DE620166C - Verfahren zur Herstellung borhaltiger Glasuren - Google Patents

Verfahren zur Herstellung borhaltiger Glasuren

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    • CCHEMISTRY; METALLURGY
    • C03GLASS; MINERAL OR SLAG WOOL
    • C03CCHEMICAL COMPOSITION OF GLASSES, GLAZES OR VITREOUS ENAMELS; SURFACE TREATMENT OF GLASS; SURFACE TREATMENT OF FIBRES OR FILAMENTS MADE FROM GLASS, MINERALS OR SLAGS; JOINING GLASS TO GLASS OR OTHER MATERIALS
    • C03C3/00Glass compositions
    • C03C3/04Glass compositions containing silica
    • C03C3/076Glass compositions containing silica with 40% to 90% silica, by weight
    • C03C3/089Glass compositions containing silica with 40% to 90% silica, by weight containing boron

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Description

  • Verfahren zur Herstellung borhaltiger Glasuren In großem Umfange werden in der keramischen Industrie, vorzugsweise in der Steingutindustrie und Baukeramik, Glasuren angewendet, denen ;einerseits, um sie leichter schmelzbar zu machen, ahdererseits, um der fertigen Glasur Glanz zu verleihen, Borsäure in freier oder gebundener Form zugesetzt wird. In erster Linie handelt es sich hierbei um sogenannte Frittenglasuren, bei welchen die Mischung der Versatzbestandteile vor der eigentlichen Verwendung der Glasur einem Schmelzprozeß unterzogen wird.
  • In derartige Glasurversätze wird die- Borsäure vorzugsweise in Gestalt von Borax (Natriumborat) oder auch in ungebundener Form eingeführt. Der letztere Weg ist im allgemeinen vorzuziehen, weil hierbei kein Alkali in die Glasur hineingelangt, das aus mehreren Gründen, nämlich sowohl wegen der dadurch bedingten Vergrößerung des Ausdehnungskoeffizienten der Glasur, die eine Neigung zur Rißbildung zur Folge hat, als auch wegen der Verringerung der Widerstandsfähigkeit solcher Glasuren gegen korrodierende Einflüsse, mit steigendem Alkaligehalt unerwünscht ist. Es ist auch bereits vorgeschlagen worden, für den gleichen Zweck künstlich hergestellte Calciumborate zu verwenden. Trotz der an sich vorhandenen Vorteile einer -derartigen Maßnahme stehen aber einer umfangreichen Verwendung dieses Verfahrens die außerordentlich hohen Gestehungskosten für die .genannten, künstlich hergestellten Präparate entgegen. Es ist auch schon der Vorschlag gemacht worden, statt der künstlich hergestellten Stoffe Borax und Borsäure als Träger des Bors natürlich vorkommende borhaltige Mineralien, wie Borocalcit, Boronatroncaleit, Pandermit und Colemanit in den Versatz einzuführen. Die Versuche, die in dieser Richtung angestellt wurden, haben jedoch ergeben, daß die meisten der natürlich vorkommenden Bormaterialien zu unrein sind, um ohne vorherige Reinigung mit Erfolg bei der Glasurherstellung Verwendung finden zu können. Insbesondere war es der oft hohe und stark schwankende Alkaligehalt dieser Mineralien und ihr- ebenfalls häufig sehr verschiedener Gehalt an sonstigen Verunreinigungen, insbesondere an Sulfaten, Eisen und Chloriden, welcher ihrer Verwendung im natürlichen ungereinigten Zustande für Glasurzwecke entgegenstand. Dieser Schwierigkeiten wegen war es vielfach nicht möglich, bei Verwendung natürlich vorkommender Bormineralien keramisch die gleichen Erfolge in bezug auf die Anpassung der Glasur an den Scherben und in bezug auf das Aussehen und die Haltbarkeit der Glasur zu erzielen, die Vorbedingung »für die praktische Brauchbarkeit einer solchen Verfahrensmaßnahme ist.
  • Durch die vorliegende Erfindung wird nun die Möglichkeit geschaffen, jedes beliebige Bormineral ohne vorangehende Reinigung für Glasurzwecke nutzbar zu machen. Diese Erfindung bezieht sich auf ein neuartiges Verfahren, welches, aufbauend auf den bereits früher gemachten Vorschlägen, die Verwendung der natürlich vorkommenden ungereinigten Bormineralien als Glasurbestandteile ermöglicht und darüber hinaus in diesem Zusammenhange noch eine Reihe weiterer fabrikationstechnischer Vorteile ergibt, auf die weiter unten noch im einzelnen eingegangen wird.
  • Es hat sich nämlich gezeigt, daß es möglich ist, die Nachteile, die bisher vielfach der Verwendung der natürlich vorkommenden Bormineralien in ungereinigtem Zustande für Glasurzwecke entgegenstanden, zu vermeiden, wenn man nicht nur ein einziges derartiges Mineral als Träger der Borsäure in den Versatz einführt, sondern eine Kombination von zwei oder mehreren solcher Mineralien, und zwar von alkalihaltigen, wie beispielsweise des natürlich vorkommenden Borax bzw. des sogenannten Bormineralkonzentrats (des Abdampfrückstandes der natürlich vorkommenden Boraxlauge), mit einem oder mehreren Erdalkalibormineralien, wie beispielsweise Pandermit, Colemanit oder Borazit. Wie zahlreiche; nach dieser neuen Regel durchgeführte Versuche gezeigt haben, erfolgt durch eine solche Kombination eine weitgehende Kompensierung der die Qualität der Glasur ungünstig beeinflussenden Eigenschaften bzw. Beimengungen des einen Minerals durch das andere. Ferner ermöglicht es die neuartige Kombination von torhaltigen Glasurversatzbestandteilen, den prozentualen Alkaligehalt der Mischung wesentlich, und zwar durch entsprechende Wahl des Mischungsverhältnisses genau in gewünschtem Maße zu verringern, wobei gleichzeitig statt dessen bereits ein Teil des benötigten Erdalkalis in den Versatz eingeführt wird, also die sonst außerdem notwendigen Erdalkalizuschläge verringert werden können oder evtl. ganz wegfallen. Hierbei kann das Mischungsverhältnis der in den Versatz eingeführten Bormineralien so gewählt werden, daß die chemische Struktur einer bereits verwendeten und als gut ausprobierten Glasur nicht geändert zu werden braucht. Dies hat den großen Vorteil, daß bewährte Glasurzusammensetzungen auch bei Verwendung der Bormineralien als Träger des einzuführenden Bors unverändert weiter angewendet werden können.
