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Verfahren zur Herstellung von Futtermitteln.
Futtermittel, wie Stroh, Heu und andere vegetabilicher Herkunft werden in neuerer Zeit vielfach in die Gestalt von Briketts gebracht, zu welchem. Zwecke diese Futtermittel mit einem Bindemittel versehen sein müssen, um sie zum Zusammenbacken in der Brikettform zu veranlassen. Als solches Bindemittel hat man vielfach das Abfallprodukt der Rübenzuckerfabrikation, die Melasse, zur Anwendung gebracht, und zwar. hauptsächlich deswegen, weil sie neben ihrer Eigenschaft als Bindemittel infolge ihres bis 48% gehenden Zuckergehaltes ein hervorragendes Nährprodukt'ist. So günstig diese sogenannten Melassefutter in bezug auf die Ernährung auch sind, macht sich jedoch bei längerer Verfütterung derselben an den Tieren recht häufig eine unangenehme Nebenerscheinung bemerkbar.
So ist es allgemein bekannt, dass Tiere, die dauernd oder auch nur längere Zeit. Melassefutter erhalten, ständig an grossem Durst leid leiden ; Pferde werden von starkem Schweiss befallen, bei Kühen tritt häufig ein Verwerfen ein usw. Diese Erscheinungen, die die dauernde Verwendung des sonst infolge des grossen Nährwertes sehr erwünschten Melassefutters sehr bedenklich erscheinen lassen, sind zwar in der Praxis allgemein bekannt, jedoch hat man noch nicht die Ursache für diese Erscheinungen, die gerade bei der Verwendung des Melassefutters auftreten, festzustellen vermocht.
Nach Ansicht des Erfinders sind diese Erscheinungen auf die Melasse als solche, und zwar insbesondere auf die Anwesenheit von Kalisalzen einerseits und der bei der Rübenzuckerfabrikation entstehenden Zersetzungsprodukte andrerseits, die zum Teil aus den Zuckerarten selbst, zum Teil aus den Proteinstoffen, zum Teil aus den Pflanzenbasen entstehen, zurückzuführen. Kalisalze, die-wie an sich bekannt-den tierischen Organismus recht beträchtlich schädigen können, finden sich in der Melasse in recht erheblicher Menge vor. Während z. B. in 100 Teilen Trockensubstanz der Rübe 0'805 bis maximal 2'017 festgestellt, wurden, enthält die Melasse in 100 Teilen g'oo bis 7'4% Kalisalze, also Mengen, die auf die Dauer schädlich wirken müssen.
Versuche, diese schädlichen Eigenschaften der Melasse selbst zu beseitigen, können schwerlich zu einem Erfolg führen, weil ja die Melasse selbst das Abfallprodukt der Rübenzuckerfabrikation ist, letztere aber nicht in der Weise geändert oder beeinflusst werden kann, dass die Bildung oben erwähnten Zersetzungsstoffe aufhört und dass die Kalisalze beseitigt werden.
Die vorliegende Erfindung sucht auf einem neuen Wege die Vorteile, die die Verwendung der Melasse bei der Herstellung von Futtermitteln, insbesondere von Futterbriketts besitzt, beizubehalten, deren Nachteile aber-gegeben durch die Anwesenheit bestimmter, höchst schädlicher Stoffe-zu beseitigen. Dieser neue Weg liegt darin, dass zur Herstellung von Futtermitteln, insbesondere Futterbriketts. nicht mehr die Melasse als solche, sondern direkt die Zuckerrübe bzw. die sogenannte Halbzuckerrübe, die Futterrübe, als Bindemittel für die gewöhnlichen und bekannten Futterstoffe Benutzung findet. Zu diesem Zwecke wird die Rübe durch geeignete Behandlung in eine mehr oder weniger konsistente Masse gleichförmiger Beschaffenheit verwandelt, um sie als Bindemittel für die Futtermittel benutzen zu können. Dies kann z.
B. in der Weise geschehen, dass die zerkleinerte Rübe sei es in Gestalt von Schnitzeln, sei es in Gestalt eines irgendwie erzeugten Breies mit einer geeigneten Menge Wasser erwärmt wird, worauf eine geringe Menge Soda zugesetzt wird, unter dessen Einfluss der Rübenbrei oder die Rübenmasse in eine gallertartige Masse entsprechender Konsistenz verwandelt wird. Nach Herbeiführung dieses gallertartigen Zustandes und nach
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eventuell in verdünntem Zustande-abgestumpfte worauf das so geschaffene Bindemittel sofort durch Vermischen desselben mit dem zu verarbeitenden Futtermittel, gegebenenfalls zur Bildung von Futterbriketts in Gebrauch genommen wird.
Infolge der Verwendung der Rübe selbst zur Erzeugung eines zuckerhaltigen Bindemittels für Futtermittel werden nicht nur die bei der Verwendung der Melasse bestehenden Nachteile beseitigt, sondern noch dem schon der Melasse infolge des Zuckergehaltes zukommenden Vorteil neue Vorteile hinzugefügt,
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weiteres verständlich, dass die in der Melasse in starkem Masse vorhandenen Zersetzungsprodukte, die durch die Verarbeitung der Rübe. in der Zuckerfabrikation entstehen, völlig wegfallen müssen ; andrerseits sind Kalisalze, die in der Melasse in stark konzentrierter Menge zur Anwendung kommen, nur in ihrer natürlichen Menge vorhanden.
Daraus ergibt sich also, dass jene Stoffe, die in der Melasse die eingangs erwähnten Nachteile erzeugen und bei dem damit gefütterten Tier hervorrufen, hier nicht oder nicht in dem Masse vorhanden sind, dass sie irgendeinen nachteiligen Einfluss ausüben können. Auf der anderen Seite sind gegenüber der Melasse mannigfaltige Vorteile zu verzeichnen.
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der Melasse.
Von grösserer Bedeutung als die Preisfrage ist aber der Umstand, dass bei der Verwendung der Rübe als Bindemittel für Futterstoffe auch die in der Rübe enthaltenen Proteinstoffe, Pentosane, Fette u. dgl., also Stoffe, die in der Zuckerfabrikation im Laufe der Fabriktion entfernt werden und demzufolge in der Melasse nur in äusserst geringer Menge vorkommen können, in unzersetztem Zustande erhalten bleiben, welche, aber, wie
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gestellt werden.
Der Umstand, dass bei dem beschriebenen Herstellungsverfahren eines Bindemittels aus der Rübe selbst das so entstehende Bindemittel eventuell weniger Zuckergehalt und daher weniger Nährwert besitzt als die Melasse, ist nicht bedenklich, da man in dem Bindemittel den Zuckergehalt leicht durch Eindicken der Masse nach Herbeiführung des gallertartigen Zustandes pro Einheit vergrössern kann.