DE1292301B - Fadenartiges Gebilde aus kristallinem Kunststoff - Google Patents

Fadenartiges Gebilde aus kristallinem Kunststoff

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DE1292301B
DE1292301B DE1958P0020847 DEP0020847A DE1292301B DE 1292301 B DE1292301 B DE 1292301B DE 1958P0020847 DE1958P0020847 DE 1958P0020847 DE P0020847 A DEP0020847 A DE P0020847A DE 1292301 B DE1292301 B DE 1292301B
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Blades Herbert
White James Rushton
Run Willow
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EI Du Pont de Nemours and Co
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    • D02G1/165Producing crimped or curled fibres, filaments, yarns, or threads, giving them latent characteristics using jets or streams of turbulent gases, e.g. air, steam characterised by the use of certain filaments or yarns
    • DTEXTILES; PAPER
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    • D01NATURAL OR MAN-MADE THREADS OR FIBRES; SPINNING
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Description

  • Die Erfindung betrifft ein fadenartiges Gebilde aus kristaRinem Kunststoff mit einem Netzwerk aus vielen molekular orientierten bandartigen Fibrillen yon weniger als 2 lt Dicke, die sich der Länge nach in regellosen Abständen miteinander vereinigen und voneinander trennen.
  • Fadenartige Gebilde dieser Art sind aus der australischen Patentschrift 211133 bekannt und werden hergestellt, indem man eine in einer Richtung orientierte Folie aus kristallinem Kunststoff mit einem -Quellmittel behandelt und sie dann mit Hilfe von mechanischen Kräften (quer zur Orientierungsrichtung hin- und herschwingenden Walzen) oder Schallwellen in der Orientierungsrichtung in Fibrillen aufspaltet. Nach den Angaben der Patentschrift weisen diese bekannten fadenartigen Gebilde ungefähr die gleiche Zugfestigkeit auf wie nach normalen Spinnverfahren hergestellte und durch Verstrecken orientierte Fäden.
  • Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein fadenartiges Gebilde zur Verfügung zu stellen, das in dem Zustand, in dem es beim Spinnen erhalten wird, eine sehr hohe Festigkeit und nach dem Verstrecken eine höhere Festigkeit als nach herkömmlichen Spinnverfahren erzeugte und dann verstreckte Fäden aus den gleichen kristallinen Kunststoffen und infolge seiner neuartigen Struktur in einem Fadenverband, beispielsweise in einem Gewebe, eine ungewöhnlich hohe Deckkraft aufweist.
  • Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, daß bei dem erfindungsgemäßen fadenartigen Gebilde die Fibrillen sich in drei Dimensionen unter Bildung des Netzwerkes miteinander vereinigen und voneinander trennen.
  • Unter bandartigen Fibrillen sind Fäserchen zu verstehen, die im Mikroskop einen bandförmigen Querschnitt zeigen. Die einzelnen Fibrillen sind kürzer als gewöhnliche Stapelfasern, und wenn man sie für sich allein betrachtet, haben sie das Aussehen von kurzen orientierten Folienstücken.
  • Unter den Begriff »fadenartig« fallen auch einzelne und gesonderte Stränge, deren Länge ein Vielfaches ihrer größten Querabmessung beträgt.
  • Nach einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung sind die bandartigen Fibrillen, vorwiegend in Richtung der Längsachse orientiert.
