DE3712440C2 - Testsystem und Verfahren zur Bestimmung mehrerer Substanzen auf der Basis der Bestimmung einer pH-Änderung - Google Patents

Testsystem und Verfahren zur Bestimmung mehrerer Substanzen auf der Basis der Bestimmung einer pH-Änderung

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Description

Die Erfindung betrifft ein Testsystem und ein Verfahren zur Bestimmung mehrerer Substanzen in einem für alle Bestimmungen gemeinsamen Reagenz (Grundsystem), wobei durch Zugabe eines für jede Bestimmung spezifischen Reagenzes (Komponente) direkt oder indirekt eine den pH-Wert verändernde Reaktion ausgelöst wird, die gemessen werden kann.
Die Bestimmung analytischer Parameter, insbesondere in der klinischen Chemie, erfolgt in der Regel mit einem für jeden dieser Parameter spezifischen Reagenz. Bedingt durch die unterschiedlichen Methoden laufen dabei Reak­ tionen ab, die wiederum mit verschiedenen Meßtechniken erfaßt werden. So werden eine Reihe von Substanzen und Enzymen direkt oder indirekt entweder über dinukleotid­ abhängige Reaktionen, wie Harnstoff, Glucose oder Trans­ aminasen, oder über Farbreaktionen, wie Magnesium, Kupfer, Eisen oder Phosphatasen nachgewiesen. Für die Vielzahl der Tests werden demnach eine große Zahl von Reagenzien und unterschiedliche Meßmethoden benötigt.
Seit langem gibt es Bestrebungen, eine Vereinfachung von Testsystemen zu erreichen. Dabei wurde insbesondere Wert auf die Vereinheitlichung von Reagenzien und Meßmethoden gelegt. Dies hat bereits zu einer Reihe von neuen Test­ anordnungen geführt. Aus der EP 44 388 ist bekannt, daß zur Untersuchung eines bestimmten Parameters mehrere Proben des gleichen Parameters nacheinander in einer Küvette bestimmt werden. Die nacheinander ausgelösten Reaktionen addieren sich, so daß über einen auf die gleiche Art zugegebenen Standard aus den einzelnen Signal­ stufen die Konzentrationen des gesuchten Parameters in den einzelnen Proben bestimmt werden können. Dieses System hat den Vorteil, daß verschiedene Proben des gleichen Parameters mit einem einheitlichen Reagenz über eine ein­ heitliche Meßreaktion nachgewiesen werden können. Als Nachteil muß jedoch gewertet werden, daß für jeden unter­ schiedlichen Parameter ein eigenes Reagenz benötigt wird.
Ein weiteres System betrifft die gleichzeitige Messung verschiedener Enzyme in einer Küvette, wobei die Indika­ torreaktionen bei unterschiedlichen Wellenlängen wechsel­ weise gemessen werden. Aus den so erhaltenen Signalen kann die Aktivität jedes einzelnen Enzyms berechnet werden (US 3 925 162). Damit besteht die Möglichkeit, in einem einzigen Testansatz mehrere Enzyme gleichzeitig zu bestimmen, vorausgesetzt, die Indikatorreaktionen können deutlich unterschieden werden. Außerdem erfordert ein solches System eine komplizierte Meßmethodik, da die unterschiedlichen Reaktionen einen ständigen Wellenlängen­ wechsel und ein entsprechend kompliziertes Auswertever­ fahren erfordern. Zudem sind nur wenige Anwendungen mög­ lich, da die erforderliche Voraussetzung optisch deutlich unterscheidbarer Meßreaktionen bei gleichen Reaktions­ bedingungen nicht häufig gegeben ist. Demnach ist die angestrebte Vereinfachung in diesem System nur mit großen Einschränkungen möglich.
