DE3629056A1 - Fungizid wirksame substanz oder substanzgemisch isolierbar aus der cuticula von fichtennadeln - Google Patents

Fungizid wirksame substanz oder substanzgemisch isolierbar aus der cuticula von fichtennadeln

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Description

Die Erfindung betrifft eine Substanz oder ein Substanzgemsich unbekannter Struktur und Zusammensetzung welche aus Fichtennadeln isolierbar ist und fungitoxische Aktivität aufweist, sowie Verfahren zur Gewinnung dieser Substanz oder dieses Substanzgemisches und fungizide Mittel enthaltend diese Substanz oder dieses Substanzgemisch.
Als Ausgangsmaterial dienen die frischen Nadeln von Fichten (Picea abies (L.) Karst.). Falls die Nadeln nicht sofort verarbeitet werden können, werden sie mit flüssigem Stickstoff eingefroren und in Trockeneis bei -80°C transportiert und aufbewahrt.
Eine Methode zur Gewinnung der Wirksubstanz besteht darin, die Fichtennadeln bei Raumtemperatur mit Chloroform oder anderen unpolaren Lösungsmitteln zu extrahieren und dann die eingeengte Chloroformlösung mit Petrolether zu überschichten, wobei ein amorphes Produkt ausfällt. Dieses kann in Chloroform aufgenommen und über eine Silicagel-Säule gereinigt werden, wobei Petrolether und Ethylacetat als mobile Phase verwendet werden. Fungitoxische Eigenschaften zeigen nur bestimmte Fraktionen. Sie werden zur Trockne eingeengt, der Rückstand wird mit wenig Chloroform aufgenommen und mit Petrolether umkristallisiert. Man erhält ein amorph-parakrisallines Produkt.
Für die Substanz bzw. das Substanzgemisch wird das UV-Absorptionsmaximum bei λ = 266nm ermittelt (in Chloroformlösung), der Rf-Wert ist 0,46 (DC, Toluol/Chloroform/Aceton = 46 : 25 : 35).
Die Nadeln können auch folgendermaßen aufgearbeitet werden:
Die ganzen Nadeln werden zunächst mit Aceton unter Rückfluß extrahiert, die Nadeln abgetrennt und der Acetonextrakt verworfen. Danach werden die Nadeln in flüssigem Stickstoff eingefroren und pulverisiert. Das Pulver wird mit Aceton/Wasser behandelt, das Aceton entfernt und die wäßrige Phase ausgeschüttelt, zunächst mit Chloroform, dann mit Ethylacetat. Die Chloroform-Phase enthält p-Hydroxyacetophenon (hier wurde ein Rf-Wert von 0,44 (Chloroform) ermittelt, ein UV-Absorptionsmaximum λ = 269 nm (in Chloroform), die Ethylacetatphase Picein. Durch Einengen, aufnehmen in geeignete Lösungsmittel, Reinigung über eine Kieselgel-Säule und Aufarbeitung, ggf. Umkristallisation erhält man die reinen Substanzen.
Die erfindungsgemäße Substanz bzw. das erfindungsgemäße Substanzgemisch ist fungizid wirksam.
Beispiel 1 1a Präparationen der Stammlösung
Frische Fichtennaden verschiedener Jahrgänge und Standorte (Großraum München und Bayrischer Wald) werden gesammelt und wie folgt aufgearbeitet.
Je 5 g Nadeln werden 30 min. bei Raumtemperatur in Chloroform (50 ml) geschüttelt.
Nach dem Abtrennen der Nadeln wird das Filtrat mit Natriumsulfat getrocknet, eingeengt und erneut in Chloroform aufgenommen.
1b Trennung durch Dünnschichtchromatographie
Aliquots der Stammlösung werden auf Kieselgel 60-Platten mit folgendem Laufmittel chromatographiert:
Toluol : Chloroform : Aceton = 46 : 25 : 35 (V/V) Es zeigt sich UV-Licht (λ = 254 nm) eine deutlich fluoreszierende Zone (Rf = 0,39) und eine direkt darüberliegende dunkel erscheinende Bande (Rf = 0,46). Letztere läßt sich mit Fe3+ (Phenolreaktion) anfärben.
1c Trennung durch Säulenchromatographie
Es wird eine Kieselgelsäule (Länge: 40 cm, O = 1,5 cm) und eine mobile Phase nach Beispiel 1b verwendet.
Fraktioniert wurde zu je 140 Tropfen. Die Fraktionen 17 bis 26 zeigten eine intensiv gelbe Färbung und entsprechen der in 1b beschriebenen Zone mit Rf = 0,46.
Das UV-Spektrum eine Chloroformlösung dieser Fraktion hat max λ = 266 nm.
1d Fällung der erfindungsgemäßen Substanz bzw. des Substanzgemisches aus dem Chloroformrohextrakt.
Analog Beispiel 1a wird aus 200 g Fichtennadeln und 2000 ml Chloroform ein Rohextrakt hergestellt, der nach dem Trocknen mit Natriumsulfat aus 5 ml eingeengt wird.
Danach wird die eingeengte Stammlösung mit Petrolether (Siedepunkt 60-80°C) überschichtet, wobei 30 mg farbloser Kristalle ausfallen, die zur weiteren Reinigung zweimal umkristallisiert werden und die dünnschichtchromatographisch rein sind und deren Rf-Wert analog Beispiel 1b mit 0,46 bestimmt wird.
Das UV-Maximum liegt bei λ= 266 nm in Chloroform.
Beispiel 2
Frische bzw. nach dem Abtrennen vom Baum tiefgefrorene Fichtennadeln werden 30 min. in Aceton unter Rückfluß erhitzt. Die Nadeln werden dann abgetrennt, mit flüssigem Stickstoff tiefgefroren und pulverisiert. Das Pulver wird 30 min. mit Wasser/Aceton (1 : 1, V/V) bei Raumtemperatur geschüttelt, vom Fitrat wird das Aceton abrotiert, der wäßrige Rückstand mit Chloroform ausgeschüttelt.
p-Hydroxyacetophenon geht vollständig in die Chloroformphase. Durch anschließende Extraktion der wäßrigen Phase mit Ethylacetat geht Picein in die Ethylacetatphase.
Die Extrakte werden je für sich gleichartig aufgearbeitet, in dem man einrotiert, in Ethanol aufnimmt, über eine Kieselgelsäule chromatographiert und die Fraktionen durch Einrotieren und Umkristallisieren reinigt.
Beispiel 3 Test auf fungitoxische Eigenschaften
Die durch einen Rf-Wert von 0,46 in System Kieselgel/Toluol : Chloroform : Aceton = 45 : 25 : 35 ausgezeichnete Substanz, welche nach Beispiel 1b, 1c oder 1d erhältlich ist, wird auf ihre fungitoxische Eigenschaft untersucht.
Dazu wird eine Lösung des nach 1b, 1c oder 1d erhältlichen Stoffes auf eine Kieselgel 60-Platte aufgetragen. Die fungitoxische Eigenschaft wird untersucht am Cladosporium cucumerinum und Rhizosphaera kalkhoffii Bubak und Sirococcus Typ II.
Dazu werden die Pilzsporen in 3%-ige Malzinlösung aufgenommen und auf die trockene Kieselgel 60-Platte aufgesprüht.
Die so behandelten Platten werden bei 80%-iger Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur in geschlossenen Kammern inkubiert. Bei Cladosporium wird die Inkubation bei 28°C durchgeführt.
Bei allen getesteten Pilzen zeigt die nach 1b, 1c oder 1d erhältliche Substanz einen deutlichen Hemmhof.
Eine besonders gute Wirkung zeigt das nach Beispiel 2 erhaltene p-Hydroxyacetophenon. Die Hemmwirkung zeigt sich z. B. schon sehr deutlich mit 100 ug auf einer Kieselgelplatte von 4 cm2 Fläche gegen Rhizosphaera kalkhoffii.
Für die Anwendung werden die erfindungsgemäßen Produkte mit üblichen Hilfs- und/oder Trägerstoffen zu gebräuchlichen Formulierungen verarbeitet. Solche Formulierungen, etwa Lösungs- bzw. Emulsionskonzentrate werden für die Anwendung mit Wasser auf die gewünschte Konzentration verdünnt.