  • Auf dem Gebiet der Cellulosekunstseide ist es schon seit langem bekannt, Hohlfäden oder Fäden mit schaumartig eingeschlossenen Luftblasen herzustellen. So beschrieb schon im Jahre 1922 die deutsche Patentschrift 346 830 ein Verfahren zur Herstellung von Gasblasen enthaltenden Kunstseidefäden aus Viskose, Kupferammoniakcellulose, anderen Cellulosederivaten, Kollodium oder Gelatine durch Verspinnen einer Lösung, in der Luft oder ein anderes Gas emulgiert ist. Aus der deutschen Patentschrift 370 471 ist ein Verfahren zur Herstellung von Hohlfäden aus Cellulose bekannt, nach welchem entweder in der Spinnlösung vor dem Verspinnen ein Gas unter genügendem Druck gelöst gehalten wird oder der Spinnlösung ein Alkalicarbonat zugesetzt wird, welches im sauren Fällbad Kohlensäure entwickelt. In beiden Fällen entstehen Textilfäden, in denen geschlossene Gasblasen enthalten sind. Gemäß der deutschen Patentschrift 378 711 werden diese eingeschlossenen Gasblasen durch Abkochen der Fäden in Wasser geöffnet, so daß die den Hohlfaden bildenden Wandungen erschlaffen. Die britische Patentschrift 253 953 beschreibt ebenfalls die Herstellung von Hohlfäden aus Cellulosekunstseide durch Verspinnen von Viskose, die einen leicht verdampfbaren Stoff oder Natriumcarbonat enthält, in ein saures Fällbad. Gemäß der deutschen Patentschrift 496 085 erhält man Kunstseidefäden, die ihrer ganzen Länge nach hohl sind, durch Trockenspinnen von Cellulosederivaten in eine heiße Gasatmosphäre hinein, deren Temperatur beträchtlich üb.er dem Siedepunkt des verwendeten Lösungsmittels liegt, wobei man die Fäden gleichzeitig bei ihrem Austritt aus den Spinndüsen durch den mit erhöhter Umlaufgeschwindigkeit in den Zellen kreisenden Gasstrom einer lebhaften Oberflächenverdampfung unterwirft. Ein ganz ähnliches Verfahren, das zu dem gleichen Ergebnis führt, ist in der französischen Patentschrift 868 830 beschrieben. Beim Verspinnen von Viskose, die ein Gasentwicklungsmittel, wie Alkalicarbonat, enthält, in eine saure Regenerierlösung gemäß der USA.-Patentschrift 2 492 425 entstehen Hohlfäden mit einem dicken Fadenmantel, die im Inneren ihrer ganzen Länge nach unregelmäßig geformte Hohlräume aufweisen. Die deutsche Patentschrift 508 920 beschreibt ein Verfahren zum Entspannungsspinnen von Viskosekunstseidefäden, bei dem in der Spinnflüssigkeit unter Druck Luft oder ein anderes Gas frei wird. Beim Austritt aus der Spinndüse bilden sich dann durch Entspannung Gasblasen, und es entstehen Fäden, die in ihrem Inneren zahlreiche kleine Gasbläschen in gleichmäßiger Verteilung enthalten. Gemäß der USA.-Patentschrift 2 200 946 werden wiederum Fäden aus Cellulosederivaten unter Zusatz von Gase ent--# wickelnden Stoffen zur Spinnlösung hergestellt. Diese Fäden besitzen ihrer Länge nach unregelmäßige, durch Gasblasen verursachte Auswüchse an der Oberfläche.
  • Die Herstellung der fadenartigen Gebilde gemäß der Erfindung erfolgt durch Auspressen einer Lösung des kristallinen Polymerisats, die unter autogenem oder höherem Druck steht und deren Temperatur über dem Normalsiedepunkt des Lösungsmittels liegt, durch eine Düse in eine Zone niedrigeren Druckes. Der Normalsiedepunkt däs-Lösungsmittels soll um mindestens 251 C über dem Erweichungspunkt des Polymerisats liegen, und das Lösungsmittel soll das fadenbildende Polymerisat bei der erhöhten Arbeitstemperatur in genügendem Ausmaße lösen, so daß bei dieser Temperatur eine homogene Lösung vorliegt. Vorzugsweise wird die Polymerisatlösung bei einer Temperatur ausgepreßt, die um mindestens 400 C über dem Normalsiedepunkt des Lösungsmittels liegt, und das Lösungsmittel wird größtenteils durch Entspannungsverdampfung ohne Wärmezufuhr von außen her abgetrieben. Vorzugsweise wird die Lösung vor ihrem Austritt aus der Düse einer gesteuerten Druckentspannung unterworfen. Das fadenartige Gebilde kann aus der Düse mit Geschwindigkeiten von mindestens 4570 ni/Min. und vorzugsweise mit viel höheren Geschwindigkeiten abgezogen werden.