In einem weiteren Beispiel werden verschiedene Zucker in einem einheitlichen Reagenz bestimmt, in welchem Glucose, Fructose und Sorbit unter Zugabe verschiedener Enzyme (Hexokinase, Phosphoglucoisomerase sowie einem Gemisch aus Sorbitdehydrogenase und Lactatdehydrogenase) nach­ einander in der gleichen Küvette nachgewiesen werden. Letztlich entsteht bei allen Reaktionen Glucose-6-phosphat, das mit der Glucose-6-phosphatdehydrogenase über die NADPH-Bildung einheitlich nachgewiesen wird (Methoden der Lebensmittelanalytik, Boehringer Mannheim, 1984). Auf diese Weise wird die Bestimmung von drei Zuckern in einem einzigen Testansatz mit einem einzigen Meßprinzip ermög­ licht. Allerdings muß die angegebene Reihenfolge einge­ halten werden, so daß nur Glucose für sich allein bestimmt werden kann, während die Bestimmung von Fructose die vor­ herige von Glucose und die von Sorbit die vorherigen von Glucose und Fructose voraussetzt. Zudem beschränkt das gewählte Meßprinzip die Methode prinzipiell auf die Ana­ lyse von Zuckern oder auf die am Zuckerstoffwechsel be­ teiligten Enzyme oder Komponenten. Parameter, die nicht zu dieser Klasse von Verbindungen gehören, wie Harnstoff oder Lactatdehydrogenase, können mit diesem System nicht bestimmt werden. Die Ursache dafür ist darin zu sehen, daß nur eine einzige, überdies hochspezifische Indikator­ reaktion zur Verfügung steht, die stets die Bildung von Glucose-6-phosphat voraussetzt.
Nach dem Stand der Technik wird zwar die Möglichkeit der Verwendung einheitlicher Reagenzien genutzt, die Indika­ torreaktionen (Meßreaktionen) sind jedoch so beschaffen, daß unterschiedliche Parameter entweder auch unterschied­ liche Meßreaktionen erfordern (z. B. bei der gleichzei­ tigen Messung von mehreren Enzymen in einer Küvette) oder aber, bei einer einheitlichen Meßreaktion (z. B. bei der Bestimmung von mehreren Zuckern in einer Küvette), die Parameter nicht mehr unabhängig voneinander gemessen werden können. Dadurch wird die Verwendungsmöglichkeit dieser Systeme stark eingeschränkt.
Universeller einsetzbar ist dagegen eine pH-Veränderung als Indikatorreaktion. Damit können die verschiedensten Substrate und Enzyme bestimmt werden, da pH-verändernde Reaktionen sowohl chemisch als auch enzymatisch weit ver­ breitet sind und so eine Vielzahl unterschiedlicher Re­ aktionen ausgenutzt werden kann; die Beschränkung auf eine einzige mögliche Indikatorreaktion entfällt. Die Messung kann je nach Bedarf auf verschiedene Weise er­ folgen, z. B. mit einer pH-Elektrode oder photometrisch bei Verwendung eines pH-Indikators.
Ein System, mit dem verschiedene Parameter einheitlich über pH-verändernde Reaktionen nachgewiesen werden können, ist aus Clin. Chem. 30, 556-559 (1984) bekannt, wobei in einem Fließ-Injektionssystem über eine pH- Elektrode Harnstoff, Creatinin und Glucose bestimmt werden. Allerdings wird für jeden Parameter ein eigenes Reagenz benötigt, so daß bei Wechsel von einer Bestimmung zu einer anderen jedesmal das ganze System gespült und neu äquilibriert werden muß. Lediglich die pH-Veränderung und die darauf beruhende Messung bleibt gleich. Die be­ kannten Systeme nutzen zwar die Möglichkeit der univer­ sellen pH-Veränderung und kommen damit dem Ziel einer Vereinfachung von analytischen Bestimmungsmethoden bezüg­ lich der Messung näher. Durch die erforderlichen spezi­ fischen Reagenzien wird jedoch der so erreichte Vorteil wieder deutlich eingeschränkt.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die oben erwähn­ ten Nachteile möglichst zu vermeiden, und zwar durch die Entwicklung eines Reagenzes, in welchem mehrere Substanzen unabhängig vonein­ ander mit einer auf verschiedene Weise auslösbaren, aber stets mit der gleichen Methode gemessenen Nachweisreaktion bestimmt werden können.
