<Desc/Clms Page number 1>
EMI1.1
Die Erfindung bezieht sich auf das Gleichrichten, Einstreichen, Fernhalten u. a. von Haaren, Fasern,
Wolle u. a. beim Nähen, Zusammenfügen, Kleben u. a. von Fellen und Pelzen und pelzähnlichem Ma- terial und entsprechenden Textilien.
Die Schwierigkeit beim Nähen von Material, das einseitig mit Haaren bedeckt ist, besteht darin, dass die wirr und ungeordnet stehenden Haare vor dem Zusammennähen von der Nahtkante weggestreift und geordnet werden müssen. Diese, das Nähen vorbereitende, deshalb im Zug der Gesamtarbeit intermittierende Zwischenarbeit ist umständlich und zeitraubend, weil jeweils nach etwa 3 - 6 cm durchgeführter Naht die Maschine stillgesetzt werden muss, um die auf der nächsten Teilstrecke nach allen Richtungen stehenden Haare von der Näherin wieder mittels eines dünnen Gegenstandes, beispielsweise eines Dornes oder eines Pinsels od. dgl. von Hand gleichzurichten, d. h. von der Nahtkante wegzustreifen.
Zur Verbesserung dieser unwirtschaftlichen Betriebsweise sind bisher folgende Vorschläge bekanntgeworden :
Mechanisch betriebene Einrichtungen, z. B. Haarabweiser mit pflugscharähnlich ausgebildeten Schaufeln, sind nur bedingt brauchbar. Diese Einrichtungen haben den Nachteil, dass sie nur für eine sehr geringe Anzahl von Fellarten brauchbar sind. Ausserdem sind sie bei kurzen Fellstreifen eher hinder- lich als fördernd und zeitsparend ; das Fernhalten der Haare von der Nahtkante am Anfang (und Ende) des Nähprozesses ist bei diesen Einrichtungen nach wie vor eine manuelle Angelegenheit.
Haarabweiser mit beweglichen Elementen, gleichgültig ob in Form von rotierenden Scheiben, auch mit Bürsten besetzt oder endlos laufenden Riemen u. a., haben sich nicht bewährt, da sie teilweise Haare aus ihrer Unterlage herausreissen. Ferner können diese Gleichrichteinrichtungen oft nicht so klein gebaut und doch so wirksam angesetzt werden, dass sie beim raschen Nähen der Bedienung nicht hinderlich im Wege sind. Die durch das Zuschneiden des Nähgutes unvermeidliche teilweise Abscherung von Haaren, die dann zum Teil noch lose an und in der Nähe der Schnittkante hängen, werden bei der weiteren mechanischen Gleichrichtung leicht von den sich bewegenden Teilen (Abstreifeinrichtungen, Rollen, Früh- rungen usw.) mitgerissen und verstopfen nach kurzer Zeit die Lagerungs-und Führungsteile.
Die an sich bekanntgewordenen elektrostatisch wirkenden Einstreichvorrichtungen vermögen eventuell Haare nach einer bestimmten Richtung auszulenken ; die Kräfte sind aber erfahrungsgemäss so schwach, dass sie nicht in der Lage sind, die Haare zu entwirren oder gar so sauber von der Nahtkante fernzuhalten, dass sie nicht von der Nadel erfasst und eingenäht werden. Bei Verstärkung der elektrostatischen Wirkung dagegen werden nicht nur die Haare, sondern auch die gesamte Fellunterlage angezogen. Der Nähprozess wird hiedurch nicht erleichtert, sondern erschwert.
Das pneumatische Gleichrichten von Haaren mittels einer Saugdtise hatin der bisher bekannten Form mehr die Eigenschaft des Staubsaugens als des brauchbaren Einstreichens der hinderlichen Haare. Saugdüsen allein können ebensowenig wirkungsvoll angesetzt werden wie z. B. elektrostatische Einrichtungen.
Bei schwacher Saugwirkung werden die Haare nicht genügend gleichgerichtet, bei Verstärkung der Saugwirkung dagegen die Haare samt der Fellunterlage angesaugt bzw. umgebogen.
Es sind auch Einrichtungen bekanntgeworden, die mit Druckluft arbeiten und die Haare gleichrichten.
<Desc/Clms Page number 2>
sollen. Bei einer bekannten Haareinstreichvorrichtung für Pelznähmaschinen ist ein pflugscharähnliches
Spreizwerkzeug vorgesehen, das von oben über die Werkstückkante nach unten reicht, und dem ein druck- luftführender Schlauch vorgeschaltet ist. Das Spreizwerkzeug mit Druckluftschlauch liegt vor der Stich- bildungsstelle und lässt sich in seiner Höhenlage gegenüber dem Werkstück einstellen. Diese bekannten
Einrichtungen haben aber den Nachteil, dass sie wie die zum Teil vorgenannten Hilfseinrichtungen nicht nur die Haare, sondern auch die gesamte Fellunterlage einrollen bzw. noch vor dem Nähen nach unten biegen. Bei dünnen und schmalen Unterlagen wie z.
