DE23086C - Neuerungen in der Konstruktion von Sekundär-Batterien - Google Patents
Neuerungen in der Konstruktion von Sekundär-BatterienInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
KLASSE 21: Elektrische Apparate.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 29. October 1882 ab.
Diese Erfindung bezweckt die Herbeiführung einer wesentlichen Zeitersparnifs für die Operation
des »Formirens« von Secundär-Batterien und eine Erhöhung der Leistungsfähigkeit letzterer.
Ihr zufolge werden die erforderlichen Elektroden in der Weise gebildet, dafs man geschmolzenes
Blei in einem geeigneten Gefäfs einer Schüttelung unterwirft so lange, bis es
in fein vertheilten Zustand übergegangen ist, dafs man alsdann das so gebildete Bleimehl mit
Quecksilber überzieht und daraus schliefslich durch Aufwand von Druck die Elektrode herstellt.
Hierbei ist der Quecksilberüberzug kein s.o wesentliches Merkmal dieser Erfindung, als
dafs von ihm nicht auch in gegebenen Fällen
Abstand genommen werden könnte.
Die Ueberführung von Blei in fein vertheilten Zustand geschieht bei der Arbeit in kleinerem
Mafsstabe zweckmäfsig unter Zuhülfenahme eines hölzernen Gefäfses von passender Gröfse, dessen
kreisrunder Boden schwach concav gewölbt, und welches mit einem Deckel abgeschlossen
ist. In dieses Gefäfs wird flüssiges Blei eingegossen und ihm -alsdann, während das Blei
flüssig und der Gefäfsdeckel abgenommen ist, von Hand eine langsame Bewegung um seine
Achse gegeben, derart, dafs hierbei das geschmolzene Blei in der Gefäfsmitte nnzertheilt
bei einander bleibt. Dadurch wird die Erhaltung einer gleichmäfsigen Temperatur innerhalb
der ganzen Masse bezweckt. Sobald aber das Metall Anzeichen zum Festwerden oder der
Krystallbildung erkennen läfst, wird der Deckel geschlossen und sicher befestigt, sowie das Gefäfs
entweder in seitlicher oder senkrechter Richtung mit solcher Heftigkeit geschüttelt, dafs
die sich zu bilden beginnenden Bleikuchen . gegen Seiten, Boden und Deckel des Gefäfses
angetrieben werden. In diesem Stadium der Operation ist das Blei geneigt, überaus leicht
auseinanderzubröckeln, infolge dessen das gekennzeichnete
Schütteln genügt, um es mit Leichtigkeit in Mehl oder feines Pulver umzuwandeln.
Etwa noch darin enthaltene gröbere Körnchen können mittelst Siebvorrichtungen ausgeschieden werden.
Das eben geschilderte Verfahren kann noch wie folgt rnodificirt werden:
Man entfernt den das flüssige Blei enthaltenden Schmelztiegel vom Öfen und rührt seinen
Inhalt um so lange, bis dieser den oben charakterisirten halbflüssigen Zustand annimmt. Alsbald
wird hiernach das Metall in das erwähnte Gefäfs übergegossen und der schon beschriebenen
Schüttelung unterworfen.
Oder man fügt zu dem im Schmelztiegel enthaltenen flüssigen Blei einige Bleikörner,
z. B. solche, wie sie mittelst Siebprocesses aus dem Bleipulver vorhergehender Operationen
abgeschieden worden sind, und mischt diese Körner innig mit dem flüssigen Blei durch
Rühren. Sobald die Bleimasse Anzeichen ihres beginnenden Erstarrens giebt, wird sie sofort in
das weiter oben erwähnte Gefäfs übergeführt und der erforderliche Schüttelprocefs zur
Erzeugung des gewünschten Bleimehles vorgenommen.
Häufig ist es rathsam, Stangen aus Holz oder ähnlichem Material quer über den oberen Theil
des eingangs erläuterten Gefäfses zu legen,
zur Unterstützung der darin zu vollführenden Processe.
Bei Herstellung des Bleimehles in gröfserem Mafsstabe findet ein Behälter von ähnlicher Beschaffenheit,
wie der bereits gekennzeichnete, Verwendung, nur ist der räumliche Inhalt desselben
der Bleimenge anzupassen, die bei je einer Operation verarbeitet werden soll. Aufserdem
werden hierbei mechanische Vorkehrungen zur Unterstützung und Führung des Behälters
zunächst während der langsameren Bewegung von Hand (so lange das Blei noch flüssig), sodann
aber auch während der mechanisch hervorgebrachten, heftig schüttelnden Bewegung im
zweiten Stadium des Processes zur Anwendung gebracht. Diesbezügliche Einrichtungen können
in mannigfaltiger Weise getroffen werden. Besonders geeignet hat sich erwiesen, den Behälter
an der Pleuelstange eines Kurbelmechanismus aufzuhängen. .-, Der letztere tritt dabei
nur während des zweiten Operationsstadiums in Wirksamkeit zur Vollführung der Schüttelungen
in verticaler Richtung.
