DE367351C - Metalle und Metallegierungen fuer thermoelektrische Zwecke - Google Patents
Metalle und Metallegierungen fuer thermoelektrische ZweckeInfo
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Classifications
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Description
(H79405-
In Technik und Wissenschaft wird zur genauen Messung hoher Temperaturen (600 bis
ι 600°) vorwiegend das Platin Platin-Rhodium-Thermoelement
nach Le Chatelier benutzt. Die Drähte aus diesen Edelmetallen sind, solange man schädigende Einflüsse, wie Metalldämpfe,
Silizium, Kohlenstoff usw., von ihnen fernhält, vollkommen temperaturbeständig, da sie
nicht oxydieren. Einzweiter wesentlicher Vorteil dieser Elemente ist der der Austauschbarkeit.
Man ist imstande, Platin sowohl wie Rhodium vollkommen chemisch rein und damit stets
thermoelektrisch identisch herzustellen. Da beide Metalle bei ihrer Schmelztemperatur an
Luft vollkommen unangegriffen bleiben, auch nicht verdampfen und ebenso mit Tiegelmaterialien
nicht reagieren, hat man nur nötig, zur Heistellung der Platin-Rhodium-Legierung
beide Komponenten genau zusammen zu wiegen und ohne Vorsichtsmaßregeln an Luft miteinander
zu verschmelzen. Sobaid man so lange geschmolzen hält, daß die Legierung gleichmäßig
geworden ist, ist man sicher, stets Legierungen zu erhalten, die mit allen ihren Vor-
gängern und Nachfolgern thermoelektrisch identisch sind. Beim Platin braucht man nur
das chemisch reine Metall selbst niederzuschmelzen und in Draht zu verwandeln. Man
gewinnt damit den großen Vorteil, daß man das
elektrische Meßinstrument (Millivoltmeter), mit dessen Hilfe man die Thermokräfte mißt, nur
einmal auf die zugehörigen Temperaturen zu eichen braucht, um sicher zu sein, daß alle
früher oder später hergestellten Platin Platin-Rhodium-Thermoelemente,
an dieses Millivoltmeter angeschlossen, stets genau die gleichen Temperaturangaben ergeben.
Diesen Vorzügen des Platin-RhodiunvElementes
stehen nun einige Nachteile gegenüber: Der erste ist die verhältnismäßig geringe Thermokraft,
derzufolge man recht empfindliche Meßinstrumente braucht, um genügend große und genau ablesbare Ausschläge zu erhalten,
Meßinstrumente, die einmal teuer sind, dann aber auch leicht Beschädigungen unterliegen.
Ein weiterer Nachteil der Platin-Rhodium-Thermoelemente ist ihr sehr hoher Preis. Zwar
behält das Platin auch bei zerstörtem Element einen gewissen, sehr erheblichen Wert, aber
häufig geht zugleich mit der Zerstörung des Elements auch ein Teil des Metalls verloren.
Infolgedessen besteht seit geraumer Zeit das Streben, an Stelle der teueren Platin-Rhodium-Thermoelemente
mit kleiner Thermokraft Unedelmetall-Thermoelemente zu finden, die wenigstens bis 1200 oder 1250 ° brauchbar
bleiben, große Thermokraft besitzen und billig sind. Man hat auch dafür geeignete Unedelmetalle
und Legierungen gefunden und Thermoelemente daraus vielfach benutzt. Es war aber
bisher unmöglich, Unedelmetalle in chemisch reinem Zustande ohne Verunreinigungen in den
regulinischen Zustand überzuführen und ebenso Legierungen aus solchen Unedelmetallen mit
solcher Präzision herzustellen, daß Chargen verschiedener Herkunft bezüglich Reinheit und
Zusammensetzung genau übereinstimmten und damit thermoelektrisch identisch waren. Dies
liegt einmal daran, daß Unedelmetalle beim
ίο Schmelzen in Berührung mit Luft, Ofengasen
usw. teils oxydieren, teils abbrennen, teils Verunreinigungen aufnehmen, teils auch durch Vermittlung
ihrer Oxyde mit den benutzten Tiegelmaterialien reagieren. Dann aber erleiden Legierungen
aus solchen Metallen beim Schmelzen in der technisch üblichen Weise Veränderungen
ihrer Zusammensetzung, indem die eben erwähnten Umstände auf die verschiedenen Komponenten
der Legierungen in verschieden star-
kern Maße und obendrein noch von Fall zu Fall verschieden einwirken. Infolgedessen war es
bisher nicht möglich, technisch thermoelektrisch identische Unedelmetalle und -legierungen herzustellen,
und man mußte deshalb jedesmal für Thermoelemente aus einer neuen Charge eine Umeichung der Meßinstrumente vornehmen
oder sich in der Weise zu helfen suchen, daß man durch passende Vorschaltwiderstände zwischen
Thermoelement und Meßinstrument die gleichen Ausschläge auf gleiche Beträge zu reduzieren
suchte.
