DE31489A - Methode zur Aufhebung der betriebsstörenden Induktionswirkungen bei Telegraphen- und Telephonlinien - Google Patents
Methode zur Aufhebung der betriebsstörenden Induktionswirkungen bei Telegraphen- und TelephonlinienInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
KLASSE 21: Elektrische Apparate.
IGNAZ LINKE in WIEN.
und Telephonlinien.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 18. Juli 1884 ab.
Die Erfindung hat den Zweck, die störenden Einwirkungen von Telegraphen- oder Telephonleitungen
in einem für den praktischen Betrieb genügenden Grade zu beseitigen. Die Weise,
in welcher man dies bei zwei Leitungen erreicht, zeigt Fig. ι; ab sei die eine elektrische
Leitung, welche in der zweiten c d störende Inductionsströme hervorruft. Um diese zu
neutralisiren, ist in die Leitung α b die primäre Spirale, in die Leitung c d dagegen die secundäre
Spirale einer Inductionsrolle J so eingeschaltet, dafs die in den Spiralen inducirten
Ströme denjenigen entgegengesetzt sind, welche auf der Linie inducirt werden. Entgegengesetzte
Ströme in einer Leitung neutralisiren sich jedoch, falls sie gleiche Stärke haben, und da
man es in der Hand hat, die Inductionswirkung der Rolle zu reguliren, kann man es einrichten,
dafs die entgegengesetzten Inductionsströme annähernd gleiche Stärke erhalten und sich also
auch möglichst vollständig aufheben. Wenigstens wird auf diese Weise die Inductionswirkung
auf die Apparate aufgehoben. Diese Methode ist das wesentlich neue und Hauptmoment der
vorliegenden Erfindung, von welcher einige weitere Anwendungen nun besprochen werden
sollen.
In Fig. 2 sind T und T1 zwei Telephonstationen,
welche durch die Leitung I verbunden sind, während in der nahe liegenden
Leitung II störende Ströme circuliren. In diesem Falle kann man in jeder der beiden
Stationen eine Inductionsrolle, jede nach Art von Fig. ι, einschalten, so dafs man es auf
beiden Seiten in der Hand hat, die Stärke der Induction zu reguliren.
In Fig. 3 wirken drei Linien I, II und III störend auf eine Linie IV. Um in diesem
Falle die Einflüsse abzuschwächen, sind drei Inductionsrollen erforderlich. Die Rolle 1 ist
in I und IV genau so eingeschaltet, wie J in α b und c d, Fig. 1; ebenso Rolle 2 in Leitungen
II und IV und Rolle 3 in III und IV. Auf diese Weise lassen sich natürlich auch die
Einflüsse von mehr als drei störenden Linien unschädlich machen. .
In Fig. 4 wirkt eine Leitung I störend auf mehrere Leitungen, z. B. II, HI und IV. In
Fig. 5 wirken zwei Leitungen I und II störend auf drei Leitungen II, IV und V. Es tritt
dann für Leitung I sowohl, als auch für II die Anordnung von Rollen nach Fig. 4 ein.
Wären in Fig. ι α b und c d zwei Telephonleitungen
(d. h. nicht α b eine Telephon- und c d eine Telegraphenleitung, für die das folgende
nicht gilt) und will man die gegenseitige Induction der Drähte und den daraus resultirenden
Uebelstand, dafs man auf der nicht benutzten Linie das mit hören kann, was auf der benutzten gesprochen wird, verhindern, so
ist es klar, dafs beide Spiralen der Rolle J aus gleich langen, aber vom Strome entgegengesetzt
durchlaufenen Drähten bestehen müssen, deren Windungen dieselbe Lage gegen einander haben.
