DE29698C - Verfahren zur Herstellung von Kunstsandstein durch Einwirkung von hochgespanntem Wasserdampf auf unter Druck stehende Mischungen aus Sand und Kalkhydrat - Google Patents
Verfahren zur Herstellung von Kunstsandstein durch Einwirkung von hochgespanntem Wasserdampf auf unter Druck stehende Mischungen aus Sand und KalkhydratInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT
Die Materialien für die Kunstsandstein-Fabrikation, Sand und gelöschter Kalk, müssen so
gleichmäfsig zusammengemischt sein, wie es durch die Arbeiten der Mörtelmaschinen erreicht
werden kann. Die Mörtelmischung kann für die Kunstsandstein - Fabrikation so mager
sein, dafs sie nur aus 10 Theilen Sand und
ι Theil gelöschtem Kalk besteht, während auch fettere Mischungen nicht ausgeschlossen sind.
Den Materialien mufs möglichst wenig Wasser zugesetzt werden, um eine recht steife Mörtelmasse
zu erhalten, weil diese sich später weit mehr als eine dünnflüssige Masse zusammendrücken
läfst.
Die Formen, in welche das frisch bereitete Sand-Kalkhydratgemenge gebracht wird, müssen
einen starken Druck aushalten und später das "Herausnehmen der erstarrten Masse gestatten;
sie werden deshalb in den wesentlichsten Theilen aus zerlegbaren Eisenplatten zusammengesetzt.
Die metallenen Formkästen müssen eine gut eingepafste, verschiebbare Deckel- oder Bodenplatte
haben, welche als Kolben wirken kann, um das Zusammenpressen der sonst fest eingeschlossenen
Masse möglich zu machen.
Das Sand-Kalkhydratgemenge wird nun in die Formen gefüllt und durch (Schrauben- oder
hydraulische) Pressen so stark wie nur möglich zusammengedrückt. Durch das Zusammenpressen
werden die einzelnen Sandkörner näher an einander gebracht, die Berührungspunkte zwischen
den Sand- und Kalkhydrattheilen werden daher vermehrt und die Festigkeit der später erhärteten
Kunstsandsteinmasse wird dadurch wesentlich gröfser werden.
Durch das Zusammenpressen wird aber nicht allein die Festigkeit der Masse vermehrt, sondern
es wird auch dadurch die genaue Ausfüllung der Formen bedingt. Da nun in einer trockenen
und mageren Mörtelmasse die einzelnen Theilchen sich schwerer zusammenschieben lassen,
als wenn eine mehr fette und nasse Masse beim Zusammendrücken verwendet wird, da ferner
das Verschieben der einzelnen Sandkörner durch das Einritzen in die Formwandungen noch besonders
erschwert wird, so wird es zur Herstellung glatter Ansichtsflächen nothwendig, an
den Wandungen der Formen eine mehr dünne bezw. fette Mörtelmasse als im Innern zu verwenden,
wodurch man durch starkes Zusammenpressen dann eine spiegelnde, glatte Kunstsandstein-Oberfläche
herstellen kann.
Die so gefüllten Formen werden nun, über einander aufgeschichtet, in einen Dampfkessel
gebracht und der Einwirkung von hochgespannten Wasserdämpfen ausgesetzt, so dafs die oberen
Massen während der Dampfwirkung durch ihr eigenes Gewicht einen Druck auf die darunter
befindlichen Massen ausüben können.
Damit die Sand-Kalkhydratmasse auch während der Einwirkung des Wasserdampfes dauernd
zusammengedrückt werden kann, müssen die Formen so weit gefüllt sein, dafs jede der zu
oberst stehenden Formen auf die verschiebbare Deckelplatte der darunter befindlichen Form
direct drücken und somit die Masse zusammenpressen kann, ohne dafs die Seitenwände der
Formen diesen lothrechten Druck empfangen und für das Zusammenpressen der Fabrikationsmasse nutzlos machen könnten. Die oberste
Schicht im Dampfkessel würde während der Dampfwirkung gar keinen zusammenpressenden
Druck empfangen und deshalb nur eine sehr lockere Oberfläche erhalten; es mufs daher der
obere Formdeckel im Kessel durch Auflasten von Gewichten noch besonders beschwert werden.
