DE3920570C2 - - Google Patents

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Description

DL-2-Amino-4-methylphosphinobuttersäure (DL-Phosphinothricin oder DL-PTC) bzw. deren Ammoniumsalz ist eine Aminosäure mit wirksamen herbiziden Eigenschaften (DE-A-27 17 440). Die Aminosäure wirkt in der L-Form, während die enantiomere D-Form nahezu unwirksam ist.
Es sind deshalb enzymatische Verfahren entwickelt worden, welche eine Trennung der Enantiomeren oder eine enantioselektive Herstellung von L-PTC ermöglichen. Zu den letzteren zählt die enzymatische Transaminierung von 4- (Hydroxy)(methyl)phosphinyl-2-oxobuttersäure gemäß EP-A-2 48 357 bzw. EP-A-2 49 188. Bei diesem Verfahren entsteht ein Gemisch, das neben den Endprodukten L-PTC (1) und α- Ketoglutarsäure (2) noch nicht verbrauchte Anteile der Ausgangsstoffe 4-(Hydroxy)(methyl)phosphinyl-2- oxobuttersäure (3) und L-Glutaminsäure (4) neben anorganischen Salzen enthält. (1) bis (4) liegen ebenfalls salzartig vor, hauptsächlich in Form der NH4-Salze.
Wie in EP-A-2 49 188 beschrieben, können die Amino- und die Ketosäuren durch aufeinanderfolgende Anwendung von sauren und basischen Ionentauschern getrennt werden. Dabei erhält man z.B. das L-PTC (1) in 70% Ausbeute. Die Isolierung mittels Ionentauscher hat jedoch den Nachteil, daß sie nur im Labormaßstab sinnvoll ist. Eine Übertragung in technische Dimensionen verbietet sich aus wirtschaftlichen und ökologischen Erwägungen. Die mit anorganischen Salzen der Säuren (1) bis (4) und den zusätzlich angefallenen Salzmengen belasteten Ionenaustauscher müssen vor ihrem Wiedereinsatz mit viel Wasser und Säuren bzw. Basen gewaschen werden. Dabei entstehen hochverdünnte Salzlösungen, deren Entsorgung problematisch ist.
Es wurde nun ein aus einer Aufeinanderfolge verschiedener Fällungen und Trennungsschritte bestehendes Verfahren gefunden, das die beschriebenen Nachteile vermeidet und das Endprodukt L-PTC in hohen Ausbeuten (ca. 94% d. Th.) liefert. Dabei wird von den unterschiedlichen isolelektrischen Punkten (pKiso) der Verbindungen (1) und (4) sowie ihrer unterschiedlichen Löslichkeit am pKiso Gebrauch gemacht. Das Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, daß man die bei der enzymatischen Transaminierung von (3) resultierende, die Komponenten (1) bis (4) enthaltende Reaktionslösung zunächst (a) einengt, danach (b) mit Schwefelsäure auf pH 4,7 bis 3,2, vorzugsweise 4,2 bis 3,7 ansäuert, (c) die dabei ausfallende Glutaminsäure (4) abtrennt, (d) das Filtrat mit H2SO4 weiter bis pH 2-1 ansäuert und die Ketosäuren (2) und (3) extrahiert, (e) aus der eingeengten, mit NH3 auf pH 5-7 eingestellten wäßrigen Phase mit Alkohol das Ammonsulfat ausfällt und (f) aus dem Filtrat durch weiteres Einengen L-PTC (1) gewinnt. Das Verfahren wird im folgenden ausführlicher erläutert:
  • a) Zweckmäßig engt man auf etwa die Hälfte des ursprünglichen Volumens ein, doch ist das Maß der Volumenverminderung eine unkritische Richtgröße, die beträchtlich über- bzw. unterschritten werden kann.
  • b) Im pH-Bereich zwischen 4,2 und 3,7 können mindestens 90% der Theorie an L-Glutaminsäure abgetrennt werden, weshalb dieser Bereich sich für das Verfahren als besonders geeignet erweist.
  • c) Die Ausfällung der Glutaminsäure kann durch Zusatz geeigneter Fällungsmittel vervollständigt werden. Als solche eignen sich Alkohole wie z.B. Methanol, Ethanol, i-Butanol, i-Propanol; Ketone wie z.B. Aceton, Methyläthylketon u.a. und Äther wie Glyme, Diglyme, Triglyme, Tetraglyme, ferner Acetonitril. Besonders bevorzugt ist die Arbeitsweise ohne Zusatz von derartigen Fällungsmitteln.