In diesem Falle mufs die Inductionsrolle durch zwei wo möglich zusammengesponnene, aber
von einander isolirte Drähte gebildet werden. Eine solche Rolle soll in der Folge Parallel-
rolle heifsen. Fig. 6 stellt vier z. B. ein Kabel bildende Telephonleitungen vor. Dieselben
sind so nahe bei einander, dafs der oben erwähnte Uebelstand eintritt. Um diesen nun
verschwinden zu lassen, schaltet man in die Linie I (4 — 1) = 3 oder, wenn im allgemeinen
η Linien vorhanden sind (n — 1), Parallelrollen ein und schaltet die secundären Rollen jeder
derselben in die Linien II, III und IV ein. In die Linie II schaltet man zwei Parallelrollen
4, 5 und die secundären Spiralen dieser in III und IV ein. In III endlich schaltet man
eine Parallelrolle 6 und deren secundäre Spirale in IV ein. Bei dieser Schaltung kann nach
gehöriger Regulirung keine schädliche Inductionswirkung mehr auftreten. Hier sind 3 -f- 2 + T
= 6 Rollen, im allgemeinen für η Leitungen (n — 1) + (n — 2) + (n — 3) + . . . Rollen erforderlich.
Die Construction der Rolle kann nun zweckmäfsig folgendermafsen sein: Die Drähte sind
auf eine Spule aus Holz oder Ebonit aufgewickelt, in welche ein Messingring r r, in
dem dünne Eisendrähte stecken, eingepafst ist. Das Kupfer- oder Messingröhrchen R ist verschiebbar
und vermöge seiner kann man die Stärke der Induction reguliren.
Die Enden der primären Spirale sind mit den Klemmen K1 und K^, die anderen mit
den Klemmen K3 und K4 verbunden, α und b
und c und d sind Blitzschutzvorrichtungen, von denen eine in Fig. 9 besonders gezeichnet
ist. Die Spule, deren Endplatten quadratisch geformt sind, ist mittelst Holzschrauben an der
Rückwand eines gut verschliefsbaren Holzkastens befestigt. Fig. 7 zeigt die obere Ansicht und
Fig. 8 einen senkrechten Längsschnitt dieses Kastens. Für kurze Leitungen genügt ein
Apparat dieser Gröfse, für längere Leitungen dagegen mufs man mehrere derartige hinter
einander schalten oder einen gröfseren anwenden.
Bevor man die in eine Linie eingeschalteten Apparate in Gebrauch nehmen kann, müssen
dieselben regulirt werden. Man zieht zu diesem Zwecke das Rohr R, Fig. 7 und 8, aus der
Spule heraus, dann mufs die in der Rolle auftretende Induction die Leitungsinduction überwiegen.
Man beginnt dann das Rohr in die Rolle einzuschieben und beobachtet dabei, am besten mittelst Telephons, die Stärke der Induction,
bis dieselbe verschwunden ist. Wenn man in Fig. 6 die Rolle 1 regulirt, so dürfen
die Leitungen II und III nicht benutzt sein; regulirt man 2, so müssen II und IV aufser
Benutzung sein u. s. f.
Bei der Anbringung des Apparates in einer Leitung ist derselbe am besten in einer der
gestörten Stationen in die Leitung einzuschalten , auch die Anwendung von einer Rolle in jeder Endstation ist sehr zu empfehlen.
Man soll hierbei Sorge tragen, dafs beide Rollen gleich stark induciren. Ist es unthunlich, die Rollen in den gestörten
Stationen anzubringen, so ist es sehr vortheilhaft, entsprechend Fig. 2 zwei gleich starke
derselben in gleicher Entfernung von der Mitte der Leitung einzuschalten; dies ist besonders
bei sehr langen Leitungen von günstigem Einflüsse.
Ist der die Rolle bergende Kasten im Freien anzubringen, so mufs er gut gegen die Einflüsse
der Witterung geschützt, bei Kabelleitungen speciell in einer ausgemauerten, verschliefsbaren
Grube untergebracht sein.
Die völlige Beseitigung der hier in Rede stehenden störenden Inductionswirkungen ist
bisher bekanntlich geglückt durch Anwendung zweier (statt eines) unter einander paralleler,
zu einem Stromkreise geschlossener und mit einer störenden Leitung paralleler Leitungen.
