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Verfahren zur Herstellung kleiner Formkörper aus Leim und Gelatine
Die derzeitigen Bestrebungen in der Kolloidindustrie, insbesondere in der Leim-
und Gelatineindustrie, gehen dahin, zwecks leichter Trocknung bei der Herstellung
und leichter Lösbarkeit der Fertigerzeugnisse von den bisherigen Herstellungsverfahren,
die die Erzielung von Großtafelformen bevorzugten, auf die Herstellung von kleinen
Körpern mit möglichst großer Oberfläche überzugehen. Diesen Bestrebungen wird z.
B. durch die Herstellung von Leim in Perlform teilweise Rechnung getragen.
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Die Erfindung geht nun von der Erkenntnis aus, daß bei der Trocknung
von aus Leim und Gelatine hergestellten kantigen Formkörpern ein Einziehen der Körperoberflächen
stattfindet, also Körper mit größerer Oberfläche gebildet werden. Bei Herstellung
von Körpern mit annähernd gleichen Hauptabmessungen, z. B. Würfeln, Rhomben o. dgl.,
kann demnach gegenüber Körpern mit etwa zylindrischen oder sonstwie gekrümmten Begrenzungsflächen
sonst gleicher Abmessungen eine wesentlich größere Oberfläche erzielt werden, so
daß also die Formkörper viel leichter trocknen und sich auch leichter lösen.
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Nun hat aber bisher die Herstellung derart geformter Körper aus Leim
und Gelatine Schwierigkeiten bereitet, weil es bei ihnen nicht gelang, "sie räumlich
voneinander getrennt in den Trocknungsvorgang überzuführen. Dies ist auch nicht
möglich bei den früher vorgeschlagenen Verfahren, die Leimmasse durch ein hin und
her gehendes Gatter in Stränge aufzuteilen und diese dann durch umlaufende Messer
in kleinere Teile zu zerschneiden.
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Bei dem Verfahren nach der Erfindung wird eine Leim- oder Gelatinelösung
auf ein Förderband ausgegossen und die. gebildeten Folien in Streifen zerschnitten.
Im Gegensatz zu vorbekannten ähnlichen Verfahren aber werden die durch Zerschneiden
der bandförmigen Folie erhaltenen Leim- bzw. Gelatinestreifen reihenförmig voneinander
getrennt; erst die getrennten Streifen werden dann quer zu ihrer Längsrichtung aufgeschnitten
und die so erhaltenen Formkörper in räumlich getrennter Lage und in zwei waagerechten
Richtungen gegeneinander versetzt auf das im Trockenraum befindliche Transportband
auffallen gelassen. Hierauf werden sie zweckmäßig mit fortschreitender Temperatur
und verminderter Fördergeschwindigkeit getrocknet, indem sie z. B. von einer Trockenkammer
mit niederer Temperatur in eine Trockenkammer mit höherer Temperatur durch den Wärmeaustausch
verhindernde Organe hindurch übergeführt werden.
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Das Verfahren bewirkt eine gleichmäßige Trocknung aller Flächen der'
einzelnen Körperchen und verhindert deren Aneinanderkleben, da die kleinstückigen
Leimkörperchen bereits voneinander räumlich getrennt auf das Trockenband o. dgl.
aufgelegt werden. Diese Anordnung
ist möglich, weil die durch den
ersten Schxod2 vorgang erhaltenen Streifen voneinander=';ge` trennt worden sind,
bevor der zweite Schnitt ausgeführt wurde. Die Hindurchführung der Formkörper durch
mehrere auf immer höhere Temperatur - erhitzte Trockenräume mit abnehmender Fördergeschwindigkeit
erweist sich mit Rücksicht darauf besonders zweckmäßig; daß mit fortschreitender
Trocknung der Schmelzpunkt der Formkörper steigt sowie die auf denselben sich bildende
Außenhaut eine Diffusion des Wassers nach außen erschwert.
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In den Zeichnungen ist eine Vorrichtung ver; anschaulicht, wie sie
beispielsweise zur Durchführung des Verfahrens nach der Erfindung Anwendung finden
kann.
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Fig. i zeigt im Schema die Gesamtanordnung der Anlage. - -Fig.2 zeigt
die Schneidvorrichtung in teilweise geschnittener Ansicht.
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Fig. 3 und 4 zeigen Einzelheiten der Schneidvorrichtung nach Fig.
2.
