DE554337C - Verfahren zur unmittelbaren Gewinnung von Antimon, Zinn, Wismut, Blei aus ihren Sulfiden - Google Patents

Verfahren zur unmittelbaren Gewinnung von Antimon, Zinn, Wismut, Blei aus ihren Sulfiden

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DE554337C
DE554337C DE1930554337D DE554337DD DE554337C DE 554337 C DE554337 C DE 554337C DE 1930554337 D DE1930554337 D DE 1930554337D DE 554337D D DE554337D D DE 554337DD DE 554337 C DE554337 C DE 554337C
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    • C22METALLURGY; FERROUS OR NON-FERROUS ALLOYS; TREATMENT OF ALLOYS OR NON-FERROUS METALS
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    • C22B5/00General methods of reducing to metals
    • CCHEMISTRY; METALLURGY
    • C01INORGANIC CHEMISTRY
    • C01BNON-METALLIC ELEMENTS; COMPOUNDS THEREOF; METALLOIDS OR COMPOUNDS THEREOF NOT COVERED BY SUBCLASS C01C
    • C01B17/00Sulfur; Compounds thereof
    • C01B17/02Preparation of sulfur; Purification
    • C01B17/06Preparation of sulfur; Purification from non-gaseous sulfides or materials containing such sulfides, e.g. ores

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Description

  • Verfahren zur unmittelbaren Gewinnung von Antimon, Zinn, Wismut, Blei aus ihren Sulfiden Die praktische Gewinnung von Metallen aus Sulfiderzen geht gewöhnlich so vor sich, daß die Sulfiderze vorher durch oxydierende Röst- oder Verflüchtigungsprozesse in die entsprechenden Metalloxyde übergeführt werden. Sulfidische Bleierze, wie z. B. Bleiglanz, werden in Röstöfen geröstet, wobei in neuerer Zeit durch die bekannten Sinterverfahren die Rüstung mit der für den Hochofen erforderlichen Sinterung zu einem einzigen Verfahren verbunden wird. Bei anderen Erzen, wie bei denen des Antimons, welche sich bei der Rüstung in hohem Maße verflüchtigen, wird diese Eigenschaft direkt benutzt, um eine verflüchtigende Rüstung durchzuführen, durch welche alles Antimon mittels eines Erhitzungsprozesses aus dem Erze ausgetrieben und in Form von reinem Antimonoxyd in Sackfiltern oder elektrischen Stabsammlern niedergeschlagen wird. Im Falle der Bleierze wird das Sinter-Röst-Produkt im Schachtofen zu Blei reduziert, im Falle der Antimonerze wird das staubförmige Antimonoxyd in Flammöfen durch Zusatz von Reduktionskohle zu metallischem Antimon reduziert. Nur vereinzelt wird zur Behandlung von Sulfiderzen noch das sogenannte Niederschlagsverfahren angewendet, bei welchem die Überführung in Oxyd fortfällt und bei welchem durch Zusatz von Eisen der Erzschwefel unter Bildung von Schwefeleisen gebunden und das zu gewinnende Metall direkt als solches erhalten wird. Der Nachteil dieser Niederschlagsverfahren ist jedoch, daß das gewonnene Metall unrein ist und das gebildete Schwefeleisen noch beträchtliche Mengen des zu gewinnenden Metalls enthält, welche verlorengehen oder nur unter großen Kosten nutzbar zu machen sind. Dieses ist der Grund, warum die einstufigen Niederschlagsverfahren heute nur noch in Einzelfällen angewendet werden und die Verhüttung in zwei Phasen, also der oxydierenden Rüstung mit nachfolgender Reduktion, allgemein angewendet wird.
