<Desc/Clms Page number 1>
ÖSTERREICHISCHES PATENTAMT Zusammengesetztes Textilgarn
EMI1.1
ser Art enthält nur einen einzigen Faden, der mit der Lunte verzwirnt ist. Dieses Garn wird für die Bandagen von Luftreifen oder für Kabel verwendet. Für gewisse Waren ist dieses Garn ungeeignet, weil die Stapelfasern das Bestreben haben, in bezug auf den endlosen Faden zu gleiten. Nur ein sehr starker Zwirn konnte dieses Gleitbestreben begrenzen, ohne es gänzlich zu beseitigen. Die Verbindung zwischen Lunte und Faden war im übrigen nicht ausreichend, um die Eigenschaften des zusammengesetzten Garnes ge- genüber jenen des Fadens zu verbessern. Das zusammengesetzte Garn hatte kaum grössere Festigkeit als der Faden, der im allgemeinen fester war.
Es ist ferner bekannt, eine Lunte, die einen sehr hohen Gewichtsanteil am zusammengesetzten Garn hat, mit zwei gesponnenen Fäden zu umwickeln oder einen Faden mit zwei Lunten zu vereinigen. In beiden Fällen ergibt sich ein Garn, dessen Stapelfasern in keiner Weise festgehalten sind und sich leicht herausziehen lassen.
Die Erfindung bezweckt, die Nachteile der bekannten Garne zu beseitigen und überdies ein Garn zu schaffen, das einerseits das Aussehen und den Griff eines Wollgarnes aufweist und anderseits eine höhere Festigkeit, so wie ein Faden aus endlosen Fasern synthetischen Materials, hat. Erfindungsgemäss wird dies dadurch erreicht, dass das Garn aus einem Bündel von im wesentlichen unverdrehten Stapelfasern und aus mindestens zwei mit diesem Bündel verzwirnten Bündeln endloser Fasern besteht und dass die Gewichtsanteile der Stapelfasern und der endlosen Fasern in an sich bekannter Weise angenähert gleich sind.
Auf diese Weise sind die Fasern der Lunte zwischen den Fäden eingebettet. und es gibt keine Seele und äussere Fäden, sondern durch die Verdrillung aller Elemente miteinander treten die Stapelfasern an die Oberfläche. Die Fäden spielen die Rolle einer biegsamen und gegebenenfalls elastischen Versteifung, während die Stapelfasern den wollähnlichen Griff des zusammengesetzten Garnes ergeben.
Die Fäden können"Textur"aufweisen, d. h.. ihre Fasern können gekräuselt, genoppt oder sonstwie verformt sein. Sie können aus synthetischem oder künstlichem Material bestehen. Mit Vorteil wird ein Faden verwendet, der unter der Markenbezeichnung"BAN-LON"in den Handel kommt, aus Superpolyamid besteht und dessen Fasern gekräuselt sind, wie dies in den franz. Patentschriften Nr. 1. 012. 984 und' Nr. 1. 049. 436 beschrieben ist.
Das Verhältnis der Elementarfäden zur Lunte innerhalb des zusammengesetzten Garnes muss unter Berücksichtigung der Eigenschaften der herzustellenden Waren gewählt werden, je nachdem, ob es sich um ein Gewebe, eine Wirkware oder irgend ein anderes Erzeugnis handelt. Vom genauen mittleren Verhältnis 50. : 50 kann abgewichen werden, wenn dies die spätere Behandlung des Garnes erfordert.
Die Anfangsdrehungen, welche den das zusammengesetzte Garn bildenden Elementen-Lunte oder Fäden-gegeben werden, sind eine Funktion des endgültigen Drahtes des Garnes, der wieder von der Verwendung des Garnes, sei es als Einzelgarn, sei es als Zwirn, für Kleiderstoffe, Tuche, Wirkware, Schnittware oder Möbelstoff, abhängt.
Bei den Garnen gemäss der Erfindung kommen ihre Vorteile nach einer Schrumpfung besonders zur Geltung. Die Schrumpfung kann an der fertigen Ware, also am Gewebe oder an der Wirkware, vorge-
<Desc/Clms Page number 2>
nommen werden. Es ist jedoch auch möglich, das zusammengesetzte Garn selbst zu schrumpfen.
Im allgemeinen weist das Garn nach der Erfindung eine vollkommene Regelmässigkeit und einen gu- ten, für leichte, wärmehaltende und gut aussehende Waren geeigneten Aufbau sowie ein praktisch ver- doppeltes Deckvermögen auf. Überdies haben die aus dem Garn hergestellten Waren eine ausserordent- liche Stabilität in dem Sinne, dass sie kein Bestreben zur Formänderung oder zum Einlaufen beim Wa- schen oder Tragen haben. Schliesslich sind die Garne sehr weich und ihre Festigkeit und ihr Widerstand gegen den "Pilling-Effekt", das ist die Eigenschaft, kleine Knoten an der Oberfläche der gewirkten oder gestrickten Ware zu bilden, ist wesentlich höher als bei ähnlichen Erzeugnissen.
Es wurde gefunden, dass Garne gemäss der Erfindung, welche auf Direktspinnmaschinen, sogenann- ten"Stains", verarbeitet werden können, es gestatten,. den auf diesen Maschinen sonst notwendigen
Drehungskoeffizienten von z. B. ungefähr 100 Drehungen pro Meter auf etwa 75 Drehungen pro Meter her- abzusetzen, wodurch der Vorschub des Garnes wesentlich erhöht werden kann.
