DE3215065C2 - - Google Patents
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Description
Aus der US-PS 40 29 549 ist die Verwendung von Mycobacterium
fortuitum NRRL B-8119 zur Herstellung von
9-Hydroxy-3-oxo-4-pregnen-20-carbonsäure[9-hydroxybisnoracid]
bekannt. Dieselbe Mutante dient gemäß der
US-PS 40 35 236 zur Herstellung von 9-Hydroxy-4-andro
sten-3,17-dion[9-hydroxyandrostendion] bzw. gemäß der
US-PS 42 14 051 zur Herstellung von 9-Hydroxy-3-oxo-4-
pregnen-20-carbonsäuremethylester[9-hydroxybisnoracidmethylester].
Aus der EP-Patentanmeldung 79 104 372.2 ist ein zweistufiges
Fermentationsverfahren zur Herstellung der als
Zwischenprodukt bei der Synthese wertvoller Corticoide
wertvollen 9-Hydroxy-3-oxo-4,17(20)pregnadien-20-Carbonsäure
bekannt. Bei dem bekannten Verfahren erfolgt zunächst
eine Umwandlung von Sterinen in 3-Oxo-4,17(20)-pregnadien-20-carbonsäure
durch Fermentation mit dem
Mycobacteriumstamm NRRL B-8054. Danach wird diese Verbindung
durch Inkubation mit irgendeinem zur Einführung
einer Hydroxylgruppe in 9α-Stellung befähigten Mikroorganismus
in 9-Hydroxy-3-oxo-4,17(20)-pregnadien-20-carbonsäure
überführt.
Gegenstand der Erfindung ist demgegenüber ein einstufiges
Fermentationsverfahren zur Herstellung des wertvollen
Zwischenprodukts 9-Hydroxy-3-oxo-4,17(20)-pregnadien-20-carbonsäure.
Dieses Verfahren wird mit Hilfe einer neuen
Mutante von M. fortuitum NRRL B-8119,
nämlich M. fortuitum NRRL B-12 433,
durchgeführt.
Das erfindungsgemäße einstufige Fermentationsverfahren
stellt eine deutliche Verbesserung des aus der genannten
EP-Patentanmeldung bekannten zweistufigen Fermentationsverfahrens
dar.
Im folgenden wird die Herstellung des
im Rahmen des erfindungsgemäßen einstufigen Fermentationsverfahrens
einsetzbaren und
als Hauptprodukt eines
Sterinabbaus 9-Hydroxy-3-oxo-4,17(20)-pregnadien-20-carbonsäure
bildenden
neuen Stammes
M. fortuitum
NRRL B-12 433 erläutert.
Mycobacterium fortuitum NRRL B-8199
(vgl. Beispiel 1 der US-PS 40 29 549)
wird in einem Medium
aus (pro Liter) 8 g Nährbrühe, 1 g Hefeextrakt, 5 g
Glyzerin, 0,1% (w/v) Tween 80
(vgl. Römpps Chemie Lexikon, 7. Auflage 1977, Franckh'sche Verlagshandlung
Stuttgart, Stichwort "Tween", Seite 3710)
und destilliertem Wasser
bei einer Temperatur von 31°C wachsen gelassen. Das
Medium wird durch 20minütiges Erhitzen in einem Autoklaven
unter einem Druck von 103 kPa sterilisiert. Die
Zellen werden bis zu einer Dichte von etwa 5×10⁸ pro
ml wachsen gelassen und dann auf einem sterilen 0,2-µm-Filter
gesammelt. Nachdem die Zellen mit einem gleichen
Volumen eines sterilen 0,1 M-Natriumcitratpuffers eines
pH-Werts von 5,6 mit 0,1% Tween 80 gewaschen und dann in
dem halben Volumen desselben Puffers resuspendiert wurden,
wird N-Methyl-N′-nitro-N-nitrosoguanidin in einer Konzentration
von 100 µg/ml zugesetzt, worauf die Zellensuspension
1 h bei 31°C inkubiert wird. Nun werden die Zellen
mit zwei Volumina eines sterilen 0,1 M-Kaliumphosphatpuffers
eines pH-Werts von 7 mit 0,1% Tween 80 gewaschen
und dann in einem Volumen desselben Puffers resuspendiert.
