße Verfahren neuropatische
Schmerzen bei einem Sub jekt innerhalb von 30 Minuten nach der Verabreichung
mindern. Solch ein Verfahren ist für die Linderung von neuropatischen
Schmerzen verwendbar, welche aus einer Störung bzw. Erkrankung eines
peripheren Nervs, der Spinalganglia, des Rückenmarks, des Hirnstammes,
des Thalamus' oder
des Cortex' resultieren.
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Ein
Peptid, das erfindungsgemäß geeignet
ist, wird vom Prosaposin abgeleitet, das ein Protein mit 517 Aminosäuren ist,
welches ursprünglich
als Vorläufer
von vier Sphingolipid-Aktivatorproteinen identifiziert wurde (Kishimoto
et al., J. Lipid Res., 33:1255-1267 (1992)). Im Prosaposin werden
vier benachbarte Tandemdomänen
proteolytisch in den Lysosomen prozessiert, um die Saposine A, B,
C und D zu generieren, welche die Hydrolyse der Glycospingolipide
durch lysosomale Hydrolasen aktivieren (O'Brien und Kishimoto, FASEB J., 5:301-308
(1991)).
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Die
unprozessierte Form des Prosaposin wird in hohen Konzentrationen
im Menschen- und Rattengehirn gefunden, wo sie innerhalb der neuronalen
Oberflächenmembranen
lokalisiert ist. Während
der embryonalen Entwicklung ist die Prosaposin-mRNA im Gehirn und
im Spinalganglion reichlich vorhanden. Außerdem bindet Prosaposin mit
hoher Affinität
an Ganglioside, die das Neurit-Wachstum anregen und den Übergang
der Ganglioside von Mizellen zu Membranen fördert.
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Die
WO 95/03821 offenbart, dass Prosaposin, Saposin C und deren Fragmente
die neuronale Zellmyelinisierung stimulieren und die Myelinisierung
erhöhen.
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Die
neurotrope Aktivität
von Prosaposin stimmt mit seiner Lokalisierung in den neuronalen
Zellpopulationen überein
(O'Brien et al.,
Proc. Natl. Acad. Sci. USA 91:9593-9596 (1994); Sano et al., Biochem.
Biophys. Res. Commun., 204:994-1000
(1994)). Prosaposin stimuliert das motorische Neurit-Wachstum in
vitro und in vivo und erhöht
die Cholinacetyltransferase-Aktivität, welche ein Marker für die neuronale
Differenzierung ist. Zusätzlich
verhindert Prosaposin den Zelltod in den Neuroblastom-Zellen (O'Brien et al., ibid.,
1994; O'Brien et
al., FASEB J. 9: 681-685
(1995)).
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Die
neurotrope Tätigkeit
von Prosaposin ist am Saposin C, einer Domäne von 80 Aminosäuren, lokalisiert.
Ein 22-mer-Peptid, das mit den Aminosäuren 8 bis 29 der Saposin C-Domäne entspricht
(SEQ ID NO. 1), stimuliert das Neurit-Wachstum und die Cholinacetyltransferase-Aktivität und verhindert
den Zelltod in den Neuroblastom-Zellen (O'Brien et al., ibid., 1995).
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Das
Prosaposin oder das von Prosaposin abgeleitete 22-mer-Peptid (SEQ
ID NO. 1) kann zum Beispiel die motorische Neuronfunktion modulieren,
indem es das Neurit-Wachstum fördert.
Vor der vorliegenden Erfindung war es jedoch nicht bekannt, ob Prosaposin
oder ein Peptidfragment des Prosaposin die sensorische Neuronfunktion
beeinflussen könnte.
Darüber
hinaus ist die neurotrope Aktivität von Prosaposin oder von einem
von Prosaposin abgeleiteten Peptid zur Stimulation des motorischen
Neurit-Wachstums nur nach einer Dauer von 24 bis 48 Stunden offensichtlich
(siehe z.B. O'Brien
et al., ibid., 1994). Es ist nicht nachgewiesen worden, dass die
neurotrope Aktivität
von Prosaposin oder von einem von Prosaposin abgeleiteten Peptid nach
einer kürzeren
Zeit stattfindet.
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Demgegenüber liefert
die vorliegende Erfindung ein Verfahren zur Minderung neuropatischer
Schmerzen, die sowohl sensorische als auch motorische Neuron-Komponenten mit einbezieht.
Außerdem
ist das erfindungsgemäße Verfahren
bei der Minderung neuropatischer Schmerzen innerhalb von Minuten
wirksam, im Gegensatz zu den zuvor gezeigten Stunden oder Tagen,
die für
die neurotrope Aktivität
von Prosaposin oder von einem von Prosaposin abgeleiteten Peptid
erforderlich waren.
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Die
Wirksamkeit des erfindungsgemäßen Verfahrens
bei der Minderung neuropatischer Schmerzen wurde mit dem anerkannten
Chung-Rattenmodell für
periphere Neuropathie nachgewiesen. In dem Chung-Rattenmodell erzeugt
eine spinale Nerven-Teilverbindung der linken spinalen Nerven L-5
und L-6 eine lang andauernde Überempfindlichkeit
gegenüber
leichtem Druck auf den betroffenen linken Fuß. Die Überempfindlichkeit ist ähnlich zu
dem Schmerz, den Menschen in einem neuropatischen Zustand der Causalgia wahrnehmen,
wie von Kim und Chung in, Pain 50:355-363 (1992) beschrieben ist.
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Vor
der Verabreichung eines aktiven Prosaposin-Fragments wiesen Chung-Modellratten
einen Schwellenwert von 3,0 bis 4,0 g auf, bevor der betroffene
Fuß in Erwiderung
(Response) auf den Druck zurückgezogen
wurde (Von Frey Hairs) (siehe 1). Nach
der Verabreichung eines aktiven Prosaposin-Fragments (von Prosaposin
abgeleitetes 22-mer, SEQ ID NO. 1) wurden die neuropatischen Schmerzen
gemindert, was durch eine größere Toleranz
gegenüber
dem Druck bewiesen wurde, bevor der betroffene Fuß zurückgenommen
wurde. Die Wirkung des aktiven Prosaposin-Fragments trat innerhalb
von 15 Minuten auf und wurde, wie in 1 gezeigt,
während
3 auf die Verabreichung folgenden Stunden aufrecht erhalten. Diese
schnelle Linderung der neuropatischen Schmerzen steht in starkem
Kontrast zu den verzögerten
neurotropen Effekten, die zuvor für das Prosaposin und von Prosaposin
abgeleitete Peptide berichtet wurden.
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Ein
aktives Fragment von Prosaposin, wie das von Prosaposin abgeleitete
Peptid SEQ ID NO. 2, minderte auch den Schmerz in einem Rattenmodell
für schmerzhafte
diabetische Neuropathie. Wie in Beispiel III beschrieben, verringerte
das Peptid SEQ ID NO. 2 die Allodynie bei Ratten mit kurzzeitiger
Insulin-defizienter Diabetes, die durch das selektive β-Zell-Toxin,
Streptozotocin, verursacht wurde. Somit kann ein erfindungsgemäßes aktives
Fragment von Prosaposin oder ein von Prosaposin abgeleitetes Peptid
verwendet werden, um eine Vielzahl von Typen von neuropatischen
Schmerzen, einschließlich
mechanischen Schmerzen, wie durch das Chung-Rattenmodell gezeigt,
und metabolischen Schmerzen, wie durch die Verwendung dieser Peptide
zur Minderung von Schmerzen in diabetischen Ratten exemplarisch
gezeigt, zu verringern.
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Wie
hierin verwendet, bedeutet der Begriff "neuropatische Schmerzen bzw. Schmerz" einen Schmerz, resultierend
aus einer Verletzung eines Nervs. Die neuropatischen Schmerzen sind
von den nozizeptiven Schmerzen zu unterscheiden, welche die Schmerzen
sind, die durch eine akute Gewebeverletzung verursacht werden, worin
kleine Hautnerven oder kleine Nerven in Muskeln oder im Bindegewebe
involviert sind. Der Schmerz, bei dem ein nozizeptiver Mechanismus
eine Rolle spielt, ist normalerweise auf die Dauer der Gewebereparatur
beschränkt
und ist im Allgemeinen durch verfügbare schmerzlindernde Mittel
oder Opioide zu lindern, wie beschrieben in Myers, Regional Anesthesia
20:173-184 (1995).
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Die
neuropatischen Schmerzen sind gewöhnlich lang andauernd oder
chronisch und entwickeln sich häufig
Tage oder Monate nach einer anfänglich
akuten Gewebeverletzung. Die neuropatischen Schmerzen können hartnäckigen,
spontanen Schmerz sowie Allodynie mit sich bringen, welche eine
schmerzhafte Erwiderung auf einen Reiz ist, der normalerweise nicht
schmerzhaft ist. Die neuropatischen Schmerzen können auch durch Hyperalgesie
charakterisiert werden, in welcher eine verschärfte Erwiderung auf einen schmerzhaften
Reiz auftritt, der normalerweise, wie bei einem Nadelstich, geringfügig ist.
Anders als der nozizeptive Schmerz sind die neuropatischen Schmerzen
im Allgemeinen gegenüber
einer Opioid-Therapie resistent (Myers, ibid., 1995).
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Das
erfindungsgemäße Verfahren
ist für
die Linderung neuropatischer Schmerzen, resultierend aus einer Störung eines
peripheren Nervs, des Spinalganglions, des Rückenmarks, des Hirnstammes,
des Thalamus' oder
des Cortex', anwendbar.
Wie hierin verwendet, bedeutet der Begriff "Störung" jedes mögliche Trauma,
jede mögliche
Verletzung, Erkrankung oder jeden möglichen Zustand, aus dem neuropatische
Schmerzen entstehen.
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Das
erfindungsgemäße Verfahren
ist unabhängig
von der Ätiologie
des Schmerzes zur Linderung neuropatischer Schmerzen anwendbar.
Z.B. kann ein erfindungsgemäßes Verfahren
angewendet werden, um die neuropatischen Schmerzen zu mindern, welche
aus einer peripheren Nervenstörung,
wie Neurom, Nervenkompression, Nervenquetschung, Nervendehnung oder
unvollständiger
Nervendurchtrennung, Mononeuropathie oder Polyneuropathie, resultieren.
Ein erfindungsgemäßes Verfahren
kann auch angewendet werden, um die neuropatischen Schmerzen zu
mindern, die sich aus einer Störung,
wie einer Hinterwurzelganglion- bzw. Spinalganglionkompression,
Entzündung
des Rückenmarks,
Prellung, Tumor- oder Hemisektion des Rückenmarks, Tumoren des Hirnstamms,
des Thalamus' oder
des Cortex', oder
Trauma des Hirnstamms, des Thalamus' oder des Cortex' ergeben (siehe z.B. Tab. 1).
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Das
erfindungsgemäße Verfahren
kann z.B. nützlich
sein, neuropatische Schmerzen zu lindern, welche aus einem Neurom
resultieren, das sich einfach nach einer traumatischen Verletzung
eines Nervs entwickeln kann, insbesondere wenn ein ganzer Nerv ernsthaft
gequetscht oder durchtrennt wird. Bei einem Neurom ist das Neurit-Wachstum,
das normalerweise einen peripheren Nerv regeneriert, anomal oder
fehlgeleitet, z.B. zu einer körperlichen
Obstruktion, wie einem Narbengewebe. So wird eine regenerierte Nervenfaser
in eine Umgebung eingebracht, in der mechanische und physische Faktoren
eine anormale elektrophysiologische Aktivität und Schmerzen erzeugen (Myers,
ibid., 1995). Ein Amputationsneurom kann z.B. Phantomschmerzen verursachen
oder Schmerzen, die durch den Gebrauch einer Gliedprothese ausgelöst werden.
