AT395506B - Verfahren und mittel zur bekaempfung des springwurms sparganothis pilleriana - Google Patents
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Description
AT 395 506 B
Der sogenannte Springwurm ist die Raupe eines zu den Wicklern gehörenden Kleinschmetterlings, Sparganothis pilleriana, der als Schädling in den europäischen Weinanbaugebieten zwar sporadisch auftritt, aber besonders in Spanien, Frankreich, Österreich, Ungarn, Schweiz und Deutschland örtlich große Schäden verursachen kann (BALACHOWSKY, 1966, Entomologie appliqueb ä l’Agriculture Vol D/l, 617-631).
Die adulten Falter fliegen abends und nachts im Juli bis Augugt umher, tagsüber sind sie im Reblaub verborgen.
Die Raupe überwintert und bohrt die jungen Knospen an; kurz nach dem Austrieb sind zerfressene und zusammengesponnene Blätter zu beobachten. Triebe und Gescheine werden angefressen undknicken ein. Es können sich ganze Blattnester bilden, in deren Innern sich eine einzige Raupe befindet. Sie bewegt sich ruckartig („Springwurm“) und gleitet bei Störungen an Fäden zu Boden. Nach einer Entwicklungszeit von etwa40 bis 50 Tagen erfolgt die Verpuppung; nach weiteren 12 bis 18 Tagen schlüpfen die Falter.
Bei starkem Auftreten bleiben Kümmerwuchs und erhebliche Emteverluste nicht aus; auch die Holzreife wird durch die verminderte Blattfläche nachteilig beeinflußt
Die Bekämpfung des Springwurms ist aufgrund seiner versteckten Lebensweise nicht einfach. Zwar kann in befallenen Anlagen (Schaden oder beobachtete Eiablage im Herbst) die Reben beim Austrieb mit Gelbspritzmitteln scharfstrahlig abgespritzt werden, um die überwinternden Jungraupen zu treffen.
Zur Sommerbekämpfung werden bisher insektizide Wirkstoffe aus der Gruppe der Phosphorsäureester und Pyrethroide eingesetzt. Sämtliche derartige Produkte haben jedoch den Nachteil, daß sie keine selektive Wirkung zeigen und in vielen Fällen auch warmblütertoxisch sind.
Eine zuverlässige Methode zur Erkennung des Auftretens dieses schädlichen Schmetterlings oder eine selektive Bekämpfungsmethode waren aber bisher nicht bekannt und damit eine gezielte Bekämpfung nicht möglich.
Es ist an sich bekannt, daß bei Schmetterlingen von paarungsbereiten weiblichen Tieren Sexuallockstoffc (= Pheromone) erzeugt und in die Umgebung ausgeschieden werden; männliche Schmetterlinge derselben Art können dann mit Hilfe dieses Riechstoffes die Weibchen auffinden.
Sogenannte Pheromonfallen, bestückt mit synthetischen Sexuallockstoffködem, werden in potentiellen Befallsgebieten ausgehängt. Der Fallenfang von männlichen Faltern »bringt den Nachweis des Auftretens des Schädlings. Außerdem lassen sich Hinweise zur Befallstärke und auf den richtigen Zeitpunkt der Bekämpfung äbleiten.
Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Möglichkeiten, Sexuallockstoffe im Pflanzenschutz anzuwenden: - durch - wie gesagt - Ausbringung von Lockstoff-Fallen zum Nachweis eines Schädlings in einer bestimmten Region und zur Überwachung des Populationsverlaufes. - durch Kombination eines Lockstoffes mit insektiziden Wirkstoffen. Es besteht die Möglichkeit, dem Köder/ der Falle, Insektizide zuzusetzen oder aber nur in unmittelbar» Umgebung der Falle zu behandeln. Damit kann der größte Teil d» aus weiter Entfernung angelockten männlichen Falterbevölkerung äbgetötet werden (Abfangtechnik). Die Biotopbelastung ist auf ein vertretbares Maß reduziert - durch das Verfahren der Luftraumsättigung mit Sexuallockstoffen oder ähnlich wirkenden Substanzen. Die männlichen Schmetterlinge werden am Auffinden der Weibchen gestört und somit die Paarung d» Tiere verhindert In diesem Fall wird im gesamten Bereich d» zu schützend»i Pflanzenkultur eine größere Menge des Lockstoffes gleichmäßig im Luftraum verteilt, so daß die Männchen überall die Geg»iwart des Duftstoffes empfinden können und ihr normales Orientierungsverhalten gestört ist
Selbst bei dieser letztgenannten Verfahrensweise der Anwendung von Sexuallockstoffen werden nur verhältnismäßig kleine Mengen der Wirkstoffe, welche oft nur Bruchteile der üblichen Dosen d» klassischen Insektizidwirkstoffe entsprechen, benötigt (Birch (ed.): Pheromones North Holland Publ. Co., 1974).
