DE3635263C1 - Verfahren und Vorrichtung zum Ermitteln des dynamischen Grenzwinkels der Haftreibung von Schuhen auf geneigtem Untergrund - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zum Ermitteln des dynamischen Grenzwinkels der Haftreibung von Schuhen auf geneigtem UntergrundInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrich
tung zum Ermitteln des Rutschwinkels bzw. dynamischen
Grenzwinkels der Haftreibung von Schuhen auf einem ge
neigten Untergrund.
Untersuchungen über die Ursachen von Unfällen am Ar
beitsplatz verschiedener Berufsverbände führten zu dem
Ergebnis, daß ein Großteil von Arbeitsunfällen durch
Ausrutschen, Stolpern und Stürzen des Arbeiters verur
sacht werden. Um diese Gefahrenquellen zu vermindern,
wurden sowohl rutschhemmende Bodenbeläge als auch Ar
beitsschuhe mit besonders rutschfesten Sohlen entwik
kelt. Ein für das Rutschverhalten besonders aussage
kräftiger Parameter ist der dynamische Grenzwinkel der
Haftreibung von Schuhen auf einem geneigten Untergrund.
Zur Ermittlung dieses Grenzwinkels wurde bereits ein
Verfahren vorgeschlagen, nach dem ein definiert präpa
rierter Boden von verschiedenen Versuchspersonen mit den
entsprechenden Schuhen begangen wird. Der Boden ist in
diesen Versuchen ein mit einem Ölbelag versehener Stahl
boden. Dieser Boden wird im Laufe des Begehungsversuches
in kleinen Winkelschritten so lange geneigt, bis die
Versuchsperson meint, eine weitere Neigung des Stahlbo
dens würde unweigerlich zum Ausrutschen führen. Es kommt
bei diesem Versuch also in großem Maße auf das subjekti
ve Sicherheitsgefühl der jeweiligen Versuchsperson an,
das von Umständen beeinflußt wird, die nicht in dem ver
wendeten Schuhwerk begründet sind. So wird z. B. im Lau
fe einer Versuchsreihe eine Versuchsperson immer ver
trauter mit dem Begehen einer glatten geneigten Oberflä
che, so daß sich das Unsicherheitsgefühl beim zuletzt
getesteten Schuhwerk mit großer Wahrscheinlichkeit erst
bei größeren Neigungswinkeln einstellt. Es ist daher er
forderlich, solche Versuchsreihen mit einer großen An
zahl an Testpersonen durchzuführen und die Ergebnisse
anschließend zu mitteln. Die große Streuung der einzel
nen Meßwerte um die so erhaltenen Mittelwerte herum läßt
jedoch Zweifel an der Aussagefähigkeit solcher Mittel
wertkurven aufkommen. Ferner ist bei diesem Verfahren
der Aufwand an Zeit und Personal so groß, daß es schon
aus diesen Gründen beim Schuh- bzw. Sohlenhersteller
selbst nicht anwendbar ist.
Zur Prüfung von Bodenbelägen wurde ein sogenanntes Ab
gleitverfahren entwickelt, bei dem in Horizontallage des
Bodenbelags ein Körper mit einem bestimmten Gewicht mit
bestimmten Schuhsohlen auf den Bodenbelag aufgesetzt
wird und der Bodenbelag anschließend so weit verkippt
wird, bis die Schuhsohlen auf dem Bodenbelag ins Rut
schen kommen. Da bei diesem Verfahren die Schuhsohlen in
Horizontalstellung des Bodenbelags voll belastet werden,
können sich jedoch Saugeffekte zwischen dem Schuhsohlen
belag und der glatten Oberfläche einstellen, so daß der
mit dieser Methode ermittelte Haftreibungsgrenzwinkel in
solchen Fällen größer ist als ein in der Praxis tatsäch
lich erreichbarer Haftgrenzwinkel.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren
und eine Vorrichtung anzugeben, mit denen die Rutsch
eigenschaften bzw. dynamischen Grenzwinkel der Haft
reibung von Schuhen auf geneigtem Untergrund unter de
finierten Randbedingungen reproduzierbar, mit einfachen
Mitteln und relativ schnell ermittelt werden können.
Diese Aufgabe wird anspruchsgemäß gelöst.
