DE648232C - Verfahren zur Herstellung von Schleifscheiben - Google Patents
Verfahren zur Herstellung von SchleifscheibenInfo
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Description
Die Erfindung löst die Aufgabe, Schleifscheiben aus zwei konzentrischen Zonen, in
denen das Schleifmittel auf irgendeine Weise gebunden ist, so herzustellen, daß sie ohne
Bruchgefahr mit hoher Geschwindigkeit umlaufen und unter hohen Temperaturen verwendet
werden können.
Zur Lösung dieser Aufgabe wird dafür gesorgt, daß die beiden Zonen im wesentlichen
to gleiche Elastizitätsmodule, Wärmeausdehnungskoeffizienten und Schwindungen haben
und der Werkstoff der inneren Zone eine größere Zugfestigkeit aufweist.
Die nahe Übereinstimmung der Elastizitätsmodule, Wärmeausdehnungskoeffizienten
und Schwindungen wird erreicht durch Benutzung gleichartiger Bindemittel in beiden
Zonen.
Die größere Zugfestigkeit in der inneren Zone ergibt sich durch Anwendung feineren
Schleifkornes, einer größeren Menge Bindemittel oder eines leichter verglasenden Bindemittels
oder durch gemeinsame Anwendung dieser drei Maßnahihen, von denen die zwei
ersten zu einem dichten Gefüge und damit zu einer größeren Festigkeit in der inneren Zone
führen, während die dritte durch stärkeres Verglasen ein festeres Binden des Korns mit
sich bringt.
Natürlich muß die Beschaffenheit der äußeren Zone, die die Schleifarbeit zu leisten
hat, in bezug auf Art und Größe des Kornes, Art und Menge des Bindemittels und in bezug
auf andere veränderliche Umstände der jeweiligen schleiftechnischen Aufgabe entsprechen,
so daß die Beschaffenheit der inneren Zone nach derjenigen der äußeren Zone abgestimmt
werden muß.
Bei der Herstellung von keramisch durch ein verglasendes Bindemittel gebundenen
Scheiben kann die Verwendung desselben Bindemittels und derselben Schleifkornart
erwünscht sein, um die Bildung eines einheitlichen Körpers zu begünstigen. - Je nach
den besonderen Erfordernissen oder Wünsehen können aber in den beiden Zonen auch
völlig verschiedene Werkstoffe verwendet werden, sofern nur im übrigen die zum ver-
folgten Ziele führenden Bedingungen eingehalten werden.
Die Festigkeit des Scheibengefüges hängt
bekanntlich von der Korngröße sowie von der}; Menge und Art des verwendeten Bindemittels
und Kornes ab. Bei Abnahme der Korngröße wächst die Festigkeit innerhalb gewisser
Grenzen, wenn das Gefüge der Scheibe dasselbe bleibt. Hat jedoch die Korngröße bis
ίο zu einem bestimmten Punkt abgenommen, so
erhält man das Höchstmaß an Festigkeit je Raumeinheit. Dieser Höchstfestigkeit eines
keramisch gebundenen Gegenstandes nähert man sich, wenn die Körnung einem Sieb mit
1600 Maschen auf den cm2 oder einem etwas feineren Sieb entspricht. Somit kann die
innere Zone dadurch verstärkt werden, daß man in ihr eine feinere Körnung als in der
äußeren Zone, vorzugsweise die oben angege-
zo bene Körnung, verwendet. Grobe Körner können
den feinen Körnern beigemengt werden, aber ein erheblicher Teil der Körner muß fein
sein. Es ist auch möglich, die Festigkeit der inneren Zone durch Verwendung von mehr
Bindemittel oder eines Bindemittels von größerer innerer Festigkeit zu vergrößern, sofern
es sich mit dem Werkstoff der äußeren Zone zu einem einzigen Körper verbindet. Das
Scheibengefüge kann daher verstärkt werden durch:
1. Benutzung einer feineren Körnung in der inneren Zone als in der Schleifzone, vorzugsweise
unter Aufrechterhaltung desselben räumlichen Gehaltes an Schleifmittel in den beiden Zonen.
2. Verwendung derselben Körnung und desselben räumlichen Gehaltes an Bindemittel
in den beiden Zonen, aber bei einer größeren Menge oder einem größeren räumlichen Gehalt
an Korn in der inneren Zone als in der Schleifzone. Selbstverständlich erfordert dabei
die Verdichtung auf denselben Endraum einen etwas höheren Druck.
3. Verwendung eines größeren räumlichen Gehalts an Bindemittel in der inneren als in
der äußeren Zone.