Wie hierin offenbart, können
solche neuropatischen Schmerzen durch die Verabreichung eines aktiven
Prosaposin-Fragments gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren
gelindert werden.
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Eine
Nervenkompression führt
ebenfalls zu neuropatischen Schmerzen, die unter Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens
behandelt werden können.
Eine Nervenkompression kann, wie im Fall traumatischer Nervenquetschung,
abrupt stattfinden oder infolge eines Tumorwachstums oder einer
Narbenbildung in der Nähe
eines Hauptnervenstrangs verlängert
und moderat verlaufen. Eine Kompressionsneuropathie kann als Ergebnis
von Veränderungen
im Blutstrom zu einem Nerv auftreten, wodurch eine heftige Ischämie und
folglich eine Nervenverletzung verursacht wird (Myers, ibid., 1995).
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Die
Verabreichung eines aktiven Prosaposin-Fragments gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren kann
die neuropatischen Schmerzen ebenfalls lindern, die aus einer Mononeuropathie
oder einer Polyneuropathie resultieren. Wie hierin verwendet, ist
eine Neuropathie eine Funktionsstörung oder eine pathologische Veränderung
im peripheren Nervensystem und klinisch durch sensorische oder motorische
Neuronmissbildungen gekennzeichnet. Der Begriff Mononeuropathie
zeigt an, dass ein einziger peripherer Nerv betroffen ist, während der
Begriff Polyneuropathie anzeigt, dass mehrere periphere Nerven betroffen
sind.
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Die Ätiologie
einer Neuropathie kann bekannt oder unbekannt sein (siehe z.B. Myers,
ibid., 1995; Galer, Neurology 45 (suppl. 9):S. 17-25 (1995); Stevens
und Lowe, Pathology, Times Mirror International Publishers Limited,
London (1995)). Bekannte Ätiologien
schließen
Komplikationen bei einer Krankheit oder einem toxischen Zustand
ein; z.B. ist Diabetes die am häufigsten
vorkommende metabolische Störung,
die Neuropathie verursacht. Das erfindungsgemäße Verfahren lindert die neuropatischen
Schmerzen einer Mononeuropathie, welche z.B. aus Diabetes, Bestrahlung,
Ischämie
oder Vasculitis resultiert. Das erfindungsgemäße Verfahren lindert auch die
neuropatischen Schmerzen einer Polyneuropathie, welche z.B. aus
einem Post-Polio-Syndrom, Diabetes, Alkohol, Amyloid, Toxinen, HIV,
Hypothyreose, Urämie,
Vitaminmangel, Chemotherapie, ddC oder der Fabry-Krankheit resultieren (siehe Tab. 1).
Das erfindungsgemäße Verfahren
ist beson ders nützlich
zur Linderung der Post-Polio-Myalgie. Das erfindungsgemäße Verfahren
kann ebenfalls die neuropatischen Schmerzen einer unbekannten Ätiologie
mindern.
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Wie
hierin offenbart, kann ein aktives Prosaposin-Fragment auch bei
der Linderung von neuropatischen Schmerzen oder bei der Stimulation
des Neurit-Wachstums, der Inhibierung des neuralen Zelltodes, der Förderung
der Myelinisierung oder Inhibierung der Demyelinisierung oder der
Inhibierung der sensorischen Neuropathie nützlich sein. Der Begriff "aktives Prosaposin-Fragment", wie hierin verwendet,
bedeutet ein Peptid, das eine Aminosäuresequenz hat, welche der
Aminosäuresequenz
von Prosaposin entspricht und eine Aktivität zur Linderung neuropatischer
Schmerzen aufweist oder das Neurit-Wachstum stimuliert, den neuralen Zelltod
inhibiert, Myelinisierung fördert
oder Demyelinisierung inhibiert oder sensorische oder motorische
Neuropathie inhibiert.
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Wie
hierin verwendet, bedeutet die Linderung der neuropatischen Schmerzen
das Verringern der Heftigkeit der neuropatischen Schmerzen. In einer
menschlichen Person verringert ein aktives Prosaposin-Fragment die
Heftigkeit der neuropatischen Schmerzen, so dass das Leiden der
Person gemindert und die Lebensqualität verbessert wird. Ein aktives
Prosaposin-Fragment kann auch die neuropatischen Schmerzen in einem beliebigen
gut etablierten Tiermodell für
neuropatische Schmerzen mindern, wie weiter unten beschrieben ist (siehe
auch Bennett, Muscle & Nerve
16:1040-1048 (1993)). Wie hierin verwendet, ist der Begriff "aktives Prosaposin-Fragment" mit "von Prosaposin abgeleitetem
Peptid" synonym.
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Das
aktive Prosaposin-Fragment enthält
vorzugsweise die Aminosäuresequenz Leu-Ile-Asp-Asn-Asn-Lys-Thr-Glu-Lys-Glu-Ile-Leu
(SEQ ID NO. 3), das den Aminosäuren
18 bis 29 von Saposin C entspricht. In einer stärker bevorzugten Ausführungsform
hat ein aktives Prosaposin-Fragment die Aminosäuresequenz Cys-Glu-Phe-Leu-Val-Lys-Glu-Val-Thr-Lys-Leu-Ile-Asp-Asn-Asn-Lys-Thr-Glu-Lys-Glu-Ile-Leu (SEQ ID NO.
1), das den Aminosäuren
8 bis 29 von Saposin C entspricht, oder die Aminosäuresequenz Thr-D-Ala-Leu-Ile-Asp-Asn-Asn-Ala-Thr-Glu-Glu-Ile-Leu-Tyr (SEQ ID NO.
2), das den Aminosäuren
16 bis 29 von Saposin C entspricht, welches aber durch Ersatz von
Lysin durch D-Alanin an Position 2, Ersatz von Lysin durch Alanin
an Position 8, Deletion von Lysin an Position 11 und Hinzufügung eines
C-terminalen Tyrosinrests geändert
worden ist (siehe Tab. 2). Solche Modifikationen können wie
unten beschrieben für
die Erhöhung
der Peptidstabilität
oder -aufnahme über
der Blut-Hirn-Schranke nützlich
sein. Wie hierin verwendet, kann D-Alanin durch D-Ala oder X dargestellt
werden.
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Ein
aktives Prosaposin-Fragment kann ungefähr 12 Aminosäuren bis
ungefähr
80 Aminosäuren
aufweisen, was der vollen Länge
des Saposin C entspricht. Vorzugsweise hat ein aktives Prosaposin-Fragment ungefähr 12 Aminosäuren bis
ungefähr
40 Aminosäuren
und vorzugsweise ungefähr
14 Aminosäuren
bis ungefähr
22 Aminosäuren.
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Zur
Anwendung bei der Linderung neuropatischer Schmerzen in einer menschlichen
Person wird ein aktives Fragment des menschlichen Prosaposin, wie
SEQ ID NO. 1 oder SEQ ID NO. 2, bevorzugt. SEQ ID NO. 3 ist in Tab.
2 und in der gesamten Beschreibung für Vergleichszwecke gezeigt.
Jedoch ist auch ein aktives Fragment, das von einem anderen Säugetier-
Prosaposin abgeleitet ist, bei der Linderung neuropatischer Schmerzen
gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren
nützlich.
So kann z.B. auch ein aktives Fragment eines Maus-Prosaposin, eines
Ratten-Prosaposin, eines Meerschweinchen-Prosaposin oder eines Rinder-Prosaposin, wie SEQ
ID NOS. 4 bis 7, bei der Linderung neuropatischer Schmerzen in einem
Subjekt nützlich
sein.
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Die
Aminosäuresequenz
eines aktiven Fragments des menschlichen Prosaposin (SEQ ID NO.
1), das den Aminosäuren
8 bis 29 des Saposin C entspricht, ist in nerhalb der anderen Spezies
gut erhalten, wie in Tab. 3 gezeigt ist. Insbesondere sind die benachbarten
Asparagin (N)-Reste bei Mensch-, Maus-, Ratte-, Meerschweinchen-
und Rinder-Prosaposinen erhalten. Außerdem ist ein Leucin (L)-Rest mit 3 bis 4
Resten zum N-Terminus der zwei Asparagin-Reste erhalten, und ein
oder mehrere geladene Reste (Asparaginsäure (D), Lysin (K), Glutaminsäure (E)
oder Arginin (R)) sind mit 2 bis 8 Resten zum C-Terminus der zwei
Asparagin-Reste
erhalten. Jeder dieser gut erhaltenen Reste ist in Tab. 3 unterstrichen.
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Die
oben beschriebenen gut erhaltenen benachbarten Asparagin-Reste,
der Leucin-Rest und die geladenen Reste können für die Aktivität eines
aktiven Prosaposin-Fragments für
die Linderung von neuropatischen Schmerzen oder bei der Stimulierung
des Neurit-Wachstums, der Inhibierung des neuralen Zelltodes, der
Förderung
der Myelinisierung oder Inhibierung der Demyelinisierung oder bei
der Inhibierung der motorischen Neuropathie wichtig sein. Z.B. ist
das von Prosaposin abgeleitete 22-mer (SEQ ID NO. 1) oder das von Prosaposin
abgeleitete 14-mer (SEQ ID NO. 2) ein aktives Prosaposin-Fragment,
das die schmerzhafte Allodynie verringert, zu sehen im Chung-Rattenmodell
für periphere
Neuropathie, wie im Beispiel I offenbart (siehe 1 und 2).
Demgegenüber
mangelt es einer 22-mer-Mutante
(SEQ ID NO. 8), welche sich von SEQ ID NO. 1 darin unterscheidet,
das sie einen Asparaginsäure-Rest
(D) an Stelle des ersten konservierten Asparagins aufweist (siehe
Tab. 4), an Aktivität
bei der Linderung neuropatischer Schmerzen, wie unter Verwendung von
Chung-Ratten (siehe Beispiel I) geprüft.
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Die
Aktivität
eines Peptids zur Linderung neuropatischer Schmerzen kann auch mit
der neurotropen Aktivität
korreliert werden. Zum Beispiel lindern das von Prosaposin abgeleitete
22-mer (SEQ ID NO. 1) und das von Prosaposin abgeleitete 14-mer
(SEQ ID NO. 2) die neuropatischen Schmerzen und weisen eine neurotrope
Aktivität
auf. Außerdem
ist die 22-mer-Mutante (SEQ ID NO. 8), wie oben beschrieben, bezüglich der Linderung
neuropatischer Schmerzen inaktiv, und es fehlt die neurotrope Aktivität, was weiterhin
anzeigt, dass die Aktivität
zur Linderung neuropatischer Schmerzen mit neurotroper Aktivität korrelieren
kann. Die 14-mer-Peptid-M-1-Mutante
(SEQ ID NO. 9), welche eine Substitution am zweiten konservierten
Asparagin-Rest aufweist, fehlt die neurotrope Aktivität, was anzeigt,
dass die Peptid-SEQ ID NO. 9 bezüglich
der Linderung neuropatischer Schmerzen ebenfalls inaktiv ist. Der
14-mer-Peptid-M-2-Mutante (SEQ ID NO. 10), welche eine Substitution
am konservierten Leucin-Rest aufweist, fehlt die neurotrope Aktivität, was anzeigt,
dass die Peptid-SEQ ID NO. 10 bezüglich der Linderung neuropatischer
Schmerzen ebenfalls inaktiv ist. Demgegenüber ist das von Prosaposin
abgeleitete 12-mer-Peptid (SEQ ID NO. 3), das die oben beschriebenen
konservierten benachbarten Asparagine, das Leucin und die geladenen
Reste hat, als neurotroper Faktor aktiv.