Das Beispiel einer Vorrichtung zur Hervorbringung der erforderlichen Schüttelung auf
mechanischem Wege ist auf beiliegender Zeichnung veranschaulicht. Hier ist A das das flüssige
Blei aufnehmende Gefäfs, α α dessen Deckel, welcher durch Ueberschnappfedern b b festgehalten
wird, 'und sind c c Querstangen innerhalb des Gefäfses. Eine Lenkstange B
ist bei g an den Boden des Gefäfses A angeschlossen und mittelst herausnehmbaren Bolzens
e an einem Wandarm d drehbar. gelagert.
C ist eine auf einer Welle sitzende Kurbel, die in Verbindung mit einer gegabelten Pleuelstange
D steht. Die beiden abwärtsgerichteten Arme f dieser letzteren fassen an eine unter
dem Gefäfs A liegende Querstange an beiden Enden an und stehen durch diese in Connex
mit der Lenkstange B.
Wirkungsweise: Angenommen, die Lenkstange B sei durch Herausnahme des Bolzens e
von ihrem Arm d losgelöst und das Gefäfs A hänge an der Kurbelwelle, der Deckel α α sei
geöffnet. Nachdem man nun flüssiges Blei in das Gefäfs eingegossen, versetzt man letzteres
von Hand in mäfsige Bewegung. Sobald sich Zeichen beginnender Krystallisation einstellen,
wird schnell der Deckel α α aufgesetzt, die Lenkstange B an den Wandarm d angeschlossen
und die Kurbelwelle in Gang gesetzt. Dieses hat ein heftiges Auf- und Abschütteln
des ganzen Gefäfses, verbunden mit geringeren Schwankungen nach rechts und links, zur Folge
und infolge dessen wieder ein schnell von statten gehendes Zerbröckeln der Bleimasse in
ein feines Pulver. Weiterhin wird der Mechanismus CD wieder in Stillstand gebracht, werden
die Deckel α α geöffnet und wird durch Kippen' des Gefäfses das Blei auf Siebe ausgeschüttet;
die letzteren sondern gröbere Körner, welche etwa mit dem feineren Pulver vermengt
sind, ab.
Im Falle, wo das geschmolzene Blei so lange im Schmelztiegel verbleibt, bis es halbfest
zu werden anfängt, mufs selbstredend das Gefäfs (wie A in beiliegender Zeichnung) unverzüglich
nach dem Einbringen der halbfesten Masse aus dem Schmelzkessel in heftig schüttelnde Bewegung gesetzt werden.
. Rathsam ist es, alle, die erläuterten Operationen
in der Nähe eines Rauch- und Dunstfanges, welcher nach einer Niederschlagkammer hinführt,
vorzunehmen, damit jeder übermäfsig feine, in die Aufsenluft übergehende Bleistaub,
welcher die Athmungsorgane, überhaupt den Gesundheitszustand der Arbeiter zu beeinträchtigen
vermöchte, möglichst schnell abgeleitet und weiterhin behufs Wiedergewinnung niedergeschlagen
werde.
Das in der bezeichneten Weise gewonnene Bleimehl wird hierbei in eine schwache Lösung
eines salpetersauren oder anderen löslichen Quecksilbersalzes eingebracht und mit dieser
etwa 5 Minuten lang gut durch einander gemischt. Eine Lösung von ungefähr 20 Grain
'(= 1,6 g) salpetersaurem Quecksilbersalz im Quart
(= 1,4 1) Wasser genügt für den hier interessirenden
Zweck. Im allgemeinen ist ein streng innegehaltenes Lösungsverhältnifs nicht von
Bedeutung; nur fand sich, dafs bei Anwendung stärkerer Lösungen eine gröfsere Schnelligkeit
der Mischung erforderlich sei, als bei Ver-, Wendung schwächerer Lösungen. Die Folge
dieser Mischung des Bleimehles mit der be^ zeichneten Lösung ist eine Amalgamirung der
einzelnen Bleipartikel, d. h. ein »Ueberziehen« derselben mit Quecksilber.
