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GEBIET DER ERFINDUNG
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Das Gebiet der Erfindung sind Verfahren
zum Screenen auf transdominante Effektorpeptide, die innerhalb lebender
Säugetierzellen
aus Random-Pools selektiert sind.
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HINTERGRUND DER ERFINDUNG
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Signalisierungspfade in Zellen beginnen
oft mit einem Effektorstimulus, der zu einer phänotypisch beschreibbaren Änderung
der Zellphysiologie führt.
Trotz der wesentlichen Rolle, die intrazelluläre Signalisierungspfade bei
der Pathogenese von Krankheiten spielen, weiß man in den meisten Fällen wenig über einen anderen
Signalisierungspfad als den ersten Stimulus und die schließlich erfolgende
Zellreaktion.
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Historisch wurde Signaltransduktion
durch Biochemie oder Genetik analysiert. Die biochemische Vorgangsweise
zerlegt einen Pfad in der Weise von „Sprungbrettern": Es ist ein
Molekül
zu finden, das an einem Ende des Pfads wirkt oder daran beteiligt
ist, testfähige
Mengen sind zu isolieren, und dann muss versucht werden, das nächste Molekül entlang
des Pfads zu bestimmen (entweder stromauf oder stromab vom isolierten
Molekül).
Die genetische Vorgangsweise beruht klassischerweise auf dem „Zufallsprinzip" – Mutanten
in einem Signalisierungspfad sind zu induzieren oder abzuleiten,
und der Locus durch genetische Kreuzungen zu kartieren oder die
Mutation mit einer cDNA-Bibliothek zu komplementieren. Die biochemischen
Methoden sind u. a. dadurch beschränkt, dass man beträchtliches
Wissen über
die gerade untersuchten Bestandteile besitzen und solche Studien
in vitro sowie post mortem durchführen muss. Die rein genetischen
Verfahren sind u. a. dadurch limitiert, dass man den Pfad zunächst ableiten
und dann charakterisieren muss, bevor man mit der Identifikation
und Klonierung des Gens fortfährt.
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Das Screenen molekularer Bibliotheken
chemischer Verbindungen auf Medikamente, die Signalsysteme regulieren,
führte
zu wichtigen Entdeckungen großer
klinischer Signifikanz. Cyclosporin A (CsA) und FK506 beispielsweise
wurden in pharmazeutischen Standardscreens auf die Hemmung der T-Zellen-Aktivierung
ausgewählt.
Es ist bemerkenswert, dass zwar diese zwei Arzneimittel vollkommen
unterschiedliche Zellproteine binden – Cyclophilin bzw. FK506-Bindungsprotein
(FKBP) – dass
aber die Wirkung beider Medikamente praktisch die gleiche ist, d.
h. die starke und spezifische Unterdrückung der T-Zellen-Aktivierung
(phänotypisch
in T-Zellen als Hemmung der mRNA-Produktion zu beobachten, die von
Transkriptionsfaktoren wie etwa NF-AT und NF-ĸB abhängig ist). Bibliotheken kleiner
Peptide wurden auch erfolgreich in vitro in Bioaktivitätstests
gescreent. In der Literatur finden sich zahlreiche Beispiele für kleine
Peptide, die zur Modulation einer Vielzahl an Signalisierungspfaden
fähig sind.
Beispielsweise wurde aufgezeigt, dass ein aus dem HIV-1-Hüllenprotein
abgeleitetes Peptid die Wirkung von zellulärem Calmodulin blockiert.
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Eine wesentliche Einschränkung konventioneller
in vitro-Screens ist die Zufuhr. Während winzige Mengen eines
Mittels notwendig sein können,
um eine bestimmte Zellreaktion zu modulieren, erfordert die Zufuhr
einer solchen Menge zur jeweiligen subzellulären Lokalität, dass die Zielzelle oder
das Zielsystem relativ massiven Konzentrationen des Mittels ausgesetzt
wird. Die Wirkung solcher Konzentrationen maskiert möglicherweise
die abgezielte Response oder schließt sie überhaupt aus.
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Somit ist es ein Ziel der vorliegenden
Erfindung, Verfahren und Zusammensetzungen für die effiziente Einführung Random-Bibliotheken
in Zellen bereitzustellen, um hinsichtlich bioaktiver Verbindungen
zu screenen.
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Einschlägige Literatur
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Mann et al. (1983) Cell 33, 153–159, Pear
et al. (1993) Proc. Natl. Acad. Sci. USA 90(18), 8392-6 und WO 94/19478
beschreiben retrovirale BOSC- und BING-Systeme, die sich als Zufuhrvektoren
für die
geoffenbarten Verfahren eignen.
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Scott und Craig (1994) Current Opinion
in Biotechnology 5, 40–48
geben einen Überblick über Random-Peptid-Bibliotheken.
Hupp et al. (1995) beschreiben kleine Peptide, die die latente sequenzspezifische DNA-Bindungsfunktion
von p53 aktivieren. Palzkill et al. (1994) berichten über die
Selektion funktioneller Signalspaltstellen aus einer Bibliothek
in TEM-1-Lactamase eingeführter
Random-Sequenzen.
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WO 95/04824 beschreibt Verfahren
zur Erzeugung und Expression von cDNA-Bibliotheken unter Einsatz
retroviraler Vektoren. WO 96/23899 (zitierbar gemäß Art. 54(3)
EPÜ) beschreibt
ein Hefe-Zweihybrid-System, in dem ein Random-Peptid ausgewählt ist,
das sich an ein Zielprotein bindet.
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WO 96/38553 (zitierbar gemäß Artikel
54(3) EPÜ,
beschreibt Verfahren zur Identifikation biologisch aktiver Pepide
und Nucleinsäure.
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ZUSAMMENSETZUNG
DER ERFINDUNG
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Die vorliegende Erfindung betrifft
Verfahren zum Screenen auf randomisierte Peptide wie z. B. von Pharmazeutika.
Die Erfinndung greift auf Moleküle
oder Ziele (Targets) innerhalb lebender Säugetierzellen zurück und sorgt
für direkte
Selektion dieser Peptide mit erwünschten
phänotypischen
Wirkungen.
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In einem Aspekt betrifft die Erfindung
ein Verfahren zum Screenen hinsichtlich eines randomisierten Peptids,
das den Phänotyp
einer Säugetierzelle
durch Wechselwirkung mit einem Ziel-Zellmolekül fähig ist, wobei das Verfahren
die folgenden Schritte umfasst:
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- (a) das Bereitstellen einer Vielzahl von Säugetierzellen,
die eine retrovirale Bibliothek umfassen, die randomisierte Kandidaten-Nucleinsäuren umfasst,
worin jede der Nucleinsäuren
eine andere Nucleinsäuresequenz umfasst,
die an einen Fusionspartner gebunden ist, der eine Präsentationssequenz
umfasst, die fähig
ist, die exprimierten randomisierten Peptide in einer Konformationseingeschränkten Form
zu präsentieren,
und worin die Kandidaten-Nucleinsäuren exprimiert werden, um
randomisierte Peptide zu produzieren;
- (b) das Screenen der Vielzahl von Zellen auf eine Zelle, die
einen veränderten
Phänotyp
aufweist, worin der veränderte
Phänotyp
auf die Wechselwirkung eines randomisierten Peptids mit einem Ziel-Zellmolekül zurückzuführen ist;
und
- (c) das Isolieren des randomisierten Peptids aus der Zelle,
die einen veränderten
Phänotyp
aufweist.
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In einem weiteren Aspekt bietet die
Erfindung ein Verfahren zum Screenen auf ein randomisiertes Peptid,
das zur Änderung
des Phänotyps
einer Säugetierzelle
durch Wechselwirkung mit einem Ziel-Zellmolekül fähig ist, wobei das Verfahren
Folgendes umfasst:
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- (d) das Bereistellen einer retroviralen Bibliothek,
die randomisierte Kandidaten-Nucleinsäuren umfasst,
in einer erste Vielzahl von Säugetierzellen,
worin jede der Nucleinsäuren
eine andere Nucleinsäuresequen
umfasst, die an einen Fusionspartner gebunden ist, der eine Präsentationssequenz
umfasst, die fähig
ist, die exprimierten randornisierten Peptide in einer Konformations-eingeschränkten Form
zu präsentieren,
und worin die Kandidaten-Nucleinsäuren exprimiert werden, um
randomisierte Peptide zu produzieren;
- (e) das Kontaktieren der ersten Vielzahl von Zellen mit einer
zweiten Vielzahl von Zellen;
- (f) das Screenen der zweiten Vieazahl von Zellen auf eine Zelle,
die einen veränderten
Phänotyp
aufweist, worin der veränderte
Phänotyp
auf die Wechselwirkung eines ersten randomierten Peptids mit einem
Ziel-Zellmolekül
zurückzuführen ist;
und
- (g) das Isolieren des randomisierten Peptids aus der Zelle,
die einen veränderten
Phänotyp
aufweist.
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KURZBESCHREIEBUNG DER
ABBILDUNGEN
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1 Schaffung
einer Bibliothek randomisierter Peptide in einem Retrovirus-DNA-Konstrukt durch PCR.
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2 Schaffung
einer Bibliothek randomisierter Peptide in einem Retrovirus-DNA-Konstrukt durch geprimte
DNA-Synthese.
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3 Präsentationskonstrukte
für das
Lokalisieren von Präsentationsstrukturen
gegenüber
spezifischen zellulären
Lokalitäten.
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4 Schematische
Ansicht eines retroviralen Konstrukts.
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AUSFÜHRLICHE
BESCHREIBUNG DER ERFINDUNG
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Die vorliegende Erfindung betrifft
Verfahren, um randomisierte Peptide, die einen Signalisierungspfad betreffen,
wirkungsvoll in Säugetierzellen
einzusetzen und auf diese zu screenen. Es ist mit Ausnahme eines angenommenen
Signalisierungsereignisses und einer beobachtbaren physiologischen
Veränderung
in der Zielzelle nur ein geringes oder überhaupt kein Wissen über den
Pfad erforderlich. Die geoffenbarten Verfahren unterscheiden sich
insofern konzeptuell von Bibliothekssuch-Verfahren des Stands der
Technik; als eine in vivo-Strategie durchgeführt wir, um auf intrazelluläre Signalisierungsmechanismen
zugreifen zu können.
Die Erfindung betrifft ferner die Isolation der Bestandteile des
Pfads, die Instrumente zur Charakterisierung des Pfads und wesentliche
Verbindungen für
die pharmazeutische Entwicklung.
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Die Erfindung bietet Verfahren zum
Screenen auf randomisierte Peptide, die den Phänotyp von diese Peptide enthaltenden
Säugetierzellen
verändern
können.
Die Verfahren der Erfindung sorgen für eine beträchtliche Verbesserung gegenüber herkömmlichen
Screening-Techniken, da sie das rasche Screenen einer großen Anzahl
randomisierter Peptide in einem einzigen In-vivo-Schritt ermöglichen.
Somit findet hocheffizientes Screenen statt, indem die Random-Oligonucleotide
den Zellen zugeführt
und diese Zellen gescreent werden, ohne dass in vitro die randomisierten
Peptide gesammelt oder synthetisiert werden müssten. Darüber hinaus ermöglichen
die vorliegenden Verfahren das Screenen in Abwesenheit signifikanter
vorheriger Charakterisierung des zellulären Defekts ein sich.
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Somit betrifft die Erfindung Verfahren
zum Screenen auf randomisierte Peptide, die den Phänotyp einer
Zelle verändern
können.
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Der Ausdruck „bioaktives Mittel" bezieht
sich hierin auf die in den Screening-Verfahren der Erfindung verwendeten
randomisierten Peptide.
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Im Allgemeinen können randomisierte Peptide
mit einer Länge
von etwa 4 Aminosäuren
bis etwa 100 Aminosäuren
verwendet werden, wobei Peptide mit einer Länge von etwa 5 bis etwa 50
vorzuziehen sind, jene mit einer Länge von etwa 5 bis etwa 30
besonders vorzuziehen sind und jene mit einer Länge von etwa 6 bis etwa 20
am bevorzugtesten sind.
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Zumindest besitzt jedes randomisierte
Peptid einen randomisierten Abschnitt (Definition siehe unten), der
die Basis der hierin beschriebenen Screening-Verfahren darstellt,
und einen Fusionspartner, der eine Präsentationssequenz umfasst.
Zusätzlich
zum randomisierten Abschnitt kann das randomisierte Kandidaten-Peptid
auch einen Fusionspartner enthalten, der eine weitere Funktion aufweist,
wie dies weiter unten veranschaulicht ist.
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Unter „Fusionspartner" oder „funktioneller
Gruppe" ist hierin eine Sequenz zu verstehen, die mit dem randomisierten
Kandidaten-Peptid assoziiert ist, das allen Bestandteilen der Bibliothek
in dieser Klasse eine gemeinsame Funktion oder Fähigkeit verleiht. Fusionspartner
können
heterolog (d. h. für
die Wirtszelle nicht-nativ) oder synthetisch sein (für keine
Zelle nativ). Geeignete Fusionspartner sind u. a.: a) Präsentationsstrukturen
(Definition siehe unten), die die randomisierten Kandidaten-Peptide
in einer Konformations-eingeschränkten
oder stabilen Form bereitstellen; (b) Targeting- Sequenzen (Definition siehe unten),
die für
die Lokalisierung der randomisierten Kandidaten-Peptide in einem
subzellualären
oder extrazellulären
Kompartiment sorgen; (c) Rettungssequenzen (Definition siehe unten),
die für
Reinigung oder Isolation der randomisierten Kandidaten-Peptide sorgen;
(d) Stabilitätssequenzen,
die den randomisierten Kandidaten-Peptiden Stabilität oder Abbauschutz
verleihen, z. B. Resistenz gegenüber
proteolytischem Abbau; (e) Dimerisationssequenzen, die Peptid-Dimerisation ermöglichen;
oder (f) jede Kombination von (a), (b), (c), (d) und (e) sowie gegebenenfalls
Linkersequenzen.
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Wie oben erwähnt, verwenden die hierin geoffenbarten
Verfahren einen Fusionspartner, der eine Präsentationsstruktur ist. Unter „Präsentationsstruktur"
oder grammatikalischen Äquivalenten
ist hierin eine Sequenz zu verstehen, die – wenn sie an randomisierte
Kandidaten-Peptide fusioniert ist – bewirkt, dass die randomisierten
Kandidaten-Peptide eine Konformations-eingeschränkte Form annehmen. Proteine
treten miteinander größtenteils
durch Konformations-eingeschränkte
Domänen
in Wechselwirkung. Obwohl kleine Peptide mit frei rotierenden Amino-
und Carboxyltermini hochwirksame Funktionen aufweisen können, wie
dies auf dem Gebiet der Erfindung bekannt ist, ist die Umwandlung
solcher Peptidstrukturen in pharmakologische Mittel infolge des
Unvermögens,
Seitenketten-Positionen für
die peptidomimetische Synthese vorherzusagen, problematisch. Daher
ist die Präsentation
von Peptiden in Konformations-eingeschränkten Strukturen für die spätere Erzeugung
von Pharmazeutika von Vorteil und führt auch wahrscheinlich zu
höheraffinen
Wechselwirkungen des Peptids mit dem Zielprotein. Diese Tatsache
wurde in den kombinatorischen Bibliotheks-Erzeugungssystemen unter
Einsatz biologisch generierter kurzer Peptide in bakteriellen Phage-Systemen
berücksichtigt. Einige
Forscher konstruierten bereits Moleküle mit kleinen Domänen, in
denen man randomisierte Peptidstrukturen präsentieren könnte.
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Somit sind synthetische Präsentationsstrukturen,
d. h. künstliche
Polypeptide, zur Präsentation
eines randomisierten Peptids als Konformations-eingeschränkte Domäne fähig. Im
Allgemeinen umfassen derartige Präsentationsstrukturen einen
ersten Abschnitt, der an das N-terminate Ende des randomisierten
Peptids geunden ist, und einen zweiten Abschnitt, der an das C-terminale
Ende des Peptids gebunden ist; d. h. das Peptid ist in die Präsentationsstruktur
insertiert, obwohl – wie
später
ausgeführt – auch Variationen
möglich sind.
Um die funktionelle Isolation des randomisierten Expressionsprodukts
zu erhöhen,
sind die Präsentationsstrukturen
selektiert oder konstruiert, minimale biologische Aktivität aufzuweisen,
wenn sie in der Zielzelle exprimiert werden.
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Bevorzugte Präsentationsstrukturen maximieren
die Zugriffsmöglichkeit
auf das Peptid, indem es in einer externen Schleife präsentiert
wird. Geeignete Präsentationsstrukturen
sind demzufolge u. a. Minikörperstrukturen,
Schleifen auf Beta-Faltblattdrehungen und Superhelix- („Coiled-coil"-)
Stammstrukturen, in denen für
die Struktur nicht entscheidende Reste randomisiert sind, Zink-Finger-Domänen, Cystein-gebundene
(Disulfid-) Strukturen, Transglutaminase-gebundene Strukturen, zyklische
Peptide, B-Schleifen-Strukturen, Helix-Trommeln oder -Bündel, Leucin-Reißverschluss-Motive
usw.
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In einer bevorzugten ist die Präsentationsstruktur
eine Superhelix-Struktur, die für
Präsentation
des randomisierten Peptids auf einer externen Schleife sorgt. Siehe
z. B. Myszka et al., Biochem. 33, 2362–2373 (1994), welche Veröffentlichung
hierin durch Verweis aufgenommen ist, sowie 3.
Unter Einsatz dieses Systems ist es Forschern gelungen, Peptide
zu isolieren, die zu hochaffiner Wechselwirkung mit dem geeigneten
Ziel fähig
sind. Im Allgemeinen erlauben Superhelix-Strukturen 6 bis 20 randomisierte
Positionen.
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Eine bevorzugte Superhelix-Präsentationsstruktur
ist wie folgt:
MGCAALESEVSALESEVASLESEVAALGRGDMPLAAVKSKLSAVKSKLASVKSKLAA
CGPP.
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Die unterstrichenen Regionen stellen
eine Superhelix-Leucin-Reißverschluss-Region
dar, die bereits definiert wurde (siehe Martin et al., EMBO J. 13(22),
5303–5309
(1994), hierin durch Verweis aufgenommen). Die fett gedruckte DRGDMP-Region
stellt die Schleifenstruktur dar, und wenn sie in geeigneter Weise
mit randomisierten Peptiden ersetzt ist (d. h. bioaktiven Kandidatenmitteln,
hierin im Allgemeinen als (X)n bezeichnet, worin
X ein Aminosäurerest
und n eine ganze Zahl von zumindest 5 oder 6 ist), kann sie variable
Längen
aufweisen. Das Ersetzen der fett gedruckten Region wird durch Kodieren
von Restriktions-Endonuclease-Stellen in den unterstrichenen Regionen
erleichtert, was den direkten Einbau randomisierten Oligonucleotide
an diesen Positionen erlaubt. Beispielsweise erzeugt eine bevorzugte
Ausf eine Xhol-Stelle an der doppelt unterstrichenen LE-Steale und
eine HindIII-Stelle an der doppelt unterstrichenen KL-Stelle.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
ist die Präsentationsstruktur
ein Minikörperstruktur.
Ein „Minikörper" besteht
im Wesentlichen aus einer minimalen Antikörper-Komplementaritätsregion. Die Minikörper-Präsentationsstruktur
bietet im Allgemeinen zwei Randomisierungsregionen, die im gefalteten
Protein entlang einer einzelnen Fläche der tertiären Struktur
präsentiert
werden. Siehe z. B. Bianchi et al., J. Mol. Biol. 236(2), 649–659 (1994)
und die dort angeführten
Publikationen, die alle durch Verweis aufgenommen sind. Forscher
haben aufgezeigt, dass diese minimale Domäne in Lösung stabil ist, und verwendeten
Phagen-Selektionssysteme in kombina torischen Bibliotheken, um Minikörper mit
Peptidregionen auszuwählen,
die hohe Affinität
(Kd = 10–7)
für das
entzündungsfördernde
Cytokin IL-6 aufweisen.
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Eine bevorzugte Minikörper-Präsentationsstruktur
ist wie folgt:
MGRNSQATSGFTFSHFYMEWVRGGEYIAASRHKHNKYTTEYSASVKGRYIVSRDTS
QSILYLQKKKGPP.
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Die fett gedruckten unterstrichenen
Regionen sind jene, die randomisiert sein können. Das kursiv gedruckte
Phenylalamin muss in der ersten Randomisierungsregion invariant
sein. Das gesamte Peptid wird in einer Drei-Oligonucleotid-Variation
der Superhelix-Ausführungsform
kloniert, wodurch zwei unterschiedliche Randomisierungsregionen
gleichzeitig inkorporiert werden können. Diese Ausführungsform
verwendet nicht-palindrome BstXI-Stellen auf den Termini.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
ist die Präsentationsstruktur
eine Sequenz, die im Allgemeinen zwei Cysteinreste enthält, sodass
eine Disulfidbindung entstehen, kann, was zu einer Konformations-eingeschränkten Sequenz
führt.
Diese Ausführungsform
ist besonders vorzuziehen, wenn Sekretions-Targetingsequenzen verwendet
werden. Wie dies für
Fachleute auf dem Gebiet offenkundig ist, kann eine beliebige Anzahl an
Random-Sequenzen (mit oder ohne Spacer- oder Linker-Sequenzen) von
Cysteinresten flankiert sein. In anderen Ausführungsformen können effiziente
Präsentationsstrukturen
durch die Random-Regionen selbst erzeugt werden. Beispielswels können diese
mit Cysteinresten „dotiert"
sein, die unter den geeigneten Redox-Bedingungen zu hochvernetzten
strukturierten Konformationen führen
können,
die einer Präsentationsstruktur ähneln. Ebenso
können
Randomisierungsregionen reguliert sein, sodass sie eine bestimmte
Anzahl an Resten enthalten, um β-Faltblatt-
oder α-Helixstrukturen
zu verleihen.
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In einigen Ausführungsformen können die
Fusionspartner auch eine Targeting-Sequenz umfassen. Wie dies für Fachleute
auf dem Gebiet offenkundig ist, ist die Lokalisierung von Proteinen
innerhalb einer Zelle ein einfaches Verfahren zur Steigerung der
effektiven Konzentration und Bestimmung der Funktion. Wenn z. B.
RAF1 an die Mitochondrienmembran lokalisiert ist, kann es die anti-apoptotische
Wirkung von BCL-2 hemmen. Ebenso induziert Membran-gebundenes Sos
Ras-mediierte Signali sierung in T-Lymphozyten. Man geht davon aus,
dass diese Mechanismen auf dem Prinzip der Beschränkung des
Suchraums für
Liganden beruhen, d. h. die Lokalisierung eines Proteins auf die
Plasmamembran schränkt
die Suche nach dem Liganden auf jenen limitierten dimensionalen
Raum in der Nähe
der Membran an (im Gegensatz zum dreidimensionalen Raum des Zytoplasma).
Alternativ dazu kann die Konzentration eines Proteins auch einfach
durch die Art der Lokalisierung erhöht werden. Das Transportieren
der Proteine in den Nucleus schränkt
sie auf einen kleineren Raum ein, wodurch die Konzentration gesteigert
wird. Schließlich
kann der Ligand oder das Ziel einfach auf ein spezifisches Kompartiment
lokalisiert sein, und Inhibitoren müssen entsprechend lokalisiert
sein.
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Beispiele für zweckmäßige Targeting-Sequenzen sind
somit u. a. Bindungssequenzen, die zur Bindung des Expressionsprodukts
an ein vorbestimmtes Molekül
oder Molekülklasse
fähig sind,
während
die Bioaktivität
des Expressionsprodukts aufrechterhalten bleibt (z. B. durch Einsatz
von Enzyminhibitor oder von Substratsequenzen, um auf eine Klasse
relevanter Enzyme abzuzielen). Sequenzen, die selektiven Abbau signalisieren
(von sich selbst oder gemeinsam gebundener Proteine); sowie Signalsequenzen,
die zur konstitutiven Lokalisierung der Kandidaten-Expressionsprodukte
an eine vorbestimmte zelluläre
Lokalität
fähig sind,
z. B. (a) an subzelluläre
Lokalitäten
wie etwa Golgi, das endopleismische Reticulum, den Nucleus, Nucleoli,
die Nuclearmembran, Mitochondrien, das Chloroplast, Sekretionsvesikel,
das Lysosom und die Zellmembran; und (b) an extrazelluläre Lokalitäten via
ein Sekretionssignal. Besonders vorzuziehen ist die Lokalisierung
entweder an subzelluläre
Lokalitäten
oder an das Zelläußere mittels
Sekretion.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
ist die Targeting-Sequenz ein nucleates Lokalisierungssignal (NLS).
NLS sind im Allgemeinen kurze, positiv geladene (basische) Domänen, die
dazu dienen, das gesamte Protein zu lenken, in dem sie mit dem Zellkern
konfrontiert werden. Es wurde über
zahlreiche NLS-Aminosäuresequenzen
in der Literatur berichtet, darunter einzelne basische NLS wie z.
B. jene des großen
SV40- (Affenvirus) T-Antigens (Pro Lys Lys Lys Arg Lys Val), Kalderon
(1984 et al., Cell 39, 499–509;
das Human-Retinonsäure-Rezeptor-(3-Nuclear-Lokalisierungssignal
(ARRRRRP); NFĸB
p50 (EEVQRKRQKL; Ghosh et al., Cell 62, 1019 (1990); NFĸB p65
(EEKRKRTYE; Nolan et al, Cell 64, 961 (1991); und andere (siehe
z. B. Boulikas, J. Cell. Biochem. 55(1), 32–58 (1994), hierin durch Verweis
aufgenommen) und doppelbasische NLS, z. B. jene des Xenopus (afrikanische
Krallenkröten-)
Protein, Nucleoplasmin (Ala Val Lys Arg Pro Ala Ala Thr Lys Lys
Ala Gly Gln Ala Lys Lys Lys Lys Leu Asp), Dingwall et al., Cell.
30, 449–458,
1982 und Dingwall et al., J. Cell Biol. 107, 641–849, 1988). Zahlreiche Lokalisierungsstudien
zeigten, dass NLS, die in synthetischen Peptiden inkorporiert oder
auf Reporterproteine transplantiert sind, die normalerweise nicht
auf den Zellkern abzielen, bewirken, dass diese Peptide und Reporterproteine
im Nucleus konzentriert sind. Siehe z. B. Dingwall und Laskey, Ann.
Rev. Cell Biol. 2, 367–39O,
1986; Bonnerot et al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 84, 6795–6799, 1987;
Galileo e, al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA 87, 458–462 (1990).
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In einer bevorzugten Ausführungsform
ist die Targeting-Sequenz eine Membranverankerungs-Signalsequenz.
Dies ist besonders nützlich,
da sich zahlreiche Parasiten und Pathogene an die Membran binden – zusätzlich zur
Tatsache, dass viele intrazelluläre
Ereignisse in der Plasmamembran ihren Anfang nehmen. Somit eignen
sich Membran-gebundene Peptidbibliotheken sowohl für die Identifikation
wichtiger Elemente in diesen Prozessen als auch für Entdeckung
wirksamer Inhibitoren. Die Erfindung bietet Verfahren zur Präsentation des
randomisierten Expressionsprodukts in extrazellulärer Weise
oder im zytoplasmischen Raum; siehe 3.
Für die
extrazelluläre
Präsentation
ist eine Membran-Verankerungsregion am Carboxylterminus der Peptid-Präsentationsstruktur
vorgesehen. Die randomisierte Expressionsprodukt-Region wird auf
der Zelloberfläche
exprimiert und dem extrazellulären
Raum präsentiert,
sodass sie sich an die anderen Oberflächenmoleküle (deren Funktion dadurch
beeinflusst wird) oder an im extrazellulären Medium vorhandene Moleküle binden
kann. Die Bindung solcher Moleküle
könnte
jenen Zellen Funktion verleihen, die ein Peptid exprimieren, das
das Molekül
bindet. Die zytoplasmische Region könnte neutral sein oder eine
Domäne
enthalten, die – wenn
die extrazelluläre
randomisierte Expressionsprodukt-Region gebunden ist – den Zellen
eine Funktion verleiht (Aktivierung einer Kinase-Phosphatase-Bindung
anderer zellulärer
Komponenten, um die Funktion zu beeinflussen). Ebenso könnte die
randomisierte Expressionsprodukt enthaltende Region innerhalb einer
zytoplasischen Region enthalten sein und die trans membrane Region
und die extrazelluläre
Region konstant bleiben oder eine definierte Funktion aufweisen.
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Membran-Verankerungssequenzen sind
auf dem Gebiet allgemein bekannt und basieren auf der genetischen
Geometrie von transmembranen Säugetiermolekülen. Peptide
sind in die Membran auf der Basis einer Signalsequenz (hierin als
ssTM bezeichnet) insertiert und erfordern ein hydrophobe transmembrane
Domäne
(hierin als TM bezeichnet). Die transmembranen Proteine sind solcherart
in die Membran insertiert, dass die 5' von der transmembranen Domäne kodierten
Regionen extrazellulär
sind und die 3' befindlichen Sequenzen intrazellulär werden.
Wenn natürlich
diese transmembranen Domänen
5' von der variablen Region positioniert sind, dienen sie dazu,
sie als intrazelluläre
Domäne
zu verankern, was in einigen Ausführungsformen wünschenswert
sein kann. ssTM und TM sind für
eine Vielzahl an Membran-gebundenen Proteinen bekannt, wobei diese
Sequenzen entsprechend verwendet werden können – entweder als Paare aus einem
bestimmten Protein oder in einer Weise, in der jede Komponente aus
einem unterschiedlichen Protein stammt; alternativ dazu können die
Sequenzen synthetisch und zur Gänze
als künstliche
Zufuhrdomänen
aus Konsens abgeleitet sein.
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Wie dies für Fachleute auf dem Gebiet
offenkundig ist, sind Membran-Verankerungssequenzen einschließlich ssTM
und TM für
eine Vielzahl an Proteinen bekannt; sie alle kommen für die vorliegenden
Zwecke in Frage. Besonders bevorzugte Membran-Verankerungssequenzen
sind u. a. jene, die aus CD8, ICAM-2, IL-8R, CD4 und LFA-1 abgeleitet
sind.
