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Schloßspannung bei Selbstspannerkipplaufgewehren. Die Erfindung erstreckt
sich und ist praktisch anwendbar auf alle Arten von Schloß-oder Svstemkonstruktionen
von hahnlosen Kipplatifwaffen, speziell aber mehrläufigen, deren einzelne Läufe
nicht in derselben horizontalen Ebene liegen, d. h. in vertikaler Staffelung
oder übereinanderliegen, wie dies insonderheit 1.ei Kipplaufbockgewehren
(d. li, Gewehren mit vertikal übereinanderliegenden Läufen, wie Bockdoppelflinten,
Bockdoppelbüchsen und Bockhüchsflinten) der Fall ist. Insonderheit bezieht sich
die Erfindung auf Selbstspann,erbockwaffen mit Seitenschlossen vom Holland
& Holland- oder Purdevtyp oder mit einfachen Seitenschlossen eiiifac#erer
Art mit vor- oder rück-liegenden Schlagfedern sowie auch auf Bockwaff en im Original
A. &- D.-System und im sogenannten verbesserten X. &- D.-S",steni
mit separatem Schlagholzen und auf Waffen im sogenannten Y,Blitz«-System.
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Die bisher gefertigten und gebräuchlichen Bockwaffen, auch diejenigen
deutscher Konstruktion und Herstellung, besitzen durchweg den schweren und, wie
durch die Praxis häufig erwiesen, unter Umständen äußerst gefahrvollen Nachteil,
daß die abgeschossenen Patronenhülsen aus den Kaniniern entfernt und neue scharfe
Patronen in dieselben eingeführt ,verden können, ohne daß die Stangennasen in die
Rasten der Schlagstücke getreten und die z5
Schlosse endgültig gespannt sind.
Besonders wenn bei diesen Bockwaffen der obere Lauf allein abgefeuert worden ist,
kann bei einem relativ geringen Öffnungswinkel der Waffe 12' e Z,
die abgeschossene
Hüls aus der Kammer dieses oberen Laufes entfernt und eine neue Patrone eingeführt
werden, ohne (laß die end-14iltige Spannung des diesen Lauf bedienenden Schlosses
bewirkt ist. Auch für den unteren 1.iiif einer solchen Waffe kann dieser Fall eintreten,
wenn der Eintritt der Stangennase in die Rast verspätet, d. li. erst bei
zu großem Offnungswinkel der Waffe erfolgt, was spek# r" ziell dann leicht bei schneller
Handhabung der z# Waffe geschieht, wenn der sogenannte » Überzug« der Schlosse
in Abhängigkeit vom nffnungs- oder Brechungswinkel der Waffe nahezu gar nicht vorhanden
oder zu gering ist, was ebenfalls ein häufig vorkommender Konstruktionsfehler speziell
bei derartigen Kipplaufwaffen ist.
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Im Falle der Einführung einer neuen scharfen Patrone, z. B. in den
oberen Lauf einer Bockwaffe ohne daß der Eintritt in die Rast erfolgt ist und das
betreffende Schlagstück in Spannung zurückgehalten wird, schlägt nun (lies Schlagstück
unter dem freien Federdrucke beim Schließen der Waffe notgedrungen mindestens entsprechend
der Spannhebelübersetzung und entsprechend der Winkelgeschwindigkeit der Schließbewegung
auf den Schlagbolzen oder auf das Zündhütchen der neu eingeführten Patrone und bringt
dasselbe zur Entzündung, so daß der Schuß unversehens vorzeitig herausfährt. Diese
Fälle sind häufig gerade bei Bockgewehren, die sonst mit großer Berechtigung als
ein großer Fortschritt in der Vervollkommnung der jagdwaffen sowohl in konstruktiv-mechanischer
wie auch in schießtechnischer Hinsicht angesehen werden müssen, in der Praxis beobachtet
worden und gefährden den Schützen und seine Nebenleute in hohem -Maße.
