DE4726C - Neuerungen an WOOLF'schen und Zwillings-Dampfmaschinen zum direkten Betriebe von Pumpen - Google Patents
Neuerungen an WOOLF'schen und Zwillings-Dampfmaschinen zum direkten Betriebe von PumpenInfo
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- F—MECHANICAL ENGINEERING; LIGHTING; HEATING; WEAPONS; BLASTING
- F01—MACHINES OR ENGINES IN GENERAL; ENGINE PLANTS IN GENERAL; STEAM ENGINES
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Description
1878.
Klasse 14.
C. KAYSER in BERLIN. Neuerungen an Woolf sehen und Zwillings-Dampfmaschinen zum directen Betriebe von Pumpen.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 25. August 1878 ab.
In dem in der Zeichnung: dargestellten Aufrifs
einer liegenden Dampfmaschine, Fig. 1, ist zu ersehen, dafs der Kreuzkopf k der Kolbenstange
mittelst eines kurzen Gelenkstückes mit dem Endzapfen e eines Hebels verbunden ist,
welcher um die festgelagerte Axe b schwingt. Ein dem Drehungsmittelpunkte des Hebels
etwas näher liegender Zapfen c ist mit dem Krummzapfen d der Schwungradwelle, deren
Axmittel durch α bezeichnet ist, durch eine kurze Lenkstange c d verbunden. Wenn nun
der Hebel e b der hin- und hergehenden Bewegung der Kolbenstange folgt, so wird er
durch die Lenkstange den Krummzapfen zur Drehung veranlassen. Soll nun die Rotationsgeschwindigkeit
der Axe a constant sein, so können die hin- und hergehenden Schwingungen des Hebels nicht in gleichen Zeiträumen erfolgen,
da sich die todten Punkte in der Stellung der Lenkstange zum Krummzapfen nicht
diametral gegenüber liegen. Es wird die Schwingung in der einen Richtung in kürzerer Zeit
erfolgen müssen, als in der entgegengesetzten.
Wählt man nun in dieser Combination die Verhältnisse so, dafs, wenn man die Länge des
Krummzapfenradius durch r bezeichnet, die Entfernung der beiden Axen α und b von ein-,
ander = 2 r; die Entfernung des Zapfens c im Hebel von dessen Drehaxe b = 3 r; und die
Länge der Lenkstange von Zapfen zu Zapfen, also von c zu d =rl/6 ist, so werden die
Schwingungen des Hebels in der einen Richtung gerade doppelt so viel Zeit gebrauchen,
als in der entgegengesetzten; die todten Punkte liegen im Kurbelkreise um 120 ° bezw. 240 °
aus einander, und die Schwingungen des Hebels fassen genau einen Winkel von 60° ein; d. h.
der Hub, welchen die Schwingung des Hebels gestattet, ist genau gleich seiner Länge.
Denkt man sich nun zwei diametral gegenüberstehende Krummzapfen einer Welle durch
die vorstehend erörterte Combination mit den Dampfkolben zweier parallel neben einander
gelagerten Dampfmaschinen verbunden, so ergiebt sich sofort, dafs für die. auf Drehung wirkenden
Kräfte in Bezug auf die Welle kein todter Punkt existirt. Denn wenn die eine
Kurbel auch im todten Punkte steht, so befindet sich die andere, diametral gegenüberstehende
um einen Winkel von 60° vor demselben, oder um ebensoviel jenseits desselben.
Abgesehen davon, dafs dadurch für ein Schwungrad, welches zum Ausgleich der Bewegung
anzuwenden wäre, eine geringere Masse erforderlich wird, als wenn die todten Punkte
gleichzeitig erreicht würden, bietet diese Combination besondere V ortheile für den Betrieb
einfach wirkender Druckpumpen. Denkt man sich nämlich mit jedem Dampf kolben die
Kolbenstange einer einfach wirkenden Druckpumpe direct verbunden, welche bei dem rasch
erfolgenden Hube des Kolbens saugt, und bei seiner langsamen Rückkehr das angesaugte
Wasser fortdrückt, so wird die von beiden Pumpen gemeinschaftlich geförderte Wassersäule
nie zur Ruhe kommen, sondern, wenn auch mit einigen Schwankungen in der Geschwindigkeit,
in stetiger Bewegung bleiben. Während der drückende Pumpenkolben sich mitten im Hube befindet, befindet sich der an-,
dere mitten im Rückgange. Da dieser aber doppelt so schnell erfolgt, so tritt dieser zweite
Kolben auch schon wieder in die Druckarbeit ein, bevor noch der erste die seinige vollendet
hat, so dafs also die Fortbewegung der verdrängten Wassermasse keine Unterbrechung erleidet,
was namentlich bei grofsen Druckhöhen, wo die bewegte Wassersäule eine, bedeutende
Masse repräsentirt, von grofsem Vortheil ist. Andererseits wird das Bedenken, welches man
gegen das mit doppelter Geschwindigkeit erfolgende Ansaugen erheben könnte, dann unbeachtet
bleiben können, wenn man die Saughöhe auf ein Minimum zu reduciren vermag. In welcher Weise dieser Zweck unter Umständen
noch besonders gefördert werden kann, wird weiter unten näher dargethan werden.