B. den Fellen der Bisamratte, wirkt sich dieser Man- gel besonders nachteilig aus.
Es hat sich gezeigt, dass alle bekannten Vorrichtungen und Geräte, durch welche die Haare vor dem
Nähen rasch und sauber von der Nahtkante ferngehalten werden sollen, den Forderungen der Praxis nicht genügen. Dies ist wohl auch ein Grund, warum diese bekannten Verfahren und Vorrichtungen keinen Ein- gang in die Praxis gefunden haben.
Gegenüber den bekannten Vorrichtungen beruht der Erfindungsgedanke auf dem systematischen Aufbau pneumatischer Einrichtungen, die in Verbindung mit einer mechanischen Kombination ein rasches, gleichmässiges und sicheres Anlegen und Gleichrichten der Haare ermöglichen. Bei einer einwandfrei ausgeführten Naht an Fellen dürfen nämlich keine Haare eingenäht sein. Wenn dies der Fall ist, sind auf der behaarten Unterlage kahle, d. h. haarfreie Stellen zu sehen, was unschön aussieht und die Qualität des Endproduktes, z. B. eines Pelzmantels, erheblich vermindert.
Alle diese Mängel werden bei einer Haareinstreichvorrichtung für Pelznähmaschinen mit einem vor der Stichbildungsstelle liegenden, in seiner Höhenlage einstellbaren, von oben über die Werkstückkante nach unten reichenden Spreizwerkzeug und einer druckluftführenden Düse, die in der Durchlaufrichtung der Pelzteile vor dem Spreizwerkzeug angeordnet ist, vermieden, wenn erfindungsgemäss zusätzlich hinter dem Spreizwerkzeug mindestens eine druckluftführende Düse angeordnet ist, der vorzugsweise eine Saugdüse unterhalb der Werkstückkante zugeordnet sein kann, die mit sämtlichen druckluftführenden Düsen zusammenwirkt.
Ein weiteres wesentliches Merkmal der Erfindung ist die Anordnung eines verstellbaren Anschlages am Spreizwerkzeug. Dieser Anschlag hat die Aufgabe, verschieden grosse Abstände der Naht von den beiden oberen Fellkanten zu ermöglichen, derart, dass, falls erwünscht, die Naht tiefer in den Fellstreifen verlegt werden kann, so dass entsprechend auch eine stärkere Nahtwulst erzielt wird.
Die druckluftführenden Düsen sind vorzugsweise auf beiden Seiten des konisch ausgebildeten Spreizdomes angeordnet und münden in einen oberhalb dieses Spreizdornes liegenden gemeinsamen Druckluftzuführkanal. Ein weiteres wesentliches Merkmal ist, dass die Düsen unmittelbar neben dem Spreizdom angeordnet sind, so dass eine kombinierte mechanisch-pneumatische Wirkung mittels der erfindungsgemässen Haareinstreichvorrichtung erreicht wird. Es empfiehlt sich weiterhin, die Düsenaustritts-Quer- schnitte in bezug auf das zu nähende Pelzgut gleich hoch anzuordnen und die Querschnitte vorzugsweise gleich gross auszuführen, so dass vor und hinter dem Spreizdom scharfgerichtete Luftstrahlen von etwa gleicher Stärke auf das Pelzgut einwirken.
Wenn man den Druckluftdüsen eine unterhalb der Werkstückkante befindliche, sich über den Bereich sämtlicher Druckluftdüsen erstreckende einzige Saugdüse zuordnet, wird der entlang der Haarseite der Fellstreifen vorbeigedrückte, gerichtete Luftstrom ohne Ablenkung und geschlossen in die Saugdüse einmünden. Es empfiehlt sich, die Saugdüse so anzuordnen, dass sie in der Projektion der Druckdüse liegt.
Um die Blasdüsen über dem zu nähenden Fell genau einstellen zu können, und um somit die Stärke des Luftstromes entsprechend der Haarart, ihrer Stärke und der natürlichen Elastizität anpassen zu können, wird die pneumatische Gleichrichtvorrichtung mit Spreizwerkzeug, Düsen und Anschlag in der Höhe fein verstellbar und je nach Nähgut und Arbeitsprozess-z. B. Anfang und Ende des Nähgutes - durch eine einfache mechanische Einrichtung ein-und ausfahr-, verschieb-, dreh-, aussschwenkbar u. a. angeordnet.
