Beschreibung
Driftröhre mit modifizierter Oberflächengüte zur Verwendung in einem
lonenbeweglichkeitsspektrometer
Die Erfindung betrifft eine Driftröhre aus Kunststoff zur Verwendung in einem
lonenbeweglichkeitsspektrometer, welches einer Überwachung einer Narkose eines Patienten während eines medizinischen Eingriffs dient, mit: einem
lonisationskammerabschnitt, in welchem Moleküle von zu analysierender Atemluft ionisiert werden, und/oder einem Driftkammerabschnitt, in welchem die Moleküle hin zu einer Detektionsvorrichtung beschleunigt werden, wobei die zu analysierende Atemluft Moleküle eines für die Narkose verwendeten Anästhetikums, insbesondere Propofol, im ppb-Bereich aufweist. Ferner betrifft die Erfindung ein lonenbeweglichkeitsspektrometer mit einer solchen Driftröhre sowie ein Verfahren zum Herstellen einer solchen
Driftröhre.
Stand der Technik
Es sind aus dem Stand der Technik lonenbeweglichkeitsspektrometer bekannt, welche einer Detektion von chemischen Substanzen, Kampfstoffen, Sprengstoffen, Drogen, etc. dienen. Auch ist es beispielsweise aus der DE 20 2013 105 685 U1 bekannt, solche lonenbeweglichkeitsspektrometer in der Medizin, beispielsweise in der Überwachung von Narkosen während medizinischer Eingriffe, einzusetzen. Dabei wird ein
Narkosemittel, beispielsweise Propofol, in der Atemluft eines Patienten kontinuierlich analysiert. Um lonenbeweglichkeitsmessungen über einen längeren Zeitraum
kontinuierlich, zuverlässig und störungsfrei am Patienten durchführen zu können, wird in der DE 20 2013 105 685 U1 unter anderem vorgeschlagen, ein Perfluoralkoxy-Polymer (PFA) für eine Driftröhre, insbesondere für eine Innenwandung der Driftröhre, zu verwenden.
Weitergehende Versuchsreihen des in der DE 20 2013 105 685 U1 gezeigten lonenbeweglichkeitsspektrometers haben jedoch aufgezeigt, dass mit diesem
lonenbeweglichkeitsspektrometer keine exakten, wiederholgenauen sowie verlässlichen
Messungen eines Anteils eines Anästhetikums in der Atemluft eines Patienten gemessen werden können. Weiterhin hat sich gezeigt, dass auf den ersten Blick scheinbar identisch aufgebaute lonenbeweglichkeitsspektrometer unterschiedliche Messergebnisse bei identischen Proben ausgegeben haben.
Kurzbeschreibung der Erfindung
Vor diesem Hintergrund ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein kompakt aufgebautes lonenbeweglichkeitsspektrometer zum Einsatz am Patienten während einer OP bereitzustellen, mittels welchem verlässliche, exakte, wiederholgenaue und über einen längeren Zeitraum/ kontinuierliche Messungen durchgeführt werden können.
Diese Aufgabe wird durch eine Driftröhre nach Anspruch 1 , ein
lonenbeweglichkeitsspektrometer nach Anspruch 8 und ein Verfahren zum Herstellen einer Driftröhre nach Anspruch 9 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen und
Ausführungsformen sind Gegenstand der Unteransprüche und/oder nachfolgend erläutert.
Die Erfindung betrifft zunächst eine Driftröhre aus, insbesondere thermoplastischem, Kunststoff zur Verwendung in einem lonenbeweglichkeitsspektrometer, welches einer Überwachung einer Narkose eines Patienten während eines medizinischen Eingriffs dient, mit: einem lonisationskammerabschnitt, in welchem Moleküle von zu
analysierender Atemluft ionisiert werden, und/oder einem Driftkammerabschnitt, in welchem Moleküle hin zu einer Detektionsvorrichtung beschleunigt werden, wobei die zu analysierende Atemluft Moleküle eines für die Narkose verwendeten Anästhetikums, insbesondere Propofol, im ppb-Bereich aufweist. Die Driftröhre ist an einer
Innenwandung des lonisationskammerabschnitts und/oder des Driftkammerabschnitts, welche einen Durchtrittsbereich der zu analysierenden Atemluft radial begrenzt, mittels eines glättenden Feinbearbeitungsverfahrens nachbehandelt, wodurch ein Anhaften der im ppb-Bereich vorliegenden Moleküle des Anästhetikums an einer
Innenwandungsoberfläche zumindest in großem Maße reduziert, bevorzugt vollständig verhindert wird.
