DE66919C - Verfahren zur Herstellung von Tafelglas - Google Patents
Verfahren zur Herstellung von TafelglasInfo
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Classifications
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- C—CHEMISTRY; METALLURGY
- C03—GLASS; MINERAL OR SLAG WOOL
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- C03B13/00—Rolling molten glass, i.e. where the molten glass is shaped by rolling
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
Um die Herstellung von Tafelglas zu vereinfachen und zu verbilligen, ist von verschiedener
Seite vorgeschlagen, den Betrieb ununterbrochen vor sich gehen zu lassen. Man
ging, dabei von der Ansicht aus, es könne die Aufgabe durch Verwendung von verhältnifsmäfsig
grofsen Schmelzgefä'fsen gelöst werden, aus denen an der tiefsten Stelle das geschmolzene
Glas abgezogen, während entsprechend von oben neues Material nachgeworfen
werden sollte. Es stellte sich jedoch bald heraus, dafs die Abzugsöffnung sich sehr
schnell vergröfserte und dafs man keine Mittel besafs, um dieses Gröfserwerden zu verhindern.
Der Thon selbst schmolz durch die innige Berührung mit dem ausfliefsenden Glas und
, vermischte sich mit diesem, so dafs nach jedem Gufs das rechtzeitige Schliefsen der Abzugsöffnung immer schwieriger wurde. Es blieb
daher nichts anderes übrig, als die Entnahme des flüssigen Glases von oben, und zwar durch
Kippen des Schmelzgefäfses oder mittelst Heber vorzunehmen.
Die Schwierigkeiten, welche sich einem solchen Verfahren entgegenstellten, bedürfen
wohl keiner Erläuterung.
Nach der vorliegenden Erfindung wird das Glas in einer Anzahl geeigneter Schmelztiegel
geschmolzen, welche in einem gemeinsamen Ofen geheizt werden. Durch Kippen der einzelnen
Tiegel wird der Gufs ausgeführt, ohne dafs die Tiegel aus dem Ofen entfernt werden.
Der hierzu , erforderliche Ofen hat einen Zwischenboden, auf welchem die Tiegel in
Reihen angeordnet sind. Eine Oeffnung in dem Zwischenboden gestattet das Durchgiefsen
des Glases auf einen unten befindlichen Gufstisch. Die Oeffnung kann verschliefsbar sein
und steht in diesem Falle nur1 während des Giefsens offen, ohne den Gesammtbetrieb zu
stören. Durch geeignete Vorkehrungen kann das Kippen der einzelnen Tiegel im Innern
des Ofens von aufsen bewerkstelligt werden, während das Nachfüllen derselben durch Thüren
in der Wandung des Ofens geschehen kann.
Fig. ι zeigt einen Längsschnitt und Fig. 2 einen Querschnitt eines derartigen Ofens.
Die Fig. 3 ist eine schaubildliche Darstellung des fahrbaren Gufsrisches in einer Stellung, in
welcher er mit seinem vorderen Theil in den Ofen hineinragt.
Die Fig. 4 zeigt einen ■ einzelnen Schmelztiegel und Fig. 5 den Verschlufs der Oeffnung
im Ofenboden.
Im Innern des Heizraumes A stehen die Schmelztiegel -B von angemessener Gröfse in
zwei Reihen längs den Seitenwänden des Ofens, und zwar derart, dafs die im Boden R
befindliche Oeffnung E zwischen beiden Reihen liegt. Oberhalb der Tiegel sind die Seitenwände
mit Oeffnungen C versehen, durch welche die Tiegel angefüllt und gekippt werden
können. Diese Oeffnungen werden durch geeignete Klappen oder Verschlüsse D geschlossen,
wie sie für derartige Zwecke üblich sind.
Die Oeffnung E läuft längs der Mitte des Bodens -R. Die Ausgüsse der Tiegel stehen
dieser Oeffnung zugekehrt, so dafs nur ein
einfaches Kippen derselben in der aus Fig. 2 ersichtlichen Weise genügt, um den Inhalt der
Tiegel durch die Oeffnung E zu giefsen. Diese Oeffnung kann man durch gewöhnliche feuerfeste
Ziegel oder Klötze F, welche von aufsen mittelst geeigneter Stangen gehandhabt werden,
abdecken. Man kann aber auch die Oeffnung E beispielsweise mit Thüren oder
Klappen G, Fig. 5, ausrüsten.
Der Zwischenboden R ist aus feuerfesten Ziegeln oder ebensolchem Thon hergestellt.