  • Zur Erzielung hoher Produktionsgeschwindigkeiten wird die Lösung zweckmäßig in Luft von Atmosphärendruck ausgepreßt. Die Lösung kann durch eine Düse direkt in die freie Umgebung ausgepreßt werden, man kann sie aber auch vor dem Austritt aus der Düse einer gesteuerten Druckentspannung unterwerfen, indem man sie z. B. eine Kammer oder ein Rohr passieren läßt, das einen größeren Durchmesser als die Düsenaustrittsöffnung hat. Bei vielen Polymerisat-Lösungsmittel-Kombinationen kann die Spinngeschwindigkeit mehr als 4570m/Min. und vorzugsweise bis zu 9150 oder sogar 13 700 m/Min. betragen.
  • Die Temperatur- und Druckbedingungen in dem Spinnbehälter sollen ausreichen, damit der größte Teil des Lösungsmittels unmittelbar nach dem öffnen des Ventils, d. h. sofort bei der Druckentspannung, durch Entspannungsverdampfung abgetrieben wird. Dieses Ventil stellt einen Teil der Spinnanlage dar und kann vor oder hinter der Austrittsöffnung angeordnet sein. Das Verfahren arbeitet bei einer Auspreßtemperatur (Temperatur der Lösung unmittelbar vor dem Auspressen), die wesentlich, vorzugsweise um mindestens 40' C, über dem Normalsiedepunkt des Lösungsmittels liegt.
  • Die rasche und wesentliche Verringerung des auf der eingeschlossenen Polymerisatlösung lastenden Druckes beim öffnen der Auspreßöffnung führt zu einem heftigen Entweichen des Lösungsmittels, das zahlreiche Auseinanderreißungen des ausgepreßten Materials in Längsrichtung verursacht. Es ist überraschend, daß man trotz der nahezu explosionsartigen Natur dieses Vorganges endlose Stränge erhält.
  • Zur Erzielung bester Ergebnisse soll die Lösung mindestens 5Gewichtsprozent fadenbildendes Material enthalten, der Polymerisatgehalt kann auch auf etwa 701/o erhöht werden, vorzugsweise beträgt er aber weniger als 30%. Wenn für eine gegebene Spinnanlage die Konzentration der Lösung zu niedrig ist, wird das Polymere auseinandergeblasen, und man erhält kein zusammenhängendes Erzeugnis. Wenn bei der gleichen Spinnanlage die Lösungstemperatur zu hoch ist, kann das polymere Material je nach den thermischen Eigenschaften des Lösungsmittels schmelzen oder auseinandergeblasen werden. Wenn umgekehrt für die betreffende Spinnanlage die Konzentration der Lösung zu hoch oder die Temperatur der Lösung im Spinnbehälter zu niedrig ist, kann sich ein schaumförmiges, nicht fibrillenartiges Produkt bilden. Es ist wichtig, daß der Siedepunkt des Lösungsmittels wesentlich unter dem Schmelzpunkt des Kunststoffs liegt und daß das Lösungsmittel bei der Auspreßtemperatur einen erheblichen Dampfdruck aufweist.
  • Bei konstanten Bedingungen von Konzentration, Temperatur und Druck bestimmt sich das Gewicht des Produkts je Längeneinheit durch die Größe, Form (Auslaß und Innenfläche) und Länge der Düseneinheit. Der Querschnitt der Spinndüse einschließlich des Ventils oder anderer, vor der Austrittsöffnung gelegener Verengungen und die Menge des in dem die Austrittsöffnung erreichenden Gutstrom enthaltenen Dampfes bestimmt die Gesamtform des entstehenden endlosen bzw. zusammen- hängenden Stranges.