Darüber hinaus können zum Nähen verschiedener Felle auch verschiedenstarke Spreizwerkzeuge mit Blasdüsen auswechselbar vorgesehen werden.
Es ergibt sich somit eine alle praktischen Anforderungen erfüllende Vorrichtung, die auch bei sehr schnellaufenden Pelznähmaschinen, z. B. 3500'Stiche pro Minute, in hervorragender Weise verwendbar ist.
Die Erfindung soll an Hand der Zeichnungen näher beschrieben werden, in denen die Erfindung an Ausführungsbeispielen schematisch dargestellt ist.
Fig. l ist eine Vorderansicht der pneumatischen Vorrichtung ohne Einrichtungen zum Ein- und Ausfahren, Verschieben, Drehen, Ausschwenken u. a., die in der Gesamtapparatur noch angebracht ist. Fig. 2 ist ein Längsschnitt durch das Blasdüsensystem mit Spreizwerkzeug und Anschlag. Fig. 3 ist eine Drauf-
<Desc/Clms Page number 3>
sicht auf einen Querschnitt nach Linie A-B der Fig. l. Fig. 4-6 sind einige Schnittdarlegungen aus Fig. l.
Durch die Anordnung der Vor- und der Nachblasdüse 17/18 mit Spreizwerkzeug 11 und Ringanschlag 16 werden, vorwiegend durch (eventuell vorgewärmten) Blasstrahl- kontinuierlich oder diskontinuierlichunmittelbar vor der Stichbildstelle 15 die Haare 10 gleichgerichtet und von der Nahtkante 19 entfernt, ohne jedoch von ihrer Unterlage 13 losgerissen bzw. zusammen mit der Unterlage 13 eingerollt zu werden.
Ein unterhalb des Blasstrahls 12 wirkender Saugstrahl 14 erhöhl die Wirkung des Blasstrahls 12 dadurch, dass er besonders lange Haare 10 senkrecht nach unten zieht. Gleichzeitig werden lose Haare sowie staubförmige Bestandteile abgesaugt.
Damit nun der Blas- und der Saugstrahl 12/14 alle hinderliche Haare 10 von derStichbildstelle 15 erfassen kann, ist vor der Verbindungsstelle der Nähgutteile ein Spreizwerkzeug 11 mit verstellbarem Anschlag 16 angebracht, das die Nähgutteile auf entsprechendem Abstand hält und ihnen gleichzeitig Führung und Richtung verleiht. Gleichzeitig verhindert das Spreizwerkzeug 11 das Umbiegen (Einrollen) der Fellunterlage 13 mit Haaren 10, was ohne Spreizwerkzeug il, besonders bei weichen Fellen, nicht mögi lich ist.
Das einwandfreie Gleichrichten der Haare 10 wird aber erst dadurch erreicht, dass vor dem Spreizwerkzeug 11 eine oder mehrere Vorblasdüsen 17 angeordnet sind, durch deren Luftstrahl die Haare 10 zunächst vorgerichtet werden. Unmittelbar hinter dem Spreizwerkzeug 11, also kurz vor der Stichbildstelle 15, sind eine oder mehrere Nachblasdüsen 18 angeordnet, welche die eventuell noch nicht gerichteten hinderliche Haare 10 vollends restlos von der Nahtkante 19 bis zu dem Augenblick des Nähens fernhalten.
Das pneumatische Gleichrichtverfahren mit Vorblasdl1se 17, Spreizwerkzeug 11 mit Anschlag 16 und Nachblasdilse 18, wie in der beispielsweisen Ausführungsform gezeigt, lässt extrem hohe Vorschubge- schwindigkeiten beim Nähen mit Maschine zu. Das Verfahren eignet sich aber auch für das Nähen von Hand und andere entsprechende Nähverfahren. Es zeichnet sich besonders durch seine Einfachheit im Aufbau und in der Handhabung aus. An der Nähmaschine oder am Arbeitstisch angebracht ist es gleichgültig, ob das Nähgut von links, von rechts oder von unten zugeführt wird. Der angestrebte Zweck wird fn allen Fällen einwandfrei erreicht.
PATENTANSPRÜCHE :
EMI3.1
in seiner Höhenlage einstellbaren, von oben über die Werkstückkante nach unten reichenden Spreizwerkzeug und einer Druckluft flihrenden Düse, die in der Durchlaufrichtung der Pelzteile vor dem Spreizwerkzeug angeordnet ist, dadurch gekennzeichnet, dass zusätzlich hinter dem Spreizwerkzeug (11) mindestens eine Druckluft führende Düse (18) angeordnet ist, und dass vorzugsweise eine Saugdüse (14) unterhalb der Werkstückkante (19) angeordnet ist, die mit sämtlichen Druckluft führenden Düsen(17,18) zusammenwirkt.