Diese Aufgabe wurde durch ein Testsystem gelöst, das die Bestimmung verschiedener Substanzen durch eine den pH-Wert verändernde Reaktion und einer darauf beruhenden Messung erlaubt.
Gegenstand der Erfindung ist ein Testsystem zur Bestimmung mehrerer Substanzen auf der Basis der Bestimmung einer pH-Änderung, das eine Pufferlösung mit einem definierten pH-Wert und eine für die jeweilige Nachweisreaktion spezifische Komponente enthält und das dadurch gekennzeichnet ist, daß die Pufferlösung für alle Substanzen gleich ist. Die Pufferlösung enthält gegebenenfalls einen pH-Indikator.
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur quantitativen Bestimmung mehrerer Substanzen auf der Basis der Bestimmung einer pH-Änderung mit Hilfe dieses Testsystems, das dadurch gekennzeichnet ist, daß ein für alle Bestimmungen gleicher Reaktionsträger mit der gleichen Pufferlösung eingesetzt wird und nach Zugabe der für die jewei­ lige Nachweisreaktion spezifischen Komponente und der Probe die für alle Bestimmungen gleiche Messung der pH-Änderung erfolgt.
Das erfindungsgemäße Testsystem enthält eine Pufferlösung mit einem definierten pH-Wert und die für die jeweilige Nachweisreaktion spezi­ fischen Komponenten, wobei die Pufferlösung und die Komponenten ent­ weder getrennt oder gemeinsam in einem Reaktionsträger zusammen­ gebracht werden.
Bei den zu bestimmenden Substanzen handelt es sich z. B. um Substrate, Enzyme, Ionen, Gase, vorzugsweise um Substrate und Enzyme, die in Körperflüssigkeiten vorkommen wie Harnstoff, Creatinin, Pyruvat, Tri­ glyceride, Glucose, Lactose, Sorbit, Arginin, Magnesium, Calcium, Urease, Creatininiminohydrolase, Lactatdehydrogenase, Malatdehydrogenase, Glucosedehydrogenase, Formiatdehydrogenase, Arginase, Hexokinase, Sorbitdehydrogenase, β-Galaktosidase, Lipoproteinlipase.
Die pH-Änderung kann entweder an der Substanz selbst erfolgen (direkt) oder auch an einem oder mehreren hervorgegangenen Folgeprodukten (indirekt), z. B. chemisch durch ein oder mehrere Enzyme, Komplexbildung, Adsorption oder andere Maßnahmen.
Direkte Reaktionen werden beispielsweise durch Enzyme hervorgerufen, deren Reaktion selbst eine pH-Änderung bewirkt. So führt die Hydrolyse von Harnstoff durch Urease zu einer stöchiometrischen Bildung von Ammoniak und damit zu einem pH-Anstieg. Dasselbe gilt für die Hydrolyse von Creatinin durch Creatininiminohydrolase. Ebenso bewirkt die große Gruppe der Dehydrogenasen eine pH-Änderung: bei Verbrauch von NAD(P)H + H⁺ eine Alkalisierung, bei Bildung von NAD(P)H + H⁺ eine Ansäuerung des Mediums. Dazu gehören beispielsweise die Enzyme Lactatdehydrogenase, Malatdehydrogenase, Glucosedehydrogenase oder Formiatdehydrogenase. Ebenso ist eine rein chemische, nicht enzyma­ tische pH-Veränderung möglich, wie die Komplexierung von Glucose mit Borat, die zu einer Ansäuerung des Mediums führt.