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Von
Prosaposin abgeleitete Peptide und deren neurotrope Analoga haben
bedeutende therapeutische Anwendungen bei der Förderung einer funktionalen
Wiederherstellung nach toxischen, traumatischen, ischämischen,
degenerativen oder ererbten Verletzungen des peripheren oder zentralen
Nervensystems. Außerdem können diese
Peptide die Myelinisierung fördern
oder die Demyelinisierung inhibieren, was dem Effekt von Demyelinisierungskrankheiten
entgegenwirkt. Weiterhin stimulieren solche Peptide das Wachstum
von Neuronen und inhibieren den programmierten Zelltod in neuronalem
Gewebe. Die erfindungsgemäßen aktiven neurotropen
und myelinotropen Peptide haben zwischen ungefähr 12 oder 14 und ungefähr 50 Aminosäuren und
schließen
vorzugsweise die nicht natürlich
auftretende Prosaposin-Sequenz, die in SEQ ID NO. 2 gezeigt ist,
ein. Z.B. besitzen die erfindungsgemäßen aktiven neurotropen und
myelinotropen Peptide zwischen 14 und ungefähr 50 Aminosäuren und
schließen
die nicht natürlich
auftretende Prosaposin-Sequenz ein, die in SEQ ID NO. 2 gezeigt
ist.
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Gemäß einer
anderen Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung wird ein Verfahren zum Stimulieren des
Neurit-Wachstums, zum Inhibieren des neuralen Zelltodes, zur Förderung
der Myelinisierung oder Inhibierung der Demyelinisierung in differenzierten
und undifferenzierten neuronalen Zellen zur Verfügung gestellt, indem neuronalen
Zellen eine wirksame Menge eines das Neurit-Wachstum fördernden
oder eines Myelinisierungseigenschaften aufweisenden Peptids, das
zwischen ungefähr
12 und ungefähr
50 Aminosäuren besitzt
und vorzugsweise das in SEQ ID NO. 2 gezeigte Peptid einschließt, verabreicht
wird. In den erfindungsgemäßen Verfahren
zum Anregen des Neurit-Wachstums, zum Inhibieren des neuralen Zelltodes,
zur Förderung
der Myelinisierung oder Inhibierung der Demyelinisierung kann eine
wirksame Menge eines Peptids, das z.B. zwischen 14 und ungefähr 50 Aminosäuren aufweist
und das das in SEQ ID NO. 2 gezeigte Peptid einschließt, verwendet
werden.
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Die
Eignung solcher Peptide, das Neurit-Wachstum anzuregen, den neuralen
Zelltod zu inhibieren, die Myelinisierung zu fördern oder Demyelinisierung
zu inhibieren, kann von einem Fachmann unter Verwendung der in den
Beispielen IV bis VII beschriebenen Verfahren einfach bestimmt werden.
Die Verfahren zum Prüfen der
Eignung dieser Peptide, die Myelinisierung zu fördern und die Demyelinisierung
zu inhibieren, werden in den Beispielen VI und VII unten gezeigt.
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Die
vorliegende Erfindung stellt auch ein Verfahren zur Inhibierung
einer sensorischen Neuropathie durch In-Kontakt-Bringen neuronaler
Zellen mit einer Zusam mensetzung bereit, die eine wirksame inhibierende
Menge eines aktiven Prosaposin-Fragments enthält. Die Erfindung stellt z.B.
ein Verfahren zur Inhibierung einer sensorischen Neuropathie durch
In-Kontakt-Bringen neuronaler Zellen mit einer Zusammensetzung bereit,
die eine wirksame inhibierende Menge eines Peptids enthält, welches
die als SEQ ID NO. 1 oder SEQ ID NO. 2 gezeigte Sequenz aufweist.
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Wie
hierin in Beispiel X beschrieben, kann ein von Prosaposin abgeleitetes
Peptid bei der Inhibierung einer sensorischen Neuropathie verwendbar
sein. In einem Mausmodell, in dem eine sensorische Neuropathie durch
eine Taxol-Verabreichung induziert wird, wird normalerweise ein
Verlust der thermischen Empfindung beobachtet. Jedoch wurde der
Verlust der thermischen Empfindung in den mit Taxol behandelten
Mäusen,
denen 100 μg/kg
des Peptids der SEQ ID NO. 1 gegeben wurden, inhibiert. Diese Ergebnisse
zeigen an, dass von Prosaposin abgeleitete Peptide ein neurotroper
Faktor sowohl für
sensorische als auch für
motorische Neuronen sein können.
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Ein
in den erfindungsgemäßen Verfahren
einsetzbares Peptid kann z.B. auch die SEQ ID NOS. 11 bis 19 (siehe
Tab. 5) haben. Z.B. zeigt die Sequenz-Anordnung des von Prosaposin
abgeleiteten 22-mer-Peptids der SEQ ID NO. 1 mit Zytokinen und Wachstumsfaktoren
eine Sequenz-Ähnlichkeit
zu einer Anzahl von menschlichen (h) Zytokinen, einschließlich hCNTF,
hIL-6, hIL-2, hIL-3, hIL1-γ,
Erythropoietin (hEPO), Human Leukocyte Inhibition Faktor (hLIF),
der hIL-1-β-Kette
und On-costatin-M
(hONC-M), an. Die SEQ ID NOS. 11 bis 19, wie das aktive Prosaposin-Fragment der SEQ
ID NO. 1, enthalten zwei Asparagin-Reste, die benachbart oder durch
eine Aminosäure
getrennt sind. Außerdem
können
die von Zytokinen abgeleiteten Peptidsequenzen enthalten: einen
drei bis vier Reste vom N-Terminus der zwei Asparagin-Reste entfernten
Leucin (L)- oder Isoleucin (I)-Rest und einen oder mehrere zwei
bis acht Reste zum C-Terminus der zwei Asparagin-Reste entfernte
geladene Reste (Asparaginsäure
(D), Lysin (K), Glutaminsäure
(E) oder Arginin (R)), wie es in dem aktiven Prosaposin-Fragment
zu sehen ist (22-mer;
SEQ ID NO. 1). Jeder dieser Reste ist in Tab. 5 unterstrichen.
-
Die
Modelle für
eine Zytokin-Rezeptor-Bindung (Sprang und Bazan, Curr. Opin. Struct.
Biol., 3:816 (1993)) haben die evolutionäre Konservierung einer vier-helikalen
Strangstruktur hervorgehoben, die vielen Zytokinen gemein ist. Jede
der Zytokin- oder Wachstumsfaktor-Sequenzen, welche zur von Prosaposin
abgeleiteten Sequenz SEQ ID NO. 1 verwandt ist, befindet sich zwischen
den Helices A und B (AB-Loop bzw. -Schleife) oder innerhalb der
Helix C des Zytokins.
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-
Die
strukturell verwandten, von Zytokin und Wachstumsfaktor abgeleiteten
Peptide der SEQ ID NOS. 11 bis 19 können in den Verfahren zur Linderung
neuropathischer Schmerzen auch verwendbar sein. Die Peptide der
SEQ ID NOS. 11 bis 19 können
auf Aktivität
zur Linderung neuropatischer Schmerzen getestet werden, z.B. im
Chung-Rattenmodell, beschrieben in Beispiel I; in einem Modell für diabetische
Neuropathie, wie beschrieben in Beispiel III-Tests, beschrieben
von Wall et al., Pain 7:103-113 (1979); Bennett und Xie, Pain 33:87-107
(1988); Lekan et al., Soc. Neurosci. Abstr.. 18:287 (1992) oder
Palacek et al., Soc. Neurosci. Abstr.. 18:287 (1992); oder anderen
Tests zu neuropatischen Schmerzen.
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Die
von Zytokin und Wachstumsfaktor abgeleiteten Peptide der SEQ ID
NOS. 11 bis 19 können
auch in Verfahren zur Stimulation des Neurit-Wachstums, zum Inhibieren
des neuralen Zelltodes, zum Fördern
der Myelinisierung oder zum Inhibieren der Demyelinisierung oder
in Verfahren der Inhibierung der sensorischen oder motorischen Neuropathie
einsetzbar sein. Ein Peptid, das zwischen ungefähr 14 und ungefähr 50 Aminosäuren aufweist
und die aktive neurotrope Region enthält, enthaltend eine der Sequenzen
SEQ ID NO. 11 bis 19, kann getestet werden: auf die Eignung, das
Neurit-Wachstum zu fördern,
wie in Beispiel IV beschrieben, auf die Eignung, den neuralen Zelltod
zu inhibieren, wie in Beispiel V beschrieben, oder auf die Eignung,
die Myelinisierung zu fördern,
wie in Beispiel VI beschrieben, oder auf die Eignung, die Demyelinisierung
zu inhibieren, wie in Beispiel VII beschrieben, oder auf die Eignung,
die sensorische Neuropathie zu inhibieren, wie beschrieben in Beispiel
X.
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Ein
bei der Linderung von neuropatischen Schmerzen verwendbares aktives
Prosaposin-Fragment oder ein Peptid kann durch Screening bzw. Reihentests
einer großen
Sammlung oder Bibliothek von Zufallspeptiden oder in Frage kommenden
Peptiden, zum Beispiel aus einem der Tiermodelle für neuropatische Schmerzen,
identifiziert werden. Solche in Frage kommenden Peptide können zum
Beispiel sein: die von Zytokin und Wachstumsfaktor abgeleiteten
Peptide der SEQ ID NOS. 11 bis 19, die zum aktiven Prosaposin-Fragment
(SEQ ID NO. 1) verwandte Aminosäuresequenzen
aufweisen. In Frage kommende Peptide können z.B. auch sein: eine Population
von zur Aminosäuresequenz
SEQ ID NO. 1 verwandten Peptiden, welche konservierte Asparagin-Reste,
einen Leucin-/Isoleucin-Rest und einen oder mehrere geladene Reste
an den Positionen aufweisen, die den Positionen entsprechen, in
denen diese Reste in SEQ ID NO. 1 gefunden werden, wobei diese auch
eine oder mehrere Aminosäuren
haben, die sich von den Aminosäuren
der SEQ ID NO. 1 unterscheiden.
-
Die
Peptidbibliotheken schließen
z.B. die markierten chemischen Bibliotheken mit ein, die Peptid-
und peptidomimetische Moleküle
enthalten. Die Peptidbibliotheken enthalten auch jene, welche durch
eine Bakteriophagenanzeige-Technologie bzw. Phage Display Technology
generiert werden. Die Bakteriophagenanzeige-Technologie schließt die Expression
von Peptidmolekülen
auf der Oberfläche
eines Bakteriums sowie andere Verfahrensweisen ein, durch die ein
Protein-Ligand der Nukleinsäure,
die ihn kodiert, zugeordnet ist oder werden kann. Verfahren zur
Generierung von Bakteriophagenanzeige-Bibliotheken, einschließlich Vektoren, und Verfahren
zur Diversifizierung von Peptid-Populationen, welche exprimiert
werden, sind weithin bekannt (siehe z.B., Smith und Scott, Methods
Enzymol. 217:228-257 (1993); Scott und Smith, Science 249:386-390 (1990);
und Huse, WO 91/07141 und WO 91/07149). Diese oder andere weithin
bekannte Verfahren können verwendet
werden, um eine Bakteriophagenanzeige-Bibliothek zu generieren,
von welcher aus die angezeigten Peptide gespalten und auf eine Aktivität zur Linderung
von neuropatischen Schmerzen oder auf eine andere neurotrope oder
myelinotrope Aktivität,
wie hierin beschrieben, getestet werden können. Wenn gewünscht, kann
eine Population von Peptiden auf eine Aktivität getestet werden, und eine
aktive Population kann abgeteilt werden, und der Test kann wiederholt
werden, um ein aktives Peptid aus dieser Population zu isolieren.
Andere gemäß der Erfindung
anwendbare Verfahren für
die Herstellung von Peptiden schließen zum Beispiel auf einem
rationalen Design und Mutagenese basierende Aminosäuresequenzen
von aktiven Prosaposin-Fragmenten, wie z.B. SEQ ID NO. 1 und SEQ
ID NO. 2, ein.