  • Das neue Verfahren ermöglicht in weiterer Ausbildung desselben eine große Anzahl von Variationen. Beispielsweise kann man neben der Kombination der beiden natürlichen Bormineralien außerdem auch noch ein künstlich hergestelltes Produkt, wie Borax, in den Versatz einführen. Einen etwa vorhandenen Überschuß an Alkali in der Glasurmagge kann man beispielsweise durch- Zusatz einer .geringeren Menge eines Erdalkalichlorids entfernen, indem man das überschüssige- Alkali auf diese Weise in Chlornatrium überführt, das später bei der Herstellung der Fritten verdampft. Ferner wurden außerdem zweckmäßig Maßnahmen getroffen, um die in den ungereinigten natürlichen Bormineralien enthaltenen Sulfate zu zerstören, was erfindungsgemäß durch Zusatz stark reduzierender Bestandteile erfolgt, und zwar entweder solcher, die bei der Hitzebehandlung der Fritte wegbrennen, wie Graphit, oder, was unter Umständen von .besonderem Vorteil ist, solcher, die selbst gleichzeitig Glasurversatzbestandteile bilden, wie z. B. metallisches Blei. Die letztere Maßnahme ergibt eine besonders vorteilhafte Kombinationsmöglichkeit des neuen Verfahrens mit einem bereits vorgeschlagenen Verfahren, nach welchem die Einführung des Bleis in bleihaltige Glasuren in Gestalt von Abfallprodukten der Aldhumulatorenindustrie erfolgt. Diese Abfallprodukte :enthalten nämlich regelmäßig eine besonders wirksame Form metallischen Bleis in kolloider Verteilung, die sowohl ihrer Menge wie dieser Verteilung wegen zur Reduktion der Sulfate vorzüglich geeignet ist. Auch Siliciumcarbid ist für den gleichen Zweck mit Vorteil verwendbar. Unter Umständen, d. h. wenn man vollkommen alkalifrei arbeiten will, ist es auch denkbar, auf den Zusatz der alkalihaltigen Bestandteile ganz zu verzichten, unter der Voraussetzung, daß in der vorstehend beschriebenen Weise eine Unschädlichmachung der Chloride und Sulfate erfolgt.
  • Das neue Verfahren ermöglicht ferner auch die Verwendung von ganz oder teilweise löslichen, natürlich vorkommenden Bormineralien, beispielsweise des Ulexits, in ungereinigtem Zustande zur Herstellung von Rohglasuren, wobei zweckmäßig in der Weise vorgegangen wird, daß man die in Lösung gegangenen Borste durch Erdalkaliverbindungen ausfällt. Von besonderem wirtschaftlichem Vorteil ist die durch das neue Verfahren nunmehr gegebene Möglichkeit zur Verwendung des sogenannten Bormineralkonzentrats, das im Handel relativ billig erhältlich ist, aber bisher für Glasurzwecke nicht brauchbar war, weil noch kein Weg bekannt war, um den Einfluß des störenden hohen Alkaligehalts dieses Produktes zu beseitigen. Auch das natürliche Alkali, Erdalkalibormineral, der Borocalcit, läßt sich nunmehr dadurch, däß man seinen Gehalt an Alkali durch Zumischung weiterer Erdalkalibormineralien ausgleicht und für die Unschädlichmachung der Chloride und Sulfate Sorge trägt, für Glasurzwecke verwenden.
  • Nachstehend wird ein Anwendungsbeispiel des neuen Verfahrens gegeben. Eine Steingutglasur normaler Zusammensetzung entspricht beispielsweise der folgenden Segerformel 0,3o Pb O 0,5oCa0. 0, 10 K2 0 25 S'02#0,5B201#o,a5 A1201 o, i o Nag O.
  • Die Analyse von Dormineralkonzentrat ist beispielsweise etwa die folgende: 4328 B201 13,;o S'02 2-o,13 Nag O 2,15 Fee 03 + A1203 0,75 CaO 2,5o Mg 0 o,14 S 0s o,63 CO, 16,65 H20.
  • Demgegenüber ist die Zusammensetzung von Colemanit nach einer beispielsweisen Analyse etwa die folgende: 4i,80 B2 03 11,40 S' 02 0,5o Fe201+ A1201 29,8o Ca 0 4,03M90 6,28S03 3,37 C02.
  • Der Gehalt des Bormineralkonzentrats an Nag O beträgt also über 2o 010; Colemanit enthält überhaupt kein Alkali. Das Bormineralkonzentrat enthält '2,i.S0fo Fe203+A120g, der Colemanit nur o,5o% Fe203+Al203. Demgegenüber enthält aber Bormineralkonzentrat nur 0,i4°1, S01, Colernanit dagegen 6,28% S 0s. -Erfindungsgemäß setzt man die Glasur nun so zusammen, daß man den Bedarf an B201 nur so weit durch Bormineralkonzentrat deckt, daß dadurch lediglich die Gesamtmenge an Na20, aber nicht mehr, aufgebraucht wird. Der Rest der Borsäure wird dagegen in Form von Colemanit eingeführt. Die fertig zusammengesetzte Glasur besteht dann aus folgenden Bestandteilen:
    Der Anteil des Bormineralkonzentrats macht also prozentual 8,4 % aus, so daß, auf die Gesamtmenge der Glasur bezogen, o,2 0,l0 Fee 03 in den Versatz eingeführt werden. Durch die 5a Teile Colemanit, entsprechend iq.,o Gewichtsprozent, werden, auf die Gesamtmenge bezogen, nur o,90/0 S03 in den Versatz eingeführt. Es ist also der Gehalt der Glasur an Fez 03 gegenüber dem, der sich bei Verwendung nur von Bormineral ergeben würde, auf weniger als die Hälfte verringert, ebenso wie auf der anderen Seite der Gehalt an S 03 gegenüber dem bei alleiniger Verwendung von Colemanit unvermeidlichen auf weniger als die Hälfte reduziert wird. Damit sind durch die erfindungsgemäß gleichzeitige Verwendung von alkalihaltigem Bormineral und erdalkalihaltigem Bormineral die schädlichen Bestandteile beider auf ein unschädliches Maß reduziert.
  • Da das neue Verfahren es dem Keramiker ermöglicht, nunmehr borsäurehaltige Glasuren unter Verwendung wesentlich billigerer Rohmaterialien bei trotzdem vorhandener Möglichkeit zur Beibehaltung eines gleichbleibenden Verhältnisses von Alkali zu Erdalkali im Versatz herzustellen, bedeutet es für die entsprechenden Zweige der Keramik einen erheblichen technischen und wirtschaftlichen Fortschritt.