4. Verwendung eines Bindemittels von höherer innerer Festigkeit in der inneren als
in der äußeren Zone.
5. Vereinigung der eben angebenen Maßnahmen.
Vorzugsweise gibt man der inneren Ringzone eine radiale Dicke, die ein Drittel der
radialen Dicke des Scheibenkörpers beträgt, so daß die innere Zone den größten Teil der
beim Schleifen auftretenden auseinanderreißenden Kräfte aufnimmt. Diese innere Zone kann je nach den besonderen Eigenschaften
der jeweiligen Schleifscheibe im Verhältnis zu der äußeren Zone größer oder kleiner gemacht werden, doch soll sie gewöhnlich
nicht mehr als die Hälfte der radialen Dicke der Scheibe ausmachen. ,
'!"'■ Die Körper der beiden Zonen sollen bei
ejner idealen Scheibe annähernd gleiche Werte für jede der folgenden Eigenschaften
haben, wie weiter unten dargelegt:
1. Schwindung durch Trocknen und Verfestigen des Bindemittels bei der Herstellung
der Scheibe.
2. Wärmedehnungskoeffizient des Körpers bei der Herstellung und im Gebrauch.
3. Elastizitätsmodul bei der Herstellung und im Gebrauch der Scheibe.
Wenn die Eigenschaften 1 und 2 nicht nahe genug übereinstimmen, so unterliegt die
eine Zone einer Beanspruchung, die im Sinne der Bildung eines Risses zwischen den beiden
Zonen wirkt. Zu der dritten Eigenschaft ist zu bemerken, daß eine an der Verbindungsstelle
auftretende Formänderung durch Fliehkraftwirkung oder verschieden starke Erwärmung
eine Formänderung beider Zonen an der Verbindungsstelle mit sich bringt. Ist
der Elastizitätsmodul der inneren Zone viel größer als der der äußeren Zone, so gibt die
Masse der äußeren ^Zone, da sie weniger starr ist, mehr nach, als ihrem Anteil an der
Gesamtformänderung entspricht, und neigt dazu, ihre Bruchgrenze zu früh zu erreichen,
was dazu führen würde, daß die Scheibe vorzeitig zu Bruch gehen würde.
Es ist wünschenswert, daß die dem Trocknen und Brennen entsprechenden Schwindungen
der beiden Teile gleich oder so abgestimmt sind, daß die Teile sowohl während
der Herstellung als während der Benutzung der Scheibe im richtigen Verhältnis zueinander
bleiben. Eine ideale zusammengesetzte Schleifscheibe ist eine solche, bei der die »oo
durch Trocknen und Brennen bedingten Schwindungen der äußeren und inneren Zone
dieselben sind. Ein gewisser Unterschied im Schwindmaß ist zulässig, wenn die Festigkeit
der beiden Massen groß genug ist, um einen Bruch zu verhüten, obwohl ein Spannungszustand
entsteht.
Bei der Herstellung verglaster Schleifscheiben, bei denen die verglasbare keramische
Masse bis zur Verflüssigung gebrannt no und dann verfestigt wird, müssen sich die
beiden Massezonen während des Kühlens des Bindemittels nach seiner Erhärtung im wesentlichen in demselben Maße zusammenziehen.
Dieselben Erwägungen treffen selbstverständlich auf jede Erwärmung der Scheibe während ihrer Lagerung oder beim Gebrauch
zu. Zwar sind die idealen Bedingungen nicht immer praktisch erfüllbar; indessen genügt
es, wenn die Ausdehnungskoeffizienten der iao
beiden Zonen innerhalb der Elastizitätsgrenzen der Massen so nahe beieinanderliegen,
daß die Scheiben während der Herstellung oder Benutzung nicht brechen und in keiner
der Zonen Spannungen entstehen, die jemals zum Bruch der Scheibe führen können.
Die ideale Verbundschleifscheibe ist eine solche, bei der die Gefüge der beiden Zonen
so beschaffen sind» daß ihre Elastizitäten
ίο module im wesentlichen gleich sind oder so
nahe beisammenliegen, wie es die anderen Umstände gestatten. Es zeigt sich jedoch,
daß der Elastizitätsmodul jeder Zone der verglasten Scheibe bis zu 2,6mal so groß wie
der der anderen Zone sein kann; aber es ist vorzuziehen, daß der Elastizitätsmodul in der
äußeren Zone größer ist, wenn Gleichheit nicht erreicht werden kann.
Die Elastizitätsgrenze der inneren Zone soll größer als die der äußeren Zone sein, um
der Bruchbeanspruchung durch Erhitzung zu widerstehen. Mit anderen Worten, wenn die -
. beiden Zonen gleiche Elastizitätsmodule haben, hat die innere Zone die größere Festigkeit
und- die höhere Elastizitätsgrenze.