Diese Erwägungen · führten nun dazu, die erläuterte Combination bei einer Wo ο If'sehen
Dampfmaschine in Anwendung zu bringen. Man denke sich die beiden Dampfcylinder durch die Cylinder einer Woolf sehen Maschine
substituirt, welche parallel neben einander gelagert, und in ihren Dimensionen und im Expansionsverhältnifs
so bemessen sind, dafs jeder derselben etwa dieselbe Arbeitsleistung bietet. Da die gleichzeitige Bewegungsrichtung ihrer
Kolben doch in der Hauptsache eine entgegen-
gesetzte ist, so gewähren sie den Vortheil, dafs der Dampf aus dem Hochdruckcylinder in den
Expansionscylinder direct an den gleichgelagerten Enden übertreten kann. Verwendet man
eine solche Woolf'sche Maschine zum Betriebe von zwei einfach wirkenden Druckpumpen in
der oben erläuterten Weise, so kann der ungleichen Arbeitsleistung der Pumpen während
der Druckarbeit und während des Ansaugens im wesentlichen dadurch Rechnung getragen
werden, dafs man für den schnellen Rückgang des Dampfkolbens einen erheblich geringeren
Füllungsgrad, also gröfseresExpansionsverhältnifs benutzt.
Fig. ι der beiliegenden Zeichnung stellt eine nach diesen Grundideen construirte Wo ο Ifsche
Maschine für Wasserfördernng dar, und zwar von der Seite des Hochdruckcylinders aus gesehen, mit Weglassung des dahinter liegenden
Expansionscylinders und dessen Zubehör.
Der Bewegungsmechanismus, der für beide Cylinder congruent ist, wurde bereits oben
näher erläutert. Für die Geradführung der Kolbenstange sindParallelogramme angenommen.
Der Zutritt des Dampfes zum Hochdruckcylinder wird durch zwei Doppelsitzventile vermittelt,
welche oben auf dem Cylinder angeordnet sind. Den Uebertritt des Dampfes aus dem Hochdruckcylinder in den Expansionscylinder
reguliren zwei einfache Gitterschieber, an jedem Ende je einer, welche, wie der Durchschnitt,
Fig. 2, erkennen läfst, zwischen beide Cylinder, welche zusammengeschraubt angenommen
sind, aber auch in einem Stücke gegossen sein könnten, eingebaut sind. Der Austritt
des Dampfes nach dem Condensator wird endlich durch zwei Schieber oder Ventile vermittelt
(in der Zeichnung sind Schieber angenommen), welche sich unterhalb des Expansionscylinders
befinden.
Das Spiel der Einlafsventile soll durch eine Schiene bewirkt werden, welche in ihrer Mitte
von einem pendelartig schwingenden Hebel getragen, durch diesen eine hin- und hergehende
Horizontalbewegung erhält, während sie aber gleichzeitig durch eine besondere Vorrichtung
zu einer Verticalschwingung genöthigt wird, welche zwar mit der Horizontalschwingung isoxhronisch
ist, dieselbe aber dergestalt kreuzt, dafs die Schiene sich jedesmal in der Mitte
ihrer Horizontalverschiebung befindet, wenn sie in der Verticalbewegung nach oben oder unten
den gröfsten Ausschlag erreicht hat. An ihrer hinteren Seite befestigte Knaggen, welche bei
der mittleren Horizontalstellung der Schiene die herabhängenden Schenkel der mit den Ventilen
verbundenen Winkelhebel auf deren inneren Kanten eben berühren, nehmen demzufolge
bei der Verschiebung der Schiene den einen oder den anderen dieser Hebel mit, und
öffnen dadurch das entsprechende Ventil. Die Verticalbewegung der Schiene veranlafst aber
gleichzeitig ein Herabgleiten der Knagge längs des Hebels, und läfst infolge dessen das untere
Ende des Hebels schon vor Beendigung des Hubes los, worauf sich das Ventil schliefst.