Die störende Leitung wirkt hierbei auf die beiden mit ihr parallelen Leitungen in demselben
Mafse und räumlich in demselben Sinne inducirend ein. Auf den Verlauf des Stromkreises
bezogen, sind diese Inductionswirkungen in den beiden den Stromkreis bildenden Hälften
entgegengesetzt. Folglich kommen störende Inductionsströme überhaupt nicht zu Stande.
Versuche, eine gleiche oder annähernd gleiche Wirkung zu erzielen durch Entwickelung eines
Stückes der gestörten Leitung in Form einer langgezogenen Schleife, deren unter sich und
mit der störenden Leitung parallele Theile räumlich in demselben Sinne, im Stromkreise
aber in entgegengesetztem Sinne beeinflufst werden, müssen erfolglos bleiben, weil bei
einem solchen Verfahren die neutralisirende Einwirkung nur auf die Schleife, also nur auf
ein Stück der gestörten Leitung sich bezieht und auch nur von einem entsprechend kurzen
Stück der störenden Leitung ausgeht, während in Bezug auf den Haupttheil der störenden
und der gestörten Leitung an der nur einsinnig wirkenden, störenden Induction nichts
geändert wird.
Ein in gleicher Absicht gemachter Vorschlag, ein Stück der störenden Leitung auf eine grofse
Zahl von parallelen und parallel geschalteten Leitungen einer in die gestörte Leitung eingeschalteten
Schleife in entgegengesetztem Sinne (zum Sinne der unbeabsichtigten Induction) inducirend
wirken zu lassen, mufs aus bekannten theoretischen Gründen erfolglos bleiben.
Nach dem vorbeschriebenen, den Gegenstand dieser Erfindung bildenden Verfahren, nämlich
durch Entwickelung eines Stückes der störenden Leitung zur primären Spirale einer Inductionsrolle
und durch Entwickelung eines entsprechenden Stückes der gestörten Leitung zur secundären Spirale derselben Inductionsrolle
kann die völlige Unterdrückung der hier
in Rede stehenden Inductionswirkungen erzielt werden, indem durch richtige Bemessung und
Anordnung der beiden Spiralen die Inductionswirkung der ein kurzes Stück der störenden
Leitung bildenden Spirale auf die ein Stück der gestörten Leitung bildenden Spirale gleich
gemacht und in entgegengesetztem Sinne wirkend gemacht werden kann, wie die Inductionswirkung
des die störende Leitung bildenden ausgespannten Drahtes auf den die gestörte Leitung bildenden parallelen Draht, wobei die
Leitungswiderstände der beiden Spiralen der Inductionsrolle im Verhältnisse zu denjenigen
der beiden ausgespannten Leitungen gering sind.
Und dies mufs als die Lösung der praktischen Aufgabe, ohne Doppelleitung die hier
in Rede stehende störende Inductionswirkung zu beseitigen, betrachtet werden.
Claims (1)
- Patent-AnSprüche:i. Die Methode, die in Telephon- und Telegraphenleitungen auftretenden störenden Inductionsströme dadurch zu neutralisiren, dafs man vermittelst einer Inductionsrolle, deren primäre Spirale in die störende und deren . secundäre Spirale in die gestörte Leitung eingeschaltet ist, in . die gestörte Leitung Inductionsströme schickt, welche den in ihr unbeabsichtigter Weise erzeugten störenden Inductionsströmen entgegengesetzt sind und dieselben deshalb aufheben, und wobei der Widerstand der Inductionsrollen gegenüber dem Widerstand der Leitung klein ist.Die Anwendung dieser Methode auf die Fälle, dafs eine Leitung eine andere stört, dafs eine Leitung mehrere andere stört, dafs mehrere Leitungen eine andere stören und dafs mehrere Leitungen mehrere andere stören.Die Anwendung einer mit verschiebbarem Eisenkern versehenen Inductionsrolle von regulirbarer Inductionswirkung zum Zwecke der Compensation störender Inductionsströme.■ Die Anwendung von erstens einer Rolle in der Mitte der betreifenden Leitungen, oder zweitens von gleich starken, von der Mitte der Leitungen gleich weit entfernten Rollen.Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
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