  • Bei eingehenden thermischen Untersuchungen an Sulfiden hat nun der Erfinder eine Möglichkeit herausgefunden, aus Sulfiderzen durch eine einzige Temperaturbehandlung das Metall herzustellen. Die Voraussetzung für das ausgearbeitete Verfahren ist eine Erhitzung in neutraler Atmosphäre, also von solchen Gasen, welche mit dem erhitzten Metallsulfid nicht in Reaktion treten. Durch Vakuum oder teilweises Vakuum kann die Arbeitsweise verbessert werden, jedoch ist ein solches in keiner Weise ein Erfordernis.
  • Das zu.beschreibende neue Verfahren unterscheidet sich streng von jenen bekannten Verfahren, bei welchen die Ofenatmosphäre mit dem zu behandelnden Erz in Reaktion tritt. Bei solchen bekannten Verfahren, sulfidische Erze im allgemeinen oder Nickel-Eisen-Sulfide im besonderen zu behandeln, geht der Weg in beiden Fällen über gebildetes Metalloxyd, welches dann reduziert werden muß. Eine solche Zwischenbildung von Metalloxyd ist aber bei diesem neuen Verfahren auszuschließen.
  • Ein anderes bekanntes Verfahren will Schwefeleisen durch Erhitzen entschwefeln dadurch, daß eine Erhitzung durch Hindurchleiten eines elektrischen Stromes durch das Schwefeleisen vorgenommen wird. .
  • Ein weiteres bekanntes Verfahren will Antimon aus seinen Schwefelverbindungen gewinnen dadurch, daß die Schwefelverbindungen innerhalb eines geschlossenen Ofens zur Dissoziation gebracht werden, wobei die Dämpfe aus Schwefel und Schwefelantimon in einem an den Ofen anschließenden beheizten Kanal so zerlegt werden, daß das abgeschiedene Antimon in die Dissoziationskammer zurückfließt.
  • Diese beiden Verfahren bedienen sich eines elektrischen Ofens, um eine möglichst hohe Temperatur zu erreichen, um dadurch eine Dissoziation in einem Gange herbeizuführen. Hierdurch läßt es sich nicht vermeiden, daß stark flüchtige Metallsulfide in beträchtlichem Maße verdampfen. Das für die Gewinnung von Antimon vorgeschlagene Verfahren. sieht zur Beseitigung dieses Übelstandes eigens den erwähnten Heizkanal vor, um die entweichenden Antimonsulfiddämpfe zu zerlegen. Der Erfolg einer solchen Maßnahme muß zweifelhaft erscheinen, und daher sucht das zu beschreibende neue Verfahren die Entstehung von Antimonsulfiddämpfen nach Möglichkeit von vornherein herabzumindern, indem eine stufenweise Erhitzung vorgenommen wird derart, daß der Siedepunkt des Metallsulfides möglichst schnell überschritten wird bis zur Erreichung beginnender Dissoziation des Metallsulfides und wonach dann die weitere Erhitzung nur gerade in dem Maße gesteigert wird, soweit die Zersetzungstemperatur der sich ständig an Metall anreichernden Sulfidschmelze eine ständige Erhöhung dieser Temperatur zum Zwecke der Dissoziation erfordert. Versuche haben ergeben, daß sich hierdurch nicht nur die Verflüchtigung von Sulfiddämpfen stark herabmindern läßt, sondern daß auch bei gemischten Metallsulfiden sich eine Trennung derselben herbeiführen läßt. Um die Erscheinungen im allgemeinen verständlich zu machen, sollen Versuchsergebnisse, die im besonderen mit Antimonsulfid erhalten wurden, geschildert werden, wozu aber zu bemerken ist, daß diese für andere Metallsulfide nur im Prinzip gültige sind, während die Einzelerscheinungen natürlich von Fall zu Fall den spezifischen Eigenschaften der anderen Metallsulfide oder gemischten Sulfide entsprechen.