Claims (7)

  1. PATENTANSPRÜCHE: i. Verfahren zur Herstellung borhältiger Glasuren, dadurch gekennzeichnet, daß die Einführung der Borsäure in den Versatz in Gestalt einer Kombination eines oder mehrerer natürlich vorkommender ungereinigter Alkalibormineralien mit einem oder mehreren natürlich vorkommenden ungereinigten Erdalkaliborm'neralien erfolgt.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch i, dadurch gekennzeichnet, daß außer den Bormineralien künstlich hergestellte Borverbindungen in- den Versatz eingeführt werden.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch r und 2, dadurch gekennzeichnet, daß ein etwaiger Überschuß an Alkali in der Glasurmasse durch Zusatz eines Erdalkalichlorids in Alkalichlorid umgesetzt und verdampft wird.
  4. 4. Verfahren nach Anspruch i bis 3, gekennzeichnet durch den Zusatz stark reduzierend wirkender Stoffe zum Zwecke der Zerstörung der Sulfate:
  5. 5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß reduzierende Stoffe zugesetzt werden, die beim Brande herausbrennen, beispielsweise Graphit.
  6. 6. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß reduzierende Stoffe zugesetzt werden, die gleichzeitig Versatzbestandteile sind, vorzugsweise metallisches Blei. in Form von Erdalkalibormineralien eingeführt wird. g. Verfahren nach Anspruch i bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß zur Herstellung von Rohglasuren lösliche oder teillösliche Bormineralien in der Glasurmasse zunächst durch Erdalkali gefällt werden.
  7. 7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß in 'bleihaltige Glasuren das Blei in Gestalt von Abfallprodukten der Akkumulatorenindustrie eingeführt wird. B. Verfahren nach Anspruch i bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß das Erdalkali in den Versatz ganz oder teilweise
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