<Desc/Clms Page number 1>
Vorrichtung zur Erzeugung von Fäden und Fasern aus Glas od. dgl. Materialien
Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Erzeugung von Fäden und Fasern aus Glas od. dgl. Materialien, mittels einer mit hoher Drehzahl umlaufenden fadenausziehenden Trommel und eines die Fasern vor Vollendung einer einmaligen Umwindung von der Trommeloberfläche abnehmenden Abstreifers.
Die erfindungsgemässe Vorrichtung ist dadurch gekennzeichnet, dass der Abstreifer in bekannter Weise etwa tangential zur Trommeloberfläche angeordnet ist und seine Schneide in geringem Abstand von z. B. einhundertstel Millimeter von dieser so fixiert ist, dass sie auf die Trommeloberfläche keinen Druck ausübt.
Ein Abstreifer im Sinne der Erfindung ist ein mit einer messerartigen Schneide versehenes, sich über die Breite der Abzugstrommel erstreckendes und tangential zum Trommelumfang angeordnetes Blech, das bestimmtist, die am Trommelumfang aufliegenden Fäden und den von der Trommel erzeugten und geförderten sogenannten Umlaufwind abzuschälen. Dieser Umlaufwind wird nämlich oft dazu benutzt, die durch den Abstreifer vom Trommelumfang abgehobenen Fasern an eine hievon entfernte Stelle, z. B. auf ein Transportband zu fördern. Man ist also daran interessiert, ihn mit geringstem Verlust an der gleichen Stelle, an der auch die Fasern entfernt werden, abzuschälen.
Anordnung und Gestaltung des Abstreifers sind seit langem Gegenstand fachmännischer Überlegungen. wobei alle bisher bekannten Lösungsvorschläge davon ausgehen, dass der Abstreifer gegen den Trommelumfang angepresst werden muss. Durch die starke Reibung des gewichtsbelasteten Abstreifers auf der Trommel macht sich jedoch zwangsweise eine Abnutzung desselben und auch oft der sehr teuren Abzugstrommel bemerkbar, die unter Umständen sogar zu einer vorzeitigen Reparatur bzw. zu einer Erneuerung von Abstreifer und/oder Trommel führt. Ein mit entsprechend starkem Druck gegen die Trommel angepresster Abstreifer schien bisher deshalb erforderlich, weil man glaubte, nur die Ausschaltung auch eines ganz minimalen Zwischenraumes zwischen Trommeloberfläche und Abstreifer würde das Abheben der Fäden unter allen Umständen gewährleisten.
Ausserdem ist zu berücksichtigen, dass die Vibration der Spinnmaschine sich auch auf den Abstreifer überträgt und ein genauer Rundlauf der Abzugstrommel bei hoher Drehzahl oft nicht zu erreichen ist.
Daraus folgerte man, dass eine Belastung des Abstreifers unbedingt erforderlich ist, um eventuelle einen einwandfreien Spinnprozess inFrage stellende Schwingungen des Abstreifers zu eliminieren oder zumindest stark zu dämpfen. Ein erheblicher Teil der bisher aufgewendeten Überlegungen ging deshalb dahin, einen nicht geringen Anpressdruck des Abstreifers zu erzeugen und die damit zwangsläufig in Kauf zu nehmende Abnutzung rechtzeitig anzuzeigen bzw. den erforderlichen Austausch der Teile zu beschleunigen. Dies geschah z. B. dadurch, dass der Abstreifer in ein Abstreifblech und eine Trägerleiste aufgestelltwurde und dass Anschläge vorgesehen wurden, gegen die sich die Trägerleiste bei totaler Abnutzung des Abstreiferbleches anlegte.
Eine äusserst glatte und einwandfreie d. h. von Riefen und Rillen freie Trommeloberfläche ist Vorbedingung eines störungsfreien Spinnprozesses, da selbst kleinste Unebenheiten das sichere Abnehmen der Fäden bzw. Faserndurch den Abstreifer unsicher werden lassen. Hat sich daher durch den Abstreiferdruck auf der Trommel nicht nur die Schneide des Abstreifers, sondern etwa auch die Trommeloberfläche ein-
<Desc/Clms Page number 2>
mal durch Bildung von nur geringfügigen Rillen verändert, so ist sogar ein sofortiger Austausch der Trom- mel unbedingterforderlich, womit einerheblicher Produktionsausfall mitbedeutendenReparatur-und Montagekosten verbunden ist.
Es kommt hiezu, dass zur Verbesserung der Haftfestigkeit des abzuziehenden Fadens an der Abzugstrommel und somit der Spinnsicherheit diese Oberfläche mit einem Ölfilm versehen wird, der ausserdem den Zweckhat, die Reibung zwischen Abstreifer und Trommel und somit deren Abnutzung möglichst herabzusetzen. Tatsächlich ist es jedoch so, dass gerade durch den angepressten Abstreifer diesererforderliche Ölfilm oft zerstört wird, so dass auch hiedurch die Spinnsicherheit stark gefährdet wird. Die Zerstörung des Ölfilms durch den Abstreifer hat auch noch einen weiteren sich in der Praxis sehr unangenehm auswirken-
EMI2.1
Nachteil, D a der angepresste Abstreifernämlichihn mit den von der Trommel abgehobenen Fäden in Berührung, die dadurch verschmutzt werden, was selbstverständlich zu unsauberen Stellen im Endprodukt, z.
