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Verfahren zur Herstellung krystallwasserhaltiger Soda oder von Gemischen davon mit anderen
Stoffen.
Die bisher bekannteste und gebräuchlichste Art der Herstellung von Kristallsoda besteht darin, dass man wasserfreie Soda des Handels in der zur Lösung eben erforderlichen Menge Wasser warm auflöst, die Mutterlauge abkühlt und die ausgeschiedenen Kristalle durch Nutschen oder Abschleudern von der Mutterlauge trennt. Aus dieser letzteren werden alsdann durch frisches Auflösen von wasserfreier Soda oder Eindampfen in gleicher Weise weitere Kristalle gewonnen und dies wird so lange fortgesetzt, bis sich die Verunreinigungen so angehäuft haben, dass man wieder ganz frische Lösungen bereiten muss. Es hat sich nun ergeben, dass diese Art der Gewinnung der Kristallsoda höchst unwirtschaftlich ist, indem hierbei sehr viel Dampf und Arbeitslohn erfordert-wird.
Vor allen Dingen zeigt sich jedoch, dass'in der heissen Jahreszeit die Mutterlauge nur sehr ungenügend auskristallisiert und dass deshalb der Betrieb während dieser Zeit ruhen muss. Um diesem letzteren Übelstand zu begegnen, hat man auch versucht, Soda mit weniger als zehn Molekülen Kristallwasser herzustellen, indem man wasserfreie Soda mit weniger als der zur Auflösung erforderlichen Menge Wasser mischte, wodurch der Kristallisations-bzw. Erstarrungsprozess schneller vor sich ging, so dass man von der Lufttemperatur unabhängiger wurde.
Um auf diese Weise auch noch schöne, kleine, leichtlösliche Kristalle zu erhalten, hat man dies letztere Verfahren noch insofern vervollkommnet, als man den erhaltenen Kristallbrei in Bewegung abkühlen liess und die Beewgung so lange fortsetzte, bis sich die Kristalle aneinander zu einem trockenen Haufwerk von kleinen Kriställchen zerrieben hatten.
Es ist bereits bekannt, unmittelbar kristallwasserhaltige Feinsoda zu erhalten, indem man gesättigte wässerige Sodalösung durch eine Streudüse in einem Schacht zerstäubt, worin durch entgegenströmende Luft eine Abkühlung und Verdunstung des Wassers erfolgt. Dies Verfahren hat den Nachteil, dass sich die Streudüsen durch die Verunreinigungen der Soda leicht verstopfen und dass unnötig viel Lösungswasser zur Verdunstung gebracht wird.
Das hier zu beschreibende Verfahren zum gleichen Zweck weist diese Übelstände nicht auf.
Es besteht darin, dass man auf die pulverförmige kalzinierte Soda des Handels möglichst feinverteiltes Wasser aufsprüht und durch geeignete Bewegung und Anordnung der Apparate das Lösen der Soda und das Zusammenklumpen und Backen verhindert. Wenn man an Stelle von reinem Wasser Wasserglas, Glaubersalz-oder Seifenlösungen o. dgl. aufsprüht, erhält man entsprechend Gemische aus Soda und den betreffenden anderen Stoffen. Naturgemäss sind auch Zusätze von anderen Salzen, wie z. B. von Glaubersalz, zu der zu verarbeitenden Soda zulässig.
Man kann hiernach z. B. so verfahren, dass man in einen Turm Wasserdampf oder äusserst fein verteiltes Wasser hineinbläst, dass man ferner durch den Wassernebel fein gesiebte oder durch
Pressluft fein zerstäubte Ammoniaksoda von oben hineinfallen lässt und von unten kalte Luft einbläst. Die Luft kann auch eigens zu diesem Zwecke unterkühlt werden. Auch ist die Verwendung von Schnee an Stelle von Wasser unter Umständen vorteilhaft.
Je nach den Abmessungen dieses Turmes, je nach der Menge der von unten zugeführten kalten Luft, die die sich erhitzende Soda abkühlen soll, und je nach der Zeit, innerhalb deren die verschiedenen hier genannten Stoffe aufeinander einwirken, erhält man auf dem Boden des Turmes mehr oder weniger kristallwasser- haltige Feinsoda, die nicht mehr zusammenbackt und ohne weitere Vermahlung sofort handels- fähig ist.
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Oder man zerstäubt mittels Pressluft in einer Streudüse Wasser und bläst mit diesem aus Wassernebel und Luft bestehenden Strahl kalzinierte Soda aus einem Behälter in eine Staubkammer, wobei man in ununterbtochenem Betriebe feinpulvrige, schon aussehende Feinsoda gewinnt, die etwa ho bis 55% wasserfreies kohlensaures Natron enthält.
Bei einer anderen Ausführungsform der Erfindung schichtet man in dünner Lage kalzinierte Soda auf ein langes Transportband, eine Schnecke o. dgl. und lässt dieses an kleinen Widerständen vorbeischleifen, die die Soda in fortwährender Bewegung halten. Wenn man nun auf dieses Transportband durch geeignete Düsen eine dünne wässerige Wasserglaslösung aufsprüht, so kann man leicht durch Einstellung der Schnelligkeit des sich fortbewegenden Transportbandes einerseits
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Bleichsoda herstellen, die nicht zusammenbackt und die ebenfalls ohne weitere Vermahlung sofort handelsfähig ist.
Die Länge des Transportbandes o. dgl. richtet sich nach der aufzunehmenden Menge Wasser, und diese Menge wird so gewählt, dass man bei dem Durchschnittsfeuchtigkeitsgehalt der Luft einen Gleichgewichtszustand erreicht, so dass das Erzeugnis trotz wechselnden Feuchtigkeitsgehaltes der Luft an Gewicht weder wesentlich zu-noch abnimmt.
Eine weitere Arbeitsweise ist die, dass man in einem geeigneten Mischgefäss pulverförmige Ammoniaksoda in fortwährender Bewegung hält und eine wässerige Seifenlösung, möglichst fein verteilt, aufspritzt. Diese aufgespritzte Lösung wird so geregelt, dass sich die Soda nicht so erhitzen kann, dass ein Zusammenbacken oder Flüssigwerden erfolgen könnte. Die Füllung der Apparate muss deshalb auch immer in einem angemessenen Verhältnis zur Abkühlungsfläche stehen, wobei die Temperatur der umgebenden Luft wiederum eine grosse Rolle spielt.
Es ist selbstverständlich, dass man je nach den Umständen ganz nach Belieben auf eine der hier beschriebenen Weisen oder auch in anderer Form arbeiten kann. Wesentlich für die Erfindung ist nur das, dass man die kalzinierte Soda fein verteilt, dass man auf sie Wasser in feiner Verteilung (flüssig oder als Dampf oder auch als Schnee) einwirken lässt. dass man ferner durch geeignete Mittel (niedrige Temperatur oder Rühren oder beides) einer Verflüssigung oder einem Zusammenbacken des Erzeugnisses vorbeugt und dass man schliesslich g.'wünschtenfalls der so hergestellten Mischung noch während des vorbeschriebenen Arbeitsverfahrens beliebige Zusätze gehen kann.
Das Verfahren ist in seiner Ausführung äusserst einfach und bietet vor den bisher bekannten Verfaln'en zur Herstellung pulvriger Kristallsoda oder von Gemischen davon sehr wesentliche technische und wirtschaftliche Vorteile.