Ferner wird ein Medium aus (pro Liter) 8 g Nährbrühe,
5 g NaCl und 5 g Glyzerin und destilliertem Wasser zubereitet.
Nach Zugabe von Agar in einer Menge von 15 g/l
wird das Medium 20 min lang unter einem Druck von 103 kPa
einer Autoklavenbehandlung unterworfen und dann in sterile
Petrischalen gegossen. Danach werden die mutierten Zellen
auf dem geschilderten Medium gezüchtet. Die auf den Platten
gewachsenen Kolonien werden danach im Rahmen von Versuchsfermentationen
auf ihre Fähigkeit zur Umwandlung von
Sterinen in 9-Hydroxy-3-oxo-4,17(20)-pregnadien-20-carbonsäure
getestet. Der Nachweis der gewünschten Verbindung
erfolgt durch Dünnschichtchromatographie von Methylenchloridextrakten
der Versuchsfermentationen unter Verwendung
von Silicagel und Methylenchlorid/Aceton/Essigsäure
(212/38/1) als Lösungsmittelsystem. Auf diese Weise läßt
sich die zur Ansammlung von 9-Hydroxy-3-oxo-4,17(20)-pregnadien-20-carbonsäure
als Hauptprodukt der biologischen
Umwandlung von Sterinen anhäufende Mutante NRRL B-12 433
isolieren.
Der Schlüssel für die Isolierung
der beschriebenen Mutante ist, daß man mit einer
Mutante, z. B. NRRL B-8119, die hinsichtlich des Steroidringabbaus
bereits derart blockiert ist, daß sie 9α-Hydroxyandrostendion
liefert, beginnt und diesen Mikroorganismen
einer zweiten Mutation, die dann einen Einfluß
auf den Sterinseitenkettenabbau besitzt, unterwirft.
Die die geschilderte biologische Umwandlung herbeiführende
Mutante unterscheidet sich von ihrer Mutterkultur,
beispielsweise Mycobycterium fortuitum
NRRL B-8119 lediglich in ihrer Wirkung auf Steroidmoleküle.
In sämtlichen sonstigen Eigenschaften, z. B. der
Morphologie und der Chemikalienempfindlichkeit, entspricht
sie der Mutterkultur, wenn sie mit dieser nicht sogar
identisch ist. Beide M.-fortuitum-Kulturen sind säurefeste,
nicht bewegliche, nicht sporenbildende Bazillen,
die zur Familie Mycobacteriaceae der Ordnung Actinomycetales
gehören. Nach der Klassifizierung von Runyon (vgl.
E. H. Runyon in "Med. Clin. North America", Bd. 43, S. 273
[1959]) handelt es sich um ein nicht chromogenes Mycobacterium
der Gruppe IV, d. h. um ein bei niedriger Temperatur
unter Bildung nicht pigmentierter Kolonien
auf relativ einfachen Medien wachsendes Mycobacterium.
M. fortuitum NRRL B-8119 und NRRL B-12 433 sind in der
Dauersammlung von Northern Regional Research Laboratory,
U.S. Department of Agriculture, Peoria, Illinois, USA,
hinterlegt und auf Anfrage von dieser Hinterlegungsstelle
erhältlich.
9-Hydroxy-3-oxo-4,17(20)-pregnadien-20-carbonsäure eignet
sich als Zwischenprodukt bei der Herstellung wertvoller
Corticoide. So läßt es sich beispielsweise gemäß den
Lehren der EP-Patentanmeldung 79 104 372.2 in Hydrocortisonaacetat
überführen.
Die folgenden Beispiele sollen das Verfahren gemäß der
Erfindung näher erläutern. Sofern nicht anders angegeben,
bedeuten sämtliche Angaben "Prozente" - "Gewichtsprozente".
Sämtliche Verhältnisse bei Lösungsmittelgemischen stellen,
soweit nicht anders angegeben, "Volumenverhältnisse" dar.
