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Verfahren zum Aufarbeiten von sulfidischen Erzen und ähnlichen Ausgangsstoffen
Es ist bekannt, daß man Metallverbindungen, insbesondere Oxyde und Carbonate, wie
auch die Sulfide der edleren Metalle, wie Blei und Kupfer, dadurch mehr oder weniger
vollständig in Chloride verwandeln kann, daß man sie mit praktisch trockenem Ammonchlorid
erhitzt. Die bisher hierfür bekanntgewordenen Verfahren arbeiten entweder in Autoklaven
und können infolgedessen keinen vollständigen Umsatz erreichen. Sie müssen dann
nach erfolgtem Umsatz in einem zweiten Arbeitsvorgang die entstandenen Reaktionsprodukte
abdestillieren, oder sie arbeiten unter langsamer Erhitzung auf Zoo ° C und darauf
folgendem vorsichtigem Weitererhitzen auf höchstens 350' C unter freiem Ausströmenlassen
der Reaktionsprodukte und des überschüssigen unverbrauchten Salmiaks in eine Kondensationsanlage
hinein. Die erste Maßnahme ist unzweckmäßig wegen der Ansammlung der Reaktionsprodukte,
die einen vollständigen Umsatz verhindern, die zweite Methode wegen des zu raschen
Abfließens von unausgenutzten Salmiakdämpfen, wodurch ein unnötig hoher Verbrauch
von Reagens hervorgerufen wird.
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Beide Methoden haben ferner den Nachteil eines sehr langsamen Umsatzes.
- Das an zweiter Stelle genannte Verfahren sucht den übermäßigen Reagensverbrauch
durch vorsichtiges Erhitzen bei niedrigen Temperaturen zu verhindern, wodurch die
Umsatzzeit weiter erhöht und die Verarbeitung schwer aufschließbarer Erze, wie die
von Zinkblende, unmöglich gemacht wird. Wie in der Beschreibung weiter unten gezeigt
werden wird, vermeidet die vorliegende Erfindung die Nachteile beider Methoden durch
Anwendung gestauten Abflusses.
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Technisch brauchbar kann ein Verfahren, das mit Salmiak als Aufschlußmittel
arbeitet, aus wirtschaftlichen Gründen nur unter folgenden Voraussetzungen sein
r. Das Aufschlußmittel muß im Kreisprozeß im gleichen Tempo zurückgewonnen werden,
in dem es verbraucht wird.
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2. Das Verfahren muß gestatten, die entstandenen Metallchloride voneinander
und von der Gangart als reine Substanzen zu trennen.
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Bisher war es bekannt, daß man die entstehenden Metallchloride in
Wasser lösen und nach einem Verfahren, der analytischen Laboratoriumspraxis entlehnt,
getrennt abscheiden und reinigen kann. Im weiteren Verlauf wurde dann das Reaktionsmittel
ebenfalls mittels wäßriger Reaktionen in einem wasserhaltigen, verunreinigten Zustande
zurückgewonnen. Der Hauptvorteil der ersten Stufe des Verfahrens geht aber hierdurch
verloren, nämlich der trockene Charakter, während die Bedingung der Wiedergewinnung
des Reagens im gleichen Tempo mit der Hauptreaktion nur durch das Behandeln unzweckmäßiger
größerer Lösungsmengen erfüllt werden kann, da die entstehenden Aufgaben der mehrfachen
Fällung und Auflösung Tage beanspruchen, während es möglich ist, den Hauptprozeß
in Minuten zu vollziehen.
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Demgegenüber arbeitet das Verfahren gemäß Erfindung sowohl hinsichtlich
. Rückgewinnung
des Reagens als auch hinsichtlich Trennung und
Weiterverarbeitung der Chloride grundsätzlich trocken.