Es handelt sich dabei um eine äußerst selektive, untoxische Bekämpfungsmethode unter größtmöglicher Schonung der Nicht-Zielorganismen, insbesondere der Nützlinge.
Es wurde nun gefunden, daß Zubereitungen, die E 9-Dodecenol (I) und mindestens eine der Verbindungen E 11-Tetradecenylacetat (Π) und/od» Z 11-Tetradecenylacetat (III) enthalten, einen wirksamen Lockstoff zur Anwendung der vorgenannten Methoden auf Sparganothis pilleriana darstellen.
Gegenstand d» Erfindung sind somit Mittel zur Bekämpfung des Springwurmes Sparganothis pilleriana, die einen Gehalt an Verbindung I, Verbindung Π und/oder Verbindung Π E auf weisen.
Nach ein» Ausgestaltung der Erfindung enthalten die Mittel I und Π und/oder m und mindestens eine z. T. synergistisch wirkende Substanz, wie z. B. E 9-Dodecenylacetat, Dodecylacetat od» Tetradecylacetat. -2-
AT 395 506 B
Die Verbindung I ist schon als Lockstoff fiir männliche S. piüeriana beschrieben (S AGLIO etal. 1977 C.R. Acad. Sei. Ser. D. 284,2007-2010) aber die Wirkung ist gering. Auch eine Mischung von I mit E 9-Dodecenylacetat wies nur geringe Attraktivität im Freilandexperiment auf (ROEHRICH1977, INRA Moutfavet, 18-19).
Die Verbindungen Π und m sind aktive Pheromonkomponenten fiir eine Reihe anderer Schmetterlingsarten 5 (KLASEN et al. 1983 Chemical Attractants in integrated pest management programs) (WEGLER Chemistry of insectpheromones 1981). Überraschenderweise sind sie jeweils für sich zusammen mit I hochwirksam.
Alle zur Benutzungbei der Erfindung benötigten Stoffe sind bekannt undkönnen auch - außer aus den natürlichen Duftquellen der Schmetterlinge -leicht synthetisch in der erforderlichen Reinheit gewonnen werden. E 11-Tetradecenylacetat ist beispielsweise nach Roelofs Synthese (canad. Entomol. 103 1741 (1971)) leicht 10 zugänglich.
AusTetradecin-1 l-ol-l kann durch Partialhydrierung mit Lindlarkatalysatoren und anschließender Acetylierung auchZ 11-Tetradecenylacetat erhalten werden (NESBITT, Insect Biochem 6,1051976; BESTMANN, Tetrahedron Leu. 605,1978). 15 20
Zur erfindungsgemäßen Formulierung des Wirkstoffs kommen sowohl flüssige wie auch feste Präparationen in Frage. Als Lösungsmittel kommen hochsiedende, aromatische, aliphatische oder cycloaliphatische Verbindungen in Betracht Neben Kohlenwasserstoffen eignen sich Ester, Ether oder Ketone besonders gut. Typische Vertreter dieser Klassen sind z. B.: Xylol, Methylnaphthaline, Paraffinöle, Cyclohexanon, Ethylglykolacetat, Isophoron und Dibutylphthalat. Diese Lösungsmittel können allein oder in Mischungen mit anderen Komponenten Verwendung finden. Die den Verbindungen I bzw. Π entsprechenden gesättigten C^-Ester und deren Homologe sind besonders geeignete Formulierungshilfsmittel und können als Synergisten angesehen werden, da sie die Wirkung von I bzw. II verstärken.
Weiterhin können Lösungen in pflanzlichen, tierischen oder synthetischen Ölen oder Fetten und anderen verdunstungshemmenden Lösungsmitteln mit niedrigem Dampfdruck (wie z. B, Dioctylphthalat) zum Zwecke der Wirkungsverlängerung hergestellt werden. 25 Des weiteren ist es möglich, den Wirkstoff in oder an natürliche oder synthetische feste Träger wie Gummi, Kork,
Zellulose, Kunststoffe, gemahlene Kohle, Holzmehl, Silikate, Bimskies, gelammten Ton oder ähnliche feste Trägerstoffe zu binden oder in speziellen Kapselformulierungen oder Kunststoffbehältem einzusetzen, um so eine gleichmäßige Abgabe an die Luft über längere Zeiträume hinweg zu erreichen. Außerdem kann der Wirkstoff aus geeigneten Behältern (Kapillaren oder anderen Gefäßen) durch enge Öffnungen zur Verdunstung gebracht werden, 30 wodurch über längere Zeiträume hinweg besonders gleichmäßige Duftkonzentrationen erzielt werden, sowie aus mehrschichtigen Kunststoffplättchen, sogenannten Flakes.