Der Grundgedanke der Erfindung liegt darin, den eingangs
erläuterten Begehungsversuch mit Hilfe einer Vorrichtung
zu simulieren, mit der das Aufsetzen eines Schuhs auf
eine geneigte Unterlage und dessen Gewichtsbelastung
unter genau definierbaren und einstellbaren Randbedin
gungen reproduzierbar erfolgen kann.
Ein auf einen Leisten gespannter Schuh wird mit einer
vorgegebenen Gewichtskraft auf einen Untergrund aufge
setzt. Kommt der Schuh dabei nicht ins Rutschen, wird
der Schuh angehoben und der Untergrund um einen bestimm
ten Winkel geneigt, um dann den Schuh erneut aufzu
setzen. Dieses Vorgehen wird so lange wiederholt, bis
der Schuh beim Aufsetzen ausgleitet, d. h. der dynami
sche Grenzwinkel der Haftreibung zwischen dem Schuh und
dem geneigten Untergrund überschritten ist. Dieser
Grenzwinkel wird hier dynamischer Grenzwinkel der Haft
reibung genannt, da erfindungsgemäß die Haftreibung un
mittelbar beim Aufsetzen des Schuhs auf eine geneigte
Unterlage und dessen Belasten ermittelt wird, der Schuh
also noch nicht voll belastet auf dem Untergrund steht,
wenn dieser geneigt wird.
Bei diesem dynamischen Verfahren kann es also nicht zu
den eingangs erläuterten Saugeffekten zwischen einer
Schuhsohle und einem glatten Untergrund kommen, der das
Meßergebnis verfälschen würde.
Da bei diesem Verfahren lediglich eine zu testende
Schuhsohle benötigt wird, kann das erfindungsgemäße Ver
fahren bereits in einem sehr frühen Entwicklungsstadium
beim Sohlenhersteller verwendet werden.
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren können in sehr kur
zer Zeit Reihenuntersuchungen durchgeführt werden. Die
erfindungsgemäße Vorrichtung zeichnet sich durch ihren
einfachen mechanischen Aufbau aus, was sich kostengün
stig auswirkt.
Die erfindungsgemäße Vorrichtung kann schließlich mit
einfachen Mitteln an verschiedene Randbedingungen ange
paßt werden. So kann der Bodenbelag, auf den bei den Er
mittlungsversuchen der Schuh aufgesetzt wird, schnell
ausgetauscht werden. Der Leisten kann ferner mittels
eines Drehgelenks gedreht, bzw. mittels eines Kugelge
lenks in jeder beliebigen Stellung bezüglich des Boden
belags orientiert werden. Es kann also insbesondere so
wohl ein "Talwärtsgehen" mit talwärts gerichteter
Schuhspitze als ein "Bergwärtsgehen" mit
bergwärts gerichteter Schuhspitze simuliert werden. Die
beiden letztgenannten Begehungsrichtungen können zu un
terschiedlichen Werten für die dynamischen Grenzwinkel
der Haftreibung führen, da im ersten Fall der Schuh zu
erst im Fersenbereich auf den Bodenbelag aufsetzt, wo
hingegen im zweiten Fall der Schuh mit der Spitze den
Bodenbelag zuerst berührt. Ferner kann mit der erfin
dungsgemäßen Vorrichtung dem Umstand Rechnung getragen
werden, daß beim Begehen einer geneigten Fläche mit den
Schuhspitzen in Talrichtung ein Ausrutschen zu einer
Schwenkbewegung des Beines aus dem Hüftgelenk heraus
führt, wohingegen beim Begehen eines geneigten Unter
grundes mit den Schuhspitzen in Bergrichtung ein Aus
rutschen zu einer Schwenkbewegung aus dem Kniegelenk
führt. Diese Unterschiede können durch verschiedene
vorbestimmte Einstellungen von Verdrehungshemmungen
berücksichtigt werden.
Im folgenden werden Ausführungsbeispiele der erfindungs
gemäßen Vorrichtung anhand der Zeichnung näner erläu
tert. Es zeigen:
Fig. 1 eine teilgeschnittene Seitenansicht
eines ersten Ausführungsbeispiels der
Vorrichtung; und
Fig. 2 eine teilgeschnittene Rückansicht
eines weiteren Ausführungsbeispiels.