  • Beim Erhitzen von Antimonsulfid zeigen bereits bei 82o9 dunkelrote Wolken und zugleich entweichender elementarer Schwefel die beginnende Dissoziation des Trisulfides an. Ab etwa io5o° ist das geschmolzene Bad in heftig wallender Bewegung, aber ohne andere Anzeichen einer Änderung der Dampfentwicklung. Es ergibt sich, daß bei diesem Temperaturgrade der Druck des Schwefeldampfes im Trisulfid 76o mm erreicht, so daß die Schwefelabspaltung mit größerer Heftigkeit erfolgt. Auch bei weiterem Erhitzen bis auf etwa ii7o' halten diese Erscheinungen mit unverminderter Heftigkeit an, die Schwefelabspaltung erfolgt kontinuierlich, aber ohne so weit zu gehen, daß metallisches Antimon auch nur in geringen Mengen und unbegrenzt langer Zeit dabei entstehen kann.
  • Erst bei weiterer Steigerung der Temperatur über ii7o ° tritt eine Änderung im Verhalten der flüssigen Phase ein. Das nach Abspaltung von Schwefel aus Antimon-Trisulfid entstandene Schwefel-Antimön-Produkt mit etwa 23 °/o S, welches stark an die Zusammensetzung Sb S herangekommen ist, ohne indes diese Molekülform haben zu müssen, beginnt sodann über li7o ° weiteren Schwefel abzustoßen in Richtung auf die Bildung metallischen Antimons hin. 1170' ist etwa der Siedepunkt eines Produktes von etwa der vorhin angegebenen Zusammensetzung mit 23 % S -t- 77 °/o Sb - also nahe Sb S -, der bei weiterer Temperatursteigerung und kontinuierlichen Schwefelabspaltung bis zum Siedepunkte des Antimons allmählich steigt, so daß bei Erreichen der Siedetemperatur des Sb selbst kein Schwefel mehr oder nur geringe Mengen in der Schmelze enthalten sind und diese nur noch vorwiegend Antimon enthält.
  • In einem Falle wurde nur bis 1350' erhitzt und hierbei nach erfolgter Abkühlung ein aus zwei Schichten bestehender Regulus erhalten, der zuunterst aus 226 g Metall und darüber geschichtet aus 128 g Sulfid bestand. Es ergab sich, daß je weiter die Temperatur gesteigert wird, um so geringer die Sulfidschicht und um so größer die ausgebrachte Metallmenge wird.
  • An und für sich würde sich hieraus eine einfache Art der Ausführung der Antimongewinnung durch einfaches Erhitzen bis auf etwa 1q.00° in neutraler Atmosphäre ergeben. Hierzu ist aber folgendes zu überlegen.
  • Sämtliche bisher geschilderten Vorgänge, die Dissoziation des Trisulfides zu einer niedriger geschwefelten Antimon-Schwefel-Legierung, die, wie erwähnt, ab 82o9 beginnt, wie auch die weitere Dissoziation dieser selben Antimon-Schwefel-Legierung zu metallischem Antimon werden begleitet von Verdampfungserscheinungen - bei niederen Temperaturen von Sulfid und bei Temperaturen von über 130o° durch Verdampfung von metallischem Antimon-, welches hier schon einen erheblichen Metalldampfdruck hat. Da der Zweck des Verfahrens der zu sein hat, eine möglichst große Menge Antimon in flüssiger oder fester Form direkt aus dem Sulfid auszubringen, müssen solche Arbeitsbedingungen geschaffen werden, welche die '#Terdampfungserscheinungen nach Möglichkeit beschränken: i. Eine erheblicheVerdampfung vonAntimonmetall ist auf die Weise zu vermeiden, daß die Temperatur, bei welcher Antimon einen erheblichen Metalldampfdruck zeigt, nicht überschritten wird.
  • 2. Eine erhebliche Verdampfung von Antimonsulfid, welche andererseits bei niederen Temperaturen stattfindet, wird vermieden durch rasches Überschreiten dieses Temperaturgebietes und durch Temperatursteigerung bis zu derjenigen, bei welcher eine starke Dissoziation zu Antimon-Schwefel-Legierung einsetzt.
