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Verfahren zum stufenweisen Vermahlen von Getreide.
In der Müllerei benutzt man zum Vermahlen des Getreides Walzenstühle, deren Arbeitswalzen mit verschiedenen Geschwindigkeiten umlaufen. Der Regel nach erfolgt die Vermahlung stufenweise mit mehr oder weniger weit bzw. eng gestellten Walzen. In grösseren, vollautomatisch arbeitenden Mühlen, wo für die verschiedenen Schrotungen mehrere Walzenstühle vorgesehen sind, arbeiten die verschiedenen, den einzelnen Stufen entsprechenden Passagen nebeneinander, während in kleineren Mühlen, die mit wenigen oder gar mit nur einem Walzenstuhl arbeiten, das Mahlgut die gleichen Walzenstühle bzw. den gleichen Walzenstuhl mehrmals durchlaufen muss. Im ersten Falle hat der Müller die Möglichkeit, die Geschwindigkeit der langsam laufenden Walze, die Zahl und den Drall der Walzenriffeln den jeweils gegebenen Verhältnissen einigermassen anzupassen.
Im zweiten Falle dagegen vermag er mit dem einen oder den wenigen Walzenpaaren an den vorhandenen Verhältnissen nichts oder nicht viel zu ändern. In allen älteren und neuzeitlichen Mühlen aber, gleichviel, ob die einzelnen Schrotungen nebeneinander in einer grösseren oder hintereinander in einer kleineren Anzahl von Maschinen durchgeführt werden, stets ist der Gesehwindigkeitsuntersehied zwischen den beiden Walzen durch das Übersetzungsverhältnis des Zahnradantriebes festgelegt, welches im allgemeinen bei Schrotung 1 : 2'5, bei Mahlung l : 1-25 bis 1-50 beträgt und selten über 1 : 3 hinausgeht, letzteres schon deshalb, weil der durch die Bedingungen der Praxis an die Walzendurchmesser gebundene Walzenabstand weder Räderübersetzungen noch Stufenscheibenantriebe anzuwenden gestattet, durch die grössere Übersetzungen als 1 : 3 oder höchstens 1 :
4 erreichbar wären. Anderseits ist bei Müllern das Vorurteil fest eingewurzelt, dass das Übersetzungsverhältnis von 1 : 3 nicht überschritten werden darf. Die Beeinflussung der Vermahlung des Getreides hat man daher bislang hauptsächlich durch Eng-oder Weitstellen der Walzen, d. h. durch Steigern oder Vermindern des Druckes zwischen den Walzen zu erreichen gesucht. Die Drucksteigerung ergibt aber der Regel nach nicht die erwartete Wirkung, vielmehr wird das Mahlgut gequetscht, anstatt zerrieben oder aufgelöst zu werden, und Druckminderung allein führt erst recht nicht zum Ziel. Anderseits ergibt sieh bei starker Steigerung des Druckes zwischen den Walzen der Übelstand, dass die Reibungswiderstände innerhalb der Gleitlager, in denen die Walzenzapfen ruhen, stark wachsen, zu ihrer Überwindung also ein hoher Kraftaufwand erforderlich ist.
Die Erfindung beruht auf der Feststellung, dass es möglich ist, die genannten Übelstände und Schwierigkeiten zu belieben und die Vermahlungsarbeit von den ersten Schrotungen bis zur letzten Ausmahlung auf nur einem Walzenstuhle in geradezu idealer Weise ganz oder zum Teil durchzuführen unter Gewinnung eines Mehles von hervorragender Backfähigkeit, wenn die Beeinflussung der Vermahlung in den verschiedenen Stufen des Vermahlungsprozesses (Schroten, Auflösen, Ausmahlen) anstatt vorwiegend durch Änderung des Druckes zwischen den Walzen, wie dies bisher üblich war, hauptsächlich durch stetiges Ändern der Differentialgeschwindigkeit der Walzen geschieht, jedoch nicht innerhalb der herkömmlichen Übersetzungsverhältnisse von 1 : 1'25 bis 1 : 3, vielmehr innerhalb von Übersetzungsverhältnissen, die zwischen 1 : 3 und 1 :
10 und darüber liegen und auf welche sich die Walzen leicht einstellen lassen durch Einwirkung auf einen Drehzahländerer mit stetiger Regelung, der an Stelle des üblichen Zahnradgetriebes die Bewegung der schnell laufenden Walze auf die langsam laufende Arbeitswalze überträgt. Der Gedanke der Änderung der Differentialgeschwindigkeit während des Ganges bei Walzenstühlen zur Zerkleinerung von Getreidekorn ist zwar an sich nicht neu.
Es ist auch ein Walzenstuhl bekannt, dessen eine Walze durch ein Reibradgetriebe mit stetig veränderlicher Geschwindigkeit angetrieben wird, Bei den älteren Vorschlägen handelt es sich aber nicht um
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eine Verarbeitung des Kornes im Sinne der Erfindung, die hauptsächlich auf den Zweck angelegt ist, den kleinen Mühlen, welche nur einen oder wenige Walzenstühle besitzen, die Möglichkeit zu geben, den gesamten Vermahlungsprozess (Schroten,'Auflösen und letztes Ausmahlen) in zumindest ebenso vollkommener Weise durchführen zu können, wie wenn eine grosse Anzahl von Walzenstühlen zur Verfügung stände und dabei eine Reihe wertvoller Vorteile hinsichtlich der Ausbeute, der Qualität
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zu können.
Auch die neuzeitlichen Walzenstühle, welche Druck-und Reibwirkung voneinander trennen durch Hintereinanderschaltung von zwei Hartgusswalzen ohne Vorreibung (mithin nur Druck) und einer grossen Steinwalze mit zugehöriger Steinschale (also lediglich Reibung), haben mit vorliegender Erfindung nichts gemein.
