DE3366C - Hygrometer. Professor Dr - Google Patents
Hygrometer. Professor DrInfo
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Description
1877.
Klasse 42.
w. KLiNKERFUES in göttingen.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 18. November 1877 ab.
Längste Dauer: 26. November 1889.
Für das gröfsere Publicum eignen sich nur solche Feuchtigkeitsmesser, welche auf der Anwenduug
hygroskopischer Körper beruhen, z. B. das S au s sure'sehe Haarhygrometer.
Es kann jedoch bei mäfsig langem Gebrauche nicht ausbleiben, dafs das Haar auf der Zeigerwelle
gleitet, im einzelnen Falle zwar unmerklich, in der Summe vieler Bewegungen aber so viel,
dafs die Vergleichbarkeit und Sicherheit beeinträchtigt wird. Ein anderer Mangel ist
der, dafs bei hohen Feuchtigkeitsgraden das Saus sure'sehe Haarhygrometer die ersten zehn
Grade der Scala schon für 4,57 pCt. relativer Feuchtigkeit durchläuft, während, um das Hygrometer
die letzten zehn Grade von 90 bis 100 durchlaufen zu lassen, eine Steigerung der
Feuchtigkeit von 79,09 bis 100 pCt. · nöthig ist. Hierdurch wird dann weiter für jedes Exemplar
eine ungleichwerthige Scala bedingt.
Das im folgenden zu beschreibende Hygrometer hat mit dem Haarhygrometer das gemein,
dafs ebenfalls ein hygroskopischer Körper benutzt wird, wobei bisher dem Menschenhaar
der Vorzug eingeräumt worden ist. Die Construction selbst aber ist ganz abweichend,
auch von der anderer Hygrometer überhaupt, und hat sich aus dem Grundgedanken entwickelt,
für Messungen der Feuchtigkeitsänderungen der Luft dasselbe Hülfsmittel zu benutzen,
welches Gau fs für die Messung der Aenderung
in der Intensität des Erdmagnetismus in die Physik eingeführt hat, nämlich die bifilare Aufhängung
eines Körpers, mit dem Unterschiede, dafs die vom Magnetslabe ausgeübte Directionskraft
hier durch eine andere zu ersetzen ist. Ursprünglich war das neue Hygrometer nur
ein Analogon zum Bifilar-Magnetometer, wie letzteres sehr geeignet, kleine Aenderungen mit
Sicherheit zu erkennen, zu absoluten Bestimmungen aber der Vergleichung mit einem Normalhygrometer
bedürfend. Später ergab sich aber, dafs infolge einer merkwürdigen Eigenschaft, welche das Menschenhaar bei seiner
Volumenveränderung durch Feuchtigkeit zeigt, dem neuen Hygrometer Selbstständigkeit und
Unabhängigkeit von anderen Hygrometern gegeben werden kann. Hierdurch wird dasselbe
selbst zu einem Normalhygrometer von stereotyper Scala, deren Theile ohne weitere Reduction den
Procentsatz der Feuchtigkeit angeben. Durch diesen Umstand erlangt man durch das Instrument
die Bequemlichkeit wie beim Barometer und Thermometer.
Der Beschreibung des Hygrometers mufs hier dasjenige vorangeschickt werden, was sich über
die Ausdehnung des Menschenhaares aus Beobachtungen Gay-Lussac's ableiten läfst. Hierbei
wird, abgesehen von dem Einflufs der Temperatur, dem directen und dem indirecten,
darin sich äufsernd, dafs dem Sättigungspunkt bei verschiedenen Temperaturen verschiedene
Verlängerung des Haares entspricht. Denn dieser Einflufs, verhältnifsmäfsig unbedeutend,
kann innerhalb der gewöhnlichen Temperaturen durch die Ausdehnung der Metalltheile des Instrumentes
compensirt werden. Gay-Lussac hat nun für eine mittlere Temperatur ermittelt, welcher relativen Feuchtigkeit der Luft die Grade
Saussure'schen Hygrometer entsprechen; er giebt folgende Tabelle:
o° = 0,00 relative Feuchtigkeit
IO°= 4,57
| 2O° = | 9.45 |
| 30° = | 14.78 |
| 4O° = | 20,78 |
| 50° = | 27,79 |
| 60° = | 36,28 |
| 7O° = | 47.19 |
| 8O° = | 61,22 |
| 90° = | 79.°9 |
| IOO0 = | 100.00 |
Da die Zahl der Grade des Saussure'schen
Haarhygrometers der Verlängerung proportional ist, welche das Haar durch Feuchtigkeit erlitten
hat, so sieht man, wie der betreffende Ausdehnungscoefficient sich mit dem Procentsatz relativer
Feuchtigkeit ändert, und nun kann man aus obigen Zahlen eine für das Folgende wichtige
Eigenschaft jenes Coefficienten ableiten. Nämlich die der Ausdehnung proportionale Anzahl
der Grade, welche mit y bezeichnet werden mag, läfst sich durch folgende Formel als
Function des Feuchtigkeitsprocentes ρ darstellen:
y = 126,91 47,9OI COtg (0,400°/ + 2O,68°),
woraus sich dann gleich ergiebt, dafs der Aus-
dehnungscoefficient dem Quadrate von sinus (0,40ο0/ + 2 ο, 68°) umgekehrt proportional ist. Es
scheint sich die Voraussetzung zu bewahrheiten, dafs diese Eigenschaft immer für eine ganze
Art von Haaren gültig bleibt, nur dafs die Zahlen Coefficienten von Art zu Art variiren.