Claims (6)

1) Substanz oder Substanzgemische erhältlich aus der Cuticula von Nadeln der Fichte oder anderer Nadelbäume, gekennzeichnet durch
a) einen Rf-Wert von 0,46 (bestimmt im System Kieselgel/Toluol : Chloroform : Aceton = 46 : 25 : 35) und
b) ein UV-Absorptionsmaximum bei 266 nm (bestimmt in Chloroformlösung).
2) Substanz oder Substanzgemisch nach Anspruch 1 erhältlich aus der Cuticula der Nadeln von Nadelbäumen, dadurch gekennzeichnet, daß man die aktiven Komponenten aus der Cuticula mit unpolaren Lösungsmitteln in Lösung bringt.
3) Substanz oder Substanzgemisch nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß man die Cuticula von Fichtennadeln mit Chloroform abwäscht, den Chloroformextrakt einengt und mit Petrolether versetzt und die dabei anfallenden Kristalle abtrennt.
4) Fungizides Mittel enthaltend eine Substanz oder Substanzgemisch nach Anspruch 1 bis 3 oder p-Hydroxyphenon neben üblichen Hilfs- und/oder Trägerstoffen.
5) Verfahren zur Gewinnung eines fungiziden Mittels, dadurch gekennzeichnet, daß man
a) die Cuticula der Nadeln von Nadelbäumen mit einem unpolaren Lösungsmittel abwäscht und gewünschtenfalls den Rohextrakt auftrennt so daß die Fraktion, welche durch einen Rf-Wert von 0,46 (bestimmt im System Kieselgel/Toluol : Chloroform : Aceton = 45 : 25 : 35) und im UV-Absorptionsmaximum von 266 nm (bestimmt in Chloroform) charakterisiert ist, durch Kristallisation abtrennt oder durch chromatographische Verfahren anreichert, oder daß man
b) frische bzw. in frischem Zustand tiefgefrorene Fichtennadeln mit Aceton bei Raumtemperatur extrahiert, die Nadeln abtrennt und bei tiefer Temperatur zerkleinert, sodann mit Aceton/Wasser extrahiert, das Aceton abdestilliert, die wäßrige Phase mit Chloroform extrahiert, zur Trockne eindampft und den Rückstand ggf. chromatographisch reinigt und/oder umkristallisiert.
6) Verwendung von Substanzen oder Substanzgemischen nach Anspruch 1 bis 3 oder von Hydroxyacetophenon zur Bekämpfung von phytopathogenen Pilzen, insbesondere Cladosporium cucumerinum und Rhizosphaera kalkhoffii.
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