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Im Falle dieses-Verfahrens- und -Vorrichtungsbeispiels wird das Band
zuerst in Längsstreifen aufgeteilt. " -Es wird dadurch. gebildet, daß Leim, Gelatine
u. dgl. z. B. aus einem Behälter 3o durch Düsen 32 auf ein Gießband 33 in, flüssigem
Zustande und in einer Stärke ausgegossen wird, welche der Kantenlänge der herzustellenden
Formkörper entspricht. Das Gießband ist endlos und läuft über Rollen 34. Um eine
ständig gleichbleibende Breite der aufgegossenen Schicht 35 zu gewährleisten, weist
das Gießband 33 erhöhte Ränd6r ioo auf, die zweckmäßig aus der Leim-oder Gelatinemasse
selbst bestehen können, um beim ITmlaufen des Gießbandes von: der ausgegossenen
Schicht immer wieder durch Trennorgane 1o2 abgetrennt werden können, so daß also
stets ein Materialband von der Breite b erhalten wird. Gegenüber den Trennorganen
1ö2, die bei vorliegendem Ausführungsbeispiel aus Scheibenmessern bestehen, ist
ein Gegendruckorgan, z. B. eine Wälze 1o3, vorgesehen, um ein Ausweichen des Gießbandes
und der an diesem haftenden Schicht beim Schneiden der letzteren zu verhindern.
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Unterhalb des Gießbandes ist eine Trommel 1o5 vorgesehen, welche das
an den Rändern beschnittene Leim- oder Gelatineband vom Gießband abnimmt und zu
Trennorganen 1o7 führt, welche das Kolloidband in Streifen 35', 35" zerlegen. Die
Trennorgane 1ö7 bestehen bei dem dargestellten Beispiel aus Scheibenmessern 107,
die auf einer Welle 1ö8 angeordnet sind, ,v#obei die Messer in Abständen von annähernd
der Stärke der ausgegossenen Schicht liegen. Die Trommel Tos bildet das Gegendruckorgan
beim Teilen des Leim.- oder Gelatinebandes in Streifen. An die Schneidvörrichtung
107 schließt sich in der Laufrichtung' der Streifen eine Führungseinrichtung an,
die bewirkt, daß- die Streifen abwechselnd nach entgegengesetzten. Richtungen geleitet
werden, und zwar -derart, daß sie abwechselnd in zwei Reihen y'-r' und-r"-r" liegen.
Diese Führungsmittel bestehen vorliegend aus Walzen, iio, iii. Erforderlichenfalls
können den Walzen iio, iii noch Führungsbleche 1z2, 113 für die Streifen vorgeschaltet
sein.
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Die Schnid-,Yorrichtüng zum Aufschneiden der Streifen quer zu ihrer
Längsrichtung besteht aus einer mit Löchern 1i5 versehenen Platte 116 als Führung
und Widerlager beim Schnitt und aus Trennorganen 117, 118; letztere sind vorliegend
zu Messern ausgebildet, die auf Führungen 12o verschiebbar sitzen. Die Odermesser
117, 118 werden durch ein Triebwerk voneinander und-gegeneiRander bewegt. Dieses
Triebwerk besteht bei vorliegendem Ausführungsbeispiel aus einem Nocken 122, der
auf. ein Hebelwerk 123, 124 übersetzt und einen Hebel 125 betätigt, der das Messer
118 steuert. Das Messer 118 -steht- -düfch° ein Hebelwerk 128, 129, 13o mit einem
das Messer 117 bewegenden Hebel-132 in Verbindung, derart, daß die Messer 117, 118
gegeneinander und voneinander bewegt werden. Um ein. gutes Abtrennen der Leim- oder
Gelatinekörper von den Streifen 35' und 35" zu ermöglichen, wird der Vorschub der
Streifen während des Abtrennens der Körper vorübergehend unterbrochen. Zu diesem
Zwecke sind vor den Trennorganen 117, 118 Walzen 140, 141, 1421 143 vorgesehen.
Das Band wird also gleichmäßig fortlaufend gebildet und nur kurz vor der Schnittstelle
im Arbeitstakt gehemmt, was wegen der. Elastizität der Masse möglich ist. Zu diesem
Zweck erfassen die Walzen 140, 14 die Streifen 35'- der Reihe y'-y', die Walzen
14z, 143 die Streifen 35" der Reihe Die Walze 143 wird durch ein Klinkengesperre~145,
146. angetrieben, dessen die Klinke tragender Hebel 14,7 durch. eine Stange 148
mit einem Exzenter-i56. verbunden ist. Der Exzenter 15o und der Nocken 122 sind
bei dem gezeichneten-Ausführungsbeispiel auf einer gemeinsamen Welle =52- angeordnet.
Die Walzen 143, 42, 141,-14o werden von der Walze 143 durch in der Zeichnung mit
strichpunktierten Linien @angedeütete Zahnräder gegenläufig angetrieben.