  • Die neue Feststellung besteht- darin, daß während dieser Dissoziation zu Antimon-Schwefel-Legierung die Verdampfung selbst zurückgeht. Diese Temperatur ist aufrechtzuerhalten, bis alles Antimontrisulfid in genannte Legierung übergeführt ist. Dann muß die Temperatur wieder schnell gesteigert werden, damit die nun folgende zweite Dissoziation zu Metall einsetzt, wobei aber wiederum eine höhere Erhitzung, als zur Metallbildung nötig ist, nicht stattfinden soll, da hierdurch eine zu große Verdampfung von Antimonmetall herbeigeführt werden würde.
  • Diese Ausführungen gelten aber nicht nur für Antimonsulfid allein, was nur als Beispiel gewählt worden ist, es gilt vielmehr die allgemeine Regel, daß jeweils eine schnelle Erhitzung auf den Temperaturgrad vorzunehmen ist, bei welchem eine Dissoziation zu einer niedrigeren Schwefelungsstufe herbeigeführt werden soll und daß bei dieser Temperatur dann nach Möglichkeit zu halten ist, bis- die Dissoziation ihr für diesen Temperaturpunkt mögliches Ziel erreicht hat. Mit anderen Worten: Temperaturzonen, in welchen keine der erwähnten Teildissoziationen, d. h. Dissoziationen zu niederen Schwefelungsstufen, eintreten, sind durch schnelle Temperatursteigerung zu überschreiten.
  • Aus allem heraus ergibt sich, allgemein gefaßt, als ganz besonders zweckmäßig eine stufenweise Erhitzung. In genau dem gleichen Maße wurden diese Beobachtungen an Wismutsulfid festgestellt und auch an anderen Sulfiden, welche leicht der Verflüchtigung unterliegen, wie z. B. Bleisulfid und Zinnsulfid. Es soll aber im folgenden als Beispiel, lediglich für Antimonsulfid, in etwa die Art geschildert werden, wie die Erhitzung vor sich zu gehen hat, wenn man metallisches Antimön aus Schwefelantimon - Crudum bzw. Grauspießglanz - durch Dissoziation bei Atmosphärendruck herstellen will.
  • i. Zunächst schnelles Erhitzen des geschmolzenen Trisulfids auf den Temperaturbereich zwischen iooo und I150° (theoretisch zwischen io5o und 1170°).
  • 2. Verweilenlassen in diesem Temperaturbereich, bis der größte Teil des Schwefels, welcher durch die erste Dissoziation entfernbar ist, ausgetrieben ist, alsdann 3. Schnelle Erhitzung der Antimon-Schwefel-Legierung auf einen Temperaturbereich zwischen 130o° und 1400°, um die Zersetzung dieser Legierung zu metallischem Antimon vorzunehmen.
  • Die Versuche des Erfinders haben ergeben, daß auf diese Weise eine geringere Antimonverflüchtigung den Prozeß begleitet, als wenn, wie bei dem bereits bekannten Verfahren, eine sehr schnelle Erhitzung vom flüssig gewordenen Zustand sofort auf den Temperaturbereich von 150o° erfolgt.
  • Das Verfahren ist genau beschrieben worden für die Gewinnung von Antimon, es können aber sinngemäß in gleicher Weise ähnliche Metalle, wie z. B. Wismut und Zinn, aus ihren Sulfidverbindungen durch Erhitzung auf eine über ihrem Dissoziationsbereich liegende Temperatur gebracht werden. Es gelang sogar, durch Erhitzung von Bleisulfid beträchtliche Mengen Schwefel abzuspalten und dadurch metallisches Blei zur Abscheidung zu bringen. Allerdings bedurfte es hierfür Temperaturen von über INS', dem Siedepunkt einer Lösung von Blei im Bleisulfid und einer schnellen Erhitzung auf diese Temperatur, um eine vorzeitige, zu starke Verdampfung des Bleisulfides zu verhindern. Indessen kann die genannte Temperatur durch Anwendung eines Vakuums herabgesetzt werden.