  • Das Verfahren kann absatzweise oder kontinuierlich durchgeführt werden. Bei kontinuierlicher Durchführung wird die Polymerisatlösung auf die Temperatur erhitzt, bei der die günstigsten Bedingungen für das Erspinnen von fadenartigen Erzeugnissen der gewünschten Struktur herrschen. Man kann die Lösung der Austrittsöffnung mittels einer Dosierpumpe zuführen. Dabei können mehrere Behälter zur Ergänzung der Lösung und mehrere Druckbehälter zum Erhitzen der Lösung auf den notwendigen Druck verwendet werden. Die Lösungen werden dann abwechselnd aus diesen Behältern entnommen und durch die Austrittsöffnung ausgepreßt. Man kann aber auch das fadenbildende Polymerisat und das Lösungsmittel kontinuierlich vermischen, erforderlichenfalls durch einen Wärmeaustauscher leiten und dann stetig durch die Austrittsöffnung ausstoßen. Das fadenbildende Polymerisat kann auch in dem zum Spinnen dienenden Lösungsmittel selbst hergestellt, z. B. durch Polymerisation gewonnen werden, so daß man unmittelbar eine Lösung der richtigen Konzentration erhält. Diese Arbeitsweise bietet Vorteile, da in der Spinnlösung verschiedene andere Stoffe enthalten sein können, ohne den Spinnvorgang zu stören. Die homogene Polymerisatlösung kann verschiedene Farbstoffe, Antioxydationsmittel, Fette usw. und sogar geringe Mengen an unlöslichen Verbindungen enthalten, deren Teilchengröße wesentlich unter der Größe der Düsenöffnung liegt, z. B. Katalysatorrückstände, Tone, Pigmente, Asbest, Gasruß, Siliciumdioxyd, Vernetzungsbeschleuniger, Inhibitoren usw. Selbst bei einem größeren Gehalt an Verunreinigungen in der Spinnlösung wird auf Grund des feinen Unterteilungszustandes des Polymerisats in dem Produkt ein sehr weißes bis schneeweißes Produkt erhalten. Wenn das Polymerisat zur Verfärbung bei höheren Temperaturen neigt, wird die Luft in dem Spinnbehälter vorteilhaft durch ein inertes Gas ersetzt.
  • Die fadenartigen Gebilde gemäß der Erfindung bestehen aus kristallisierbaren, fadenbildenden synthetischen Kunststoffen. Zu solchen Kunststoffen gehören Kohlenwasserstoffpolymerisate, wie beispielsweise Polyäthylen, Polyamide, wie Polyhexamethylenadipinsäureamid, Polyhexamethylensebacinsäureamid und Polyeaprolactam, Polyester, wie Polyäthylenterephthalat, Polycarbonate, Polyurethane, Polyäther, wie Polyformaldehyd, andere Kohlenwasserstoffpolymerisate, wie Polypropylen, Polyisobutyläthylen, kristallisierbare Mischpolymerisate des Äthylens mit Alkenen und Vinylacetat.
  • Als Lösungsmittel sind diejenigen Verbindungen besonders geeignet, die bei höheren Temperaturen und Drücken homogene Lösungen bilden. Hierzu gehören die aromatischen Kohlenwasserstoffe, wie Benzol und Toluol, aliphatische Kohlenwasserstoffe, wie Butan, Pentan, Hexan, Heptan, Octan und deren Isomere und Homologe, alicyclische Kohlenwasserstoffe, wie Cyclohexan, Alkylhalogenide, wie Methylenehlorid, Tetrachlorkohlenstoff, Chloroform, Äthylchlorid, Methylchlorid, Alkohole, Ester, Äther, Ketone, Nitrile, Amide, fluorierte Verbindungen, wie Fluorkohlenwasserstoffe, Schwefeldioxyd, Nitromethan, Wasser und Gemische derselben.
  • Beim Entspannungsspinnen flndet ein sehr rasches Verdampfen des Lösungsmittels nach dem Austritt aus der Düse statt. Dies führt zu einer sehr schnellen Vergrößerung der Dampfblasen und zur Bildung von äußerst dünnen bandartigen Fibrillen unter gesteuerten Bedingungen. Die sehr feinen Fibrillen haben im Verhältnis zu ihrem Volumen naturgemäß eine große Oberfläche, wodurch ein schneller Wärmeübergang von dem Polymerisat zur Außenluft und eine rasche Verdampfung des restlichen Lösungsmittels zustande kommt. Hierdurch wird die beim Spinnen erzeugte Orientierung gewissermaßen eingefroren. Daher ist das aus Fibrillen bestehende fadenartige Gebilde kristallin und orientiert, was auch die Ursache für die hohe Festigkeit des Fadens ist, da die einzelnen molekular orientierten Fibrillen über die ganze Länge und Breite des iadenartigen Gebildes hinweg wieder mit solchen Fibrillen verbunden sind.