Das biologische Umwandlungsmedium bzw. Biotransformationsmedium
enthält (pro Liter) 8,0 g Ucon, 5,0 g Cerelose,
3,0 g NH₄Cl, 3,0 g CaCO₃, 3,0 g Na₃(citrat) · 2 H₂O,
2,0 g Tween 80, 1,0 g Sojamehl, 0,5 g KH₂PO₄, 0,5 g Harnstoff
und 30,0 g rohes Sitosterin in Leitungswasser. Der
pH-Wert des Mediums ist auf 7,0 eingestellt. Mit jeweils
100 ml dieses Mediums gefüllte Kolben werden mit
10 ml Saatkulturen von bei 28°C in einem Medium aus
(pro Liter) 8,0 g Nährbrühe, 5,0 g Glyzerin, 1,0 g Hefeextrakt
und 1,0 g Tween 80 in destilliertem Wasser (pH-Wert:
7,0) gezüchtetem M. fortuitum NRRL B-12 433 beimpft.
Danach werden die Kulturen 336 h lang bei einer
Temperatur von 28°C auf einem Drehrüttler inkubiert.
Nach der Inkubation wird entsprechend Beispiel 3 das
Gemisch extrahiert und das Produkt isoliert.
Entsprechend Beispiel 1 werden anstelle von Sitosterin
andere Sterinsubstrate in roher oder reiner Form, z. B.
Sitosterin und/oder Cholesterin und/oder Stigmasterin
und/oder Campesterin verwendet.
1200 ml Fermentationsbrühe aus der mit Hilfe von M.
fortuitum NRRL B-12 433 durchgeführten biologischen
Sitosterinumwandlung werden angesäuert und zweimal
mit gleichen Volumina Methylenchlorid extrahiert, wobei
29,2 g bzw. 8,9 g Rohextrakt erhalten werden.
Der erste Extrakt wird erneut in Methylenchlorid gelöst,
worauf die alte Lösung mit gesättigter Natriumbicarbonatlösung
gewaschen wird. Die wäßrigen Waschwässer werden
gesammelt, mit verdünnter (4-N) HCl angesäuert und mit
Methylenchlorid rückextrahiert. Der Extrakt wird über
Magnesiumsulfat getrocknet und filtriert. Beim Verdampfen
des Lösungsmittels erhält man einen gelben Feststoff,
der mit Methylenchlorid verrieben wird. Hierbei
erhält man ein fahlgelbes Pulver. Dieses wird aus einem
Gemisch aus Methylenchlorid und Methanol zur Kristallisation
gebracht, wobei drei verschiedene Chargen, nämlich
a) 3,8 g, b) 2,1 g und c) 2,8 g, erhalten werden.
Aufgrund einer Untersuchung durch Kernresonanzspektralphotometrie
ergibt sich, daß es sich hierbei um Gemische
der Säuren mit der Δ 17(20)-Dehydroverbindung von
9-Hydroxy-3-oxo-4,17(20)-pregnadien-20-carbonsäure in
Konzentrationen von 90%, 35% und 10% handelt.
Beim dreimaligen Umkristallisieren der ersten Charge
aus Methylenchlorid/Methanol erhält man 1,8 g 9-Hydroxy-
3-oxo-4,17(20)-pregnadien-20-carbonsäure eines Fp von
240° bis 242°C und einer Drehung [a] D von 40,7° in Methanol.
Das Massenspektrum zeigt ein Molekülion bei m/e 358
(C₂₂H₃₀O₄).
Claims (4)
1. Mycobacterium fortuitum NRRL B-12 433.
2. Einstufiges Fermentationsverfahren zur Herstellung einer
Verbindung der Formel:
dadurch gekennzeichnet, daß man Mycobacterium fortuitum
NRRL B-12 433 unter aeroben Bedingungen in Anwesenheit
eines Steroids mit C-17-Seitenkette in einem wäßrigen
Nährmedium züchtet und das gewünschte Produkt reindarstellt.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß
man die Züchtung des Stammes Mycobacterium fortuitum
NRRL B-12 433 in Gegenwart eines Gemischs aus zwei oder
mehreren Steroiden durchführt.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet,
daß man die Züchtung in Gegenwart von Sitosterin,
Cholesterin, Stigmasterin und/oder Campesterin durchführt.
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