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Verfahren zur Dauerverformung bzw. Streckung von Haaren
Zur Dauerverformung von Haaren benutzt man heute im allgemeinen Mittel, die Mercaptoverbindungen sowie vorzugsweise Ammoniak zur Einstellung eines pH-Wertes über 7 enthalten. Obwohl diese Präparate sich in der Praxis bewährt und behauptet haben, haften ihnen doch noch Mängel an, die bisher noch nicht beseitigt werden konnten, obwohl es an zahlreichen durch das Patentschrifttum bekannt gewordenen Verbesserungsvorschlägen nicht gefehlt hat. Alle alkalischen Mittel weisen den gemeinsamen Nachteil auf, dass sie infolge der quellungsfördernden Alkalität die Haut angreifen. Das betrifft vor allem die Hände des Friseurs, da ja das keratinerweichende Mittel, z.
B. auf Basis des Systems Thioglykolat-Alkali, nach wie vor mit Hilfe der Hände des Friseurs auf die Wickel aufgetragen werden muss. Seine Hände zeigen Erscheinungen, die durch die Bezeichnungen feuchte Kaltwellhand"oder Lackhand"beschrieben werden.
Zur Vermeidung dieser Nachteile wurden zur Haarverformung schon Mittel vorgeschlagen, die neben z. B. Ammoniumthioglykolat und Ammoniak noch Ammoniumcarbonat aufweisen sollen (vgl. USAPatentschrift Nr. 2, 688, 972). Ammoniakalische Thioglykolatlösungen mit Zusätzen an Ammoniumcarbonat und Ammoniumhydrogencarbonat (vgl. brit. Patentschrift Nr. 689, 641) sollen die Fähigkeit haben, Haar sowohl rascher zu verformen, als auch Haut und Haare weniger zu schädigen. Eine Überkrausung des Haares und dessen Schädigung sind nach andern Vorschlägen durch Zusatz von Harnstoff zu Thioglykolatlösungen vermeidbar (vgl. franz. Patentschrift Nr. 1. 062. 508) ; der gleiche Zusatz soll einer Verbesserung der Haarverformung nicht nur bei Verwendung von thioglykolat-, sondern auch von sulfithaltigen Mitteln dienen (vgl. brit.
Patentschrift Nr. 780, 037).
Ferner ist schon aus der USA-Patentschrift Nr. 2, 817, 342 bekannt, zum Dauerwellen der Haare eine schwach saure oder neutrale wässerige oder wässerig-alkoholische Lösung von sauren Sulfiten zu verwenden, der kurz vor der Anwendung Harnstoff und Urease zugesetzt werden. Die Urease bewirkt eine Aufspaltung des Harnstoffes, wobei Ammoniak frei wird und der pH-Wert steigt. Hiebei dient jedoch der Zusatz von Urease dazu, die keratinerweichende Wirkung der sauren bzw. neutralen Sulfitlösung durch Erhöhung des pH-Wertes von ursprünglich 6, 0-7, 0 auf 8, 0-9, 0 zu stoppen, da bekanntlich Sulfite ihre plastifizierenden Eigenschaften im sauren Gebiet entwickeln und im schwach alkalischen Gebiet weitgehend verlieren (vgl. brit. Patentschrift Nr. 453, 700).
Es wurde nun überraschenderweise gefunden, dass auch bei Dauerwellmitteln, die saure bzw. neutrale Mercaptoverbindungen enthalten und die beim Dauerwellprozess einem andern Reaktionsmechanismus als die Sulfite, Bisulfite und Hydrosulfite unterliegen, die Alkalität durch Zugabe von Harnstoff und Urease auf dem Haar eingestellt werden kann, um-im Gegensatz zu der Lehre gemäss der USA-Patentschrift Nr. 2, 817, 342-die verformende Wirkung auszulösen.
Bekanntlich haben saure bis neutrale Thioglykolatlösungen-im Gegensatz zu den Sulfiten-noch keine keratinerweichende Wirkung, sondern erhalten diese erst im alkalischen pH-Bereich.
