Verbandzeug, insbesondere Mullbinde
Die Erfindung bezieht sich auf Verbandzeug, insbesondere auf Mullbinden und bezweckt deren Verbesserung. Die bekannten Mullbinden haben nämlich den Nachteil, dass sie leicht rutschen und eine geringe Lebensdauer aufweisen. Das Verrutschen des Verbandes, der heute in den meisten Fällen aus Mullbinden besteht, tritt oft beim Transport des Verletzten oder aber dann ein, wenn der Verband locker angelegt werden muss, um z. B. die Atmung, die Durchblutung einer Körperstelle o. dgl., nicht zu unterbinden oder unzulässig zu beeinträchtigen. Ferner schneiden die Verbände ein, wenn der verbundene Körperteil anschwillt. Das Verrutschen des Verbandes kann zu hohen Blutverlusten oder gar zu einer Verblutung führen, aber auch eine zu geringe Durchblutung kann gefährlich sein.
Das hier von den Mullbinden Gesagte gilt gleicherweise für das übrige Verbandzeug.
Die Erfindung löst die Aufgabe, diese Nachteile zu vermeiden, in einfacher Weise. Ihr liegt der Gedanke zu Grunde, das Verbandzeug elastisch zu machen, wodurch eine bessere Haftung am Körper erreicht wird, ohne dass ein unzulässig grosser Druck auf die Wunde ausgeübt wird oder dass die Ränder des Verbandes einschneiden. Erfindungsgemäss wird dies dadurch erreicht, dass die Grundkette aus Kunstfasern enthaltenden Kräuselgarnen und der Schuss aus ungekräuselten Garnen besteht, die Kettfäden jedoch in Dreherbindung mit den Schussfäden verwebt und zwischen dem Randfaden und dem ihm benachbarten Faden der Grundkette mehrere weitere Kettfäden der gleichen Art in offener Bindung vorgesehen sind.
Insbesondere die Randausbildung verhindert ein Gleiten der einzelnen Lagen des Verbandes, und zwar auch dann, wenn der eine Rand der Binde wesentlich stärker gedehnt wird als der andere und bisher immer eine starke Neigung zum Rutschen gegeben war.
Das erfindungsgemässe Verbandzeug darf jedoch nicht verwechselt werden mit den bekannten elastischen Binden. Diese unterscheiden sich wesentlich hinsichtlich ihres Zweckes von den Verbänden und daher in ihrem Aufbau. Ein Verband dient der Abdeckung einer Wunde, während eine elastische Binde einem Körperteil eine Stütze geben soll. Hierzu ist eine gewisse Kraft notwendig, weshalb die elastischen Binden nach ihrer Streckung einen kräftigen Zug auszuüben vermögen. Anders der Verband, der keinen oder nur einen sehr geringen Druck auf die Wunde ausüben darf.
Bei elastischen Binden ist es bereits bekannt, für die Kette aus Kunststoff bestehende Kräuselgarne zu verwenden. Ebenso ist es bekannt, eine Art Dreherbindung, die jedoch mindestens zwei Schussfäden gemeinsam abbindet, anzuwenden. Ferner werden häufig zur Erhöhung der Zugkraft Gummifäden als Kettfäden benützt.
Bei Verbänden ist bisher weder ein Kräuselgarn, noch die Dreherbindung vorgesehen worden.
In der Zeichnung ist der Rand einer erfindungsgemässen Mullbinde in einer beispielsweisen Ausführungsform schematisch dargestellt.
Die Grundkette der Mullbinde besteht aus Kräuselgarnfäden 1 bis 6, die mit den Schussfäden 7 in Dreherbindung verwebt sind, wobei der Steherfaden mit 1, 3 und 5 und der Dreherfaden mit 2, 4 und 6 bezeichnet, ist. Die Kettfäden weisen gleichmässigen Abstand über die gesamte Bandbreite auf. Zwischen dem äussersten Kettfaden 1, 2 und dem ihm benachbarten Kettfaden 3, 4 der Grundkette sind mehrere, hier vier, weitere Kettfäden 8 bis 11 vorgesehen, die in offener Bindung (Leinwandbindung) eingearbeitet sind.