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Wie
hierin offenbart, kann ein aktives Prosaposin-Fragment oder ein
Peptid, das bei der Linderung neuropatischer Schmerzen einsetzbar
ist, durch seine Aktivität
bei der Linderung neuropatischer Schmerzen in irgendeinem der etablierten
Tiermodelle für
neuropatische Schmerzen identifiziert werden (Bennett, ibid., 1993).
Z.B. kann ein aktives Prosaposin-Fragment unter Anwendung eines
Experimentalmodells für
periphere Neuropathie, hergestellt durch segmentale Spinalnerven-Ligation in der Ratte,
identifiziert werden. Das Chung-Rattenmodell dupliziert die Symptome
bei menschlichen Patienten mit Causalgia oder starken Schmerzen
auf Grund einer Verletzung eines peripheren Nervs (Kim und Chung,
ibid., 1992). Das chirurgische Verfahren von Kim und Chung erzeugt
eine lang anhaltende Hyperalgesie gegenüber schädlicher Hitze und eine mechanische
Allodynie beim betroffenen Fuß.
Wie im Beispiel I beschrieben, sind Ratten mit Spinalnerven-Ligation,
entsprechend dem von Chung und Kim entwickelten Verfahren, bei der
Identifizierung eines aktives Prosaposin-Fragments zur Verwendung
bei der Linderung neuropatischer Schmerzen verwendbar.
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Ein
für die
Linderung neuropatischer Schmerzen verwendbares aktives Prosaposin-Fragment
oder ein Peptid kann auch durch seine Aktivität bei der Linderung neuropatischer
Schmerzen in einem Rattenmodell für schmerzhafte diabetische
Neuropathie identifiziert werden. Eine Hyperalgesie gegenüber thermisch,
mechanisch und chemisch schädlichen
Reizen ist ebenfalls in diabetischen Ratten mit einer Kurzzeit-Insulinmangel-Diabetes
berichtet worden, die durch ausgewählte β-Zelltoxine, wie Streptozotocin (Calcutt
et al., Pain 68:293-299 (1996)), induziert wird. Solch ein Rattenmodell
ist für
einen Schmerz repräsentativ,
der bei diabetischen Menschen nachgewiesen worden ist, die eine
Vielzahl von anomalen Empfindungen bzw. Empfindlichkeiten zeigen,
einschließlich
spontaner Schmerzen, Schmerzen, ausgelöst durch Lichtkontakt und Hyperalgesie.
Die Ratten, die mit Streptozotocin oder einem anderen ausgewählten β-Zelltoxin
behandelt wurden, können
mit einem Fragment oder einem in Frage kommenden Peptid behandelt
werden; anschließend
wird die Erwiderung auf einen schädlichen Reiz bzw. einen schädlichen
Stimulus, wie durch 0,5 % Formalin, gemessen. Eine verringerte Erwiderung
kann verwendet werden, um ein bei der Linderung neuropatischer Schmerzen
verwendbares aktives Prosaposin-Fragment oder ein Peptid zu identifizieren.
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Ein
zur Linderung neuropatischer Schmerzen verwendbares aktives Prosaposin-Fragment oder ein Peptid
kann auch mit dem Neurom-Modell von Wall et al. identifiziert werden.
Dieses anerkannte Modell für neuropatische
Schmerzen reproduziert die menschlichen Symptome, die nach einer
Amputation oder Nervendurchtrennung in einem intakten Glied zu sehen
sind (Wall et al., ibid., 1979). Wie oben besprochen, bildet sich ein
Neurom einfach nach einer Nervendurchtrennung auf Grund eines vereitelten
Wachstums der Neurit-Sprößlinge.
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Ein
Modell einer chronischen Konstriktionsverletzung kann auch verwendet
werden, um ein aktives Prosaposin-Fragment oder ein Peptid, das
bei der Linderung neuropatischer Schmerzen verwendbar ist, zu identifizieren.
Das chronische Konstriktionsverletzungs-Modell von Bennett und Xie,
ibid., 1988, ist ein Rattenmodell für periphere Neuropathie, welches
Schmerzerkrankungen bzw. -störungen
wie beim Menschen produziert. Im Bennett-Modell wird eine Nervenverletzung
durch lose bindende Konstriktions-Ligaturfäden um einen Hüftnerv der
Ratte erzeugt, wodurch eine Degeneration des Nervenendes hin zur
Konstriktion verursacht wird.
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Allodynie
und Hyperalgesie werden durch die Konstriktionsverletzung zusätzlich zu
dem spontanen Schmerz erzeugt.
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Primaten-Modelle
für neuropatische
Schmerzen sind auch einsetzbar, um ein aktives Prosaposin-Fragment
oder ein Peptid zu identifizieren, welches bei der Linderung neuropatischer
Schmerzen verwendbar ist (siehe z.B. Lekan et al., ibid., 1992;
Palacek et al., ibid., 1992).
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Der
hierin verwendete Begriff "Peptid", wie mit Hinweis
auf ein aktives Prosaposin-Fragment,
auf ein von Prosaposin abgeleitetes Peptid oder auf ein Peptid,
das in den erfindungsgemäßen Verfahren
einsetzbar ist, verwendet, hat die Bedeutung einer Verbindung, die
natürlich
vorkommende Aminosäuren,
nicht natürlich vorkommende
Aminosäuren
oder chemisch modifizierte Aminosäuren enthält, vorausgesetzt, dass die
Verbindung eine Aktivität
bei der Linderung neuropatischer Schmerzen oder eine andere neurotrope
oder myelinotrope Aktivität,
wie hierin beschrieben, aufweist. Ein von Prosaposin abgeleitetes
Peptid kann auch ein mimetisches Peptid sein, das nicht die chemische
Struktur einer Aminosäure
aufweist, das die Struktur eines von Prosaposin abgeleiteten Peptids
nachahmt und eine Aktivität
behält.
Solch ein Mimetic wird allgemein dadurch charakterisiert, dass es ähnliche
physikalische Eigenschaften, wie Größe, Ladung oder Hydrophobie,
bei gleicher räumlicher
Anordnung hat, wie dies bei den von Prosaposin abgeleiteten Peptid-Gegenstücken gefunden wird.
Ein spezifisches Beispiel eines mimetischen Peptids ist eine Verbindung,
in der eine Amidbindung zwischen einer oder mehreren Aminosäuren z.B.
durch eine Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindung oder durch andere gut
bekannte Bindungen ersetzt ist (siehe z.B. Sawyer, Peptid Based
Drug Design, ACS, Washington (1995)).
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Der
hierin verwendete Begriff "Aminosäure" bezieht sich auf
eine der zwanzig natürlich
vorkommenden Aminosäuren,
einschließlich
der L-Aminosäuren
und D-Aminosäuren, wenn
nichts anderes angegeben ist. Der Begriff Aminosäure bezieht sich auch auf Verbindungen,
wie chemisch modifizierte Aminosäuren,
einschließlich
Aminosäure-Analoga,
natürlich
vorkommende Aminosäuren,
die normalerweise nicht in Proteine eingebaut werden, wie Norleucin,
und auf chemisch synthetisierte Verbindungen, die für Aminosäuren charakteristische
Eigenschaften aufweisen, vorausgesetzt, dass die Verbindung innerhalb
des Peptids ersetzt werden kann, so dass es seine biologische Aktivität beibehält. Z.B.
kann Glutamin ein Aminosäure-Analoges
des Asparagins sein, vorausgesetzt, dass es innerhalb eines aktiven
Prosaposin-Fragments ersetzt werden kann, so dass es seine Aktivität bei der
Linderung neuropatischer Schmerzen oder eine andere neurotrope oder
myelinotrope Aktivität
behält,
wie hierin beschrieben. Andere Beispiele für Aminosäuren und Aminosäure-Analoga sind
in Gross und Meienhofer, The Peptides: Analysis. Synthesis. Biology,
Academic Press, Inc., New York (1983) verzeichnet. Eine Aminosäure kann
auch eine mimetische Aminosäure
sein, die eine Struktur aufweist, die im Wesentlichen die gleiche
räumliche
Anordnung der funktionellen Gruppen wie bei einer Aminosäure zeigt,
die aber nicht notwendigerweise sowohl die α-Amino- als auch α-Carboxyl-Gruppen
aufweist, die für
eine Aminosäure
charakteristisch sind.
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Ein
erfindungsgemäß verwendbares
aktives Prosaposin-Fragment oder ein Peptid kann unter Anwendung
von bekannten Verfahren isoliert oder synthetisiert werden. Solche
Verfahren schließen
rekombinante DNA-Verfahren und chemische Syntheseverfahren zur Herstellung
eines Peptids ein. Rekombinante Verfahren zur Herstellung eines
Peptids durch Expression einer Nukleinsäuresequenz, die das Peptid
in einer geeigneten Wirtszelle kodiert, sind weithin bekannt und
werden z.B. in Sambrook et al., Molecular Cloning: A Laboratory
Manual, 2. Ed., Vol. 1 bis 3, Cold Spring Harbor Laboratory Press,
New York (1989) beschrieben.
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Ein
erfindungsgemäß verwendbares
aktives Prosaposin-Fragment oder ein Peptid kann auch durch chemische
Synthese, z.B. durch das Solid-Phase-Peptid-Syntheseverfahren von
Merrifield et al., J. Am. Chem. Soc. 85:2149 (1964), hergestellt
werden. Die weithin bekannten Standardlösungsverfahren können auch
angewendet werden, um ein erfindungsgemäß verwendbares Peptid zu synthetisieren
(siehe, z.B., Bodanszky, Principles of Peptide Synthesis, Springer-Verlag,
Berlin (1984) und Bodanszky, Peptide Chemistry, Springer-Verlag,
Berlin (1993)). Ein neu-synthetisiertes Peptid kann z.B. durch Hochleistungsflüssigkeitschromatographie
(HPLC) gereinigt und z.B. mittels Massenspektrometrie oder Aminosäuresequenzanalyse
charakterisiert werden.
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Es
versteht sich, dass begrenzte Modifikationen an einem aktiven Prosaposin-Fragment durchgeführt werden
können,
ohne seine biologische Funktion zu zerstören. So liegt eine Modifikation
eines aktiven Prosaposin-Fragments, welche nicht seine Eignung zur
Linderung neuropatischer Schmerzen zerstört, innerhalb der Definition
eines aktiven Prosaposin-Fragments. Eine Modifikation kann z.B.
eine Hinzufügung,
eine Deletion oder einen Austausch von Aminosäureresten, einen Austausch
einer Verbindung, welche eine Aminosäurestruktur oder -funktion
nachahmt und eine Hinzufügung
von chemischen Resten, wie Amino- oder Acetylgruppen, einschließen. Die
Aktivität
eines modifizierten Peptids bei der Linderung neuropatischer Schmerzen
kann mit einem Tiermodell für
neuropatische Schmerzen geprüft
werden, wie mit jenen, die oben beschrieben wurden, oder mit dem
im Beispiel I dargestellten Test.
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Eine
besonders nützliche
Modifikation eines aktiven Prosaposin-Fragments verleiht diesem
z.B. erhöhte
Stabilität.