Bei indirekten Reaktionen sind der eigentlichen pH-Änderung eine oder mehrere pH-neutrale Reaktionen vorgeschaltet. Die Argininbestimmung kann z. B. mit Arginase als erstem Enzym durchgeführt werden, wobei Arginin in Ornithin und Harnstoff gespalten wird. Da diese Reaktion selbst nicht den pH-Wert verändert, muß eine zweite Reaktion angeschlossen werden. Das kann durch Urease erfolgen, da die Hydrolyse des ent­ stehenden Harnstoffs zu einem Überschuß an Ammoniak führt und damit zu einem Anstieg des pH-Wertes. Ebenso kann Lactose durch β-Galacto­ sidase bestimmt werden, deren Reaktion pH-neutral die Bildung von Glu­ cose und β-Galactose bewirkt. Die entstehende Glucose kann durch Glu­ cosedehydrogenase weiter umgesetzt werden, wobei die Bildung von NADH + H⁺ eine Ansäuerung des Mediums hervorruft.
Die Messung der pH-Änderung ist für alle Substanzen gleich und stellt das gemeinsame Meßprinzip dar. Sie kann z. B. photometrisch, reflektome­ trisch oder visuell mit Hilfe eines pH-Indikators, mit einer pH-Elektrode oder einem Halbleitersystem, titrimetrisch, aber auch durch andere auf eine pH-Änderung ansprechende Meßmethoden erfolgen.
Das erfindungsgemäße Testsystem enthält eine Pufferlösung mit einem definierten pH-Wert und gegebenenfalls einen pH-Indikator. Die Bestand­ teile können in trockener oder flüssiger Form vorliegen; sie sind für alle zu bestimmenden Substanzen gleich. Außerdem kann die Pufferlösung noch Bestandteile enthalten, die nicht für alle Nachweisreaktionen benötigt werden, wie Detergentien, Stabilisatoren und/oder Hilfsstoffe.
Geeignete Puffersysteme für das Grundsystem sind z. B. Imidazol, Imidazol-HCl, Tris(hydroxymethyl)aminomethan (Tris), Bis-Tris-Bis-Tris-propan, Diethanolamin, Tri­ ethanolamin, Aminomethylpropanol, vorzugsweise Imidazol und Trispuffer.
Geeignete pH-Indikatoren für das Grundsystem sind z. B. Phenolrot, Neutralrot, Kresolrot, Rosolsäure, m-Kresol­ purpur, o-Kresolphthalein, Thymolblau, Phenolphthalein, Methylrot, Neutralrot, 3-Nitrophenol, 4-Nitrophenol, Chlorphenolrot, Bromphenolrot, Bromkresolpurpur, Brom­ thymolblau, Xylenolblau, vorzugsweise Phenolrot, Neutral­ rot und Kresolrot. Die Konzentration der pH-Indikatoren sollte im Bereich von 0,005 bis 0,25% liegen.
Ein Grundsystem kann z. B. Imidazolpuffer, pH 5,5, und den pH-Indikator Phenolrot oder Trispuffer, pH 7,0, und den pH-Indikator m-Kresolpurpur für alkalische Reaktionen oder Imidazolpuffer, pH 8,5, und den pH-Indikator Neutral­ rot für eine saure Reaktion enthalten. Die jeweilige Pufferkonzentration richtet sich nach der gewünschten Empfindlichkeit der Tests; im allgemeinen liegt sie zwischen 5 und 50 mmol/l, kann aber für empfindliche Messungen auch ohne weiteres auf 1 bis 2 mmol/l erniedrigt werden. Je schwächer die Konzentration des Puffers ist, desto empfindlicher, aber auch störanfälliger wird der Test.
Zur Bestimmung von Harnstoff, Creatinin, Pyruvat, Arginin und der Enzyme Urease, Creatininiminohydrolase, Lactatde­ hydrogenase und Arginase ist ein Imidazolpuffer vom pH-Wert 5,5 und Phenolrot oder auch ein Trispuffer vom pH-Wert 7,0 und m-Kresolpurpur als pH-Indikator geeignet. Zur Bestimmung von Glucose, Magnesium, Sorbit und der Enzyme Glucosedehydrogenase, Hexokinase und Sorbitdehydro­ genase wird vorzugsweise ein Imidazolpuffer vom pH-Wert 8,5 und Neutralrot als pH-Indikator eingesetzt.