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Nützliche
Sequenzen sind Sequenzen aus: (1) integralen Membrartproteinen der
Klasse 1, z. B. IL-2-Rezeptor-β-Kette
(Reste 1–26
sind die Signalsequenz, 241–265
die transmembranen Reste; siehe Hatakeyama et al., Science 244,
551 (1989) und von Heijne et al., Eur. J. Biochem. 174, 671 (1988))
und die Insulinrezeptor-β-Kette
(Reste 1–27
sind das Signal, 957–959
die transmembrane Domäne
und 960–1382
die zytoplasmische Domäne;
siehe Hatakeyama, s. o., und Ebina et al., Cell 40, 747 (1985));
(2) integrale Membranproteine der Klasse II wie z. B. neutrale Endopeptidase
(Reste 29–51
sind die transmembrane Domäne,
2–28 die
zytoplasmische Domä ne;
siehe Malfroy et al., Biochem. Biophys. Res. Commun. 144, 59 (1987))
; (3) Typ III-Proteine wie z. B. Human-Cytochromi P450 NF25 (Hytekeyama,
s. o.); und (4) Typ IV-Proteine wie z. B. Human-P-Glykoprotein (Hatekeyama,
s. o.). Besonders bevorzugt sind CD8 und ICAM-2. Beispielsweise
liegen die Signalsequenzen aus CD8 und ICAM-2 am extremen 5'-Ende
des Transkripts. Diese bestehen aus den Aminosäuren 1–32 im Falle von CD8 (MASPLTRFLSLNLLLLGESILGSGEAKPQAP;
Nakauchi et al., PNAS USA 82, 5126 (1985) und 1–21 im Falle von ICAM-2 (MSSFGYRTLTVA-LFTLICCPG; Staunton
et al., Nature (London) 339, 61 (1989)). Diese Leadersequenzen führert das
Konstrukt der Membran zu, während
die hydrophoben transmembranen Domänen, die 3' von der Random-Kandidatenregion
positioniert sind, dazu dienen, das Konstrukt in der Membran zu
verankern. Diese transmembranen Domänen werden von den Aminosäuren 145–195 aus
CD8 (PQRPEDCRPRGSVKGTGLDFA-CDIYIWAPLAGICVALLSLIITLICYHSR;
Nakauchi, s. o.) und 224–256
aus ICAM-2 (MVIIVTVVSVLLSLFVTSVLLCFIFGQHLRQQR; Staunton, s. o.)
gebildet.
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Alternativ dazu enthalten diese Membran-Verankerungssequenzen
den GPI-Anker, was zu einer kovalenten Bindung zwischen dem Molekül und der
Lipid-Doppelschicht über
eine Glycosyl-Phosphatidylinositol-Bindung z. B. in DAF führt (PNKGSG-TTSGTTRLLSGHTCFTLTGLLGTLVTMGLLT,
wobei das fett gedruckte Serin die Stelle des Ankers ist; siehe
Hormans et al., Nature 333(6170), 269–272 (1988) und Moran et al., J.
Biol. Chem. 266, 1250 (1991)). Um dies zu bewerkstelligen, kann
die GPI-Sequenz aus Thy-1 3' von der variablen Region anstelle einer
transmembranen Sequenz kassettiert sein.
-
Ebenso können Myristylations-Sequenzen
als Membran-Verankerungssequenzen dienen. Es ist bekannt, dass die
Myristylation von c-src dieses für
die Plasmamembran rekrutiert. Dies ist ein einfaches und wirkungsvolles
Verfahren der Membranlokalisierung, wenn man berücksichtigt, dass die ersten
14 Aminosäuren des
Proteins einzig für
diese Funktion verantwortlich sind: MGSSKSKPKDPSQR (siehe Cross
et al., Mol. Cell. Biol. 4(9), 1834 (1984); Spencer et al., Science
262, 1019– 1024
(1993); beide Publikationen sind hierin durch Verweis aufgenommen).
Dieses Motiv stellte sich in der Lokalisierung von Reporter-Genen
bereits als wirkungsvoll heraus und kann dazu dienen, die Zeta-Kette
von TCR zu verankern. Dieses Motiv befindet sich 5' von der variablen
Region, um das Konstrukt an der Plasmamembran zu lokalisieren. Andere
Modifikationen wie etwa Palmitoylation können dazu dienen, Konstrukt
in der Plasmamembran zu verankern; siehe z. B. die Palmitoylationssequenzen
aus der G-Protein-gekuppelten Rezeptor-Kinase-GRK6-Sequenz (LLC-RLFSRQDCCGNCSDSEEELPTRL,
wobei die fett gedruckten Cysteine palmitoyliert sind; Stoffel et
al., J. Biol. Chem. 269, 27791 (1994)); aus Rhodopsin (KQFRNCMLT-SLCCGKNPLGD; Barnstable
et al., J. Mol. Neurosci. 5(3), 207 (1994)); und dem p21 H-ras 1-Protein
(LNPPDESGPGCMSCKCVLS; Capon et al., Nature 302, 33 (1983)).
-
In einer bevorzugten Ausführungsform
ist die Targeting-Sequenz eine lysosomale Targeting-Sequenz, umfassend
z. B. eine lysosomale Abbausequenz wie etwa Lamp-2 (KFERQ; Dice, Ann. N. Y. Acad. Sci.
674, 58 (1992); oder lysosomale Membransequenzen aus Lamp-1 (MLIPIAGFFALAGLVLIAYLIGRKRSHAGYQTI, Uthayakumar
et al., Cell. Mol. Biol. Res. 41, 405 (1995)) oder Lamp-2 (LVPIAVGAALAGVLI-LVLLAYFIGLKHHHAGYEQF,
Konecki et al., Biochem. Biophys. Res. Comm. 205, 1– 5 (1994)),
von denen beide die transmembranen Domänen in Kursivdruck und die
zytoplasmische Targeting-Signal unterstrichen aufweisen.
-
Alternativ dazu kann die Targeting-Sequenz
eine Mitochondrien-Lokalisierungssequenz sein, umfassend Mitochondrien-Matrixsequenzen
(z. B. Hefe-Alkohol-Dehydrogenase III; MLRTSSLFTRRVQPSLFSRNILRLQST;
Schatz, Eur. J. Biochem. 165, 1–6
(1987)); Mitochondrien-Innenmembran-Sequenzen (Hefe-Cytochrom c-Oxidase-Untereinheit IV;
MLSLRQSIRFFKPATRTLCSSRYLL; Schatz, s. o.); Mitochondrien-Intermembranraum-Sequenzen
(Hefe-Cytochrom c1; MFSMLSKRWAQRTLSKSFYST-ATGAASKSGKLTQKLVTAGVAAAGITASTLLYADSLTAEAMTA;
Schatz, s. o.) oder Mitochondrien-Außenmembran-Sequenzen (70 kD-Hefe-Außenmembranprotein;
MKSFITRNKTAILATVAATGTAIGAYYYYNQLYYYYYRGKK; Schatz, s. o.).
-
Die Zielsequenzen können auch
endoplasmische Reticulum-Sequenzen sein, umfassen Sequenzen aus
Calreticulin (KDEL; Pelham, Royal Society London Transactions B;
1–10 (1992))
oder Adenovirus E3/19K-Protein (LYLSRRSFIDEKKMP; Jackson et al.,
EMBO J. 9, 3153 (1990)).
-
Außerdem können Targeting-Sequenzen Folgendes
umfassen: Peroxisoin-Sequenzen (z. B. die Peroxisom-Matrixsequenz
aus Luciferase; SKL; Keller et al., PNAS USA 4, 3246 (1987)); Farnesylations-Sequenzen
(z. B. P21 H-ras 1; LNPPDESGP-GCMSCKCVLS,
wobei das fett gedruckte Cystein farnesyliert ist; Capon, s. o.);
Geranylgeranylations-Sequenzen (z. B. Protein rab-5A; LTEPTQPTRNQCCSN,
wobei die fett gedruckten Cysteine geranylgeranyliert sind; Farnsworth,
PNAS USA 91, 11963 (1994)); oder Destruktionssequenzen (Cyclin B1;
TRALGDIGN; Klotzbucher et al., EMBO J. 1, 3053 (1996)).
-
In einer bevorzugten Ausführungsform
ist die Targeting-Sequenz eine Sekretions-Signalsequenz, die zur Sekretion des,
Kandidaten-Translationsprodukts fähig ist. Es gibt zahlreiche
bekannte Sekretions-Signalsequenzen, die sich 5' von der variablen
Peptidregion befinden und von dieser abgespalten sind, um die Sekretion
in den extrazellulären
Raum zu bewirken. Sekretions-Signalsequenzen und ihre Transferierbarkeit
in nicht verwandte Proteine sind allgemein bekannt; siehe z. B.
Silhavy et al., Microbiol. Rev. 49, 398–418 (1985). Dies ist besonders
nützlich,
um ein Peptid zu erzeugen, das zur Bindung an die Oberfläche einer
Zielzelle fähig ist
(oder deren Physiologie beeinflussen kann), die eine andere als
die Wirtszelle ist, z. B. eine mit dem Retrovirus infizierte Zelle.
In einer bevorzugten Ausführungsform
ist das Fusionsprodukt konfiguriert, in Serie die folgende Struktur
zu enthalten: Signalpeptid – Präsentationsstruktur – randomisierte
Expressionsprodukt-Region – Präsentationsstruktur
(siehe 3). Auf diese Weise baden Zielzellen,
die in der Nähe
von Zellen gezüchtet sind,
die eine Expression der Bibliothek von Peptiden bewirken, in sekretiertem
Peptid. Zielzellen, die eine physiologische Veränderung als Reaktion auf die
Gegenwart eines Peptids aufweisen, z. B. durch die Peptidbindung
an einen Oberflächenrezeptor
oder durch Internalisierung und Bindung an intrazelluläre Ziele,
und die Sekretionszellen werden von einer Vielzahl an Selektionssystemen
lokalisiert und das die Wirkung verursachende Peptid bestimmt. Beispiele
für Wirkungen
sind jene eines Designer-Cytokins (d. h. eines Stemmzellen-Faktors,
der bewirkt, dass sich hämatopoetische
Stammzellen teilen und ihr Totipotential aufrechterhalten), eines
Faktors, der die spontane Apoptose von Krebszellen hervorruft, eines
Faktors, der sich an die Zelloberfläche von Zielzellen bindet und
sie spezifisch markiert, usw.
-
Geeignete Sekretionssequenzen sind
bekannt, z. B. Signale aus IL-2 (MYRMQLLSC-IALSLALVTNS; Villinger et al., J. Immunol.
155, 3946 (1995)), Wachstumshormon (MATGSRTSLLLAFGLLCLPWLQEGSAFPT;
Roskam et al., Nucleic Acids Res. 7, 30 (1979)); Preproinsulin (MALWMRLLPLLALLALWGPDPAAAFVN;
Bell et al., Nature 284, 26 (1980); und Influenza HA-Protein (MKAKLLVLLYAFVAGDQI;
Sekiwawa et al., PNAS 80, 3563)), wobei die Spaltung an der Stelle
zwischen dem nichtunterstrichenen und dem unterstrichenen Abschnitt
auftritt. Eine besonders bevorzugte Sekretions-Signalsequenz ist
die Signal-Leadersequenz aus dem sekretierten Cytokin IL-4, das
die ersten 24 Aminosäuren
aus IL-4 wie folgt umfasst: MGLTSQLLPPLFFLLACAGNFVHG.
-
In einer bevorzugten Ausführungsform
kann der Fusionspartner auch eine Rettungssequenz umfassen. Eine
Rettungssequenz ist eine Sequenz, die dazu verwendet werden kann,
entweder das Kandidatenmittel oder die dafür kodierende Nucleinsäure zu reinigen
oder zu isolieren. Somit enthalten z. B. Peptid-Rettungssequenzen
Reinigungssequenzen wie etwa den His6-Marker
zur Verwendung mit Ni-Affinitätssäulen und
Epitop-Marker für
die Detektion, Immunfällung
oder FACS (Fluoreszenz-aktivierte Zellsortierung). Geeignete Epitop-Marker
sind myc (zur Verwendung mit dem im Handel erhältlichen 9E10-Antikörper), die
BSP-Biotinylations-Zielsequenz für
das bakterielle Enzym BirA, flu-Marker, lacZ und GST.
-
Alternativ dazu kann die Rettungssequenz
eine singuläre
Oligonucleotid-Sequenz sein, die als Sonden-Zielstelle dient, um
die rasche und einfache Isolation des retroviralen Konstrukts mittels
PCR, verwandter Techniken oder Hybridisierung zu ermöglichen.
-
In einer bevorzugten Ausführungsform
kann der Fusionspartner auch eine Stabilitätssequenz umfassen, um dem
randomisierten Kandidaten-Peptid oder der dafür kodierenden Nucleinsäure Stabilität zu verleihen.
Somit können
z. B. Peptide durch Inkorporation von Glycinen nach dem Initiations-Methionin
(MG oder MGGO), zwecks Schutz des Peptids vor Ubiquitination gemäß der N-End-Regel
von Varshavsky stabilisiert werden, um im Zytoplasma langer Halbwertszeit
zu verleihen. Ebenso liefern zwei Proline am C-Terminus Peptide,
die gegenüber
Carboxypeptidase-Wirkung größtenteils
resistent sind. Die Gegenwart von zwei Glycinen vor den Prolinen
verleiht Flexibilität
und verhindert, dass sich Struktur-initiierende Ereignisse im Diprolin
in der Struktur des Kandidaten-Peptids fortsetzen. Somit sind bevorzugte
Stabilitätssequenzen
wie folgt: MG(X)nGGPP, worin X jede beliebige
Aminosäure
und n eine ganze Zahl von zumindest 4 ist.
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In einer Ausführungsform kann der Fusionspartner
auch eine Dimerisationssequenz umfassen. Eine Dimerisationssequennz
ermöglicht
die nicht-kovalente Assoziation eines Random-Peptids an ein anderes Random-Peptid,
wobei ausreichend Affinität
gegeben ist, um unter normalen physiologischen Bedingungen assoziiert
zu bleiben. Dies ermöglicht
es kleinen Bibliotheken von Random-Peptiden (z. B. 104),
zu großen
Bibliotheken anzuwachsen, wenn zwei Peptide pro Zelle erzeugt werden,
die dann dimerisieren, um eine wirkungsvolle Bibliothek von 108 zu bilden (104 × 104). Dies gestattet gegebenenfalls auch die
Bildung längerer Random-Peptide
oder strukturell komplexerer Random-Peptidmoleküle. Die Dimere können Homo-
oder Heterodimere sein.
-
Dimerisationssequenzen können eine
einzelne Sequenz sein, die selbst aggregiert, oder zwei Sequenzen,
von denen jede in einem anderen retroviralen Konstrukt erzeugt wird.
Nucleinsäuren
kodieren sowohl für
ein erstes Random-Peptid mit Dimerisationssequenz 1 als auch ein
zweites Random-Peptid mit Dimerisationssequenz 2 kodieren, sodass
bei Einführung
in eine Zelle und Expression der Nucleinsäure Dimerisationssequenz 1
mit Dimerisationssequenz 2 assoziiert, um eine neue Random-Peptidstruktur
zu bilden.
-
Geeignete Dimerisationssequenzen
umfassen eine Vielzahl an Sequenzen. Es sind zahlreiche Protein-Protein-Wechselwirkungsstellen
bekannt. Darüber
hinaus können
Dimerisationssequenzen auch unter Anwendung von Standardverfahren
identifiziert werden, z. B. mittels des Hefe-Zwei-Hybrid-Systems,
traditioneller biochemischer Affinitätsbindungs-Studien oder sogar
unter Anwendung der vorliegenden Verfahren.
-
Die Fusionspartner können – sofern
dies die Biologie und die Aktivität erlaubt – an einer beliebigen Stelle
(d. h. N-terminal, C-terminal, intern) in der Struktur positioniert
sein.
-
In einer bevorzugten Ausführungsform
enthält
der Fusionspartner eine Linker- oder Tethering-Sequenz. Linkersequenzen
zwischen verschiedenen Targeting-Sequenzen (z. B. Membran-Targetingsequenzen) und
die anderen Komponenten der Konstrukte (z. B. die randomisierten
Kandidatenmittel) sind möglicherweise wünschenswert,
um es den Kandidatenmitteln zu ermöglichen, ungehindert mit potenziellen
Zielen in Wechselwirkung zu treten. Wenn beispielsweise der Kandidat
für das
bioaktive Mittel ein Peptid ist, sind nützliche Linker Glycin-Serin-Polymere
(umfassend z. B. (GS)n, (GSGGS)n und
(GGGS)n, worin n eine ganze Zahl von zumindest
1 ist), Glycin-Alanin-Polymere, Alanin-Serin-Polymere und andere
flexible Linker wie etwa der Tether für den Shaker-Kalium-Kanal sowie
eine große
Anzahl weiterer flexibler Linker, wie dies für Fachleute auf dem Gebiet
offenkundig ist. Glyin-Serin-Polymere sind vorzuziehen, da beide
dieser Aminosäuren
relativ unstrukturiert sind und daher als neutraler Tether zwischen
Komponenten dienen können.
Zweitens ist Serin hydrophil und kann daher eine globulare: Glycinkette
solubilisieren. Drittens wurde aufgezeigt, dass ähnliche Ketten Untereinheiten
von Rekombinationsproteinen wie z. B. einkettige Antikörper wirkungsvoll
verbinden können.
-
Außerdem können die Fusionspartner einschließlich der
Präsentationsstrukturen
modifiziert, randomisiert und/oder maturiert werden, um die Präsentationsorientierung
des randomisierten Expressionsprodukts zu verändern. Beispielsweise können Determinanten
an der Basis der Schleife modifiziert sein, um die interne tertiäre Schleifen-Peptidstruktur
geringfügig
zu verändern,
während
die randomiserte Aminosäuresequenz
beibehalten wird.
-
In einer bevorzugten Ausführungsform
werden Kombinationen von Fusionspartnern verwendet. Somit eignen
sich z. B. bealebige Kombinationen von Präsentationsstrukturen, Targeting-Sequenzen,
Rettungssequenzen und Stabilitätssequenzen
(mit oder ohne Linkersequenzen). Wie dies ausführlicher weiter unten erklärt ist,
kann man unter Verwendung eines Basisvektors, der eine Klonierungsstelle
für den
Empfang von Random- und/oder Bias-Bibliotheken enthält, in verschiedenen
Fusionspartnern 5' und 3' von der Bibliothek kassettieren. Tabelle
1 veranschaulicht einige der möglichen
Kombinationen (ohne genaue Angabe der Präsentationsstrukturen) wie folgt.
Unter Verwendung von V als variable Klonierungsstelle für die Random-Nucleinsäure-Bibliotheken
und Bezeichnung jedes Fusionspartners durch einen anderen Buchstaben
(d. h. N für
nucleare Lokalisierungssequenz) kann jedes Konstrukt als Abfolge
repräsentativer
Buchstaben identifiziert werden – 5' zu 3' (Nucleinsäure) oder
N-terminal zu C-terminal (Protein), z. B. NV oder – falls
stromab von der variablen Region kloniert -VN. Wie hier impliziert,
sind die Fusionspartner-Sequenzen als Kassetten in Stellen auf beiden Seiten
der variablen Region kloniert. C steht für zytoplasmisch (d. h. keine
Lokalisierungssequenz), E ist eine Rettungssequenz wie z. B. das
myc-Epitop, G eine
Linkersequenz (G10 ist eine Glycin-Serin-Kette von 10 Aminosäuren, G
20 eine Glycin-Serin-Kette von 20 Aminosäuren), M eine Myristylationssequenz,
N eine nucleare Lokalisierungssequenz, ssTM die Signalsequenz für die transmembrane
Verankerungssequenz, TM die transmembrane Verankerungssequenz, GPI
eine GPI-Membran-Verankerungssequenz, S eine Sekretions-Signalsequenz
usw. Wie dies für
Fachleute auf dem Gebiet der Erfindung offenkundig ist, kommen zusätzlich zu
den oben erwähnten
beliebige andere Kombinationen in Frage.
-
-
Wie dies für Fachleute auf dem Gebiet
der Erfindung offenkundig ist, können
diese Module von Sequenzen in einer großen Anzahl an Kombinationen
und Variationen verwendet werden. Darüber hinaus ist es – wie hierin
auch besprochen – ebenfalls
möglich,
mehr als eine variable Region in einem Konstrukt vorzusehen: entweder
um gemeinsam eine neue Oberfläche
zu bilden oder zwei andere Moleküle
zusammenzubringen.
-
In einer bevorzugten Ausführungsform
ist ein mit einer Präsentationsstruktur
verbundenes randomisiertes Kandidaten-Peptid der variablen Klonierungsstelle
V (s. o.) hinzugefügt.
Alternativ dazu wird keine: Präsentationsstruktur
verwendet, wodurch ein „freies"
oder „nicht
eingeschränktes"
Peptid oder Expressionsprodukt entsteht.
-
Zu den bevorzugten Ausführungsformen
zählen:
-
- a) intrazelluläres, Membran-verankertes verbundenes
(d. h. mittels Tether) freies Peptid: wobei das Sekretionssignal
aus Mäuse-CD8
fett gedruckt ist, die transmembrane Region von CD8 unterstrichen
ist und der Linker, der für
Flexibilität
(Glycin) und Löslichkeit
(Serin) sorgt, kursiv gedruckt ist. (X)n stellt
das Random-Peptid dar, worin n eine ganze Zahl von mehr als etwa
6 ist. Eine bevorzugte Ausführungsform
unter Einsatz dieser Struktur verwendet Bias-Peptide (siehe unten),
z. B. Bias-SH-3-Domänen-Bindungspeptid-Bibliotheken
in den nicht eingeschränkten
Pepitidstrukturen, da einige Oberflächenrezeptor-Signalisierungssysteme
SH-3-Domänen
als Teil des Signalisierungsapparats verwenden.
- (b) intrazelluläre,
Membran-verankerte, verbundene Superhelix: wobei die Superhelix-Struktur
unterstrichen und kursiv dargestellt ist.
- (c) extrazellulär,
mit Oberflächen-Tether,
nicht eingeschränkt:
- (d) extrazellulär,
mit Oberflächen-Tether,
eingeschränkt:
- (e) sekretiert, nicht eingeschränkt:
- (f) sekretiert, eingeschränkt:
-
Die randomisierten Kandidaten-Peptide,
die hierin auch als bioaktive Kandidatenmittel bezeichnet werden
und oben beschrieben sind, werden durch Kandidaten-Nucleinsäuren kodiert.
Unter „Kandidaten-Nucleinsäuren" ist
hierin eine Nucleinsäure
zu verstehen (im Allgemeinen RNA bei Verwendung retroviraler Zufuhrvehikel),
die exprimiert werden können,
um bioaktive Kandidatenmittel zu bilden; d. h. die Kandi-Baten-Nucleinsäuren kodieren
für die
bioaktiven Kandidatenmittel und die Fusionspartner (falls vorhanden).
Darüber
hinaus enthalten die Kandidaten-Nucleinsäuren im Allgemeinen auch ausreichend
zusätzliche
Sequenz, um je nach Bedarf Translation oder Transkription zu bewirken.
Für eine
Peptid-Bibliothek enthält
die Kandidaten-Nucleinsäure
im Allgemeinen Klonierungsstellen, die so positioniert sind, dass
die Expression der randomisierten Peptide innerhalb des Rahmens
möglich
ist, sowie Fusionspartner wie z. B. Präsentationsstrukturen. Beispielsweise
enthält
die Präsentationsstruktur
im Allgemeinen das initiierende ATG als Teil des Stammvektors. Für eine RNA-Bibliothek
sind die Kandidaten-Nucleinsäuren
im Allgemeinen mit einem internen CMV-Promotor, tRNA-Promotor oder
Zellspezifischen Promotor konstruiert, der für die sofortige und geeignete
Expression der RNA-Struktur an der Initiationsstelle der RNA-Synthese
ausgebildet ist. Die RNA ist in Anti-Sense-Weise zur Richtung der
retroviralen Synthese exprimiert und konventionell beendet, z. B.
mit einer orientierungsspezifischen Terminatorsequenz. Interferenz
durch stramaufwärtige
Transkription wird in der Zielzelle mit der Selbstinaktivierungs-Deletion
abgeschwächt,
einem gemeinsamen Merkmal bestimmter retroviraler Expressionsysteme.
-
Im Allgemeinen werden die Kandidaten-Nucleinsäuren innerhalb
der Zellen exprimiert, um randomisierte Kandidaten-Peptide zu produzieren.
-
Die randomisierten Kandidaten-Peptide
und die Kandidaten-Nucleinsäuren
sind randomisiert – entweder
vollständig
randomisiert oder in ihrer Randomisierung „biased", z. B. allgemein
oder positionsspezifisch hinsichtlich der Nucleotid/Rest-Häufigkeit.
Unter „randomisiert"
oder grammatikalisch gleichwertigen Ausdrücken ist hierin zu verstehen,
dass jede Nucleinsäure
und jedes Peptid aus im Wesentlichen Random-Nucleotiden bzw. -Aminosäuren besteht.
Wie dies ausführlicher
weiter unten dargestellt ist, sind die Kandidaten-Nucleinsäuren, die
zu Kandidaten-Expressionsprodukten führen, chemisch synthetisiert
und können
daher jedes beliebige Nucleotid an jeder beliebigen Position inkorporieren.
Wenn demnach die Kandidaten-Nucleinsäuren exprimiert sind, um Peptide
zu bilden, kann jeder beliebige Aminsoäurerest an jeder beliebigen
Position inkorporiert sein. Der synthetische Prozess kann ausgebildet
sein, randomisierte Nucleinsäuren
zu erzeugen, damit die Bildung aller oder der meisten möglichen
Kombinationen über
die Länge
der Nucleinsäure
erfolgen kann; auf diese Weise entsteht eine Bibliothek randomisierter
Kandidaten-Nucleinsäuren.
-
Die Bibliothek sollte eine ausreichend
strukturell diverse Population randomisierter Expressionsprodukte
aufweisen, um eine probabilistisch ausreichende Bandbreite zellulärer Reaktionen
hervorzurufen, damit eine oder mehr Zellen bereitgestellt werden
können,
die eine erwünschte
Response zeigen. Demzufolge muss eine auf Wechselwirkung beruhende
Bibliothek. groß genug
sein, damit zumindest eines ihrer Elemente eine Struktur besitzt,
de ihr für
ein bestimmtes Molekül,
Protein oder einen anderen Faktor, dessen Aktivität für den Abschluss
des Signalisierungspfads notwendig ist, Affinität verleiht. Obwohl es schwierig
ist, die erforderliche absolute Größe einer auf Wechselwirkung
basierenden Bibliothek zu ermitteln, liefert die Natur in Form der
Immunreaktion einen Hinweis: eine Diversität von 107 bis
108 unterschiedlichen Antikörpern bietet
zumindest eine Kombination mit ausreichender Affinität, um mit
den meisten potenziellen Antigenen, mit denen ein Organismus konfrontiert
ist, in Wechselwirkung zu treten. Veröffentlichte in vitro-Selektionstechniken
zeigten auch, dass eine Bibliotheksgröße von 107 bis
108 ausreicht, um Strukturen mit Affinität für das Ziel
zu identifizieren. Eine Bibliothek mit allen Kombinationen eines
Peptids und einer Länge
von 7 bis 20 Aminosäuren,
wie sie hierin für
die Expression in Retroviren vorgeschlagen wird, hat das Potenzial,
für 207 (109) bis 2020 zu kodieren. Somit bieten die vorliegenden
Verfahren mit Bibliotheken von 107 bis 108 pro ml retroviraler Partikel eine „funktionierende"
Untergruppe einer theoretisch vollständigen Interaktions-Bibliothek
für 7 Aminosäuren sowie
eine Untergruppe von Formen für
die 2020-Bibliothek.
Somit werden in einer bevorzugten Ausführungsform zumindest 106, vorzugsweise zumindest 107,
noch bevorzugter zumindest 108 und am bevorzugtesten zumindest 109, unterschiedliche Expressionsprodukte gleichzeitig
in Subjektverfahren analysiert. Bevorzugte Verfahren maximieren
die Bibliotheksgröße und -diversität.
-
Es ist wichtig, sich in Erinnerung
zu rufen, dass man in jedem Bibliothekssystem, für das Oligonucleotidsynthese
kodiert, keine 100%ige Kontrolle über die Codorts erhält, die
schließlich
in die Peptidstruktur inkorporiert werden. Dies gilt besonders für Codons,
die für
Stoppsignale kodieren (TAA, TGA, TAG). In einer Synthese mit NNN
als Random-Region gibt es eine 3/64 bzw. 4,69%ige Chance, dass das
Codon ein Stoppcodon ist. Somit besteht in einem Peptid mit 10 Resten
die unannehmbar hohe Wahrscheinlichkeit, dass 46,7% der Peptide
frühzeitig
enden (terminieren). Für
freie Peptidstrukturen ist dies möglicherweise kein Problem. Doch
für größere Strukturen,
wie sie hierin vorgestellt werden, führt eine derartige Termination
zu steriler Peptidexpression. Um dieses Problem zu lösen, werden
Random-Reste als NNK kodiert, worin K = T oder G ist. Dies ermöglicht das
Kodieren aller potenzieller Aminosäuren (unter geringfügiger Änderung
ihrer relativen Repräsentation),
doch es ist entscheidend, dass dies das Kodieren zweier Stoppreste
TAA und TGA verhindert. Somit besitzen Bibliotheken, die für ein aus
10 Aminosäuren
bestehendes Peptid kodieren, eine 15,6%ige Chance, frühzeitig
zu terminieren. Für
Kandidaten-Nucleinsäuren,
die nicht konstruiert sind, zu Peptid-Expressionsprodukten zu führen, ist
dies nicht erforderlich.
-
In einer Ausführungsform ist die Bibliothek
vollständig
randomisiert – es
bestehen an keiner Position Sequenzpräferenzen oder Konstanten. In
einer bevorzugten Ausführungsform
ist die Bibliothek biased, d. h. einige Positionen innerhalb der
Sequenz werden entweder konstant gehalten oder aus einer begrenzten
Anzahl an Möglichkeiten
ausgewählt.
Beispielsweise sind in einer bevorzugten Ausführungsform die Nucleotide oder
Aminosäurereste
innerhalb einer definierten Klasse, z. B. hydrophoberAminosäuren, hydrophiler
Reate, Reste mit sterischem Bias (entweder klein oder groß), zwecks
Erzeugung von Cysteinen, Vernetzung, Prolinen für SH-3-Domänen, Serinen, Threoninen, Tyrosinen
oder Histidinen für
Phosphorylationsstellen usw. oder Purinen usw. randomisiert.
-
In einer bevorzugten Aus ist der
Bias in Richtung Peptide oder Nucleinsäuren, die mit bekannten Klassen
von Molekülen
in Wechselwirkung treten. Beispielsweise ist es bekannt, dass ein
Großteil
der intrazellulären
Signalisierung über
die kurzen Regionen von Polypeptiden erfolgt, die durch kleine Peptiddomänen mit
anderen Polypeptiden in Wechselwirkung stehen. Eine kurze Region
aus der zytoplasmischen HIV-1-Hüllendomäne etwa
blockiert, wie bereits aufgezeigt wurde, die Wirkung von zellulärem Calmodulin.
Regionen der zytoplasmischen Fas-Domäne, die Homologie mit dem Mastoparan-Toxin
aus Wespen aufweist, kann auf eine kurze; Peptidregion mit zum Tod
führenden
apoptotischen oder G-Protein-induzierenden Funktionen beschränkt werden.