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Es gestattet ferner eine ebenfalls trockene Gewinnung wirtschaftlich
wertvoller Anionen der verarbeiteten Metallverbindungen, gleichfalls auf trockenem
Wege. Endlich sind sämtliche angewendeten Einzelprozesse in ihrem kinetischen Ablauf
der Umsatzgeschwindigkeit des ersten angepaßt.
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In der ersten Stufe des Verfahrens (Sälmiakumsatz) wird der Abfluß
der entstehenden Reaktionsprodukte und des nicht ausgenutzten Salmiakdampfes weder
ganz verhindert, noch läßt man beide ungehemmt ausströmen, sondern diese Dämpfe
werden durch ein besonderes Stauorgan regelbar gestaut. Nur vorübergehend wird bei
Reaktionseinleitung und Regulierung der Abfluß vollständig gesperrt.
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Durch die Stauung wird es möglich, bei höheren Temperaturen zu arbeiten,
als dies bei hemmungslosem Abfluß möglich wäre. Dadurch wird in zweiter Linie einviel
rascherer Umsatz von größerer Vollständigkeit erreicht, als entweder ohne Stauung
oder auch im Autoklaven zu erreichen wäre, da die Stauung es gestattet, die Konzentration
der die Reaktion hemmenden Produkte -in einem zulässigen Intervall zu halten, weil
ihnen dauernde Gelegenheit zum Abflüß gegeben ist bei einem guten Ausnutzungsgrad
des Reagens.
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Ferner gestattet die Maßnahme die Durchführung des Verfahrens kontinuierlich
vorzunehmen, wozu die Mittel in der Beschreibung angegeben sind.
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Bei, dem Verfahren kann nicht nur Salmiak, sondern es können auch
andere Ammonhalogenide als Aufschlußmittel verwendet werden.
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Das vorliegende Verfahren eignet sich in erster Linie zur Behandlung
von Sulfiden, Arseniden und deren Homologen, z. B. Seleniden, Telluriden, Antimoniden,
Wismuthiden und den Kombinationen mehrerer dieser Anionen mit einem oder mehreren
Metallen und zur Behandlung von deren Gemengen. Es dient zur Trennung der Metallverbindungen-von
der Gangart, von Verunreinigungen und voneinander, ferner zur' Überführung in reine
Oxyde und zur Gewinnung des Anions in elementarer Form. Es ist zwar weiter unten
für Sulfide beschrieben, aber ohne weiteres sinngemäß auf.die anderen obengenannten
Verbindungen anzuwenden. Es ist aber auch. die Behandlung von Oxyden, Carbonaten
und Metasilikaten mit dem Verfahren möglich, wobei die Gewinnung des Anions aus
wirtschaftlichen Gründen sich erübrigt. Außerdem ist das Verfahren dazu geeignet,
aus Legierungen oder Schlacken die darin in elementarer Form enthaltenen unedleren
Metalle zu entfernen, zu trennen und getrennt zu gewinnen. -Legierungen wird man
natürlich nur dann von Einführung in die Reaktionskammer mit dem Reagens mischen,
wenn diese Legierungen schon in fein verteiltem Zustand, z. B. als Fellspäne, vorliegen.
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Im folgenden werden die einzelnen Stufen des Verfahrens für die Behandlung
von Sulfidgemischen mit Salmiak aufgeführt. Das Verfahren ist aber auch auf analoge
Verbindungen unter sinngemäßer Abänderung anwendbar.
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z. Doppelte "Umsetzung der Metallsulfide mit Ammonchlörid zu Metallchloriden
und Ammonsulfid.
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2. Trennung der Metalle voneinander als Chloride und von der Gangart
durch fraktionierte Destillation oder Ausschmelzung.
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3. Trockene Zersetzung der Chloride durch Wasserdampf unter Rückgewinnung
des Chlorwasserstoffgases und Gewinnung der Metalloxyde.
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q.. Doppelte Umsetzung des aus der Stufe z gewonnenen Ammonsulfidgases
mit Chlorwasserstoffgas zu Ammonchlorid und Schwefelwasserstoffgas in einem trockenen
Verfahren.
