AT257437B - Verfahren zum Gelatinieren von flüssigen Salpetersäureestern und flüssigen aromatischen Nitroverbindungen - Google Patents

Verfahren zum Gelatinieren von flüssigen Salpetersäureestern und flüssigen aromatischen Nitroverbindungen

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AT257437B AT774964A AT774964A AT257437B AT 257437 B AT257437 B AT 257437B AT 774964 A AT774964 A AT 774964A AT 774964 A AT774964 A AT 774964A AT 257437 B AT257437 B AT 257437B
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   <Desc/Clms Page number 1> 
 



  Verfahren zum Gelatinieren von flüssigen Salpetersäureestern und flüssigen aromatischen Nitroverbindungen 
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zum Gelatinieren und Plastifizieren von flüssigen Sal-   petersäureestem,   flüssigen aromatischen Nitroverbindungen, Mischungen von Salpetersäureestern oder aromatischen Nitroverbindungen und Mischungen dieser, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass man der zu gelatinierenden und plastifizierenden Verbindung oder Mischung lösliche nitro- oder perchloratgruppenfreie Hochpolymere zusetzt. 



   Es ist bekannt, dass Salpetersäureester und organische Nitroverbindungen mit Nitrocellulose angedickt werden können. Nitrocellulose ist bekanntlich aber wenig handhabungssicher und zersetzt sich leicht. Sie wird deshalb nur in angefeuchtetem Zustand (30% Wasser oder Alkohol) transportiert und verwendet. Man hat daher schon lange vergeblich versucht, die Nitrocellulose in Spreng- und Treibmitteln durch andere gelatinierende Stoffe zu ersetzen. 



   Es wurde nun gefunden, dass man auch mit hochpolymeren, nitro- oder perchloratgruppenfreien organischen Verbindungen flüssige Salpetersäureester, flüssige aromatische Nitroverbindungen, Mischungen von Salpetersäureestern oder aromatischen Nitroverbindungen und Mischungen dieser angelatinieren und plastifizieren kann. Voraussetzung für die Eignung eines bestimmten Hochpolymeren zum Gelatinieren und Plastifizieren ist, dass die flüssigen Salpetersäureester und die flüssigen aromatischen Nitroverbindungen ein Lösungsvermögen für die Hochpolymeren besitzen. Diese Voraussetzung ist erfüllt bei den Homo-bzw. Mischpolymerisaten ungesättigter Säuren und deren funktionellen Derivaten,   z.

   B.   den Mono- oder den Diestern (bei ungesättigten Dicarbonsäuren) und Säureanhydriden u.   a.,   ungesättigter Alkohole bzw. deren funktionellen Derivaten, z.   B.   den   Mono-oder Diestem,   den Äthern u. a., ungesättigter Ketone und ungesättigter Acetale. Aber auch die löslichen Additions- bzw. Kondensationsprodukte,   z. B.   von Aldehyden und phenolischen Verbindungen, von Diolen und Dicarbonsäuren sind zur Gelatinierung und Plastifizierung gemäss dem vorliegenden Verfahren geeignet.. 



   Monomere ungesättigte Säuren im Sinne der Erfindung sind die Acrylsäure, die in   ci-oder ss-Stel-   lung substituierten Acrylsäuren, z. B. Methacrylsäure, Äthacrylsäure,   cx-Chloracrylsäure u. a.,   Undenylensäure, Sorbinsäure, Ölsäure, Zimtsäure, Maleinsäure, Fumarsäure, Itakonsäure u. a. Aber auch ungesättigte cycloaliphatische Säuren,   z. B.   die durch Addition von Dienen an ungesättigte Säuren er-   hältlichen Verbindungen   lassen sich zur Herstellung von plastifizierend und gelatinierend wirkenden Homo-bzw. Mischpolymerisaten verwenden. 



   Weitere geeignete hochmolekulare Plastifizierungsmittel lassen sich beispielsweise aus den ungesättigten Alkoholen oder deren funktionellen Derivaten,   z. B.   den Veresterungsprodukten des Vinylalkohols, Allylalkohols, Isopropenylalkohols, Methallylalkohols, Crotylalkohols usw. gewinnen, aber auch Homo- und Mischpolymerisate der ungesättigten Äther dieser obengenannten Alkohole ergeben gute Plastifizierungs-und Gelatinierungsmittel. Als Beispiele für ungesättigte Ketone, deren Polymerisate oder Mischpolymerisate zur Plastifizierung geeignet sind, sollen die Vinylketone, Allylketone und die Isopropenylketone genannt werden. 



   Aber auch die Homo- und Mischpolymerisate des Vinylpyrrolidons sind geeignet. 



