<Desc/Clms Page number 1>
Fernmeldekabel.
Zur Herabsetzung der insbesondere von benachbarten Starkstromleitungen ausgehenden induktiven Störungen von Fernmeldekabeln hat man bisher im allgemeinen die Fernmeldekabel mit einer Bewehrung aus Siliciumeisen versehen, insbesondere einem solchen mit einem Gehalt von 1-2 % % Silicium. Durch eine derartige Bewehrung wird zwar ein ausreichender Schutz gegen induktive Störungen erzielt, jedoch hat sie den Nachteil, dass sie nicht genügend korrosionsbeständig ist, sondern zu ihrer dauernden Erhaltung eines besonderen Korrosionsschutzes bedarf. Um diesen Nachteil zu beseitigen, könnte man an Stelle einer Bewehrung aus Siliciumeisen eine solche aus einem Eisen benutzen, das einen hohen Reinheitsgrad und insbesondere nur einen ausserordentlich geringen Kohlenstoffgehalt hat.
Ein solches Eisen ist in der handelsüblichen Qualität zwar in hohem Masse korrosionsbeständig, hat jedoch eine geringere Permeabilität als Siliciumeisen, so dass seine Schutzwirkung gegen induktive Einwirkungen dementsprechend wesentlich geringer ist.
Durch die Erfindung wird ein Fernmeldekabel geschaffen, dessen Bewehrung sowohl korrosionsbeständig ist als auch eine hohe Induktionsschutzwirkung hat, u. zw. eine noch wesentlich höhere Schutzwirkung als Siliciumeisen. Erfindungsgemäss wird diese Bewehrung aus Eisen mit hohem Reinheitsgrad hergestellt, das jedoch an Stelle oder noch besser ausser der normalen Glühung bei Temperaturen von 400-800 einer Glühung von mehr als 7500 ausgesetzt und alsdann langsam, vorzugsweise während einer Zeitdauer von mindestens 4 Stunden, abgekühlt ist.
De magnetischen und auch die mechanischen Eigenschaften der unter Anwendung dieses Glühverfahrens hergestellten Bewehrungsteile (Induktionsschutz- bänder) werden trotz der bei deren Aufbringen auf das Kabel unvermeidlichen mechanischen Verformungen nur wenig oder sogar überhaupt nicht verschlechtert und sind infolgedessen wesentlich besser als die Eigenschaften, mit denen man sich bei den bisherigen Kabeln begnügen musste.
Es ist an sich nicht mehr neu, magnetische Materialien und darunter auch Eisen von hohem Reinheitsgrad bei Temperaturen von mehr als 750 zu glühen und dann allmählich abzukühlen, jedoch ist diese Glühbehandlung bisher ausschliesslich bei solchen Materialien angewendet worden, die schon vorher endgültig verformt und nach der Glühbehandlung so sorgfältig wie möglich vor Verformungen oder andern mechanischen Beanspruchungen bewahrt worden sind. Bei Induktionsschutzteilen ist dagegen eine Glühbehandlung nach vollendeter Verformung, d. h. nach ihrer Aufbringung auf das Fernmeldekabel, wegen der Temperaturempfindlichkeit der Kabelisolierstoffe nicht möglich.
Man hat sich bisher darauf beschränkt, das für die Herstellung von Induktionsschutzteilen zu verwendende Eisen in der normalen und für viele Eisensorten bekannten Weise vor ihrer Verarbeitung bei mässigen Temperaturen, nämlich zwischen etwa 4000 und höchstens 6000 weich zu glühen. Die erfindungsgemäss ausgenutzte Unempfindlichkeit seiner magnetischen Eigenschaften gegen nachträgliche mechanische Verformung, die das bei Temperaturen von mehr als 750 geglühte und dann allmählich abgekühlte Eisen von hohem Reinheitsgrad hat, war bisher noch nicht bekannt und ist infolgedessen weder bei Induktionsschutzbändern für Fernmeldekabel noch sonst ausgenutzt worden.
<Desc/Clms Page number 2>
Die überraschende Wirkung der Glühung über 7500 auf Eisen von hohem Reinheitgrad ist aus den Ergebnissen der Versuche ersichtlich, die an starker Verformung unterworfenen Induktionsschutz- bändern aus reinem Eisen mit dem üblichen Querschnitt von 50 x0'5 mm gewonnen und in der nachstehenden Tabelle sowie in den beiden ihr entsprechenden Figuren der Zeichnung zusammengestellt sind.