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5. Gewinnung von Schwefel aus Schwefelwasserstoffgas auf trockenem
Wege nach einem der bekannten Verfahren.
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Die hierbei sieh abspielenden Reaktionen sind bekannt.
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Neu sind die Bedingungen, die bei den Stufen z und 2 einzuhalten sind,
um das Verfahren technisch und wirtschaftlich überhaupt möglich zu machen.
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Neu ist die Zusammenfügung obiger fünf Stufen zu einem Verfahren,
welches auf trockenem Wege die oben gekennzeichneten Aufgaben erfüllt.
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Neu sind endlich die weiter unten zu beschreibenden dazu erforderlichen
Einrichtungen. Als Beispiel für die Anwendung des Verfahrens soll die Umsetzung
eines sulfidischen Erzes mit Salmiak beschrieben werden.
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Erste Stufe: Doppelter Umsatz einer komplexen Blende mit Salmiak.
Die Blende enthällt außer Zn S noch Pb S, Fe S2, Fe2 03 und dolomithaltigen Kalk.
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Die Blende wird in fein vermahlenem Zustand mit Salmiak im Überschuß
innig gemischt. Diese Mischung wird auf etwas über die Sublimationstemperatur von
Salmiak, die mit der Dissoziationstemperatur zusammenfällt, erhitzt, also auf 35o
bis 400° C.
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Der Umsatz verläuft nach folgenden Formeln:
| Zn S-@--2NH4Cl >ZuC12+(NH4)2S |
| FeS 1-2NH4C1 >FeC12+ (NH4)2S |
| Fee 03 -E- 6 N H4 Cl -> 2 Fe C13+ 6 N H3+ 3 H2 0 |
| PbS+2NH4C1 rPbC12+(NH4)2S |
| Ca C 03 ,-' 2 N H4 Cl -> Ca C12 -f-- (1`T
H4) 2 C 03 |
Die Bedingungen, die eingehalten werden müssen, damit diese Vorgänge technisch vollständig
und
doch mit möglichst großer teschleunigung verlaufen, bei einem möglichst niedrigen
Reagensverbrauch, sind gemäß Er fmdüng die folgenden: z. Die Einhaltung von Temperaturen
erheblich oberhalb der Verdampfungstemperatur des Salmiaks. Die Zeit, welche der
vollständige Umsatz erfordert, ist nämlich, bezogen auf ein bestimmtes Rohmaterial,
eindeutig von der Temperatur abhängig. So erfordert beispielsweise die Verarbeitung
von Zn S eine höhere Temperatur als die von Pb S. Nun zieht aber eine höhere Temperatur
auch eine höhere Verdampfungsgeschwindigkeit des Salmiaks nach sich. Daraus würde
eine schlechte Ausnutzung des Reagens folgen. Aus diesem Grunde wird 2. der Abfluß
der Gase gestaut. Hierdurch wird die Verdampfungsgeschwindigkeit des Salmiaks herabgesetzt.
Durch diese Herabsetzung wird eireicht, sie der Geschwindigkeit des Reaktionsablaufes
besser anzupassen. Die Drosselung des Gasabflusses muß um so stärker sein, je höher
die Temperatur ist, bei der gearbeitet werden soll.
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Diese Maßnahme kommt in erster Linie der Vollständigkeit des Umsatzes
zugute. Durch Kombination mit der ersten wird dann unter Beibehaltung der Vollständigkeit
eine erhebliche Reduktion. der Umsatzzeit erreicht.
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Beim Anheizen bleibt das Auslaßorgan zunächst bis zur Erreichung eines
bestimmten Druckes geschlossen und wird dann innerhalb bestimmter Grenzen reguliert.
Diese Grenzen sind 1,5 cm2 und 300 cm2 Ausflußöffnung für jedes in der Minute
zu verdampfende bzw. umzusetzende Kilogramm Reagens. Dies gilt für die Behandlung
von Sulfiden, insbesondere von Zinkblende und Bleiglanz.