Es wurde ferner gefunden, dass sich die Möglichkeit des ständigen Kontakts der Hände mit einer alkalischen Wirklösung auf ein Minimum einschränken lässt, wenn der zur Haarverformung erforderliche Überschuss an Alkalität durch Ammoniak erst auf dem Haar erzeugt wird, nachdem das Wickeln der Haarsträhne beendet worden ist. Die Hände kommen hiebei mit der Lösung in Berührung, die auf einen beliebigen pH-Wert zwischen 5 und 7 eingestellt werden kann. Während die bisher üblichen, ammoniakalischen Thioglykolatlösungen auf dem Haar einen Rückgang ihres ursprünglichen pH-Wertes aufweisen, verursacht durch die Flüchtigkeit des Ammoniaks, nimmt die Alkalität des Mittels nach dem Verfahren erfindungsgemäss ständig zu.
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erzielt werden, dass man eine Lösung oder Emulsion der Mercaptoverbindungen, z.
B. eine thioglykolathaltige, vorzugsweise auf pH 5-7 eingestellte Lösung mit Harnstoff und Urease versetzt. Dieses Enzym spaltet Harnstoff zu Ammoniak und Kohlendioxyd auf, ein Vorgang, der für Harnstoff streng spezifisch ist und den man seit langem zum Nachweis und zur Bestimmung dieser Verbindung benutzt (vgl. L.
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Rosenthaler Der Nachweis organischer Verbindungen", Verlag von Ferd. Enke, Stuttgart 1923, S. 502 bi 503 ; K. Dirr Quantitatives Arbeiten in der Klinik", Verlag R. Müller & Steinicke, München 1946, S. 7 und 100).
An einem Modellversuch lässt sich das Verhalten einer üblichen, das Haar verformenden Thioglykolat lösung von pH 9, 5 mit dem nach dem erfindungsgemässen Verfahren zu verwendenden Mittel von pH' vergleichen, siehe Fig. 1 der Zeichnung. Als übliche Dauerwellpräparate wurden eine Lösung a, enthalten'
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enthaltend 1, 4 g Ammoniak und 10, 9 g Ammoniumthioglykolat in 100 ml verwendet. Als Mittel nach den erfindungsgemässen Verfahren diente eine Lösung c, die 10, 9 g Ammoniumthioglykolat, 5 g Harnstoff un < 0, 14 g Urease in 100 ml enthielt.
Je 15 ml dieser Lösungen wurden in einer flachen Schale ausgebreitet und bei Raumtemperatur siel selbst überlassen. Alle 10 min wurde an je einer Probe der Flüssigkeiten elektrometrisch der jeweilige pH Wert ermittelt, der in Koordinaten gegen die Zeit aufgetragen wird. Man erkennt deutlich die Gegenläufig, keit der pH-Werte.
In der Praxis, d. h. auf dem Haar, ist der pH-Abfall ammoniakalischer Kaltwellflüssigkeiten noch stärke : (vgl. H. Freytag, Fette, Seifen, Anstrichmittel, 58,245 (1955), zumal es üblich geworden ist, den Verformungsvorgang durch Zufuhr von Wärme, z. B. mittels einer Trockenhaube oder eines Gerätes zum Bedampfen, zwecks Zeitersparnis zu beschleunigen. Diese Beschleunigung wirkt sich für das erfindungsgemässe Verfahren als besonderer Vorteil aus. Es ist nämlich bekannt, dass die Ureasewirkung insofern temperaturabhängig ist, als sie mit steigender Temperatur einem Optimum zustrebt, um bei 60-70 C wegen irreversibler Schädigung des Ferments abzusinken.