Gemäß Fig. 1 und 2 ist ein Schiebeleisten 1 mit einem
Schuh 2 über ein in Knöchelhöhe angeordnetes Gelenk 3
lösbar an einer Schelle 4 angelenkt. Das Gelenk 3 weist
eine Verdrehbremse mit einstellbarer Bremskraft auf. Das
obere Ende der Schelle 4 ist über ein feststellbares Ku
gelgelenk 5 oder über ein feststellbares Drehgelenk mit
zwei Laschen 6 verbunden, die mittels eines Gelenkbol
zens 7 an einer vertikalen Tragplatte 8 gelenkig ange
hängt sind. Die Achse des Gelenkbolzens 7 verläuft
parallel zu der des "Knöchelgelenks" 5. Unter dem
Gelenkbolzen 7 ist eine Verdrehhemmung vorgesehen, die
entweder als Kugelraste 9 ausgeführt sein kann, deren
Kugel 10 in einer Bohrung der Lasche 6 sitzt und durch
die Kraft einer Feder in eine kugelschalenförmige
Einsenkung in der Tragplatte 8 gedrückt wird, oder als
Reibungsbremse, bei der lediglich die oben erwähnte
Einsenkung in die Tragplatte 8 weggelassen wird, so daß
keine bestimmte Raststellung vorgegeben ist. Die Kugel
10 kann in diesem Fall zweckmäßigerweise durch einen
zylinderförmigen Bremsklotz ersetzt werden. Die Vor
spannung der Feder ist mittels einer Stellschraube 11
einstellbar. An der nicht abgerundeten Unterkante der
Tragplatte 8 ist ein mittels einer Schraube einstell
barer Anschlag 43 für die Festlegung der Ausgangsstel
lung der Laschen 6 vorgesehen. Durch die Einstellung des
Anschlags 43 kann dem Gelenkgestänge 4 bis 16 bei der
Durchführung des Verfahrens eine "talwärts" gerichtete
Neigung aufgeprägt werden. Andererseits kann mit dem
Anschlag eine Auslenkung des Schuhs in Fersenrichtung
kompensiert werden, die dadurch hervorgerufen wird, daß
Schuh und Leisten im vor dem Knöchelgelenk gelegenen
Teil schwerer sind als im Fersenbereich. Mit dem fest
stellbaren Kugelgelenk 5 bzw. einem Drehgelenk wird ein
Schuh 2 mit seinem Leisten 1 vor Beginn einer Ver
suchsreihe justiert, um die korrekte Auflage des Schuhs
auf einem Bodenbelag zu erhalten. Ferner kann der Schuh
bei gelöster Klemmung im
Kugelgelenk 5 um die Vertikalachse um 180° verdreht
werden. Schließlich kann mit Hilfe des Kugelgelenks 5
ein etwas schräges Sitzen des Schuhs 2 auf dem Leisten 1
ausgeglichen werden.
Die Tragplatte 8 hat eine abgerundete untere Ecke 12 und
ist mittels Schiebemuffen 13 an zwei parallelen Tragbol
zen 14, 15 aufgehängt, die in den beiden vertikalen
Schenkeln 16 eines U-Profils 17 befestigt sind. Zur
Querverschiebung der Tragplatte 8 ist ein ortsfester
Stellzylinder 18 vorgesehen, dessen zu den Bolzen
parallele Kolbenstange 19 an der Tragplatte 8 befestigt
ist. Das U-Profil 17 ist an der Unterseite einer Trag
platte 20 befestigt, auf die Gewichte 21 aufgelegt wer
den. Die Befestigung erfolgt mittels Verschraubung 44,
wobei entweder in der Tragplatte 20 oder in der Grund
platte des U-Profils senkrecht zu den Achsrichtungen
ausgedehnte Langlöcher 45 vorgesehen sind, so daß eine
Ausrichtung des den Leisten 1 tragenden Gestänges (3 bis
16) in der durch die Schuhspitze und -ferse definierten
Richtung erfolgen kann. Die Tragplatte 20 ist durch
seitlich angeordnete Laufrollen 22 an vertikalen Stän
derrohren 23, 24 geführt und über Streben 25, 26 mit
einem oberen Rahmen 27 verbunden, der ebenfalls mittels
Laufrollen 28 an den Ständerrohren 23, 24 geführt ist.