Unter einem lonenbeweglichkeitsspektrometer ist erfindungsgemäß eine Vorrichtung zu verstehen, in welcher chemische Substanzen, insbesondere Moleküle von zu
analysierender Atemluft, zunächst ionisiert werden und anschließend mittels eines elektrischen Feldes zu einem Detektor beschleunigt und dort detektiert werden. Die Ionisation, bevorzugt erzeugt durch Bestrahlung, erfolgt dabei in einer
Ionisationskammer/ einem lonisationskammerabschnitt einem lonisationsraum. Die Beschleunigung hin zu dem Detektor erfolgt in einer Driftkammer/ einem
Driftkammerabschnitt/ einem Driftraum. In letzterem driften die erzeugten ionisierten Partikel entgegen einen Gasstrom. Partikel/ Ionen/ Moleküle können sowohl in dem Driftkammerabschnitt als auch in dem lonisationskammerabschnitt mit einer
Innenwandung eines den Driftkammerabschnitt und/oder den
lonisationskammerabschnitt ausbildenden Bauteils in Kontakt kommen.
Die erfindungsgemäße Driftröhre ist als das voranstehend genannte Bauteil zu sehen. Die Driftröhre kann lediglich einen lonisationskammerabschnitt, lediglich einen
Driftkammerabschnitt oder bevorzugt sowohl einen lonisationskammerabschnitt als auch einen Driftkammerabschnitt aufweisen. Erfindungsgemäß ist es somit auch denkbar, dass in einem lonenbeweglichkeitsspektrometer zwei erfindungsgemäße Driftröhren vorgesehen sind, wobei die eine Driftröhre lediglich den
lonisationskammerabschnitt und die andere Driftröhre lediglich den
Driftkammerabschnitt aufweist.
Kern der vorliegenden Erfindung ist es, dass sich herausgestellt hat, dass eine
Ausbildung/ Beschaffenheit einer Innenwandungsoberfläche der Driftröhre für deren Verwendung in einem kompakt aufgebauten, zum Einsatz an einem Patienten während einer OP geeigneten, lonenbeweglichkeitsspektrometer, welches im ppb(parts per billion)-Bereich vorkommende Moleküle eines Anästhetikums verlässlich, exakt, wiederholgenau und über einen längeren Zeitraum/ kontinuierlich nachweisen soll, entscheidend ist. Insbesondere ist die Ausbildung/ Beschaffenheit der
Innenwandungsoberfläche der Driftröhre ein zentraler Parameter, um das aufgrund seiner pharmazeutischen Eigenschaften vorzugsweise eingesetzte Narkotikum Propofol in der Atemluft eines Patienten nachzuweisen.
Erfindungsgemäß hat sich herausgestellt, dass nicht das Kunststoffmatenal, welches für die Driftröhre verwendet wird, eine Verwendung derselben in einem voranstehend beschriebenen lonenbeweglichkeitsspektrometer ermöglicht, sondern eine
Oberflächenbeschaffenheit einer Innenwandung der vorzugsweise zylinderförmigen/ tubulären/ röhrenförmigen Driftröhre für deren Verwendung in einem
lonenbeweglichkeitsspektrometer entscheidend ist. Es hat sich herausgestellt, dass eine Nachbehandlung der Innenwandungsoberfläche der Driftröhre mittels eines glättenden Feinbearbeitungsverfahrens für den Einsatz der Driftröhre in einem
lonenbeweglichkeitsspektrometer unabdingbar ist. Ein Anhaften der im ppb-Bereich vorliegenden Moleküle des Anästhetikums, insbesondere Propofol, wird dadurch in großem Maße reduziert bzw. - wie umfangreiche Versuchsreihen gezeigt haben - zumeist vollständig verhindert. Eine Reinigung des lonenbeweglichkeitsspektrometers ist nicht nach jeder einzelnen Messung notwendig. Verlässliche, exakte,
wiederholgenaue und kontinuierliche Messergebnisse können somit erreicht werden.