Diese Verhältnisse sind in Fig. 2 näher dargelegt. Als Modell diente ein System aus 10 g Thioglykolsäure (in Form von 11, 8 g Ammoniumthioglykolat), 5 g Harnstoff und 0, 1 g Urease in 100 ml Wasser. Auf der Ordinate sind die durch das Enzym freigesetzten Ammoniakmengen gegen die Zeit in Minuten aufgetragen. Die Kurven geben die Ammoniakentwicklung in Abhängigkeit von der Temperatur wieder. Nach dem erfindungsgemässen Verfahren vermag man somit durch Steigerung der Temperatur mit üblichen Vorrichtungen die Wirkung des zur Verfahrensausübung erforderlichen Mittels zu steigern.
Es wurde auch gefunden, dass die Ureasewirkung durch Thioglykolat nicht im geringsten gehemmt oder vermindert wird. Vielmehr ergaben Versuche, dass das Thioglykolat eher eine Aktivierung verursacht, vgl.
Fig. 6. Die bei diesen Versuchen verwendeten Lösungen hatten folgende Zusammensetzung :
Lösung d : 11, 8 g Ammoniumthioglykolat, 5 g Harnstoff und 0, 1 g Urease in 100 ml,
Lösung e : 1, 8 g Ammoniumthioglykolat, 5 g Harnstoff und 0, 1 g Urease in 100 ml,
Lösung f : 5 g Harnstoff und 0, 1 g Urease in 100 ml (Vergleichslösung).
Wie Fig. 7 zeigt, ist die Freisetzung von Ammoniak umso grösser, je höher der Gehalt an Urease ist.
Die für diese Versuche angewendeten Lösungen waren wie folgt zusammengesetzt :
Lösung g : 11, 8 g Ammoniumthioglykolat, 5 g Harnstoff und 0, 005 g Urease in 100 ml,
Lösung h : 11, 8 g Ammoniumthioglykolat, 5 g Harnstoff und 0, 05 g Urease in 100 ml,
Lösung i : 11, 8 g Ammoniumthioglykolat, 5 g Harnstoff und 0, 5 g Urease in 100 ml.
Die Harnstoffspaltung in einer Thioglykolatlösung ist aber nicht nur durch die Enzymmenge und Temperatur, sondern auch durch die Menge an Harnstoff steuerbar.
So wurde bei Vergleichsversuchen mit einer
Lösung k : 11, 8 g Ammoniumthioglykolat, 10 g Harnstoff und 0, 1 g Urease in 100 ml,
Lösung 1 : 11, 8 g Ammoniumthioglykolat, 5 g Harnstoff und 0, 1 g Urease in 100 ml,
Lösung m : 11, 8 g Ammoniumthioglykolat, 2 g Harnstoff und 0, 1 g Urease in 100 ml festgestellt, siehe Fig. 3, dass bei einem Ansatz von 10 g Thioglykolsäure/100 ml (in Form von 11, 8 g Ammoniumthioglykolat/100 ml) 0, 1 g Urease aus je 5 und 10 g Harnstoff nahezu die gleichen Ammoniakmengen freisetzen, aus 2 g Harnstoff jedoch schon wesentlich weniger. Zugleich lässt sich natürlich auch auf diese Weise die Höhe des pH-Wertes beeinflussen.
Weitere Vergleichsversuche mit wechselnden Mengen Harnstoff sind in Fig. 14 dargestellt, wobei die
Lösung n : 11, 8 g Ammoniumthioglykolat, 2, 5 g Harnstoff und 1 g Urease in 100 ml,
Lösung o : 11, 8 g Ammoniumthioglykolat, 5, 0 g Harnstoff und l g Urease in 100 ml,
Lösung p : 11, 8 g Ammoniumthioglykolat, 7, 5 g Harnstoff und 1 g Uraese in 100 ml enthielten.