Die Rohrständer 23, 24 sind durch Querstreben 29 bis 33,
ein oberes Querhaupt 34 und eine Fußkonstruktion 35
untereinander versteift. Am oberen Rahmen 27 ist als
Hubeinrichtung eine Kolben-Zylindereinheit 36 befestigt,
deren Kolbenstange 37 eine abgesenkte Platte 38 an Rah
menen 27 mit Spiel durchragt und die an ihrem vorstehen
den Ende einen Anschlagkopf 39 trägt.
Wie aus Fig. 2 ersichtlich, sind zwei stoßdämpfende
Druckschalter 40 auf einer Platte 41 angeordnet, die
über Schrägstreben 42 an den Ständerrohren 23, 24 befe
stigt ist. Im unteren Teil ist zwischen den Ständerroh
ren 23, 24 eine Tragkonstruktion 50 vorgesehen, die ei
nen formsteifen äußeren Kasten 51 und einen wannenförmi
gen Einsatz 52 als Träger für einen Belag 53 aufweist.
Zwischen dem Boden des Einsatzes 52 und des Kastens 51
ist eine Hubvorrichtung in Form von mindestens zwei
Parallelogramm-Gestängen 54, 55 und einer Gewindespindel
56 vorgesehen. Durch Betätigen der Gewindespindel 56
kann die Höhenlage des Einsatzes 52 mit dem Belag 53
feinfühlig an unterschiedliche Schuhgrößen und -formen
angepaßt werden. In den beiden Seitenwänden des Kastens
51 sind Lagerzapfen 57, 58 befestigt, die in je einem
zwischen zwei Querholmen festlegbarem Lager 59, 60 gela
gert sind. Die Achsen der Lagerzapfen 57, 58 fallen bei
der Durchführung des Verfahrens mit der Achse des Ge
lenkbolzens 3 zusammen. Da durch Verschiebung des U-Pro
fils 17 oder Vorauslenkung der Laschen 6 mittels des
einstellbaren Anschlags 43 die Lagerzapfen 57, 58 und
der Gelenkbolzen nicht mehr auf einer Achse liegen, ist
eine Ausrichtung der Tragkonstruktion 50 erforderlich,
die dadurch erreicht wird, daß die Lager 59, 60 auf den
Querholmen verschoben werden. Ein Ausrichten der Trag
konstruktion 50 ist nicht erforderlich, wenn der An
schlag 43 und die Verschiebung des U-Profils 17 so auf
einander abgestimmt erfolgen, daß die Lage des Gelenk
bolzens 3 relativ zu den Lagerzapfen 57, 58 nicht ver
ändert wird. An der Innenseite der einen Seitenwand ist
in der Achse ein Justierstift 61 angeordnet, der die
Höheneinstellung des Belageinsatzes 52 und die Ausrich
tung des Leistens 2 im Kugelgelenk 5 bzw. Drehgelenk
beim Prüfen von höheren Schuhen und beim Ausrichten der
Tragkonstruktion erleichtert.
Die beiden Ausführungen gemäß Fig. 1 und 2 sind in der
vorstehend beschriebenen Weise gleich aufgebaut. Unter
schiedlich sind jedoch die Antriebsvorrichtungen zum
Verstellen der Neigung der Tragkonstruktion 50.
Das Verschwenken der Tragkonstruktion 50 erfolgt bei dem
in Fig. 1 gezeigten Ausführungsbeispiel mit Hilfe einer
Kolben-Zylindereinheit 65, deren Zylinder an einer Quer
strebe 35 der Fußkonstruktion abgestützt ist und dessen
Kolbenstange am Boden des Kastens 51 angreift.
Bei der Ausführung nach Fig. 2 ist auf dem verlängerten
Endteil des Lagerzapfens 57 eine Ratschenvorrichtung 70
angeordnet, die zwei nebeneinandersitzende Klemmbuchsen
71, 72 und daran befestigte Hebel 73, 74 enthält. Durch
wechselweises Verschwenken der Hebel, z. B. mittels ei
nes Stellzylinders 75 oder von Hand, wird die Tragkon
struktion um vorgegebene Winkelbeträge schrittweise ge
neigt und anschließend wieder arretiert.