Der Zapfen, um welchen der Verticalhebel schwingt, der die Steuerungsschiene trägt, kann
nach Bedürfnifs mittelst eines supportartigen Schlittens senkrecht verschoben werden, wodurch
man es in der Hand hat, das Auslösen der Winkelhebel später oder früher erfolgen
zu lassen, also den Füllungsgrad beliebig zu ändern.
Dafs die Verticalbewegung der Schiene von der Kolbenbewegung abhängig ist, indem sie
von einem kleinen Krummzapfen an der Welle, welche den Gegenstangen des Parallelogramms
als Drehaxe dient, bewirkt wird, ist aus der Zeichnung zu ersehen.
Dem verticalen Hebel, welcher die Steuerungsschiene trägt, wird seine pendelartige Bewegung
durch ein Excenter von besonderer Construction mitgetheilt, welches auf einer durch Räderübersetzung
betriebenen besonderen Steuerungswelle befestigt ist. Es ist aus der Zeichnung zu erkennen,
dafs die mittlere, also lothrechte Stellung dieses Hebels der Zeit nach mit den todten Punkten der Kolbenbewegung zusammenfallen
mufs, und dafs seine Schwingung nach der einen Seite hin und seine Rückkehr zur
lothrechten Stellung genau die Dauer des betreffenden Kolbenhubes haben mufs. Da aber
der Kolbenhub nach der einen Richtung hin doppelt so schnell erfolgt, wie in der entgegengesetzten,
so wird auch die Schwingung des Hebels nach der einen Seite und seine Rückkehr
zur Mitte in der Hälfte der Zeit erfolgen müssen, wie die Schwingung nach der anderen
Seite, trotzdem der Ausschlag nach beiden Seiten hin gleich grofs ist. Dies wird durch
das in Fig. 3 in Seiten- und Oberansicht dargestellte Excenter bewirkt. Mit der excentrischen
Scheibe, deren Excentricität wie gewöhnlich halb so grofs ist, wie die erforderliche
Schubbewegung, ist ein gezahntes Stirnrad S von einer geraden Anzahl Zähne, concentrisch
zur Scheibe, fest verbunden. Der die Scheibe umschliefsende Bügel hat ein Auge, durch welches
ein Zapfen ζ geht, auf dessen einem Ende ein Stirnrad s sitzt, welches mit dem- vorerwähnten
in Eingriff steht, aber nur genau halb so viel Zähne hat, wie jenes. Am andern Ende trägt der Zapfen ζ einen kleineren excentrisch
angesetzten Zapfen h (bezw. eine besondere excentrische Scheibe), dessen Excentricität
genau ein Drittel von der der grofsen excentrischen Scheibe beträgt. Von diesem Zapfen,
welcher mit doppelt so grofser Winkelgeschwindigkeit rotirt wie die excentrische Scheibe,
geht die Schubstange ans, welche den Verticalhebel an seinem unteren Ende angreift und in
Schwingung versetzt. Aufserdem ist wie gewöhnlich an dem Bügel der excentrischen
Scheibe eine Stange befestigt, welche aber
nicht zur Uebertragung einer Bewegung benutzt wird, sondern lediglich dazu dient, den Excenterbügel
in seiner Lage zu erhalten, und die deshalb in irgend einer beliebigen Weise geführt
werden kann. Die von dem kleinen excentrischen Zapfen h ausgehende Schubstange
bringt nun eine Schubbewegung hervor, welche genau die oben als nothwendig nachgewiesenen
Eigenthümlichkeiten besitzt, wenn der Rädereingriff so adjustirt ist, dafs die Centralen der
beiden Excentricitäten, wenn sie zu einander eine parallele Lage annehmen, zugleich parallel
zur Richtung der Schubstange sind. Diese theilt demgemäfs dem Verticalhebel eine Bewegung
mit, durch welche die für die correcte Steuerung der Maschine erforderliche Horizontalbewegung
der Steuerungsschiene hervorgebracht wird. Es ist leicht mathematisch nachzuweisen,
dafs die Gröfse der Schubbewegung doppelt so grofs ist, wie die Excentricität der Scheibe,
dafs die Mitte dieses Intervalles aber nach Drehungen derselben von 1200 bezw. 2400 erreicht
wird. Mittelst eines Excenters der beschriebenen Art sind auch die Schieber (bezw.