Z.B. kann die Einbringung einer oder mehrerer D-Aminosäuren oder
der Austausch oder die Deletion von Lysin die Stabilität eines
aktiven Prosaposin-Fragments erhöhen,
indem dieses gegen einen Peptidabbau geschützt wird. Wie hierin offenbart,
hat das von Prosaposin abgeleitete 14-mer mit SEQ ID NO. 2 zum Beispiel eine
Aminosäuresequenz,
die von den Aminosäuren
16 bis 29 des Saposin C abgeleitet ist, welche aber durch Austausch
oder Deletion einer der drei natürlich
vorkommenden Lysine und Hinzufügung
eines C-terminalen Tyrosin-Restes modifiziert worden ist. Insbesondere
hat das von Prosaposin abgeleitete 14-mer mit SEQ ID NO. 2 ein D-Alanin
durch Austausch von Lysin an Position 2, ein Alanin durch Austausch
von Lysin an Position 8 und eine Deletion des Lysins an Position
11. Der D-Alanin-Austausch an Position 2 verleiht eine erhöhte Stabilität, indem
er das Peptid vor einem weithin bekannten Endoprotease-Abbau schützt (siehe,
z.B. Seite 247 aus Patridge, Peptide Drug Delivery to the Brain,
Raven Press, New York (1991)). Der Austausch oder die Deletion eines
Lysin-Restes verleiht einen erhöhten
Widerstand gegenüber
Trypsin-ähnlichen
Proteasen, was aus der Literatur bekannt ist (Partridge, ibid.,
1991). Dieser Austausch erhöht
die Stabilität
und so die Bioverfügbarkeit
des Peptids der SEQ ID NO. 2, beeinflusst aber nicht die Aktivität bei der
Linderung neuropatischer Schmerzen.
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Eine
nützliche
Modifikation kann auch darin bestehen, den Peptiddurchgang durch
die Blut-Hirn-Schranke zu fördern,
z.B. eine Modifikation, welche Lipophilie erhöht oder die Wasserstoff-Bindung verringert.
Z.B. erhöht
ein am C-Terminus des von Prosaposin abgeleiteten Peptids (SEQ ID
NO. 2) zugefügter Tyrosin-Rest
die Hydrophobie und Permeabilität
durch die Blut-Hirn-Schranke (siehe z.B., Banks et al., Peptides
13:1289-1294 (1992) und Pardridge, ibid., 1991). Ein chimärisches
Peptid-Arzneimittel, das eine erhöhte biologische Stabilität oder erhöhte Permeabilität durch
die Blut-Hirn-Schranke hat, kann z.B. auch in dem erfindungsgemäßen Verfahren
verwendbar sein.
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Ein
Fachmann kann, wie in Beispiel II offenbart, zum Beispiel auf einfache
Weise die Eignung eines aktiven Prosaposin-Fragments, die Blut-Hirn-Schranke
in vivo zu passieren, testen. Außerdem kann ein aktives Prosaposin-Fragment
auf seine Eignung, die Blut-Hirn-Schranke zu passieren, getestet
werden, indem ein in vitro – Modell
für eine
Blut-Hirn-Schranke eingesetzt wird, das auf einem Gehirn-Mikrogefäß-Endothel-Zellkultursystem
beruht, z.B. beschrieben in Bowman et al., Ann. Neurol. 14:396-402
(1983) oder Takahura et al., Adv. Pharmacol. 22:137-165 (1992).
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Der
hierin verwendete Begriff "wirksame
Menge" bedeutet
die zur Linderung neuropatischer Schmerzen oder zur Verhinderung
neuropatischer Schmerzen brauchbare Menge eines aktiven Prosaposin-Fragments.
Eine wirksame Menge zur täglichen
systemischen Verabreichung hängt
vom Körpergewicht
des Subjektes ab. Vorzugsweise beträgt eine wirksame Menge zur
täglichen
systemischen Verabreichung ungefähr
0,1 μg/kg
bis ungefähr
1000 μg/kg.
Bevorzugter beträgt
eine wirksame Menge zur täglichen
systemischen Verabreichung ungefähr
10 μg/kg
bis ungefähr
100 μg/kg.
Eine wirksame Menge eines Peptids zur Linderung oder Verhinderung
von Schmerzen kann mit den weithin bekannten Verfahren empirisch
festgestellt werden, einschließlich
z.B. des im Beispiel I beschriebenen Tests oder jenen oben offenbarten,
einschließlich
der Tests mit Primaten (Lekan et al., ibid., 1992 und Palacek et
al., ibid., 1992).
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Eine
typische Mindestmenge der erfindungsgemäßen Peptide für eine neurotrope
oder myelinotrope Aktivität
im Zellwachstumsmedium liegt bei mindestens unge fähr 5 ng/ml.
Diese Menge oder eine größere Menge
eines erfindungsgemäßen Peptids
kann für
eine in vitro-Anwendung verwendet werden. Gewöhnlich können Konzentrationen im Bereich
von 0,1 μg/ml
bis zu ungefähr
10 μg/ml
eines erfindungsgemäßen Peptids verwendet
werden. Eine wirksame Menge für
die Behandlung eines bestimmten Gewebes kann, wie in den Beispielen
IV und VI beschrieben, bestimmt werden.
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Neurale
Zellen können
in vitro oder ex vivo mittels einer direkten Verabreichung eines
erfindungsgemäßen Peptids
an die Zellen behandelt werden. Dies kann z.B. durch Kultivierung
von Zellen in einem für
einen bestimmten Zelltyp geeigneten Wachstumsmedium durchgeführt werden,
gefolgt von einer Zugabe des Peptids zum Medium. Wenn die zu behandelnden
Zellen in vivo sind, typischerweise in einem Wirbeltier, vorzugsweise
einem Säugetier,
kann ein erfindungsgemäßes Peptid
durch eine der verschiedenen unten beschriebenen Techniken verabreicht
werden.
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Der
hierin verwendete Begriff "Subjekt" steht für ein Wirbeltier,
vorzugsweise ein Säugetier
und insbesondere einen Menschen.
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Die
vorliegende Erfindung stellt Verfahren zur Linderung von Schmerzen,
zur Stimulation des Neurit-Wachstums, zur Inhibierung des neuralen
Zelltodes, zur Förderung
der Myelinisierung und zur Inhibierung der Demyelinisierung sowie
Verfahren zur Inhibierung sensorischer oder motorischer Neuropathie
durch intravenöse,
intramuskuläre,
intradermale, subkutane, intrakranielle, intrazerebrospinale, topische,
orale, transdermale, transmucosale oder transnasale Verabreichung
einer wirksamen Menge eines aktiven Prosaposin-Fragments bereit.
Ein pharmazeutisch verträglicher,
gut bekannter Träger
kann mit einem aktiven Prosaposin-Fragment verabreicht werden. Derartige
Träger
schließen
z.B. Phosphat-gepufferte Kochsalzlösung (PBS) ein.
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Vorzugsweise
wird eine wirksame Menge eines aktiven Prosaposin-Fragments direkt
in den Blutstrom des Subjekts eingespritzt. Z.B. kann eine intravenöse Einspritzung
eines aktiven Prosaposin-Fragments angewendet werden, um das aktive
Fragment dem peripheren oder Zentralnervensystem zu verabreichen,
wobei ein jodiertes von Prosaposin abgeleitetes 18-mer Tyr-Lys-Glu-Val-Thr-Lys-Leu-Ile-Asp-Asn-Asn-Lys-Thr-Glu-Lys-Glu-Ile-Leu
(SEQ ID NO. 20), bestehend aus den Aminosäuren 12 bis 29 des von Prosaposin
abgeleiteten 22-mer der SEQ ID NO. 1 mit einem Austausch des Tyrosins
durch ein Valin bei Aminosäure
12 (MW = 2000) die Blut-Hirn-Schranke passierte und in das Zentralnervensystem
eintrat, wie in Beispiel II beschrieben. Die Aufnahme durch das
Gehirn betrug ungefähr
0,03 %, was im mittleren Wertebereich für Peptide dieser ungefähren Größe liegt,
die die Blut-Hirn-Schranke passieren (Banks et al., ibid., 1992).
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Eine
orale Verabreichung kann häufig
wünschenswert
sein, vorausgesetzt dass das aktive Prosaposin-Fragment so modifiziert
ist, dass es gegen einen gastrointestinalen Abbau beständig und
einfach absorbierbar ist. Der Austausch z.B. einer oder mehrerer
D-Aminosäuren
kann einem von Prosaposin abgeleiteten Peptid eine erhöhte Stabilität verleihen,
was in der Erfindung nützlich
ist.
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Eine
direkte intrakranielle Injektion oder eine Injektion in die zerebrospinale
Flüssigkeit
kann auch angewendet werden, um eine wirksame Menge eines aktiven
Prosaposin-Fragments in das Zentralnervensystem eines Subjekts einzubringen.
Außerdem
kann ein aktives Prosaposin-Fragment durch direkte Injektion oder
lokale topische Verabreichung oder durch systemische Verabreichung
in ein peripheres Nervengewebe eingebracht werden. Verschiedene
herkömmliche
Arten der Verabreichung werden ebenso erwogen, einschließlich intravenöser, intramuskulärer, intradermaler,
subkutaner, intrakranieller, epiduraler, topischer, oraler, transdermaler,
transmucosaler und intranasaler Verabreichung.
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Ein
aktives Prosaposin-Fragment kann auch in einer Abgabeform mit verzögerter Freisetzung
verabreicht werden. Die Abgabeform eines aktiven Prosaposin-Fragments
mit verzögerter
Freisetzung hat den Vorteil der Linderung neuropatischer Schmerzen über einem
ausgedehnten Zeitabschnitt ohne die Notwendigkeit von wiederholten
Verabreichungen des aktiven Fragments.
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Die
Abgabeform mit verzögerter
Freisetzung kann z.B. mit einem Abgabematerial mit verzögerter Freisetzung,
wie einem Wafer, einem Immunobead, einer Mikropumpe oder anderem
Material, erreicht werden, das eine kontrollierte, langsame Freisetzung
des aktiven Prosaposin-Fragments vorsieht. Solche kontrollierten Abgabematerialien
sind weithin bekannt und bei kommerziellen Anbietern erhältlich (Alza
Corp., Palo Alto CA; Depotech, La Jolla CA, siehe auch Pardoll,
Ann. Rev. Immunol. 13:399-415 (1995)). Außerdem kann ein bioerodierbares
oder bioabbaubares Material, wie Polymilchsäure, Polygalactidsäure, regeneriertes
Kollagen, multilamellare Liposomen oder andere herkömmliche
Depotformulierungen, das mit einem aktiven Prosaposin-Fragment formuliert
werden kann, implantiert werden, um das aktive Prosaposin-Fragment
langsam freizugeben. Die Verwendung von Infusionspumpen, Matrixeinschlusssystemen
und transdermalen Abgabevorrichtungen sind mit der vorliegenden
Erfindung ebenso berücksichtigt.
-
Ein
aktives Prosaposin-Fragment kann auch vorteilhaft in Mizellen oder
in Liposomen eingeschlossen werden. Die Liposomenverkapselungstechnologie
ist gut bekannt. Liposomen können
durch die Verwendung von Rezeptoren, Liganden oder Antikörpern, welche
zum Binden des entsprechenden Gewebes geeignet sind, auf ein spezifisches
Gewebe, wie ein Nervengewebe, aufgebracht werden. Die Zubereitung
dieser Formulierungen ist weithin bekannt (siehe z.B., Pardridge,
ibid., 1991 und Radin und Metz, Meth. Enz mol. 98:613-618 (1983)).
