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Einrichtung zur Übermittlung drahtloser Nachrichten Gegenstand des
Patentes 528 970 ist ein wellentelegraphisches Verfahren mit einer Empfangseinrichtung
nach Patent -.73 743, bei welchem eine mehr als zweimal modulierte elektromagnetische
Welle als Träger der Nachrichten verwendet wird.
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Es hat sich nun herausgestellt, daß die Schwierigkeiten, welche durch
Störungen anders frequenter Energien von großem Betrage schon bei doppelt modulierten
Wellen erheblich werden, bei mehr als doppelt modulierten Wellen sich noch in weit
höherem Grade geltend machen. Diese Schwierigkeiten sollen durch die vorliegende
Erfindung beseitigt werden.
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Die Aufgabe der Mehrfach-Wellentelegraphie bzw. Telephonie ist es
doch, auch Wellen der gleichen Hochfrequenz voneinander zu trennen, wenn die Variationsfrequenz
eine verschiedene ist, also z. B. bei der Hochfrequenz i ooo ooo noch zu trennen
Zwischenfrequenzen von 8o ooo und i oo ooo. Hierzu wird die Energie im Empfänger
zunächst mittels Schwingungskreisen, die auf Hochfrequenz (im Beispiel also i ooo
ooo) abgestimmt sind, ausgesiebt. Hierauf erfolgt Gleichrichtung, welche eine Energie
ergibt, die in der Variationsfrequenz, z. B. ioo ooo, schwingt. Sie wirkt auf die
Schwingungskreise, welche auf die im Signal vorhandene Frequenz (im Beispiel also
ioo ooo) abgestimmt sind und störende Frequenzen (im Beispiel 8o ooo) ausscheiden.
Auf sie folgt Gleichrichtung und damit Gewinnung des Signals, welches je nach seiner
Art durch Morseschreiber oder Telephon hörbar gemacht wird.
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Ist nun eine störende Hochfrequenz von großer Energie und derselben
Schwingungszahl i ooo ooo vorhanden, so wird diese zwar an sich nicht in die Zwischenfrequenzkreise
eintreten können, wohl aber wird sie, wenn sie plötzlich abreißt, die Zwischenfrequenzkreise
zum Schwingen anstoßen und dadurch stören. Diese Störung ist die der Mehrfachtelegraphie
eigentümliche, was man bis jetzt
nicht erkannt hat. Erfindungsgemäß
wird sie beseitigt durch Einführung eines Leiterteiles, welcher die Störenergie,
bevor sie die Zwischenfrequenzkreise anstoßen kann, so weit schwächt, daß sie nicht
mehr wesentlich stärker ist als die Signalenergie. Ein hierzu geeigneter Leiterteil
ist eine eisengefüllte Spule im Gebiete der magnetischen Sättigung, vor allen Dingen
aber jedes Glühkathodenrohr und unter Umständen auch Gasentladungsrohre, welche
die Eigenschaft haben, Energien, die einen bestimmten Betrag überschreiten, zu unterdrücken.
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Beispielsweise wird ein solches Glühkathodenrohr, dessen Sättigungsstrom
nicht wesentlich höher ist als die Signalenergie an seinem Orte, in folgender Weise
in die Empfangsapparatur eingeschaltet. Auf die Hochfrequenzschwingungskreise und
evtl. einen Verstärker folgt ein Gleichrichter, welcher die Signalenergie als Schwingungen
eines Wellenstromes weitergibt. Da nun eine starke Störenergie von gleicher Hochfrequenz
bewirken würde, daß das Signal nur eine relativ schwache Schwankung eines hohen
Stromwertes darstellt, würde ein abkappender Stromteil hinter dem Gleichrichter
tatsächlich die Signalenergie vernichten. Deshalb wird erfindungsgemäß zunächst
hinter dem Gleichrichter eine Umwandlung des Wellenstromes in einen Wechselstrom
vorgenommen, und zwar vorteilhaft durch eine aperiodische induktive Übertragung.