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Wesentlich für den Verlauf des Prozesses ist also nicht der Druck,
sondern nur die Temperatur und die auf obige Weise geregelte Verdampfungsgeschwindigkeit.
Eventuell wird ein größerer Spielraum benötigt, um Reaktionsbedingungen für andersartige
Stoffe herstellen zu können. Dadurch, daß die Größe der Auslaßöffnung für dieselben
Stoffe und dieselben Bedingungen proportional der umzusetzenden bzw. der zu verdampfenden
Menge gewählt wird, verläuft der Umsatz in praktisch derselben Zeit bei verschieden
großen Chargen.
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Anstatt eine verhältnismäßig enge Öffnung zu wählen, kann man auch
eine weitere Öffnung abwechselnd öffnen und schließen. - Dies ist aber technisch
wenig günstig.
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3. Die Beschickung muß technisch trocken sein und trocken gehalten
werden, abgesehen von den unvermeidlichen Wasserdampfbildungen durch Oxydgehalt
der verarbeiteten Erze.
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q.. Das Innere des Reaktionsraumes ist möglichst vor Luftzutritt zu
schützen.
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Das Reaktionsgefäß bläst in eine Kühlleitung mit Staubabscheidern
(gegebenenfalls elektrische Staubreinigung) aus. In der Kühlleitung kondensieren
sich die flüchtigen Stoffe. Der Wasserdampf (welcher aus den Oxyden stammt) sowie
die permanenten Gase (N H4)2S in dissoziiertem Zustand, Ammoniak, H2 S
USW. werden frei von suspendierten festen Bestandteilen ihrer Weiterbehandlung
zugeführt.
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In der Kühlanlage scheiden sich ab: insbesondere der überschüssige
Salmiak sowie die Chloride, deren Verflüchtigungspunkt in der Nachbarschaft des
Verflüchtigungspunktes von Salmiak oder darunter liegen, z. B. Fe C13, As
Cl, Al 03, Sb C13 und andere niedrigsiedende Chloride.
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Der Absatz erfolgt entsprechend den Kondensationstemperaturen der
einzelnen Stoffe an getrennten Stellen. Um die einzelnen Kondensationsprodukte an
den dafür bestimmten Stellen auch wirklich zum Absatz zu bringen, ist es erforderlich,
auf die Lage der Kondensationsstellen entlang der @ Leitung Einfluß zu nehmen. Gemäß
Erfindung wird dies erreicht durch die folgenden Maßnahmen: z. Regelung des Druckes
innerhalb der Abscheidungsanlage im Verhältnis zum Druck im Reaktionsgefäß einerseits
und in der Gasspeicherung andererseits.
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z. Beeinflussung der Strömungsgeschwindigkeit, als Ganzes betrachtet.
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Die Forderungen unter z und 2 werden erfüllt durch Regelung eines
Stauorgans am Ende oder an einer anderen Stelle der Abscheidungsanlage sowie durch
Regelung eines künstlich erzeugten Unterdruckes.
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3. Lokale Differenzierung von Gasdruck und Geschwindigkeit entlang
der Abscheidungsanlage, und zwar im wesentlichen Beschleunigung und Druckerniedrigung
kurz hinter dem Reaktionsgefäß und abermalige Druckerhöhung und Verlangsamung der
Strömungsgeschwindigkeit durch ein zweites Stauorgan am Ende der Abscheidungsanlage.
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q.. Benutzung von künstlicher Kühlung zur Erzwingung der Kondensation
bestimmter Stoffe an bestimmten Punkten oder umgekehrt künstlicher Erwärmung zur
Verhinderung des Absatzes bestimmter Stoffe an unerwünschten Stellen der Abscheidungsanlage.