  • Ein besonderes Anwendungsgebiet des beschriebenen Verfahrens ergibt sich aus Beobachtungen, welche bei der gleichen Behandlungsweise von Sulfidgemischen gemacht wurden. Beispielsweise wurde mit einem Gemisch von Bleisulfid-Antimonsulfid die beschriebene Erhitzung in neutraler Atmosphäre vorgenommen. Es zeigte sich hierbei, daß die gleichen Erscheinungen wie beim Erhitzen der Einzelgemische auftraten, trotzdem nach dem Einschmelzen eine völlig homogene, flüssige Schmelze entstanden war. Es waren lediglich die Grenztemperaturen entsprechend den Gesetzen von Dissoziation und Dampfdrucken' um einige 2o bis 30° nach oben verschoben. Unter Uberspringung der Zwischenbeobachtungen sei das Endergebnis mitgeteilt, nach welchem sich durch maximale Erhitzung bis auf 140o° ein Antimon-Regulus abgeschieden hatte, der 93,4°/o des in der Mischung enthaltenen Antimons ausmachte und der von einer Bleisulfidschicht überlagert war.
  • Es lag bei diesem Versuche, der zuletzt bei der Siedetemperatur des Bleisulfides verlief, vollkommen in der Hand, den noch verbliebenen Anteil an Bleisulfid, welcher nach der Abkühlung das Antimonmetall abtrennbar überlagerte, durch Fortsetzung der Erhitzung wegzusieden, woraus sich auch für die praktische Durchführung zwei Möglichkeiten ergaben: i. Die Erhitzung nur bis zur Abscheidung des metallischen Antimons zu treiben und das Bleisulfid flüssig oder fest als darübergelagerte zweite Schicht zu gewinnen und z. die Erhitzung so lange fortzusetzen, bis durch Sieden des Bleisulfides alles Pb S in kondensierbarer Dampfform entfernt ist und nur noch Antimonmetall im Ofen verbleibt.
  • Das überraschende Ergebnis, welches darin liegt, daß kein Bleisulfid zerlegt ist und sich infolgedessen keine Blei-Antimon-Legierung gebildet hat, die wertloser ist als metallisches Antimon, hat seine Ursache in der Feststellung, daß bei den angewendeten Versuchstenxperaturen das Antimonsulfid dissoziiert ist, es also keine Affinität für Schwefel besitzt und daher Bleisulfid nicht zu zerlegen vermag.
  • Es ergibt sich also neben den Feststellungen, die zu dem oben beschriebenen Verfahren geführt haben, eine weitere, neue Möglichkeit, Antimon von Bleiverbindungen zu trennen, das Antimon also aus zusammengesetzten Blei-Antimon-Verbindungen abzuscheiden. Voraussetzung ist nach allem Vorhergehenden natürlich, daß beide Metalle in sulfidischer Form vorliegen. Weiter ergibt sich aber auch die Möglichkeit, andere als sulfidische Stoffe, z. B. metallische oder oxydische oder sonstige Stoffe, zu trennen, nur ist es dann erforderlich, dieselben vorher durch einen Schwefelungsprozeß in eine sulfidische Form überzuführen.
  • In genau der gleichen Weise lassen sich auch zusammengesetzte Zinn-Blei-, Zinn-Antimon-, Wismut-Blei-Produkte usw., auch mehrfach zusammengesetzte und Kupfer enthaltende Produkte voneinander trennen. Maßgebend für die Zerlegung ist jedesmal das Erhitzen auf Dissoziationstemperatur des bei der niedrigsten Temperatur dissoziierenden Metallsulfides. Das Metall dieses Sulfides scheidet sich zuerst ab, während die anderen Metallsulfide entweder verdampfen, als kondensierte Sulfiddämpfe gewonnen werden können - wobei es auch im Belieben steht, diese Dämpfe zu Oxyd zu verbrennen und dann zu kondensieren -, oder in flüssiger oder fester Form in getrennter Schicht von den dissoziierten Metallen.