  • d) Die Abtrennung der Ketosäuren wird vorzugsweise bei pH 2-1,5 vorgenommen. Bei diesen pH-Werten liegen die Verbindungen (2) und (3) als freie Säuren vor. Geeignete Extraktionsmittel sind wasserlösliche Alkohole wie n- Butanol, n-Pentanol und Cyclohexanol oder Ketone wie Cyclohexanon und Methylisobutylketon. Die Eluierung kann bei Raumtemperatur, aber auch bei erhöhter Temperatur vorgenommen werden.
  • e) Man kann erst einengen und dann auf pH 5-7 einstellen oder umgekehrt verfahren. Beim Einengen werden zunächst Reste der zugesetzten Extraktions- und Fällungsmittel abdestilliert. Zur Ausfällung des gelösten Ammonsulfats wird der eingeengten wäßrigen Phase ein niederer Alkohol (Methanol oder Ethanol, bevorzugt ersterer) zugesetzt. Nach dem Abfiltrieren des ausgefallenen Salzes wird durch weitere Destillation ein Teil des zugegebenen Alkohols zurückgewonnen.
Das beim weiteren Einengen erhaltene kristalline Produkt enthält nur noch geringe Spuren an Ammonsulfat sowie geringe Mengen der Verbindungen (2), (3) und (4), die jedoch die Verwendbarkeit des Produkts als Herbizid nicht beeinträchtigen. Das Verfahren ist in verschiedener Hinsicht überraschend. Zum einen war nicht vorhersehbar, daß die L-Glutaminsäure nach Aufkonzentrieren und Ansäuern der enzymatischen Lösung in so hohen Mengen abgetrennt werden kann, da die beiden Aminosäuren (1) und (4) strukturell sehr ähnlich sind und auch ähnliche isoelektrische Punkte aufweisen (pKiso(1)=2,7; pKiso(4)=3,2). Außerdem war nicht zu erwarten, daß das Ansäuern mit Schwefelsäure eine befriedigende Auftrennung der Komponenten ermöglicht.
Bereits bei Verwendung von Salzsäure läßt sich eine befriedigende Abtrennung der entstehenden Salze nicht mehr erzielen, obwohl Ammonchlorid an sich schwerer löslich ist als Ammoniumsulfat (Landolt-Börnstein, 6. Aufl. Bd. II/2, Seiten 3 bis 55 f).
In den folgenden Beispielen beziehen sich Mengen- und Prozentangaben auf das Gewicht, sofern nichts anderes angegeben ist.
Beispiele Beispiel 1
Eine bei der enzymatischen Transaminierung von (3) erhaltene Lösung bestehend aus 29,7 g NH4-Salz von (1), 76 g NH4-Salz von (4), 3,3 g NH4-Salz von (3) und 24,5 g NH4-Salz von (2) und 300 ml Wasser bei pH 8,0 wird soweit eingeengt, daß noch 162 g H2O vorhanden sind. Man fügt 12,5 g Methanol zu und säuert mit konzentrierter Schwefelsäure auf pH 4,0 an. Man rührt ca. 1 Stunde, saugt den Niederschlag bei Raumtemperatur ab und wäscht diesen zweimal mit jeweils 56 g einer Wasser-Methanol- Mischung (9 : 1). Die Waschlauge wird mit der Mutterlauge vereinigt und mit konzentrierter Schwefelsäure auf pH 1,6 angesäuert. Der ausfallende Niederschlag von 68 g (nach Trocknung) besteht laut Analyse aus 95,0% L-Glutaminsäure (4), 0,3% Ammonsulfat, 2,6% NH4-Salz von (1), 0,1% (3) und 0,2% (2). Der Filterkuchen kann wasserfeucht in die enzymatische Transanimierung zurückgeführt werden. Das Filtrat wird auf pH 1,6 gebracht und mit 500 ml Methylisobutylketon ca. 48 Stunden bei Raumtemperatur kontinuierlich extrahiert, wobei die Ketosäuren (2) und (3) entfernt werden. Die wäßrige Phase wird andestilliert und das restliche Methylisobutylketon entfernt, danach mit Ammoniak auf pH 7 gebracht; dann wird so stark eingeengt, daß die Lösung gerade noch rührbar ist. Man fügt 250 g Methanol hinzu, rührt 2 Stunden nach und filtriert das ausgefallene Ammonsulfat ab. Der Niederschlag wird mit Methanol/Wasser 80 : 20 gewaschen. Nach dem Trocknen erhält man 84,2 g Ammonsulfat. Aus der Mutter- und Waschlauge wird zunächst Methanol abdestilliert. Nach dem Eindampfen erhält man ein Produkt bestehend aus 27,9 g (ca. 94% d. Th.) L-2- Amino-4-methylphosphinobuttersäure-ammoniumsalz (1) neben 0,4% Ammonsulfat.