Die Ermittlung des dynamischen Grenzwinkels der Haft
reibung eines Schuhs auf einem bestimmten Belag voll
zieht sich wie folgt:
Durch Beaufschlagen der Kolben-Zylindereinheit 36 mit
einem Druckmittel wird der Leisten 1 aus seiner darge
stellten Position in eine angehobene Stellung gebracht
und der zu prüfende Schuh 2 aufgezogen. Anschließend
erfolgt ein Absenken des Leistens 1 und die genaue Aus
richtung des Schuhs 2 mit Hilfe des stellbaren Kugelge
lenks 5 sowie die richtige Positionierung des Belags 53
durch Betätigen der Hubvorrichtung 54 bis 56. Nach die
sen Justiervorgängen kann mit der eigentlichen Rutsch
prüfung begonnen werden. Durch Druckmittelbeaufschlagung
des Zylinders 36 gelangt der verdickte Kopf 39 in Anlage
an die Platte 41 und hebt anschließend den Leisten 1 mit
dem Schuh 2 in die festgelegte Ausgangslage. Mit Hilfe
der jeweiligen Antriebsvorrichtung 65 bzw. 70 gemäß Fig.
1 bzw. 2 wird die Tragkonstruktion in eine bestimmte
Schräglage geschwenkt. Durch Entlüften des Zylinders 36
erfolgt eine Abwärtsbewegung des Leistens 1 mit einer
Geschwindigkeit, die durch die Größe der Gewichte 21
und/oder durch einen gesteuerten Druckmittelauslaß aus
dem Zylinder 36 bestimmt werden kann. Der auf dem
Leisten 1 aufgespannte Schuh 2 trifft mit dem Absatzende
- oder bei um 180° verdrehter Ausrichtung mit der
Sohlenspitze - auf den schräggestellten Belag 53 auf.
Sobald die Gewichtskraft der Gewichte 21 zur Wirkung
gelangt, wird die Hemmung der Verdrehbremse im Gelenk 3
überwunden, so daß der Schuh 2 mit dem Leisten 1 im
Gelenk 3 verschwenkt und sich seine Sohle flächig auf
den Belag 53 legt. Dabei fährt die Kolbenstange 37 um
einen bestimmten Betrag weiter nach oben, so daß der
Kopf 39 von der Platte 41 freikommt. Falls der Schuh 1
bei diesem Absenkversuch auf dem Belag 53 nicht rutscht,
wird er durch erneute Druckmittelzufuhr zum Zylinder 36
wieder in seine obere Ausgangsstellung angehoben. Die
Tragkonstruktion 50 mit dem Belag 53 wird um einen vor
bestimmten Winkelschritt stärker geneigt und arretiert,
woraufhin der Schuh 2 mit dem Leisten 1 erneut abgesenkt
wird. Diese Vorgänge mit schrittweiser Vergrößerung des
Neigungswinkels der Tragkonstruktion werden so lange
wiederholt, bis der dynamische Grenzwinkel der Haftrei
bung erreicht bzw. überschritten ist und der Schuh 2 auf
dem Belag 53 rutscht. Dabei erfolgt eine Auslenkung der
Laschen 6 gegenüber der vertikalen Tragplatte 8 um den
Gelenkbolzen 7 unter Überwindung des voreingestellten
Widerstandes der Kugelraste 10, 11 bzw. alternativ der
Verdrehhemmung ohne Raststellung, was eine Bewegung des
Schuhs 2 in Abrutschrichtung zur Folge hat. Der Trag
rahmen 25, 26, 27 bewegt sich durch Gravitation weiter
abwärts, bis die Halteplatte 38 auf den Schaltern 40
aufsitzt, die gleichzeitig eine stoßdämpfende Wirkung
haben. Es können auch gesonderte Stoßdämpfer und Schal
ter verwendet werden. Durch Aktivierung des Schalters 40
wird die Vorrichtung abgeschaltet, woraufhin der ermit
telte dynamische Grenzwinkel der Haftreibung z. B. an
einer auf dem Lagerzapfen 58 der Tragkonstruktion 50 be
festigten Winkelskala 76 abgelesen werden kann. Damit
ist die Ermittlung des dynamischen Grenzwinkels der
Haftreibung für die eingesetzte Material-Paarung Schuh
sohle - Belag abgeschlossen.
