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Verfahren zum Entkeimen und Reinigen von Wasser und anderen Flüssigkeiten.
Die Verwendung von Kohlen sowie von aktivierten Kohlen verschiedenster Herkunft für Reinigungsund Filtrationszweckeist bekannt, aber bis jetzt gelang es bei den bekannten Verfahren nicht, eine vollständige oder praktisch vollständige Entkeimung von Trinkwasser oder andern Flüssigkeiten zu gewährleisten.
Im Grossbetrieb, z. B. bei der Versorgung von Städten mit Trinkwasser, besteht das Mittel, dessen man sich zur Zeit im allgemeinen zum Reinigen des Wassers bedient, in der Filtration durch Kies-und Sandfilter, wodurch das Wasser aber im wesentlichen nur von den schwebenden Verunreinigungen befreit wird, während nach der herrschenden Anschauung die Befreiung von dem grössten Teil der Bakterien dadurch erfolgt, dass sich eine Schicht von Algen u. dgl. allmählich auf dem Sandfilter absetzt, die imstande ist, die Kleinlebewesen zurückzuhalten oder zu vernichten. Solche Sand-oder Kiesfilter sind daher nicht sofort zur Wasserlieferung verwendbar, sondern müssen zunächst,, reifen", d. h. die Algenschicht muss erst gebildet werden.
Dieses Reinigungsverfahren erfordert eine sehr ausgedehnte Anlage und ist praktisch nur für den Wasserleitungsbetrieb möglich.
Weiters bekannte Verfahren zum Sterilisieren und Reinigen von Wasser im Grossbetrieb bestehen in der Anwendung von Chlor, Ozon oder ultravioletten Strahlen. Das mit diesen Mitteln vorbehandelte und sterilisierte Wasser muss nachträglich noch filtriert werden, denn diese Mittel sind nur imstande, die Mikroorganismen zu töten ; eine weitere Reinigung erfolgt nicht.
Für Kleinfilter (Haushaltfilter) oder für kleinere Fabrikanlagen kommen die erwähnten Verfahren nicht in Betracht. Die Sandfilter erfordern, wie bereits ausgeführt, sehr ausgedehnte Anlagen, und die chemischen Verfahren sind nicht so einfach, dass sie, durch Ungeübte ausgeführt, gute Erfolge liefern würden.
Filter, welche imstande sind, während einiger Zeit steriles Wasser zu liefern, sind die Berkefeldund Chamberland-Pasteur-Kerzenfilter. Diese Kerzen bestehen aus Porzellanerde, Infusorienerde u. dgl. Ihre Leistung ist äusserst gering, und sie sind, wie erwähnt, nur während einer kurzen Zeit imstande, steriles Wasser zu liefern. Enthält das zu behandelnde Wasser dÅabei noch erhebliche Mengen anderer Verunreinigungen, so verringert sich ihre Leistungsfähigkeit noch weiter. Die Regenerierung der Kerzen kann Laien nicht überlassen werden, und dieses ist ein weiterer Grund, weshalb sich diese Filter in der Praxis nicht bewähren konnten.
Das einzige Mittel, um Wasser im Kleinbetrieb zu sterilisieren, besteht in Erhitzen oder Kochen.
Durch diese Behandlung werden jedoch die Verunreinigungen des Wassers nicht beseitigt ; ausserdem bekommt das Wasser den unangenehmen Koehgeschmack. Es ist ferner bekannt, dass man Wasser mittels Holzkohlenfilter reinigen kann. Eine Sterilisierung des Wassers wird aber bei dieser Holzkohlenbehandlung überhaupt nicht erreicht. Allgemein herrscht die Ansicht, dass diese Filter eine Gefahr für die Gesundheit bilden.
Der Erfindung liegt nun die Feststellung zugrunde, dass bestimmte Entfärbungskohlen pflanzlichen Ursprunges imstande sind, Wasser oder andere Flüssigkeiten von Bakterien und anderen Mikroorganismen
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Verunreinigungen sowohl Gase als gelöste oder schwebende Stoffe zu entfernen.
Die gemäss der Erfindung in Betracht kommenden Entfärbungskohlen sind nämlich diejenigen. welche durch ein Gasaktivierungsverfahren, insbesondere durch Einwirkung von überhitztem Wasserdampf auf pflanzliche Ausgangsmaterialien, wie Holz, Torf, Braunkohle, Holzkohle usw., in der Glühhitze hergestellt werden. Durch das eigentümliche Erzeugungsverfahren dieser Kohlen wird die organisierte, z. B. faserige oder nadelförmige Struktur des pflanzlichen Ausgangsmaterials geschont, so dass im fertigen
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scheiden dieselben sich von andern aktivierten Kohlen, die durch ein chemisches Verkohlungsverfahren erzeugt worden sind und daher in Form eines äusserst feinen, strukturlosen Pulvers gewonnen werden.
Die Anwesenheit der obenerwähnten Struktur verleiht den Kohlen sehr wertvolle filtrierende Eigenschaften und macht dieselben ganz besonders für die Zwecke der vorliegenden Erfindung geeignet. Solche aktiven Kohlen sind im Handel u. a. als Norit und Eponit bekannt.