  • Die meisten der Struktureinheiten der fadenartigen Gebilde sind äußerst schmale Fibrillen, die wie sehr dünne Bänder aussehen und untereinander in drei Dimensionen verbunden sind. Die einzelnen Fibrillen weisen im allgemeinen kaum freie Enden auf. Die fadenartigen Gebilde weisen in dem Zustand, wie sie beim Spinnvorgang anfallen, eine sehr hohe Festigkeit und nach dem Verstrecken eine erheblich höhere Festigkeit auf als solche Fäden, die bei gleicher chemischer Zusammensetzung nach dem üblichen Spinnverfahren hergestellt und dann verstreckt worden sind. Dies ist wahrscheinlich auf das »Einfrieren« der sich beim Spinnen ausbildenden Orientierung zurückzuführen.
  • Unabhängig von dem äußeren Aussehen wird beim Auseinanderziehen des fadenartigen Gebildes in seiner Querrichtung eine feine, netzartige Struktur beobachtet. Bei Betrachtung des ungereckten Produkts unter geringer (8facher) Vergrößerung erscheint ein Teil der Fibrillen intermittierend mit anderen feinen Fibrillen vereinigt. In anderen Zonen tritt eine Vielzahl dieser feinen Fäden zu einem dickeren Strang zusammen, der sich an anderen Stellen wieder in eine größere Zahl feinerer Fibrillen mit unterschiedlichem Titer trennt.
  • Besonders gute physikalische Eigenschaften werden erreicht, wenn das fadenartige Gebilde aus einem Polymerisat, wie einem Kohlenwasserstoffpolyinerisat, insbesondere von hohem Molekulargewicht, besteht. Gute Eigenschaften besitzen auch die fadenförmigen Gebilde aus Polykondensationsprodukten, wie Polyhexamethylenadipinsäureamid. Die fadenartigen Erzeugnisse können eine Reißfestigkeit von mehr als 13 g/den aufweisen. Die Tabelle I zeigt eine Gegenüberstellung von durch Entspannungsspinnen hergestellten fadenartigen Gebilden aus Polyäthylen in seinen Eigenschaften gegenüber den besten, durch Lösungsspinnen oder Schmelzspinnen gewonnenen Fasern aus linearem oder verzweigtkettigem Polyäthylen.
    Tabelle 1
    Entspannungs- Schmelz-
    1
    gesponnen -
    Reißfestigkeit, g/den 10 ' 7 11,4
    Bruchdehnung, D/o ...... 9,1 7,6
    Elastizitätsmodul, g/den 174 199
    Ferner besitzen die fadenförmigen Gebilde infolge ihrer äußerst großen Fibrillenoberfläche im Verhältnis zum Volumen und der sich daraus ergebenden Lichtstreuung in einem Fadenverband eine sehr hohe Deckkraft. Bereits in ersponnenem Zustand ist die Deckkraft dieser Gebilde besser als diejenige von Baumwolle.
  • Die meisten der bandartigen Fibrillen sind bei den fadenartigen Gebilden gemäß der Erfindung bereits unmittelbar nach dem Erspinnen molekular orientiert. Dies ist ungewöhnlich und überraschend, da Fäden in frisch ersponnenem Zustand normalerweise keine molekulare Orientierung aufweisen. Je nach der besonderen Art der Herstellung des Produktes kann die Orientierung entweder eine sogenannte uniplanare Orientierung oder eine Orientierung von höherer Ordnung, z. B. eine uniaxiale Orientierung oder sogar eine selektive uniaxiale Orientierung sein. Die verschiedenen Orientierungsarten, die bei den erfindungsgemäßen fadenartigen Gebilden auftreten können, und ihre Eigenschaften sind z. B. in dem Werk »X-ray Diffraction of Polycrystalline Materials« von H. S. D e i s e r und Mitarbeitern, London, 1955, S. 489 bis 493, beschrieben. In Anbetracht der äußerst geringen Dicke der bandartigen Fibrillen läßt sich die Orientierung sehr gut nach der Methode der Elektronenbeugung messen.