Bei bestimmten Versuchen werden Bodenbeläge verwendet,
deren Oberfläche zusätzlich präpariert wird. Das heißt,
es werden reibungsvermindernde Schmiermittel auf den Bo
denbelag aufgetragen, um z. B. einen mit Öl verschmutz
ten Werkstattboden zu simulieren. Da in diesem Fall das
Absenken eines Schuhs zu einer Verdrängung des Schmier
mittels unterhalb der Schuhsohle aufgrund der darin in
der Regel ausgearbeiteten Drainagerillen erfolgt, würde
ein ständiges Absenken des Schuhs auf dieselbe Stelle
auf dem Bodenbelag zu verfälschten Ergebnissen führen.
Um dies zu vermeiden, wird die Tragplatte 8 und damit
der Leisten mit dem Schuh parallel zur Achsrichtung der
Gelenke auf den Bolzen 14, 15 vor jedem Absenkvorgang
durch den Stellzylinder 18 querverschoben, so daß der
Schuh 2 nicht auf einen Bodenbelagsbereich auftrifft,
von dem aufgetragenes Schmiermittel durch vorherige
Versuche bereits verdrängt worden ist.
Die Erfindung ist nicht auf die vorstehenden Ausfüh
rungsbeispiele beschränkt. So können z. B. andere An
triebsorgane für die Hubbewegung des Gewichts 15 bzw.
das Verstellen des Neigungswinkels des Bodenbelagsträ
gers gewählt werden, beispielsweise Elektromotoren und
geeignete Getriebe. Ferner besteht eine Konstruktions
freiheit in der Auslegung und Art der verwendeten Ge
lenke.
Darüber hinaus kann die Steuerung der verschiedenen An
triebe zur Ausführung der Bewegungen durch eine zentrale
Steuereinheit erfolgen, so daß ein gesamter Prüfzyklus
automatisch abläuft.
Claims (21)
1. Verfahren zum Ermitteln des dynamischen Grenzwinkels
der Haftreibung von Schuhen auf geneigtem Untergrund,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein auf einen Leisten gespannter Schuh zyklisch mit
einer einstellbaren Kraft auf einen Untergrund aufge
setzt wird, wobei vor jedem Zyklus der Neigungswinkel
des Untergrunds gegenüber dem des vorangehenden Zyklus
so lange erhöht wird, bis der Schuh beim Aufsetzen aus
gleitet.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Schuhsohle vor jedem Aufsetzen mit dem Neigungs
winkel des vorhergehenden Zyklus geneigt ist und während
des Aufsetzens unter Überwindung einer vorbestimmten
Bremskraft bis zum Neigungswinkel des Untergrunds ge
dreht wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Auflagekraft des Schuhs durch vertikal geführte
Gewichte eingestellt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß nach jedem Zyklus der Aufsetzbereich des Schuhs auf
dem Untergrund gewechselt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Untergrund durch Aufbringen eines Gleitmittels
präpariert wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Untergrund um eine Achse verschwenkt wird, die
mit der Achse des am Leisten angebrachten Knöchelgelenks
zusammenfällt.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß vor jedem Zyklus der Neigungswinkel des Untergrunds
um 1° erhöht wird.
8. Vorrichtung zum Ermitteln des Haftreibungs-Grenzwin
kels von Schuhen auf Bodenbelägen,
gekennzeichnet
durch eine in ihrer Neigung schrittweise verstellbare Tragkonstruktion (50) für einen Bodenbelag (53),
durch einen den zu prüfenden Schuh (2) tragenden Leisten (1), der über ein Klemmgelenk-Gestänge (3-7) an einer Hubvorrichtung (36) befestigt und mit einstellbarer Kraft zyklisch auf den Bodenbelag (53) absenkbar ist, und
durch Steuermittel (40), die beim Abrutschen des abge senkten belasteten Schuhs (2) auf dem Bodenbelag (53) den jeweiligen Neigungswinkel der Tragkonstruktion (50) anzeigen und die Vorrichtung abschalten.
durch eine in ihrer Neigung schrittweise verstellbare Tragkonstruktion (50) für einen Bodenbelag (53),
durch einen den zu prüfenden Schuh (2) tragenden Leisten (1), der über ein Klemmgelenk-Gestänge (3-7) an einer Hubvorrichtung (36) befestigt und mit einstellbarer Kraft zyklisch auf den Bodenbelag (53) absenkbar ist, und
durch Steuermittel (40), die beim Abrutschen des abge senkten belasteten Schuhs (2) auf dem Bodenbelag (53) den jeweiligen Neigungswinkel der Tragkonstruktion (50) anzeigen und die Vorrichtung abschalten.