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Sucht man nun diesem gefahrvollen Übelstande dadurch vorzubeugen,
daß man bei gebräuchlicher Spannhebelkonstruktion die Eintritte der Stangennasen
in die Rasten, was übrigens ebenfalls praktisch noch nicht versucht worden ist,
schon bei einem solchen Offnungswinkel der Waffe bewirkt, bei welchem noch keine
neue Patrone in die Kammer des betreffenden Laufes eingeführt werden kann, so ergibt
sich praktisch bei fast allen Konstruktionen der große Nachteil eines sehr geringen
wirksamen Schlaghubes oder Zuges, besonders für (las den oberen Lauf einer so!-chen
Wafie bedienende Schlagstück. Die kn
Folge davon ist unweigerlich
ein zu geringes t> e> ZD Schlagmoment und ständig auftretende V.ersager,
welche die Waffe unbrauchbar machen. Besonders bei der bei Bockgewehren und Drillingen
zum Teil erheblichen Schräglage der t' ZD '
Schlag,bolzen sowohl in der vertikalen
wie auch in der horizontalen Ebene macht sich ein zu geringes Schlagmoment erwiesenermaßen
sofort durch auftretende Versager und imsichere Zündung bemerkbar. Diesem Übelstande
ist auch nicht durch Verstärkung der Schlagfedern abzuhelfen, denn meistens ist
nicht der Raum für stärkere und langschenkligere Federn vorhanden, und ferner würde
eine solche Verstärkung der Hauptschlagfedern auch eine unzulässige Beanspruchung
der übrigen Schloßteile und deren baldigen el 21 Bruch herbeiführen sowie auch die
Betätigung der Schloßspannungen und die Handhabung der Waffe durch harten und schweren
Gang beim,Öffnen der Waffe erschweren.
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Zweck und Wesen der Erfindung ist nun, 21 dein gekennzeichneten Übelstandeabzuhelfen,
und zwar ohne Verminderung, ja sogar noch unter Erhöhung des wirksamen Schlaghubes
und unter Vermeidung aller daraus resultierenflen 'Nachteile. Die Lösung dieser
Auf gabe erfolgt z. B., wie in der Abb. A chernatisch dargestellt, bei den
Holland & Holland-Seitenschlossen einer Selbstspannerbockdoppelflinte
durch eine dreifache Spannhebelkombination der drei Spannhebel a, b, c.
Durch eine solche Konstruktion kann die endgültige Spannung eines jeden Schlosses
bei ganz beliebiger und völlig unabhängig zu wählender Kastenlänge der betreffenden
Waffe und ferner für jeden beliebigen Kipp- oder Offnungswinkel der Waffe bewirkt
werden dergestallt, daß z. B. bei einer Bockwaffe aus keinem der beiden vertikal
übereinander gelagerten Läufe die abgeschossene Hülse aus der Patronenkammer entfernt
und eine neue scharfe Patrone eingeführt werden kann, ohne daß nicht bei dieser
kleinen Öffnungsstellung für jeden der beiden Läufe die Stangennasen schon endgültig
in oder hinter die Rasten der Schlagstücke getreten sMd und damit unter allen Umständen
die Festhaltung der Schlagstücke in Spannstellun 'g gewährleistet ist. Gleichzeitig
kann hierbei auch in jedem Falle und für jedes der beiden Schlosse einer solchen
Waffe der wirksame Schlaghub des Schlagstückes d innerhalb gewisser Grenzen
beliebig geregelt und vor allem in mehr als ausreichendem 'Maße groß genug gestaltet
werden, wie dies z. B. der für ein solches Schloß große Schlaghub des in der Zeichnung
wi#edergeg#benen linken Holland-Schlosses beweist, welches den oberen Lauf einer
schweren Bockdoppelflinte mit Ejekt#r c und mit sogenannten Holland &
Holland-Seitenschlossen bedient. Die Regelung des samen Spann- und Schlaghubes der
Schlagstücke in seiner Größe und in seiner Abhängigkeit von dem jeweiligen maßgebenden
Offnungswinkel der Waffe in bezug auf den betreffenden Lauf erfolgt durch das den
je-
weiligen, Um-ständen und Bedingungen anzupassende übersetzungsverhältnis
der Hebel, welches diesbezügliche Anforderungen der stets von Fall zu Fall wechselnden
'Verhältnisse gerecht gestaltet werden kann. Dies Übersetzungsverhältnis kann oder
muß, auch für jedes der beiden Schlosse, ein anderes sein und wechselt ferner natürlich
auch mit der Je-
weiligen Länge des Kastens der Waffe und den Ausmaßen ihrer
Kammerdurchmesser und Wandstärken an den Kammern und ihren Ausfall-,vinkeln. Hierbei
ist es auch möglich, für die Schlagstücke beider Schlosse beim größten Ausfallwinkel
der Waffe einen korrekten Überzug, soweit er aus praktischen Gründen wünschenswert
ist, zu erzielen.