Magalnin, ein natürlichs
Peptid aus Xenopus, kann hochwirksame Anti-Tumor- und antimikrobielle
Aktivität
aufweisen. Kurze Peptidfragmente eines Protein-Kinase C-Isozyms
(βPKC) blockieren,
wie dies bereits aufgezeigt wurde, die nucleare Translokation von βPKC in Xenopus-Oozyten
nach Stimulation. Kurze SH-3-Zielpeptide
wurden auch Pseudosukistrate für
die spezifische Bindung an SH-3-Proteine
verwendet. Dies ist natürlich
nur eine kurze und unvollständige
Liste zur Verfügung
stehender Peptide mit biologischer Aktivität, da es in diesem Bereich
eine sehr umfangreiche Literatur gibt. Es bestehen demnach sehr
viele Hinweise auf das Potenzial kleiner Peptide, Aktivität auf intrazellulären Signalisierungskaskaden
aufzuweisen. Außerdem
können
Agonisten und Antagonisten beliebig vieler Moleküle als Basis der Bias-Randomisierung
randomisierter Kandidaten-Peptide herangezogen werden.
-
Es eignen sich somit einige Moleküle oder
Proteindomänen
als Ausgangspunkte für
die Erzeugung randomisierter bioaktiver Bias-Kandidatenmittel. Eine
große
Anzahl kleiner Moleküldomänen ist
ebenfalls bekannt, die eine gemeinsame Funktion, Struktur oder Affinität verleihen.
Darüber
hinaus können – wie man
dies auf dem Gebiet der Endung weiß – Bereiche schwacher Aminosäure-Homologie
starke strukturelle Homologie aufweisen. Einige dieser Moleküle, Domänen und/oder
korrespondierender Konsenssequenzen sind bekannt, u. a. SH-2-Domänen, SH-3-Domänen, Pleckstrin,
Todesdomänen,
Protease-Spaltungs/Erkennungsstellen, Enzyminhibitoren, Enzymsubstrate,
Traf usw. Ebenso gibt es einige bekannte Nucleinsäure-Bindungsproteine, die
Domänen
enthalten, die sich hierin zur Verwendung eignen. Beispielsweise
sind Leucin-Reißverschluss-Konsenssequenzen
bekannt.
-
Wenn das endgültige Expressionsprodukt eine
Nucleinsäure
ist, müssen
zumindest 10, vorzugsweise zumindest 12, noch bevorzugter zumindest
15, am bevorzugtesten zumindest 21, Nucleotidpositionen randomisiert
werden, wobei es noch bevorzugter ist, wenn die Randomisierung nicht
perfekt ist. Ebenso müssen
zumindest 5, vorzugsweise zumindest 6, noch bevorzugter zumindest
7, Aminosäurepositionen
randomisiert sein, wobei es wiederum bevorzugter ist, wenn die Randomisierung
nicht perfekt ist.
-
In einer bevorzugten Ausführungsform
werden SH-3-Domänen-bindende
Oligonucleotide/Peptide mit Bias erzeugt. Es wurde gezeigt, dass
SH-3-Domänen
kurze Zielmotive (SH-3-Domänen-bindende
(Peptide; etwa 10 bis 12 Reste in einer linearen Sequenz) erkennen,
die als kurze Peptide mit hoher Affinität für die Ziel-SH-3-Domäne kodiert
werden können.
Konsenssequenzen für
SH-3-Domänen-bindende
Proteine wurden ebenfalls vorgeschlagen. Somit werden in einer bevorzugten
Ausführungsform
Oligos/Peptide mit dem folgenden Bias erzeugt:
-
In dieser Ausführungsform ist zu erkennen,
dass die N-Terminus-flankierende Region die größte Auswirkung auf die Bindungsaffinität hat, weshalb
sie zur Gänze
randomisiert ist. „Hyd"
bedeutet einen Bias in Richtung eines hydrophoben Rests, d. h. Val,
Ala, Gly, Leu, Pro, Arg. Um für
einen Rest mit hydrophoben Bias zu kodieren, wird eine Struktur
mit „sbk"-Codon-Biss
verwendet. Die Untersuchung der Codons mit dem genetischen Code
stellt sicher, dass im Allgemeinen hydrophobe Reste kodiert werden.
s = g, c; b = t, g, c; v = a, g, c; m = a, c; k = t, g; n = a, t,
g, c.
-
Die Kandidaten-Nucleinsäuren werden
in die Zellen eingeführt,
um auf randomisierte Peptide zu screenen, die den Phänotyp einer
Säugetierzelle
verändern
zu können.
Unter „eingeführt in"
oder ähnliche Ausdrücke ist
hierin zu verstehen, dass die Nucleinsäuren in die Zellen solcherart
eindringen, dass sie sich für die
nachfolgende Expression der Nucleinsäure eignen. Das Verfahren der
Einführung
ist vor allem vom abgezielten Säugetier-Zelltyp
(siehe unten) abhängig.
Beispiele für
solche Verfahren sind CaPO4-Fällung, Liposomenfusion,
Lipofectin®,
Elektroporation, Viralinfektion usw. Die Kandidaten-Nucleinsäuren können stabil
in das Genom der Wirtszelle integriert sein (z. B. mit retroviraler
Einführung,
siehe unten), oder sie können
entweder transient oder stabil im Zytoplasma existieren (d. h. durch
Verwendung traditioneller Plasmide, unter Anwendung hierkömmlicher
Regulationssequenzen, Selektionsmarker usw.). Da zahlreiche pharmazeutisch
wichtige Screens Human- oder Modellsäugetier-Zellziele erfordern,
sind retrovirale Vektoren vorzuziehen, die zur Transfektion solcher
Ziele fähig
sind.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
sind die Kandidaten-Nucleinsäuren
Teil eines retroviralen Partikels, das die Zellen infiziert. Im
Allgemeinen ist die Infektion der Zellen unproblematisch – es wird
infektionsförderndes
Reagens Polybren appliziert, ein Polykation, das die virale Bindung
an die Zielzelle erleichtert. Die Infektion kann solcherart optimiert
werden, dass jede Zelle im Allgemeinen ein einziges Konstrukt exprimiert, wobei
hier das Verhältnis
zwischen Viruspartikeln und Zellenanzahl zur Anwendung kommt. Die
Infektion folgt einer Poisson-Verteilung.
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Die Kandidaten-Nucleinsäuren werden
mittels retroviraler Vektoren in die Zellen eingebracht Die derzeit
effizientesten Gentransfer-Methodologien machen sich die Fähigkeit
konstruierter Viren, z. B. Retroviren, zunutze, natürliche zelluläre Barrieren
zur exogenen Nucleinsäure-Aufnahme
zu umgehen. Die Verwendung rekombinanter Retroviren wurde als erstes
von Richard Mulligan und David Baltimore mit den Psi-2-Linien und analogen
Retrovirus-Verpackungssystemen auf der Basis von NIH 3T3-Zellen erforscht
(siehe Mann et al., Cell 33, 153–159 (1993), hierin durch Verweis
aufgenommen). Solche Helfer-defektiven Verpackungslinien sind in der
Lage, alle notwendigen Transproteine – gag, pol und env – zu produzieren,
die für
Verpackung, Verarbeitung, reverse Transkription und Integration
rekombinanter Genome erforder lieh sind. Jene RNA-Moleküle, die in
cis das Ψ-Verpackungssignal
aufweisen, sind zu reifenden Virionen verpackt. Retroviren sind
aus einigen Gründen
vorzuziehen. Erstens ist ihre Ableitung leicht. Zweitens ist im
Gegensatz zur Adenovirus-mediierten Genzufuhr die Expression aus
Retroviren langfristig (Adenoviren integrieren nicht). Adeno-assoziierte
Viren besitzen beschränkten
Raum für
Gene und Regulationseinheiten, und es herrscht derzeit Uneinigkeit über ihre Integrationsfähigkeit.
Retroviren bieten daher den tragfähigsten Kompromiss zwischen
langfristiger Expression, genomischer Flexibilität und stabiler Integration,
um nur einige Merkmale zu nennen. Der Hauptvorteil von Retroviren
besteht darin, dass ihre Integration in das Wirtsgenom ihre stabile Übertragung
durch Zellteilung ermöglicht.
Dies gewährleistet,
dass in Zelltypen, die mehrere unabhängige Reifungsschritte durchlaufen,
z. B. hämatopoetische
Zellprogression, das Retrovirus-Konstrukt nicht verschwindet und
auf Dauer exprimiert.
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Ein besonders gut geeignetes retrovirales
Transfektionssystem ist in Mann et al., s. o., beschrieben: Pear
et al., PNAS USA 90(18), 8392–8396
(!993); Kitamura et al., PNAS USA 92, 9146–9150 (1995); Kinsella et al.,
Human Gene Therapy 7, 1405– 1413;
Hofmann et al., PNAS USA 93, 5185–5190; Choate et al., Human Gene
Therapy 7, 2247 (1996); und WO 94/19478.
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In einer Ausführungsform der Erfindung wird
die Bibliothek in einem Retrovirus-DNA-Konstrukt-Rückgrat erzeugt, wie dies allgemein
in den Beispielen beschrieben wird. Es erfolgt Stamdard-Oligonucleotidsynthese,
um den Random-Abschnitt des bioaktiven Kandidatenmittels unter Anwendung
auf dem Gebiet der Erfindung bekannter Techniken zu erzeugen (siehe
Eckstein, Oligonucleotides and Analogues, A Practical Approach,
IRL Press at Oxford University Press, 1991); Bibliotheken können im
Handel erworben werden. Bibliotheken mit bis zu 109 singulären Sequenzen
können
problemlos in solchen DNA-Rückgraten
erzeugt werden. Nach der Bildung der DNA-Bibliothek wird diese in einen ersten
Primer kloniert. Der erste Primer dient als „Kassette", die in das retrovirale
Konstrukt insertiert wird. Der erste Primer enthält im Allgemeinen einige Elemente, z.
B. die erforderlichen Regulationssequenzen (z. B. Translation, Transkription,
Promotoren usw.), Fusionspartner, Restriktions-Endonuclease- (Klonierungs-
und Subklonierungs-) Stellen, Stoppcodons (vorzugsweise in allen
drei Rahmen), Komplementaritätsregionen
für das
Primen des zweiten Strangs (vorzugsweise am Ende der Stoppcodon-Region,
da in der Random-Region kleine Deletionen oder Insertionen auftreten
können) usw.
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Ein zweiter Primen wird dann zugegeben,
der im Allgemeinen aus einem Teil oder der Gesamtheit der Komplementaritätsregion
besteht, um den ersten Primer und gegebenenfalls notwendige Sequenzen
für eine zweite
singuläre
Restriktionsstelle für
das Subklonieren zu primen. DNA-Pcilymerase wird zugesetzt, um doppelstrangige
Oligonucleotide zu produzieren. Die doppelstrangigen Oligonucleotide
werden mit den geeigneten Subklonierungs-Restriktions-Endonucleasen
gespalten und in die retroviralen Zielvektoren subkloniert (Eleschreibung
folgt).
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Es kann jede beliebige Anzahl geeigneter
retroviraler Vektoren verwendet werden. Im Allgemeinen können die
retroviralen Vektoren Folgendes enthalten: selektierbare Markergene
unter der Steuerung interner Ribosomen-Eintrittsstellen (IHRES),
was für
bicistronische Operons sorgt und somit die Selektion von Zellen stark
vereinfacht, die Peptide in einheitlich großen Mengen exprimieren; und
Promotoren zur Verstärkung
der Expression eines zweiten Gens, positioniert in Sense- oder Antisense-Weise
relativ zu 5' LTR. Geeignete Selektionsgene sind u. a. Neomycin-,
Blastocidin-, Bleomycin-, Puromycin- und Hygromycin-Resistenzgene
sowie selbstfluoreszierende Marker wie z. B. grünes Fluoreszenzprotein, enzymatische
Marker wie z. B. lacZ und Oberflächenproteine
wie etwa CD8 usw.
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Bevorzugte Vektoren sind z. B. ein
Vektor auf der Basis des Mäuse-Stammzellenvirus
(MSCV; siehe Hawley et al., Gene Therapy 1, 136 (1994)) und ein
modifiziertes MFG-Virus (Rivere et al., Genetics 92, 6733 (1995))
sowie pBABE (siehe Beispiele). Eine allgemeine schematische Übersicht über das
retrovirale Konstrukt findet sich in 4.
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Zu den Retroviren zählen induzierbare
und konstitutive Promotoren. Beispielsweise gibt es Situationen,
in denen es notwendig ist, die Peptidexpression nur während bestimmter
Phasen des Selektionsprozesses zu induzieren. Ein Schema z. B.,
das entzündungsfördernde
Cytokine bereitstellt, muss in bestimmten Fällen die induzierte Expression
der Peptide vorsehen. Der Gründ
dafür besteht
darin, dass man erwarten kann, dass überexprimierte entzündungsfördernde
Medikamente langfristig gesehen das Zellwachstum beeinträchtigen
können.
Demzufolge ist die konstitutive Expression unerwünscht, und das Peptid wird
nur während
jener Phase des Selektionsprozesses aktiviert, in der der Phänotyp erforderlich
ist; dann wird das Peptid deaktiviert, indem die retrovirale Expression
gestoppt wird, sodass die Wirkung des langfristigen Überlebens
von Produzentenzellen bestätigt
bzw. dieses Überleben
sichergestellt wird. Es sind zahlreiche induzierbare und konstitutive
Promotoren bekannt.
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Zudem ist es möglich, einen retroviralen Vektor
zu konfigurieren, um für
induzierbare Expression von retroviralen Inserts nach der Integration
eines einzelnen Vektors in Zielzellen zu sorgen; es ist wichtig,
dass das gesamte System im einzelnen Retrovirus enthalten ist. Tet-induzierbare
Retroviren wurden unter Aufnahme des selbstinaktivierenden (SIN)
Merkmals der retroviralen 3' LTR-Enhancer/Promotor-Deletionsmutante konstruiert
(Hoffman et al., PNAS USA 93, 5185 (1996)). Die Expression dieses
Vektors in Zellen ist in Gegenwart von Tetracyclin oder anderer
aktiver Analoge praktisch undetektierbar. Doch in Abwesenheit von
Tet wird die Expression innerhalb von 48 Stunden nach der Induktion
maximal aktiviert, wobei eine einheitlich erhöhte Expression der gesamtern
Population jener Zellen zu beobachten ist, die das induzierbare
Retrovirus enthalten – ein
Indiz dafür,
dass die Expression innerhalb der infizierten Zellpopulation einheitlich
reguliert wird. Ein ähnliches
damit verwandtes System venivendet eine mutierte Tet-DNA-Bindungsdomäne solcherart,
dass DNA in Gegenwart von Tet gebunden und in Abwesenheit von Tet
entfernt wurde. Beide dieser Systeme kommen in Frage.
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Auf diese Weise erzeugen die Primer
eine Bibliothek von Fragmenten, die jeweils eine unterschiedliche
Random-Nucleotidsequenz enthalten, die für ein unterschiedliches Peptid
kodieren kann. Die Ligationsprodukte werden dann in Bakterien umgewandelt,
z. B. E. coli, und DNA aus dir resultierenden Bibliothek hergestellt,
wie dies allgemein von Kitamura, PNAS USA 92, 9146–9150 (1995)
veranschaulicht wird.
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Die Zufuhr der Bibliotheks-DNA in
ein retrovirales Verpackungssystem führt zur Umwandlung in infektiöses Virus.
Zweckmäßige retrovirale
Verpackungssystem-Zell linien sind u. a. die GING- und BOSC23-Zelllinien
aus WO 94/19478; Soneoka et al., Nucleic Acid Res. 23(4), 628 (1995);
Finer et al., Blood 83, 43 (1994); Pheonix-Verpackungslinien wie
etwa PhiNX-eco und PhiNX-ampho, siehe unten; 292T + gag-pol und
Retrovirus-Hülle;
PA317; sowie Zellinien, die von Markowitz et al., Virology 167,
400 (1988), Markowitz et al., J. Virol 62, 1120 (1988), Li et al.,
PNAS USA 93, 1165B (1996), Kinsella et al., Human Gene Therapy 7,
1405 (1996) beschrieben sind.
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Bevorzugte Systeme sind PhiNX-eco
und PhiNX-ampho oder ähnliche
Zelllinien, die, wie im Folgenden ausgeführt, zwei Zelllinien sind.
Die Zelllinien basieren auf den BING- und BOSC23-Zelllinien aus
WO 94/19478, die wiederum auf der 293T-Zelllinie basieren (einer
Humanembryo-Nierenlinie, transformiert mit Adenovirus E1a, die ein
temperatursensitives T-Antigen trägt, das mit Neomycin coselektiert
ist). Das einzigartige Merkmal dieser Zelllinie ist, dass sie entweder
mit Calciumphosphat-mediierter Transfektion oder Lipid-basitrrenden
Transfektions-Arbeitsvorschriften hochgradig transfizierbar ist – mehr als
50% der 293T-Zellen können
transient mit Plasmid-DNA
transfiziert werden. Somit könnte
die Zelllinie ein zelluläres
Milieu bieten, in dem retrovirale strukturelle Proteine und genomische
virale RNA zur Bildung von Helfer-defektivem Virus rasch zusamrnengebracht
werden können.
293T-Zellen wurden daher mit stabil integrierten defektiven Konstrukten
geschaffen, die zur Produktion von gag-pol und Hüllenprotein fähig sind
(entweder für
ekotrope oder amphotrope Viren). Diese Linien wurden als BOSC23
bzw. BING bezeichnet. Die Nützlchkeit
dieser Linien bestand darin, dass man kleine Mengen an rekombinantem
Virus transient zur Verwendung in Experimenten in kleinem Maßstab erzeugen
konnte. Diese Linien boten Vorteile gegenüber früheren stabilen Systemen, da
Virus innerhalb von Tagen und nicht Monaten produziert werden konnte.
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Mit diesen Linien der ersten Generation
traten im Laufe der zwei Jahre, in denen sie sich durchsetzten, drei
Probleme auf. Erstens war die gag-pol- und Hüllenexpression instabil, und
die Linien erforderten eine genaue Kontrolle der retroviralen Produktionskapazität; zweitens
galt die Struktur der für
die Proteinproduktion verwendeten Vektoren nicht als 100%ig „sicher"
für die
Helfervirus-Produktion; und drittens zeigte sich, dass eine der
Linien unbeabsichtigt ein Hygromycin-enthaltendes Retrovirus trug.
Obwohl die BING- und BOSC23-Linien hierin geeignet sind, werden
alle dieser möglicherweise
problematischen Aspekte in den PhiNX-Linien der zweiten Generation
berücksichtigt.
Diese Linien basieren ebenfalls auf 293T-Zellen, allerdings mit
den folgenden Verbesserungen. Erstens wurde die Fähigkeit
geschaffen, die gagpol-Produktion Zelle für Zelle zu überwachen, indem eine IKES-CD8-Oberflächenmarker-Expressionskassette
stromab vom Leserahmen des gag-pol-Konstrukts eingeführt wurde
(andere Oberflächenmarker
als CD8 kommen auch in Frage). IHRES(interne Ribosomen-Eintrittsstellen-)
Sequenzen ermöglichen
die sekundäre
oder tertiäre
Proteintranslokation aus einem einzelnen mRNA-Transkript. Somit
ist die CD8-Expression
eine direkte Folge des intrazellulären gag-pol, und die Zuverlässigkeit,
mit der die Population an Produzentisnzellen gag-pol produziert, kann
leicht durch Durchflusszytometrie überwacht werden. Zweitens wurden
sowohl für
die gag-polals auch die Hüllenkonstrukte
Nicht-Moloney-Promotoren verwendet, um das Rekombinationspotenzial
mit eingeführten
retroviralen Konstrukten zu minimieren; es wurden unterschiedliche
Promotoren für
gog-pol und Hülle
verwendet, um ihr Inter-Rekombinationspotenzial
zu minimieren. Die verwendeten Promotoren waren CMV und RSV. Es
entstanden zwei Zelllinien, PHEONIX-ECO und PHEONIX-AMPHO. gog-pol
wurde mit Hygromycin als co-selektierbarer Marker eingeführt, und
die Hüllenproteine
wurden mit Diphtherie-Resistenz als co-selektierbarer Marker eingeführt. Schließlich wurden
die Zellen gescreent, um einen relativ seltenen Zelltyp zu identifizieren,
der gog-pol und env (Hülle)
in einheitlicher Verteilung produzierte, obwohl dies nicht erforderlich
war. Außerdem
wurde eine Linie namens PHEONIX-gp produziert, die nur gog-pol produziert.
Diese Linie steht zwecks weiterer Pseudotypisierung retroviraler
Virionen mit anderen Hüllenproteinen
wie z. B. Gibbonaffen-Leukämievirus-Hülle oder
vesikulärem
Stomatitus VSV-G-Protein, Xenotropic oder Retargeting-Hüllen zur Verfügung, die
auch zugesetzt werden können.
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Sowohl PHEONIX-ECO als auch PHEONIX-AMPHO
wurden auf Helfervirus-Produktion untersucht und als Helfervirus-frei
identifiziert. Beide Linien tragen Episome für die Bildung stabiler Zelllinien,
die zur Produktion von Retrovirus herangezogen werden können. Beide
Linien können
durch Durchflusszytometrie problemlos auf Stabilität von gog-pol
(CD8) und Hüllenexpression
untersucht werden; nach mehrmonatigen Tests erweisen sich die Linien
als stabil und weisen keinen Titerverlust auf, wie dies bei den
Linien BOSC23 und BING der ersten Generation der Fall war (was teil weise
auf die Auswahl der Promotoren zur Verstärkung der Expression von gog-pol
und env zurückzuführen war).
Beide Linien können
auch zur transienten Produktion von Virus innerhalb weniger Tage
verwendet werden. Somit sind diese neuen Linien mit der transienten,
episomal-stabilen Bibliothekserzeugung für retrovirale Gentransfer-Experimente
absolut kompatibel. Schließlich wurden
die durch diese Linien produzierten Titer getestet. Unter Verwendung
herkömmlicher
Polybren-verstärkter
retroviraler Infektion wurden Titer nahe bei 107/ml
oder darüber
sowohl für
PHEONIX-ECO als
auch PHEONIX-AMPHO beobachtet, wenn episomale Konstrukte vorlagen.
Bei Erzeugung von transient produziertem Virus betragen die Titer üblicherweise
1/2 bis 1/3 dieses Werts.
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Diese Linien sind Helfervirus-frei,
sie tragen für
die langfristige stabile Produktion von Retrovirus Episome, sie
produzieren gag-pol und env in stabiler Weise, und sie weisen keinen
Verlust an vitalem Titer im Lauf der Zeit auf. Außerdem können PHEONIX-ECO
und PHENOX-Ampho Titer produzieren, die an 107/ml
heranreichen oder darüber
liegen, wenn sie episomale Konstrukte tragen, was mit Viruskonzentration
auf 108 bis 109/ml
erhöht
werden kann.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
eignen sich die oben geoffenbarten Zelllinien und die anderen Verfahren
zur Produktion von Retrovirus zur Bildung von Virus durch transiente
Transfektion. Das Virus kann entweder direkt verwendet werden oder
dazu dienen, eine andere retrovirale Produzenten-Zelllinie für die „Expansion"
der Bibliothek zu infizieren.
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Die Viruskonzentration kann in folgender
Weise ermittelt werden. Im Allgemeinen werden Retroviren durch Aufbringen
von Retrovirus enthaltendem Überstand
auf Indikatorzellen wie z. B. NIH3T3-Zellen und anschließende Messung
des Prozentsatzes jener Zellen, die phänotypische Konsequenzen der
Infektion exprimieren, getitert. Die Konzentration des Virus wird
bestimmt, indem der Prozentsatz von Zellen, die durch den jeweiligen
Verdünnungsfaktor
infiziert sind, multipliziert und die Anzahl an verfügbaren Zielzellen
berücksichtigt wird,
um einen relativen Titer zu erhalten. Wenn das Retrovirus ein Reporter-Gen
enthält,
z. B. lacZ, werden Infektion, Integration und Expression des rekombinanten
Virus durch histologisches Einfärben
für lacZ-Expression
oder durch Durchflusszytometrie (FACS) gemessen. Im Allgemeinen
liegen retrovirale Titer sogar aus den besten Produzentenzellen
unter 107/ml, sofern nicht eine Konzentration
aufgrund relativ teurer oder exotischer Geräte vorliegt. Wie dies allerdings
vor kurzem postuliert wurde, ist Folgendes zu beachten: Da sich
ein so großes
Partikel wie ein Retrovirus durch Brown-Bewegung nicht sehr weit
in Flüssigkeit
bewegt, kann man mithilfe der Flüssigkeitsdynamik
vorhersagen, dass ein Großteil
des Virus mit den Zellen niemals in Kontakt kommt, um den Infektionsprozess
in Gang zu setzen. Wenn jedoch Zellen auf einem porösen Filter
gezüchtet oder
platziert werden und sich Retrovirus durch graduellen gravitometrischen
Fluss an den Zellen vorbeibewegt, kann eine hohe Viruskonzentration
um die Zellen herum zu jedem Zeitpunkt aufrechterhalten werden.
Somit konnte man eine zehn Mal höhere
Infektiosität
durch infizierende Zellen auf einer porösen Membran und das Vorbeifließen von
Retrovirus-Überstand
daran beobachten. Dies sollte nach der Konzentration Titer von 109 ermöglichen.
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Die Kandidaten-Nucleinsäuren werden
als Teil des retroviralen Konstrukts in die Zellen eingesetzt, um auf
transdominante randomisierte Peptide zu screenen, die den Phänotyp einer
Zelle verändern
können.
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Wie dies für Fachleute auf dem Gebiet
der Erfindung offenkundig ist, kann der Typ von hierin verwendeten
Säugetierzellen
stark variieren. Im Grunde genommen kann jede Säugetierzelle verwendet werden,
wobei Mäuse-,
Ratten-, Primaten- und Humanzellen besonders vorzuziehen sind; wie
dies ebenfalls für
Fachleute auf dem Gebiet der Erfindung offenkundig ist, ermöglichen
Modifikationen des Systems durch Pseudotypisierung die Verwendung
aller eukaryotischen Zellen, vorzugsweise höherer Eukaryoten. Wie dies
weiter unten ausführlich
dargestellt ist, wird ein Screen durchgeführt, sodass die Zellen einen
selektierbaren Phänotyp
in Gegenwart eines randomisierten Peptids aufweisen können. Wie
dies weiter unten ausführlich
dargelegt wird, sind Zelltypen, die an einer Reihe von Krankheitszuständen beteiligt
sind, besonders nützlich,
sofern ein geeigneter Screen ausgebildet ist, die Auswahl von Zellen
zu ermöglichen,
die in Folge der Gegenwart eines transdominanten randomisierten
Peptids innerhalb der Zelle einen geänderten Phänotyp aufweisen.
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Demzufolge zählen zu geeigneten Zelltypen
u. a. Tumorzellen aller Art (insbesondere Melanom, Myeoloidleukämie, Karzinome
der Lunge, der Brust, der Eierstöcke,
des Darms, der Niere, der Prostata, des Pankreas und der Hoden),
Kardiomyozyten, Endothelzellen Epithelzellen, Lymphozyten (T-Zellen
und B-Zellen), Mastzellen, Eosinophile, vaskuläre Intimalzellen, Hepatozyten,
Leukozyten einschließlich
manonuclearer Leukozyten, Stammzellen wie z. B. hämatopoetische,
neurale, Haut-, Lungen-, Nieren-, Leber- und Myozyten-Stammzellen
(zur Verwendung beim Screenen auf Difterenzierungs- und De-Differenzierungsfaktoren), Osteoklasten,
Chnndrozyten und andere Bindegewebszellen, Keratinozyten, Melanozyten,
Leberzellen, Nierenzellen und Adipozyten. Zweckmäßige Zellen sind auch bekannte
Forschungszellen, u. a. Jurkat T-Zellen, NIH3T3-Zellen, CHO, Cos
usw. Siehe den ATCC-Zelllinienkatalog.
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In einer Ausführungsform können die
Zellen genetisch hergestellt sein, d. h. sie enthalten exogene Nucleinsäure, z.
B. um Zielmoleküle
zu umfassen.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
wird eine erste Vielzahl an Zellen gescreent. Die Zellen, in die Kandidaten-Nucleinsäuren eingesetzt
werden, weiden auf einen geänderten
Phänotyp
gescreent. Demnach wird in dieser Ausführungsform die Wirkung des
transdominanten bioaktiven Mittels in den gleichen Zellen festgestellt,
in denen es erzeugt wird; dies bezeichnet man als autokrine Wirkung.
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Unter einer „Vielzahl an Zellen" sind
hierin etwa 103 Zellen bis 108 oder
109 Zellen zu verstehen, wobei eine Menge
von 106 bis 108 vorzuziehen
ist. Diese Vielzahl an Zellen umfasst eine Zellbibliothek, in der
im Allgemeinen jede Zelle innerhalb der Bibliothek ein Element der
retroviralen molekularen Bibliothek enthält, d. h. eine unterschiedliche
Kandidaten-Nucleinsäuren
obwohl – wie
dies für
Fachleute auf dem Gebiet der Erfindung offenkundig ist – einige
Zellen innerhalb der Bibliothek möglicherweise kein Retrovirus
und einige mehr als ein Retrovirus enthalten. Wenn andere Verfahren
als retrovirale Infektion zur Einführung der Kandidaten-Nucleinsäuren in
eine Vielzahl an Zellen angewendet werden, kann die Verteilung der
Kandidaten-Nucleinsäuren
innerhalb der einzelnen Zellelemente der Zellbibliothek stark variieren, da
es im Allgemeinen schwierig ist, die Anzahl an Nucleinsäuren zu
steuern, die während
Elektroporation usw. in eine Zelle eindringen.
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In eine bevorzugten Ausführungsform
werden die Kandidaten-Nucleinsäuren
in eine erste Vielzahl an Zellen eingebracht und die Wirkung der
bioaktiven Kandidatenmittel in einer zweiten oder dritten Vielzahl
an Zellen gescreent, die von der ersten Vielzahl an Zellen zu unterscheiden
sind, d. h. die im Allgemeinen einen anderen Zelltyp aufweisen.
Die Wirkung der transdominanten bioaktiven Mittel ist auf eine extrazelluläre Wirkung
auf eine zweite Zelle zurückzuführen; es
handelt sich hierbei um einen endokrinen oder parakrinen Effekt. Dieser
wird mittels Standardverfahren erreicht. Die erste Vielzahl an Zellen
kann in oder auf einem Medium gezüchtet werden, das eine zweite
Vielzahl an Zellen berühren
kann; dann wird die Wirkung gemessen. Alternativ dazu kann direkter
Kontakt zwischen den Zellen stattfinden. Demnach ist die „Kontaktierung"
funktioneller Kontakt und umfasst sowohl direkten als auch indirekten
Kontakt. In dieser Ausführungsform
kann die erste Vielzahl an Zellen gescreent oder ungescreent sein.
