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Österreichische
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Mit der vorliegenden Erfindung wird bezweckt, auf trockenem Wege Stärke und stärkehaltige Stoffe aufzuquellen oder aufzulockern, so dass dieselben porös werden, um ihren Nährwert zu steigern und sie besser und vollständiger verdaulich zu machen sowie die Verwendung derselben für andere Zwecke, z.
B. zur Herstellung von Klebstoff zu erleichtern. Die Erfindung beruht auf dem Vorgange, dass die in den Zellen der stärkehaltigen Stoffe enthaltene Flüssigkeit, welche nachstehend als Körnerfüssigkeit bezeichnet werden soll, benutzt werden kann, die Stärkezellou in wirklich trockenem Zustande aufzutreiben oder zu quellen, und zwr gleichmässig nach allen Richtungen, wobei die Stärke gelockert und äusserst porös gemacht wird, so dass sie vollständig verdaut und von Flüssigkeiten aufgenommen wird.
Ein solcher Vorgang findet statt, wenn die Körnerflüssigkeit veranlasst wird, plötzlich in den dampfförmigen Zustand überzugehen oder mit anderen Worten mit solcher Geschwindigkeit zu explodieren, dass sie nicht unter Diffusion durch die Ilülle der Zellen treten kann.
Zur Ausführung der Erfindung wird Stärkematerial, worunter Stärke aller Art und alle stärkehaltigen Stoffe und Produkte, wie z. B. jede Art Getreide und stärkehaltige Samen oder Kerne zu vrstehen sind, unter erhöhtem Druck. z. B. unter Anwendung komprimierter Luft, über den Siedepunkt der Körnerflüssigkeit bei normalem Luftdruck bezw. was praktisch dasselbe ist, über den Siedepunkt des Wassers bei normalem Luftdruck.
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masse auf ein Vielfaches ihres ursprünglichen Volumens eintritt und das Stärkematerial gleichmässig zu einer sehr porösen Masse aufschwillt.
Die Aufschwellung ist derart, dass () ie aus zahlreichen Zellen bestehenden Körner oder dgl. ihre ursprüngliche Form beibehalten und eine viel vergrösserte Kopie des ursprünglichen Körpers darstellen, voraus- gesetzt, dass die angewandte Hitze genügend ist, um dem Körnermaterial nach der Explosion
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ist unten angegeben und es ist wahrscheinlich, dass dieselbe die Stärkezellen genügend erweicht, so dass sie klebrig werden.
Für die Aufschwellung der Stärkestoffe ist es nicht erforderlich, den ganzen, auf das Stärkematerial während seiner Erhitzung wirkenden Druck völlig auizuheben, sondern es kann auch bei einer Erniedrigung des Druckes die Körnerflüssigkeit genügend zur Expansion gelangen, um das Aufschwellen zu veranlassen.
Das Verfahren kann beispielsweise folgendermassen ausgeführt werden : Das Stärkematerial wird in ein Gefäss gebracht, welches hierauf luftdicht verschlossen wird. Das
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Punkt zu bringen, z. H. 125 bis 300 C, welche Temperatur nur kurze Zeit, z. H. nicht über 45 Minuten aufrecht erhalten wird. Die Erhitzung des Gefässes bewirkt naturgemäss eine Erhöhung des Druckes der in den) Gefässe eingeschlossenen Luft.
In diesem erhitzten Zustande wird das Gefäss plötzlich geöffnet, wodurch der Druck in demselben schnell auf
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ist es von Wichtigkeit, ein Gefäss anzuwenden, dessen Rauminhalt genügend gross ist, das angeschwollene Material aufzunehmen oder das Gefäss in der Weise auszugestalten, dass eine schnelle Entleerung desselben beim Öffnen stattfindet. Wenn gewünscht, können
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auch besondere Mitte ! angewandt werden, um das Stärkematerial unter hohem Druck zu halten und den Siedepunkt* derselben zu erhöhen ; z.
B. kann während der Erhitzung Luft in das mit dem Stärkematerial gefüllte Gefäss eingepresst werden ; in diesem Falle ist der luftdichte Abschluss nicht von Wichtigkeit, vorausgesetzt, dass der Luftver ! nst nicht grösser ist, als der Ersatz, den der Luftdruckapparat zur Aufrechterhaltung des gewünschten Druckes leisten kann. Der Druck im Gefässe soll etwa 7-8 Atm., jedoch nicht unter 5 Atm. betragen. Bei der Ausführung des Verfahrens darf das Stärkematerial nicht zu lange auf der höchsten Temperatur erhalten werden, da es sonst anbrennen könnte, wodurch die plötzliche Expansion der gebildeten Gase beeinträchtigt würde. Andererseits darf das Material auch nicht zu kurze Zeit auf der höchsten Temperatur erhalten werden.