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Eine
erfindungsgemäße Peptidzusammensetzung
kann in einer Einheitsdosierungsform, wie einer spritzbaren Zusammensetzung
oder einer lokalen Zubereitung in einer Dosierungsmenge verpackt
und verabreicht werden, die zu einer täglichen Dosierung bzw. Dosis
gleichwertig ist, die einem Patienten verabreicht wird, und kann,
wenn gewünscht,
in einer Abgabeformulierung mit kontrollierter Freisetzung zubereitet
werden. Die Einheitsdosierungsform kann, zum Beispiel, eine mit
einem Septum abgeschlossenes Ampulle sein, die eine tägliche Dosis
der erfindungsgemäßen aktiven
Zusammensetzung in PBS oder in lyophilisierter Form enthält. Für die Behandlung
von neuralen Krankheiten basieren geeignete tägliche systemische Dosierungen
eines erfindungsgemäßen Peptids
auf dem Körpergewicht
des Wirbeltiers und liegen im Bereich von ungefähr 10 bis ungefähr 100 μg/kg, obgleich
Dosierungen von ungefähr
0,1 bis ungefähr
1.000 μg/kg
auch beabsichtigt sind. So kann eine systemische Dosierung für einen
typischen 70-Kg-Menschen
zwischen ungefähr
7 und ungefähr
70.000 μg
täglich
und vorzugsweise zwischen ungefähr
700 und ungefähr
7.000 μg
täglich
liegen. Eine tägliche
Dosis eines lokal verabreichten Materials wird ungefähr um eine
Größenordnung
kleiner sein als die systemische Dosierung. Eine orale Verabreichung
ist auch beabsichtigt.
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Die
Erfindung liefert auch ein Verfahren zur Linderung neuropatischer
Schmerzen in einem Subjekt, indem eine genetisch modifizierte Zelle
in das Subjekt implantiert wird, um ein aktives Prosaposin-Fragment zu
exprimieren und zu sekretieren. Eine Transplantation kann eine fortlaufende
Quelle eines aktiven Prosaposin-Fragments
und so eine unterstützende
Linderung neuropatischer Schmerzen bereitstellen. Für ein Subjekt, das
unter ausgedehnten oder chronischen neuropatischen Schmerzen leidet,
hat ein derartiges Verfahren den Vorteil einer Beseitigung oder
Verringerung der Notwendigkeit einer wiederholten Verabreichung
eines aktiven Prosaposin-Fragments.
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Mit
den weithin bekannten Verfahren kann eine Zelle einfach mit einem
Expressionsvektor, der eine Nukleinsäure enthält, die ein aktives Prosaposin-Fragment
kodiert, transfiziert werden (Chung, Somatic Gene Therapy, CRC Press,
Boca Raton (1995)). Z.B. exprimiert und sekretiert die transfizierte
Zelle nach einer Transplantation in das Gehirn ein aktives Prosaposin-Fragment
und lindert so neuropatische Schmerzen. Ein derartiges Verfahren
kann nützlich
sein, um neuropatische Schmerzen zu lindern, wie dies für die Transplantation
von Zellen beschrieben ist, die Substanzen mit schmerzlindernden
Eigenschaften sekretieren (siehe z.B. Czech und Sagen, Prop. Neurobiol.
46:507-529 (1995)).
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Die
Zelle kann jede beliebige Zelle sein, die nach einer Transplantation überleben
kann und die modifiziert werden kann, um ein aktives Prosaposin-Fragment
zu exprimieren und zu sekretieren. In der Praxis sollte die Zelle
mit dem Subjekt immunologisch kompatibel sein. Z.B. ist eine besonders
nützliche
Zelle eine Zelle, die vom zu behandelnden Subjekt isoliert wurde,
da eine derartige Zelle mit dem Subjekt immunologisch kompatibel
ist.
-
Eine
Zelle, die von einer anderen Quelle als dem zu behandelnden Subjekt
erhalten wird, kann auch verwendbar sein, wenn sie gegen eine immunologische
Abstoßung
z.B. durch Mikroverkapselung oder Immunsuppression, geschützt wird.
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Verwendbare
Mikroverkapselungsmembran-Materialien schließen ein: Alginatpoly-L-Lysin, Alginat und
Agarose (siehe z.B. Goosen, Fundamentals of Animal Cell Encapsulation
and Immobilization, CRC Press, Boca Raton (1993); Tai und Sun, FASEB
J. 7:1061 (1993); Liu et al., Hum. Gene Ther. 4:291 (1993); und
Taniguchi et al., Transplant. Proc. 24: 2977 (1992)). Zum Beispiel
ist eine Schmerzreduktion unter Verwendung von mit Polymer verkapselten
Zellen erzielt worden, die in den spinalen subarachnoiden Raum der
Ratte transplantiert wurden (Wangs et al., Soc. Neurosci. Abstr..
17:235 (1991)).
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Zur
Behandlung eines menschlichen Subjekts kann die Zelle eine Human-Zelle
sein, obgleich eine nicht-menschliche Säugetierzelle auch verwendbar
sein kann. Insbesondere kann ein menschlicher Fibroblast, eine Muskelzelle,
eine Glial-Zelle, eine neuronale Vorläuferzelle oder ein Neuron mit
einem Expressionsvektor transfiziert werden, um ein aktives Prosaposin-Fragment,
z.B. mit SEQ ID NO. 1, zu exprimieren und zu sekretieren. Ein Primärfibroblast
kann z.B. durch eine Hautbiopsie von dem zu behandelnden Subjekt
erhalten und unter Standardgewebekulturbedingungen aufrechterhalten
werden. Eine Primärmuskelzelle
kann für
eine Transplantation auch verwendbar sein. Überlegungen für neurale
Transplantationen werden z.B. in Chang, ibid., 1995 beschrieben.
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Eine
Zelle, die vom Zentralnervensystem abgeleitet wird, kann für eine Transplantation
in das Zentralnervensystem besonders nützlich sein, da das Überleben
einer derartigen Zelle innerhalb seiner natürlichen Umgebung erhöht wird.
Eine neuronale Vorläuferzelle
ist in dem erfindungsgemäßen Verfahren
besonders nützlich,
da eine neuronale Vorläuferzelle
in einer Kultur gezogen, mit einem Expressionsvektor transfiziert
und in ein Individium eingeführt
werden kann, wo es integriert wird. Die Isolierung neuronaler Vorläuferzellen,
welche fähig
sind, zu proliferieren und in Neuronen und Glial-Zellen zu differenzieren,
wird in Renfranz et al., Cell 66:713-729 (1991) beschrieben.
-
Verfahren
zum ex vivo-Transfizieren von Zellen sind weithin bekannt (Kriegler,
Gene Transfer and Expression: A Laboratory Manual, W.H. Freeman & Co., New York
(1990)). Für
die Transfektion einer Zelle, die sich weiterhin teilt, wie ein
Fibroblast, eine Muskelzelle, eine Glial-Zelle oder eine neuronale
Vorläuferzelle, wird
ein retroviraler Vektor bevorzugt. Für die Transfektion eines Expressionsvektors
in eine postmitotische Zelle, wie ein Neuron, ist ein replikationsdefekter
Herpes-Simplex-Virus-Typ 1 (HSV-1)-Vektor verwendbar (During et
al., Soc. Neurosci. Abstr.. 17:140 (1991); Sable et al., Soc. Neurosci.
Abstr.. 17:570 (1991)).
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Eine
Nukleinsäure,
die ein aktives Prosaposin-Fragment kodiert, kann unter der Kontrolle
einer Vielzahl von weithin bekannten Promotoren exprimiert werden,
einschließlich
eines konstitutiven Promotors oder induzierbaren Promotors, siehe
z.B. Chang, ibid., 1995. Ein besonders nützlicher konstitutiver Promotor
zur Hochlevel-Expression
ist der Moloney Murine Leukemia Virus Long-terminal Repeat (MLV-LTR), der Cytomegalovirus
Immediate-early (CMV-IE) oder der Simian Virus 40 Early Region (SV40).
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Eine
Nukleinsäuresequenz,
die ein aktives Prosaposin-Fragment kodiert, wird hierin offenbart.
Z.B. ist eine Nukleinsäuresequenz
die SEQ ID NO. 1 kodiert, 5'-TGTGAATTCCTGGTGAAGGAGGTGACCAAGCTGATTGACAACAACAAGACTG
AGAAAGAAATACTC-3' (SEQ
ID NO. 21) (Dewji et al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 84:8652-8656
(1987)). Für
eine direkte Sekretion des Peptids der SEQ ID NO. 1 kann zum Beispiel
eine Nukleinsäure,
die eine Signalsequenz, wie die Signalsequenz der β-Lactamase,
kodiert, funktionstüchtig
mit SEQ ID NO. 21 verbunden werden, wie beschrieben in Simon et
al., J. Cell Biol. 104:1165 (1987).
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Die
Erfindung liefert weiter ein Verfahren zur Verhinderung neuropatischer
Schmerzen in einem Subjekt, indem eine wirksame Menge eines aktiven
Prosaposin-Fragments verabreicht wird. Das Verfahren zur Verhinderung
neuropatischer Schmerzen ist anwendbar, wenn es vor einem schmerzhaften
Ereignis, z.B. vor einer Chemotherapie oder einer Operation, angewendet
wird, die bekannt sind, zu neuropatischen Schmerzen zu führen.
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Die
folgenden Beispiele sollen die vorliegende Erfindung veranschaulichen,
aber nicht beschränken.
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Beispiel I
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Linderung
europatischer Schmerzen bei Chung-Modellratten
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In
diesem Beispiel sind die Wirkungen einer intrathekalen Bolus-Injektion
eines aktiven Prosaposin-Fragments in das Chung-Experimentiermodell
für periphere
neuropatische Schmerzen beschrieben.
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Jedes
der drei Peptide wurde in reiner Form durch chemische Synthese erhalten,
in sterilem PBS aufgelöst
und auf einen neutralen pH gepuffert.
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Das
chirurgische Verfahren, zuvor beschrieben von Kim und Chung, ibid.,
1992, wurde an männlichen Sprague-Dawley-Ratten
mit einem Gewicht von 120 bis 150 Gramm durchgeführt, um einen allodynischen
Zustand zu induzieren. Kurz zusammengefasst, wurden die Ratten mit
Halothan betäubt;
anschließend
wurden die linken Spinalnerven L-5 und L-6 benachbart zur Wirbelsäule isoliert
und mit einer 6,0 Seiden-Naht mit dem Hinterwurzelganglion bzw.
Spinalganglion distal verbunden. Nach einer zehn- bis vierzehn-tägigen post-operativen
Erholungszeit wurde ein Spinal-Katheter eingeführt. Fünf Tage nach der zweiten Operation
wurde ein Arzneimittel mittels einer Zahnrad-getriebenen Mikroinjektionsspritze,
die an einen Spinal-Katheter angeschlossen und durch das Foramen-Magnum
eingeführt
wurde, intrathekal verabreicht. Vor dem Test wurden die Ratten in
durchsichtige Plastikdrahtmaschenkäfige gesetzt, um sich einzugewöhnen.
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Um
den 50%-Mechanik-Schwellenwert für
das Zurückziehen
der Pfote zu untersuchen, wurde ein von-Frey-Haar am Hinterfuß angebracht,
um eine Fußauflage
zu vermeiden. Jedes der von-Frey-Haare, die kalibriert wurden, um
sich bei zunehmenden Log-Kräften
zu biegen, wurde mit genügender
Kraft senkrecht zum Fuß gepresst,
um ein leichtes Verbiegen während
einer Dauer von ungefähr
sechs bis acht Sekunden zu verursachen. Eine positive Erwiderung
wurde bemerkt, wenn der Fuß deutlich
zurückgezogen
wurde. Sechs Datenpunkte wurden für jeden Punkt gesammelt, wobei
der Maximum- und der Minimumreiz fürjeden Zeitpunkt notiert wurden.
Das resultierende Muster der Antworten wurde tabelliert, und der
50%-Ansprechschwellenwert wurde berechnet. Der Graph gibt die Erwide rung
zur gezeigten Dosierung des Peptids, angegeben als eine einzelne
intrathekale Bolus-Injektion, wieder. Die X-Achse zeigt die Zeit
nach der Injektion, an dem die Überempfindlichkeit
gegen Druck auf die Fußauflage
gemessen wurde.