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Die Mindesttemperatur innerhalb der Abscheidungsanlage sollte zio
° C bei 76o mm nicht unterschreiten, um die Abscheidung von Wasserdampf zu verhindern.
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Bei der Reaktionstemperatur ist ein Teil der gebildeten Metallchloride
bereits flüssig, während andere - Gangart, deren Umwandlungsprodukte und uniersetztes
Erz - noch fest sind. Dieser Umstand wird gemäß Erfindung benutzt, um bereits in
der Reaktionskammer eine rohe Trennung der Chloride voneinander, Z. B, Zn C12 vön
Pb C12, zu erreichen.
Um den Bedingungen des Prozesses gerecht zu
werden, wird gemäß Erfindung die Reaktionskammer (Fig. i) als ein von außen geheiztes,
mit 35 bis 50' geneigtes, flaches, geschlossenes Gefäß a ausgebildet. Dieses
wird vom oberen Ende durch eine Schleuse b beschickt, derart, daß die Beschickung
auf den oberen Teil der geneigten Bodenfläche gelangt, ohne mit den flüssigen Chloriden
in Berührung zu kommen. Diese letztaren fließen sofort nach ihrer Bildung in den
unteren Teil des Reaktionsgefäßes ab und sammeln sich in einer trichterförmigen
Vertiefung c. Diese ist durch Syphon und Absperrschieber mit der Destillationskammer
d verbunden, in die hinein das gebildete Chlorid periodisch hinübergepreßt wird,
z. B. durch den Reaktionsdruck (ebenso die breiartigen Rückstände).
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Auch die frische Mischung kann aus der Schleuse in den Reaktionsraum
gepreßt werden durch den Dampfdruck von etwas erhitztem Ammonchlorid, welches sich
in dem Gefäß e befindet. Die gasförmigen Reaktionsprodukte werden durch das Stauorgan
f abgeblasen. Dieses kann beispielsweise so gestaltet werden, daß der Schieber l
zunächst den Weg durch eine Reihe von Kapillaren g nacheinander und dann zum Schluß
durch eine weitere Öffnung h frei macht. Die Gase werden durch die Rohrleitungen
k zur Abscheidungsanlage geführt.
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Die weitere Behandlung der flüssig festen Reaktionsprodukte nach Abscheidung
erfolgt in der zweiten Stufe.
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Zweite Stufe: Trennung der Chloride. Soweit diese bei technisch erreichbaren
Temperaturen flüchtig sind, werden sie durch fraktionierte Destillation, gegebenenfalls
unter Anwendung von Vakuum, getrennt. Der Rezipient ist stets über der Erstarrungstemperatur
des betreffenden Chlorids zu halten und gestattet durch ein Ventil, das Kondensat
unmittelbar dem Hydrolysegefäß zuzuführen. Nicht destillierbare Chloride werden
unter Ausnutzung ihrer Schmelzpunktdifferenzen durch fraktioniertes Ausschmelzen
oder Kristallisieren getrennt. Dies Verfahren wird zur Vorreinigung destillierbarer
Chloride auch außerhalb des Reaktionsraumes der ersten Stufe benutzt.
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Dritte Stufe: Die Hydrolyse der Chloride ist leicht mit einem großen
Überschuß an Wasserdampf zu erreichen. Die dadurch bedingte Verdünnung des Chlorwasserstoffes
ist aber im Hinblick auf eine weitere Verwendung möglichst zu vermeiden. Dies wird
gemäß Erfindung erreicht durch Vergrößerung der Berührungsflächen der beiden Phasen,
Verlängerung der Einwirkungsdauer und teilweise Entfernung des entstehenden Chlorwasserstoffes.