B. in den aus Glasfasern gefertigten Vorgarnen oder Vliesen führt. Derartige verschmutzte Partien werden als "schwarze Wolle" bezeichnet. Glasfaserprodukte, die schwarze Wolle enthalten, sind für viele Einsatzzwecke unbrauchbar. So müssen z. B. Fil- tergewebe für medizinische Einsatzzwecke vollständig sauber sein, ebenso wie Oberflächenvliese, die bei der Weiterverarbeitung sichtbar bleiben, wie dies z. B. bei in durchsichtigen Kunststoff eingebetteten Vliesen für Wandverkleidungen, Lampenschirme u. dgl. der Fall ist.
Nun hat aber auch ein Verfahren Eingang in die Literatur gefunden, bei dem ein nichttangential, sondern radial und im wesentlichen Abstand von der Trommeloberfläche angestelltes Blech einen Stau des von der Trommel erzeugten Umlaufwindes und damit ein wirbelndes Abheben der Fäden hervorrufen soll.
Erfolgt die Faserabnahme mittels eines solchen Staubleche, so werden zwar die Folgen der Reibung zwichen dem sonst gebräuchlichen Abstreifer und der Trommel behoben, jedoch treten dafür andere bedeutende und die Vorteile wieder aufhebende Mängel auf. So ist es beispielsweise oft nicht zu vermeiden, dasssicheinzelneFädenum dieTrommel zu einem Strang aufwickeln, selbst dann, wenn in denSpaltzwi-
EMI2.2
Trommeloberfläche und Staublech entgegenker Blasstrom gerichtet wird. Hat jedoch ein aufgesponnener Faden erst einmal eine volle Umdrehung erreicht, so ist dieser lediglich durch mechanisches Trennen wieder zu lösen. Dieser Umstand macht somit eine genaue Überwachung und Wartung der Anlage erforderlich, und führt zudem zu Qualitätschwai1kun- gen und Produktionsausfall.
Im übrigen haben Versuche bewiesen, dass die Anwendung eines Staubleches eine sehr präzise Abstimmung von Trommeldrehzahl sowie Länge und Abstand des Staubleches erfordert, also unsicher ist.
In bewusster Abkehr von bisher als unerlässlich gehaltenen Voraussetzungen geht die Erfindung völlig neue Wege. Nachdem der Anpressdruck des Abstreifers auf der Trommel einen wesentlichen Unsicherheit9faktor darstellt, gehen die erfindungsgemässen Überlegungen nämlich dahin, diesen Druck auf die Trommel vollkommenaufzuheben und damit alle vorhergehend erwähnten Mängel zu beheben. Gemäss der Erfindung gelangt ein Abstreifer bisheriger Konstruktion zur Anwendung, wobei die übliche Messerstärke gewähltwerdenkann. Vorzugsweise verwendet man eine Stärke von nicht über 4-5 mm, dasichsonsteine zu breite Schneide bilden würde.
Nachdem der Abstreifer mit einer vorgeschliffenen Schneide versehen ist, wird er wie bisher zum Einlaufen auf die rotierende Abzugstrommel mit einem bestimmten Anpressdruck angedrückt. Nach Beendigung der Einlaufzeit wird der Abstreifer in der hiedurch entstandenen Stellung arretiert. Dies erfolgt mittels einstellbarer Anschläge, auf welche der Abstreifer nach Vollendung des Einlaufvorganges zum Aufliegen gelangt.
Die erfindungsgemässe Vorrichtung macht es möglich, durch feine Einstellung dieser Anschläge die Schneide des Abstreifers in jedem beliebigen Abstand zur Trommeloberfläche einzustellen, wobei die Gewichtsbelastung von diesen Anschlägen aufgenommen und somit die Reibung des Abstreifers auf der Trommel vollständig aufgehoben wird. Da der Abstreifer weiterhin auf diesen Anschlägen unter Gewichtsbelastung, die unter Umständen erhöht werden kann,, aufliegt, ist auch ein Schwingen desselben gänzlich unterbunden. Die Feineinstellung kann z. B. mittels einer Lehre vorgenommen werden, die entweder nach dem Einlaufen zwischen Abstreifer und Trommel oder vor dem Einlaufen zwischen dem Abstreifer und den Anschlägen angelegt wird.
BeieinerEinstellungvonz. B. 1/100 mm Abstand zur Trommeloberfläche und sogar darüber istimmer noch das sichere Abheben der Fäden gewährleistet, jedochdie Reibung aufgehoben und somit die damit auftretende Abnutzung von Abstreifer und Trommel vollständig unterbunden. Zusätzlich erhöht sich auch die Spinnsicherheit, da der zum sicheren Abziehen der Glasfäden nötige Ölfilm sich aufderTrommeloberfläche bilden kann und nicht mehr, wie bisher, durch den Anspressdruck des Abstreifers auf der Trommel zerstört wird. Damit wird gleichzeitig eine geringere Verschmutzung des Abstreifers, die bisher durch das
<Desc/Clms Page number 3>
Abschaben des auf der Trommel sich bildenden Ölfilms entstand, erzielt und die Entstehung schwarzer Wolle vermieden.
Die Erfindung zeichnet sich demnach nicht nur durch eine Einsparung an Ersatzteilen, sondern auch in einer geringeren Wartung und einer höheren Spinnsicherheit, verbunden mitseinerProduktionssteigerung aus.