Der pH-Verlauf der Lösung ist ebenfalls im voraus einstellbar, je nachdem, wieviel Thioglykolsäure vorhanden ist oder ob ein anderes Puffersystem vorliegt. In der Zeichnung zeigt Fig. 8 die pH-Kurve für eine Lösung aus 11, 8 g Ammoniumthioglykolat, 5 g Harnstoff, 2, 0 g Ammoniumdihydrogenphosphat,
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Ammoniakmenge und Fig. 10 das mit dieser Lösung bei 22 C am Haar selbst erhaltene Ergebnis der pH- Messung mittels Oxyphen- und Lyphanindikatorpapier. Bei Abwesenheit von Thioglykolsäure, d. h. in einer 5% igen wässerigen Harnstofflösung, wird mit 0, 1 g Urease ein maximaler pH-Wert von 9, 25 erreicht.
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100 ml ein pH von 8, 1.
Der Gang des pH-Wertes bis zum Bereich von 8, 1 bis 8, 9 genügt, um insbesondere bei geringer Temperaturerhöhung (etwa bis 50 C) eine Umformung des Haares zu gewährleisten, vgl. das tieferstehende Beispiel 1.
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Es wurde nun ferner gefunden, dass man den Erfindungsgedanken auch auf solche Systeme anwenden kann, die an Stelle von Mercaptoverbindungen solche organische Schwefelverbindungen enthalten, die die Fähigkeit haben, sich im alkalischen Gebiet zu Mercaptoverbindungen aufzuspalten. Geeignete Verbindungen sind z. B. Dithiodiglykolid, Carbaminthioglykolsäure und Äthy1xanthogenessigsäure. Die Aufspaltung wird erreicht, indem man vor der Anwendung diesen Harnstoff enthaltenden Verbindungen Urease zufügt. Damit wird erreicht, dass der Friseur beim Wickeln weder mit Mercaptoverbindungen noch mit Alkalien in Berührung kommt, vgl. die tieferstehenden Beispiele 2-4.
Es wurde weiterhin gefunden, dass der an sich befriedigende technische Effekt, der durch das Wickeln der Haare mit einer Kaltwellflüssigkeit von einem um den Neutralitätsbereich liegenden pH-Wert gegeben ist und eine verringerte Schädigungsgefahr für die Hände des Friseurs ergibt, durch die Verwendung von mit Urease imprägnierten Papier- oder Baumwollgewebeplättchen noch wesentlich verbessert werden kann, indem entweder die Haarsträhnen mit einer Harnstoff enthaltenden Kaltwellflüssigkeit vom pH kleiner als 7 befeuchtet werden und die Urease und damit die steigende Alkalität erst nach dem Wickeln mit den getränkten Wickelpapieren wirksam wird oder indem man die Haare mit Wasser anfeuchtet, dann mit den imprägnierten Blättchen wickelt und anschliessend die einzelnen Wickel mit der Harnstoff enthaltenden Kaltwellösung durchfeuchtet.
Bei dieser Arbeitsweise setzt die Alkalisierung erst nach Abschluss des Wickelns und Durchfeuchtens ein, wobei die Hände des Friseurs mit der eigentlichen Wellflüssigkeit nicht in Berührung kommen.
Es ist schon seit langem bekannt, zur raschen, sicheren und bequemeren Arbeitsweise beim Wickeln des in Strähnen abgeteilten Haares zu seiner Dauerverformung sogenannte Spitzenpapiere zu verwenden.
Diese Bezeichnung rührt daher, dass das Papierblättchen vor allem zum leichteren Fassen der Haarspitzen dient. Das Material kann Papier sein, doch ist auch ein Baumwollgewebe benutzbar. Man hat weiterhin versucht, diesem mechanisch günstig wirkenden Hilfsmittel noch eine andere Funktion zu verleihen, nämlich die eines Trägers von chemischen Mitteln, die ebenfalls arbeitstechnische Vorteile bieten. So wurde vorgeschlagen, dieses sogenannte Spitzenpapier z. B. mit Natriumnitroprussiat, einem Reagens auf Mercaptoverbindungen in alkalischer Lösung, zu tränken und das Haar damit auszudrücken. Das Spitzenpapier soll dann durch die bekannte Purpurfärbung anzeigen, ob die haarverformende alkalische Kaltwellflüssigkeit auf Thioglykolatbasis bis zu den im Inneren des Haarwickels befindlichen Haarspitzen vorgedrungen ist.