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Falls erforderlich werden die Zellen
unter für
die Expression der Kandidaten-Nucleinsäuren geeigneten Bedingungen
behandelt (z. B. bei Verwendung induzierbarer Promotoren), um die
Kandidaten-Expressionsprodukte zu produzieren (entweder Translations-
oder Transkriptionsprodukte).
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Die Verfahren der Erfindung umfassen
somit das Einsetzen einer molekularen Bibliothek randomisierter
Kandidaten-Nucleinsäuren
in eine Vielzahl an Säugetierzellen,
eine Zellbibliothek. Jede der Nucleinsäuren umfasst eine andere genetisch
randomisierte Nucleotidsequenz. Die Vielzahl an Säugetierzellen
wird dann auf eine Zelle gescreent (Erläuterung siehe unten), die einen
geänderten
Phänotyp
aufweist. Der geänderte
Phänotyp
ist auf die Gegenwart eines transdominanten randomisierten Peptids
zurückzuführen.
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Unter „geändertem Phänotyp" oder „veränderter
Physiologie" oder ähnlichen
Ausdrücken
ist hierin gemeint, dass der Phänotyp
der Säugetierzelle
in bestimmter Weise modifiziert ist, vorzugsweise in detektierbarer
und/oder messbarer Weise. Wie dies für Fachleute auf dem Gebiet
der Erfindung offenkundig ist, liegt ein Vorteil der Erfindung in
der großen
Vielfalt an Säugetierzelltypen
und potenziellen phänotypischen
Veränderungen,
die man mittels der vorliegenden Verfahren messen kann. Jede phänotypische
Veränderung,
die man beobachten, nachweisen oder messen kann, kann als Grundlage
der vorliegenden Screening-Verfahren dienen. Geeignete phänotypische
Veränderungen
sind u. a.: starke physikalische Veränderungen wie z. B. Veränderungen
der Zellmorphologie, des Zellwachstums, der Lebensfähigkeit
der Zellen, der Haftung an Substraten oder an anderen Zellen, sowie
der Zelldichte; Veränderungen
in der Expression einer oder mehrerer RNA, von Proteinen, Lipiden,
Hormonen, Cytokinen oder anderen Molekülen; Veränderungen im Gleichgewichtszustand
(d. h. in der Halbwertszeit) einer öder mehrerer RNA, von Proteinen,
Lipiden, Hormonen, Cytokinen oder anderen Molekülen; Veränderungen der Bioaktivität oder spezifischen
Aktivität
einer oder mehrerer RNA, von Proteinen, Lipiden, Hormonen, Cytokinen,
Rezeptoren oder anderen Molekülen;
Veränderungen
der Sekretion von Ionen, Cytokinen, Hormonen, Wachstumsfaktoren
oder anderen Molekülen;
Modifikationen der Zellmembran-Potenziale, der Polarisierung, der
Integrität
oder des Transports; Veränderungen
der InfeEctiosität,
Anfälligkeit,
Latenz, Haftung und Aufnahme von Viren und bakteriellen Erregern;
usw. Unter „zur
Veränderung
des Phänotyps
fähig"
und ähnlichen
Ausdrücken
ist hierin zu verstehen, dass das randomisierte Peptid den Phänotyp der
Säugetierzelle
in detektierbarer und/oder messbarer Weise verändern kann.
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Der veränderte Phänotyp kann in unterschiedlicher
Weise detektiert werden, wie dies ausführlich weiter unten erläutert: ist,
und hängt
im Allgemeinen vom sich gerade verändernden Phänotyp ab, mit dem er auch korrespondiert.
Im Allgemeinen wird der veränderte
Phänotyp
folgendermaßen
detektiert: mikroskopische Analyse der Zellmorphologie; Standardtests
zur Lebensfähigkeit
der Zellen, z. B. hinsichtlich des vermehrten Zelltods oder der
höheren
Lebensfähigkeit
der Zellen – etwa
Zellen, die nunmehr über
Viren, Bakterien bzw. bakterielle oder synthetische Toxine gegenüber dem
Zelltod resistent sind; Standard-Markierungstests wie z. B. fluorimetrische
Indikatortests hinsichtlich der Gegenwart oder Menge einer bestimmten
Zelle; oder eines bestimmten Moleküls, z. B. FACS oder andere
Einfärbungstechniken;
biochemischer Nachweis der Expression von Zielverbindungen nach
dem Abtöten
der Zellen; usw.
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In einigen Fällen wird – wie dies an anderer Stelle
hierin ausführlich
erläutert
wird – der
veränderte Phänotyp in
der Zelle detektiert, in die die randomisierte Nucleinsäure eingesetzt
wurde; in anderen Ausführungsformen
wird der veränderte
Phänotyp
in einer zweiten Zelle detektiert, die auf ein bestimmtes molekulares
Signal aus der ersten Zelle reagiert.
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Ein veränderter Phänotyp einer Zelle deutet die
Gegenwart eines transdominanten bioaktiven Mittels an. Unter „transdominant"
ist hierin zu verstehen, dass das bioaktive Mittel indirekt den
veränderten
Phänotyp hervorruft,
indem es auf ein zweites Molekül
einwirkt, was zu einem veränderten
Phänotyp
führt.
Ein transdominantes Expressionsprodukt hat somit eine Wirkung die
nicht in cis ist, d. h. ein trans-Ereignis (gemäß genetischer oder biochemischer
Definition). Eine transdominante Wirkung ist eine unterscheidbare
Wirkung einer molekularen Struktur (d. h. des kodierten Peptids
oder der kodierten RNA) auf ein getrenntes und unterscheidbares
Ziel, d. h. keine Wirkung auf die kodierte Struktur selbst. Als
solches enthalten transdominante Wirkungen viele allgemein bekannte
Wirkungen pharmakologischer Mittel auf Zielmoleküle oder Pfade in Zellen oder physicilogischen
Systemen; z. B. wirken sich die β-Lactam-Antibiotika
transdominant auf die Peptidoglycan-Synthese in bakteriellen Zellen
aus, indem eine Bindung an Peinicillin-Bindungsproteine stattfindet
und ihre Funktionen gestört
werden. Ein Beispiel für
eine transdominante Wirkung eines Peptids ist die Fähigkeit, NF-ĸB-Signalisierung
durch Bindung an IĸB-α in einer
Region zu hemmen, die für
seine Funktion entscheidend ist, sodass in Gegenwart ausreichender
Mengen des Peptids (oder der molekularen Struktur) die Signalisierungspfade,
die normalerweise zur Aktivierung von NF-ĸB mittels Phosphorylation
und/oder Abbau von IĸB-α führen, daran
gehindert werden, in IĸB-α ihre Wirkung
zu entfalten (aufgrund der Bindung des Peptids oder der molekularen
Struktur). In einem anderen Fall sind Signalisierungspfade, die
normalerweise aktiviert sind, um IgE zu sekretieren, in der Gegenwart
von Peptid gehemmt. Ein weiteres Beispiel: Signalisierungspfade
in Fettgewebezellen, die normalerweise ruhend sind, sind aktiviert,
um Fett zu metabolisieren. Ein weiteres Beispiel: In der Gegenwart
eines Peptids werden intrazelluläre
Mechanismen für
die Replikation bestimmter Viren, z. B. HIV-1, Herpes viridae-Familienmitglieder
oder Respiratory Syncytia Virus, gehemmt.
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Eine transdominante Wirkung auf ein
Protein oder einen molekularen Pfad ist klar von der Randomisierung,
Modifikation oder Mutation einer Sequenz innerhalb eines Proteins
oder Moleküls
bekannter oder unbekannter Funktion zu unterscheiden, um eine biochemische
Fähigkeit,
die ein Protein oder Molekül
bereits an den Tag legt, zu verringern oder zu verstärken. Beispielsweise
könnte
ein Protein, das enzymatisch β-Lactam-Antikörper, eine β-Lactamase
spaltet, in seiner Fähigkeit
verstärkt
oder verringert werden, indem Sequenzen, die im Inneren seiner Struktur
liegen und die Fähigkeit
dieses Enzyms verstärken
oder verringern, auf β-Lactam-Antikörper einzuwirken
und abzuspalten, mutiert werden. Dies würde als cis-Mutatiori des Proteins bezeichnet
werden. Die Wirkung dieses Proteins auf β-Lactam-Antikörper ist
eine Aktivität,
die das Protein bereits an den Tag legt; sie erfolgt in einem unterscheidbaren
Ausmaß.
Ebenso würde
man eine Mutation in der Leadersequenz, die den Export dieses Proteins
in die extrazellulären
Räume fördert, wo
es leichter auf β-Lactam-Moleküle stoßen könnte, oder
eine Mutation innerhalb der Sequenz, die die Stabilität des Proteins
verstärkt,
als cis-Mutationen im Protein bezeichnen. Zum Vergleich dazu würde ein
transdominanter Effektor dieses Proteins ein Mittel enthalten (unabhängig von
der β-Lactamase),
das sich solcherart an die β-Lactamase band,
dass es deren Funktion aufgrund der Bindung an sie verstärkte oder
verringerte.
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Im Allgemeinen sind cis-Wirkungen
Wirkungen innerhalb von Molekülen,
in denen miteinander in Wechselwirkung stehende Elemente kovalent
aneinander geknüpft
sind, obwohl sich diese Elemente individuell als trennbare Domänen manifestieren
könnten.
Trans-Effekte (transdominant insofern, als unter bestimmten zellulären Bedingungen
die erwünschte
Wirkung entfaltet wird) sind Wirkungen innerhalb unterscheidbarer molekularer
Strukturen, sodass sich die molekulare Struktur A, die mit der molekularen
Struktur B kovalent miteinander verbunden ist, an die Aktivitäten von
Struktur B bindet oder sie in anderer Weise beeinflusst. Als solches
sind die meisten bekannten pharmakologischen Mittel transdominante
Effektoren.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
wird – sobald
eine Säugetierzelle
mit einem veränderten
Phänotyp
detektiert wird – die
Zelle von der Vielzahl isoliert, die keine veränderten Phänotypen aufweist. Dies kann in
unterschiedlicher Weise erfolgen, wie dies auf dem Gebiet der Erfindung
bekannt ist, und hängt
in einigen Fällen
vom Test oder Screen ab. Geeignete Isolationstechniken sind u. a.
FACS, Lyse-Selektion unter Verwendung von Komplement, Zellklonieren,
Scannen mittels Fluorimager, Expression eines „Überlebens" proteins, induzierte
Expression eines Zelloberflächenproteins
oder anderen Moleküls,
das zwecks physikalischer Isolation fluoreszierend oder markierbar
gemacht werden kann; Expression eines Enzyms, das ein nichtfluoreszierendes
Molekül
in eine fluoreszierendes umwandelt; übermäßiges Wachstum vor dem Hintergrund
eines langsamen oder nicht vorhandenen Wachstums; Tod von Zellen
und Isolation von DANN oder anderer Zellvitalitäts-Indikatorfarbstoffe usw.
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Das randomisierte Peptid wird hierin
von der positiven Zelle isoliert. Dies kann in unterschiedlicher Weise
erfolgen. In einer bevorzugten Ausführungsform werden Primer, die
gegenüber
DNA-Regionen, die den retroviralen Konstrukten gemein sind, oder
gegenüber
spezifischen Komponenten der Bibliothek wie z. B. einer Rettungssequenz
(Definition siehe oben) komplementär sind, dazu verwendet, die
einzelne Random-Sequenz zu „retten".
Alternativ dazu wird das bioaktive Mittel unter Verwendung einer
Rettungssequenz isoliert. Somit können z. B. Rettungssequenzen,
die Epitopmarker oder Reinigungssequenzen umfassen, dazu dienen,
das bioaktive Mittel unter Einsatz von Immunfällungs- oder Affinitätssäulen herauszuziehen.
In einigen Fällen
kann dadurch – wie
dies okien erwähnt
ist – auch
das primäre
Zielmolekül
herausgezogen werden, wenn ausreichend starke Bindungswechselwirkung
zwischen dem bioaktiven Mittel und dem Zielmolekül vorliegt. Alternativ dazu
kann das Peptid mittels Massenspektroskopie detektiert werden.
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Sobald die Sequenz des bioaktiven
Mittels und/oder der bioaktiven Nucleinsäure gerettet ist, kann sie bestimmt
werden. Diese Information kann in unterschiedlicher Weise genutzt
werden.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
wird das bioaktive Mittel resynthetisiert und erneut in die Zielzellen
eingesetzt, um die Wirkung zu überprüfen. Dies
kann unter Einsatz von Retroviren oder alternativ von Fusionen mit
dem HIV-1-Tat-Protein sowie Analogen und verwandten Proteinen erfolgen,
was für
sehr hohe Aufnahme in die Zielzellen sorgt. Siehe z. B. Fawell et
al., PNAS USA 91, 664 (1994); Frankel et al., Cell 55, 1189 (1988);
Savion et al., J. Biol. Chem. 256, 1149 (1981); Derossi et al.,
J. Biol. Chem. 269, 10444 (1994); und Baldin et al., EMBO J. 9:
1511 (1990).
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In einer bevorzugten Ausführungsform
dient die Sequenz eines bioaktiven Mittels dazu, mehr bioaktive Kandidatenmittel
zu erzeugen. Beispielsweise kann die Sequenz des bioaktiven Mittels
die Basis einer zweien Runde von (Bias-) Randomisierungen sein,
um bioaktive Mittel mit gesteigerter oder modifizierter Aktivität zu entwickeln.
alternativ dazu kann die zweite Randomisierungsrunde die Affinität des bioaktiven
Mittels verändern.
Außerdem
ist es möglicherweise
wünschenswert,
die identifizierte Random-Region des bioaktiven Mittels in andere
Präsentationsstrukturen
zu inkorporieren oder die Sequenz der Konstantregion der Präsentationsstruktur
bzw. die Konformation/Form des bioaktiven Mittels zu verändern. Es
kann ferner wünschenswert sein,
um eine potenzielle Bindungsstelle „herumzugehen" – dies in ähnlicher
Weise wie bei der Mutagenese einer Bindungstasche, indem ein Ende
der Ligandenregion konstant gehalten und das andere Ende randomisiert
wird, um die Bindung des Peptids umzulagern.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
verwendet man entweder das bioaktive Mittel oder die dafür kodierende
bioaktive Nucleinsäure
zur Identifikation von Zielmolekülen,
d. h. jener Moleküle,
mit denen das bioaktive Mittel in Wechselwirkung steht. Wie dies
für Fachleute
auf dem Gebiet der Erfindung offenkundig ist, kann es primäre Zielmoleküle geben,
an die sich das bioaktive Mittel direkt bindet oder auf die es direkt
einwirkt, und es können
sekundäre
Zielmoleküle
bestehen, die Teil des durch das bioaktive Mittel beeinflussten Sigrralisierungspfads
sind; diese kann man als „validierte
Ziele" bezeichnen.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
dient das bioaktive Mittel zum Herausziehen von Zielmolekülen. Wenn
z. B. – wie
hierin ausgeführt – die Zielmoleküle Proteine
sind, kann die Verwendung von Epitopmarkern oder Reinigungssequenzen
die Reinigung primärer
Zielmoleküle
durch biochemische Mittel ermöglichen (Co-Immunfällung, Affinitätssäulen usw.).
Alternativ dazu kann das Peptid, wenn es in Bakterien exprimiert
und gereinigt ist, als Sonde gegen eine bakterielle cDNA-Expressionsbib liothek
aus der mRNA des Zielzellentyps verwendet werden. Es können in
Hefeoder Säugetiersystemen
mit zwei oder drei Hybriden Peptide auch als „Köder" verwendet werden. Solche
Vorgangsweisen auf der Basis von Wechselwirkung und Klonierung werden
in großem
Ausmaß gewählt, um
DNA-Bindungsproeine und andere in Wechselwirkung stehende Proteinkomponenten
zu isolieren. Das Peptid bzw. die Peptide kann/können mit anderen pharmakologischen
Aktivatoren kombiniert; werden, um die epistatischen Beziehungen
der jeweiligen Signaltransduktionspfade zu untersuchen. Es ist auch
möglich,
markiertes bioaktives Peptidmittel synthetisch zu produzieren und
es dazu zu verwenden, eine in Bakteriophagen exprimierte cDNA-Bibliothek auf jene
cDNA zu screenen, die das Peptid binden. Außerdem ist es möglich, dass
man cDNA-Klonierung mittels retroviraler Bibliotheken durchführt, um die
durch das Peptid hervorgerufene Wirkung zu „komplementieren". In einer
solchen Strategie wäre
es erforderlich, dass das Peptid einen wichtigen Faktor für einen
spezifischen Signalisierungspfad stöchiometrisch wegtitriert. Wenn
dieses Molekül
oder diese Aktivität
durch Überexpression
einer cDNA aus einer cDNA-Bibliothek wiederaufgefüllt wird,
kann man das Ziel klonieren. Ebenso können cDNA, die durch ein beliebiges
der obigen Hefe- oder Bakteriophagen-Systeme kloniert sind, auf
diese Weise wieder in Säugetierzellen
eingesetzt werden, um zu bestätigen,
dass sie die Funktion im System, auf das das Peptid einwirkt, komplementieren.
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Sobald primäre Zielmoleküle identifiziert
wurden, können
sekundäre
Zielmoleküle
in gleicher Weise identifiziert werden, wobei das primäre Ziel
als „Köder" fungiert.
Auf diese Weise kann man Signalisierungspfade ermitteln. Ebenso
lassen sich für
sekundäre
Zielmoleküle
spezifische bioaktive Mittel entdecken, sodass einige bioaktive
Mittel auf einen einzelnen Pfad einwirken, z. B. für Kombinationstherapien.
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Die Screening-Verfahren der Erfindung
eignen sich dazu, eine große
Anzahl ein Zelltypen unter sehr unterschiedlichen Bedingungen zu
screenen. Im Allgemeinen sind die Wirtszellen Zellen, die an Krankheitszuständen beteiligt
sind, und sie werden unter Bedingungen gescreent oder getestet,
die normalerweise zu unerwünschten
Folgen für
die Zellen führen.
Wenn ein geeignetes bioaktives Mittel gefunden wird, kann die unerwünschte Wirkung
reduziert oder eliminiert werden. Alternativ dazu können normalerweise
erwünschte
Folgen reduziert oder eliminiert werden, wobei das Augenmerk hier
darauf liegt, die zellulären
Mechanismen aufzuklären,
die mit dem Krankheitszustand oder dem Signalisierungspfad assoziiert
sind.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
eignen sich die vorliegenden Verfahren in Krebsanwendungen. Die
Fähigkeit,
Tumorzellen rasch und spezifisch abzutöten, ist ein wesentlicher Bestandteil
der Krebs-Chemotherapie. Im Allgemeinen können unter Anwendung der vorliegenden
Verfahren Random-Bibliotheken in jede Tumurzelle (primär oder kultiviert)
eingesetzt und Peptide identifiziert werden, die von sich aus Apoptose,
Zelltod, Schwund von Zellteilung oder reduziertes Zellwachstum hervorrufen.
Dies kann de novo erfolgen oder durch Bias-Randomisierung in Richtung
bekannter Peptidmittel wie etwa Angiostatin, das das Wachstum von Blutgefäßwänden hemmt.
Alternativ dazu können
die Verfahren der Erfindung mit anderen Krebstherapien kombiniert
werden (z. B. Medikeimenten oder Bestrahlung), um die Zellen zu
sensibilisieren und somit rasche und spezifische Apoptose, Zelltod,
Schwund von Zellteilung oder reduziertes Zellwachstum nach Exposition gegenüber einem
sekundären
Mittel hervorzurufen. Ebenso können
die vorliegenden Verfahren in Verbindung mit bekannten Krebstherapien
eingesetzt werden, um auf Agonisten zu screenen und dadurch die
Therapie effektiver oder weniger toxisch zu machen. Dies ist insbesondere
dann vorzuziehen, wenn das chemotherapeutische Mittel sehr kostspielig
ist, z. B. Taxol.
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Bekannte Onkogene wie z. B. v-Src,
v-Src, v-Ras und andere induzieren einen transformierten Phänotyp, der
zu abnormalem Zellwachstum führt,
wenn Transfektion in bestimmte Zellen vorliegt. Dies ist auch bei
Mikro-Metastasen ein großes
Problem. In einer bevorzugten Ausführungsform können somit
nicht-transformierte Zellen mit diesen Onkogenen transfiziert und
dann Random-Bibliotheken in diese Zellen insertiert werden, um bioaktive
Mittel auszuwählen,
die den transformierten Zustand reversieren oder korrigieren. Eines
der wesentlichen Merkmale der Onkogen-Transformation von Zellen
ist der Verlust an Kontakthemmung und die Fähigkeit, in Weichagar zu wachsen.
Wenn transformierende Viren mit v-Abl, v-Src oder v-Ras in retroviralen IRES-puro-Vektoren
konstruiert; in in Ziel-3T3-Zellen infiziert und Puromycin-Selektion
ausgesetzt werden, durchlaufen alle 3T3-Zellen eine Hypertransformation
und lösen
sich von der Platte. Die Zellen können durch Waschen mit frischem
Medium entfernt werden. Dies kann als Grundlage eines Screens dienen,
da Zellen, die ein bioaktives Mittel exprimieren, an der Platte
befestigt bleiben und Kolonien bilden.
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Ebenso wird das Wachstum und/oder
Ausbreiten bestimmter Tumortypen durch stimulierende Reaktionen
aus Wachstumsfaktoren und Cytokinen (PDGF, EGF, Heregulin usw.),
die sich an Rezeptoren auf der Oberfläche spezifischer Tumore binden,
verstärkt.
In einer bevorzugten Ausführungsform
dienen die Verfahren der Erfindung dazu, das Wachstum und/oder Ausbreiten
von Tumoren zu hemmen oder zu stoppen, indem bioaktive Mittel identifiziert
werden, die die Fähigkeit
des Wachsturnsfaktors oder Cytokins blockieren können, die Tumorzelle zu stimulieren.
An die Einführung
von Random-Bibliotheken in spezifische Tumorzellen mit der Zugabe
des Wachstumsfaktors oder Cytokins schließt sich die Auswahl bioaktiver
Mittel, die die Bindung, Signalisierung und phenotypischen und/oder
funktionellen Reaktionen dieser Tumorzellen auf den jeweiligen Wachstumsfaktor
oder das jeweilige Cytokin blockieren.
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Ebenso ist die Ausbreitung von Krebszellen
(Invasion und Metastase) ein signifikantes Problem, das den Erfolg
von Krebstherapien einschränkt.
Die Fähigkeit,
die Invasion und/oder Migration spezifischer Tumorzellen zu hemmen,
wäre ein
beträchtlicher
Fortschritt in der Krebstherapie. Tumorzellen, die bekanntermaßen ein
hohes metastatisches Potenzial aufweisen (z. B. Melanom, Lungenzellenkarzinom,
Brustund Eierstockkarzinom) können
Random-Bibliotheken insertiert bekommen, und es werden auch Peptide
selektiert, die in einem Migrations- oder Invasionstest die Migration
und/oder Invasion spezifischer Tumorzellen hemmen. Konkrete Anwendungen
für die
Hemmung des metastatischen Phänotyps,
die eine spezifischere: Hemmung der Metastase erlauben würden, sind
z. B. das Metastase-Suppressor-Gen NM23, das für eine Dinucleosiddiphosphat-Kinase
kodiert. Somit könnten
intrazelluläre
Peptidaktivatoren dieses Gens Metastase blockieren, und ein Screen
auf seine Hochregulierung (durch Fusionieren mit einem Reporter-Gen)
wäre von
Interesse. Viele Onkogene verstärken
die Metastase. Peptide, die mutierte RAS-Onkocene, v-MOS, v-RAF, A-RAF,
v-SRC, v-FES und v-FMS inaktivieren oder konterkrieren, würden auch
als Anti-Metastatika dienen. Pepide, die intrazellulär wirken,
um die Freisetzung von Kombinationen von für die Invasion notwendigen
Proteasen zu blo ckieren, z. B. die Matrix-Metalloproteasen und Urokinase,
könnten
auch effiziente Anti-Metastatika sein.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
werden die Random-Bibliotheken der Erfindung in Tumorzellen eingeführt, die
bekanntermaßen
inaktivierte Tumorsupprssor Gene enthalten; eine erfolgreiche Umkehr
entweder durch Reaktivierung oder Kompensierung des „Knockouts"
würde durch
Wiederherstellung des normalen Phänotyps gescreent. Ein wichtiges
Beispiel dafür
ist die Umkehr der p53-inaktivierenden Mutationen, die in 50% oder
mehr aller Karzinome vorhanden sind. Da die p53-Wirkungsweise komplex
ist und die Funktion als Transkriptionsfaktor umfasst, gibt es wahrscheinlich
mehrere Möglichkeiten
für ein
Peptid oder kleines Molekül
aus einem Peptid, die Mutation umzukehren. Ein Beispiel dafür wäre die Hochregulierung
der sofort stromab gelegenen Cylin-abhängigen Kinase p21CIP1/WAF1.
Um nützlich
zu sein, müsste
eine solche Umkehr für
viele der unterschiedlichen bekannten p53-Mutationen funktionieren.
Diese Frage wird derzeit durch Gentherapien abgeklärt; ein
oder mehrere kleine Moleküle,
die dies bewerkstelligen, wären
vorzuziehen.
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Ein weiteres Beispiel umfasst das
Screenen bioaktiver Mittel, die die konstitutive Funktion der brca-1- oder
bcra-2-Gene wiederherstellen, und anderer Tumorsuppressor-Gene,
die in der Brustkrebsforschung von Bedeutung sind, z. B. das adenomatöse-Polipose-coli-Gen
(APC) und das Drosophila-discs-large-Gen (Dig), die Komponenten
der Zelle-Zelle-Verbindungsstellen sind. Mutationen von brca-1 sind
in vererbten Eierstock- und Brustkarzinomen von Bedeutung und stellen
eine weitere Anwendung der Erfindung dar.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
dienen die Verfahren der Erfindung dazu, neuartige Zelllinien aus
Karzinomen von Patienten zu bilden. Ein retroviral zugeführtes kurzes
Peptid, das den finalen gemeinsamen Pfad programmierten Zelltods
hemmt, sollte die Bildung kurz- und möglicherweise auch langlebiger
Zelllinien ermöglichen.
Die Bedingungen der in vitro-Kultur und Infektion von Human-Leiakämiezellen
werden festgelegt. Es besteht eine echte Notwendigkeit, Verfahren
zu entwickeln, die die Aufrechterhaltung bestimmter Tumorzellen
in Kultur über
ausreichend lange Zeit ermöglichen,
um physiologische und pharmakologische Studien diarchfüh ren zu
können.
Es wurden bereits einige Human-Zelllinien mittels transforimierender
Mittel wie z. B. des Ebstein-Barr-Virus geschaffen, das die existierende
Physicilogie der Zelle beträchtlich
verändert. Manchmal
wachsen Zellen in Kultur von selbst, doch dies ist ein zufälliges Ereignis.
Programmierter Zelltod (Apoptose) tritt mittels komplexer Signalisierungspfade
innerhalb von Zellen ein, die schließlich einen finalen gemeinsamen
Pfad aktivieren, der zu charakteristischen Änderungen in der Zelle und
zu einer nichtentzündlichen
Zerstörung
der Zelle führt.
Es ist allgemein bekannt, dass Tumorzellen einen hohen apoptotischen
Index bzw. die Neigung aufweisen, in die Apoptose in vivo einzutreten.
Wenn sich Zellen in Kultur befinden, werden die Invivo-Stimuli für malignes
Zellwachstum entfernt und Zellen problemlose Apoptose ausgesetzt.
Das Ziel würde
darin bestehen, die Technologie zur Bildung von Zelllinien aus einer
beliebigen Anzahl primärerer
Tumorzellen, z. B. primärer
Human-Leukämiezellen,
in reproduzierbarer Weise ohne Veränderung der nativen Konfiguration
der Signalisierungspfade in diesen Zellen zu entwickeln. Durch Einführung von
Nucleinsäuren wird
das Kodieren für
Peptide erreicht, die Apoptose, verstärktes Überleben von Zellen in vitro
und somit die Möglichkeit
inhibieren, Signalisierungs-Transduktionspfade in primären Human-Tumorzellen
zu studieren. Darüber
hinaus können
diese Verfahren zum Kultivieren primärer Zellen, d. h. Nicht-Tumorzellen,
angewendet werden.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
eignen sich die vorliegenden Verfahren in kardiovaskulären Anwendungen.
In einer bevorzugten Ausführungsform
können
Kardiomyozyten auf die Prävention
von Zellschädigung
oder -tod bei Vorhandensein normalerweise krankheitsverursachender
Zustände
gescreent werden; Beispiele dafür
sind u. a. die Gegenwart toxischer Arzneimittel (insbesondere chemotherapeutischer
Medikamente), z. B. zwecks Verhinderung von Herzversagen nach Behandlung
von Adriamycin; Anoxie, z. B. bei Koronararterien-Okklusion; und
autoimmune Zellschädigung
durch angriff aktiverer Lymphoidzellen (z. B. bei postviraler Myokarditis
und Lupus). Bioaktive Kandidatenmittel werden in Kardiomyozyten
insertiert, die Zellen dem Insult ausgesetzt und bioaktive Mittel
selektiert, die einen oder mehrere der folgenden Zustände verhindern:
Apoptose; Membran-Depotarisierung (d. h. Reduktion des arrhythmogenen
Potenzials von Insult); Anschwellen bzw. Aufquellen von Zellen;
oder Eindringen spezifischer intrazellulärer Ionen, sekundärer Messenger
und aktivierender Moleküle
(z. B. Arachidonsäure
und/oder Lysophosphatidinsäure).
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In einer bevorzugten Ausführungsform
dienen die vorliegenden Verfahren dazu, auf reduziertes Arrhythmie-Potenzial
in Kariomyozyten zu screenen. Die Screens umfassen die Einsetzung
von für
bioaktive Kandidatenmittel kodierenden Kandidaten-Nucleinsäuren, gefolgt
vom Anlegen arrythmogener Insulte sowie dem Screenen auf bioaktive
Mittel, die spezifische Depolarisation der Zellmembran blockieren.
Dies kann mittels Patch-Clamps oder über Fluoreszenztechniken detektiert
werden. Ebenso könnte
Kanalaktivität
(z. B. Kalium- und Chloridkanäle)
in Kardiomyozyten unter Anwendung der vorliegenden Verfahren reguliert
werden, um die Kontraktilität
zu verbessern und Arrhythmien zu verhindern oder zu verringern.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
dienen die vorliegenden Verfahren zum Screenen auf gesteigerte kontraktile
Eigenschaften von Kardiomyozyten und reduziertes Herzinsuffizienz-Potenzial.