Ventile) für den Austritt des Dampfes nach dem Condensator direct zu bewegen.
Die Steuerung der Gitterschieber, welche den Uebertritt des Dampfes aus dem Hochdruckcylinder
in den Expansionscylinder zu regeln haben, mufs nothwendig so eingerichtet sein,
dafs die Schieber die Communication herstellen, sobald der Kolben im grofsen Cylinder am betreffenden
Cylinderende seinen Hub beginnt. Verfolgt man aber die gegenseitige Bewegung bezw. Stellung der beiden Dampfkolben durch
die verschiedenen Stadien eines Doppelhubes, so wird man finden, dafs die Zeitdauer, während
welcher die Communication offen zu halten ist, keineswegs mit der Dauer des vom grofsen Kolben zu machenden Hubes übereinstimmt,
sondern ganz correct mit der Dauer einer halben Umdrehung der Krummzapfenwelle übereinstimmen mufs. Die Bewegung
eines Gitterschiebers wird daher ganz correct durch eine excentrische Scheibe gewöhnlicher
Construction regulirt, nur mufs jeder Schieber eine solche für sich haben. Die Centralen
beider müssen an der Rotationsaxe zwischen sich einen Winkel von 1200 einschliefsen.
Die in der Zeichnung angedeuteten Pumpwerke, wenn die Maschine für deren Betrieb
benutzt werden sollte, sind gewöhnliche einfache Druckpumpen mit Taucherkolben. Um
aber der Saugarbeit, welche während des schnellen Kolbenrückganges erfolgen soll, zu
Hülfe zu kommen, ist folgende Einrichtung getroffen worden: Die Hebel, welche die Bewegung
der Dampfkolben aufnehmen, sind als Winkelhebel construirt, an deren anderem Ende
die Kolbenstangen von Luftpumpen aufgehängt sind, von denen also zwei mit einem gemeinschaftlichen
Condensator in einer Cisterne in dem Fundament unterhalb des Maschinenrahmens eingebaut sind. Diese Luftpumpen sind
so grofs zu machen, dafs sie reichliqh das Wasser zu liefern vermögen, welches gleichzeitig
von den Druckpumpen gefördert werden kann. Sie heben dann die ganze zu fördernde
Wassermenge den Druckpumpen zu, in welche nun das Wasser beim Herausziehen des Taucherkolbens
mit einem geringen hydrostatischen Drucke einströmt und eine eigentliche Saugarbeit
von den Druckpumpen nicht mehr zu verrichten ist. Der Condensator spielt dabei gewissermafsen die Rolle eines gemeinschaftlichen
Saugekessels für beide Luftpumpen.
Die hier beschriebene Anordnung für eine Wo ο If'sehe Maschine ist in ihrer Allgemeinheit
auch für eine Zwillingsmaschine passend; nur fallen bei dieser die Zwischenschieber fort, und
würde statt dessen jeder der beiden congruenten Cylinder aufser den Dampfeinlafsventilen noch
zwei Auslafsventile zu erhalten haben, die aber von der für die Einlafsventile benutzten Steuerungsschiene
ebenfalls mitzusteuern sind.
Claims (4)
1. Die Benutzung der aus der beschriebenen Combination des Hebels mit der Kurbel
entspringenden eigenthümlichen Schwingungen des Hebels unter Anwendung von zwei diametral entgegenstehenden Kurbeln zur
Bewegungsregulirung einer Zwillingsdampfmaschine bezw. der Kolben einer Woolfschen
Dampfmaschine.
2. Die besondere, durch die Beschreibung näher erläuterte Anordnung der Steuerung zur Erzielung
eines exaeten Spieles der Ventile bezw. der Schieber bei Benutzung dieses
Bewegungssystems für eine Woolf'sche
oder eine Zwillingsdampfmaschine.
3. Die eigenthümliche Construction des Doppelexcenters zur Erzeugung eines mit den
Kolbenhüben isochronischen Spieles der Ventile.
4. Die Benutzung der Luftpumpen als Zubringerpumpen für die Druckpumpen, wenn
die Maschine zum bergmännischen Pumpenbetrieb dienen soll.
Hierzu I Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
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