Bevorzugt wird durch das glättende Feinbearbeitungsverfahren zumindest eine gemittelte Rautiefe Rz von kleiner 2 μιτι, vorzugsweise eine gemittelte Rautiefe Rz von kleiner 1 μιτι erzeugt, wodurch eine Differenz von Spitzen und Tälern der
Innenwandungsoberfläche derart reduziert wird, dass ein mechanisches Aufhalten bzw. Stoppen der Moleküle des Anästhetikums auf ihrem Weg durch die Driftröhre durch die Spitzen der Innenwandungsoberfläche in großem Maße reduziert wird.
Es hat sich erfindungsgemäß herausgestellt, dass insbesondere der Parameter der gemittelten Rautiefe Rz auf einen Wert kleiner 2 μιτι, bevorzugt kleiner 1 μιτι, durch das glättende Feinbearbeitungsverfahren gebracht werden muss. Der Rz-Wert wird derart ermittelt, dass eine Messstrecke in fünf Einzelmessstrecken eingeteilt wird, eine
Differenz zwischen höchster Spitze und tiefstem Tal in jedem der fünf Segmente ermittelt wird und schließlich ein Mittelwert aus den fünf Werten gebildet wird. Der Rz- Wert berücksichtigt Spitzen und Täler der Oberfläche, welche für ein mechanisches Anhaften/ Aufhalten/ Stoppen verantwortlich ist, daher besser als andere
Rauheitskennwerte wie etwa die mittlere Rauheit Ra und stellt somit erfindungsgemäß den entscheidenden, zu berücksichtigenden Parameter dar. Es hat sich herausgestellt, dass, wenn der Rz-Wert kleiner als 2 μιτι ist, die Spitzen der Innenwandungsoberfläche
derart abgetragen wurden, dass ein Stoppen bzw. Aufhalten der Moleküle des
Anästhetikums durch die Spitzen der Innenwandungsoberfläche in großem Maße reduziert wird. Weiter hat sich herausgestellt, dass, wenn der Rz-Wert kleiner als 1 μιτι ist, die Spitzen der Innenwandungsoberfläche derart abgetragen wurden, dass ein Stoppen bzw. Aufhalten der Moleküle des Anästhetikums durch die Spitzen der
Innenwandungsoberfläche nahezu vollständig verhindert wird.
In vorteilhafter Weise wird die gemittelte Rautiefe Rz von kleiner 2 μιτι durch
mechanisches Polieren, insbesondere mittels Diamant als Poliermittel, oder durch Laserpolieren, insbesondere mittels Laserstrahlung, welche über eine Umlenkeinheit auf die zu polierende Innenwandungsoberfläche gelenkt wird, erreicht.
Als glättendes Feinbearbeitungsverfahren hat sich insbesondere ein Polieren der Innenwandungsoberfläche als vorteilhaft herausgestellt. Mittels Polieren wird zumeist eine Mikrorauheit einer Oberfläche erzeugt, ohne die Oberfläche in irgendeiner Form zu aktivieren und somit eine spezifische Adhäsion der Moleküle des Anästhetikums zu fördern. Einerseits hat sich dabei erfindungsgemäß mechanisches Polieren mittels Diamant als Poliermittel als vorteilhaft herausgestellt. Besonders vorteilhaft hat sich für den Anwendungsfall jedoch Laserpolieren herausgestellt. Beim Laserpolieren wird Laserstrahlung oberflächennah absorbiert und die Oberfläche wird durch Umschmelzen (anstelle von Materialabtrag) geglättet. Laserstrahlung wird dabei mittels einer
Umlenkeinheit auf die zu polierende Innenwandungsoberfläche gelenkt. Ein
nachteilhaftes Einarbeiten von Poliermitteln in die Innenwandungsoberfläche kann beim Laserpolieren ausgeschlossen werden.
Bevorzugt wird sowohl mittels Laserpolieren als auch mittels mechanischem Polieren eine Verformung, Einebnung und/oder Abrundung der Spitzen der
Innenwandungsoberfläche erreicht und wird durch die Verformung, Einebnung und/oder Abrundung der Spitzen der Innenwandungsoberfläche ein mechanisches Aufhalten bzw. Stoppen der Moleküle des Anästhetikums auf ihrem Weg durch die Driftröhre verhindert.
Es hat sich erfindungsgemäß herausgestellt, dass eine durch mechanisches Polieren oder Laserpolieren erzeugte Innenwandungsoberfläche nicht nur eine Differenz zwischen Spitzen und Tälern der Oberfläche reduziert sondern auch die Spitzen verformt, einebnet und abrundet. Durch diese Verformung/ Einebnung/ Abrundung der Spitzen wird verhindert, dass die Moleküle des Anästhetikums auf ihrem Weg durch die Driftröhre von den Spitzen der Innenwandungsoberfläche aufgehalten bzw. gestoppt werden.