Die Insertion der Bibliotheken der Erfindung und die anschließende Messung
der Veränderungsrate
von Myosin-Polymerisatian/-Depolymerisation mittels Fluoreszenztechniken
stellt eine Möglichkeit
dar. Bioaktive Mittel, die die Veränderungsrate dieses Phänomens erhöhen, können zu
stärkerer
kontraktiler Response des gesamten Myokards führen, wobei dies der Wirkung
bei Digitalis ähnelt.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
eignen sich die vorliegenden Verfahren zur Identifikation von Mitteln,
die zwecks Arrythmie-Prävention
die intrazelluläre
und sarkolemmale Calcium-Zyklierung in Kardiomyozyten regulieren.
Bioaktive Mittel werden ausgewählt,
die den Natrium-Calcium-Austausch, die Natrium-Protonenpiampen-Funktion und die
Calcium-ATPase-Aktivität
regulieren.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
kommen die vorliegenden Verfahren zur Identifikation von Mitteln
zur Anwendung, die Embolie-Phänomene
in Arterien und Arteriolen, die Schlaganfälle (und andere Verschlussereignisse,
die zu Nierenversagen und Ischämie
der Gliedmaßen
führen)
und Angina pectoris mit nachfolgendem Myokardinfarkt bewirken. Beispielsweise
sind bioaktive Mittel ausgewählt,
die die; Adhä sion
von Thrombozyten und Leukozyten und somit die okkludierenden Ereignisse
reduzieren. Die Adhäsion
kann in diesem Zusammenhang durch die Bibliotheken der Erfindung
verhindert werden, die in Endothelzellen (ruhende Zellen oder aktiviert
durch Cytokine, d. h. IL-1, und Wachstumsfaktoren, d. h. PDGF/EGF)
insertiert sind; anschließend
wird auf Peptide gescreent, die entweder (1) Adhäsionsmolekül-Expression auf der Oberfläche der Endothelzellen
herabregulieren (Bindungstest); (2) Adhäsionsmolekül-Aktivierung auf der Oberfläche dieser Zellen
blockieren (Signalisierungstest); oder (3) Peptide autokrin freisetzen,
die Rezeptorbindung am verwandten Rezeptor auf der anhaftenden Zelle
blockieren.
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Embolie-Phänomene können auch behandelt werden,
indem proteolytische Enzyme auf den Zelloberflächen von Endothelzellen aktiviert
werden, wodurch aktives Enzym freigesetzt wird, das Blutgerinnsel
verdauen kann. Auf diese Weise erfolgt die Zufuhr der Bibliotheken
der Erfindung zu Endothelzellen; anschließend finden herkömmliche
fluorogene Tests statt, die die Überwachung
proteolytischer Aktivität
auf der Zelloberfläche
in Richtung eines bekannten Substrats ermöglichen. Bioaktive Mittel können dann
ausgewählt
werden, die spezifische Enzyme in Richtung spezifischer Substrate
aktivieren.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
kann arterielle Entzündung
im Zusammenhang mit Vaskulitis und Postinfarkt reguliert werden,
indem die chemotaktischen Reaktionen von Leukozyten und mononuclearen Leukozyten
verringert werden. Dies kann durch Blockieren chemotaktischer Rezeptoren
und ihrer reagierenden Pfade auf diesen Zellen erfolgen. Bioaktive
Kandidaten-Bibliotheken können
in diese Zellen insertiert und die chemotaktische Response auf diverse
Chemokine (z. B die IL.-8-Familie von Chemokinen, RANTES) in Zellmigrationstests
inhibiert werden.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
kann arterielle Restenose und anschließende koronare Angioplastie
durch Regulieren der Proliferation vaskulärer intimaler Zellen und kapillarer
und/oder arterieller Endothelzellen gesteuert werden. Bioaktive
Kandidaten-Bibliotheken können
in diese Zelltypen insertiert und ihre Proliferation als Reaktion
auf spezifische Stimuli überwacht
werden. Eine Anwendung sind z. B. intrazelluläre Peptide, die die Expression
oder Funktion von c-myc und anderer Onkoge ne in Glattmuskelzellen
blockieren und dadurch ihre Proliferation stoppen. Eine zweite Anwendung
ist z. B. die Expression von Bibliotheken in vaskulären Glattmuskelzellen,
um ihre Apoptose selektiv zu induzieren. Die Anwendung kleiner Moleküle aus diesen
Peptiden kann gezielte Medikamentenzufuhr erfordern; dies ist mit
Stents, Hydrogel-Beschichtungen und Infusions-basierten Kathetersystemen
möglich.
Peptide, die Endothelin-1A-Rezeptoren herabregulieren oder die die
Freisetzung des hochwirksamen Vasokonstriktor- und vaskulären Glattmuskelzellen-Mitogen-Endothelin-1
blockieren, sind möglicherweise
auch Kandidaten als Therapeutikum. Es können Peptide aus diesen Bibliotheken
isoliert werden, die das Wachstum dieser Zellen hemmen oder die
Haftung anderer Zellen im Kreislauf verhindern, die bekanntermaßen autokrine
Wachstumsfaktoren freisetzen, z. B. Thrombozyten-Wachstumsfaktor
(PDGF) und mononukleare Leukozyten.
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Die Steuerung von kapillarem und
Blutgefäßwachstum
ist ein wichtiges Ziel, um verstärkte
Durchblutung in ischämischen
Bereichen (Wachstum) zu fördern
oder die Durchblutung von Tumoren zu unterbinden (Angiogenese-Hemmung).
Kandidaten von Bibliotheken bioaktiver Mittel können in die kapillaren Enothelzellen
insertiert und ihr Wachstum überwacht
werden. Stimuli wie z. B. niedrige Sauerstoffspannung und variierende
Grade angiogener Faktoren können
die Responses regulieren, und es können Peptide isoliert werden, die
den geeigneten Phänotyp
produzieren. Das Screenen auf Antagonismus von vaskulärem Endothelzellen-Wachsturrrsfaktor
(in der Angiogenese von Bedeutung) wäre ebenfalls nützlich.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
eignen sich die vorliegenden Verfahren zum Screenen auf Reduktion
von Atherosklerose-induzierenden Mechanismen, um Peptide zu identifizieren,
die LDL- und HDL-Metabolismus regulieren. Kandidaten Bibliotheken
können
in die entspiechenden Zellen insertiert werden (z. B. Hepatozyten,
mononucleare Leukozyten, Endothelzellen) und Peptide selektiert
werden, die zu niedrigerer Freisetzung von LDL oder geringerer Synthese
von LDL oder auch zu einer erhöhten
Freisetzung von HDL oder einer stärkeren Synthese von HDL führen.
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Es können auch bioaktive Mittel
von Kandidaten-Bibliotheken isoliert werden, die die Produktion
von oxidiertem LDL reduzieren (ist an Atherosklerose beteiligt und
wurde aus atherosklerotischen Läsionen
isoliert). Dies könnte
stattfinden, indem die Ex pression verringert wird, wodurch reduzierende
Systeme oder Enzyme aktiviert weiden, oder indem die Aktivität oder Produktion
von Enzymen blockiert wird, die an der Produktion von oxidiertem
LDL beteiligt sind, z. B. 15-Lipoxygenase in Makrophagen.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
kommen die vorliegenden Verfahren in Screens zur Regulierung von
Adipositas mittels Steuerung von Nahrungsaufnahme-Mechanismen oder
Verringerung der Reaktionen von den Metabolismus regulierenden Rezeptor-Signalisierungspfaden
zur Anwendung. Bioaktive Mittel, die die Reaktionen von Neuropeptid
Y- (NPY-), Cholecystokinin- und Galanin-Rezeptoren regulieren oder
inhibieren, sind besonders wünschenswert.
Kandidaten-Bibliotheken können
in Zellen insertiert werden, in denen diese Rezeptoren kloniert
sind, und es können
Hemmerpeptide selektiert werden, die autokrin sekretiert werden
und die Signalisierungsreaktionen auf Galanin und NPY blockieren.
In ähnlicher
Weise kann man Peptide identifizieren, die den Leptinrezeptor regulieren.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
eignen sich die vorliegenden Verfahren für Anwendungen im Bereich der
Neurobiologie. Kandidaten-Bibliotheken können zum Screenen auf Anti-Apoptotika
für die
Konservierung neuronaler Funktion und Prävention von neuronalem Tod
verwendet werden. Die anfänglichen Screens
würden
in Zellkultur stattfinden. Eine Anwendung würde die Prävention von neuronalern Tod
durch Apoptose in zerebraler Ischämie als Folge von Schlaganfall
vorsehen. Apoptose wird bekannermaßen durch neuronales Apoptose-Inhibitionsprotein
(NAIP) blockiert; Screens betreffend seine Hochregulierung oder
die Durchführung
eines gekoppelten Schritts würden
Peptide liefern, die neuronale Apoptose selektiv blockieren. Andere
Anwendungen betreffen neurodegenerative Krankheiten wie etwa Alzheimer-Krankheit
oder Chorea Huntington.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
finden die vorliegenden Verfahren in Anwendungen im Bereich der
Knochenbiologie Anwendung. Ostoklasten spielen bekanntermaßen in der
Knochen-Remodellierung durch Aufbrechen „alter Knochensubstanz" eine
wesentliche Rolle – sie
können
auf diese Weise „neuen"
Knochen schaffen. In der Osteoporose liegt ein Ungleichgewicht dieses
Prozesses statt. Die Osteoklsten-Überaktivität kann durch
Insertieren von Kandidaten-Bibliotheken in diese Zellen und anschließende Identifizierung bioaktiver
Mittel reguliert werden, welche Mittel (1) eine abgesenkte Verarbeitung
von Kollagen durch diese Zellen; (2) weniger Lachbildung auf Knochenspänen; und
(3) geringere Freisetzung von Calcium aus Knochenfragmenten bewirken.
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Die vorliegenden Verfahren eignen
sich auch zum Screenen auf Agonisten knochenmorphogener Proteine
sowie Hormonmimetika zur Stimulierung, Regulierung oder Intensivierung
neuer Knochenbildung (in ähnlicher
Weise wie Parathormon und Calcitonin, um nur einige Beispiele zu
nennen). Diese finden in Osteoporose, bei schlecht heilenden Brüchen und
zur Beschleunigung der Heilungsrate neuer Brüche Anwendung. Außerdem können Zelllinien
aus Bindegewebe mit Kandidaten-Bibliotheken behandelt und auf ihr
Wachstum, ihre Proliferation, ihre Kollagen-stimulierende Aktivität und/oder
Prolin-inkorporierende Fähigkeit
auf den Ziel-Osteoblasten gescreent werden. Alternativ dazu können Kandidaten-Bibliotheken
direkt in Osteoblasten oder Chondrozyten exprimiert und auf verstärkte Produktion
von Kollagen oder Knochen gescreent werden.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
werden die vorliegenden Verfahren in Anwendungen im Bereich der
Hautbiologie angewendet. Keratinocyten-Responses auf einer Vielzahl
an Stimuli können
zu Psoriasis, einer proliferativen Änderung in diesen Zellen, führen. Kandidaten-Bibliotheken
können
in Zellen insertiert werden, die aus aktiven psoriatischen Plaques
entfernt sind, und bioaktive Mittel isoliert werden, die die Wachstumsrate
dieser Zellen verlangsamen.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
eignen sich die vorliegenden Verfahren zur Regulierung oder Hemmung
von Keloid-Bildung (d. h. übermäßiger Narbenbildung).
Kandidaten-Bibliotheken, die in Hautbindegewebe-Zellen insertiert
sind, werden aus Individuen mit diesem Krankheitszustand ebenso
isoliert wie bioaktive Mittel, die die Proliferation, Kollagen-Bildung
oder Prolin-Inkorporation verringern. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten
können
auch zur Behandlung exzessiver Narbenbildung herangezogen werden,
die bei Patienten mit Brandwunden vorkommt. Wenn ein gemeinsames
Peptidmotiv im Zusammenhang mit der Arbeit mit Keloid ideintifiziert wird,
kann es in unterschiedlicher Weise topisch eingesetzt werden, um
die Vernarbung nach den Brandverletzungen zu verringern.
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Ebenso kann die Wundheilung für Diabetes-Geschwüre und andere
Fälle chronischer „Heilungsinsuffizienz"
auf der Haut und den Extremitäten
reguliert werden, indem zusätzliche
Wachstumshormone den Zellen bereitgestellt werden, die: die Haut
und dermale Schichten bevölkern.
Wachstumsfaktor-Mimetika können
für diese
Fälle sehr
nützlich
sein. Kandidaten-Bibliotheken können
in die Hautbindegewebe-Zellen insertiert und bioaktive Mittel isoliert
werden, die das Wachstum dieser Zellen unter „rauen" Bedingungen wie z.
B. niedriger Sauerstoffspannung, niedrigem pH-Wert und in Gegenwart
von Entzündungsmediatoren
fördern.
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Kosmetisch-pharmazeutische Anwendungen
der vorliegenden Erfindung beinhalten die Steuerung der Melanin-Produktion
in Haut-Melanozyten. Ein natürlich
vorkommendes Peptid, Arbutin, ist ein Tyrosin-Hydroxylase-Hemmer,
ein wesentliches Enzym für
die Synthese von Melanin. Kandidaten-Bibliotheken können in
Melanczyten insertiert und bekannte Stimuli, die die Synthese von
Melanin erhöhen,
den Zellen zugeführt werden.
Es können
bioaktive Mittel isoliert werden, die die Synthese von Melanin unter
diesen Bedingungen hemmen.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
finden die vorliegenden Verfahren in der Endokrinologie Anwendung.
Die Technologie retroviraler Peptid-Bibliotheken kann allgemein
für jedes
Endokrin-, Wachstumsfaktor-, Cytokin- oder Chemokin-Netzwerk angewendet
werde, das ein Signalisierungspeptid oder Protein enthält, das
entweder endokrin, parakrin oder autokrin agiert, sich an einen
Rezeptor bindet oder ihn dimerisiert und eine Signalisierungskaskade
aktiviert, die zu einem bekannten phäriotypischen oder funktionellen
Ergebnis führt.
Die Verfahren werden durchgeführt,
um ein Peptid zu isolieren, das entweder das erwünschte Hormon imitiert (d.
h. Insulin, Leptin, Calcitonin, PDGF, EGF, EPO, GMCSF, IL1-17, Mimetika)
oder eine Wirkung hemmt, indem entweder die Freisetzung des Hormons
blockiert wird, seine Bindung an einen spezifischen Rezeptor oder
ein spezifisches Trägerprotein
(z. B. CRF-Bindungsprotein) blockiert wird oder die intrazellulären Reaktionen
der spezifischen Zielzellen auf dieses Hormon inhibiert werden.
Die Auswahl von Peptiden, die die Ex pression oder Freisetzung von
Hormonen aus den Zellen verstärken,
die sie normalerweise produzieren, könnte in zahlreichen Situationen
zur Behandlung hormoneller Defizienz herangezogen werden.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
eignen sich die vorliegenden Verfahren zur Behandlung infektiöser Krankheiten.
Virale Latenz (Herpesviren wie etwa CMV, EBV, HBV und andere Viren
wie HIV) und ihre Reaktivierung stellen ein großes Problem dar, insbesondere
in immunsupprimierten Patienten (Patienten mit AIDS und Transplantationspatienten).
Die Fähigkeit,
die Reaktivierung und Ausbreitung dieser Viren zu blockieren, ist
ein wichtiges Ziel. Zelllinien, von denen man weiß, dass
sie latete virale Infektion aufweisen oder gegenüber dieser anfällig sind,
können
mit dem spezifischen Virus infiziert und dann Stimuli an diese Zellen angelegt
werden, die erwiesenermaßen
zu Reaktivierung und viraler Replikation führen. Daran kann sich das Messen
viraler Titer im Medium und die Bewertung von Zellen hinsichtlich
phänotypischer
Veränderungen
anschließen.
Kandidaten-Bibliotheken können
dann in diese Zellen unter den obigen Bedingungen insertiert und Peptide
isoliert werden, die das Wachstum und/oder die Freisetzung des Virus
verringern oder blockieren. Wie bei Chemotherapeutika können diese
Experimente auch mit Medikamenten durchgeführt werden, die zur Erreichung
dieses Ergebnisses nur teilweise wirksam sind, und bioaktive Mittel
isoliert werden, die die viruzide Wirkung dieser Medikamente fördern.
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Ein Beispiel von vielen ist die Fähigkeit,
HIV-1-Infektion zu blockieren. HIV-1 erfordert CD4 und einen Co-Rezeptor,
der einer mehrerer sieben transmembraner G-Protein-gebundener Rezeptoren
sein kann. Im Falle der Infektion von Makraphagen ist CCR-5 der
erforderliche Co-Rezeptar, und es deutet vieles darauf hin, dass
ein CCR-5-Block zu Resistenz gegenüber HIV-1-Infektion führt. Diese
Aussage wird durch zwei Faktoren untermauert. Erstens ist bekannt,
dass die natürlichen
Liganden für
CCR-5, die CC-Chemokine RANTES, MIP1a und MIP1b für die CD8+-mediiierte
Resistenz gegenüber
HIV verantwortlich sind. Zweitens sind Individuen, die für ein Mutanten-Allel
von CCR-5 homozygot sind, vollkommen resistent gegenüber HIV-Infektion. Somit
wäre ein
Inhibitor der CCR-5/HIV-Wechselwirkung von enormem Interesse – sowohl
für Biologen
als auch für
Kliniker. Die extrazellulären
verankerten Konstrukte bieten hervorragend geeignete Instrumente
für eine
solche Entdeckung. In die transmembranen, Epitop-markierten Konstrukte
mit Glycin-Serin-Tether (ss TM V G20 E TM) kann man eine zyklierte
Random-Peptidbibliothek der allgemeinen Sequenz CNNNNNNNNNNC oder
C-(X)n-C einsetzen. Dann infiziert man eine
Zelllinie, die CCR-5 mit Retroviren, die diese Bibliothek enthalten,
exprimiert. Unter Verwendung eines Antikörpers gegen CCR-5 kann man
FACS durchführen,
um erwünschte
Zellen auf der Basis der Bindung dieses Antikörpers am Rezeptor zu sortieren.
Man kann annehmen, dass alle Zellen, die sich nicht an den Antikörper binden,
Inhibitoren dieser Antikörper-Bindungsstelle
enthalten. Diese Hemmer können
im retroviralen Konstrukt weiter auf ihre Fähigkeit untersucht werden,
den HIV-1-Eintritt zu hemmen.
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Man weiß, dass Viren mittels spezifischer
Rezeptoren in Zellen eindringen, um sich an Zellen zu binden (z.
B. verwendet HIV CD4, das Coronavirus verwendet C13, das Mäuse-Leukämievirus
verwendet Transportprotein, und das Masernvirus verwendet CD44)
und mit den Zellen zu fusionieren (HIV verwendet Chemokin-Rezeptor).
Kandidaten-Bibliotheken können
in Zielzellen insertiert werden, die erwiesenermaßen gegenüber diesen
Viren permissiv sind, und bioaktive Mittel isoliert werden, die
die Fähigkeit
dieser Viren blockieren, sich an spezifische Zielzellen zu binden
und mit ihnen zu fusionieren.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
wird die vorliegende Erfindung für
infektlöse
Organismen angewendet. Intrazellulre Organismen wie z. B. Mycobakterien,
Listeria, Salmonellen, Pneumocystis, Yersinia, Leishmania und T.
cruzi können
innerhalb von Zellen fortbestehen, sich replizieren und in immunsupprimierten Patienten
aktiv werden. Es befinden sich derzeit Arzneimittel auf dem Markt
und in der Entwicklungsphase, die gegen diese Organismen entweder
nur teilweise wirksam oder wirkungslos sind. Kandidaten-Bibliotheken
können
in spezifische, mit diesen Organismen infizierte Zellen insertiert
(prä- oder
post-Infektion) und bioaktive Mittel selektiert werden, die die
intrazelluläre
Zerstörung
dieser Organismen in analoger Weise zu Magaininen ähnelnden
intrazellulären „antibiotischen
Peptiden" fördern.
Außerdem
können
Peptide ausgewählt
werden, die die abtötenden
Eigenschaften von Medikamenten verstärken, die bereits untersucht
werden, aber selbst eine zu geringe Wirk samkeit aufweisen; wenn
man sie allerdings mit einem, spezifischen Peptid aus einer Kandidaten-Bibliothek
kombiniert, sind sie aufgrund eines synergistischen Mechanismus
deutlich wirksamer. Schließlich
können
noch bioaktive Mittel isoliert werden, die den Metabolismus dieser
intrazellulären
Organismen solcherart verändern,
dass ihr intrazellulärer
Lebenszyklus durch Hemmen eines Schlüsselereignisses des Organismus
beendet wird.
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In großem Umfang verwendete Antibiotika
besitzen bestimmte dosisabhängige
und gewebespeifische Toxizitäten.
Beispielsweise lässt
sich renale Toxizität
bei Verwendung von Gentamicin, Tobramycin und Ampotericin feststellen;
Hepatotoxizität
erkennt man bei Verwendung von INH und Rifampin; Knochenmarks-Toxizität ist ein
Phänomen
bei Verwendung von Chloramphenicol; und Thrombozyten-Toxizität stellt
man bei Verwendung von Ticarcillin fest usw. Diese Toxizitäten schränken die
Nützlichkeit
der Antibiotika ein. Es können Kandidaten-Bibliotheken
in die spezifischen Zelltypen eingesetzt werden, wo spezifische
Veränderungen,
die zu zellulärer
Schädigung
oder Apoptose durch die Antibiotika führen, auftreten, und bioaktive
Mittel isoliert werden, die Schutz verleihen, wenn diese Zellen
mit diesen spezifischen Antikörpern
behandelt werden.
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Ferner kommt die vorliegende Erfindung
beim Screenen auf bioaktive Mittel zur Anwendung, die antibiotische
Transportmechanismen blockieren. Die rasche Sekretion bestimmter
Antibiotika aus dem Blutkreislauf schränkt deren Nützlichkeit ein. Beispielsweise
werden Penicilline durch bestimmte Transportmechanismen in der Niere
und dem Plexus choroideus im Gehirn rasch sekretiert. Man weiß, das Probenecid
diesen Transport blockiert und Serurn- und Gewebewerte erhöht. Kandidatenmittel
können
in spezifische Zellen insertiert werden, die aus Nierenzellen und
Zellen des Plexus choroideus abgeleitet sind nd erwiesenermaßen aktive
Transportmechanismen für
Antibiotika besitzen Bioaktive Mittel können dann isoliert werden,
die den aktiven Transport spezifischer Antibiotika blockieren und
somit die Serum-Halbwertszeit dieser Arzneimittel verlängern.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
kommen die vorliegenden Verfahren in Anwendungen im Bereich Medikamententoxizität und -resistenz
zu Tragen. Medika mententoxizität
ist ein signifikantes klinisches Problem. Es kann sich als spezifische
Gewebe- oder Zellschädigung
manifestieren, sodass die Wirksamkeit des Arzneimittels eingeschränkt wird.
Beispiele dafür
sind Myeloablation in hochdosierter Krebs-Chemotherapie, Schädigung von Epithelzellen, die
Luftwege und Darm auskleiden, und Haarnverlust. Beispiele sind Adriamycin-induzierter
Kardiomyozyten-Tod, Cisplatinin-induzierte Nierentoxizität, Vincristin-induzierte
Darmmotilitäts-Störungen und
Cyclosporin-induzierte Nierenschädigung.
Es können
Kandidaten-Bibliotheken in spezifische Zelltypen mit charakteristischen
Medikamenten-induzierten phänotypischen
oder funktionellen Reaktionen in Gegenwart der Medikamente eingesetzt
und Mittel isoliert werden, die den spezifischen Zelltyp vor den toxischen
Veränderungen
bei Exposition gegenüber
dem Medikament schützen
oder diese Veränderungen umkehren.
Diese Wirkungen können
sich als Blockade der Medikamenten-induzierten Apoptose der Zelle
von Interesse manifestieren, wobei anfänglich durchgeführte Screens
das Überleben
der Zellen in Gegenwart hoher Werte an Medikamenten oder Kombinationen
von Medikamenten (im Falle von Kombinations-Chemotherapie) betreffen.
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Die Medikamententoxizität kann auf
einen spezifischen Metaboliten zurückzuführen sein, der in der Leber
oder Niere produziert wird und für
spezifische Zellen hochgradig toxisch ist; sie kann auch auf Arzneimittel-Wechselwirkungen
in der Leber zurückzuführen sein,
die den Metabolismus eines verabreichten Medikaments blockieren
oder fördern.
Es können
Kandidaten-Bibliotheken in die Leber- oder Nierenzellen insertiert und
diese Zellen danach dem Arzneimittel ausgesetzt werden, das erwiesenermaßen den
toxischen Metaboliten produziert. Bioaktive Mittel können isoliert
werden, die die Metabolisierung des Medikaments durch die Leber-
oder Nierenzellen verändern,
und spezifische Mittel identifiziert werden, die die Erzeugung eines
spezifischen toxischen Metaboliten verhindern. An die Erzeugung
des Metaboliten kann sich Massenspektrometrie anschließen, und
phänotypische
Veränderungen
lassen sich durch Mikroskopie beurteilen. Ein solcher Screen kann
auch in kultivierten Hepatozyten erfolgen, die mit Readout-Zellen
co-kultiviert sind, die für
toxischen Metaboliten besonders sensitiv sind. Anwendungen umfassen
reversible Inhibitoren von Enzymen (zur Beschränkung der Toxizität), die
am Medikamenten-Metabolismus beteiligt sind.
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Multiple Medikamentenresistenz und
somit Tumorzellenselektion, -auswuchs und -rückfall bewirken Morbidität und Mortalität von Krebspatienten.
Es können
Kandidaten-Bibliotheken in Tumorzelllinien (primär und kultiviert) insertiert
werden, die spezifische oder multiple Medikamentenresistenz zeigten.
Dann kann man bioaktive Mittel identifizieren, die Medikamentensensitivität verleihen,
wenn die Zellen dem Arzneimittel von Interesse oder Arzneimitteln,
die in der Kombinations-Chemotherapie zur Anwendung kommen, ausgesetzt
sind. Die Ablesung (Readout) kann in diesen Zellen der Beginn der
Apoptose, der Veränderungen
der Membranpermeabilität
und der Freisetzung intrazellulärer
Ionen und Fluoreszenzmarker sein. Die Zellen, in denen Multimedikamenten-Resistenz
Membrantransporter umfasst, können
mit fluoreszierenden Transportersubstraten vorbeladen werden, und
die Selektion kann für
Peptide erfolgen, die den normalen Ausfluss von fluoreszierendem
Medikament aus diesen Zellen blockieren. Es sind jene Kandidaten-Bibliotheken
für das
Screening auf Peptide besonders geeignet, die schwach charakterisierte
oder neu entdeckte intrazelluläre
Resistenzmechanismen oder Mechanismen, für die derzeit wenige oder überhaupt
keine Chemosensibilisatoren bestehen, z. B. Mechanismen mit LRP
(Lungenresistenz-Protein), umkehren. Dieses Protein wurde mit der
Multimedikamenten-Resistenz
bei Eierstockkarzinom, metastatischem malignem Melanom und akuter
Myeloidleukämie
in Verbindung gebracht. Besonders interessante Beispiele sind das
Screenen auf Mittel, die mehr als einen wichtigen Resistenzmechanismus
in einer einzelnen Zelle umkehren (tritt in einer Untergruppe der
meisten medikamentenresistenten Zellen auf, die auch wichtige Ziele
sind). Anwendungen umfassen das Screenen auf Peptidhemmer sowohl
von MRP (mit Multimediekamenten-Resistenz verwandtes Protein) als
auch LRP bei akuter Myeloidleukämie
oder zur Hemmung (durch einen beliebigen Mechalsmus) aller drei
Proteine zur Behandlng pan-resistenter Zellen.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
eignen sich die vorliegenden Verfahren zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit
bestehender oder sich in Entwicklungsphase befindlicher Arzneimittel.
Der „First-pass"-Metabolismus
oral verabreichter Medikamente schränkt ihre orale Bioverfügbarkeit
ein, kann verringerte Wrksamkeit hervorrufen und es erforderlich
machen, dass ein weiteres Medikament verabreicht wird, um die erwünschte Wirkung
zu erzielen. Reversible Hemmen von Enzymen, die am First-pass-Metabolismus
beteiligt sind, können
demnach ein nützliches
Instrument sein, das die Wirksamkeit dieser Arzneimittel erhöht. Der First-pass-Metabolismus
tritt in der Leber ein; Inhibitoren der korrespondierenden katabolischen
Enzyme können
daher die Wirkung der jeweils verwandten Medikamente steigern. Reversible
Hemmer würden
gleichzeitig oder etwas vor dem Medikament von Interesse zugeführt. Das
Screenen von Kandidaten-Bibliotheken in Hepatozyten für Inhibitoren
(durch jeden beliebigen Mechanismus, z. B. Protein-Herabregulierung
sowie direkte Hemmung von Aktivität) besonders problematischer
Isozyme wäre
von besonderem Interesse. Dazu zählen die
CYP3A4-Isozye von Cytochrom P450, die am First-pass-Metabolismus der
Anti-HIV-Medikamente Saquinavir und Indinavir beteiligt sind. Andere
Anwendungen umfassen je nach dem Medikament reversible Inhibitoren
von UDP-Glucuronyl-Transferasen, Sulfotransferasen, N-Acetyltransferasen,
Epoxid-Hydrolasen und Glutathion-S-Transferasen. Screens würden in
kltivierten Hepatozyten oder Lebermikrosomen erfolgen und könnten Antikörper, die
spezifische Modifikationen in der Leber erkennen, oder co-kultivierte
Readout-Zellen vorsehen, wenn der Metabolit eine andere Bioaktivität als das
untransformierte Medikament hätte.