  • Wenn fadenartige Polyäthylengebilde gemäß der Erfindung hergestellt werden, können sie, den gleichen Behandlungen unterworfen werden, die im allgemeinen als für die Modifizierung von nach bekannten Methoden erhaltenen Polyolefinfäden günstig gelten.
  • Die erfindungsgemäßen fadenartigen Gebilde sind auch Pfropfbehandlungen und verschiedenen anderen Modifizierungsverfahren zugänglich.
  • Die durch Entspannungsspinnen gewonnenen Produkte können gegebenenfalls verzwirnt werden, oder sie können einer zusätzlichen Reckung bei Raumtemperatur oder höheren Temperaturen unterworfen werden, um ihnen eine zusätzliche molekulare Orientierung zu erteilen. Durch zusätzliches Verstrecken kann man zu fadenartigen Gebilden gelangen, deren Reißfestigkeit höher als diejenige der Baumwolle und gleichwertig oder überlegen derjenigen von Polyamidfäden ist und die aber hinsichtlich ihres Elastizitätsmoduls der Baumwolle und den Polyamiden überlegen sind.
  • Die fadenartigen Polyäthylengebilde sind auf Grund ihrer hohen chemischen Beständigkeit, niedrigen Dichte und ihrer Beständigkeit gegen Mikroorganismen, Säuren und Basen besonders wertvoll. Die äußerst geringen Kosten, zu denen sie auf Grund des hohen Ausstoßes, der Einfachheit des Herstellungsverfahrens und der Billigkeit der Ausgangsstoffe zur Verfügung stehen, ermöglichen ihre Verwendung zur Herstellung von Fischnetzen, Zeltstoffen, billigen Stoffen für Behälter u. dgl. für das Versand- und Transportwesen, wie grober Leinwand, Planen und Segeln. Sie eignen sich ferner zur Herstellung von Filtertüchern zum Filtrieren korrodierend wirkender Flüssigkeiten bei Temperaturen bis zu 100o C, Sitzbezügen, Regenmänteln, Teppich- und Läuferunterlagen und für die Erzeugung von Textilstoffvliesen für die Papierherstellung.
  • An Hand der Zeichnung wird die Erfindung im folgenden näher erläutert. Es zeigt Fig. 1 die Längsansicht des erfindungsgemäßen fadenartigen Gebildes, F i g. 2 im Querschnitt die Struktur des Fadens in 420facher Vergrößerung, F i g. 3 das fadenartige Gebilde beim Spinnen, F i g. 4 das fadenartige Gebilde, das zunächst beim Spinnen zwei geteilte Strangsegmente aufweist, F 1 g. 5 bis 7 im Querschnitt eine Düse 4 mit Austrittsöffnung 3, wobei die Austrittsöffnung 3 nach F i g. 7 in der trichterförmigen Fläche der Spinndüse zurückversetzt ist, F i g. 8 eine graphische Darstellung der Bedingungen, bei denen mit Polyäthylen als Kunststoff und Cyclohexan als Lösungsmittel ein fibrillöses fadenartiges Erzeugnis erhalten wird, und F i g. 9 eine der F i g. 8 entsprechende Darstellung der Arbeitsbedingungen, wenn als Polymerisat Polyäthylen und als Lösungsmittel Methylenchlorid verwendet wird.
  • Das zur Herstellung der fadenartigen Gebilde gemäß der Erfindung angewandte Entspannungsspinnverfahren kann gekennzeichnet werden, indem man die Mindestbedingungen an Lösungsmittelgehalt und Temperatur der zu verspinnenden Ausgangskunststofflösung definiert. Alle möglichen Kombinationen von Lösungskonzentration und Temperatur können in drei Zonen unterteilt werden, die in F i g. 8 für das System Polyäthylen-Cyclohexan und in F i g. 9 für das System Polyäthylen-Methylenehlorid dargestellt sind. In jeder dieser allgemein typischen graphischen Darstellungen stellt die Gerade 1 eine Reihe von Polyäthylenkonzentrationen und Temperaturen dar, die die ungefähre Grenzlinie zwischen den Bedingungen, unter denen die fadenartigen Gebilde gemäß der Erfindung entstehen, und den Bedingungen bildet, unter denen ein schaumartiges Produkt entsteht. Die Gerade 2 stellt eine ähnliche Grenzlinie zwischen den Bedingungen für die Entstehung von gesinterten Produkten und denjenigen für die Entstehung anderer fibrillenartiger und schaumförmiger Produkte dar.