Der Gehalt dieser Zubereitungen an Wirkstoff kann innerhalb weiter Grenzen schwanken. Generell kann das Verhältnis Wiikstoff: Zusatzstoff z. B. im Berich von z. B. 10:1 bis 1:10^ liegen. In Kapselformulierungen oder anderen geeigneten Behältern kann z. B. der Wirkstoff in reiner, unverdünnter Form angewendet werden und sein 35 Gewichtsanteil, bezogen auf die Gesamtformulierung, sehr hoch sein und bis zu 90 % betragen. Im allgemeinen genügen jedoch sehr geringe Wirkstoffkonzentrationen in den Zubereitungen, um die gewünschte Wirkung auf Lobesia-Männchen auszuüben. Bevorzugt ist ein Mengenverhältnis Wirkstoff: Zusatzstoff von 1: 3 bis 1:10^.
Man kann den Wirkstoff auch in vergleichsweise hohen Konzentrationen ausbringen, um die Männchen durch Desorientierung und Konfusion an der Paarung zu hindern. Für diese Methode eignen sich am besten Formulierungen 40 mit schwerflüchtigen Zusatzstoffen, die den Wirkstoff protrahiert abgeben, wie Gummi, Zellstoff, Wachse, Polymerisate oder verdunstungshemmende, schwerflüchtige Öle oder Paraffine, sowie Formulierungen in Kapseln oder anderen Behältern (Kapillaren), die den Lockstoff entweder durch ihre Wandung oder durch enge Öffnungen abgeben. Die Wirkstoffkonzentration liegt hier im allgemeinen im Bereich von 10:1 bis 1:10^.
Freilanduntersuchungen in potentiellen Befallsgebieten von Sparganothis pilleriana belegen die biologische 45 Funktion der beanspruchten Pheromonkomponenten.
Zu diesem Zweck wurden Gummiträger mit den aufgeführten Duftstoffmischungen imprägniert und in Fallen-körpem vom Deltatyp mit Klebefläche plaziert. In festgelegten Zeitintervallen erfolgte die Auswertung durch Auszählen der in den Pheromonfallen gefangenen Sporganothis-Männchen. Die Experimente wurden im Juli und August 1984 in Ungarn in mehrfacher Wiederholung durchgeführt. 50 Die Fallenfangexperimente bestätigen die Bedeutung von E 9-Dedecenol in Kombination mit anderen Wirk stoffen.
Die Resultate sind in den Tabellen 1 und 2 zusammengefaßt.
Dabei bedeutet: 12-Ac = Dodecylacetat 55 14-Ac = Tetradecylacetat E 9-12-Ac = E 9-Dodecenylacetat -3-
Claims (6)
- AT 395 506 B Tabelle 1 Pheromonkombination in Mikrogramm/Gummiträger I Π m 12 Ac E 9-12 Ac 14 Ac Gesamtfang Männchen 5 20 100 100 20 100 175 0 20 100 100 20 100 33 5 20 0 100 20 100 192 5 0 100 100 20 100 170 5 20 100 100 0 100 176 5 20 100 0 20 100 217 I Π m 12 Ac Tabelle 2 E 9-12 Ac 14 Ac Gesamtfang Männchen 5 20 20 0 20 0 398 5 0 0 0 20 0 3 0 0 0 0 20 0 0 5 0 0 0 0 0 1 5 20 20 100 20 100 384 5 0 0 100 20 100 4 PATENTANSPRÜCHE 1. Mittel zur Bekämpfung des Springwurms Sparganothis pilleriana, dadurch gekennzeichnet, daß es9-Dodecenol (I) und mindestens eine der Verbindungen E11-Tetradecenylacetat (Π) und/oder Zll -Tetradecenylacetat (III) enthält
- 2. Mittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es I und Π und/oder m und mindestens eine der Verbindungen E 9-Dodecenylacetat und Dodecylacetat enthält.
- 3. Mittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es (I), (Π) und/oder (ΙΠ) im Gewichtsverhähnis von 1 (I): 1000 (Π bzw. ΙΠ) bis 10:1 enthält.
- 4. Mittel nach Anspruch 1,2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß es übliche Zusatzstoffe und Hilfsmittel enthält.
- 5. Verfahren zur Bekämpfung des Springwurms, dadurch gekennzeichnet, daß man ein Mittel nach einem der Ansprüche 1 bis 3 in Verbindung mit einem Insektizid anwendet
- 6. Verfahren zur Bekämpfung des Springwurms, dadurch gekennzeichnet, daß man mit einem Mittel nach einem der Ansprüche 1 bis 3 das Auftreten des Springwurms in an sich bekannter Weise feststellt und danach an sich bekannte Bekämpfungsmethoden anwendet. -4-
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