Die das Arzneimittel modifizierenden Enzyme würden nicht notwendigerweise
bekannt sein, wenn das Screening aufgrund mangelnder Veränderung
des Arzneimittels erfolgt.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
kommen die vorliegenden Verfahren in Anwendungen im Bereich Immunbiologie,
Entzündung
und allergischen Reaktionen zum Tragen. Die selektive Regulierung
von T-Lymphozyten-Reaktionen ist ein erwünschtes Ziel, um immun-mediierte
Krankheiten spezifisch modulieren zu können. Es können Kandidaten-Bibliotheken
in spezifische T-Zellen-Untergruppen (TH1, TH2, CD4+, CD8+ usw.)
eingesetzt und die Reaktionen, die diese Untergruppen charakterisieren
(Cytokin-Erzeugung, Cytotoxizität,
Proliferation als Reaktion auf Antigen, das durch einen mononuclearen
Leukozyten präsentiert
wird, usw.), durch Elemente der Bibliothek modifiziert werden. Es
können
Mittel ausgewählt
werden, die die physiologische Reaktion der bekannten T-Zellen-Untergruppe
verstärken
oder verringern. Diese Vorgangsweise ist bei Vorliegen einiger Krankheitsbilder
nützlich,
z. B.: (1) Autoimmunerkrankungen, wo man einen toleranten Zustand
erreichen möchte
(Auswahl eines Peptids, das die T-Zellen-Untergruppe daran hindert,
eine Selbstantigen-tragende Zelle zu erkennen; (2) allergische Krankheiten,
wo man die Stimulation von IgE-produzierenden Zellen absenken möchte (Auswahl
von Peptid, das die Freisetzung aus T-Zellen-Untergruppen spezifischer
B-Zellen-stimulierender Cytokine blockiert, die den Wechsel zur
IgE-Produktion induzieren); (3) bei Transplantationspatienten, wo
man selektive Immunsuppression induzieren möchte (Auswahl von Peptid, das proliferative
Reaktionen von Wirt-T-Zellen auf Fremdantigene reduziert); (4) in
lymphoproliferativen Zuständen, wo
man das Wachstum eines spezifischen T-Zellen-Tumors hemmen oder
ihn gegenüber
Chemotherapie und/oder Bestrahlung sensibilisieren möchte; (5)
bei der Tumorkontrolle, wenn man die Abtötung zytotoxischer T-Zellen
durch Fas-Liganden-tragende Tumorzellen hemmen möchte; und (5) in T-Zellen-mediierten
entzündlichen
Erkrankungen wie z. B. bei primärchronischer
Polyarthritis, Bindegewebe-Erkrankungen (SLE), multipler Sklerose
und entzündlicher
Darmerkrankung, wo man die Proliferation von krankheitsverursachenden
T-Zellen hemmen (ihre selektive Apoptose fördern) und die resultierende
selektive Zerstörung
von Zielgeweben (Knorpel, Bindegwebe, Oligodendrozyten, Darm-Endothelzellen)
hemmen möchte.
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Die Regulierung von B-Zellen-Reaktionen
ermöglicht
eine selektivere Modulation des Typs und der Menge an Immunglobuilin,
das durch spezifische B-Zellen-Untergruppen produziert und sekretiert
wird. Es können
Kandidaten-Bibliotheken in B-Zellen insertiert und bioaktive Mittel
selektiert werden, die die Freisetzung und die Synthese eines spezifischen
Immunglobulins hemmen. Dies kann bei Autoimmunerkrankungen von Vorteil
sein, die durch eine Überproduktion
von Auto-Antikörpern
und die Produktion von Allergie hervorrufenden Antikörpern wie
etwa IgE gekennzeichnet sind. Es können auch Mittel identifiziert
werden, die die Bindung einer spezifischen Immunglobulin-Unterklasse
an ein spezifisches Antigen (entweder Fremd- oder Eigen-Antigen)
einschränken
oder fördern.
Schließlich
können
noch Mittel selektiert werden, die die Bindung einer spezifischen
Immunglobulin-Unterklasse an ihren Rezeptor auf spezifischen Zelltypen
hemmen.
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In ähnlicher Weise können Mittel,
die Cytokinen-Produktion beeinflussen, ausgewählt werden; dies erfolgt im
Allgemeinen mit zwei Zellsystemen. Beispielsweise kann die Cytokinen-Produktion
aus Makrophage, Monozyten usw. bewertet werden.
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Ebenso können Mittel, die Cytokine imitieren,
z. B. Erythropoetin und IL1-17, oder Mittel, die Cytokine binden,
z. B. TNF-α,
bevor sie sich an ihren Rezeptor binden, ausgewählt werden.
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Die Antigen-Verarbeitung durch mononucleare
Leukozyten (ML) ist ein wichtiger früher Schritt in der Fähigkeit
des Immunsystems, Fremdproteine zu erkennen und zu eliminieren.
Kandidatenmittel können
in ML-Zelllinien insertiert und Mittel selektiert werden, die die
intrazelluläre
Verarbeitung von Fremdpeptiden und die Sequenz des Fremdpeptids,
die den T-Zellen durch ML auf ihrer Zelloberfläche im Zusammenhang mit MHC
der Klasse II präsentiert
wird, verändern.
Man kann Elemente dieser Bibliothek identifizieren, die Immunreaktionen
auf eine bestimmte T-Zellen-Untergruppe verstärken (z. B. würde das
Peptid tatsächlich
als Impfstoff fungieren), oder man kann Elemente dieser Bibliothek
identifizieren, die sich enger an MHC binden, wodurch natürlich vorkommende
Peptide verschoben werden; trotzdem wäre das Mittel weniger immunogen
(weniger stimulierend gegenüber
einem spezifischen T-Zellen-Klon).
Dieses Mittel würde
Immuntoleranz induzieren und/oder Immunreaktionen auf Fremdproteine
reduzieren. Dies könnte
man sich in Transplatation, Autoimmunerkrankungen und allergischen
Krankheiten zunutze machen.
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Die Freisetzung entzündlicher
Mediatoren (als Beispiele seien Cytokine, Leukotriene, Prostaglandine, Plättchen-aktivierender
Faktor, Histamin, Neuropeptide und andere Peptide sowie Lipidmediatoren
angeführt) ist
ein wesentlicher Schritt bei der Aufrechterhaltung und Verstärkung atypischer
Immunreaktionen. Kandidaten-Bibliotheken können in ML, Mastzellen, eosinophile
und andere Zellen, die an einer spezifischen entzündlichen
Response beteiligt sind, insertiert und bioaktive Mittel ausgewählt werden,
die die Synthese, Freisetzung und Bindung an den verwandten Rezeptorjedes
dieser Mediatoren hemmen.
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In einer bevorzugten Ausführungsform
werden die vorliegenden Verfahren für biotechnologische Anwendungen
herangezogen. Die Expression von Kandidaten-Bibliotheken in Säugetierzellen
kann auch für
andere pharmazeutischen Anwendungen in Frage kommen, z. B. für die Modifikation
von Proeinexpression, Proteinfaltung oder Proteinsekretion. Ein
solches Beispiel wäre
die kommerzielle Produktion von Protein pharmazeutika in CHO oder
anderen Zellen. Kandidaten-Bibliotheken, die zu bioaktiven Mitteln
führen,
die hinsichtlich einer gesteigerten Zellwachstumsrate (möglicherweise
Peptide, die Wachstumsfaktoren imitieren oder als Agonisten von
Wachstumsfaktor-Signaltransduktionspfaden agieren), Pathogen-Resistenz
(siehe obiger Abschnitt), Mangel an Sialylierung oder Glycosylierung
(durch Blockieren von Glykotransferasen oder „Rerouting-Trafficking" des
Proteins in der Zelle), Wachstumsförderung auf autoklavierten
Medien oder Wachstum in serumfreien Medien selektieren, würden alle
die Produktivität
erhöhen
und die Kosten für
die Produktion von Proteinpharmazeutika senken.
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Random-Peptide auf der Oberfläche zirkulierender
Zellen können
als Instrumente zur Identifikation von organ-, gewebe- und zellspezifischen
Peptid-Targetingsequenzen fungieren. Jede Zelle, die in den Blutkreislauf
eines Tiers eingeleitet wird und eine Bibliothek exprimiert, die
auf die Zelloberfläche
abzielt, kann für spezifisches
Organ- und Gewebe-Targeting ausgewählt werden. Die identifizierte
Sequenz des bioaktiven Mittels kann dann an einen Antikörper, ein
Enzym, ein Medikament, ein bildgebendes Mittel oder eine Substanz gebunden
werden, wofür
Organ-Targeting erwünscht
ist.
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Andere Mittel, die unter Einsatz
der Erfindung ausgewählt
werden können,
sind: (1) Mittel, die die Aktivität von Transkriptionsfaktoren
mittels Zellinien mit Reporter-Genen blockieren; (2) Mittel, die
die Wechselwirkung zweier bekannter Proteine in Zellen blockieren
und sich dabei das Fehlen normaler Zellfunktionen, das Säugetier-Zweihybrid-System
oder Fluoreszenzresonanz-Energietransfer-Mechanismen zur Detektion
zunutze machen; und (3) Mittel können
durch Tethering eines Random-Peptids
an eine Protein-Bindungsregion identifiziert werden, um Wechselwirkungen
mit Molekülen
zu ermöglichen,
die sterisch nahe sind, d. h. sich innerhalb eines Signalisierungspfads
befinden, um die Wirkungen auf einen funktionellen Bereich von Interesse zu
lokalisieren.
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Die folgenden Beispiele dienen zur
ausführlichen
Beschreibung der besten Durchführungsmöglichkeiten
der Erfindung und ihrer Aspekte. Man beachte, dass diese Beispiele
keinesfalls den erfindungsgemäßen Schutzumfang
einschränken,
sondern lediglich zur Veranschaulichung angeführt sind. Alle hierin angeführten Verweise
sind zur Gänze
aufgenommen.
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BEISPIELE
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Beispiel 1
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Experimente
für den
Beweis des erfinderischen Konzepts
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Es wurden einige Systeme verwendet,
um zu beweisen, dass die hierin geoffenbarten retroviralen Konstrukte
zu einem selektierbaren Phänotyp
führen
können.
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BCL2 und CPP32 Schutz
vor Apoptose
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Es ist bekannt, dass BCL2 und das
CPP32-Peptid in er Lage sind, Apoptose, die durch Tumornekrose-Faktor
und Cycloheximid hervorgerufen wird, zu hemmen.
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Apotag-Test: TUNEL (TdT-mediiertes
dTP-Fluorscein-Nicken und Markieren), Boehringer Mannheim Kit, Katalognr.
168795
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3T3-Zellen, transient infiziert entweder
mit MFGLacZ-, BCL2- oder CPP322-Plasmiden, wurden bis zu 50% Konfluenz
zum Zeitpunkt der Induktion mit hTNFa (50 ng/ ml Medium) und Cyclolieximid
(100 mg/ml Medium) 6 Stunden lang gezüchtet. Die Zellen wurden nach
6 Stunden gewaschen und 24 Stunden nach Induktion geerntet. Sie
wurden durch Poolen aller Medien aus Zellen (um apoptote schwimmende
Zellen zu sammeln) mit den Waschlösungen und trypsinierten Zellen
geerntet. Die Zellen wurden zentrifugiert und mit PBS, die 1% BSA
enthielt, gewaschen, in ein Eppendorf-Röhrchen übertragen und die Waschung
einmal wiederholt.
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Die Zellen wurden in 4% Paraformeldehyd
bei Raumtemperatur 30 Minuten lang fixiert, in PBS/BSA gewaschen
und dann in Permeabilisationspuffer 2 Minuten lang auf Eis resuspendiert.
Nach der Permeabilisation wurden die Zellen zweimal in PBS/ BSA
gewaschen und 1 Stunde lang mit Markierungspufter bei 37°C inkubiert,
welcher Puffer fluoresceiniertes dUTP, unmarkiertes Nucleotidgemisch
und terminale Desoxynucleotidyl-Transferase (TdT) enthielt. Die
Zellen wurden zweimal mit PBS/ BSA gewaschen, in PBS/BSA resuspendiert
und in ein FACS-Röhrchen
zwecks Analyse übertragen.
Die Proben wurden unter dem Fluoreszenzmikroskop visuali siert. Die
Ergebnisse zeigten, dass die Expression von BCL2 oder dem CPP32-Peptid
in 3T3-Zellen aus einem retroviralen MCSV-Promotor in vivo Apoptose
aufgrund von Tumornekrose-Faktor und Cycloheximid hemmen konnte.
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Propidiumiodid-Einfärbung fixierter
Zellen zwecks Testen auf Apoptose (Sherwood und Schimke, Methods
in Cell Biology 46, 77–87
(1995)
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3T3-Zellen, transient infiziert mit
MFGLacZ, BCL2 oder CPP32, wurden aufplattiert und mit GNF/CXH behandelt
(Beschreibung siehe oben), geerntet und wie oben gewaschen. Die
Zellen wurden in 70% Ethanol in PBS bei 4°C resuspendiert und bei 4°C über Nacht
gehalten. Als die Zellen für
FACS bereit waren, wurden sie wie folgt mit Propidiumiodid eingefärbt. Sie
wurden bei 14.000 U/min 10 Sekunden lang zentrifugiert und einmal
mit PBS/BSA gewaschen. Dann wurden die Zellen in 50 ml-Färbelösung (PBS
mit 50 mg/ml RNase A, (DNase-frei) mit 10 mg/ml Propidiumiodid)
resuspendiert und zumindest 1 Stunde lang bei 37°C inkubiert. Danach wurden die
Zellen pelletiert und in PBS/BSA-Lösung resuspendiert, umfassend
10 mq/ml Propidiumiodid, sowie durch FACS-Scannen analysiert. Die
Ergebnisse zeigten, dass die Expression von BCL2 oder CPP32-Peptid
in 3T3-Zellen Apoptose aufgrund von Tumornekrose-Faktor und Cycloheximid
hemmen konnte; dies wurde als Ausweitung der früheren Ergebnisse der Anmelder
durch PI-Einfärbung
von Zellen gemessen.
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Ethidiumbromid/Acridinorange-Einfärbung von
BAF3-Zellen zur Untersuchung der Zellmorphologie
-
BAF3-Zellen wurden mit retroviralen
WZL IHRES NEO Vektoren infiziert, die kein Insert (WIN) oder DNA
enthielten, die für
LacZ (ZIN), BCL2 (BIN), CPP32-Peptid (CIN) oder verquirlten Peptidvergleich
(PIN) enthielt. Die Zellen wurden nach Infektion mit obigen retroviralen
Vektoren in G418 selektiert und die Überlebenden mit 5 mg/ml FAS-Antikörper stimuliert.
Nach der Stimulation wurden die Zellen mit Ethidiumbromid und Acridinorange
(jeweils 2 mg/ml) eingefärbt
und unter dem Fluoreszenzmikroskop mittels eines UV-Filters visualisiert.
250 Zellen wurden gezählt
und der Prozentsatz von apoptotischen Zellen berechnet. Analog zu
den Ergebnissen, die man mit den mit TNF/CXH stimulierten 3T3-Zellen
erhielt, können
die für
CPP32 ko- dierenden
Vektoren FAS-induzierte Apoptose hemmen. Der Peptidvergleich übte in diesem
System ebenfalls eine Wirkung aus, die etwa halb so stark war wie
die mit BCL2 oder dem CPP32-Peptid.
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Enzymatischer Test von
CPP32-Aktivität;
CPP32-Testkit Clontech CPP32 Colorimetric Assay Kit (Kat. Nr. K20272)
-
3T3-Zellen wurden mit den in Teil
1, Abschnitt C beschriebenen Vektoren infiziert und vor dem Test
in G418-Medium selektiert. 6-Napf-Platten von 3T3-Zellen nahezu
bei Konfluenz wurden mit TNF/CXH wie okien stimuliert und nach 30
Minuten, 1, 2 und 4 Stunden nach Stimulation wie folgt geerntet.
Die Zellen wurden wie oben trypsiniert und gesammelt. Nach der Übertragung
auf ein Eppendorf-Röhrchen
wurden die Zellen zentrifugiert und in 50 ml gekühltem Zelllyse-Puffer resuspendiert.
Die Zellen wurden 10 Minuten lang auf Eis inkubiert, dann wurden
jedem Röhrchen
50 ml 2X Reaktionspuffer mit DTT zugesetzt. 5 ml des kolorimetrischen konjugierten
Substrats (DEVD-Paranitroanilid, 50 mM Endkonzentation) wurden jedem
Röhrchen
zugesetzt und 30 Minuten lang bei 37°C inkubiert. Die Proben wurden
auf eine 96-Napf-Platte übertragen
und auf einem Spektralphotometer bei O. D. von 405 gelesen. Die
Ergebnisse zeigten, dass die Zellextrakte aus WIN-Zellen erhöhte CPP32-Enzymaktivität nach 2
Stunden aufwiesen (gemessen durch Aufspalten des DEVD-pNA-Substrats
in seine kolorimetrisch detektierbare Form pNA). Nach 4 Stunden
sterben die ersten Zellen ab, und die Aktivität verringert sich. In Zellen
mit BCL2 oder dem CPP32-Peptid-Inhibitor kann man keinen Anstieg
der Aktivität
feststellen. Im Fall von BCL2 sollte er auf die Hemmung der Apoptose
stromauf vom Enzym zurückzuführen sein.
Im Fall des CPP32-Inhibitor-Peptids sollte er auf die direkte Hemmung
enzymatischer Aktivität
zurückzuführen sein.
Diese in vitro-Ergebnisse stimmen mit jenen überein, die man in den oben
erläuterten
Zelltod-Tests feststellt.
-
Lokalisierungsstudien
unter Verwendung von PKC-Inhibitor
-
Mäuse-10T1/2-Klon
8-Zellen wurden mit PMA stimuliert, das bekanntermaßen Translokation
von PKC aus dem Zytoplasma in den Nucleus bewirkt. Man geht davon
aus, dass diese Translokation durch Bindung an ein Protein an der
Wirkungs stelle mediirt wird, die man als ein RAC- (Rezeptor für aktivierte
Protein-Kinase C) Protein bezeichnet. Uninfizierte Klon 8-Zellen
wurden mit Zellen verglichen, die mit retroviralen pBabe-Puro-Konstrukten
infiziert sind, die Sequenzen enthalten, die entweder für mit Flu-Epitop
(MGGGYPYDVPDYAGSLZ) markierten verquirlten Peptidvergleich oder
Inhibitorpeptid (GKQKTKTIKGPP) kodieren (ist identisch für die C2-Region aller PKC-Isozyme).
Die Anmelder untersuchten dann die Zellen durch Immunhistochemie unter
Verwendung eines für
PKCa spezifischen Antikörpers
und visualisierten mithilfe eines zweiten, an Meerrettich-Peroxidase
gebundenen Anitikörpers.
-
Dieses Experiment erfolgte in zwei
unterschiedlichen Zelldichten und lief folgendermaßen ab:
-
- 1. Die Zellen wurden mit 2.000 Zellen/cm2 auf 22 mm2 große und mit
Polylysin beschichtete Deckplättchen
aufplattiert und 2 Tage lang gezüchtet.
Bei 3/20 waren die Zellen fast konfluent. Die Zellen wurden mit
niedrigerer Dichte erneut plattiert und unter identischen Bedingungen
auf 3/27 getestet.
- 2. PMA wurde in 10–5 M dem Medium 30 Minuten
lang bei 37°C
zugesetzt.
- 3. Die Zellen wurden mit SCB-Puffer (physiologischer Puffer,
vor der Verwendung auf 37°C
vorerwärmt)
gespült
und dann in 3,7% Glutaraldehyd in SCB-Puffer 20 Minuten lang bei 37°C eingebracht.
- 4. Die Zellen wurden anschließend in SCB-Puffer gewaschen
und dann 10 Minuten lang bei Raumtemperatur mit SCBT (SCB mit 0,1%
Triton X-100) inkubiert.
- 5. Die Deckplättchen
wurden aus der 6-Napf-Platte entfernt, mittels Eintauchen in 0,1%
Tween/PBS bei Raumtemperatur gewaschen und auf Paraffin in einem
abgedeckten Behälter
gelegt.
- 6. Die Deckplättchen
wurden mit 1,5% Ziegen-Blockierserum in PBS unter Schütteln in
einer feuchten Umgebung bei Raumtemperatur inkubiert.
- 7. Lösungen
wurden vom Deckplättchen
abgesaugt und die Deckplättchen
danach mit PBS gewaschen. Primärer
Anti-PKCa-Antikörper
wurde auf die Deckplättchen
aufgebracht und 30 Minuten lang bei Raumtemperatur wie oben inkubiert.
Eine 1 : 500-Verdünnung
des Antikörpers
kam in allen Versuchen zur Anwendung.
- 8. Die Deckplättchen
wurden mit PUBS dreimal gewaschen und anschließend 30 Minuten lang bei Raumtemperatur
mit Biotin-gebundenem Antikörper
für den
zweiten Schritt (stammte aus dem Santa Cruz ABC ImmunoStaln Systems
Kit) inkubiert. Die Deckplättchen
wurden dann dreimal mit PBS gewaschen.
- 9. Die Deckplättchen
wurden anschließend
mit Avidinbiotin-Enzymreagens (war Teil des Kits) 30 Minuten lang bei
Raumtemperatur inkubiert. Die Deckplättchen wurden danach 10 Minuten
lang in PBS gewaschen, nachdem sie wieder in 6-Napf-Platten gelegt
worden waren.
- 10. Die Deckplättchen
wurden mit 0,5% Triton X-100/PBS 30 Sekunden lang gespült und 5
Minuten lang in DAB-Lösung
inkubiert. Die Reaktion wurde durch Zugabe von destilliertem Wasser
in den Napf abgebrochen.
- 11. Die Deckplättchen
wurden dann durch Alkohole und Xylol dehydratisiert und auf Obektträger mit
Permount montiert sowie durch Lichtmikroskopie visualisiert und
fotografiert.
-
Die Ergebnisse zeigten im Grunde
genommen, dass die als Vergleich dienenden Klon 8-Zellen vor allem
zytoplasmische und perinucleare Einfärbung aufwiesen, während PMA-induzierte
Zellen konsequenz Translokation zum Nucleus aufwiesen. Zellen, die
mit Konstrukten indifziert sind, die für das verquirlte Peptid kodieren,
zeigten ähnliche
Einfärbung.
Zellen, die mit Konstrukten infiziert sind, die für Peptide
kodieren, die mit der C2-Region von PKC identisch sind, zeigten
vor allem zytoplasmische und perinucleare Einfärbung (sowohl im Vergleich
als auch in PMA-induzierten Zellen), was den Schluss nahe legt,
dass dieses Peptid in der Lage ist, die Translokation von aktiviertem
PKCa in sein RAC-Protein nach Stimulation der Zellen mit PMA spezifisch
zu hemmen. Es ist unter Verwendung ähnlich infizierter Zellen ferner
möglich,
die stromabwärtigen
Ergebnisse der Peptidexpression nach Gen-Aktivität zu sehen. Es wurden Zellen
mit Retraviren infiziert, die entweder PKCb2.1, PKC2.1-Peptid, einen dominanten
negativen ras-Proteinvergleich, Kombinationen dieser Viren oder überhaupt
kein Virus exprimieren. Die Zellen wurden mit PMA bei 100 ng/ ml,
PDGF-AA oder PDGF-BB stimuliert. mRNA wurde hergestellt und Nothern
Blots für
fos-Gen-Expression (induziert durch PKC-Aktivierung) oder das ribosomale
Protein PO durchgeführt,
eine Beladungsvergleichs-mRNA, deren Expression offenbar nicht durch
PKC-induzierte Signalisierungssysteme beeinflusst wird. Die PKC-Pep tide
können
die Expression der fos-Gen-mRNA deutlich reduzieren. Ein unerwartetes
Ergebnis bestand darin, dass unter bestimmten Bedingungen Aktivierung
der mRNA-Expression
eintritt. Diese Ergebnisse bestätigen,
dass nach Expression von Peptiden innerhalb von Zellen neue Ergebnisse
erzielt werden können.
-
Beispiel 2
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Retrovirale
pBabe Puro-Bibliotheken und Apoptose
-
Es wurde eine Reihen von retroviralen
Konstrukten zur Expression von Randomund Bias-Peptiden innerhalb
von Zielzellen-Populationen konstruiert. Das Peptid wird aus einem
retroviralen Promotor exprimiert. Die Translationseinheit besitzt
mehrere wichtige Komponenten. Glycin, das dem Initiator-Methionin
am Aminoterminus folgt, stabilisiert das Peptid und verlängert die
zytoplasmatische Halbwertszeit (siehe die „N-Ende-Regel" von Varshavsky).
In einigen Konstrukten wurde ein aus 9 Aminosäuren bestehender Flu-Epitop-Marker
inkorporiert, um Co-Fällung
des seltenen Peptids und jedes Moleküls zu ermöglichen, für das es Affinität besitzt;
dabei werden monoklonale Antikörper
gegen das Epitop verwendet. Glycine werden vor und nach den für Random/Bias-Expressionsprodukt
kodierenden Regionen kodiert, um für eine gewisse molekulare Flexibilität zu sorgen.
2 Carboxyl-terminale Proline werden kodiert, um Carboxypeptidase
Stabilität
zu verleihen.
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Zur Konstruktion einer großen Bibliothek
wurden 2 Primer erzeugt (siehe schematische Darstellung in 1. Der erste als Raudom-Peptidprimer
bezeichnete Primer besteht aus: (1) einer komplementären Region für das Vektorprimen,
(2) den oben erwähnten
Regionen und (3) einer Random- oder Bias-Expressionsprodukt-Region;
er wurde als 30-Basen-Sequenz präsentiert,
die für
ein Peptid mit einer Länge
von 10 Aminosäuren
kodiert. Außerdem
insertierten die Anmelder ein Stoppcodon in allen 3 Leserahmen im
Falle kleinerer Deletionen oder Insertionen in der Raudom-Region.
Die Konstruktion des Primers gewährleistet
eine Glycin/Prolin-Termination in den meisten Leserahmen. Der zweite
Primen befindet sich stromab im Vektor und primt eine Region des
Plasmids, die eine einzelne Not I-Stelle enthält. Diese Primer dienen zur
Bildung einer Bibliothek von Fragmenten, wobei jede davon eine unter schiedliche
Nucleotidsequenz enthält,
die jeweils potenziell für ein
unterschiedliches Peptid kodiert. Diese Familien von Fragmenten
sind an Vektorfragmente ligiert, die Puromycin-Selektionssequenz,
ein 3'LTR und einen bakteriellen Replikationsursprung enthalten.
Die Ligationsprodukte werden dann in E. coli elektroporiert und
DNA aus der resultierenden Bibliothek produziert. Unter Anwendung
dieser Technik konstruierten die Anmelder unabhängige Random-Bibliotheken mit
bis zu 2 × 108
einzelnen Inserts. Das Sequenzieren mehrerer einzelner Inserts zeigt
auf, dass sie die durch Primer 1 definierte Struktur besitzen und
dass die kodierten Peptide randomisiert sind. Die so produzierten
Bibliotheken enthalten Untergruppen der insgesamt 1013 vorhergesagten
Peptide.
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Erzeugung retroviraler
Peptidbibliotheken
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Ein Schema zur Erzeugung einer Peptidbibliothek
im pBabe Puro-Vektor ist in 2 dargestellt.
Primer für
PCR wurden gemäß herkömmlicher
Arbeitsvorschriften synthetisiert, gereinigt und von Schutzgruppen befreit.
Primer 1, komplementär
zu Polylinker-Sequenzen im retroviralen pBabe Puro-Konstrukt, besitzt
die Sequenz 5' GCT TAG CAA GAT CTC TAC GGT GGA CCK NNK NNK NNK NNK
NNK NNK NNK NNK NNK NNC CCC ACT CCC ATG GTC CTA CGT ACC ACC ACA
CTG GG 3'. N stellt für
jede der vier Basen; K ist auf G oder T beschränkt. Primer 2 besitzt die Sequenz
5' GCT TAG CAA GAT CTG TGT GTC AGT TAG GGT GTG G 3' und ist komplementär zu Sequenzen
innerhalb des pUC18-Replikationsursprungs. PCR erfolgt für 8 Runden
unter Verwendung von Primer 1, Primer 2 Babe Puro als Templat und
eines Gemisches aus Taq DNA-Polymerase (Promega) und Deep Vent DNA-Polymerase
(New England Biolabs) in einem Verhältnis von 128 Taq : 1 Deep
Vent (siehe Barnes, PNAS USA 91, 2216–2220 (1994)). Das amplifizierte
PCR-Produkt wurde gereinigt mit Restriktionsenzymen Bgl II und Not
I (Promega) verdaut, erneut gereinigt und mit dem korrespondierenden
Bam HI-Not I-Fragment von pBabe Puro ligiert. Nach der Transformation
enthielt die resultierende Bibliothek ~2 × 108 Klone,
von denen mehr als 80% Inserts enthielten.
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Retrovirale pMSCV-PC und
pBabeMN-PC-Konstrukt-Bibliotheken
-
Oligonucleotide wurden gemäß herkömmlicher
Arbeitsvorschriften synthetisiert und gereinigt. Die „Bibliotheks"-Oligonucleotide
besitzen die Sequenz 5' CTG GAG AAC CAG GAC CAT. GGG C (NNK)10 GGG CCC
CCT TAA ACC ATT AAA T 3' oder 5' CTG GAG AAC CAG GAC CAT GGG CNN
KNN KNN KCC TCC CNN KCC TNN KNN KGG GCC CCC TTA AAC CAT- TAA AT
3'. Ein drittes Oligonucleotid („konstant"), komplementär zu den
3'-Enden der Bibliotheks-Oligonucleotide, besitzt die Sequenz 5'TCA
TGC ATC CAA TTT AAT GGT TTA AG 3'. Wie aus
3 ersichtlich,
wird jedes Bibliotheks-Oligonucleotid am Konstant-Oligonucleotid
anneliert, in doppelstrangige DNA mit Sequenase (United States Biochemical)
oder Klenow (Promega) umgewandelt, mit Restriktionsenzym Bst XI
(New England Biolabs) verdaut sowie mit dem geeigneten retroviralen
Bst XI-verdauten Konstrukt gereinigt und ligiert. Die Transformations-Wirkungsgrade
betragen ~2 × 10
8 Klone/μg
ligierter DNA, von denen mehr als 90% ein Insert enthalten. Ein
repräsentatives
Retrovirus ist in
4 dargestellt;
siehe auch die nachstehend angeführte
retrovirale Nucleotidsequenz: Retroviraler
Vektor mit Präsentationskonstrukt
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Peptidbibliotheks-Infektion
einer Faktor-abhängigen
Linie und Auswuchs einer Apoptose-resistenten Linie
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Die Baf/3-Zelllinie ist eine IL-3-abhängige Zelle,
die rasche Apoptose in Abwesenheit von IL-3 erfährt. Dies macht sie zu einer
attraktiven Zelllinie für
die dominanten Effektorpeptide. Zellen, die ein Peptid exprimieren,
das Apoptose hemmt, können
problemlos vor dem Hintergrund absterbender Zellen ausgewählt werden. Die
Anmelder wählten
diese Zelllinie als Modell zur Veranschaulichung der Peptidselektion.
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Eine retrovirale Bibliothek mit 5 × 106 unabhängigen
Peptidinserts wurde in BOSC23-Zellen
transfiziert und mit einem approximativen Titer von 5 × 105/ml in Retrovirus umgewandelt. 12 ml viraler Überstand
dienten dazu, 6 × 106 Baf/3-Zellen zu infizie ren (2 ml pro Infektion
von 1 × 106 Zellen in unabhängigen Infektionen). Die Zellen
wurden 3 Tage lang nach der Infektion in Gegenwart von IL-3 gezüchtet, um
retrovirale Integration und Peptidexpression zu ermöglichen.
Nach 3 Tagen wurde IL-3 abgezogen, und die Zellen wurden 2 Wochen
lang gezüchtet.