Die für die jeweilige Nachweisreaktion erforderlichen Kom­ ponenten sind Reagenzien in trockener oder flüssiger Form, die spezifisch mit dem jeweiligen Parameter reagieren und dadurch direkt oder indirekt die pH-verändernde Reaktion hervorrufen, die meßtechnisch ausgewertet wird. Die Re­ aktion kann z. B. chemisch durch ein oder mehrere Enzyme, durch Komplexbildung oder durch Adsorption erfolgen. Die Zugabe der gewählten Komponente zum Grundsystem kann auf verschiedene Weise erfolgen, z. B. in flüssiger Form, als Tablette oder in Form eines damit imprägnierten saug­ fähigen Trägers.
Der für alle Bestimmungen gleiche Reaktionsträger ist ein Gefäß oder eine Matrix zur Aufnahme des Grundsystems, der Komponenten und der Probe, in welchem die Reaktion ablaufen kann. Das Gefäß kann z. B. ein Reagenzglas, eine Küvette oder ein Durchflußsystem sein, das die Bestimmung mit einem flüssigen Reagenz erlaubt. Dies kann entweder direkt durch Zugabe des flüssigen Reagenzes erfolgen oder aber indirekt, wobei sich ein Trockenreagenz, z. B. ein Lyophilisat, eine Tablette oder ein Granulat im Gefäß befindet, das dann mit einem Solvent wie Wasser oder Puffer aufgelöst und so zum gebrauchsfertigen Reagenz wird.
Die Matrix kann ein saugfähiges Papier, ein Film oder ein anderes Material wie ein Schwamm, ein Schlauch oder ein Beutel sein, das zur Aufnahme von Reagenzien geeignet ist.
Das erfindungsgemäße Verfahren wird z. B. so durchgeführt, daß in eine Küvette, die einen geeigneten Puffer und einen geeigneten pH-Indikator enthält, die für die jewei­ lige Nachweisreaktion spezifische Komponente vor oder nach der Probe zugegeben wird. Im Falle von Phenolrot als pH-Indikator wird die pH-Änderung bei 546 nm durch Zu- oder Abnahme der roten Färbung des Mediums gemessen. Im gleichen Puffersystem - ohne pH-Indikator - kann die pH-Änderung auch mit einer pH-Elektrode bestimmt werden. Ist das Grundsystem und die für die jeweilige Nachweis­ reaktion spezifische Komponente in einer Matrix ent­ halten, so wird die Reaktion durch die Zugabe der Probe gestartet. Die gemessene pH-Änderung ist direkt propor­ tional der Konzentration der zu bestimmenden Parameter.
Entgegengesetzt reagierende Parameter können nacheinander in der gleichen Küvette bestimmt werden. Zweckmäßigerweise stellt man dabei das verwendet Puffer/Indikatorsystem auf einen mittleren pH-Wert ein. Nach Reaktion des ersten Parameters (z. B. alkalische Reaktion) kann der zweite Para­ meter zugegeben werden (saure Reaktion). Im ersten Fall erfolgt dabei z. B. ein Absorptionsanstieg und anschließend durch Zugabe des zweiten ein Absorptionsabfall.
Beispiel 1 Bestimmung von Harnstoff und Pyruvat mit einer pH-Elektrode
Grundsystem: 5,0 mmol/l Imidazol, pH 5,5
Komponente für die jeweilige Bestimmung von:
  • a) Harnstoff: Urease (200 kU/l)
  • b) Pyruvat: Lactatdehydrogenase (500 kU/l), NADH (0,02 mol/l)
Reaktionsansatz:
2,0 ml Grundsystem
0,02 ml Probe
0,06 ml Komponente (Startreagenz)
Die Messung des pH-Wertes erfolgt mit Hilfe einer pH- Elektrode vor (1. Messung) und 5 Minuten nach Zugabe des Startreagenzes (2. Messung). Die Differenz der pH-Werte stellt das Ergebnis der Messung dar, aus dem die Konzen­ tration der Probe berechnet werden kann.