Dieses amalgamirte Bleimehl wird nunmehr in eine grofse Flasche oder ein anderes passendes
Gefäfs eingebracht und einem durchfliefsenden Strom erwärmten Wassers ausgesetzt; hierbei
wird die Masse gut gerührt, so dafs jedes Körnchen derselben vom Waschwasserstrom
getroffen werde. Zweck dieser Auswaschung ist die Entfernung aller löslichen Salze und
Säuren, die dem Bleimehl nach seiner Behandlung mit Quecksilber noch anhaften können
und anderenfalls bestrebt sein würden, die Wirksamkeit der aus dem amalgamirten Bleimehl
schliefslich construirten Batterie zu beeinträchtigen.
Die nach dem Zusammenrühren mit der Quecksilbersalzlösung zurückbleibende Flüssigr
keit kann abgegossen und in mit Zinkspänen versehene Gefäfse geschüttet werden, um so in
der Lösung etwa noch vorhandenes Blei oder Quecksilber wieder zu gewinnen.
Eine genügende Menge des in der bezeichneten Weise hergestellten amalgamirten und
gewaschenen Bleimehles wird behufs Bildung
einer Batterieplatte" nun in eine geeignete
Form eingebracht. Diese besteht im wesentlichen aus einem starren Rahmen von einer
der herzustellenden Platte entsprechenden Gestalt, ruht auf einem ebenen Tisch und besitzt
einen in sie leicht eingepafsten Kolben. In das Bleimehl wird nun nahe dem einen Ende
des Rahmens ein (zweckmäfsigerweise vorher amalgamirtes) Bleistück eingelegt derart, dafs
es, hierbei in einer Aussparung des Rahmens ruhend, um einen gewissen Betrag vorsteht;
dieses Stück dient bei der späteren Batterieplatte zur Herstellung elektrischer Verbindungen.
Hierauf wird die Form zu einer hydraulischen oder anderen Presse hingebracht und ihr Inhalt
einem so starken Druck ausgesetzt, dafs die Umwandlung des Mehles in eine feste Platte
erfolgt. Nachdem weiterhin die ganze Form umgewendet worden, setzt man den vorerwähnten
Kolben auf die comprimirte Platte und prefst sie sammt dem nunmehr in ihr
festsitzenden bleiernen Contactstück aus der Form heraus. Es ist rathsam, die Compression
des Bleimehles vorzunehmen, während sich dasselbe noch ,in feuchtem Zustande befindet.
Nach der Ueberführung desselben aber in Plattenform und der Entfernung der Platte aus
dem Formrahmen mufs die letztere noch einem Trockenprocefs unterworfen werden, worauf sie
erst ihre vollständige Festigkeit annimmt, wie solche während des Gebrauches in einer Batterie
dann auch aufrecht erhalten bleibt.
Statt des in die Platte miteingeprefsten Contactbleistückes kann erforderlichenfalls eine
Klemmschraube oder ein anderes Mittel zur Herstellung von elektrischen Verbindungen mit
der Platte vereinigt werden. Dieses Verbindungsmittel wird am besten ebenfalls amalgamirt.
So präparirte Platten bilden nun die Elektroden und werden in der für Secundär-Batterien
bekannten Weise eingestellt in mit schwacher Säurelösung angefüllte Behälter behufs Bildung
einer Batterie, deren »Formation« in einer von der üblichen nicht abweichenden Art geschieht.
Nach dieser Erläuterung wird ausdrücklich erklärt, dafs Eigenthumsrecht nicht beansprucht
wird für die Benutzung fein vertheilten Bleies überhaupt bei Secundär-Batterien (ausgenommen
nur die Anwendung von Bleimehl, welches in der vorbeschriebenen Weise gewonnen wurde);
dafs ebenso wenig für neu gehalten wird die Anwendung von Quecksilber zur Amalgamirung
oder Ueberziehung der Metallplatten oder Elektroden von Secundär-Batterien; auch nicht die
Bildung solcher festen Platten oder Elektroden durch starke Compression metallischer Massen.
Claims (2)
1. Bei der Construction von Secundär-Batterien die Benutzung von Elektroden, gebildet aus
fein vertheiltem Blei, welches in diesem pulverförmigen Zustande »amalgamirt« (d. i.
mit Quecksilber überzogen) wurde, und welches danach in feste Platten zusammengeprefst
wurde.
2. Bei der Construction von Secundär-Batterien die Anwendung fein vertheilten Bleies, welches
in diesen (mehligen oder pulverförmigen) Zustand übergeführt wurde, durch anfänglich
langsame Schüttelung flüssigen Bleies in einem offenen Gefäfs, dann aber (nämlich
sobald Anzeichen einer beginnenden Erstarrung oder Krystallisirung des Bleies eintreten) durch heftige Schüttelung in demselben,
nunmehr verschlossenen Gefäfs.
Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
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