Dafs der Ausdehnungscoefficient durch Feuchtigkeit
sehr nahe gerade in der angegebenen Weise veränderlich ist, hat für das neue Hygrometer
dieselbe Bedeutung, welche die ebenfalls nur sehr angenähert stattfindende Unveränderlichkeit
des Ausdehnungscoefficienten der meisten Körper durch Wärme für die Thermometer besitzt.
Die obige Formel läfst im Maximum einen Fehler übrig, welcher an einer wenig gebrauchten
Stelle der Scala 1,61 pCt. der Feuchtigkeit erreicht
und der selbst für die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen nicht sehr in Betracht
kommt.
Man denke nun nach Fig. 1 der beiliegenden Zeichnung ein Stäbchen π an zwei hygroskopischen
Fäden ff bifilar aufgehängt, gleichzeitig aber durch zwei andere solcher Fäden/1/1
verhindert, ganz der Torsion der ersten Fäden nachzugeben. Die Ruhelagen, nach welchen
die sich entgegenwirkenden Torsionen streben, sollen senkrecht zu einander sein, dafs also,
wenn ζ der Torsionswinkel der unteren Torsion ist, der der oberen durch 90 ° — ζ ausgedrückt
wird. Die von letzterer ausgeübte Directionskraft läfst sich demnach ausdrucken durch:
c' sin z,
die der ersteren durch . . . c cos ζ . . ., wenn cl
und c die Maximalwerte dieser Kräfte bezeichnen. Soll sich das Stäbchen unter dem Einflüsse
beider Kräfte im Gleichgewichte befinden, so mufs sein
cs sin ζ — c cos ζ = o,
das heifst es mufs
das heifst es mufs
erfüllt sein.
cotg ζ = —
Erleidet nun die Gröfse — aus irgend welcher
Ursache, z.B. durch die Einwirkung von Feuchtigkeit auf die hygroskopischen Fäden eine kleine
Variation δ—, geht also in — +δ— über, so
C
CC
geht auch entsprechend der Torsionswinkel ζ in ζ + δ ζ über und man hat
cotg (z + δζ) =
cl
δ —
c
oder mit Rücksicht auf die Kleinheit von δ ζ, die ihre höheren Potenzen zu vernachlässigen
erlaubt,
Oz = — smi'if —.
c
c
Die Gröfsen cl und c hängen unter anderem
nach den Torsionsgesetzen von der Länge und von dem Abstande von je zwei Fäden eines
Paares ab. Die Variation oder das Increment
c1 . .
δ — ist also hier als eine Function der Ausc
dehnungen anzusehen, welche die Fäden durch Feuchtigkeit erleiden, und zwar mit Rücksicht
auf die Kleinheit dieser Gröfsen, als eine linäre Function. Man kann daher nach obigem
C sin(o,40o°/ ■+- 2O,680)2
setzen, wobei γ eine constante, δ ρ das Increment
der relativen Feuchtigkeit bedeutet, durch welches die Störung des Gleichgewichts der
beiden Torsionen veranlafst wird. Substituirt
man den oben gefundenen Ausdruck von δ —
in der Gleichung für δ ζ, so wird
j gz== l/ sin ζ*γδρ
j gz== l/ sin ζ*γδρ
V Sin (0,400 °/ + 2O,680)2'
wobei sich die Coefficienten auf Menschenhaare beziehen.
Durch Abänderungen in der Spannung, in der Länge oder in der Weite der Fädenpaare, läfst
sich für die constante γ der Werth — 0,400 herstellen.