Die angeführten Fehlerquellen werden vermieden, wenn man auf chemischem Wege rein
dargestellte Metalle unter stark vermindertem.
Druck elektrisch einschmilzt oder Legierungen aus ihnen herstellt. Damit fehlt ihnen die Möglichkeit,
Verunreinigungen aufzunehmen oder sich zu oxydieren; es wird überflüssig, Desoxydations-
und Reinigungsmittel anzuwenden, die die Thermokraft beeinflussen können, und es können Legierungen nicht dadurch Veränderungen
erleiden, daß ihre einzelnen Komponenten den Schädigungen des Schmelzprozesses in verschiedenem. Maße unterliegen.
Das Vakuumschmelzverfahren erlaubt infolgedessen, chemisch reine Metalle ohne Verschlechterung
ihrer Reinheit und Güte in den regulinischen Zustand überzuführen und aus solchen
Metallen Legierungen mit einer solchen Präzision der Zusammensetzung herzustellen, daß
Schmelzen verschiedener Chargen in ihren physikalischenEigenschaften sowohl wie in ihrer
chemischen Zusammensetzung praktisch vollkommen gleich ausfallen und damit auch
thermoelektrisch identisch sind. Durch Vornahme der Schmelzung im Vakuum wird die
Aufnahme von Verunreinigungen aus Luft und Ofengasen, Abbrand, Oxydation und damit
auch Reaktion der Oxyde mit Tiegelmaterialien ausgeschlossen und damit die notwendige Präzision
gewährleistet. Ferner erlaubt das Vakuumschmelzverfahren,
Metalle und Legierungen beliebig oft ohne Aufnahme von Verunreinigungen und ohne Änderung ihrer mechanischen,
physikalischen und chemischen Eigenschaften umzuschmelzen. Es ist infolgedessen möglich,
eine Legierung, die nach dem ersten Schmelzen noch kleine Abweichungen von den geforderten
Eigenschaften gezeigt hat, nochmals oder sogar ! noch mehrmals unter Zufügung kleiner Mengen
korrigierender Zusätze niederzuschmelzen und
, so die geforderten therm.oelektrischen Eigen- ! schäften mit der erforderlichen Genauigkeit
ι innezuhalten. Kurz: durch die Anwendung des Vakuumschmelzverfahrens werden für Thermoelemente
aus Unedelmetallen alle diejenigen Möglichkeiten im vollen Umfange eröffnet, die
bisher nur für Edelmetall- und speziell für Platin-Rhodium-Thermoelemente vorhanden
waren.
Dazu kommt noch ein weiterer Vorteil: Durch Anwendung des zur höchsten Vollkommenheit
durchgebildeten Vakuumschmelzverfahrens werden Metalle und Legierungen erhalten, die frei
selbst von mikroskopischen und submikroskopischen Gaseinschlüssen und Porositäten sind.
Infolgedessen findet der Sauerstoff der Luft, dem die Thermoelemente beim Gebrauch mehr
oder weniger ausgesetzt sind, keine Gelegenheit zum Angriff, außer an der äußersten Oberfläche go
der Drähte. Infolgedessen scheint die Zerstörung solcher Elemente langsamer zu erfolgen
und in die Tiefe zu dringen als bei Metallen und Legierungen aus technischen Metallen.