Keramische Massen jeder gewünschten Zusammensetzung oder von Normalzusammensetzung
können verwendet werden, um ein verglastes Bindemittel zu bilden, und als Schleifmittel können Siliciumcarbid, kristalline
Tonerde oder jedes andere geeignete Schleifmittel Verwendung finden. Ein solches
keramisches Gemisch mit den Schleifkörnern j
von verlangter Größe und in Mengen, die so vorausberechnet sind, daß man in der äußeren
Schleifzone ein gewünschtes Gefüge (räumliches Verhältnis von Bindemittel, Korn und Poren) erhält, wird innig mit einer
kleinen Menge eines bildsam machenden Mittels, z. B. Wasser, vermengt, und diese leicht
angefeuchtete Masse ist sodann zum Formen in der Presse bereit. In ähnlicher Weise berechnet man das Gefüge der inneren Zone
voraus und bemißt die Körnermasse und das Bindemittel dafür in Übereinstimmung mit
diesen Berechnungen. In dieser inneren Zone kann man entweder dasselbe Schleifmittel
wie in der äußeren Zone oder einen anderen geeigneten körnigen Stoff verwenden.
Als Beispiel sei angenommen, daß ein besonderer Schleif Vorgang eine Schleifscheibe
von 60 cm Durchmesser, 5 cm Dicke und 5 cm Bohrung verlangt. Die Körnung in* der
Schleifzone möge einem Sieb mit 64Maschen je cm2 entsprechen. Die Scheibe kann als
Schleifmittel entweder Siliciumcarbid oder kristalline Tonerde enthalten und durch geeignete
Stoffe gebunden sein. Im vorliegenden Falle wird ein Tonerdekristallschleifmittel
und ein keramisches Bindemittel gewählt.
Ein geeignetes Bindemittel kann die folgende Zusammensetzung haben:
SiO2 55,0
Al2O3 11,4
Fe2O3 4.3
MgO 2,8
- CaO 5.9
Na2O 6,0
K2O 2,6
TiO2 0,7
B2O3
11,3
100,0.
Zur Erzielung eines gewünschten Härtegrades können 75 g des rohen keramischen
Bindemittelgemisches auf 455 g kristallines Tonerdeschleifmittel verwendet werden in Verbindung
mit genügend Wasser, um die Masse formbar zu machen. Die Mengen von Schleifmittel und Bindemittel werden in ein
solches Verhältnis gebracht, daß die sich ergebende Schleifscheibe in der äußeren Zone
54 Raumprozent Schleifmittel hat. Ist dieses Gemisch von Bindemittel und Körnern im
keramischen Ofen bei einer geeigneten Brenntemperatur verglast worden, so hat das verglaste
Gefüge der äußeren Zone ungefähr folgende Eigenschaften:
Elastizitätsmodul = 0,66 · ioc kg/cm2,
Zugfestigkeit = 134 kg/cm2,
Schwindung (räumlich) = 0,9 °/o,
Ausdehnungskoeffizient = 67 · 10—7.
Zugfestigkeit = 134 kg/cm2,
Schwindung (räumlich) = 0,9 °/o,
Ausdehnungskoeffizient = 67 · 10—7.
Die mittlere Zone ist vorzugsweise so zusammengesetzt, daß sie dieselben Werte für
den Elastizitätsmodul, die Schwindung und den Ausdehnungskoeffizienten, aber eine größere
Festigkeit hat, so daß man in der inneren Zone eine höhere Elastizitätsgrenze erhält,
wodurch die Scheibe verstärkt wird. Der Elastizitätsmodul der inneren Zone kannso
verändert werden, daß er kleiner als der der äußeren Zone ist. Damit aber die beiden
Zonen sich ohne Spannung einheitlich verbinden, ist es erwünscht, daß äie denselben
Ausdehnungskoeffizienten und dieselbe Schwindung haben. Zu diesem Zweck kann das Schleifmittel für die innere Zone in der
einem Sieb mit 144 Maschen je cm2 entsprechenden Körnung genommen werden. Das
Gefüge kann ein solches mit 52 Raumprozent Schleifmittel sein, und 92 g desselben
Bindemittels, 'das in der äußeren Zone ver- ui
wendet worden ist, können auf 455 g Schleifmittel genommen werden. Diese Zusammensetzung
hat nach dem Brennen eine Zugfestigkeit von 202 &g/cm2, im Gegensatz zu
134 kg/cm2 in der äußeren Tont., so daß also
die innere Zone viel stärker als die äußere Zone ist. Soll die innere Zone einen Durch-
. messer von 30 cm haben oder radial halbwegs
Zonenmaße
Raummenge des rohen Gemisches ϊ
Gewicht des rohen Gemisches
Nachdem die Scheibengemische in der oben angegebenen Weise geformt sind und die
Masse in einem keramischen Ofen ungefähr bei Seger-Kegel 13 verglast ist, erhält man eine
einheitliche Schleifscheibe, die weit stärker als eine nur aus der Masse der äußeren Zone
nach außen reichen, so ergeben sich für die Mengen der Gemische nach Raum und Gewicht
folgende Verhältnisse:
Zone
5 cm; 30 cm
3
3
j cm3
29,2 kg
29,2 kg
Innere Zone
30 cm; 5 cm; 5 cm
3435 cm3
8,4 kg
und eine viel größere Temperaturschwankung
Umver-
hergestellte ist
laufzahl und
trägt.