Da die Haarspitzen infolge ihrer besonders exponierten Lage der Luft und Sonnenstrahlung gegenüber, vermutlich aber auch aus auf das Wachstum der Haare zurückzuführenden Gründen chemisch weniger widerstandsfähig sind, mit andern Worten im Verhältnis zu den übrigen Teilen des Haares unter sonst gleichen Bedingungen stärker verformt werden, wurde ferner empfohlen, die Spitzenpapiere mit z. B.
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das Spitzenpapier zum Träger haarverformender bzw. fixierender Wirkstoffe zu machen, beispielsweise von Natriumthioglykolat und Monoäthanolamin als freie Base (vgl. USA-Patentschrift Nr. 2, 869, 559) oder von Fixiermitteln der gebräuchlichen Art, welche durch die auf das Haar aufgebrachten wässerigen Flüssigkeiten ausgelaugt werden und die Verformung bzw. Fixierung bewirken sollen.
In der Praxis hat sich die Unterbringung von unmittelbar mit dem Haar sich umsetzenden Substanzen auf Papier, Textilstoffen u. dgl. nicht bewährt, da das Trägermaterial auch in günstigen Fällen nur begrenzte Mengen an solchen Mitteln aufzunehmen vermag ; man ist auch nicht in der Lage, die zum Befeuchten der Haarsträhnen erforderliche Wassermenge so zu bemessen, dass beim Herauslösen der Wirkstoffe die für eine glatte Umsetzung mit dem Keratin geeignete Konzentration erhalten wird. Ferner kann es nicht überraschen, dass die für die chemische Umsetzung mit dem Haar unmittelbar erforderlichen Verbindungen, wie vor allem die Reduktionsmittel, infolge ihrer Verteilung auf eine sehr grosse Oberfläche unter dem Einfluss des Luftsauerstoffs ihre Wirksamkeit rasch verlieren.
Diesen Nachteil kann man in besonderen Fällen vielleicht beheben, kaum aber die Begrenzung der Wirkstoffkonzentration auf dem Haar.
Diese Nachteile treten beim erfindungsgemässen Verfahren nicht auf, da nur solche Substanzen (z. B.
Enzyme wie Urease) auf Papier u. ähnl. Trägermaterial benutzt werden, die schon in sehr geringen Mengen zur Einleitung von Reaktionen und zu ihrer Aufrechterhaltung oder zur Umsetzung mit dem Haarkeratin fähig sind und unter dem Einfluss des Luftsauerstoffs ihre Wirksamkeit nicht verlieren.
Die Verwendung von mit Urease imprägnierten Papieren ist darüber hinaus auch wirtschaftlicher als die eines pulverförmigen Präparats. Dessen Zubereitung erfordert nämlich nicht nur eine Extraktion der pflanzlichen, ureasehaltigen Produkte, wie z. B. der Soja-oder der Jackbohne, sondern auch Ausfällung der Urease enthaltenden Fraktionen sowie deren Reinigung, Isolierung und Trocknung (vgl. K. Dirr "Quantitatives Arbeiten in der Klinik", Verlag R. Müller & Steinicke, München 1946, S. 77 und 78).
Für die Herstellung der mit Urease imprägnierten Papiere od. dgl. genügt jedoch schon die Tränkung des Papiers oder Textilgewebes mit dem wässerigen, von unlöslichen Bestandteilen befreiten Extrakt der ureasehaltigen Bohnen.
Die besondere Ausführungsform des erfindungsgemässen Verfahrens besteht also darin, dass man die Haarsträhnen zunächst mit wenig Wasser befeuchtet und mit einem ureasehaltigen Papier geeigneter Grösse auf einen Wickler üblicher Art wickelt. Hierauf befeuchtet man sämtliche Wickel mit der sauren harnstoffhaltigen Kaltwellflüssigkeit. Durch das zur Befeuchtung benutzte Wasser und dann durch die
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Verformungsflüssigkeit selbst wird in allen Fällen genügend Urease aus dem Papier herausgelöst, um im gesamten Bereich der Haarsträhne Alkalisierung herbeizuführen.