Hierzu dienen gemäß, Erfindung folgende Maßnahmen: i. Vernebelung des flüssigen
Chlorids in einen größeren Raum, in welchem sich Wasserdampf bei bestimmtem Überdruck
befindet oder durch welchen er zirkuliert. Diese Vernebelung wird bewirkt a) durch
Versprühen des Chlorids mittels Wasserdampfes nach dem Injektorprinzip oder indem
Dampf oder flüssiges Wasser, welches bei Eintritt in die Schmelze verdampft, aus
vielen feinen Öffnungen durch` die Schmelze gepreßt wird; b) durch vollständige
oder teilweise Verdampfung des Chlorids in den Wasserdampfraum.
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Durch die feinere Verteilung wird eine größere Reaktionsfläche und
zugleich länger andauernde Reaktionsmöglichkeit erzielt, da die kleinen Teilchen
sich länger im Raume schwebend aufhalten.
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2. Verminderung der Konzentration des gasförmigen Reaktionsproduktes-
Chlorwasserstoff durch fraktionierte Diffusion und Fällung als Ammoniumchlorid mit
Ammoniakverbindungen aus dem Gaszustand.
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Im folgenden werden zwei Einrichtungen als Beispiele der Ausführung
dieser Maßnahmen beschrieben.
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Wasserdampf wird mittels feiner Düsen c durch Chloridschmelze y so
hindurchgepreßt, daß die Mitte jedes Nebelstrahls sich gegen einen Glühkopf
na richtet (Fig. 2). Durch eine enge Öffnung strömt der Nebel, der jetzt
hauptsächlich Oxyd enthält, in eine kleinere Kammern mit Strömungswiderständen,
in welcher sich das feste Oxyd zu Boden setzt. Das gereinigte Gas strömt gegen und
durch eine Einrichtung o, welche durch auswählende Diffusion mehr Wasserdampf als
Chlorwasserstoff durchläßt. Der an Chlorwasserstoff verarmte Wasserdampf wird erneut
durch die Chloridschmelze gepumpt. Der an Chlorwasserstoff angereicherte Wasserdampf
wird in der Kammer p mit flüchtigen Ammonverbindungen in gasförmigem Zustand zusammengebracht.
Diese werden eingeführt durch die Leitung v und stammen hauptsächlich aus der ersten
Stufe des Verfahrens [(NH4)2S]. Dadurch wird der Wasserdampf von Chlorwasserstoff
vollständig befreit. Darauf wird der mit den Restgasen, und zwar hauptsächlich mit
Schwefelwasserstoff beladene Wasserdampf durch die Schwefelwasserstoffverbrennungsanlage
q geleitet und so vollständig gereinigt in die Hydrolysenkammer zurückgeführt. Die
beiden Turbogebläse w dienen nötigenfalls zur Untarstützung der Gasbewegung im gewünschten
Sinne.
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Eine zweite Art der Dispergierung des Chlorides ist das Absiedenlassen
aus einer kleinen, exzentrisch angeordneten Vertiefung s (Fig.3) im Boden der Hydrolysenkammer
x. In dieser Vertiefung wird das Niveau der Chloridschmelze konstant gehalten. Oberhalb
der Chloridschmelze wird der Wasserdampf von unten nach
schräg oben
in den Raum geblasen durch die Düse t. Die Temperatur der Kammer wird zweckmäßig
etwa ioo ° über Schmelztemperatur gehalten. Der Dampf strömt im Bogen durch den
Raum gegen ein Kühlblech u, welches vorteilhaft gegenüber der Wandung elektrisch
aufgeladen ist. Hierdurch schlägt sich das feste Oxyd nieder und kann unten durch
den Stutzen y abgezogen werden. Die Reinigung des Wasserdampfes von Chlorwasserstoff,
welche gemeinsam durch die Öffnung z ausströmen, geschieht wie im vorigen Beispiel.
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Diese Einrichtungen eignen sich auch zur Befreiung des Salmiaks von
den in der ersten Stufe gleichzeitig niedergeschlagenen Chloriden, besonders Ferrichlorid,
durch Hydrolyse derselben. Ferrichlorid wird durch Hydrolyse mittels Wasserdampfes
in das nicht flüchtige Ferrioxyd übergeführt und kann so vom leicht flüchtigen Salmiak
getrennt werden. Zugleich wird der an das Eisen gebundene Chlorwasserstoff zurückgewonnen.