Ergebnis
Das Ergebnis zeigt, daß mit dem gleichen Grundsystem je nach dem gewähltem Enzym (Komponente), unterschied­ liche Parameter über eine pH-Messung direkt bestimmt werden können. In diesem Fall ist die Zugabe eines Indikators zum Reagenz nicht notwendig.
Beispiel 2
Photometrische Bestimmung von Harnstoff, Pyruvat, Urease und Lactatdehydrogenase
Grundsystem
5,0 mmol/l Imidazol-HCl, pH 5,5
200 mmol/l Kaliumchlorid
0,1% Phenolrot
Komponente für die jeweilige Bestimmung von:
  • a) Harnstoff: Urease (200 kU/l)
  • b) Pyruvat: Lactatdehydrogenase (500 kU/l), NADH (0,02 mol/l)
  • c) Urease: Harnstoff (2 mol/l)
  • d) Lactatdehydrogenase: Pyruvat (0,1 mol/l), NADH (0,02 mol/l)
Reaktionsansatz:
1,0 ml Grundsystem (Grundreagenz)
0,03 ml Komponente (spezifisches Reagenz)
0,01 ml Probe (Startreagenz).
Die Messung der Absorption bei 546 nm erfolgt mit Hilfe eines Photometers vor (1. Messung) und 5 Minuten nach Zugabe des Startreagenzes (2. Messung). Die Differenz der Absorptionen (A₅₄₆ für Endpunktbestimmungen bzw. A₅₄₆/min. für kinetische Bestimmungen) stellt das Ergeb­ nis der Messung dar. Daraus kann über Faktor, Standard oder Extinktionskoeffizient die Konzentration oder Akti­ vität der Probe berechnet werden.
Ergebnis
Das Ergebnis zeigt, daß mit dem gleichen Reagenz, je nach dem gewählten Enzym bzw. Substrat (Komponente), unterschiedliche Parameter über einen weiten Linearitäts­ bereich bestimmt werden können. In diesem Fall handelt es sich um eine alkalische Reaktion.
Beispiel 3 Photometrische Bestimmung von Glucose und Triglyceriden
Grundsystem:
5,0 mmol/l Imidazol-HCl, pH 8,5
200 mmol/l Kaliumchlorid
0,1% Neutralrot
Komponente für die jeweilige Bestimmung von:
  • a) Glucose: Glucosedehydrogenase (250 kU/l), NAD (0,1 mol/l)
  • b) Triglyceride: Lipoproteinlipase (10 kU/l)
Reaktionsansatz:
analog Beispiel 2, jedoch mit dem Unterschied, daß das Probenvolumen für die Triglyceridbestimmung 0,1 ml be­ trägt.
Ergebnis
Ebenso wie in Beispiel 2 werden auch hier unterschied­ liche Parameter mit einem Reagenz bestimmt. Nur handelt es sich in diesem Fall um eine saure Reaktion.
Beispiel 4
Photometrische Bestimmung von Harnstoff und Glucose nach­ einander in derselben Küvette durch eine alkalische und eine anschließende saure Reaktion.
Grundsystem:
3,0 mmol/l Tris-HCl, pH 6,5
200 mmol/l Kaliumchlorid
0,1% Kresolrot
Komponente für die jeweilige Bestimmung von:
  • a) Harnstoff: Urease (200 kU/l)
  • b) Glucose: Glucosedehydrogenase (250 kU/l) NAD (0,1 mol/l)
Reaktionsansatz analog Beispiel 2:
Ergebnis
Das Ergebnis zeigt, daß in einem Grundreagenz nicht nur eine alkalische oder eine saure Reaktion, sondern bei entsprechender Zusammensetzung auch beides möglich ist. Dadurch können zwei oder mehr Parameter nacheinander in derselben Küvette bestimmt werden.