Durch die Dreherbindung, insbesondere des Randfadens 1, 2, wird erreicht, dass der Schussfaden festgehalten und beim Rücklauf des Webschützen nicht herausgezogen oder sonstwie angespannt wird. Hierdurch bilden sich an der Bandkante keine scharfen Umkehrbögen des Schussfadens aus, so dass die Kante dehnbar bleibt. Hierdurch wird ein Einschneiden der Verbandränder vermieden.
Die in offener Bindung mit den Schussfäden verwebten Kettgarne rufen eine gute Haftung übereinanderliegender Lagen des Verbandes hervor, so dass ein gegenseitiges Verrutschen dieser Lagen ausgeschlossen ist. Ausserdem tragen sie zur Formbeständigkeit der Mullbinde bei. Infolge ihrer Flächenwirkung verhindern auch sie ein Einschneiden des Randes.
Die Fadendichte ist so gewählt, dass sie im gespannten Zustand der Binde der üblichen Fadeneinstellung der Mullbinden entspricht. Hiebei beträgt die Fadenzahl pro 1 cm in Kette und Schuss weniger als 10, wenn Steher- und Dreherfaden als ein Kettfaden gerechnet wird.
Als Kettfaden hat sich Kräuselgarn mit 30 bis 100 den zweifach mit S und Z-Draht, z. B. aus Polyamid bewährt. Bei der Grundkette wird für den Steher- und den Dreherfaden je ein solches Garn verwendet. Die Füllfäden an der Webkante sind von der gleichen Art wie die übrigen Kettfäden.
Als Schussfäden werden Zell- oder Baumwollgarne benützt. Zur Erhöhung ihrer Steifheit verwendet man Mehrfachgarne, hart gedrehte Garne oder appretierte Garne. Gut geeignet ist z. B. eine Vierfachzwim- Baumwolle Nr. 50/4. Einfachgarne müssen kleinere Garnnummer als Nr. 36 engl. haben. Bewährt ist die Garnnummer 8 engl. Die Schussfäden müssen nämlich eine gewisse Steifheit aufweisen, um als Abstandhalter der Kettfäden wirken zu können, wie dies bei elastischen Binden bereits bekannt ist, wo starke Monofile hierfür verwendet werden.
Die Spannung der Binde richtet sich nach dem Verwendungszweck. Die Kraft der Binde im gespannten Zustand darf nicht sehr gross sein. Es wurde gefunden, dass sich ein sehr brauchbarer Verband ergibt, wenn die Kraft, die notwendig ist, um die Binde um 10% zu dehnen, etwa 0,5 bis 1 Gramm pro jeden Zentimeter Bandbreite beträgt. Um als Verbandzeug verwendbar zu sein, darf diese Kraft zwischen 0,2 und 3 g/cm schwanken.
Im Vergleich hierzu beträgt die Kraft, die bei der leichtesten im Handel befindlichen elastischen Binde für eine Dehnung um 10% der Länge erzielt wird, etwa 6 g/cm. Andere, noch als leicht oder schwach zu bezeichnende elastische Binden benötigen zur 10% eigen Dehnung 15 g/cm. Mit Gummifäden versehene Binden entwickeln jedoch noch bedeutend grössere Zugkräfte.
Die Erfindung ist nicht auf das dargestellte Ausführungsbeispiel beschränkt. So können die Kettfäden auch ungleichmässig über die Breite der Binde verteilt sein. Ebenso kann das Material, aus dem die Kettund Schussfäden bestehen, von dem vorstehend genannten abweichen.
Das erfindungsgemässe Verbandzeug kann überraschenderweise nahezu ebenso billig hergestellt werden wie die bisherigen Mullbinden. Darüber hinaus ist seine Lebensdauer bedeutend grösser als bei den bekannten Mullbinden.