Nach 2 Wochen wies 1 von 6 Näpfen
Auswuchs von Zellen auf, die in Abwesenheit von IL-3 überleben – ein Indiz
für die
Gegenwart einer Apoptose hemmenden Peptids. Auf diese Weise gewonnene
Peptide können
die IL-3-Unabhängigkeit
durch positive Dominanz (sie imitieren oder umgehen die positive
regulatorische Rolle von IL-3) oder durch Inhibition (sie verhindern
den Apoptose-Prozess nach Abzug von IL-3) beeinflussen.
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Beispiel 3
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pMSCVpc-Vektor-Konstruktion
und Apoptose
-
Der retrovirale Vektor pMSCVpc wurde
hergestellt, indem ein Insert, das Sequenzen, die für eine Kozak-Translationsinitiations-Sequenz
kodieren, BstXI-Stellen für
das Klonieren von Bibliotheksinserts, NruI und XhoI-Stellen und
Stoppcodons in allen drei Leserahmen enthält, in die EcoRI- und BamHI-Stellen
von pMSCV neo kloniert wurde.
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BstX I-Restriktionsverdau
-
200 μg pMSCVpc-Vektor-DNA wurde mit
40 μl 10
X NEBuffer 3 und 30 μl
BstX I(10 Einheiten/μl)
in einem Gesamtvorlumen von 400 μl
kombiniert. Die Probe wurde über
Nacht bei 55°C
inkubiert, Phenol-extrahiert, mit Xhol verdaut und auf einem Kaliumacetat-Stufengradienten
unter Verwendung von 10, 15, 20 und 25% Lösungen Kaliumacetat gereinigt.
Die DNA wurde mit einer Gewinnung von 40% gefällt.
-
Herstellung
von Bibliotheksinsert
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Oligonucleotidsynthese
-
Es wurden Oligonucleotide (OL) mit
den folgenden Sequenzen synthetisiert:
-
Die unterstrichene Region kodiert
für ein
Peptid mit der Sequenz MGKRKGDEV-DGVGPP.
Es wurde gezeigt, dass dieses Peptid Fas-mediierte und Staurosporin-induzierte
Apoptose hemmt, wenn es in Zellen mit einem Retrovirus exprimiert
ist.
-
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Die Limitierung der K Position jedes
Codons auf G oder T reduziert die Erzeugung von Stoppcodons und
den Bias der Codon-Verwendung. Die unterstrichene Region kodiert
für ein
randomisiertes Peptid mit der Sequenz MGKRKGXXXD/EXVGPP.
-
-
Die 15 3'-Basen von OL-3 sind zu
den 15 3'-Basen von OL-1 und OL-2 komplementär.
-
OL-1 und OL-2 wurden in 1 μM-Maßstab synthetisiert,
während
OL-3 in herkömmlichem
40 nM-Maßstab
synthetisiert wurde. Alle Oligos wurden mit Tritylon synthetisiert,
von Schutzgruppen befreit und auf OPC-Säulen gereinigt; dies erfolgte
entsprechend den Anweisungen des Herstellers (Applied Biosystems).
Jedes Oligo wurde in 200 μl
10 mM Tris, pH 8,5, ohne EDTA resuspendiert. Die DNA-Konzentration
wurde durch Messen der Extinktion bei 260 nm ermittelt.
-
PCR erfolgte mit 50 pMol OL-1 oder
OL-2 sowie 50 pMol OL-3. Phenolextraktion und Ethanolfällung wurden
durchgeführt
und die DNA auf einem 10% nicht-denaturierenden 10% Acrylamidgel
mit Ethidiumbromid-Einfärbung
laufen gelassen: Die Proben wurden quantifiziert, ligiert, gefällt und
in elektrokompetente TOP10F' E. coli (Invitrogen) elektroporiert;
dabei wurden Standardtechniken angewendet (siehe Current Protocols
in Molecular Biology, Abschnitt 1.8.4.). Eine Testtransformation
lieferte 5 × 109 Transformanten pro μg pUC DNA. Nach der Transformation
wurde de ren Wirkungsgrad bestimmt, indem Verdünnungen auf LB-amp-Platten
(100 μg/ml
Ampicillin) aufplattiert und überlebende
Kolonien gezählt
wurden. Für
das aus OL-2 erzeugte Bibliotheksinsert ergab ein 4 : 1-Insert-Vektor-Molverhältnis in
der Ligation einen Transformations-Wirkungsgrad von 3,98 × 107 Transformanten pro μg der in der Ligation verwendeten
Vektor-DNA, wobei der Transformations-Wirkungsgrad in großem Maßstab 4,8 × 107 Transformanten por μg Vektor betrug. Die Nur-Vektor-Ligation
erzeugte 40fach weniger Transformanten. 10 Kolonien aus der Transformation
mit der OL-1-Insertligation wurden ausgewählt, kultiviert und die DNA
hergestellt und sequenziert, um den korrektn Klon zu identifizieren.
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Der Rest des OL-2-Bibliotheks-SOC/Transformations-Gemisches
wurde auf 500 μl
LB-amp (100 μg/ml Ampicillin)
geimpft und bei 37°C
unter Rühren
(300 U/min) inkubiert. Außerdem
wurde die Abs600 der Bibliothekskultur überwacht.
Als die Kultur eine Abs600 von 0,8 erreichte
(etwa nach 5 Stunden), wurden 100 μl entfernt, pelletiert, in 10
ml LB/15% Glycerin resuspendiert und in 1 ml Allquoten bei –80°C gelagert.
(Eine Abs600 von 0,8 entspricht einer Zellkonzentration
von etwa 109 Zellen/ml. Daher enthält im Falle
einer Bibliothek von 4,8 × 107 jede gefrorene Aliquote 200 Bibliotheks-Äquivalente.
-
Analyse der
Bibliotheks-Diversität
-
Die oben plattierten überlebende
Kolonien wurden durch PCR mit Primern gescreent, die die degenerierte
Region flankieren, um den Anteil jener Klone zu ermitteln, die Insert
enthalten (> 90%).
8 Insert-enthaltende Klone wurden ausgewählt und die Nucleotidsequenzen
der degenerierten und flankierenden nichtdegenerierten Regionen
bestimmt. Jedes Nucleotid war an den N-Positionen mit etwa 25% Häufigkeit
repräsentiert, während G
oder T (aber nicht A oder C) an den K-Positionen mit etwa 50% Häufigkeit
repräsentiert
war. Die Häufigkeit
von in der degenerierten Region erzeugten Stoppcodons kann ebenfalls
mittels dieses Verfahrens bestimmt werden.
-
Erzeugung von
Bibliotheks-Retrovirus und Infektion von Jurkat-Zellen
-
TAG 0: Herstellung von
Phoenix-Retrovirus-Produzentenzellen für die Transfektion:
-
18–24 Stunden vor der Transfektion
wurden Phoenix-Zellen gleichmäßig mit
1,5-2 Millionen Zellen/60 mm-Platte in Produzentenzellen-Wachstumsmedium
(DMEM: 10 % FCS, 1% Penicillin-Streptomycin, 1% Glutamin) plattiert.
Man ließ die
Zellen 20 Stunden lang an die Platten anhaften.
-
TAG 1: Transiente Transfektion:
-
Die höchsten Transfektions-Häufigkeiten
wurden mit Phoenix-Zellen erhalten, die zum Zeitpunkt der Transfektion
zu 70–80%
konfluent waren. Die DNA in HBS (2 x HBS = 8,0 g NaCl, 6,5 g HEPES;
10 ml Na2HPO4 Stammlösung (5,25
g zweibasig in 500 ml Wasser, eingestellt auf pH 7, bis zu einem
Endvolumen von 500 ml, mit einer endgültigen pH-Einstellung auf 7)
wurde zur Anwendung für
die Phoenix-Zellen produziert. Etwa 5 Minuten vor der Transfektion
wurde Chlorochin (Sigma) jeder Platte bis zu 25 μM zugesetzt (Chlorochin-Stammlösung besteht
aus 50 mM in ddH2O; für 3 ml Medium + 1 ml DNA sind
2 μl zuzugeben).
Einem konischen 15 ml-Röhrchen
ist das Folgende zuzusetzen (pro 6 cm-Platte, insgesamt 5 Platten,
alle Reagenzien auf Raumtemperatur):
5 μg Bibliotheks-DNA (DNA wurde
der Seite des Röhrchens
zugetropft)
1 μg
pMSCVpc lacZ-Virusvektor
438 μl ddH2O
(die DNA wurde bis zum Boden des Röhrchens mit Wasser gewaschen)
61 μl 2M CaCl2 (Mallinckrodt, Katalog Nr. 4160; in Wasser
zu bereiten, steril zu filtrieren und eng verschlossen bei 4°C zu lagern)
500 μl Gesamtvolumen.
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Die Proben wurden gründlich durch
Fingerklopfen vermischt. Die Transfektion mit 5 μg pMSCVpc lac Z und mit der
OL-1-Vektor-DNA erfolgte zur Verwendung als negativer bzw. positiver
Vergleich. 0,5 ml 2 × HBS wurden
rasch jedem Röhrchen
zugesetzt; die Lösung
wurde mit dem automatischen Pipettor kräftig gesprudelt, indem der
Auswurfknopf 10 Sekunden lang gedrückt wurde (die tatsächliche
Sprudeldauer hängt
von jeder Charge von 2 × HBS
ab). Die HBS/DNA-Lösung
wurde tröpfchen weise
und gleichmäßig auf
die Medien in jeder Zellplatte dispergiert; dabei ging man vorsichtig
und rasch vor. Die Platten wurden unter einem Mikroskop beobachten;
gleichmäßig verteilte
sehr kleine schwarze Teilchen gefällter DNA (sahen wie Pfeffer
aus) waren sichtbar. Die Platten wurden in einen bei 37°C gehaltenen
Inkubator gestellt und einige Male vor- und zurückgeschaukelt, um die DNA/CaPO4-Teilchen gleichmäßig zu verteilen. 6–8 Stunden
nach der Transfektion wurde das Medium durch 3 ml frisches DMEM,
10% FCS ausgetauscht. Vor dem Wechsel des Mediums war der DNA-Niederschlag
unter dem Mikroskop größer und
deutlicher zu sehen.
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TAG 2: Zweiter Mediumswechsel
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24 Stunden nach der Transfektion
wurde das Medium wieder durch 3 ml frisches DMEM, 10% FCS ausgetauscht.
Die Zellen wurden bei 32°C
platziert (das Virus ist stabiler, wenn die Inkubation bei 32°C: erfolgt, obwohl
auch 37°C
in Ordnung ist).
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TAG 3: Transduktion von
Jurkat EcoR-Zellen
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Ein steriler Acrodisc 0,45 μm-Spritzenfilter
(Gelman Sciences) wurde am Ende einer sterilen 10 ml-Nadel befestigt
und der Injektionsstopfen steril aus dem Spritzenzylinder entfernt.
48 Stunden nach der Transfektion wurde der Virusüberstand aus den Phoenix-Zellen
entfernt und dem Spritzenzylinder zugesetzt. Der Stopfen wurde ersetzt
und der Virusüberstand
in Tröpfchen
in ein sauberes, steriles, konisches Röhrchen gefüllt. Die Phoenix-Zellplatten
wurden zwecks X-Gal-Einfärbung
(siehe unten) auf die Seite gestellt. Polybren wurde jedem viralen Überstand
(Sigma; 2,5 mg/ml in ddH2O = 500 x; Lagern
bei –20°C) bis zu
einer Endkonzentration von 5 mg/ml zugegeben. 4,5 × 106 Jurkat EcoR-Zellen Jurkat-Zellen expressieren
den ekotropen Retrovirus-Rezeptor in stabiler Weise) wurden bei
1400 U/min 5 Minuten lang pelletiert und in 9 ml des OL-2-Bibliotheks-Virusüberstand
resuspendiert. Die Zellen wurden in Aliquoten von 1 ml oder 5 × 105 Zellen in den Näpfen einer 24-Napf-Platte verteilt.
1,5 × 106 Jurkat EcoR-Zellen wurden in ähnlicher
Weise mit jeweils 3 ml des viralen lacZ-Überstands und dem viralen OL-1-Überstand
behandelt. Jede Zellplatte wurde in Parafilm eingewickelt, in einen
Mikroplattenträger
(DuPont) gelegt und 90 Minuten lang bei 2500 U/min bei 32°C in einer
DuPont/Sorvall RT 6000B-Tischzeritrifuge zentrifugiert. Nach dem
Zentrifugieren wurden die Zellen unter einem Mikroskop be obachtet.
Die Gegenwart großer,
unregelmäßig geformter
Körper,
die fusionierte Jurkat-Zellen (Größe bis zu 5–10 unfusionierte Zellen) darstellten,
ließ auf
erfolgreiche Infektion schließen.
Der Parafilm wurde von den bei 32°C
gehaltenen Platten entfernt. Nach weiteren 16 Stunden bei 32°C wurden
die Zellen vom Boden jedes Napfes mit leichter Trituration gelöst und in
ein konisches 15 ml-Röhrchen
eingebracht. Die Röhrchen
wurden 5 Minuten lang bei 1400 U/min zentrifugiert, um die Zellen
zu pelletieren. Die Zellen wurden in 5 ml frischem RPMI, 10% FCS
für jeweils
3 Näpfe
von Zellen resuspendiert und einer 60 mm-Platte zugesetzt (3 Näpfe von
Zellen pro Platte). 1 ml frisches RPMI 10% FCS wurde jedem verbleibenden
Napf von Zellen der 24-Napf-Platten zugesetzt. Die Platten wurden
72 Stunden lang bei 37°C
gehalten und anschließend
die mit jedem Virus transduzierten Zellen kombiniert und eine Aliquote
von Jurkat-Zellen mit X-Gal eingefärbt. Nicht verwendeter vitaler Überstand
wurde bei –80°C für spätere Transduktionen
gelagert, obwohl der Titer für
jeden Frier-Tau-Wechselversuch um die Hälfte abnimmt.
-
Bestimmung des
Transfektions-Wirkungsgrads
-
Sowohl transfizierte Phoenix-Zellen
als auch transduzierte Jurkat-Zellen wurden mit X-Gal eingefärbt, um
die Wirkungsgrade von Transfektion und Transduktion zu ermitteln.
Der Zweck des Co-Transfizierens des pMSCVpc lacZ-Virusvektors mit
dem Bibliotheks-Virusvektor bestand – wie oben erläutert – darin,
eine indirekte Beurteilung der Wirkungsgrade von Transfektion und
Transduktion zu ermöglichen.
Herstellung von Lösungen:
Fixierung: PBS/0,10% Glutaraldehyd. Glutaraldehyd-Stemmlösung (Sigma
Kat. Nr. G5882) ist eine 25% Lösung
oder 250 X; Stammlösung-Einfärbungslösungen:
(i) 300 mM/25 X Ferrocyanat-Lösung:
25,3 g K4FE(CN) 6,3 H2O
(Mallinckrodt) + 2,48 g MgCl2 (Sigma) in
200 ml H2O; Lagern bei 4°C; (ii) 300 mM/25 X Ferricyanat-Lösung: 19,75
g K3Fe(CN)6 (Sigma)
+ 2,48 g MgCl2 in 200 ml H2O;
Lagern bei 4°C;
(iii) X-Gal (Molecular Probes) wird als 40 mg/ml-Lösung in
DMF gebildet; Lagern bei –20°C im Dunkeln;
(iv) 1 X Ferro/Ferricyanat-Lösung:
Zugeben von 4 ml 300 mM/25 X Ferrocyanat-Lösung und 4 ml 300 ml mM/25
X Ferricyanat-Lösung
zu 196 ml PBS; Lagern bei 4°C
bis zu einem Monat; (v) aktive Einfärbungslösung: Jedes Mal, wenn Zellen
einzufärben
sind, werden 100 μl
40 mg/ml X-Gal jeder 3 ml 1 X Ferro/Ferricyanat-Lösung zugesetzt; Waschlösung: PBS
für Phoenix
und andere adhärente
Zellen; 1% FCS in PBS für
Jurkat und andere nicht-adhärente
Zellen.
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Das Medium wurde aus den 60 mm-Platten
von Phoenix-Zellen entfernt, oder es wurden 5 × 105 Jurkat-Zellen
in einem konischen 15 ml-Röhrchen
bei 1400/min 5 Minuten lang pelletiert. 2 ml Fixierungsmittel wurden
jeder 60 mm-Platte von Phoenix-Zellen zugegeben oder die Jurkat-Zellen
in 1 ml Fixierungsmittel resusperidiert. Die Zellen wurden 2 Minuten
lang in Fixierungsmittel gelassen. Für die Phoenix-Zellen wurde
das Fixierungsmittel abgeführt
und die Zellen dreimal mit PBS gewaschen (die ersten beiden Waschungen
erfolgten rasch; für
die dritte Waschung wurden PBS 3 Minuten lang auf den Zellen belassen).
Für die
Jurkat-Zellen wurde das Fixierungsmittel gequencht, indem 5–10 ml PBS/1%
FCS jedem konischen Röhrchen
zugesetzt und jedes Röhrchen
fünfmal
umgedreht und wie oben pelletiert wurde. 3 ml aktiver Einfärbungslösung wurden
in Schichten auf jede 60 mm-Platte Phoenix-Zellen aufgebracht, oder
es wurde jedes Zellpellet von 5 × 105 Jurkat-Zellen
in 1 ml aktiver Einfärbungslösung resuspendiert
und in einen Napf einer 24-Napf-Platte eingebracht. Alle Zellen
wurden bei 37°C
inkubiert. Die Zellen wurden 24 Stunden später unter einem Mikroskop beobachtet.
Der Wirkungsgrad der Transfektion der Phoenix-Zellen wurde als Prozentsatz blauer
Zellen in einem Feld geschätzt.
Der Wirkungsgrad der Transduktion der Jurkat-Zellen wurde durch
Zählen
blauer Zellen in einem Hämozytometer
geschätzt.
Die Transfektion mit 5 μg
lacZ-Vektor erzeugte 50% blaue Phoenix-Zellen. Die Transduktion
von Jurkat-Zellen mit dem resultierenden Virus lieferte 30% blaue
Jurkat-Zellen. Die Co-Transfektion von 1 μg lacZ-Virusvektor mit 5 μg Bibliotheksvektor
ergab 5–10%
blaue Phoenix-Zellen. Die Transduktion von Jurkat-Zellen mit dem
resultierenden Virus lieferte 3–10%
blaue Jurkat-Zellen.
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Selektion von
Jurkat-Zellen mit IgM-anti-Fas
-
Titer-IgM-anti-Fas: Eine frische
Charge CH-11 IgM-Antikörper
gegen Human-Fas (Kamiya Biomedical Company; Kat. Nr. MC-060) wurde
getestet, um den Wirkungsgrad der Induktion von Apoptose zu ermitteln.
5 × 105 Jurkat-EcoR-Zellen wurden 5 Minuten lang
mit 1500 U/min pelletiert und in 1 ml RPMI/2,5% FCS plus Reihenverdünnungen
von CH.11-Antikörper,
50 ng/ml, 10 ng/ml, 2,0 ng/ml und 0,5 ng/mil End konzentration resuspendiert.
Die Zellen in jeder Antikörperverdünnung wurden
48 Stunden lang bei 37°C
in einen Napf einer 24-Napf-Platte gelegt und danach 4 ml Acridinorange/Ethidiumbromid
(Sigma; jeweils 100 μg/ml
in PBS; Lagern im Dunkeln bei 4°C)
100 ml Zellen auf Eis zugeseazt. Die Zellen wurden unter einem 20fachen
Objektiv in einem Hämozytometer
mit Ralner Filterkombination, die sich für das Ablesen von Fluorescein
eignet, untersucht.
-
2. 100 Zellen aus jeder Probe wurden
gezählt
und die Anzahl der Zellen in den folgenden Gruppen aufgezeichnet:
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- 1. Lebende Zellen mit normalen Kernen (hellgrünes Chromatin
mit organisierter Struktur);
- 2. früh
apoptotische Zellen (EA; hellgrünes
Chromatin, das hochkondensiert oder fragmentiert ist);
- 3. spät
apoptotische Zellen (LA; hellorangefarbenes Chromatin, das hochkondensiert
oder fragmentiert ist);
- 4. nekrotische Zellen (N; hellorangefarbenes Chromatin mit organisierter
Struktur).
-
Der Prozentsatz apoptotischer Zellen
wurde als EA + LA/Gesamtzahl an gezählten Zellen × 100 errechnet.
Unter Verwendung von 10 ng/ml des CH11-Antikörpers wurde ein Wert von > 95% Apoptose von Jurkat-EcoR-Zellen
unter Beweis gestellt.
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IgM-anti-Fas-Selektion
von Bibliotheks-exprimierenden Jurkat-Zellen
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9,6 × 106 OL-2-Bibliotheks-transduzierte
Jurkat-Zellen wurden pelletiert und in 96 ml RPM/2,5% FCS + 10 ng/ml
CH-11-Anitikörper
resuspendiert. Die Zellen wurden in 1 ml-Aliquoten von 1 × 105 Zellen in jedem Napf von 4 24-Napf-Platten
verteilt. 4,8 × 106 lacZ-transduzierte Jurkat-Zellen und OL-1-transduzierte
Jurkat-Zellen wurden in ähnlicher
Weise behandelt und jeweils in den Näpfen von 2 24-Napf-Platten
verteilt. Die Platten wurden 5 Tage lang bei 37°C gehalten. Die Platten wurden
täglich
auf bakterielle oder Hefe-Kontamination überprüft. Die Zellen wurden aus jedem
kontaminierten Napf entfernt und 2 ml 10 N NaOH den leeren Näpfen zugesetzt,
um das Risiko der Kontaminationsausbreitung auf andere Näpfe zu reduzieren.
Es konnten wenige oder keine lebende Zellen nach 2–3 Tagen
unter dem Mikroskop beobachtet werden, was durch die rote Farbe
des Mediums bestätigt
wurde, das noch nicht von sämtlichen
Nährstoffen
abgereichert war. 5 Tage nach der ersten IgM-anti-Fas-Behandlung
wurde jedem Napf 1 ml RPMI/20% FCS zugesetzt. Die Zellen wurden
weitere 10–14
Tage bei 37°C
gehalten. Die Platten wurden häufig
wie oben auf Kontamination untersucht und behandelt. 10 Tage nach
der Zugabe von RPMI/20% FCS enthielt fast jeder Napf der OL-1-transduzierten Zellen
lebende Zellkolonien, was durch die orange Farbe des nährstoftabgereicherten
Mediums bestätigt
wurde., Das Medium in allen Näpfen
lacZ-transduzierter Zellen blieb rot, und es konnte in den Näpfen nur
wenig Zellwachstum beobachtet werden. Die ausgewählten Näpfe der OL-2-Bibliotheks-transduzierten
Zellen enthielten lebende Zellen und nährstoffabgereichertes Medium.
Während
der nächsten
2 Wochen wurden Zellen aus allen Näpfen entfernt, in denen erhebliches
Zellwachstum stattfand (beurteilt durch Beobachten der Zellen direkt
unter dem Mikroskop und Überwachen
der steigenden Nährstoffabreicherung
des Zellmediums). Die Zellen aus jedem Napf wurden im 5 ml frischem
RPMI/10% FCS resuspendiert und 2–3 Tage lang bei 37°C in eine
60 mm-Schale gelegt.
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RNA-Isolation
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RNA wurde aus jeder überlebenden
Napfpopulation von OL-2-Bibliotheks-transduzierten Jurkat-Zellen
(17 Näpfe)
sowie aus 5 überlebenden
Napfpopulationen von OL-1-transduzierten Zellen isoliert; dabei
wurde der mRNA Capture Kit gemäß den Anweisungen
der Herstellerfirma (Boehringer-Mannheim, Kat. Nr. 1 787 896) verwendet).
Zusammenfassend gesagt fanden die nachfolgenden Schritte statt:
5 × 105 Zellen aus jeder Schale wurden 5 Minuten
lang mit 1400 U/min in einem Eppendorf-Röhrchen
pelletiert, zweimal mit PBS gewaschen, in 200 ml Lysepuffer resuspendiert
und geschoren, indem sie sechs Mal durch eine Nr. 21-Nadel (befestigt
an einer 1 ml-Spritze) geschickt wurden. 4 ml 1 : 20-Verdünnung von
biotinyliertem Oligo/dt)20 wurden jeder Probe zugesetzt und 3 Minuten
lang bei 37°C
inkubiert: Das Gemisch wurde aus jedem Röhrchen entfernt. Jedes Röhrchen wurde
drei Mal mit 200 ml Waschpuffer gewaschen. Die Zellen wurden in
90% FCS/10% DMSO in 1 ml-Aliquoten von jeweils 1 × 106 Zellen
in flüssigem
Stickstoff gelagert.
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RT-PCR-Rettung
von Peptid-kodierenden Inserts aus ausgewählten Zellen
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Es erfolgte PCR unter Einsatz des
TitanTM RT-PCR-Systems (Boehringer Mannheim,
Kat. Nr. 1 855 476) unter Verwendung von 2 Primern: 5'pBL-Primer,
der die Sequenz 5'-GAT CCT CCC TTT ATC CAG-3' besitzt und komplementär zu den
Nucleotiden 1364–1381
aller pMSCVpc-basierten Vektoren und retroviraler mRNA ist (befindet
sich knapp stromauf vom klonierten Insert); und 3A-Primer, der die
Sequenz 5'-CTA CAG GTG GGG TCT TTT-3' besitzt und komplementär zu einer
Sequenz in allen pMSCVpc-basierten Vektoren und retrovialer mRNA
ist (befindet sich knapp stromab vom klonierten Insert).
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Reklonieren
geretteter Peptid-kodierender Inserts
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Jede PCR-gerettete Probe wurde mit
Phenolchloroform extrahiert, Ethanol-gefällt und in 25 ml 10 mM Tris,
pH 8,5, resuspendiert. 3 ml nicht-denaturierender DNA-Gel-Aufladungsfarbstoff
wurde 10 ml jeder Probe zugesetzt und auf einem 10% Acrylamid-Minigel
mit Oligonucleotid-Quantifizierungsstandards und einer 10-Basenpaar-Leiter laufen gelassen
(siehe oben). Jede Spalte enthielt eine prominente Bande mit dem
erwarteten Molekulargewicht von 216 Rasenpaaren und weniger auffällige Hintergrundbanden.
Die Molarität
jeder Probe wurde mittels NIH-Bildgebung (siehe oben) quantifiziert.
Jede Probe wurde BstXI-restriktionsverdaut, mit Phenol extrahiert,
mit Ethanol gefällt
und in 25 ml 10 mM Tris, pH 8,5, resuspendiert. Die gereinigten Proben
wurden auf 10% Acrylamidgele geladen und wie oben quantifiziert.
Alle Proben enthielten eine prominente Bande von 55 Basenpaaren,
das erwartete Molekulargewicht für
das restriktionsverdaute Insert sowie Banden von 100 Basenpaaren
und 51 Basenpaaren, die federn der Enden des geretteten DNA-Inserts
entsprachen, das durch das Restriktionsenzym entfernt wurde. Jedes
restriktiorisverdaute PCR-gerettete Insert wurde in einem Insert-Vektor-Molverhältnis von
4 : 1 mit 100 ng pMSCVpc-Vektor-DNA ligiert und wie oben gefällt und
elektrotransfoririert. Überlebende
Kolonien für
jede Transformation wurden mittels der 5'pBL- und 3A-Primer gescreent.
8–10 Insert
enthaltende Kolonien für
jede Transformation wurden über
Nacht kultiviert, die Kulturen gepoolt und eine Mini-DNA-Produktion
für jeden
Pool durchgeführt.
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Fas-selektierte Peptidklone: Alle
Peptide besaßen
die Sequenz: MET GLY LYS ARG LYS GLY XXX XXX XXX D/E XXX VAL GLY
PRO PRO. Nur die XXX XXX XXX D/E XXX Aminosäuren sind über jeder der nachstehenden
DNA-Sequenzen angeführt.
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Aus dem ersten Bibliotheks-Selektionsnapf:
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Individuelle
L1B3-Klone, Fas-selektiert:
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Aus dem zweiten Bibliotheks-Selektionsnapf:
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Individuelle
L2A5-Klone, Fas-selektiert:
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Beispiel 3
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Staurosporin-Selektion
von mit pBabe Puro-Peptidbibliothek transduzierten NIH 3T3-Zellen
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A. Bibliotheks-Konstruktion
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Die Konstruktion der pBabe Puro-Random-Peptidbibliothek
wurde bereits in dieser Anmeldung beschrieben. Das randomisierte
Peptid besitzt die Sequenz: MGXXXXXXXXXXGGPP. Die Diversität der Bibliothek
beträgt
2 × 108 DNA-Insert-Wert.
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B. Bibliotheks-Transfektion
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Die Transfektion erfolgte wie für die Fas-Selektion,
doch in 15 cm-Platten von 107 Phoenix-Zellen.
Die jeder Platte zugesetzt DNA-Lösung
bestand aus 50 μg
Bibliotheks-DNA, 5 μg
lacZ-Vektor, 4340 μl
ddH2O, 610 μl 2 M CaCl2 und
5000 μl
2 × HBS.
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C. Bibliotheks-Transduktion
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24 Stunden vor der Transduktion wurden
2 × 107 NIH 3T3-Zellen auf jede von 10 ,15 cm-Platten
in 25 ml DMEM, 10% Kalbsserum aufplattiert. 5 ml Bibliotheks-Virusüberstand
wurden jeder Platte zugesetzt (plus Polybren, wie oben). 24 Stunden
nach der Transduktion wurde das Medium durch frisches DMEM, 10%
BCS ausgetauscht. Die Zellen wurden mit X-Gal 48 Stunden nach der
Transduktion eingefärbt.
Der Wirkungsgrad der Einfärbung
betrug 40–50%.
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D. Staurosporin-Auswahl
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Staurosporin, ein Alkaloid aus Streptomyces
sp., ist ein hochwirksamer, für
ein breites Spektrum einsetzbarer Hemmstoff von Protein-Kinasen,
der die ATP-Stelle
bindet. Die Zugabe von 1 μM
Staurosporin in serumfreiem Medium zu NIH 3T3-Zellen führte innerhalb
von 24 Stunden zu > 99%
Apoptose (bestimmt duch Ethidiumbromid/Acridinorange-Doppeleinfärbung, wie
für die
Fas-Selektion beschrieben).
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2 × 106 Bibliotheks-transduzierte
NIH 3T3-Zellen wurden auf jede von 10 15 cm-Platten aufplattiert. Man
ließ die
Zellen 24 Stunden lang anhaften. Danach wurde Staurosporin 1 μM in serumfreiem
DMEM zugesetzt. LacZ-transduzierte NIH 3T3-Zellen in BCL-2-transduzierten
NIH 3T3-Zellen wurden als negativer bzw. positiver Vergleich herangezogen.