Eine andere Ausführungsform ist dadurch gegeben, dass man auf das Befeuchten mit Wasser verzichtet und sofort die mit der sauren harnstoffhaltigen Thioglykolatlösung befeuchteten Haarsträhnen mit dem ureasehaltigen Papier wickelt.
Falls grösserer Wert auf die Schnelligkeit der Haarverformung gelegt wird, empfiehlt sich als weitere Ausführungsform des Verfahrens das Wickeln der Haarsträhnen mit dem Urease enthaltenden Papier unter Befeuchten mit einer schon auf knapp unter pn 7 eingstellten Harnstoff enthaltenden Thioglykolatlösung.
Eine Steuerung des zeitlichen Verlaufs der Haarverformung ist durch Variation des Harnstoffgehalts der Thioglykolatlösung, vgl. Fig. 3 und 14 bzw. durch die Konzentration der Thioglykolsäure, ihren pH-Wert und in gewissem Masse auch durch die im Papier od. dgl. deponierten Ureasemengen gegeben, vgl. die tieferstehenden Beispiele 5 und 6.
Es wurde auch noch gefunden, dass sich mit den nach der Erfindung angegebenen Stoffen auch gekräu- selte bzw. dauergewellte Haare strecken lassen. Hiezu werden die erfindungsgemäss benützten Substanzen in Form einer Creme gebracht, die ein wesentliches Merkmal der Haarstreckmittel ist, da sie durch ihre
Konsistenz mithilft, das gekräuselte Haar allmählich in die gestreckte Form zu bringen. Dabei wird in üblicher Weise das Strecken des Haares durch Kämmen unterstützt, vgl. das tieferstehende Beispiel 7.
Es wurde ferner gefunden, dass die Verwendung von Soja-und Jackbohnenmehl sowohl eine besondere
Cremegrundlage als auch die Urease-Extraktion aus den ureasehaltigen Soja- und Jackbohnen erübrigt, wie das tieferstehende Beispiel 8 zeigt. Dabei fällt auch die Notwendigkeit einer Tubenverpackung fort.
Das Mittel besteht einerseits aus einer Flüssigkeit, die das nötige Ammoniumthioglykolat und Harnstoff gelöst enthält, und anderseits aus gemahlenem und grsiebtem Mehl aus Soja- und Jackbohnen, das in einem Beutel in entsprechender Menge arg. füllt ist. Vor dem Gebrauch wird die Flüssigkeit mit dem
Mehl angerührt.
Die Erfindung ist in den folgenden Beispielen, ohne sie jedoch hierauf zu beschränken, in mehreren
Ausführungsformen näher erläutert.
Beispiel 1 : Man stellt eine wässerige Lösung von z. B. 10 g Thioglykolsäure/100 ml mit Ammoniak oder einer andern Base mit Hilfe der Glaselektrode auf einen pH-Wert unter 7 ein, fügt 5 g Harnstoff zu und versetzt diese Lösung unter Durchschütteln kurz vor dem Gebrauch mit z. B. 100 mg Urease oder der entsprechenden Menge eines Urease enthaltenden Stoffes, z. B. Sojabohnenmehl oder dessen Extrakte.
Mit dieser Lösung werden die Haarsträhnen befeuchtet und sofort gewickelt. Erfahrungsgemäss be- nötigt der Friseur etwa 20 min, um die für eine Frisur nötige Anzahl von Wickeln auf den Kopf zu legen.