Beispiel 2 (Vergleich):
Man verfährt wie in Beispiel 1, setzt jedoch anstelle von Schwefelsäure konzentrierte Salzsäure ein. Hier findet man in der Endmutterlauge nach der Fällung von Ammonchlorid neben dem L-2-Amino-4- methylphosphinobuttersäure-ammoniumsalz (ca. 98% d.Th.) noch 28,2% der theoretischen Ammonchloridmenge wieder.
Beispiel 3
Die bei der enzymatischen Transaminierung von (3) erhaltene Lösung, die die gleiche Zuammensetzung (bei pH 8) wie in Beispiel 1 aufweist, wird zunächst soweit eingeengt, daß noch ca. 135 g Wasser vorhanden sind. Man fügt langsam unter gutem Rühren konzentrierte Schwefelsäure zu, bis der pH-Wert 3,7 beträgt, und rührt die entstandene Suspension 1 Stunde nach. Dann saugt man den Niederschlag bei Raumtemperatur ab und wäscht diesen zweimal mit je 50 ml gesättigter L-(+)- Glutaminsäurelösung. Der Niederschlag von 68,8 g (nach Trocknung) enthält laut Analyse 93,5% L-Glutaminsäure (4) (94,4% d. Th.), 0,8% Ammonsulfat, 2,8% NH4-Salz von (1) (ca. 6,5% d. Th.) 0,1% (3) sowie 0,2% (2). Der Filterkuchen kann wasserfeucht in den Transaminierungsprozeß zurückgeführt werden.
Die vereinigten Wasch- und Mutterlaugen werden mit konzentrierter Schwefelsäure auf pH 1,6 angesäuert und mit 500 ml Methylisobutylketon ca. 40 Stunden bei Raumtemperatur kontinuierlich extrahiert. Die wäßrige Phase wird andestilliert und dann mit Ammoniak auf pH 7 gebracht. Man engt so weit ein, daß der Rückstand noch rührbar ist, fügt 250 g Methanol zu und rührt 2 Stunden nach. Das ausgefallene Ammonsulfat wird filtriert, gewaschen und getrocknet. Man erhält 84,4 g Ammonsulfat. Aus der Mutter- und Waschlauge wird zunächst Methanol abdestilliert. Nach dem Eindampfen erhält man Produkt, welches 27,8 g L-2-Amino-4-methylphosphinobuttersäure­ ammoniumsalz der Formel (1) (ca. 93,5% d. Th.) und noch Spuren von Ammonsulfat enthält.

Claims (6)

1. Verfahren zur Gewinnung von L-PTC (1) aus der bei der enzymatischen Transaminierung von 4-(Hydroxy)(methyl) phosphinyl-2-oxobuttersäure (3) entstehenden sowie L-PTC (1), α-Ketoglutarsäure (2) sowie Reste von 4-(Hydroxy) (methyl)phosphinyl-2-oxobuttersäure (3) und L-Glutaminsäure (4) enthaltenden Reaktionslösung, dadurch gekennzeichnet, daß man die Lösung zunächst (a) einengt, danach (b) mit Schwefelsäure auf pH 4,7 bis 3,2 ansäuert, (c) die dabei ausfallende Glutaminsäure (4) abtrennt, (d) das Filtrat mit H₂SO₄ weiter bis pH 2-1 ansäuert und die Ketosäuren (2) und (3) extrahiert, (e) aus der eingeengten, mit NH₃ auf pH 5-7 eingestellten wäßrigen Phase mit Alkohol das Ammonsulfat ausfällt und (f) aus dem Filtrat durch weiteres Einengen L-PTC (1) gewinnt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man nach dem Einengen der Reaktionslösung (b) auf pH 4,2 bis 3,7 ansäuert.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß man (d) das Filtrat weiter auf pH 2 bis 1,5 ansäuert und die Ketosäuren bei pH 2-1,5 mit wasserlöslichen Alkoholen oder Ketonen als Extraktionsmittel extrahiert.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß man als Extraktionsmittel n-Butanol, n-Pentanol, Cyclohexanol, Cyclohexanon oder Methylisobutylketon einsetzt.
5. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß man (e) aus der eingeengten, mit NH₃ auf pH 5-7 eingestellten wäßrigen Phase das Ammonsulfat mit einem niederen Alkohol ausfällt.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß man als Alkohol Methanol oder Ethanol einsetzt.
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