  • In den folgenden Beispielen beziehen sich alle Teil- und Prozentangaben, wenn nichts anderes angegeben ist, auf das Gewicht.
  • Beispiel 1 Es werden 100Teile eines 13%igen Gemisches aus Linearpolyäthylen mit einem Schmelzindex von 0,36 und Methylenchlorid hergestellt. Das Gemisch wird unter Rühren in einem geschlossenen Behälter auf 200" C erhitzt, wobei man eine homogene Lösung erhält, deren autogener Druck 42,2 at beträgt. Der dabei verwendete Behälter ist mit einem geradlinigen Nadelventil mit einem Ventilkörper aus einer geschmiedeten Legierung versehen, das zu einer runden Austrittsöffnung von 1,27 mm Durchmesser und 1,52 mm Länge führt. Beim plötzlichen öffnen des Ventils wird die Lösung mit einer Geschwindigkeit von 4572 m/Min. zu einem netzartigen Fadenstrang ausgespritzt. Der Ausstoß der einzelnen Austrittsöffnung beträgt etwa 15,9 kg Polymerisat je Stunde. Das fadenförmige Gebilde besitzt im ersponnenen Zustand einen Titer von 300 den, eine Reißfestigkeit von 1,5 g/den, eine Bruchdehnung von 50% und einen Elastizitätsmodul von 4 g/den. Nach Drehung mit 197 Drehungen je Meter unter Verstreckung über einer heißen Platte mit einer Temperatur von 1101 C auf das 3fache beträgt die Reißfestigkeit 8,0 g/den, die Bruchdehnung 13 % und der Elastizitätsmodul 100 g/den.
  • Wenn diese Polyäthylenlösung unter den gleichen Bedingungen durch eine rechteckige Schlitzöffnung von 0,51 mm Höhe, 5,33 mm Breite und 1,27 mm Länge ausgepreßt wird, erhält man einen fibrillierten Faden.
  • Das Verfahren kann unter den gleichen Arbeitsbedingungen auch mit einem Gemisch aus 90% Methylenchlorid und 101/o Butan als Lösungsmittel, durchgeführt werden.
  • Beispiel 2 Nach dem Verfahren des Beispiels 1 wird unter Verwendung einer runden Austrittsöffnung von 1,91 mm Länge und 1,91 mm Durchmesser ein Polyäthylen mit einem Schmelzindex von 0,5 verformt; die Temperatur- und Konzentrationswerte sind in der nachstehenden Tabelle angegeben.
    Tabelle II
    Versuch Lösungsmittel Temperatur Konzentration Produktart
    Nr.
    -
    OC 0/0
    1- Methylenchlorid 210 7,0 Zusammenhängender hochfibrillierter Fadenstrang
    2 Methylenchlorid 200 10,1 Fester, voluminöser, zusammenhängender, hochfibril-
    lierter Fadenstrang
    3 Methylenchlorid 170 7,0 Fester, fibrillierter Fadenstrang
    4 Methylenehlorid 180 10,1 wie 3
    5 Methylenchlorid 190 13,0 wie 3
    6 Methylenchlorid 200 15,7 wie 3
    7 Methylenehlorid 210 18,3 wie 3
    8 Methylenchlorid 210 20,7 wie 3
    Beispiel 3 Eine 101/oige Lösung eines Linearpolyäthylens (Schmelzindex 0,5) in Cyclohexan von 195'C, die stetig unter einem Druck von 126,6 at erzeugt wird, wird zunächst einer Druckentspannung auf 35,2 at unterworfen, indem man sie durch ein Nadelventil leitet, und dann unter weiterer Entspannung auf Atmosphärendruck in einen offenen Behälter auspreßt. Dabei wird eine Austrittsöffnung von 0,76 mm Durchmesser und 0,76 mm Länge verwendet, der das im Beispiel 1 verwendete Ventil vorgeschaltet ist. Der endlose fibrillierte Fadenstrang bildet sich mit einer Geschwindigkeit von 10 973 m/Min.; er besitzt einen Titer von 250 den, eine Reißfestigkeit von 1,0 g/den, eine Bruchdehnung von 93 % und einen Elastizitätsmodul von 2,8 g/den. Nach dem Recken besitzt dieses Fadengut einen Titer von 134 den, eine Reißfestigkeit von 2,5 g/den, eine Bruchdehnung von 30% und einen Elastizitätsmodul von 24 g/den.