Die Dampfkessel, in denen die Kunstsandsteinmasse fertig gekocht wird, werden durch
Abnehmen des einen Kesselbodens (der später durch Schrauben bei zwischengelegter Packung
an der Kesselwand dampfdicht wieder befestigt werden kann) möglichst dem ganzen Inhalt
nach mit gefüllten Formkästen vollgesetzt, da der zum Kochen nothwendig werdende Wasserdampf
in einem besonderen Dampfkessel entwickelt und durch Röhren von aufsen zugeleitet
werden mufs.
Bei liegenden Dampfkesseln werden die Formkästen zweckmäfsig auf Wagen gebracht und
mit den Wagen auf Schienen in die Kessel geschoben, ähnlich so, wie es in Imprägniranstalten
mit den Holzwagen geschieht.
Besonders gut zum Fertigkochen der Kunstsandsteinmasse sind stehende Dampfkessel zu
verwenden, in welche die Formkästen mit Hülfe eines Kranes unter Führung von Schienen,
die in der inneren Kesselwand befestigt sind, von oben in den Kessel gelassen und so in
lothrecht stehenden Abtheilungen aufgestapelt werden.
Leitet man nun in den so beschickten Dampfkessel aus dem Dampfentwickler Hochdruckwasserdampf
(von mehr als 2 Atmosphären Spannung), so wird dieser Dampf die Formen sowie auch die darin befindliche Sand-Kalkhydratmasse
erwärmen und so lange Wärme an die Masse abgeben, bis allenthalben in dem Kessel eine gleichmäfsige Temperatur hergestellt
ist. Aus dem zugeführten, gesättigten Wasserdampf werden deshalb Niederschläge in dem
Kessel stattfinden, weil der Dampf seine latente Wärme an die Kesselfüllung abgeben wird. Es
mufs daher ein wiederholtes Ablassen des Condensationswassers von dem tiefsten Punkte des
Kessels aus durch den Ablafshahn stattfinden. Damit das Condensationswasser niemals bis an
den untersten Formkasten im Kessel steigt, mufs im Kessel ein durchlöcherter, doppelter Boden,
etwa 15 cm vom tiefsten Punkte entfernt, angebracht werden, so dafs der Zwischenraum
von vornherein zur Aufnahme für das Condensationswasser bestimmt wird.
Um die Höhe des Condensationswasserstandes auch von aufsen erkennbar zu machen, mufs
in der Höhe des Zwischenbodens an dem Kunstsandstein-Kochkessel ein Wasserstandsglas angebracht
werden. Wenn der gesättigte Wasserdampf in dem Arbeitskessel nicht mehr condensirt
wird, dann wird das Manometer, welches sich auf diesem Kessel befindet, mit dem Manometer
des Dampfentwickelungskessels eine gleiche Spannung zeigen. Dann ist der Kunstsandstein
fertig gekocht. Der zugeleitete Wasserdampf wird abgesperrt und der Dampfkessel mit der
erhärteten Masse einer langsamen Abkühlung überlassen. Nachdem die Abkühlung bis unter
ioo° fortgeschritten ist, wird der Kesselboden wieder geöffnet, welcher früher beim Einsetzen
geöffnet war. Die Formen mit den Kunstsandsteinmassen werden aus dem Kessel geschafft
und in Stücke zerlegt. Der Stein ist fertig.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Verfahren der Herstellung von Kunstsandstein aus einer in Formen comprimirten Mischung von Sand- und Kalkhydrat dadurch, dafs man die Formen über einander stellt und hierbei den Inhalt der einen Form auf den Formdeckel der anderen Form drücken läfst, den Deckel der obersten Form belastet und die so unter starkem Druck stehende Masse mit hochgespannten Wasserdämpfen behandelt.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE29698C true DE29698C (de) | 1900-01-01 |
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ID=305860
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| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT29698D Expired DE29698C (de) | Verfahren zur Herstellung von Kunstsandstein durch Einwirkung von hochgespanntem Wasserdampf auf unter Druck stehende Mischungen aus Sand und Kalkhydrat |
Country Status (1)
| Country | Link |
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| DE (1) | DE29698C (de) |
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