Auf diese folgt der Abkapper, welcher die nunmehr als Stromzacke sich bemerkbar
machende Störenergie möglichst dicht oberhalb der Amplitude des Signals abschneidet,
und auf ihn erst die auf die Zwischenfrequenz abgestimmten Kreise.
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Aber selbst bei dieser Anordnung kann unter Umständen die Störenergie
sich unangenehm bemerkbar machen und außerdem eine Verwischung der Zwischenfrequenz
eintreten, wenn die Dämpfung der Kreise, insbesondere der Hochfrequenzkreise eine
allzu geringe ist. Es ist dies letztere tatsächlich bei der Mehrfachwellentelegraphie
noch nicht erkannt worden, obgleich bei der Einfachwellentelegraphie man ähnliche
Erscheinungen längst kennt. Freilich machen sich diese Erscheinungen äußerlich etwas
anders bemerkbar. Es ist nicht möglich, einen Schwingungskreis, besonders eine Antenne
mit so geringer Dämpfung zu bauen, daß eine normale Hochfrequenzwelle, deren Amplitude
z. B. durch menschliche Sprache beeinflußt ist, glatt durchschwingt und dadurch
die menschliche Sprache verwischt, da eine sehr große Anzahl von Hochfrequenzschwingungen
auf eine einzelne Sprachschwingung entfallen. Bei der Doppelwellentelegraphie ist
es aber keineswegs mehr so, daß die Zwischenfrequenz verschwindend klein gegen die
Hochfrequenz ist. In unserem Beispiel war sie zehnmal kleiner: Während also bei
der Einfachwellentelegraphie nur in besonderen Anordnungen mit künstlich reduzierter
Dämpfung (Glühkathodenrohr mit Rückkopplung) ein Durchschwingen und Verwischen des
Signals vorkommen kann, beginnt in unserem Falle bereits bei der Dämpfung o,z das
Durchschwingen und Verwischen der Zwischenfrequenz merklich zu werden. Darum erweist
es sich als notwendig, besondere Rücksicht auf diese Verhältnisse zu nehmen. Erfindungsgemäß
wird die Dämpfung der Kreise jeweils angepaßt dem Verhältnis der Hochfrequenz zur
Zwischenfrequenz bzw. der Zwischenfrequenz zur Signalfrequenz. Durch Berücksichtigung
dieses Punktes erweist es sich als möglich, durch genügende Dämpfung nicht nur zweifache,
sondern sogar dreifache Variation der Wellen und damit zwei- bzw. dreifache Selektivität
zu erzielen. Vor allen Dingen ist dreifache Variation erfahrungsgemäß stets möglich
bei Telegraphie. Die Telegraphiefrequenz kann bis zum Betrage von mehreren hundert
Stößen pro Sekunde heraufgetrieben werden, ohne daß abnormale Dämpfung notwendig
würde, die selbstverständlich Verminderung der Gesprächszahl zur Folge hätte. Vielmehr
genügt in diesem Falle eine Dämpfung, wie sie sich aus anderen Gründen als praktisch
not-,vendig herausstellt.
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Aber nicht nur bei Telegraphie wird die Anwendung der dreifachen Variation
möglich. Bei Telephonie wird zunächst unter allen praktischen Umständen zweifache
Variation möglich. In einem breiten Gebiete aber, insbesondere bei Anwendung kurzer,
also sehr kurzwelliger Hochfrequenzwellen wird auch bei Telephonieübermittlung eine
dreifache Variation möglich und damit eine riesenhafte Vermehrung der Gesprächszahl.
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Um die gewünschte Dämpfung zu erhalten, kann erfindungsgemäß in die
Antenne bzw. die Schwingungskreise Widerstand eingeschaltet werden. Insbesondere
erweist es sich als vorteilhaft, den eingeschalteten Widerstand veränderbar zu machen,
da in diesem Falle die Selektivität auf den jeweils durch die Störungen bestimmten
Wert eingestellt werden kann.