   Unter den löslichen Kondensationsprodukten von Aldehyden und phenolischen Verbindungen, die sich zur Gelatinierung und Plastifizierung der genannten stickstoffhaltigen Verbindungen und deren Mi- 

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 schungen bzw. Gemischen eignen, sind jene löslichen Harze zu verstehen, die sich durch Kondensation eines Aldehyds   (z. B. Formaldehyd oder Formaldehydträger,   Acetaldehyd, Furfurol,   Acroleinu. a.) mit   einer phenolischen Komponente (z. B. Phenol, Kresole, Xylenole, p-alkylsubstituierte Phenole, Resorcin u.   a.)   herstellen lassen. 



   Ein wesentlicher Vorteil dieser Gelatinen ist der rasche Viskositätsanstieg nach Zugabe des Andickmittels, Während Nitrocellulose in einem Sprengölgemisch 60/40 nach 48 h bei Zimmertemperatur erst 2/3 seiner Endviskosität erreicht hat, wird   z. B.   der Endwert der Viskosität beim Einsatz von Polymethylmethacrylat ebenfalls bei Zimmertemperatur schon nach 70 min erreicht; Ein weiterer Vorteil ist die Verwendung eines im Vergleich zur Nitrocellulose erheblich handlungssicheren Plastifizierungsbzw. Gelatinierungsmittels. Bei Verwendung von Polyestern mit olefinischen Doppelbindungen kann als zusätzlicher Vorteil eine Erhöhung der Stabilität der Salpetersäureester beobachtet werden. Die Menge der neuen   Plastifizierungs-bzw.

   Gelatinierungsmittel,   die den flüssigen Salpetersäureestern, den flüssigen aromatischen Nitroverbindungen bzw. deren Mischungen zugesetzt wird, kann über einen weiten Bereich variiert werden. Die zugesetzte Menge des Plastifizierungsmittels ist keineswegs kritisch. Sie richtet sich erstens nach dem Polymerisationsgrad der hochmolekularen Verbindungen und zweitens nach der geforderten Viskosität der zu gelatinierenden Verbindung oder Mischung. Da eine Vielzahl von hochmolekularen Verbindungen zur Plastifizierung und Gelatinierung geeignet sind, lässt sich einerseits durch die Wahl eines bestimmten Plastifizierungsmittels und anderseits eines bestimmten Polymerisationsgrades dann durch Variation der zugesetzten Menge die zu gelatinierende Verbindung oder Mischung auf jede gewünschte Viskosität und geforderte sprengtechnische Eigenschaft einstellen. 



   Die Zugabe der neuen Plastifizierungsmittel bzw. Gelatinierungsmittel kann entweder direkt zu den flüssigen Salpetersäureestern, flüssigen aromatischen Nitroverbindungen bzw. deren Mischungen erfolgen, aber auch eine vorherige Vermischung der hochmolekularen Verbindung oder eines Gemisches mit andem festen oder flüssigen Komponenten und ein anschliessendes Inkontaktbringen mit den Salpetersäureestern usw. im Stadium der Mischung ergibt die beschriebenen Effekte. 



   Die Erfindung ist selbstverständlich nicht nur auf die beschriebenen Ausführungsbeispiele beschränkt. Es lassen sich vielmehr mannigfache Abwandlungen treffen, ohne dass man sich vom Wesen der Erfindung entfernt. 



   In den folgenden Beispielen wird gezeigt, wie diese neuen Quellstoffe befähigt sind, flüssige Salpetersäureester und flüssige aromatische Nitroverbindungen usw. anzugelatinieren. 



   Beispiel 1 : In ein Gemisch aus Nitroglycerin-Nitroglykol (60/40) wurden verschiedene Men- 
 EMI2.1 
 
 EMI2.2 
 
<tb> 
<tb> PME <SEP> Schergefälle <SEP> Viskosität <SEP> (20 C)
<tb> Gew.-% <SEP> (sec' <SEP> ) <SEP> (cP) <SEP> 
<tb> 0 <SEP> 15 <SEP> 11
<tb> 1 <SEP> 15 <SEP> 450
<tb> 2 <SEP> 15 <SEP> 2100
<tb> 3 <SEP> 15 <SEP> 4250
<tb> 1 <SEP> 30 <SEP> 320
<tb> 2 <SEP> 30 <SEP> 1700
<tb> 3 <SEP> 30 <SEP> 3170
<tb> 1 <SEP> 60 <SEP> 250
<tb> 2 <SEP> 60 <SEP> 1200
<tb> 3 <SEP> 60 <SEP> 2920
<tb> 
 

 <Desc/Clms Page number 3> 

 
Die in der obenstehenden Tabelle angeführten Gemische zeigen eine ausgeprägte Strukturviskosität und sind vollkommen durchsichtig und klar. Auch bei Zusatz einer weiteren quellbaren, hochpolymeren Verbindung, z. B. Polyvinylacetat, bleiben die Gelatinen noch durchsichtig.

   Sie   führt,   zu einer zusätzlichen Viskositätserhöhung,   d. h.   dass auch ein Gemisch von quellbaren, hochpolymeren Stoffen zur Gelatinierung eingesetzt werden kann. 