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Unterhalb der Messer 117, 1T8 läuft das bereits zur Trockenvorrichtung
gehörende Förderband 7o, auf das die abgeschnittenen Formkörper fallen. Bei- der
geringen Fallhöhe bereitet es keine Schwierigkeit, durch geeignete Wahl der Geschwindigkeit'
des Förderbandes 7o ein räumlich voneinander getrenntes Auffallen der Formkörper
auf dieses Band, etwa in schachbrettartiger Anordnung, zu: erreichen.
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Selbstverständlich kann man die dargestellte und beschriebene Vorrichtung
auch in der Weise
ausgestalten, daß das Leim- bzw. Gelatineband
zuerst in Querstreifen aufgeschnitten wird und dann durch Zerteilung dieser Querstreifen
die Formkörper erhalten werden. Man muß eben hierbei auch nur dafür Sorge tragen,
daß die nach dem ersten Schneidvorgang erhaltenen Streifen räumlich voneinander
getrennt und erst dann der zweiten Schnittstelle zugeleitet werden, von wo dann,
die abgeteilten Formkörper durch geeignete Führungsmittel in zwei waagerechten Richtungen
gegeneinander versetzt auf das Transportband 7o auffallen gelassen werden können.
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Die Trockenvorrichtung T weist im dargestellten Beispiel mehrere Trockenräume
=6o, =6i auf, in welchen übereinander angeordnet mehrere in entgegengesetzter Richtung
sich bewegende Transportorgane, nänflich endlose Bänder 7o, über Führungswalzen
71 laufen. Die Führungswalzen und damit die Wendestellen der einzelnen Transportorgane
sind versetzt zueinander derart angeordnet, daß die auf die oberste Transportvorrichtung
zur Auflage kommenden Formkörper durch den Trockenraum in einer Richtung bewegt
werden, dann auf die nächst niedrigere Transportvorrichtung fallen, von dieser durch
den Trockenraum in entgegengesetzter Richtung bewegt werden, und so fort, so daß
die Formkörper den Trockenraum =6o in einer Schlangenlinie durchwandern. Hierbei
sind in den Trockenräumen =6o Trennwände 162 vorgesehen, welche das bei 163 zuströmende
Trockenmittel im Gegenstrom zur Bewegung der Formkörper leiten. Das Trockenmittel
wird bei 165 abgeleitet. Um ein Durcheinanderwerfen der Formkörper zu verhindern,
kann der Antrieb der obersten Transportvorrichtung ein derartiger sein, daß während
des Auffallens der Körper auf die Transportvorrichtung diese vorübergehend stillsteht,
so daß die Körper, die in Abständen voneinander von den Streifen abgetrennt werden,
auch in Abständen voneinander die erste Phase der Trocknung durchwandern.
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Am Ende der untersten Transportvorrichtung des Raumes =6o ist eine
Vorrichtung 170 zur Aufnahme und Überleitung der Formkörper in den Trockenraum =6i
vorgesehen. Die Vorrichtung =7o ist derart ausgebildet, daß sie ein Überleiten der
Körper vom Trockenraum =6o in den Trockenraum 161 gewährleistet, dagegen keinen
Temperaturaustausch zwischen den Räumen =6i und =6o gestattet. Auf diese Weise ist
es möglich, in dem Trockenraum =6i größere Temperaturen anzuwenden, nachdem die
in diesem Raume zur Trocknung kommenden Körper bereits einer Vortrocknung unterworfen
wurden und daher einen höheren Schmelzpunkt besitzen. Der Zutritt des Trockenmittels
in den Trockenraum =6i erfolgt durch Öffnungen 172, z. B. Schlitze, die unterhalb
der wirksamen Fläche der Transportbänder in den Trockenraum =6i ausmünden. 174 sind
Unterteilungswände, welche ein Zirkulieren des Trockenmittels im Gegenstrom zu der
Transportvorrichtung der Kolloidkörper gewährleisten. Das Trockenmittel wird bei
176 6 aus dem Trockenraum ihr abgeleitet.
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Um eine gute Ausnutzung der Trockenräume =6o, =6i zu gewährleisten,
ferner da auch mit fortschreitender Trocknung der Schmelzpunkt der Formkörper steigt
sowie die auf denselben sich bildende Außenhaut eine Diffusion des Wassers nach
außen erschwert, ist es vorteilhaft, den einzelnen Transportvorrichtungen verschiedene
Durchlaufgeschwindigkeiten zu erteilen, und zwar zweckmäßig derart, daß die Fördergeschwindigkeit
der Formkörper mit fortschreitender Temperatur eine verminderte wird.