  • Die Ausführung dieses Verfahrens hat in Öfen zu erfolgen, welche x. die Aufrechterhaltung einer neutralen Atmosphäre über der Badoberfläche gewährleisten, 2. eine kleine Oberfläche im Verhältnis zum Volumen des Schmelzbades aufweisen und 3. eine gleichmäßige, regulierbare, langsame oder schnelle Erhitzung des geschmolzenen Bades ermöglichen.
  • Schachtöfen und stationäre Flammöfen haben also von vornherein auszuscheiden, während Tiegelöfen, elektrische Öfen und sogenannte tiegellose Öfen mit Innenfeuerung geeignet sind.
  • Von den tiegellosen Öfen ist die in früheren Verfahren bereits geschilderte Kurztrommel besonders zu erwähnen, welche, da sie kontinuierlich während des Betriebes um 36o° drehbar, auf einer Seite verschließbar ist, die kleinste Oberfläche gegenüber dem Badinhalt aufweist und ihr Inhalt am gleichmäßigsten und am schnellsten auf eine einheitliche Temperatur erhitzt werden kann.
  • Von den elektrischen Öfen sind wegen ihrer guten Temperaturregulierbarkeit besonders zu bevorzugen die Induktionsöfen und hiervon die Hochfrequenzöfen, bei welchen zweckmäßig ein Metallrest im Ofen verbleibt, welcher durch seine Stromaufnahme jede neue Charge schnell einzuleiten vermag, in Anbetracht des Umstandes, daß die Sulfide eine schlechtere elektrische Leitfähigkeit als die Metalle haben.
  • Es kann auch zweckmäßig sein, die verschiedenen Erhitzungsphasen, beispielsweise in der oben geschilderten Verarbeitung von Antimonsulfid allein, des Schmelzens, der Dissoziation von Trisulfid zu Sb S, der Dissoziation von Sb S zu Metall in verschiedenen Öfen oder Tiegeln hintereinander vorzunehmen. Es kann ferner in der Weise verfahren werden, daß in einem Ofen oder Tiegel ständig eine dissoziierte Metallsulfid-Schmelze unterhalten wird und in diese kontinuierlich oder in Abständen Metallsulfid eingetragen wird. Es ist dann allerdings nötig, um von Zeit zu Zeit, dem Zusatz von Metallsulfid entsprechend, das dissoziierte Metall abstechen zu können, bis auf eine niedrigere Temperatur abzukühlen, beispielsweise im Falle des Antimonsulfides unter 7oo °, damit Antimonmetall und Antimonsulfid-Schmelze in zwei Schichten sich trennen können, deren unterste dann abzustechen ist. Natürlich kann auch so vorgegangen werden, daß die oberste Schicht von Metallsulfid in einen anderen Ofen oder Tiegel gegossen wird und in diesem Metallsulfid nachgesetzt wird, entsprechend einer nachfolgenden Behandlung wie beim ersten Ofen. In dieser Weise können zwei Tiegel oder Öfen wechselweise zusammenarbeiten.