Nach der Oeffnung E hin ist derselbe auf beiden Seiten etwas abgeschrägt, wie aus den
Fig. 2 und 5 zu ersehen ist. Dieses hat einestheils den Zweck, vorbeigegossenes Glas nach
der Oeffnung zu leiten, anderentheils aber auch den Tiegeln den erforderlichen Raum zu
geben.
Wie in den Fig. 1, 2 und 5 dargestellt ist, ist der Boden R mit einer Tragplatte α aus
Eisen oder anderem geeigneten Material ausgerüstet, welche vorzugsweise die in Fig. 5 gezeigte
Form haben kann und dem Boden eine obere und untere Neigung nach der Oeffnung E
hin verleiht.
Die Gegengewichte Gl können je nach Bedarf
leichter oder schwerer gewählt sein. In vielen Fällen erscheint es rathsam, dieselben
sogar so schwer herzustellen, dafs sie die Thüren auch dann noch geschlossen halten,
wenn diese durch Schmelzgut beschwert werden, was z. B. infolge eines Tiegelbruches eintreten
kann.
Zum Oeffnen der Klappen kann man sich der Ketten H bedienen, welche über Führungsrollen
b nach vorn oder einer anderen geeigneten Stelle geleitet werden, wo sie mit
Handgriffen versehen oder mit Hebeln verbunden sind, mittelst derer der Aufseher die
Thüren handhaben kann.
Die in Fig. 5 dargestellten Thüren bestehen aus Eisen mit Ausfütterung aus feuerfestem
Thon, um der im Heizraum A herrschenden Hitze wirksamen Widerstand zu leisten.
An Stelle der Doppelthür G kann auch eine einflügelige verwendet werden. Es ist jedoch
eine Doppelthür schon aus dem Grunde vorzuziehen, weil es äufserst wünschenswerth ist,
den Gufstisch / möglichst nahe an den Zwischenboden R heranzubringen.
Für den ununterbrochenen Betrieb ist es rathsam, ebenso viel Thüren, seien dieses einfache
oder doppelte, anzuordnen, als Tiegelpaare vorhanden sind (Fig. 1), so dafs immer
,nur der Theil der Oeffnung E geöffnet zu werden braucht, welcher vor dem zu entleerenden
Tiegel sich befindet, während im übrigen die Oeffnung geschlossen bleibt. Hierdurch
wird jede unnöthige Abkühlung vermieden und der Gesammtbetrieb während des
Gusses nicht gestört.
Der Zwischenboden R ruht auf Unterzügen, diese wieder auf Säulen, wodurch unterhalb
des Bodens ein freier Raum entsteht, in welchen der Gufstisch eingeführt werden kann,
und zwar möglichst nahe dem Zwischenboden R.
Der Gufstisch / steht auf Rädern, die auf Schienen laufen, und kann mit Leichtigkeit in
den unteren Raum des Ofens ein- und ausgefahren werden (Fig. 1, 2 und 3).
Oberhalb des Tisches ist die Walze J angeordnet, welche das Glas bis zur erforderlichen
Dicke auszuwalzen gestattet. Seitenränder des Tisches und Führungsschienen, auf welchen die Walze läuft und welche die Dicke
der Glastafel bestimmen, sind in bekannter Weise ausgeführt.
An dem nach aufsen zugekehrten Ende des Tisches sind seitliche Erhöhungen c angebracht,
welche die Walze J nach beendeter Arbeit hochführen und der gewalzten Tafel
genügend Raum gewähren, unterhalb der Walze herausgezogen zu werden, von wo
sie entweder direct nach einem gegenüberstehenden Ausglühofen gelangt oder zunächst
auf den Wagen K, Fig. 3, gezogen wird, um mit dessen Hülfe nach dem Ausglühofen befördert
zu werden.
Am äufseren Ende des Tisches / ist eine Welle L quer über dem Tisch in geeigneter
Weise gelagert. Dieselbe ist mit Handkurbeln und Kettenrädern d versehen (Fig. 1 und 3).
Am entgegengesetzten Ende ist ebenfalls eine Welle M quer über dem Tisch gelagert,
welche ebenfalls Kettenräder e trägt. Die über die Räder d und e gezogenen Ketten N tragen
die Walzenlager f, so dafs durch Drehen der Welle L die Walze J hin- und hergezogen
wird. Mit den Walzenlagern f steht je eine Schutzwange ο in Verbindung, welche mit
ihrer unteren Kante auf dem Gufstisch / entlang fährt und das geschmolzene Glas verhindert,
über die Seitenränder des Tisches zu fiiefsen.