9. Vorrichtung nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß zum Erzeugen der Absenkkraft Gewichte (21) auf eine
an Ständern (23, 24) geführte Tragplatte (20) auflegbar
sind.
10. Vorrichtung nach Anspruch 8 oder 9,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Gelenkgestänge ein Knöchelgelenk (3) mit ein
stellbarer Hemmung zwischen dem Leisten (1) und einer
Schelle (4) sowie ein Gelenk (7) mit Kugelraste (10, 11)
zwischen zwei Laschen (6) und einem vertikal ausgerich
teten Tragelement (8) aufweist.
11. Vorrichtung nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet,
daß zwischen der Schelle (4) und den Laschen (6) ein
feststellbares Kugelgelenk (5) vorgesehen ist.
12. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 11,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Schwenkachse der Tragkonstruktion (50) mit der
Achse des Knöchelgelenks (3) zusammenfällt.
13. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 12,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Tragkonstruktion (50) einen formsteifen Kasten
(51) mit seitlichen Lagerzapfen (57, 58) aufweist, in
dem der Bodenbelag (53) auf einem in der Höhe verstell
baren Einsatz (52) angeordnet ist.
14. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 13,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein Linearantrieb (65) zur Neigungsverstellung der
Tragkonstruktion vorgesehen ist.
15. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 13,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein Drehantrieb (70) zur Neigungsverstellung der
Tragkonstruktion (50) vorgesehen ist.
16. Vorrichtung nach Anspruch 15,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein auf die Aufwärtsbewegung der Hubvorrichtung (36)
bzw. des Leistens (1) ansprechendes Stellglied das Nei
gen der Tragkonstruktion (50) um einen vorgegebenen Win
kelschritt auslöst.
17. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 16,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Hubvorrichtung (36) eine Kolben-Zylindereinheit
ist, an deren Zylinder (36) ein an Ständerrohren (23,
24) geführter Rahmen (25 26, 27) gehaltert ist, der mit
der die Gewichte (21) aufnehmenden Tragplatte (20) fest
verbunden ist.
18. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 17,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Kugelsperre (10, 11) und das obere Gelenk (7)
enthaltende Tragelement (8) eine vertikal ausgerichtete
Platte ist, die mittels eines Stellzylinders (18) quer
verschiebbar an achsparallelen Gleitführungen (14, 15)
an der Unterseite der Gewichte-Tragplatte (20) angeord
net ist.
19. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 18,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Tragkonstruktion (50) in einer Richtung, die
senkrecht zu der Richtung der gemeinsamen Achse der
Lagezapfen (57, 58) liegt, verschiebbar ist.
20. Vorrichtung nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet,
daß am Tragelement (8) ein verstellbarer Anschlag (43) für
die Laschen (6) vorgesehen ist.
21. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 19,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Tragelement (8) senkrecht zu den Achsen des Ge
lenks (7) und senkrecht zur Hubrichtung verschiebbar an
geordnet ist.
Priority Applications (3)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE3635263A DE3635263C1 (de) | 1986-10-16 | 1986-10-16 | Verfahren und Vorrichtung zum Ermitteln des dynamischen Grenzwinkels der Haftreibung von Schuhen auf geneigtem Untergrund |
| DE8787104130T DE3779551D1 (de) | 1986-10-16 | 1987-03-20 | Verfahren und vorrichtung zum ermitteln des dynamischen grenzwinkels der haftreibung von schuhen auf einem untergrund. |
| EP87104130A EP0264526B1 (de) | 1986-10-16 | 1987-03-20 | Verfahren und Vorrichtung zum Ermitteln des dynamischen Grenzwinkels der Haftreibung von Schuhen auf einem Untergrund |
Applications Claiming Priority (1)
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| DE3635263A DE3635263C1 (de) | 1986-10-16 | 1986-10-16 | Verfahren und Vorrichtung zum Ermitteln des dynamischen Grenzwinkels der Haftreibung von Schuhen auf geneigtem Untergrund |
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ID=6311863
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| EP0264526B1 (de) | 1992-06-03 |
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