KAISERLICHES
PATENTAMT.
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Perrücken und
Toupets, welches sich von den bisher bekannten Verfahren dadurch unterscheidet, dafs
die danach hergestellten Gegenstände keiner Befestigung mit Bändern, daher auch keiner
Nähte bedürfen, sich genau an die Kopfhaut anschliefsen, wobei der Grundstoff das gleiche
Aussehen wie die natürliche Kopfhaut besitzt und sich ebenso anfühlt, und dafs ferner infolge
der eigenthümlichen Verknüpfung der Haare das Durchschieben derselben bei längerem Ge
brauche ausgeschlossen ist, alle Arten, auch kurzgeschorene Haartrachten darstellende Toupets
angefertigt werden können, wobei das Haar nicht wie bisher flach anliegt, sondern
den natürlichen Haarwuchs darstellt und das Kämmen und Bürsten wie beim natürlichen
Haar geschehen kann, ohne dafs man mit den Kammzähnen hängen zu bleiben befürchten
mufs.
Das Verfahren ist folgendes:
Zunächst wird eine Thierblase gewaschen, in Alaun gebeizt und getrocknet. Hierauf
wird sie zugeschnitten, auf einen Perrückenkopf aufgespannt und mit einer Mischung von
Carbolwasser und Glycerin oder einem anderen geeigneten Fettstoffe bestrichen. Nach dem
Trocknen wird die Haut entsprechend der Kopfhaut gefärbt und schliefslich nach einigen
Tagen mit einem geeigneten gummiartigen Klebstoff überstrichen, wodurch ein leichtes
Beschmutzen verhindert und andererseits die Reinigung im Falle einer Beschmutzung erleichtert
wird. In den somit fertiggestellten Grundstoff werden nun die Haare in folgender
Weise eingezogen:
Man führt, ohne das Präparat, wie dies bisher geschah, bis auf den Holzkopf durchzustechen,
die Knüpfnadel innerhalb der Haut durch, so dafs diese gespalten wird, zieht die
Schlinge in gleicher Weise wie bisher zurück, erfafst jedoch nicht wie bisher beide Haarenden,
sondern nur ein Ende, zieht dieses, wie in der beiliegenden Zeichnung in Fig. 1 in
der Draufsicht und in Fig. 2 im Schnitt ersichtlich ist, durch die Schlinge, so dafs bei
den Stichen nicht wie bisher zwei Enden aus einem Stichloch, sondern nur je ein Ende a b
des Haares heraussteht. Durch diese Art des Knüpfens wird der Kopf nahezu unsichtbar
und das Haar nimmt eine natürliche, nach aufwärts stehende Lage an, im Gegensatze zu
der bisher üblichen flachen Knüpfweise. Die so fertiggestellte Perrücke kann am Beginn der
Haarabtheilung nach Bedarf ausgeschnitten werden, um den Ansatz des Toupets unsichtbar zu
machen, was bei den bisherigen Toupets nicht möglich war, weil der bei denselben untergelegte
Tüll eingefafst ist und sich beim Ausschneiden ausfransen würde.
• Patent-Anspruch:
Verfahren zur Herstellung von Perrücken und Toupets, dadurch gekennzeichnet, dafs
zunächst eine Thierblase gewaschen, in Alaun gebeizt, getrocknet, hierauf auf einen Perrücken-
kopf aufgespannt, mit einer Mischung von Carbolwasser und Glycerin oder einem anderen
geeigneten Fettstoffe bestrichen, nach dem Trocknen gefärbt und dann mit einem entsprechenden
Gummiklebstoffe überstrichen wird, worauf die Haare in der Weise eingeknüpft werden, dafs die Knüpfnadel das vorbereitete
Perrückenmaterial durchspaltet, und das Knüpfen in der Weise geschieht, dafs nur ein
Haarende durch die Schlinge· gezogen wird, so dafs bei den an die Oberfläche gehenden
Stichen nur je ein Haar heraussteht.
Hierzu ι Blatt Zeichnungen.