Durch diese Anordnung ist gegenüber den bisher bekannten der Vortheil erreicht, dafs
die Walze vor- und rückwärts gezogen werden kann, ohne dafs es erforderlich ist, den Gufstisch
selbst herauszuziehen oder anderweitige Hülfsmittel aufser dem gewöhnlichen Kettenbetrieb
zu benutzen.
Anstatt zwei Reihen Tiegel kann man auch deren eine oder mehrere anwenden. Die beschriebene
zweireihige Anordnung ist jedoch die vortheilhafteste sowohl in Bezug auf Raumersparnifs, als auch bequeme und einfache
Bedienung.
Als Heizung des Ofens ist auf der Zeichnung die Siemens'sehe Regeneratorfeuerung
Claims (1)
- jedoch kann auch jede andere Heizvorrrichtung angewendet werden. Die dargestellte erscheint jedoch wegen der überaus grofsen Heizkraft, der Sauberkeit infolge des Fortfalls von Rauch- und Schwefeldämpfen, sowie wegen der niedrigen Kosten die zweckmäfsigste zu sein.Auch die Tiegel können die sonst übliche Form haben, jedoch eignet die in den Fig. 2, 4 und 5 gezeichnete sich ganz besonders für den vorliegenden Zweck. Durch die leichte Abrundung des Bodens und den oberen Ausschnitt zur Bildung eines Ausgusses kann der Tiegel mit Leichtigkeit gekippt und entleert werden.Der Boden hat eine gerade Fläche r, welche nur so grofs ist, dafs der Tiegel mit Sicherheit aufrecht stehen kann.Diese aufrechte Lage der Tiegel wird noch wesentlich dadurch gesichert, dafs infolge ungeschickter Handhabung flüssige Glastheile stets auf dem Boden vorhanden sein werden.Aus diesen und anderen Gründen braucht man sich auf eine bestimmte Tiegelform nicht zu beschränken, jedoch mufs in der Wahl derselben darauf Acht gegeben werden, dafs der Tiegel sich leicht kippen und den Inhalt schnell ausfliefsen läfst. Infolge zu langsamen Giefsens legt sich der Gufs in Falten über einander und schliefst Luftblasen in sich ein.Das vorliegende Verfahren hat den grofsen Vortheil, dafs während ' des Giefsens ein Temperaturwechsel nicht stattfindet. Denn da die Tiegel selbst hierbei im Ofen bleiben und das Glas fast unmittelbar auf den Gufstisch fliefst, indem es nur eine Oeffhung im Boden passirt, der auf dieselbe Temperatur wie die Schmelztiegel gebracht ist, so kann ein Abschrecken des Glases nicht eintreten. Der Gufs wird infolge dessen ein äufserst gleichmäfsiger und kann mit gröfserer Sicherheit und Leichtigkeit ausgeführt werden, als dies bisher der Fall war. Auch wird die Haltbarkeit der Schmelztiegel durch die Gleichmäfsigkeit der Temperatur bedeutend erhöht.Die einzelnen Tiegel können mit verschiedenfarbigem Schmelzgut gefüllt werden, so dafs man Glastafeln von mehreren Farben oder Farbengemischen zu giefsen im Stande ist. Je nach Wunsch können die Tiegel geschlossen werden oder offen stehen.Wenn es wünschenswerth erscheint, die Glastafel nach beiden Richtungen hin bezw. mehrere Male zu walzen, so können die in der Zeichnung dargestellten Schutzwangen 0 auch nach beiden Seiten sich erstrecken. Auch können die gegenüberstehenden Schutzwangen, wie dieses auch sonst üblich ist, durch einen Querstab verbunden und auf dem Tisch lose vor der Walze her verschoben werden.Durch das neue Verfahren werden die Kosten in der Herstellung von Tafelglas gegenüber der bisher bekannten Herstellungsweise bedeutend vermindert.Patent-Ansρruch:Ein Verfahren der Herstellung von Tafelglas, dadurch gekennzeichnet, dafs das Schmelzgut innerhalb eines Ofens in Schmelztiegeln geschmolzen, das flüssige Glas durch Kippen der Tiegel, ohne sie aus dem Ofen zu entfernen , unmittelbar auf den unter dem Ofen stehenden Gufstisch gegossen wird und das Glas auf die erforderliche Dicke ausgewalzt oder ausgebreitet wird.Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
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| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE66919T | 1891-11-24 |
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| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE66919C true DE66919C (de) | 1893-02-06 |
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| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE189166919D Expired DE66919C (de) | 1891-11-24 | 1891-11-24 | Verfahren zur Herstellung von Tafelglas |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE66919C (de) |
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1891
- 1891-11-24 DE DE189166919D patent/DE66919C/de not_active Expired
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