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Durch die gleiche Einrichtung wird der an basische Gangart gebundene
Chlorwasserstoff regeneriert.
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Vierte Stufe: Der aus der dritten Stufe entweichende Chlorwasserstoff
wird mit den aus der ersten Stufe stammenden Ammonverbindungen, insbesondere (NH4)2S,
in weiten, mit Strömungshindernissen versehenen, auf iio ° erwärmten Kammern zusammengeführt.
Dadurch schlägt sich Salmiak trocken nieder, und die abgetrennten Gase Wasserdampf,
Kohlendioxyd und insbesondere Schwefelwasserstoff werden weitergeleitet. Die Restgase,
vorwiegend Schwefelwasserstoff, gehen durch die fünfte Stufe.
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Hierdurch wird eine Trennung von Chlorwasserstoff und Schwefelwasserstoff
erzielt, die einerri Verfahren, welches mit Chlorwasserstoff als Aufschlußmittel
arbeitet, nicht einzugliedern ist. Hierdurch ist ein wesentlicher Vorteil der Verwendung
von Salmiak gegenüber der Verwendung von Chlorwasserstoffgas und gegenüber der Verarbeitung
der Chloride auf dem nassen Wege ausgenutzt.
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Fünfte Stufe: Schwefelwasserstoff wird nach bekannten Verfahren zu
Wasser und Schwefel oxydiert. Der Wasserdampf wird dem Hydro-.lysiergefäß der dritten
Stufe wieder zugeführt.
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Die für dieses Beispiel angegebenen Stauungsbedingungen gelten allgemein
für jede andere Umsetzung dieser Art, wohingegen die Temperatur dem Sublimationspunkt
des angewandten Ammonhalogenids anzupassen ist.
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Nicht unbedingt allgemein vorteilhaft ist bei der Behandlung von Erzen,
die mehrere Metalle enthalten, die vollständige Durchführung der doppelten Umsetzung
in der ersten Stufe in einem einzigen Reaktionsgefäß. Es kann bei periodischem Betrieb
vorteilhaft sein, die Reaktion, wenn der Umsatz der leichter reagierenden Bestandteile
vollendet ist, abzubrechen und in einer zweiten Reaktionskammer a. (Fig. i) unter
modifizierten Bedingungen und erneutem Zusatz von Reaktionsmittel durch Schleuse
b2 fortzusetzen. Auch bei kontinuierlichem Betrieb ist dieses Verfahren ohne weiteres
anzuwenden.
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Es besteht auch die Möglichkeit, den Salmiak nicht in festem Zustand
zuzumischen, sondern ihn bereits in gasförmigem Zustand zuzuführen.
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Ferner kann es vorteilhaft sein, die Fortführung der Reaktionsprodukte
zu unterstützen mittels Durchspülung mit einem neutralen Gas, z. B. Ammoniak oder
Stickstoff.
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Der Vorteil des Verfahrens gegenüber der Röstung mit Luft ist die
Gewinnung von Schwefel an Stelle von Schwefeloxyd, da Schwefel leichter zu stapeln
und zu transportieren ist als die äquivalente Menge Schwefeldioxyd oder Schwefelsäure.
Ein weiterer Vorteil ist die einfachere und vollständigere Trennbarkeit der Metalle,
welche bei diesem Verfahren als Chloride leicht zu trennen sind. Es handelt sich
um folgende Elemente: Silber, Kupfer, Zink, Cadmium, Aluminium, Blei, Zinn, Arsen,
Antimon, Wismut, Molybdän, Chrom, Vanadium, Mangan, Eisen, Kobalt, deren reine Abscheidung
aus komplexen Erzen mit anderen Methoden große Schwierigkeiten bereitet.