laufzahl und
trägt.
Als zweites Beispiel möge eine Zweizonenschleifscheibe in folgender Weise hergestellt
werden:
Äußere Schleifzone
Tonerdekristallschleifmittel
Verglasbares Bindemittel der in obiger Tabelle gegebenen Zusammenstellung
Gefüge
Elastizitätsmodul
Zugfestigkeit
Schwindung
Ausdehnungskoeffizient
V2 von Körnung entsprechend 100 Maschen
je cm2 und V2 von Körnung entsprechend
144 Maschen je cm2, g Bindemittel auf 455 g Tonerdekristallschleifmittel,
Raumprozent Schleifmittel in der fertigen Scheibe,
0,62 · ι o" kg/cm2,
186,5 kg/etn2,
1,0%,
67 "io
Innere Schleifzone
Tonerdekristallschleifmittel */2 von Körnung entsprechend 576 Maschen
je cm2, 1^ von Körnung entsprechend
900 Maschen und J/4 von Körnung
entsprechend Maschenzahl 1225, 100 g Bindemittel auf 455 g Schleif
Verglasbares Bindemittel wie in der
äußeren Zone mittel,
Elastizitätsmodul 0,61 · ioc kg/cm2,
Zugfestigkeit 268 kg/cm2,
Schwindung 1,0 %>
^Ausdehnungskoeffizient 67 · io~7.
Verhältnis in der fertigen Scheibe
Äußere Zone Innere Zone
45 Zonenmaße 75 cm; 7,5 cm; 37,5 cm 37.5 cm; 7,5 cm; 7,5
Raummenge 24 830 cma 795° cm3
Gewicht des Gemisches 64,3 kg 24,9 kg
Claims (1)
- Patentanspruch:Verfahren zur Herstellung von Schleifscheiben aus zwei aus gebundenem Schleifmittel bestehenden konzentrischen Zonen, dadurch gekennzeichnet, daß durch Benutzung gleichartiger Bindemittel in beiden Zonen möglichst nahe übereinstimmende Elastizitätsmodule (innerhalb des Verhältnisses 1:2,6), Wärmeausdehnungskoeffizienten und Schwindungen erzielt werden und durch Anwendung feineren Schleifkornes, einer größeren Menge Bindemittel oder eines leichter verglasen- no den keramischen Bindemittels oder durch gemeinsame Anwendung dieser drei Maßnahmen der Werkstoff der inneren Zone eine größere Zugfestigkeit erhält.BERLIN. GEDRUCKT IN DER REICHSDRUCKEBEI
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| US648232XA | 1933-07-03 | 1933-07-03 |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE648232C true DE648232C (de) | 1937-07-27 |
Family
ID=22058458
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DEN36903D Expired DE648232C (de) | 1933-07-03 | 1934-07-04 | Verfahren zur Herstellung von Schleifscheiben |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE648232C (de) |
Cited By (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE975182C (de) * | 1952-11-12 | 1961-09-28 | Norton Ges M B H Deutsche | Verfahren zur Herstellung von Siliciumcarbid-Schleifkoerpern |
| EP0242955A1 (de) * | 1986-04-25 | 1987-10-28 | Abrasive Industries, Inc. | Schleifkörper |
-
1934
- 1934-07-04 DE DEN36903D patent/DE648232C/de not_active Expired
Cited By (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE975182C (de) * | 1952-11-12 | 1961-09-28 | Norton Ges M B H Deutsche | Verfahren zur Herstellung von Siliciumcarbid-Schleifkoerpern |
| EP0242955A1 (de) * | 1986-04-25 | 1987-10-28 | Abrasive Industries, Inc. | Schleifkörper |
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