Die oben angegebenen Grenzen betreffs Zeit und Temperatur haben sich zur Erzielung bester Resultate als die geeignetsten ergeben. Wenn die Temperatur, auf welche das Material gebracht wird, zu niedrig ist, so wird die Körnerflüssigkeit nicht zum Sieden gebracht und dann bei der Verminderung des Druckes nicht in Dampf übergehen. Wird bei der Ausführung des Verfahrens der Druck nicht mit genügender Geschwindigkeit vermindert, so wird zwar die Köruerfltissigkeit in Dampf oder Dunst verwandelt werden, jedoch so langsam, dass ein Aufschwellen nicht hervorgerufen wird. Für das erhitzte Stärkematerial muss genügend Raum vorhanden sein, in dem es sich frei ausdehnen kann. da sonst das Aufquellen behindert wird.
Jedoch soll auch ein nicht zu grosser Raum über dem Material frei sein, da sonst eine zu starke Diffusion zwischen der Körnernüssigkeit und dem im genannten Räume enthaltenen Gas eintreten könnte. Die besten Resultate werden bei Fütiung des Gefässes zu Höhe erhalten ; jedoch muss beim Aufheben des Druckes eine grosse Öffnung zum Entweichen des aufschwellenden Materials vorhanden sein.
Das Verfahren unterscheidet sich von bisher bekannten Methoden zur Behandlung von Stärkematerialien dadurch, dass letztere einem Druck in trockenem Zustande unterworfen werden und dass der Druck am Ende des Prozesses plötzlich anfgehoben wird. Diese beiden Merkmale sind für das Gelingen des Verfahrens von Wichtigkeit. Ist das Material feucht oder wird der Druck nicht plötzlich aufgehoben, so werden ganz andere Ergebnisse erzielt. Während die besten Ergebnisse erzielt werden. wenn das zu behandelnde Material lufttrocken ist, so können in dieser Hinsicht doch beträchtliche Abweichungen stattfinden.
Ist aus dem Stärkematerial, z. B. durch Dörren, ein Teil der Körnerflüssigkeit entfernt, so wird das Verfahren dennoch Erfolg haben, jedoch ist die AufschweHung keine rosse.
Andererseits wird eine geringe Menge Feuchtigkeit ausser der Körnerflüssigkeit entweder im Material selbst oder in dem im Gefässe enthaltenen (rase den Prozess nicht beeinträchtigen.
Das durch das vorliegende Verfahren erhabene Produkt ist ein sehr poröses Stärkematerial, welches genau Gestalt und Erscheinung des ursprünglichen Produktes bewahrt hat, jedoch bedeutend grösser ist. Es wird in dieser aufgelockerten Form vom Speichel und Magensaft völlig aufgelöst und bildet'ein fertiges Nahrungsmittel, welches tatsächlich trocken gekocht ist. Es kann leicht zur Emulsion gebracht werden, indem man einfach Wasser oder eine andere Flüssigkeit zusetzt, so dass die so erhaltene Masse zum Kleben benutzt worden kann.
Im Falle es sich darum handelt, reine Stärke oder wesentlich reine
Stärke, wie Sago oder Tapioka in ein Produkt zu verwandeln, welches mit Wasser an- gerührt einen Klebstoff bildet, kann die Temperatur des Materiales über den oben angegebenen Punkt his zu 2000 C erhöht werden. Bei dieser Temperatur steigt der Druck bis auf 14 Atm. und es findet eine teilweise Umwandlung in Dextrin statt, wodurch die klebende Eigenschaft des Produktes wesentlich erhöht wird.
PATENT-ANSPRÜCHE : L Verfahren zum Aufschliessen von Stärke bezw. von stärkehaltigen Stoffen, dadurch gekennzeichnet, dass diese Stoffe unter Ausschluss von Feuchtigkeit und bei erhöhtem Druck über den Siedepunkt der in den Stärkekörnern enthaltenen wässrigen Flüssigkeit erhitzt werden und dann der Druck rasch so weit vermindert bezw. aufgehoben wird, dass die Stärkekörner durch eine plötzliche Dampfbildung in ihrem Inneren zu einer sehr porösen Masse aufgebläht werden.