Denn diese Walzenstühle dienen nur für Auflösung und Ausmahlung, vermögen also nicht den mit der Erfindung erstrebten Zweck zu erfüllen, nämlich die Schaffung der Möglichkeit, in einer Mühle mit nur einem Walzenstuhl die Vermahlung in ebenso moderner und vollkommener Weise durchzuführen wie in einer grossen automatisch arbeitenden Mühle mit zahlreichen Walzenstühlen unter Gewinnung eines ebenso guten Mehles bei höherer Ausbeute und unter weitgehender Herabsetzung des Eiaftbedarfs.
Die Erfindung ist nachstehend an Hand der. Zeichnung näher erläutert, welche ein zur Durchführung des neuen Vermallungsverfahrens geeignetes, d. h. ein mit stetiger Regelung oder Einstellung der Drehzahl versehenes Wechselgetriebe im Zusammenhang mit den bei verschiedenen Geschwindig- keiten zu treibenden Arbeitswalzen eines Walzenstuhles üblicher Bauart in Fig. 1 in Seitenansicht und in Fig. 2 in Vorderansicht mit Teilschnitt schematisch darstellt. Auf der Welle 1 der schnell laufenden Arbeitswalze ist eine Scheibe 2 für einen Gummikeilriemen 3 befestigt, der die eine Welle 4 eines liegenden Wechselgetriebes 5 treibt. Von da geht es zur Abtriebswelle 6 des Getriebes, und von dort aus treibt eine Keilriemenscheibe 7 mittels eines Keilriemens 8 eine auf dem verlängerten Nabenstück 9 der Keilriemenscheibe. 2 lose sitzende Keilriemenscheibe 10.
Diese Scheibe-M überträgt mittels des auf einer mit ihr fest vereinigten Buchse 11 festgekeilten Ritzels 12 ihre Bewegung auf das grosse, die langsam laufende Walze treibende Zahnrad 13.
Das Wechselgetriebe 5 ist so eingerichtet, dass es die langsam laufende Arbeitswalze des Walzenstuhls gegenüber der schnell laufenden im Verhältnis von 1 : 3 bis 1 : 10 und darüber zu treiben und den Übergang von einem auf das andere dieser Übersetzungsverhältnisse stetig zu vermitteln vermag.
Auf einem mit einem Wechselgetriebe oder Drehzahländerer der eben beschriebenen Art, z. B. mit einem stufenlos regelbaren Antrieb Werner-Reimers'scher Bauart ausgerüsteten Walzenstubl lässt sich das neue Vermahlungsverfahren bequem durchführen.
Zu dessen Verdeutlichung sei hier der Gang einer auf einem erfindungsgemäss gebauten Walzenstuhl durchgeführten Versuchsmahlung wiedergegeben, bei der von der ersten Schrotung bis zur letzten Ausmahlung lediglich die Geschwindigkeit der langsam laufenden Walze nach und nach innerhalb der oben angegebenen Grenzen verlangsamt wurde, während an der Druckwirkung, der Zahl, dem Drall und dem Winkel der Arbeitswalzen nichts geändert zu werden braucht.
Es wurde Weizen geschrotet :
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<tb> 2 <SEP> mal <SEP> mit <SEP> einer <SEP> Übersetzung <SEP> von <SEP> 1 <SEP> : <SEP> 4 <SEP> entsprechend <SEP> einem <SEP> Drehzahlverhältnis <SEP> von <SEP> 240 <SEP> : <SEP> 60,
<tb> 2 <SEP> mal <SEP> mit <SEP> einer <SEP> Übersetzung <SEP> von <SEP> l <SEP> : <SEP> 5 <SEP> entsprechend <SEP> einem <SEP> Drehzahlverhältnis <SEP> von <SEP> 240 <SEP> : <SEP> 48,
<tb> 1 <SEP> mal <SEP> mit <SEP> einer <SEP> Übersetzung <SEP> von <SEP> 1 <SEP> : <SEP> 6 <SEP> entsprechend <SEP> einem <SEP> Drehzahlverhältnis <SEP> von <SEP> 240 <SEP> : <SEP> 40.
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Die Griesse und Dunste wurden ebenfalls mit 1 : 6, d. h. mit 240 : 40 Umdrehungen bis zum Ende ausgemahlen.
Bei diesen Versuchen ergab sich, dass das erfindungsgemässe Verfahren im Vergleich zu dem bisher allgemein üblichen Mahlverfahren eine erhebliche Zeit-und Kraftersparnis bei gleich guter Ausmahlung und Mehlfarbe ergibt, wobei eine grössere Unabhängigkeit von der Walzenriffelzahl und dem Walzenriffelwinkel als bei den bisherigen Verfahren vorteilhaft in Erscheinung trat. Es ergaben sich ferner günstige Verhältnisse hinsichtlich der Lebensdauer der Riffeln, Walzen und Lagerteile.
Das durch die Zeichnung veranschaulichte Wechsel-oder Regelgetriebe 5 ist natürlich nur beispielsweise angegeben. Mit gleich guten Erfolgen können auch andere Wechselgetriebe verwendet werden, z. B. Planetengetriebe, Getriebe mit axialer Zahnkranzverschiebung, Flüssigkeitsgetriebe, Kegeltrommeln, ja sogar Wechselräder, Schaltgetriebe oder Stufenscheiben, sofern diese praktisch als stetig schaltbare Wechselumformer für die Übersetzungsverhältnisse l : 3 bis 1 : 10 und darüber angesprochen werden können. Unter Umständen kann die langsam laufende Walze auch selbständig angetrieben werden, z. B. durch einen Regelmotor.