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Alle
operativ verletzten Ratten zeigten eine Tast-Allodynie vor einer
Injektion mit einem aktiven Prosaposin-Fragment. Wie zum Zeitpunkt
Null in 1 gezeigt, war die gemessene
Schwelle in Abwesenheit des Peptids geringer als 3,0 bis 4,0 g.
Eine intrathekale Injektion von 0,7 oder 0,07 μg des von Prosaposin abgeleiteten
22-mer-Peptids (SEQ ID NO. 1) unterdrückte eine Allodynie in einer
von der Dosis abhängigen
Weise. Die Verringerung der Allodynie wird durch die Zunahme des
Kraftschwellenwertes erkennbar, wenn die Ratten einer zunehmenden
Kraft widerstehen, bevor sie den betroffenen Fuß zurückziehen.
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Ein
erheblicher Effekt wurde 15 Minuten nach der Injektion beobachtet.
Der Maximumeffekt wurde 120 Minuten nach der Injektion gesehen.
Die mit der höchsten
Dosis des von Prosaposin abgeleiteten 22-mer-Peptids (SEQ ID NO.
1) gespritzten Raten zeigten weiterhin eine erheblich verringerte
Allodynie zum zuletzt geprüften
Zeitpunkt (180 Minuten). Ratten, die mit 0,007 μg des von Prosaposin abgeleiteten
22-mer-Peptids (SEQ ID NO. 1) gespritzt wurden, zeigten keine bedeutende
Verringerung der Allodynie. Bei keiner der möglichen Konzentrationen wurden
bedeutende Nebenwirkungen, wie Beruhigung, beobachtet.
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Die
Eignung des von Prosaposin abgeleiteten 14-mer-Peptids (SEQ ID NO.
2; siehe Tab. 1), die Allodynie in Chung-Modellratten zu lindern,
wurde auch untersucht. Wie in 2 gezeigt,
war das aktive Prosaposin-Fragment (SEQ ID NO. 2) hinsichtlich der
Verringerung von Allodynie wirksam. Der Höchsteffekt des von Prosaposin
abgeleiteten 14-mer-Peptids (SEQ ID NO. 2) wurde 15 bis 30 Minuten
nach der Injektion beobachtet und kehrte nach 60 Minuten auf den
Vor-Injektionswert (2) zurück. Bei keiner der getesteten
Konzentrationen des von Prosaposin abgeleiteten 14-mer-Peptids (SEQ
ID NO. 2) wurden Nebenwirkungen beobachtet.
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Ein
Mutante eines 22-mer-Peptids (SEQ ID NO. 8), das sich von von Prosaposin
abgeleitetem 22-mer-Peptid (SEQ ID NO. 1) dadurch unterscheidet,
dass es einen Asparaginsäure-Rest
anstelle eines Asparagins enthält
(siehe Tab. 4), wurde auch auf Aktivität zur Linderung von Allodynie
in Chung-Modellratten getestet. Nach einer Injektion von 17,5 μg der Mutante
des 22-mer-Peptids (SEQ ID NO. 8) wurde keine Änderung hinsichtlich der allodynischen
Erwiderung bei den Chung-Ratten beobachtet.
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Normale
Ratten, die keinen Schmerzen als Ergebnis einer chirurgischen Verletzung,
eingeführt
entsprechend dem Chung-Modell, erfuhren, wurden auch mit einem aktiven
Prosaposin-Fragment (SEQ ID NO. 1) gespritzt und auf ihre Erwiderung
auf einen Hitzereiz entsprechend dem Verfahren, das von Bennett
und Xie, ibid., 1988 entwickelt wurde, untersucht. Kurz zusammengefasst,
der Zeitabschnitt, bevor die Ratte den betroffenen Fuß von einer
Hitzequelle zurückzieht,
wird als Hot-Plate-Latency bzw. Heiße-Platte-Latenzzeit definiert
und ist ein Maß für die Schmerztoleranz,
die durch einen Hitzereiz verursacht wird.
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Ein
intrathekaler Katheter wurde in normale männliche Sprague-Dawley-Ratten
gesetzt. Fünf
Tage nach dieser Operation wurden die Ratten mit einem aktiven Prosaposin-Fragment
(SEQ ID NO. 1) intrathekal gespritzt. Die Ratten wurden auf der
heißen
Plate (52,5 °C)
untersucht; die Hot-Plate-Latency wurde vor der Injektion und zu
verschiedenen Zeitpunkten bis zu 180 Minuten nach der Injektion
gemessen. Es wurde keine signifikante Erhöhung der Hot-Plate-Latency
beobachtet. Somit beeinflusst das von Prosaposin abgeleitete Peptid
SEQ ID NO. 1 die Wahrnehmung von Schmerzen in normalen Tieren nicht.
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Beispiel II
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In vivo – Aufnahme
von von Prosaposin abgeleiteten Peptiden in das Zentralnervensystem
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Die
in diesem Beispiel beschriebenen Ergebnisse zeigen, dass von Prosaposin
abgeleitete Peptide die Blut-Hirn-Schranke passieren.
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Ein
18-mer-Peptid (SEQ ID NO. 20), das aus den Aminosäuren 12-29
des Saposin C mit einem für Valin
an Position 12 substituierten Tyrosin bestand, wurde auf einem Applied
Biosystems Model 430-Peptidsynthesizer chemisch synthetisiert. Das
Peptid wurde dann mit dem Laktoperoxidase-Verfahren radio-jodiert; 20 × 106 cpm radiomarkiertes Peptid wurde in die
Ohrläppchen
der Ratten gespritzt. Die Tiere wurden nach einer Stunde und 24
Stunden getötet,
und die Herzen wurden mit isotonischer Kochsalz-Lösung gespült, um das
Blut aus dem Gehirn zu entfernen.
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Um
den Prozentsatz der Peptidaufnahme festzustellen, wurde das Gehirn
dann in einem Gamma-Zähler
gemessen. Zusätzlich
wurde das Gehirn homogenisiert und nach einer Dextranzentrifugation
in eine Kapillar-reiche Fraktion (Pellet) und in eine parenchymale
Gehirnfraktion (Überstand)
fraktioniert (Triguero et al., J. Neurochem., 54:1882-1888 (1990)).
Diese Methode erlaubt die Unterscheidung zwischen einem radiomarkierten
Peptid innerhalb der Blutgefässe
und dem innerhalb des Gehirns. Nach 24 Stunden wurden 0,017 % des gespritzten
Peptids (SEQ ID NO. 20) im gesamten Gehirn detektiert; 75% der Markierung
befanden sich in der parenchymalen Fraktion und 25 % in der Kapillar-Fraktion.
Nach einer 1 Stunde lagen 0,03 % der gespritzten Dosis im gesamten
Gehirn vor.
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Das
von Prosaposin abgeleitete Peptid SEQ ID NO. 2 wurde auch auf die
Eignung, die Blut-Hirn-Schranke zu passieren, getestet. Eine weibliche
Sprague-Dawley-Ratte wurde mit Methoxyfluran betäubt, und ungefähr 20 μg Peptid
mit SEQ ID NO. 2 (3,2 × 108 cpm) wurden in die Schwanzvene gespritzt.
Nach 40 Minuten wurde die Ratte durch eine Etherbetäubung getötet und
das Herz mit ungefähr
250 ml PBS gespült. Die
Gesamtmenge des Peptids in Gehirn, Leber und Blut wurde als Prozentsatz
des gespritzten Materials errechnet, wie in Tab. 6 gezeigt. Um die
Lokalisierung im Gehirn zu bestimmen, wurde das Capillary Depletion-Verfahren von Triguero,
J. Neurochem. 54:1882 (1990) angewendet, um das Gehirngewebe in
eine parenchymale Fraktion und in eine Gehirn-Kapillar-Fraktion
zu trennen. Die Ergebnisse aus der Fraktionierung zeigten, dass
87 % des SEQ ID NO. 2-Peptids, das im Gehirn vorhanden war, im Gehirn-Parenchym
lokalisiert waren, während
13% in der Gehirn-Kapillar-Fraktion gefunden wurden.
-
-
In
einem ähnlichen
Experiment, in dem Ratten nach drei Stunden Behandlung mit SEQ ID
NO. 2 getötet
wurden, waren 0,06 % des Peptids im Gehirn nachweisbar, von welchen
sich 85% im Parenchym befanden. Diese Ergebnisse zeigen, dass mindestens
ein Teil des von Prosaposin abgeleiteten Peptids der SEQ ID NO.
2 die Blut-Hirn-Schranke passierte und eher im Hirn-Parenchym als
im Gefäßendothelium
(Blutgefäße) konzentriert
wurde. Der Prozentsatz des Peptids, der die Blut-Hirn-Schranke passiert,
liegt im Mittelbereich der Peptide, welche die Schranke passieren,
wie beschrieben in Banks, ibid., 1992.
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Um
den Prozentsatz des intakten Materials im Gehirn, in der Leber und
im Blut zu bestimmen, wurde das vom Gewebe isolierte radiomarkierte
Material (SEQ ID NO. 2) durch Hochdruckflüssigkeitschromatographie analysiert.
Um den Abbau während
der Verarbeitung der Gewebehomogenate zu normieren, wurde das Peptid
SEQ ID NO. 2 zu den Gewebehomogenaten hinzugefügt. Der Umfang des Abbaus,
der beim zugefügten
Peptidmaterial beobachtet wurde, wurde verwendet, um den Abbau während der
Gewebeverarbeitung zu normieren. Nach der Normierung ergaben sich
folgende Ergebnisse: SEQ ID NO. 2 war zu ungefähr 60% im Gehirn, zu ungefähr 80% in
der Leber und zu ungefähr
40% im Blut intakt. In einem zweiten Experiment war das Peptid der
SEQ ID NO. 2 zu ungefähr
68% im Gehirn intakt. Diese Ergebnisse zeigen, dass das Peptid der
SEQ ID NO. 2 die Blut-Hirn-Schranke passiert und im Gehirn überwiegend
intakt vorliegt.
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Beispiel III
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Linderung
neuropatischer Schmerzen in diabetischen Ratten
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In
diesem Beispiel sind die Wirkungen einer intraperitonealen Verabreichung
eines Peptids, welches die Sequenz SEQ ID NO. 2 hat, in einem Rattenmodell
für diabetische
Neuropathie beschrieben.
-
Die
Ratten wurden mit einer einzigen intraperitonealen Injektion von
Streptozotocin (50 mg/kg Körpergewicht,
frisch gelöst
in 0,9 % steriler Kochsalz-Lösung)
diabetisch gemacht, um Pankreas-β-Zellen
zu ablatieren und um einen Insulin-Mangel zu induzieren, wie in
Calcutt et al., Pain 68:293-299 (1996) beschrieben. Zwei Tage später wurde
Diabetes in den mit Streptozotocin gespritzten Ratten bestätigt, indem
die Blutglukose-Konzentrationen bestimmt wurden. Die mit Streptozotocin
gespritzten Tiere mit einer Blutglukose-Konzentration unter 15 mmol/l
wurden, entsprechend der allgemein geltenden Definition für nicht-nüchterne
Hyperglykämie
bei Diabetes-Studien in Ratten, von den nachfolgenden Studien ausgeschlossen.
-
Sowohl
die Diabetiker- als auch die Kontrollratten wurden nach 8 Wochen
untersucht, indem die Verhaltenserwiderung auf das schädliche chemische
Formalin als Indikator für
Allodynie analysiert wurde (Calcutt et al. ibid., 1996). Kurz zusammengefasst,
die Ratten erhielten eine subkutane Injektion von frisch zubereitetem
Formalin (50 μl
einer 0,5 % Lösung
in steriler Kochsalz-Lösung)
in die rückseitige
Oberfläche
der rechten Hinterpfote. Diese Konzentration des Formalins induziert
sub-maximale Verhaltenserwiderungen bei den Kontrollratten und erlaubt
eine Detektion der Hyperalgesie in diabetischen Ratten während der
Phasen Q und 2 (Calcutt et al., Eur. J. Pharmacol. 285:189-197 (1995)).