  • Beispiel 4 Eine Lösung von Linearpolyäthylen in Methylenchlorid mit einem Polyäthylengehalt von 1311/o wird bei 1971C und einem Druck von 51,Oatü (mittels Bombenstickstoff erzeugt) unter Verwendung der Spinndüse gemäß Fig.7 dem Entspannungsspinnverfahren unterworfen. Die Spinndüse gemäß F i g. 7 erweitert sich innen unter einem Winkel von 120' und nach außen unter einem Winkel von 87', und zwar von der Austrittsöffnung aus, die einen Durchinesser von 1,02 mm und eine Länge von 1,27 mm aufweist, auf einer Strecke von 12,70 mm. Es wird ein glattes netzartiges Fadengut mit ungewöhnlich hoher Reißfestigkeit erhalten, das sich während eines Teiles des Spinnvorganges zunächst in zwei Stränge spaltet und später in Form eines Einzelstranges zu-sammengeführt wird. Der in zwei Stränge unterteilte Teil des fadenartigen Gebildes ist in F i g. 4 dargestellt. Das Fadengut besitzt einen Titer von 300 den, und seine Reißfestigkeit (im frisch gesponnenen Zustand) schwankt zwischen 3 und 4,5 g/den.
  • Beispiel 5 Eine Lösung von Linearpolyäthylen in Methylenchlorid mit einem Polyäthylengehalt von 13% wird bei 1951 C und 43,9 at durch eine runde Austrittsöffnung von 1,24 mm Länge und 1,02 mm Durchmesser ausgepreßt, der keinerlei Verengung vorgeschaltet ist. Unmittelbar hinter der Spinndüse befindet sich ein Düsenteil, der sich unter einem Gesarntwinkel von 901 auf einer Strecke von 12,7 mm erweitert. Es entsteht ein netzartiges filmförmiges Material, das bereits im frisch gesponnenen Zustand eine sehr hohe und nach dem Verstrecken bzw. nach dem Drehen und Verstrecken eine ungewöhnlich hohe Reißfestigkeit aufweist.
    Tabelle III
    Eigenschaften:
    Titer 1 Reißfestigkeit Bruchdehnung Elastizitätsmodul
    den g/de, 0/» g/den
    Behandlung des Fadengutes im frisch gesponnenen
    Zustand .......... .......... ................ 406 2,7 75 2,1
    Zu Konusspulen aufgespult und gereckt ............ 112 14,8 7,7 205
    Zu Konusspulen aufgespult, gedreht und gereckt .... 96 15,6 7,5 233

Claims (2)

  1. Patentansprüche. 1. Fadenartiges Gebilde aus kristallinem Kunststoff mit einem Netzwerk aus vielen molekular orientierten bandartigen Fibrillen von weniger als 2 tt Dicke, die sich der Länge nach in regellosen Abständen miteinander vereinigen und voneinander trennen, d a d u r c h g e k e n n - z e i c h n e t, daß die Fibrillen sich in drei Dimensionen unter Bildung des Netzwerkes miteinander vereinigen und voneinander trennen.
  2. 2. Fadenartiges Gebilde nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die bandartigen Fibrillen vorwiegend in Richtung der Längsachse orientiert sind.
DE1958P0020847 1957-06-11 1958-06-11 Fadenartiges Gebilde aus kristallinem Kunststoff Pending DE1292301B (de)

Applications Claiming Priority (2)

Application Number Priority Date Filing Date Title
US66509957A 1957-06-11 1957-06-11
US73633758A 1958-05-19 1958-05-19

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DE1292301B true DE1292301B (de) 1969-04-10

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Application Number Title Priority Date Filing Date
DE1958P0020847 Pending DE1292301B (de) 1957-06-11 1958-06-11 Fadenartiges Gebilde aus kristallinem Kunststoff

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