EMI2.1
<tb>
<tb> Glühzustand: <SEP> Maximal- <SEP> Anfangspermeabilität <SEP> bei <SEP> 0#5 <SEP> Örsted <SEP> Mittlere <SEP> Korngrösse
<tb> permeabilität <SEP> : <SEP> undeforD1Ìert <SEP> : <SEP> defonniert <SEP> :
<SEP> xlO-ms
<tb> Anlieferung. <SEP> 2400 <SEP> 500-4. <SEP> 9
<tb> 6000 <SEP> 3750 <SEP> 580 <SEP> 540 <SEP> 7
<tb> 700 . <SEP> 3800 <SEP> 630 <SEP> 570 <SEP> 11
<tb> 7500 <SEP> 3900 <SEP> 670 <SEP> 670 <SEP> 12
<tb> 8500 <SEP> 4900 <SEP> 800 <SEP> 900 <SEP> 33
<tb> 9000 <SEP> 5700 <SEP> 1200 <SEP> 1100 <SEP> 240
<tb> 10000 <SEP> 6600 <SEP> 1500 <SEP> 1250 <SEP> 480
<tb>
Die in Fig. 1 der Zeichnung dargestellte Kurve für die Maximalpermeabilität und die in Fig. 2 dargestellte Kurve für die Anfangspermeabilität zeigen deutlich, dass die Steigerung der Permeabilität mit zunehmender Glühtemperatur bei etwa 7500 einsetzt.
Bei der Anfangspermeabilität ist auch für den undeformierten Zustand eine Messreihe gebildet und in Fig. 2 der Zeichnung als gestrichelte Kurve eingezeichnet worden, um zu zeigen, dass die vorteilhaften Eigenschaften der Induktionsschutzbänder gemäss der Erfindung wirklich mit der Glühung bei Temperaturen von mehr als 7500 zusammenhängen und durch eine Verformung nicht wesentlich beeinträchtigt werden. Die Messungen für die Anfangspermeabilität sind bei konstant gehaltener Feldstärke von 0-5 Örsted ausgeführt worden, um die bei ganz kleinen Feldstärken häufigen Ungesetzmässigkeiten zu vermeiden. Die Tabelle ist durch eine Messreihe der an Schliff bildern gemessenen mittleren Korngrösse vervollständigt, die ebenfalls den bei 7500 eintretenden Sprung zeigt.
Die Korngrösse des Gefüges der Bänder gemäss der Erfindung liegt zum Teil sehr beträcht- lich über 5x1O-4 mm2.
Das erfindungsgemäss verwendete Eisen hat gegenüber dem normal geglühten Eisen nicht nur den Vorzug günstigerer magnetischer Eigenschaften, sondern ist ausserdem auch noch wesentlich korrosionsbeständiger. Ferner sind die aus ihm hergestellten Induktionsschutzbänder in weit höherem Masse biegsam als die bisher gebräuchlichen Bänder, was sich beim Aufbringen des Induktionsrchutzes auf die Fernmeldekabel in mehrfacher Hinsicht vorteilhaft ausnutzen lässt und insbesondere in Verbindung damit Bedeutung hat, dass die Permeabilität des reinen Eisens im Gegensatz zu Siliciumeisen und andern bekannten hochpermeablen Legierungen durch Verformungen ohnehin schon nicht wesentlich vermindert wird.
Es ist besonders vorteilhaft, die ausgewalzten und zu Ringen aufgewickelten Bänder zunächst bei 600 zu glühen und langsam abzukühlen, hierauf die Ringe lose umzuwickeln, dann der Glühung bei mehr als 7500 auszusetzen und schliesslich wieder langsam abzukühlen. Die Glühung bei der hohen Temperatur wird zweckmässig in einer kohlenstoffarmen Atmosphäre unter Luftabschluss durchgeführt.
Bei in bekannter Weise mit einem Kupferschutz ausgerüsteten Kabeln erzielt man dadurch besondere Vorteile, dass man die Eisenbänder unter dem Bleimantel anordnet. Infolge der Weichheit der Bänder vermeidet man dabei eine Beschädigung der Kabelseele und eine unerwünschte Änderung der elektrischen Werte des Kabels.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Fernmeldekabel, gekennzeichnet durch einen Induktionsschutz aus einem Eisen von hohem Reinheitsgrad, das einer Glühbehandlung bei Temperaturen von mehr als 7500 und einer allmählichen Abkühlung nach der Glühbehandlung, vorzugsweise über einen Zeitraum von mindestens 4 Stunden, ausgesetzt ist.