Die Tiere wurden in einen Beobachtungsraum gebracht, der so konstruiert
war, dass eine ununterbrochene Beobachtung der Pfoten möglich war.
Die Anzahl der Ausschläge
bzw. Flinches während
einer Dauer von einer Minute wurde in 5-Minuten-Abständen während der
folgenden 60 Minuten von einem Beobachter gezählt, der von der Behandlungsgruppe
jedes der Tiere keine Kenntnis hatte. Phase 1 wurde als die initiale
Messungsphase der Ausschläge
definiert (1-2 und 5-6 Minuten nach der Injektion), die Q-(bewegungslose)-Phase
als die Phase, in der die Messungen nach 10-11, 15-16 und 20-21
Minuten durchgeführt
wurden, und Phase 2 als die Phase, in der alle folgenden Messungen
nach der Injektion vorgenommen wurden, wie zuvor bei Studien für diabetische
Ratten definiert (siehe z.B. Malmberg et al., Neurosci. Lett. 161:45-48
(1993)). Vergleiche der Aktivität
während
jeder Phase wurden durchgeführt,
indem die Ausschläge
an den Messpunkten innerhalb der Phase summiert wurden. Die diabetischen
Ratten gaben eine anormale Ausschlagserwiderung, wie zuvor berichtet
worden ist.
-
Das
Peptid der SEQ ID NO. 2 wurde in reiner Form durch chemische Synthese
erhalten, in sterilem PBS aufgelöst
und auf einen neutralen pH gepuffert. Die diabetischen Ratten wurden
in zwei Gruppen zu jeweils vier Tieren aufgeteilt, welchen Kochsalz-Lösung bzw.
Peptid der SEQ ID NO. 2 verabreicht wurde. Zwei Stunden vor der
Behandlung mit 0,5 % Formalin wurden die diabetischen Ratten mit
Kochsalz-Lösung
oder 200 μg/kg
Peptid der SEQ ID NO. 2 mittels einer intraperitonealen Verabreichung
behandelt. Wie in 3 gezeigt, verhinderte die Verabreichung
des SEQ ID NO. 2 die anormale Ausschlagserwiderung in Phase 1 vollständig und
verbesserte die Erwiderung in Phase 2 um 70 %. So linderte die parenterale
Verabreichung des Peptids der SEQ ID NO. 2 Schmerzen von einer Formalin-Injektion
in einem Rattenmodell für
schmerzhafte diabetische Neuropathie.
-
Beispiel IV
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Stimulation
des in vitro Neurit-Wachstums
-
In
diesem Beispiel ist die Verwendung eines Peptids mit der Sequenz
SEQ ID NO. 2 bei der Stimulation des in vitro Neurit-Wachstums beschrieben.
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Neuroblastom-Zellen
NS20Y wurden in DMEM gezogen, das 10 % fötales Kälberserum (FCS) enthielt. Die
Zellen wurden mit Trypsin entfernt und in 30 mm – Petrischalen auf Deckgläsern ausplattiert.
Nach 20 bis 24 Stunden wurde das Medium durch 2 ml DMEM, das 0,5
% fötales
Kälberserum
mit 0; 0,5; 1; 2; 4 oder 8 ng/ml eines Peptids mit der Sequenz SEQ
ID NO. 2 oder ein durcheinander gemischtes Kontrollpeptid enthielt, ersetzt.
Die Zellen wurden während
weiterer 24 Stunden kultiviert, mit PBS gewaschen und mit Bouin's Lösung (gesättigte wässri ge Pikrinsäure/Formalin/Essigsäure 15:5:1)
während
30 Minuten fixiert. Nachdem das Fixiermittel mit PBS entfernt war,
wurde das Neurit-Wachstum unter einem Phasen-Kontrastmikroskop bestimmt. Die
Zellen, die ein oder mehrere eindeutig definierte Neuriten, die
gleich oder länger
als ein Zelldurchmesser waren, wurden als positiv für Neurit-Wachstum
gezählt.
Mindestens 200 Zellen wurden in doppelter Ausführung an unterschiedlichen
Stellen in jeder Schale gezählt,
um den Prozentsatz der Neurit enthaltenden Zellen mit jedem Peptid
zu bestimmen.
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Das
in SEQ ID NO. 2 gezeigte Peptid erhöht das Neurit-Wachstum in NS20Y-Zellen
erheblich, verglichen mit einem durcheinander gemischten Kontrollpeptid,
welches die gleichen Aminosäuren
in einer anderen Reihenfolge aufwies. Das erhöhte Neurit-Wachstum war bereits
mit der geringen Menge von 0,5 ng/ml Peptid nachweisbar.
-
Beispiel V
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Inhibierung
des neuralen Zelltodes in vitro
-
In
diesem Beispiel ist die Verwendung eines Peptids mit der Sequenz
SEQ ID NO. 2 bei der Inhibierung des neuralen Zelltodes in vitro
beschrieben.
-
Die
NS20Y-Zellen wurden, wie in Beispiel IV beschrieben, ausplattiert
und 2 Tage lang in 0,5 % fötalem Kälberserum
auf Deckgläsern
in Gegenwart oder Abwesenheit von 8 ng/ml eines Peptids mit der
Sequenz SEQ ID NO. 2 oder einem durcheinander gemischten Kontrollpeptid
gezogen. Das Medium wurde entfernt, und 0,2 Trypan-Blau in PBS wurden
in jede Vertiefung hinzugefügt.
Die toten Zellen wurden durch den Trypan-Blau-Farbstoff blau gefärbt und
wurden als Prozentsatz der Gesamtmenge auf einem Inverse-Mikroskop bestimmt,
wobei 400 Zellen in vier Bereichen einer jeden Vertiefung gezählt wurden.
Der durchschnittliche Fehler in den Doppelzählungen betrug +/– 5 %. Das
Peptid, gezeigt als SEQ ID NO. 2, verringerte die Zahl der Trypan-Blau-positiven
(toten) Zellen wesentlich. Dies zeigt, dass ein Peptid mit der Sequenz
SEQ ID NO. 2 den programmierten Zelltod inhibieren kann.
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Beispiel VI
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Ex Vivo Myelinisierungs-Test
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In
diesem Beispiel ist die Verwendung eines Peptids mit der SEQ ID
NO. 2 bei der Stimulation des ex vivo Neurit-Wachstums und bei der
Förderung
der Myelinisierung beschrieben.
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Zerebelläre Entnahmeproben
wurden aus neugeborenen Mäusen
entsprechend Satomi, Zool.Sci. 9:127-137 (1992) gewonnen. Das Neurit-Wachstum
und die Myelinisierung wurden 22 Tage lang in einer Kultur beobachtet,
wobei in dieser Zeit die zerebellären Entnahmeproben aus den
neugeborenen Mäusen
normalerweise einer neuronalen Differenzierung unterliegen und die
Myelinisierung beginnt. Am zweiten Tag nach der Herstellung der
Entnahmeproben wurde das Peptid, welches die SEQ ID NO. 2 aufwies,
zu drei Entnahmeproben mit einer Konzentration von 10 μg/ml hinzugegeben,
und ein durcheinander gemischtes Kontrollpeptid wurde zu drei Entnahmeproben
mit einer Konzentration von 10 μg/ml
hinzugegeben. Das Neurit-Wachstum und die Myelinisierung in den
drei Kontrollproben und den drei behandelten Entnahmeproben wurde
unter einem Durchsicht-Feldmikroskop
mit einer Videokamera untersucht. Am achten Tag waren die Kulturen,
welche die Peptide enthielten, dünner
und mehr verteilt als die Kontroll-Kulturen. An Tag 15 enthielten
die mit dem Peptid der SEQ ID NO. 2 behandelten Kulturen viele Zellen
mit langen Projektionen an der Peripherie der Entnahmeproben. Solche
Projektionen fehlten oder waren in den Kontroll-Kulturen weniger
vorhanden. Die mit dem Peptid der SEQ ID NO. 2 behandelten Kulturen
enthielten, verglichen mit dem Kontroll-Entnahmeproben, am 22. Tag
deutlich mehr myelinisierte Axone in der subcortikalen weißen Substanz.
So induzierte das erfindungsgemäße Peptid
eine Myelinisierung bei der zerebellären Differenzierung ex vivo.
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Beispiel VII
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Inhibierung
der Demyelinisierung
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Die
Reduzierung des Schwann-Zelltodes ist mit der Inhibierung der Demyelinisierung
korreliert. Die Schwann-Zellen enthalten eine umfangreiche Myelin-Scheide.
Die Zugabe des in SEQ ID NO. 2 gezeigten Peptids zu den Schwann-Zellen
verringerte den Schwann-Zelltod in einer von der Dosis abhängigen Weise
in der Kultur, die bei den durcheinander gemischten Kontrollpeptiden
nicht zu sehen war. So kann ein erfindungsgemäßes Peptid mit der Sequenz
SEQ ID NO. 2 die Demyelinisierung inhibieren.
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Beispiel VIII
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Behandlung
traumatischer ischämischer
CNS-Verletzungen
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Menschen
mit traumatischen Verletzungen des Rückenmarks erhalten eine intrazerebrospinale
Injektion oder eine direkte Injektion von ungefähr 100 μg/ml des Peptids, gezeigt in
SEQ ID NO. 2, in einer sterilen Kochsalz-Lösung oder in einer Depotform
zur langsamen kontinuierlichen Abgabe des Peptids am Verletzungsort.
Eine Verbesserung wird durch eine Erhöhung der motorischen Nervenfunktion,
wie eine verbesserte Gliedbewegung, getestet. Die Behandlungen werden
wiederholt, bis keine weitere Verbesserung auftritt.
-
Beispiel IX
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Behandlung
von Demyelinisierungsstörungen
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Patienten
mit einem diagnostizierten frühen
MS-Stadium wurde ein Peptid der Sequenz, gezeigt in SEQ ID NO. 2,
durch eine direkte intravenöse
Injektion in die zerebrospinale Flüssigkeit unter Verwendung desselben
Dosisbereiches wie in Beispiel VIII verabreicht. Die Dosierungen
wurden täglich
oder wöchentlich wieder holt,
und eine Verbesserung der Muskelstärke, der Muskelskelett-Koordination
und der Myelinisierung (wie mit MRI festgestellt) wurden verfolgt.
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Beispiel X
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Behandlung
von sensorischer Neuropathie
-
Mäusen wurde
Taxol verabreicht, um eine sensorische Neuropathie zu induzieren.
Den mit Taxol behandelten Mäusen
wurden 100 μg/kg,
200 μg/kg
oder 1 mg/kg des von Prosaposin abgeleiteten Peptids der SEQ ID
NO. 2 verabreicht. Der Verlust thermischer Empfindlichkeit wurde
mit einem Hargreaves Sensorik-Prüfgerät als Anzeiger
einer sensorischen Neuropathie gemessen. Jede der drei Dosen des
verabreichten Peptids der SEQ ID NO. 2 war hinsichtlich der Inhibierung
des Verlustes der thermischen Empfindlichkeit bei mit Taxol behandelten
Mäusen
wirksam. Das von Prosaposin abgeleitete 22-mer-Peptid der SEQ ID
NO. 1 wurde auch ähnlich
getestet und hinsichtlich der Inhibierung des Verlustes der thermischen
Empfindlichkeit in mit Taxol behandelten Mäusen als wirksam gefunden.
Diese Ergebnisse zeigen, dass von Prosaposin abgeleitete Peptide,
wie mit SEQ ID NO. 1 und SEQ ID NO. 2, verwendet werden können, um
sensorische Neuropathie wirksam zu inhibieren. SEQUENZ
AUFLISTUNG