Thermoelemente aus Drähten aus vakuumgeschmolzenen Metallen und Legierungen sind
in ihren thermoelektrischen Eigenschaften von Charge zu Charge vollkommen identisch, so daß
Meßinstrumente keinerlei neuer Eichungen bedürfen, wenn ein Austausch der Elemente nötig
wird. Damit fallen auch alle sonst in diesem Zusammenhang benutzten Notbehelfe fort. Es
wird überflüssig, einen größeren Vorrat von Thermoelementen aus der gleichen Charge als
Reserve zu halten, um solche Neueichungen wenigstens nicht zu häufig vornehmen zu
"müssen. Es wird überflüssig, im Lager Drähte aus verschiedenen Chargen getrennt zu halten,
und damit werden auch Verwechslungen mit ihren gefährlichen Folgen ein für allemal ausgeschlossen.
Als weiterer Beleg für die Größe-des Fortschritts,
der damit erreicht ist, kann folgendes dienen: Es ist möglich, gewissermaßen künstliche
Platin·—Platin-Rhodium-Thermoelemente herzustellen, indem man ein Paar ternäre Legierungen
fand, die bei Innehaltung der als richtig erkannten Zusammensetzung (allerdings mit einer Genauigkeit von 1Z100 Prozent) nicht
nur dem absoluten Betrag, sondern auch der Gestalt der Thermokraftkurve nach mit dem
Platin-Rhodium-Thermoelement im ganzen Be-
reich von 600 bis 1200 ° auf etwa 5 Prozent
übereinstimmen. Während man also bisher an einem Mehrfach-Registrier-Instrument lauter
Platin-Rhodium-Elemente verwenden mußte,
i> auch wenn ein Teil der an dem gleichen Mehrfach-Registrier-Instrument
registrierten Temperaturen unterhalb 1 200 ° lag und somit die Anwendung von Unedelmetall-Thermoelementen
sehr wohl erlaubt hätte, so kann man heute
to Unedelmetall-Thermoelemente im Verein mit Platin-Rhodium-Thermoelementen nebeneinander
arbeiten lassen, ohne an den Meßinstrumenten und deren Aufzeichnungen überhaupt
irgendeinen Unterschied zwischen beiden erkennen zu können. Dies ist ein Erfolg, der ohne
Anwendung des Vakuumschmelzverfahrens einfach unmöglich sein würde.
Claims (2)
1. Metalle und Metallegierungen für thermoelektrische
Zwecke, besonders· zur Herstellung von Thermoelementen, welche im
Vakuum, nach dem Verfahren gemäß Patent 345161 elektrisch erschmolzen sind, wodurch
stets praktisch vollkommene Identität ihrer thermoelektrischen Eigenschaften erreicht
wird.
2. Metalle und Legierungen für thermoelektrische Zwecke, besonders zur Herstellung
von Thermoelementen, welche aus chemisch reinen Ausgangsmaterialien im Vakuum elektrisch erschmolzen sind, wodurch
stets praktisch vollkommene Identität ihter thermoelektrischen Eigenschaften erreicht
wird.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DEH79405D DE367351C (de) | 1918-01-12 | 1919-12-21 | Metalle und Metallegierungen fuer thermoelektrische Zwecke |
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|---|---|---|---|
| DE345161T | 1918-01-12 | ||
| DEH79405D DE367351C (de) | 1918-01-12 | 1919-12-21 | Metalle und Metallegierungen fuer thermoelektrische Zwecke |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE367351C true DE367351C (de) | 1923-01-20 |
Family
ID=7163567
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DEH79405D Expired DE367351C (de) | 1918-01-12 | 1919-12-21 | Metalle und Metallegierungen fuer thermoelektrische Zwecke |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE367351C (de) |
-
1919
- 1919-12-21 DE DEH79405D patent/DE367351C/de not_active Expired
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