Der Erfindungsgegenstand ist im nachstehenden an Hand der Zeichnung näher erläutert, in der die
Fig. 1 und 2 in schematischer Darstellung eine übliche Spinnmaschine in zwei Ansichten und Fig. 3 eine
Ansicht des zusammengesetzten Garnes vor und nach seiner Behandlung zeigen.
Die Zuführungswalzen la und 1b fördern eine aus parallelliegenden Stapelfasern od. dgl. bestehende
Lunte 2. Diese wird von einem Streckwerk erfasst, das aus Walzen 3, einem Riemen 4 und Walzen 5,6, 7 besteht. Nach der Verstreckung wird die Lunte den Lieferwalzen 8a und 8b zugeführt.
Zwei endlose Fäden 9 und 9'werden über eine Rolle 10 gleichzeitig in den Spalt zwischen den Wal- zen 8a und 8b eingeführt, wobei sie zu beiden Seiten der Lunte 2 zu liegen kommen. Die aus den Liefer- walzen austretende Lunte 2a ist vor ihrer Vereinigung mit den endlosen Fäden 9a, 9'a nur auf geringer
Länge gar nicht oder nur schwach gedreht. Hieraus folgt, dass die Lunte 2a, obwohl sie praktisch ohne
Draht in das zusammengesetzte Garn eintritt, überraschenderweise das bisher stets beobachtete Bestre- ben, in bezug auf die Fäden zu gleiten, nicht aufweist. Am Ausgang der Lieferzylinder werden die drei
Elemente vereinigt und ergeben ein gezwirntes Garn 11, das auf die sich drehende Spule 12 aufläuft.
Die anfänglichen Drehungen der Lunte 2 und der Fäden 9 und 9'sind Null und der Drehungskoeffi- zient, der dem zusammengesetzten Garn 11 verliehen wird, beträgt im S- oder Z-Sinne wenigstens 65
Drehungen pro Meter.
Im allgemeinen ist die dem zusammengesetzten Garn erteilte Anzahl der Drehungen auf den Meter proportional der Quadratwurzel aus der metrischen Garnnummer des herzustellenden Garnes. Wenn ein gezwirntes Garn hergestellt werden soll, so kann das Garn 11 mit einem von einer zweiten Spinnmaschi- ne gelieferten Garn 11'verzwirnt werden. In diesem Fall beträgt der Koeffizient des dem Garn 11 erteilten Drahtes wenigstens 75 Drehungen pro Meter. Die beiden Garne werden im umgekehrten Sinne verzwirnt, u. zw. in der Richtung Z, wenn das Garn 11 S-Draht aufweist, wobei der Koeffizient für einen zweiteiligen Zwirn einen Wert von ungefähr 76 Drehungen pro Meter erreichen kann.
Im allgemeinen ist der Draht, gerechnet auf den Meter Zwirn, proportional der Quadratwurzel aus dem Quotienten aus der metrischen Garnnummer und der Fadenanzahl. Je nach der gewünschten metrischen Garnzahl des zu bildenden Garnes wird das Gewichtsverhältnis der Lunte zu den endlosen Fäden 9 und 9'im Bereich von 50 : 5Q geändert. Für ein Garn Nm 28 mit Elementarfäden aus Superpolyamid von 70 den verwendet man 53 Gew.-% Lunte und 47 Gel.-% Fäden. Für ein Garn Nm 40 mit Superpolyamidfäden von 40 den verwendet man 59 Gew.-% Lunte und 41 Grew.-% Fäden.
Bei einem solchen Garn wird die metrische Garnnummer 40 beim Verlassen der Spinnmaschine gemessen, denn nach der weiteren Behandlung des Garnes erreicht die Garnnummer einen Wert 34, was einer Herabsetzung um 15% entspricht.
Die so erhaltenen Garne (Fig. 3 links) werden einer Behandlung mit lauwarmen Wasser unterworfen und hierauf getrocknet, um den Fäden eine Schrumpfung zu erteilen, die höher als jene der Lunte ist.
Man erhält alsdann Garne, wie solche in der rechten Hälfte der Fig. 3 dargestellt sind, aus der leicht die Erhöhung des Deckvermögens erkennbar ist.
Im nachstehenden werden einige besondere Eigenschaften des Garnes gemäss der Erfindung hinsichtlich Festigkeit und Deckvermögen besprochen. Das Deckvermögen wird nach dem Durchmesser des Garnes vor und nach seiner Behandlung bewertet. Hinsichtlich des Durchmessers ist das unbehandelte Garn dem behandelten Garn vergleichbar. Der. Durchmesser des behandelten Garnes war annähernd doppelt so gross wie derjenige des unbehandelten Garnes.
Hinsichtlich der Festigkeit des Garnes haben die mit einem Garn Nm 56 aus zwei Fäden mit endlosen Superpolyamidfasern und einer Lunte aus Wolle angestellten Versuche. eine Zugfestigkeit von 390 Gramm für das zusammengesetzte Garn ergeben, während jeder der Fäden mit 40 den eine Zugfestigkeit von
<Desc/Clms Page number 3>
140 Gramm und die nichtgedrehte Lunte eine Festigkeit Null aufwies.
PATENTANSPRÜCHE :
1. Zusammengesetztes Textilgarn, das eine Lunte aus Stapelfasern und wenigstens einen Faden aus endlosen Fasern synthetischen Materials enthält, dadurch gekennzeichnet, dass es aus einem Bündel von im wesentlichen unverdrehten Stapelfasern und aus mindestens zwei mit diesem Bündel verzwirnten Bilndeln endloser Fasern besteht und dass die Gewichtsanteile der Stapelfasern und der endlosen Fasern in an sich bekannter Weise angenähert gleich sind.