   Beispiel 2: In ein flüssiges Gemisch der isomeren Dinitrotoluole (Viskosität 30 cP) wurde   1%   Polymethacrylsäureester eingerührt und 5 min auf   600C   erwärmt. Das Gemisch hatte bei einem Schergefälle von 24, 5 sec -1 und einer Temperatur von   200C   eine Viskosität von 879 cP. 



   Beispiel 3 : 10 g einer   40% gen   Lösung von Polyvinylacetat in Äthylacetat wurden mit 90 g Nitroglycerin vermischt. Nach Verdampfen des Äthylacetats auf dem Wasserbad entstand eine klare, homogene, viskose Lösung. Die Viskosität betrug bei einem Schergefälle von 24,5 sec-1 und einer Temperatur von 200C 528 cP. Reines Nitroglycerin besitzt eine Viskosität von zirka 35 cP. 



   Beispiel 4 : 10 g eines Mischpolymerisates aus Äthylacrylat und Vinylchlorid, welches im Handel unter der   Bezeichnung "Astralon" erhältlich   ist, wurden in Aceton gelöst und mit 90 g Nitroglykol vermischt. Nach dem Abdampfen des Acetons entstand eine etwa trübe, hochviskose Lösung. Dieses Beispiel zeigt, dass auch Mischpolymerisate der erfindungsgemässen Quellstoffe mit nichtquellfähigen Stoffen, wie Polyvinylchlorid, zum Gelatinieren geeignet sein können. 



     Beispiel 5 :   Diäthylenglykoldinitrat wurde mit 2   Gel.-%   Polymethacrylsäureester versetzt. Die entstandene Gelatine hatte bei einem Schergefälle von 24,5 sec und bei einer Temperatur von   200C   eine Viskosität von 636 cP. 



   Beispiel 6 : Ein Gemisch von Nitroglycerin und Nitroglykol wurde mit   25%   eines im Handel 
 EMI3.1 
 kose Lösung. 



   Beispiel 8 : Ein Gemisch von Nitroglycerin und Nitroglykol (60/40)   wurde mit 30/0 Polyvinyl-   pyrrolidon (im Handel unter der Bezeichnung "Luviskol K   90"erhältlich)   versetzt. Die entstandene Gelatine besass bei einem Schergefälle von 24,5   sec -1   und einer Temperatur von   200c   eine Viskosität von 266 cP. 



   Beispiel 9 : Die   10% igue   Lösung eines Mischpolymerisates aus 60% Polyvinylpyrrolidon und 40% Polyvinylacetat (im Handel unter der Bezeichnung "Luviskol VA 64" erhältlich) in Sprengöl 60/40 zeigte unter den gleichen Messbedingungen wie in Beispiel 8 eine Viskosität von 464 cP. 



   Beispiel 10 : Nitroglycerin wurde mit 8   Gew.-%   Polymethylmethacrylat angelatiniert und die sprengtechnischen Daten der Mischung bestimmt. Zum Vergleich wurde eine Sprenggelatine mit 5% 
 EMI3.2 
 Nitrocellulose angedickten Sprengöle und Nitroverbindungen in Sprengstoffen durch die erfindungsgemässen Gelatinen zu ersetzen. 



    PATENTANSPRÜCHE :      l.   Verfahren zum Gelatinieren und Plastifizieren von flüssigen Salpetersäureestern, flüssigen aro-   matischenNitroverbindungen,   Mischungen von Salpetersäureestern oder aromatischen Nitroverbindungen und Mischungen dieser. dadurch gekennzeichnet, dass man der zu gelatinierenden und plastifizierenden Verbindung oder Mischung lösliche nitro- oder perchloratgruppenfreie Hochpolymere zusetzt. 
 EMI3.3 


Claims (1)

  1. gekennzeichnet,freien Hochpolymere zusetzt.
    3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass man ein lösliches nitro- oder perchloratgruppenfreies Hochpolymere verwendet, welches durch Homo- oder Mischpolymerisation einer ungesättigten Säure oder deren funktionellen Derivaten hergestellt wurde.
    4. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass man ein lösliches nitro- oder perchloratgruppenfreies Hochpolymere verwendet, welches durch Homo- oder Mischpoly- <Desc/Clms Page number 4> merisation eines ungesättigten Alkohols oder dessen funktionellen Derivaten hergestellt wurde.
    5. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass man ein lösliches nitro- oder perchloratgruppenfreies Hochpolymeres verwendet, welches durch Homo- oder Mischpolymerisation eines ungesättigten Ketons hergestellt wurde.
    6. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das lösliche nitrooder perchloratgruppenfreie Hochpolymere ein Polyester aus Diol und Dicarbonsäure ist.
    7. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das lösliche nitrooder perchloratgruppenfreie Hochpolymere ein lösliches Harz einer phenolischen Verbindung ist.
    8. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das lösliche nitrooder perchloratgruppenfreie Hochpolymere ein Homo- oder Mischpolymerisat desVinylpyrrolidons ist.
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