In dieser Zeit steigt der pH-Wert bei Raumtemperatur nicht über 7. Sobald jedoch die Wärmezufuhr be- ginnt, steigt infolge Entstehung von Ammoniak bzw. Ammoniumcarbonat, der pH-Wert rasch über 7 und die durch die Erwärmung begünstigte Verformung des Haares setzt ein. Messungen an einer Modell- lösung der oben angegebenen Zusammensetzung beweisen diesen charakteristischen Verlauf des PH-
Anstieges vor und nach der Wärmezufuhr, wie Fig. 4 zeigt. In analoger Weise veranschaulicht Fig. 5 die
Freisetzung von Ammoniak vor und nach der Wärmezufuhr.
Dadurch, dass die zur Verformung erforderliche Lösung während der zum Zurichten der Haarwickel benötigten Zeit einen pH-Wert unter 7 aufweist, vermeidet man zumindest jenen wesentlichen Schädigungs- faktor für die Haut der Hände, der bekanntlich durch die alkalische Einstellung der üblichen Kaltwell- präparate bedingt ist. Die Zeit, in der die Lösung pH-Werte unter 7 aufweist, lässt sich durch Einstellung auf einen entsprechenden niedrigeren Ausgangs-pH-Wert in genügend weiten Grenzen verlängern.
Ein weiterer Vorteil des erfindungsgemässen Verfahrens ist in der Tatsache zu sehen, dass, offenbar bedingt durch die gewissermassen kontinuierliche Entstehung von Ammoniak bzw. Ammoniumcarbonat, die Verformung des Haares ausserordentlich gleichmässig und ausgeglichen vom kopfhautnahen Ansatz bis zur Spitze erfolgt und Überkrausungen unmöglich sind.
Die für das Verfahren erforderlichen Lösungen können selbstverständlich auch andere geeignete Mercaptoverbindungen, ferner Zusätze üblicher Art, wie Netzmittel, Parfümöle und emulgierte Bestandteile, enthalten. Versuche ergaben, dass diese die Wirksamkeit der Urease nicht sehr wesentlich beeinflussen. Es empfiehlt sich aber angesichts der sehr unterschiedlichen Hemmwirkung, die diese Zusätze ausüben können, die am wenigsten oder gar nicht hemmenden Substanzen zu ermitteln, was in einfacher Weise ausführbar ist.
Es ist auch möglich, die Wirkung von an sich schon alkalisch eingestellten Mitteln durch Zusatz von Harnstoff und Urease zu verstärken, z. B. um das bei der Haarverformung sich verflüchtigende Ammoniak ständig durch eine entsprechende Ammoniumcarbonatmenge zu ersetzen.
Beispiel 2 : 5, 0 g Dithiodiglykolid und 5, 0 g Harnstoff werden in 100, 0 ml Wasser unter Erwärmen gelöst. Beim Abkühlen entsteht wegen der schweren Löslichkeit des Dithiodiglykolids eine milchig trübe Flüssigkeit. Setzt man nun vor Gebrauch 0, 6 g Urease hinzu, so bildet sich nach einiger Zeit Ammoniak ; die Lösung wird alkalisch und die Spaltung des Dithiodiglykolids setzt bei Erwärmung auf etwa 600 C ein.
Die Bildung des auf diese Weise entstehenden Thioglykolsäureamids ist in Fig. 11 in g/100 ml Lösung dargestellt, wobei die linksstehende Skala die prozentuale Aufspaltung in Thioglykolsäureamid angibt.
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Beispiel 3 : 7, 9 g Carbaminylthioglykolsäure und 5, 0 g Harnstoff werden in Wasser gelöst, mit Ammoniak vorsichtig auf pH 6, 8 gebracht und auf 100 ml verdünnt. Vor Gebrauch wird 1, 0 g Urease zugegeben.
Fig. 12 zeigt analog zu Fig. 11 den Verlauf der Spaltung, bezogen auf Thioglykolsäure (g/100 ml Lösung).
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Den Verlauf der Spaltung zeigt Fig. 13 analog zu Fig. 11 und 12.