Beispiel 5
Reflektometrische Bestimmung von Harnstoff und Pyruvat mit Hilfe eines mit einem Grundsystem getränkten Papier­ streifens.
Grundsystem
Ein 30 cm langer und 5 cm breiter Filterpapierstreifen (Schleicher und Schüll 1450 CV) wird mit der folgenden Lösung getränkt:
6,0 mmol/l Imidazol, pH 5,4
80 mmol/l Kaliumchlorid
0,2% Phenolrot
Das getränkte Papier wird 10 Minuten in einem auf 80°C erhitzten Luftstrom getrocknet und in 1 × 3 cm große Stücke geschnitten.
Komponente für die jeweilige Bestimmung von:
  • a) Harnstoff: Urease (1000 kU/l)
  • b) Pyruvat: Lactatdehydrogenase (1500 kU/l) NADH (0,1 mol/l)
Reaktionsansatz:
1,0 ml Probe
0,01 ml Komponente (spezifisches Reagenz).
Das getränkte Filterpapier wird in den Reaktionsansatz eingetaucht und die überschüssige Flüssigkeit wird abgestreift. Die Messung erfolgt im Reflektometer bei einer Wellenlänge von 580 nm.
Ergebnis
Das Ergebnis zeigt, daß mit der gleichen Reaktionsmatrix, je nach dem gewählten Enzym (Komponente), unterschied­ liche Parameter über einen weiten Konzentrationsbereich bestimmt werden können. Die Auswertung erfolgt über die bei reflektometrischen Bestimmungen üblichen, nicht­ linearen Auswerteverfahren.

Claims (10)

1. Testsystem zur Bestimmung mehrerer Substanzen auf der Basis der Bestimmung einer pH-Änderung, enthaltend eine Pufferlösung mit einem definierten pH-Wert und eine für die jeweilige Nachweisreak­ tion spezifische Komponente, dadurch gekennzeichnet, daß die Pufferlösung für alle Substanzen gleich ist.
2. Testsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Pufferlösung einen pH-Indikator enthält.
3. Verfahren zur quantitativen Bestimmung mehrerer Substanzen auf der Basis der Bestimmung einer pH-Änderung mit Hilfe des Test­ systems nach den Ansprüchen 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß ein für alle Bestimmungen gleicher Reaktionsträger mit der gleichen Pufferlösung eingesetzt wird und nach Zugabe der für die jeweilige Nachweisreaktion spezifischen Komponente und der Probe die für alle Bestimmungen gleiche Messung der pH-Änderung erfolgt.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß als Reak­ tionsträger ein Gefäß zur Aufnahme von Trockensubstanzen oder Flüssigkeiten verwendet wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß als Gefäß eine Küvette verwendet wird.
6. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß als Reak­ tionsträger eine Matrix verwendet wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Matrix die Pufferlösung enthält und die für die jeweilige Nachweisreaktion spezifische Komponente vor oder nach der Probe zugegeben wird.
8. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Matrix die Pufferlösung und die für die jeweilige Nachweisreaktion spezi­ fische Komponente enthält und die Reaktion durch die Zugabe der Probe gestartet wird.
9. Verfahren nach den Ansprüchen 3-8, dadurch gekennzeichnet, daß der pH-Wert der Pufferlösung nach der Bestimmung mindestens einer Substanz durch eine gegenläufige Reaktion zurückgestellt wird, um mindestens eine weitere Reaktion in der ursprünglichen Richtung zu ermöglichen.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß die gegenläufige Reaktion durch mindestens eine weitere pH-antago­ nistische Reaktion hervorrufende Substanz bewirkt wird.
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