24 Stunden nach der Staurosporin-Behandlung wurde das Medium durch 25
ml frisches DMEM, 10% BCS ausgetauscht. Das Medium wurde alle 2
Tage 1 Woche lang ausgetauscht, bis die überlebenden Zellen gesund aussahen
(typische 3T3-Morphologie); danach wurde 1 μM Staurosprin in serumfreiem
Medium nochmals zugesetzt. Das Medium wurde wie oben durch DMEM,
10% BCS ausgetauscht. Die Stp- Behandlung
wurde für
insgesamt drei Behandlungen durchgeführt. Anschließend schien
die Anzahl überlebender
Bibliotheks-transduzierter Zellen gößer als die Anzahl an lacZ-transduzierten
Zellen (doch geringer als jene der BCL-2-transduzierten Zellen).
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E. Moloney-Transfer
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Nach der zweiten Staurosporin-Behandlung
wurden Aliquote überlebender
Zellen aus jeder Platte mit dem Überstand
des Moloney-Mäuse-Leukämievirus
der Wildform infiziert (erzeugt durch Transfizieren von Phoenix-Zellen
mit dem retroviralen Vektor pZap). Man ließ das Virus 1 Woche lang durch
die Kultur ausbreiten (mit erneutem Plattieren der Zellen alle 2–3 Tag).
Die Zellen wurden wie oben plattiert und mit Staurosporin behandelt,
bevor die RNA-Isolation und PCR-Rettung stattfand.
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F. RNA-Isolation
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Aliquoten von in jeder Platte überlebenden
Zellen wurden in 90% FCS, 10% DMSO resuspendiert und in flüssigem Stickstoff
gelagert. RNA wurde mit Trizol-Reagens (Gibco BRL, Kat. Nar. 15596-026)
hergestellt. Zusammengefasst gesagt wurde 1 ml Trizol-Reagens 10
cm2-Einzelschichten von Zellen zugesetzt
und 5 Minuten lang bei Raumtemperatur inkubiert. Zelllysate wurden
in konische 15 ml-Röhrchen
gefüllt.
(Es ist zu beachten, dass zu diesem Zeitpunkt ausschließlich mit
DEPC behandelte Lösungen
und Gläser
verwendet wurden.) 0,2 ml Chloroform wurde pro 1 ml verwendetem
Trizol-Reagens zugesetzt. Die Röhrchen
wurden 15 Sekunden lang geschüttelt,
3 Minuten lang bei Raumtemperatur inkubiert und 15 Minuten lang
bei 4°C
und 12.000 × g
zentrifugiert. Die RNA-enthaltende obere wässrige hase wurde entfernt
und 0,5 ml Isopropanol pro 1 ml Trizol (verwendet für die erste
Homogenisierung) zugesetzt. Proben wurden gemischt und 10 Minuten
lang bei Raumtempieratur inkubiert; anschließend erfolgte die gleiche Zentrifugation
wie oben. Der Überstand
wurde entfernt und das RNA-Pellet mit 75% Ethanol (1 ml/1 ml Trizol)
gewaschen. Die Probe wurde gewirbelt und 5 Minuten lang bei 4°C bei 7500 × g zentrifugiert.
Das RNA-Pellet wurde 10 Minuten lang in der Luft getrocknet und
in RNase-freiem Wasser mit 10-minütiger Inkubation bei 60°C resuspen diert,
um das Pellet aufzlösen.
Die RNA-Konzentration wurde durch Messen der Extinktion bei 260
nm bestimnmt.
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G. PCR-Rettung
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Die PCR-Rettung erfolgte wie für die Fas-Selektion
unter Verwendung der Primer 5'pBL und SV 40 down. Der zweite Primer
besaß die
Sequenz: 5' CTG ACA CAC ATT CCA CAG 3' und ist komplementär zu den
Positionen 1424– 1441
des retroviralen pBabe Puro-Vektors. Die PCR-Reaktionen wurden mit
Phenol-Chloroform extrahiert, mit Ethanol gefällt und mit BamHI und Sal 1
verdaut, bevor die Ligation mit retroviralem Vektor pWZL neo stattfand.
Aus der Abbildung ist ein 10% Acrylamidgel repräsentativer PCR-erzeugter Inserts
zu sehen.
Spur 1: 10 Basenpaar-Leiter
Spur 2: unverdautes
PCR-Insert aus Staurosporin-selektierter Zellpopulation
Spur
3: unverdautes PCR-Insert aus derselben Zellpopulation nach Moloney-Rettung und Staurosporin-Selektion
Spuren
4 und 5: gleich wie Spuren 2 und 3 nach Restriktionsverdau
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H. Sekundärer Screen
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pWZI neo-Vektoren mit geretteten
Inserts wurden in Phoenix-Zellen transfiziert und das resultierende Virus
zum Transduzieren von NIH 3T3-Zellen verwendet.
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Die Staurosporin-Selektion wurde
dreimal wie oben vor der RNA-Herstellung und der PCR-Rettung wiederholt.
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1. Sequenzen der ersten
9 Positiven:
-
Die Sequenzen der ersten 9 Positiven
sind wie folgt:
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-
-
-
-
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Beispiel 4
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Verwendung von NF-ĸB in FAT
in der Signalisierung
-
Der NF-ĸB-Komplex ist das klassische
entzündungsfördernde
zweite Messenger-System,
das bekanntermaßen
als positiver Regulator einiger entzündungsfördernder Prozesse und Cytokine
beteiligt ist. Dazu zählen
u. a. IL-1, IL-6, IL-8 und TNF-α.
Entzündungshemmende
Interleukine wie z. B. IL-4 können
zu direkter Herabmodulation von NF-ĸB in synovialen Fibroblasten
und gleichzeitiger Herabregulierung von IL-6-Produktion führen. Der NF-ĸB/IkB-Komplex
ist ein weit verbreitetes, transkriptionales, rasch reagierendes
Akutphasen-Aktivierungssystem. Es funktioniert in den meisten getesteten
Zolltypen, führt
aber je nach Zolltyp und der Art des initiierenden Stimulus zu unterschiedlichen
Ergebnissen. Aktivatoren von NF-ĸB sind u. a. LPS, TNF-α, IL-1, Auslöser von
T-Zellen-Aktivierung, Proteinsynthese-Hemmer, Phorbolester und a-IgM. Andere Auslöser sind
die Viren Adenovirus, HTLV I, Zytomegalievirus, Sendal und Herpes
simplex 1, Mittel, die Zollschädigung hervorrufen
wie etwa UV-Licht und Peroxide sowie Phosphatase-Hemmer wie etwa
Okadansäure.
Diese Auslöser
wir ken durch PKA- und PKC-abhängige
Pfade, doppelstrangige RNA-abhängige
Kinase und andere Pfade. Pharmakologische Regulatoren von NF-ĸB wie
etwa Salicylat und Glucocorticoide bewirken entweder eine Verhinderung
der IĸB-α-Abbaus oder
führen
zur Hochregulierung von IĸB-α-Transkription
und Steady-state-Werte, woduch die Aktivierung dieses kritischen
Faktors verhindert wird.
-
NF-ĸB (Nuclearfaktor, der sich
an die ĸ-Locus-B-Stelle
bindet) ist im Zytoplasma der meisten Zellen in inaktiver Form vorhanden,
die mit IĸB
komplexiert ist (Inhibitor von NF-ĸB). Bestimmte von den Zellen
empfangene Reize werden durch zelluläre Signalisierungmechanismen
verarbeitet und in die spezifische Phosphorylierung von IĸB und
seinen Abbau integriert. Die Regulierung von IĸB-a-Funktion erfolgt durch
ein Signal-Response-Element (SRE) im Aminoterminus des Moleküls. Die
Phosphorylierung von Serinresten 32 und 36 führt zur Erkennung des IĸB-a-Moleküls durch
die Ubiquitinations-Maschinerie, Freisetzung von NF-ĸB in den
Kern und Abbau von IĸB.
Daher wird je nach Phosphorylierungs/Abbau-Zustand von IĸB NF-ĸB entweder
im Zytoplasma aufrechterhalten oder in den Kern freigesetzt. Im
Kern bindet sich NF-ĸB
an ein Konsens-DNA-Motiv in der Nähe der regulatorischen Regionen
zahlreicher charakterisierter Gene und wirkt dort: als transkriptionaler
Regulator. Vom Standpunkt infektlöser Erkrankungen ist wichtig,
dass NF-ĸB
ein primärer
Aktivator des Human-Immunschwächevirus
(HIV) ist. Geeignete induzierte Gene sind z. B. TNF-α und IL-6.
-
Biochemisch ist NF-ĸB als
Heterodimer von zwei Polypeptiden, p50 und p65, mit einer korrespondierenden
Molekularmasse von 50 bzw. 65 kD definiert. P5O wird durch einen
noch nicht charakterisierten Mechanismus aus einem 105 kD-Vorläuferprotein
verarbeitet. P65 ist der Rezeptor für IĸB und ist jenes Molekül, durch
das IĸB
seine inhibitorische/regulierende Wirkung auf NF-ĸB ausübt. Es handelt
sich hier um prototypische Transkriptionsfaktoren, die eine große Familie
klassischer Rel/NF-ĸB-Faktoren definieren.
-
Das Klonieren der p50- und p65-Komponenten
von NF-ĸB
führte
zur Entdeckung einer Familie verwandter Faktoren (als Rel bezeichnet).
Sowohl p50 als auch p65 besitzt ein aus 300 Aminosäuren bestehendes
Motiv (Rel) an den Aminotermini, das ursprünglich im Proto-Onkogen c-rel
und dem Drosophila-Achse-bestimmenden Gen, Dorsal, beschrieben wurde.
Die Familie von Polypeptiden, aufgezeigt durch p50 und p65, besitzt überlappende
DNA-Bindungsspezifitäten,
unterschiedliche Gewebeverteilung und komplexe Regulationsphänomene.
P105(p50) ist repräsentativ
für die
Ankyrin-Motif-enthaltenden Rel-Proteine, die im Zytoplasma zu kleineren
Proteinen ohne den Carboxylterminus verarbeitet werden. Der Carboxylterminus
von p105 weist strukturelle und funktionelle Homologien mit IĸB auf
(besitzt ebenfalls Ankyrin-Motive) und funktioniert mit einer IĸB-ähnlichen
Aktivität
sowohl in cis als auch in trans. P65 ist repräsentativ für eine zweite Gruppe von Rel-Proteinen,
die divergierende Carboxyltermini besitzen – es wurde vorgeschlagen, dass
diese Regionen für
transkriptionale Aktivierungsdomänen
kodieren. Die 300 Aminosäuren
von Rel-Domänen
weisen wichtige Funktionen auf: (1) DNA-Bindung im ungefähren aminoterminalen
1/3 der Domäne,
(2) Dimerisation im Carboxylabschnitt der Domäne, (3) Wechselwirkung mit
Ankyrin-enthaltenden IĸB-ähnlichen
Proteinen und (4) Nuclearlokalisierendes Signal am Carboxylterminus
der Rel-Domäne.
In 50 enthält
die Rel-Domäne auch
eine transkriptionale Aktivierungsdomäne.
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NFAT, der Nuclearfaktor aktivierter
T-Zellen, ist der unmittelbare frühe akute Phasen-Responsefaktor für die T-Zellen-Aktivierung.
Die Hemmung von NFAT durch Cyclosporin A (CsA) führt zur Blockade der IL-2-Produktion
und zum Verlust des Aktivierungs-Engagements der T-Zellen. NFAT,
eine kritische Komponente entzündungsfördernder
Ereignisse, für
die T-Zellen verantwortlich zeichnen, ist auch der Faktor, der in
der Transplantation durch CsA blockiert wird. Nach Klonieren von
NFAT war es klar, dass er eine Region des Moleküls enthält, die an der DNA-Bindung
beteiligt ist und signifikante Homologie mit der Rel-Familie von
Proteinen aufweist. Auf der Basis von strukturellen Überlegungen,
Homologie-Vergleichen und ähnlichen
Wirkungsweisen sowie genomischer Strukturen der Moleküle erkennt
man ähnliche
Intron/Exon-Grenzen in NF-ĸB
und NFAT-Familien – ein
Indiz dafür,
dass NFAT durch lineare Abstammung tatsächlich der Rel-Familie von
Faktoren angehört
und dass seine Wechselwirkung mit entzündungsfördernden transkriptionalen
Regu latoren der bZIP-Familie allgemeinen Regeln folgt, die den NF-ĸB/bZIP-Wechselwirkungen
zugrunde liegen.
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Die Anmeldet zeigten, dass NFAT an
der entzündungsfördernden
Reaktion auf Mitogene in der Aktivierung von HIV-1 beteiligt ist
(S. Kinoshita und G. P. N., eingereicht) und dass die Bindung von
NFAT an Stellen, die die NF-ĸB-Stellen
von HIV-1 überlappen,
für diesen
Vorgang verantwortlich ist. Diese Arbeit folgt anderen Arbeitern
anderer Forscherteams, die aufzeigten, dass NFAT die TNF-α-Aktivierung
in der Wechselwirkng mit ATF-2/Jun und GM-CSF regulieren kann. Interessanterweise
scheint NFAT auch an der Regulierung der Mastzellen-Freisetzung
von IL-4, einem wichtigen Regulator entzündungsfördernder Cytokine wie etwa IL-1β, TNF-α und IL-6, beteiligt zu sein.
Die Aktivität
von NFAT in diesen Systemen wird, wie dies aufgezeigt wurde, pharmakologisch
durch CsA moduliert. NFAT wurde ursprünglich als T-Zellen-spezifischer
Faktor entdeckt, und es stellte sich später heraus, dass es für eine Reihe
unmittelbar früher
Akutphasen-Response-Aktivitäten
sowie für
die direkte Regulierung von IL-4 verantwortlich ist.
-
Daher stellen die erweiterten Rel-Familien
von NF-ĸB
und NFAT attraktive Ziele für
die Inhibition und Modulation entzündungsfördernder Wirkungen dar. Ihre
Beteiligung an zahlreichen regulatorischen Pfaden und ihre entscheidende
Rolle in diesen Prozessen, z. B. die spezifischen Wechselwirkungen
mit bZIP-Proteinen, machen sie zu interessanten spezifischen Zielen
für die
Hemmung.
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Reporter-Gene für die Detektion
von TNF-α und
IL-1-Promotor-Aktivität
-
Die Anmelden konstruierten ein auf
Retrovirus basiertes Luciferase-Reporter-Gen-System, das durch einen minimalen Promotor
und 2 Igk NF-1ĸB-Stellen
angetrieben wird. In den hierin präsentierten Konstrukten waren
die eingeführten
Deletionen umfangreicher als die zuvor veröffentlichten, da Vorversuche
zeigten, dass Enhancer-Restaktivität in allgemein
zur Verfügung
stehenden Deletionskonstrukten vorliegt (Nolan, Saksela und Baltimore,
nicht veröffentlicht).
Die konstruierten Vektoren waren pSinII-Iuc (umfassend ein Luciferase-Gen
in der retroviralen Sense-Orientierung zur Untersuchung der Promotor-Restaktivität im Konstrukt-Rückgrat),
pSinll-fosluc (identisch mit pSinll-Iuc, außer dass ein ein minimales
fos-Promotor-Element enthält,
um auf Enhancer-Restaktivität
in Konstrukt-Rückgrat
zu testen) und pSinll-2kBfosluc (aus pSiII-fosluc abgeleitet, wobei
2 Igk ĸB-Stellen
5' proximal zum minimalen fos- Promotor
als Reporter für
NF-ĸB-Aktivität kloniert
waren). Diese drei Vektoren dienten zum Infizieren von 1 × 106 70Z7/3-Zellen. 70Z/3 ist eine Mäuse-prä-B-Zelllinie,
die ursprünglich
in der anfänglichen
Charakterisierung von NF-ĸB
verwende wurde. Nach 48 Stunden wurden die infizierten Zellen in
zwei Fraktionen aufgeteilt (stimuliert mit LPS und unstimuliert).
6 Stunden später
wurden Zellextrakte gebildet und auf Luciferase-Aktivität getestet
(~104 Zellen repräsentierender Extrakt wurde
für jeden
Punkt verwendet). Die Ergebnisse zeigten, dass SiII-luc keine Induktion,
SinII-fosluc etwa eine einmalige Zunahme und SiII-2kBfosluc eine
vierfache Induktion der Luciferase-Aktivität bewirkte. Demzufolge können retroviral
basierte Reporterkonstrukte dazu verwendet werden, NF-ĸB-Aktivität in nativem Chromatin
sensitiv zu dokumentieren. Es ist nunmehr möglich, Reporter-Gen-Technologie
mit der retroviralen Zufuhr von Effektorpeptiden zu kombinieren.
Unstimulierte Zellen und stimulierte Vergleiche (uninfiziert und
SinII-luc) zeigten eine geringe oder überhaupt keine Aktivität. Vor allem
führte
die retrovirale Zufuhr zu keine signifikanten Hintergrundinduktioin
von NFĸB-Aktivität – ein Problem
bei anderen Transfektionsverfahren. Die SinII-luc- und pSinII-fosluc-Vergleiche
zeigen keine signifikante Promotor- oder Enhancer-Restaktivität im Konstrukt.
Es wurde auch kein signifikanter Readthrough aus endogenen genomischen
Loci oder endogener Enhancer-Aktivität festgestellt, der die Ablesungen
beeinträchtigen
könnte.
Diese Ergebnisse stimmen mit früheren
Forschungsarbeiten unter Verwendung von Gensuche-Retroviren mittels
lacZ und Durchflusszytometrie überein.
In diesen Studien wiesen weniger als 0,1% der Random-Integrationsereignisse
endogene cis-Regulierung der integrierten Konstrukte auf.
-
Diese Konstrukt-Designs werden als
Biasis für
die rasche Durchführung
und Auswertung von TNF-α- und
IL-1-Promotorstudien in T-Zellen, Makrophagen und Synovialzellen
verwendet. Die Anmelder werden anstelle von Luciferase entweder
lacZ oder GFP-cDNA für
FACS-basierten Test inkorporieren. Es werden bis zu 3–4 kB TNF-α oder IL-1-Promotorregion
anstelle des hier verwendeten Minimalpromotars positio niert werden. Diese
Konstrukte werden als stellvertretendes Maß endogener TNF-αund IL-1-Promotoraktivität verwendet und
für Suchen
nach Peptiden aus den Bibliotheken der Anmelder dienen, die NF-ĸB oder
NFAT sowie unbekannte Signalisierungspfade beeinflussen, die unabhängig von
NF-ĸB
oder NFAT sind, die für
TNF-α und IL-1-Signalisierung
große
Bedeutung haben.
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Die zu verwendenden B-Zelllinien
sind 70Z/3. Die zu verwendenden T-Zellen sind Human-Jurkat-Zellen.
Die zu verwendenden Makrophagen-Linien sind Raw 309 und die P388D1-Linie,
die auf PMA-Induktion von sekretiertem IL-1 hochempfindlich ist.
Die zu verwendenden Synovialzellen sind HIG-82, die mit IL-1 (zur Induktion
von Metalloproteasen) und mit TNF-α (zur Induktion von NF-ĸB) aktiviert
werden können.
Die IL-1-Induktion von Metalloproteasen wirkt durch NF-ĸB auf
Colagenase und andere Metalloproteasen dieser Gruppe. Somit zeigten
die Anmelder, dass β-gal,
fusioniert mit IĸB-α und über ein
Retrovirus Zellen zugeführt,
auf Stimuli reagiert, die IĸBα wie folgt
abbauen: (a) 70Z/3-prä-B-Zellen
wurden mit einem Retrovirus infiziert, das eine Fusion von β-gal entweder
mit IĸB-α der Wildform
oder einem inaktiven, dominanten, negativen IĸB-α exprimiert; der Wirkungsgrad
der Infektion betrug etwa 30%. Zellen wurden mit LPS über variierende
Zeiträume
stimuliert und dann mit FDG beladen, um die b-gal-Expression durch
FACS zu messen. (b) Zellen aus (a) wurden zwecks maximaler LPS-Indkution
von IĸB-α-Abbau induziert
und entweder mit Salicylat oder Vergleich behandelt. Salicylat blockierte
den Abbau der β-gal-IĸB-Fusion in gleichem
Ausmaß wie
das dominante negative IĸB-α.
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Direkte Detektion
von Steady-state-Werten von IĸB-α in lebenden
Zellen
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In einem ersten Verfahren wird die
NF-ĸB-Aktivierung
mittels des oben beschriebenen und neu entwickelten mobilen IĸB-α-Reportersystems
gemessen. Dabei wurde der N-Terminus von IĸB-α translational mit dem lacZ-Gen
fusioniert. In Säugetierzellen
kann die β-Galactosidase-Expression
unter Anwendung von FACS auf der Basis individueller Zellen gemessen
werden. Durch Binden von β-gal
an IĸB-α ist die
Stabilität
von β-gal funktionell
abhängig
von IĸB-α. Da Signale
in Zellen, die NF-ĸB
aktivieren, zum Abbau von IĸB
führen,
wurde β-gal ähnlich abgebaut;
wie oben wurden Zellen mit einem Retrovirus infiziert, das eine β-gal-IĸB-α-Fusion enthielt,
und mit Stimuli induziert, die zur Aktivierung von NF-ĸB führen. Man
kann sich des Zellsortierers bedienen, um Zellen zu unterscheiden,
die IĸB-α in Echtzeit
und nicht durch Aktivierung von Stellvertreter-Reporter-Genen abgebaut
haben. Es wurde aufgezeigt, dass diese Linien nach Behandlung mit
dem entzündungshemmenden
Mittel Salicylat (Aspirin), das erwiesenermaßen ein direkter Hemmer der
NF-ĸB-Aktivierung
ist, entsprechend reagieren. Die Anmeldet wendeten diese und ähnliche
Arbeitsvorschriften in B-Zellen an, um neuartige Mutanten von IĸB-α auszuwählen, und
definierten dadurch neue Regionen des IĸB-α-Moleküls, die auf Differentialsignale
reagieren (J. Caldwell und G. Nolan, unveröffentlicht).
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1 × 107 Zellen,
die den Reporter tragen, werden mit hoher Wirksamkeit mit den hierin
beschriebenen molekularen Bibliotheken infiziert. Zellen werden
mit LPS, TNF-α,
IL-1 oder PMA stimuliert
und dann dazu verwendet, mittels FACS jene Zellen zu selektieren,
die β-gal
NICHT abbauen. Nach dem Hinauswachsen aus den Zellen wird die Population
wie oben erneut stimuliert und wiederum sortiert. Die Zellen werden
sortiert, bis die Population betreffend den Mangel an Abbau-Phänotyp zu
100% vererbbar ist. Inserts werden gerettet, zu einem retroviralen
Konstrukt rekloniert und dann nochmals gescreent, bis ein traps-Phänotyp bestätigt werden kann.
Peptide werden wie oben sequenziert.
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Selektion von NFAT-Defizienz
mittels Zelltod-Induktion durch NFAT-abhängige Pfade
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Die Anmeldet entwickelten ein System
zur Selektion hinsichtlich der Blockade von NFAT-Signalisierung
in Zellen, die mit den vorliegenden retroviralen Bibliotheken verwendet
werden können.
Das System beruht auf der Erkenntnis von Serafini et al., die in
der Lage waren, eine Zelllinie zu schaffen, deren Tod von der Aktivierung
von NFAT abhing. Durch Aktivatoren von T-Zellen oder NFAT stimulierte
Zellen führen
zur Aktivierung von NFAT und zu seiner Translokation in den Kern.
Die Aktivierung bewirkt die Induktion des Diptheria-Toxin-A-Gens
solcherart, dass die Zellen raschen Zelltod erfahren. Dies wird
unter Verwendung von Propidiumiodid als Maß der Le bensfähigkeit
von Zellen unter Beweis gestellt. Somit überleben in einer großen Population jene
Zellen, die hinsichtlich NFAT-Aktivierung durch Peptide blockiert
sind, die das Signalisierungssystem beeinflussen. Serafini et al.
wählten
diese Vorgangsweise, um auf Mutanten in der T-Zellen-Signalisierung
zu screenen. Die Anmeldet verwenden dieses bewährte NFAT-dipA-System in den
vorliegenden Peptidselektionen.
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Wiederum werden die Zellen wie oben
mit geeigneten Peptid-Bibliotheken infiziert und auf Blockade der
NFAT-Signalizierung gescreent. Diese grundsätzliche Vorgangsweise kann – so sie
erfolgreich ist – in ähnlicher
Weise auf TNF-α oder
IL-1-Signalisierung
angewendet werden.
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Man kann erwarten, dass Signalisierungssysteme
bestehen, deren Zweck darin liegt, entweder entzündungsfördernde oder -hemmende Signalisierung
zu liefern. Wie oben erwähnt,
kann z. B. IL-4 die IL-6-Signalisierung in Zellen blockieren. Die
Induktion von Glucocorticoid-Expression führt zur Hinaufregulierung von IĸB und
blockiert dadurch die NF-ĸB-Aktivierung.
Die Aktivierung von Antioxidans-Pfaden ist, wie allgemein bekannt, ähnlich entzündungshemmend.
Salicylat blockiert NF-ĸB
durch Regulierung zellulärer
Oxygenase-Werte. Obwohl die oben beschriebenen Peptidsuchen möglicherweise
intrazellulär
auf Akteure solcher Pfade stoßen,
ist es wünschenswert,
nach Oberflächenmolekülen zu suchen,
die solche protektiven Kaskaden initiieren könnten.
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Die Peptid-Bibliotheken in Konstrukten
für sekretierte
Peptide und Tether-Peptide werden in T-Zellen-, Makrophagen- und
B-Zellen-Systemen verwendet, um auf Blockade ODER Aktivierung von
NF-ĸB-Induktion zu
screenen. Stimuli umfassen TNF-α und
IL-1 für
die Blockade. Die Aktivierung macht sich die FACS-basierten Systeme „umgekehrt"
zunutze, d. h. die Anmelder halten nach Peptiden Ausschau, deren
Expression zur konstitutiven Aktivierung von NF-ĸB-Reporterkonstrukt führt. In
diesem Fall kann das Reporterkonstrukt ein -TNF-α-Reporter sein, der lacZ oder
GFP antreibt. Das Konstrukt kann ebenso IL-1 sein, das lacZ oder
GFP antreibt. Für
endogene Loci kann man auf Zellen screenen, die VCAM-oder ICAM-1-Expression
nach IL-1-Signalisierung durch FACS induzieren (sind beides bekannte
entzündungsfördernde
Responder). Wiederum kann positive UND negative Selektion angewendet
werden. Fr Zellen, die Tether-Peptide exprimieren, ist die Selektion
wie für
die obigen intrazellulären
Peptide unkompliziert. Nach der Definition der Peptidsequenz ist
es notwendig, das Peptid ohne den Tether synthetisch zu synthetisieren
und zu bestimmen, ob das Peptid in Abwesenheit des Tether funktionieren
kann.
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Bei sekretierten Peptiden ist die
Vorgangsweise problematischer, da die Responderzelle den Phänotyp aufweisen
und das Peptid zur SEKRETIERENDEN Zelle rückverfolgt werden muss. Für diese
Vorgangsweise kann man jedes Reporter-Gen oder endogene Gen in den
Zielzellen als Readout verwenden. Die zu infizierenden und die Peptide
sekretierenden Zellen sind NIH 3T3. 1 × 107 3T3-Zellen
werden mit einer vollständig
repräsentativen
Bibliothek infiziert (siehe oben). Zellen können nach der Infektion Kolonien
von bis zu 10–20
Zellen bilden. Zu diesem Zeitpunkt wird das Medium entfernt und
eine dünne
Schicht von 0,25% Agar in Medium auf die Zellen gelegt. Sobald die
Zellen erhärtet
sind, wird eine dünne,
poröse
Membran aufgelegt, und auf diese Platte werden dann die Responderzellen
in hoher Dichte (ebenfalls in 0,3% Agar) aufgebracht. Die Platten
und Membranen werden mit Indigoschwarz markiert. Auf diese Weise
kann sekretiertes Produkt in die Responderzellen diffundieren. Für die Auswahl
entzündungsFÖRDERNDER
sekretierter Peptide werden nach 48 Stunden Responderzellen aus
der Platte auf der Membran gehoben und Membran/Zellen/Agar auf eine
entsprechend dimensionierte Nitrocellulose-Membran gelegt. Die Zellen
werden in situ durch Sarcosyl oder ein anderes zweckmäßiges Detergens
lysiert und dann auf der Membran auf eine salzreiche Lösung und Absaugung
unterhalb der Nitrocellulose aufgebracht. Auf diese Weise werden
zelluläre
Proteine aus der Agarmatrix gewaschen und binden sich an die Nitrocellulose.
Die Nitrocellulose kann dann wie ein „Western" für die Induktion
oder Blockade unterschiedlicher zellulärer Proteine behandelt werden.
In ersten Tests werden Reporter-Gene
verwendet, die Enzyme antreiben, z. B. β-gal oder alkalische Phosphatase,
um die Testsensitivität
sicherzustellen. Mit zunehmender Perfektion sollte es dann möglich sein,
direkte Messungen bestimmter endogener loci (z. B. TNF-α, NF-ĸB, p65
usw.) zu ermöglichen.
Sobald Zellbereiche auf der Membran notiert sind, können sie auf
durch Indigo-Markierung der Platten und Ausrichtung zu den Sekretionszellen
rückverfolgt werden.
NIH 3T3-Zell-„Patches",
die dem jeweiligen Bereichentsprechen, können ausgewählt, erweitert und erneut getestet
werden. Als positiver Vergleich werden TNF-α oder IL-1 exprimierende Viren
in ersten skalierten Mock-ups verwendet, um die Sensitivität der Suche
nach entzündungsfördernden
Peptiden zu kalibrieren.
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Ebenso kann man nach der Blockade
entzündungsfördernder
Signalisierung suchen. In diesem. Fall wird 24–36 Stunden nach dem Plattieren
der Responderzellen ein entzündungsförderndes
Cytokin wie z. B. IL-1 oder TNF-α den
Agarschichten in einer Flüssigkeit
zugesetzt (liegt Agar/Responderzellen auf). Die Platte besteht nun
(von unten nach oben) aus Folgendem: Sekretorzellen/Membran/Responderzellen/
Flüssigkeitsdeckschicht.
Der entzündungsfördernde
Auslöser
diffundiert rasch in die Schicht aus Responderzellen. Jene Zellen,
die vor entzündungsfördernden
Ereignissen durch lokalisierte Gegenwart eines entzündungshemmenden
sekretierten Peptids „geschützt" waren,
reagieren nicht auf die Stimuli. Wie oben, können sie vor dem Hintergrund
von Respondern durch einen Nitrocellulose-Test auf enzymatische
Aktivität
detektiert werden. Dieser Test sucht nach Löchern" vor dem positiven Hintergrund
auf der Nitrocellulose und kann dazu dienen, auf Inhibitoren entzündungsfördernder
Ereignisse zu screenen. Als positiver Vergleich werden IL-4 exprimierende Viren
in ersten Mock-ups verwendet, um die Sensitivität der Suche nach entzundungshemmenden
Peptiden zu kalibrieren.