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Eine Lösung der Aufgabe unter gleichzeitiger Beschränkung der Hebelzahl
oder Beschränkung derselben auf selbst nur einen Spannhebel ist in vielen Fällen
auch dadurch glich, daß bei abgestimmten Schenkellängen des Spannhebelstisw. dem
Spannhebel und t' insonderheit der vorderen Spannhebelnase sowie auch ihrer Spannauflage
im Vorderschafte eine besondere Form gegeben wird. Es kann 7. B. bei entsprechender
Wölbung die Gestaltung der Spannhebelauflage im Vorderschaft, die vordere Spannhebelnase
des Spannhebels selbst, an ihrer unteren und oberen Seite vertikal verbreitert werden
und dort eine entsprechend geformte erhöhte Nase erhalten, auf welche der Spanndruck
erfolgt und welche beim üffnen der Waffe auf der Spannauflage entlanggleitet. Die
Abgleitkurve dieser beso nders getorrnten Spannase kann dabei dergestalt gehalten
sein, daß bis zu einem bestimmten Offnungswinkel oder Spannhub der Waffe die Spannung
des Schlagstückes frühzeitiger und in beschleunigtem Tempo erfolgt, während z. B.
nach erfolgtem Eintritt der Stangennase trotz zunehmendem üffnungswinkel der Waffe
der letzte Teil der Spannasenkurve an seiner Auflage am Vorderschaft dergestalt
abgleitet, daß praktisch keine oder nur noch eine geringe. Spannhebelbewegung erfolgt
und dädurch ein unzulässiger Überzug des Schlag stückes nach erfolgtem Rasteintritt
vermieden wird. Eine solche Formgebung der Abgleitkurve der Spannasen, speziell
für den oberen Lauf einer Bockwaffe, ist wichtig in Hinsicht auf die Unzulässigkeit
einer weiteren Schlagstückbewegung, nachdem der Rasteintritt bei nahezu größtem
Schlaghub erfolgt ist, weil dann ja kein weiterer Raum für eine Rückwärtsbewegung
des SchlagstÜckes vorhanden t' ZD ist und weil auch ein- übergroßer Überzug aus
deni
Grunde vermieden werden muß, weil beim Schließen der Waffe die Aufsatzgeschwindigkeit
der Rast des Schlagstückes auf die Stangennase eine zu hohe werden würde und dadurch
-sich die Rasten und Stangennasen beim Gebrauch zu schnell abnutzen und verhäminern
würden, so (laß die fein eingestellte Abzugsstellung verlorengeht. An Stelle der
diesbezüglichen Fornigebung und Ab-
stimmung der Spannhebelnase und ihrer
Auflage innerhalb des #7 orderschaftes kann selbstverständlich auch dasjenige Ende
des Einspannhebels, welches gegen das Schlagstück selbst drückt und dasselbe anhebt,
ehenso wie die betreffende Widerlagerfläche des Schlagstückes entsprechend geformt
und abgestimmt sein, damit dann die gekennzeichnete Schloßfunktion erzielt wird.
Hierbei tritt dann vorzugsweise nach erfolgtern Rasteintritt und erreichtem größten
Spannhub (las innere Spannhebelende vom Schlagstückvöllig ab und schwingt bei weiterer
Üffnung der Waffe frei nach oben, während das Schlagstück selbst dann in der erreichten
Spann-Iage stehenbleibt.
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Die Spannung der Hauptschlagfedern erfolgt bei dieser Schloßfunktion
beim Öffnen (und auch beim Schließen bei anderen Schloßkonstruktionen) nicht in
demselben Tempo und parallel miteinander bei beiden Schlossen, sondern ist diesbezüglich
in ihrer Phase und auch in ihrem Kraftbedarf und Ausmaß ungleich und gegeneinander
verschoben. Das-
| selbe gilt bezüglich der Spannung der Federn, |
| z. B. des auf der Zeichnung dargesteläen zwei- |
| "liedrigen Holland & Hollandgejektors, |
| beim Schließen der Waffe, welche ihrerseits |
beim öffnen der Waffe auch nicht gleichzeitig ZD abschlagen, sondern hintereinander
die abgeschossenen Hülsen ausschleudern, sobald für jeden der beiden Läufe ein solcher
Ausfallwinkel erreicht ist, weicher die herausgeschleuderten Hülsen frei am Stoßboden
vorbei passieren läßt. Hierdurch ergibt sich der weitere Vorteil eines geringeren
Kraftaufwandes seitens des Schützen beim öffnen und Schließen der Waffe und eine
weit weniger ermüdende Führung und Betätigung der Waffe. Der Gang beim öffnen und
Schließen der Waffe ist ein viel geschmeidigerer, gleichmäßigerer und erheblich
weicherer, da er nicht nur an sich einen geringeren Kraftaufwand erfordert, sondern
auch die züi überwindenden Widerstände über einen längeren Weg viel gleichmäßiger
verteilt sind und nicht plötzlich in einem bestimmten Augenblick und
| bei bestimmtem Ausfallwinkel die Haupt- |
| spannarbeit für beide Schlosse gleichzeitig - |
| ebenso auch für denZj ektor - vom Schützen
lod" |
| ge |
| ,' fordert wird. Bei der vorliegenden Schloß- |
| spannung ist daher der Gang auch bei den |
| Ilanz langen Baskülen ein außerordentlich wei- |
| cher und geschmeidiger, was ein ebenfalls |
| nicht züi unterschätzender Vorteil ist. |