  • Zusammenfassend sei wiederholt, daß, wenn die allgemeinen Schilderungen und Beschreibungen zur Klarstellung der Verhältnisse sich in der Hauptsache eines Beispiels, des Antimonsulfides, bedienen, sich das geschilderte Verfahren doch auch auf andere Metalle zur Gewinnung aus ihren Sulfiden, wie z. B. Wismut, Blei, Zinn usw., anwenden läßt. Es ist dann entsprechend gleich zu verfahren, nur richten sich die Temperaturen natürlich nach den Siede-und Dissoziationstemperaturen dieser Metalle. Während bei Oxyden die Dissoziation bei in der Industrie üblichen Temperaturen nur im Vakuum vorgenommen werden kann, da die Dissoziationstemperaturen der Oxyde bei Atmosphärendruck in praktisch nicht erreichbaren oder ungünstigen Temperaturgebieten liegen - ungünstig z. B. insofern, als die Verdampfung bei diesen Temperaturen schon eine zu starke ist -, bietet dieses Verfahren der Dissoziation von Sulfiden den Vorteil, Temperaturen anwenden zu können, die bei den bis heute entwickelten Öfen leicht erzeugt werden können, so daß es also einer komplizierten Vakuum-Apparatur nicht bedarf.
  • Um auch Oxyde in Metalle überzuführen bzw. Oxyd- oder andere Metallrohstoffgemische in die Einzelmetalle zu zerlegen, ist es natürlich auch ausführbar, diese vorher zu schwefeln und die hierbei gewonnenen Sulfide dann dem Dissoziationsverfahren zu unterwerfen.

Claims (7)

  1. PATENTANSPRIICIRE: i. Verfahren zur unmittelbaren Gewinnung von Antimon, Zinn, Wismut, Blei aus ihren Sulfiden, dadurch gekennzeichnet, daß diese zum Zwecke stufenweiser thermischer Dissoziation zu Metall in neutraler bzw. nicht oxydierender Atmosphäre einer differenzierten Erhitzung unterworfen werden, welche darin besteht, daß Konstanthaltung der Temperatur bei Teildissoziationen und schnelle Erhitzung nach Beendigung derselben wechselweise aufeinanderfolgen.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch i, dadurch gekennzeichnet, daß beim Vorliegen zusammengesetzter Metallsulfide eine stufenweise Dissoziation unter Abscheidung des bei niedrigster Temperatur dissoziierenden Metalls vorgenommen wird.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch i und 2, dadurch gekennzeichnet, daß beim Vorliegen nichtsulfidischer, sondern oxydischer oder anderer Metallrohstoffgemische diese zur Verarbeitung gemäß Anspruch :2 durch vorhergehende Schwefelung in Sulfidgemische übergeführt werden. q..
  4. Verfahren nach Anspruch 2 und 3, dadurch gekennzeichnet, daß während oder nach der Dissoziation eines Sulfides zu Metall die nicht dissoziierten Sulfide so weit verdampft werden, daß nur eine Metallschmelze übrigbleibt, wobei die verdampften Sulfide als solche kondensiert werden.
  5. 5. Verfahren nach Anspruch 2 bis q., dadurch gekennzeichnet, daß die verdampften Sulfide in einer Zwischenapparatur zwischen Ofen und Kondensation zu Oxyden verbrannt werden.
  6. 6. Verfahren nach Anspruch i bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Erhitzung vorzugsweise in Kurztrommelöfen vorgenommen wird.
  7. 7. Verfahren nach Anspruch i bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Erhitzung in elektrischen Induktionsöfen, besonders in Hochfrequenz-Induktionsöfen, vorgenommen wird, bei denen das abzuscheidende Metall die Heizquelle darstellt. B. Verfahren nach Anspruch i bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß zwei Tiegel oder zwei Öfen wechselweise derart aufeinander arbeiten, daß in einem dieser beiden Tiegel oder Öfen eine teilweise dissoziierte Sulfidschmelze sich befindet, in welche frisches Sulfid nachgefüllt wird, worauf dann nach erfolgter teilweiser, durch Erhitzung zu Metall bewirkter Dissoziation die überstehende Sulfidschmelze in den jeweils anderen Tiegel oder Ofen abgegossen wird.
DE1930554337D 1930-08-23 1930-08-23 Verfahren zur unmittelbaren Gewinnung von Antimon, Zinn, Wismut, Blei aus ihren Sulfiden Expired DE554337C (de)

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