Diese Kohlen besitzen, auf die Trockensubstanz berechnet, einen Kohlmstoffgehalt von ungefähr 90% oder mehr ; abgesehen von ihrem Aschegehalt bestehen sie hauptsächlich aus nahezu reinem Kohlenstoff mit nur geringen Mengen an gebundenem Wasserstoff, Sauerstoff, Stielstoff usw. Sie unterscheiden sieh von gewöhnlichen Kohlen und Verkohlungsprodukten, wie Holzkohle, durch ihr hohes Entfärbungsund sonstiges Adsorptionsvermogen, das z. B. gegenüber Zuckerlösungen und Säften erheblich grösser ist als das von Knochenkohle und sogar ein Vielfaches desjenigen von Knochenkohle darstellt.
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Das Material vereinigt in sich die beiden Eigenschaften. welche für eine praktische Anwendung der Sterilisierung erforderlich sind, nämlich 1. die Bakterien werden bei geeigneter Regulierung des Flüssigkeitsdurchlaufes praktisch vollständig zurückgehalten ; 2. das Material gestattet auch bei Anwendung verhältnismässig lockerer Schichten eine gute Filtration. Die Erscheinung des baldigen Verstopfen tritt hiebei nicht auf.
Die pulverige Entfärbungskohle gibt sofort nach dem Ingangsetzen des Filters ein brauchbares, keimfreies Filtrat. Sie schliesst sich infolge ihrer pulverigen Beschaffenheit und ihrer Beweglichkeit eng an die Wände des Filters an und erfüllt alle Bedingungen, welche an ein zuverlässiges Bakterienfilter gestelltwerden können. Die Kohleschicht kann (auch durch Laien) leicht ersetzt oder regeneriert werden ; das Zerreissen der filtrierenden Schicht ist ausgeschlossen.
Untersuchungen haben ergeben, dass eine alkalische Reaktion der Kohle auf die Bakterienadsorption im allgemeinen hemmend wirkt. Diese alkalischen Stoffe werden bei der Filtration aus der aktiven Kohle durch das zu behandelnde Wasser nicht ohne weiteres ausgewaschen ; wird eine absolute Sterilität verlangt, so ist es erforderlich, die technische aktive Kohle vorher einer intensiven Vorbehandlung mit Säure zu unterwerfen, zum Zwecke der Auflösung und Auswaschung der säurelöslichen Asehebestandteile der Kohle. Man kann dabei vorzugsweise so verfahren, dass man eine bestimmte Menge Säure in der Kohle belässt, wodurch die Kohle selber steril bleibt, was ihrer Verwendbarkeit für Entkeimungszwecke sehr zugute kommt.
Diese Säurebehandlung kann auch so ausgeführt werden : dass man die aktive Kohle während einer oder mehrerer Stunden mit einer wässrigen Salzsäurelösung oder mit andern Mineralsäurelösungen kocht, die Masse auswäseht. trocknet und vorzugsweise unter Luftabschluss glüht oder mit überhitztem Dampf behandelt.
Das neue Verfahren kann z. B. wie folgt ausgeführt werden. Das zu behandelnde Wasser, etwa Grabenwasser, mit z. B. 100. 000 bis 300. 000 Bakterien im Kubikzentimeter und von unangenehmem Geschmack wird durch ein Filter geleitet. in welchem eine genügende Menge mit Salzsäure vorbehandelter aktiver Pflanzenkohle enthalten ist. Die Filtration erfolgt vorzugsweise von oben nach unten, kann jedoch auch von unten nach oben stattfinden. Ist eine absolute Sterilität gewünscht, so ist es bei Kleinfiltern zweckmässig, die Kohle etwas durch Feder-oder Wasserdruck anzupressen.
Gegebenenfalls kann das Wasser, besonders wenn es sehr stark verunreinigt ist, vorgereinigt werden.
Die Geschwindigkeit der Filtration muss den gegebenen Verhältnissen angepasst werden, weil keine Überbürdung des Filters eintreten darf.
Bei geeigneter Anordnung und bei Verwendung von stark verunreinigtem Wasser mit z. B. 10.000 Bakterien im Kubikzentimeter kann man sogar mit etwa 40 g aktiver Entfärbungskohle pflanzlichen Ursprungs während 3-4 Wochen steriles oder nahezu steriles Wasser (0-6 Bakterien im Kubikzentimeter) erhalten, bei einer täglichen Leistung des Filters von 8-10 L Das filtrierte Wasser ist wohlschmeckend, vollkommen klar und enthält weniger organische Substanzen als gutes Trink-oder Leitungswasser.
Ausser Wasser können auch zuckerhaltige Lösungen für die Herstellung von Limonaden, Fette und Öle und ähnliche Flüssigkeiten mehr oder weniger vollständig sterilisiert werden.
Auch Fettspaltenzyme werden durch die Entfärbungskohle entfernt. Die benutzte Entfärbungskohle kann durch Behandeln mit Lauge oder durch Glühen oder durch beide Behandlungsweisen regeneriert werden.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zum Entkeimen und Reinigen von Wasser und andern Flüssigkeiten, dadurch gekennzeichnet, dass die zu behandelnde Flüssigkeit der Einwirkung pulveriger, aus Holz. Torf, Holzkohle u. dgl.
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gegenüber Zuekerlosungen und Säften grösser ist als das von Knoehenkohle und welche die vom pflanzlichen Ausgangsstoff herrührende. mikroskopische Struktur zeigt.