Gesetzt, das sei geschehen, aufserdem aber noch für irgend eine Stellung in der Gleichgewichtslage,
welcher der Torsionswinkel z0 und die relative Feuchtigkeit /0 entspricht,
durch Aenderungen im Verhältnifs beider Torsionen erreicht, dafs
2 Z0 = 0,400/0 + 2O,68°
ist, so wird überall, das heifst, die ganze Scala der relativen Feuchtigkeit hindurch
Z = 0,400 °
20,68°
denn es wird zufolge der" Gleichung 1 für
P=Po-
δ ζ = o,4oo δ p,
folglich ist die Bedingung 2 auch für die Nachbarwerthe von Z0 und /0, nämlich für Z0 +
δ ζ, /ο + δ p erfüllt und deshalb der gemachte
Schlufs durch die ganze Scala zu wiederholen. Umgekehrt ist auch die Erfüllung der Bedingung
2 für zwei, z. B. für die äufseren Punkte der ,Feuchtigkeitsscala / = 0 und / = 100, ein
Zeichen, dafs γ = 0,400 gemacht worden ist. Hieraus folgt, dafs man eine gleichwerthige
Scala haben wird, wenn man dafür sorgt, dafs in getrockneter Luft ζ = 2o,68° in gesättigter
gleich 60,68° wird, und dafs unmittelbar der Procentsatz relativer Feuchtigkeit angegeben
wird, wenn man das Stäbchen auf einem in 100 gleiche Theile getheilten Gradbogen von
400 spielen läfst, dessen Nullpunkt ζ = 2O,68°
entspricht, oder, wenn man das Stäbchen senkrecht zu der erst angegebenen Lage durch das
Schiffchen mit den Aufhängepunkten steckt,
ζ = 45,00" — 20,6
4,32°
Die Möglichkeit der eben angegebenen Regulirung erhellt theoretisch aus der Betrachtung,
dafs die Bedingung des Zusammenhaltens von ρ = ο mit ζ = 20,68° dadurch zu erfüllen ist,
dafs man das Verhältnifs beider Torsionen ändert, die anderen aber des Zusammenfallens
von p = ioo mit ζ = 60,68°, wenn die Empfindlichkeit,
das heifst die Summe bezw. die Differenz beider Torsionen geändert wird, und zwar durch solche gleichzeitige Correction beider
Torsionen, dafs das Verhältnifs für die andere Stellung p — ο dasselbe bleibt.
Die Empfindlichkeit des Apparates überhaupt und die Gröfse der Torsion wird am bequemsten
dadurch geändert, dafs man die Fäden an ihrem einen Ende einander nähert, oder von einander
entfernt. Die bifilare Torsion ist, wenn die Fäden nicht parallel sind, sondern mit der Aufhängeoder
Befestigungsbasis ein Trapez bilden, dem Product aus den beiden parallelen Seiten des
Trapezes proportional. Wird die Verstellung durch Schrauben ausgeführt, so ist die Aenderung
des Werthes der Torsionscoefficienten der Drehung der Schraube proportional.
Bei dem Justiren des Instrumentes ist es auch nöthig, die Spannung der Fäden ganz allmälig
mittelst einer Schraube, welche das Befestigungsstück der oberen Fäden bequemer nach der
unteren in verticaler Richtung verschiebt, verändern zu können. Mittelst derselben Schraube
können die Fäden auch ganz aufser Spannung gesetzt werden, um das Stäbchen zu arretiren. In
diesem Zustande kann das Instrument versendet werden. Um es wieder zu justiren, braucht
man nur auf die Platte p des Instrumentes, welche mittelst dreier Fufsschrauben horizontal
gestellt worden, ein Tellerchen mit Chlorcalcium zu bringen, dann mit der Glashülse H zu bedecken
und mittelst Schraube s die Spannung der Fäden so weit zu vergröfsern, dafs mit dem
allmäligen Austrocknen der Luft in der Glocke der Zeiger das Stäbchen s s auf den Nullpunkt
der Theilung geführt wird. Mit derselben Schärfe aber kann man dieselbe Spannung
wieder herstellen, wenn man die Schwingungsdauer des Stäbchens beobachtet, was selbst mit
einer gewöhnlichen, Secunden zeigenden Uhr leicht auszuführen ist. Zu diesem Zwecke bemerkt
der Mechanikus, wie viel Schwingungen in einer oder mehreren Minuten in vollkommen
ausgetrockneter Luft gemacht werden müssen. Bei dem Aufstellen des Apparates an einem
anderen Orte wird Chlorcalcium auf die Platte P gebracht, eine Glocke übergestülpt und mittelst
der Schraube s die Spannung der Fäden so lange corrigirt, bis nach vollständiger Austrocknung
der Luft in der Glocke der Index auf Null zeigt, oder noch besser, das Stäbchen die
diesem Punkte entsprechende Schwingungszahl zeigt. Der Erfinder liefs sich Metalltheile
des eben beschriebenen Hygrometers ganz roh, ohne alle feinere Einrichtung, von
einem Göttinger Schlossergesellen, Ursprunglieh
nur zu dem Zwecke, ein Modell zu haben, verfertigen, machte aber dann, als er den
Haaren eine passende Spannung gegeben hatte, die Erfahrung, dafs das noch so unvollkommene
Exemplar dem Daniell'schen Hygrometer, sowie dem August'sehen Psychrometer an Genauigkeit
gleichkommt, während es wegen der Gleichwerthigkeit seiner Scalentheile, von denen
bei diesem Exemplar jeder 2,3568 pCt. der relativen Feuchtigkeit entspricht, an Bequemlichkeit
bei weitem vorzuziehen ist.
Hierzu I Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
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