Auf die inden Beispielen 2-4 beschriebene Weise werdensowoh 1 das Alkali als auch diekeratinerweichende Mercaptoverbindung erst nach einiger Zeit gebildet, und diese Zeit kann so bemessen werden, dass sie erst auf dem Haar, also während der üblichen Einwirkungszeit und nachdem der Friseur seine Arbeit mit dem Wickeln und Befeuchten der Haare beendet hat, erfolgt. Zur Beschleunigung der Spaltung der Ausgangsverbindungen werden die gewickelten Haare mittels einer Trockenhaube einer Erwärmung bis etwa 60 C ausgesetzt.
Beispiel 5 : Man wickelt das mit Wasser befeuchtete Haar unter Benutzung von 7, 5 cm x 5, 4 cm grossen ureasehaltigen Cellulosepapierblättchen, die 0, 25 Urease-Einheiten je cm aufweisen, in sonst üblicher Weise auf Kunststoffwickler und feuchtet die einzelnen Haarwickel mit einer Kaltwellflüssigkeit folgender Zusammensetzung nach :
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gute Haarverformungen.
Beispiel 6 : Haarsträhnen befeuchtet man mit einer Lösung von pH 5, 3, gebildet aus
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<tb> 11, <SEP> 8 <SEP> g <SEP> Ammoniumthioglykolat,
<tb> 5, <SEP> 0 <SEP> g <SEP> Harnstoff,
<tb> 0, <SEP> 5 <SEP> g <SEP> Zitronensäure <SEP> und
<tb> 2, <SEP> 0 <SEP> g <SEP> Ammoniumdihydrogenphosphat <SEP> in
<tb> 100, <SEP> 0 <SEP> ml <SEP> Wasser
<tb>
und wickelt mit 9 cm x 6 cm grossen Baumwolläppchen, die 0, 17 Urease-Einheiten je cm2 enthalten, in
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imprägniert mit diesem saugfähiges Papier oder Baumwollgewebe durch Einlegen. Nach dem Abtropfen oder Abquetschen des Flüssigkeitsüberschusses trocknet man die Träger bei 60 0 C und zerschneidet in Stücke passender Grösse. Anschliessend kennzeichnet man die Blättchen durch Angabe ihrer Wirksamkeit in Urease-Einheiten je cm2.
Beispiel 7 : 5, 4 g Cetylalkohol, 1, 8 g Paraffinöl und 3, 9 g Oleylalkohol (mit 20 Äthylenoxydgruppen) werden auf dem Wasserbad geschmolzen und mit 1, 5 g kolloidaler Kieselsäure, die in 25 g Wasser suspendiert ist, verrührt. Diese Masse wird mit 32, 3 g Wasser, worin
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<tb> 10, <SEP> 00 <SEP> g <SEP> 100%ige <SEP> Thioglykolsäure, <SEP>
<tb> 7, <SEP> 68 <SEP> cm3 <SEP> Ammoniak <SEP> (25%ig), <SEP>
<tb> 10, <SEP> 00 <SEP> g <SEP> Harnstoff,
<tb> 2, <SEP> 00 <SEP> g <SEP> Ammoniumhydrogenphosphat <SEP> und
<tb> 0, <SEP> 45 <SEP> g <SEP> Zitronensäure
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gelöst sind und das auf 60 C erwärmt ist, zu einer cremigen Emulsion verarbeitet, die in Tuben abgefüllt wird.
100, 0 g dieser Creme werden vor der Anwendung mit 3, 0 g Urease von etwa 320 Einheiten vermischt ; die Creme ist dann auftragsfertig.
Beispiel 8 : In 100, 0 ml Wasser werden 11, 8 g Ammoniumthioglykolat und 10, 0 g Harnstoff gelöst und in Flaschen abgefüllt. Dazu wird ein Beutel mit einer Mischung aus je etwa 30, 0 g Soja- und Jackbohnenmehl gegeben, das gemahlen und durch ein Sieb der Grösse DIN 20 gesiebt wurde.
Vor dem Gebrauch wird die Flüssigkeit mit dem Mehl angerührt und sogleich auf das Haar aufge- tragen.