Ein vorteilhaftes Ausführungsbeispiel ist dadurch gekennzeichnet, dass die Driftröhre aus einem sich durch antiadhäsive Eigenschaften auszeichnenden Fluorkunststoff, vorzugsweise Polytetrafluorethylen (PTFE) oder Perfluoralkoxy (PFA), ausgebildet ist.
Thermoplastische Fluorkunststoffe, wie etwa PTFE oder PFA zeichnen sich durch ihre Unpolarität, ihre antiadhäsiven Eingeschaften, sowie ihre mechanische und chemische Beständigkeit aus. Sie weisen eine äußerst geringe Oberflächenspannung, sowie kaum oberflächennahe funktionelle Gruppen auf, wodurch spezifische
Adhäsionsmechanismen quasi ausgeschlossen sind. Es hat sich herausgestellt, dass glättende Feinbearbeitungsverfahren, wie etwa mechanisches Polieren oder
Laserpolieren, bei den thermoplastischen Fluorkunststoffen PTFE und PFA zu keiner/ kaum einer Oberflächenaktivierung führen und somit durch die genannten Verfahren mechanische Adhäsionsmechanismen aufgrund der glatter werdenden Oberfläche reduziert/ verhindert werden und spezifische Adhäsionsmechanismen durch die gewählten Vorbehandlungsverfahren nicht verstärkt/ gefördert werden.
Bevorzugt ist dabei der zur Herstellung der Driftröhre verwendete Fluorkunststoff hochrein und virginal, das heißt unbearbeitet und unverarbeitet, nicht durchgesintert und nicht wiederaufbereitet, nicht chemisch modifiziert und nicht mit Füllstoffen versehen, wodurch selbst ein marginales Ausgasen von flüchtigen Bestandteilen, welche ein Messergebnis des im ppb-Bereich vorliegenden Moleküls des
Anästhetikums verfälschen können, verhindert wird.
Erfindungsgemäß hat sich in einer Vielzahl von Versuchsreihen herausgestellt, dass es bei einer Verwendung von wiederaufbereitetem und/oder durchgesintertem und/oder
chemisch modifiziertem und/oder mit Füllstoffen versehenem Kunststoffmaterial für die Driftröhre zu einem Ausgasen von Gasen/ flüchtigen Bestandteilen während des Einsatzes des lonenbeweglichkeitsspektrometers am Patienten kommt, wodurch die erhaltenen Messergebnisse in großem Maße verfälscht werden. Als
Fluorkunststoffmaterial (PTFE oder PFA) kommt somit erfindungsgemäß nur ein hochreines bzw. virginales Material in Frage.
In vorteilhafter Weise ist die Driftröhre spanend hergestellt, insbesondere durch Drehen oder Fräsen, wodurch eine hohe Fertigungsgenauigkeit sowie Reproduzierbarkeit, eine geeignete Funktionsintegration sowie vielfältige Bearbeitungsmöglichkeiten erreicht werden. Durch eine spanende Herstellung der Driftröhre, insbesondere einer
Innenwandung(soberfläche) der Driftröhre, wird zunächst ein Rz-Wert von etwa 8 μιτι realisiert, welcher durch das glättende Feinbearbeitungsverfahren erfindungsgemäß auf kleiner 2 μιτι verringert wird.
Die Erfindung betrifft ferner ein lonenbeweglichkeitsspektrometer, welches einer Überwachung einer Narkose eines Patienten während eines medizinischen Eingriffs dient, mit einer Driftröhre wie voranstehend beschrieben.
Außerdem betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Herstellung einer Driftröhre, insbesondere einer Driftröhre wie voranstehend beschrieben, zur Verwendung in einem lonenbeweglichkeitsspektrometer, welches einer Überwachung einer Narkose eines Patienten während eines medizinischen Eingriffs dient, mit den Schritten:
Nachbehandeln einer Innenwandungsoberfläche der Driftröhre mittels eines glättenden Feinbearbeitungsverfahrens, insbesondere mittels mechanischen Polierens oder mittels Laserpolierens; und Erzeugen einer gemittelten Rautiefe Rz von kleiner 2 μιτι, vorzugsweise einer gemittelten Rautiefe Rz von kleiner 1 μιτι.
Bevorzugt weist das Verfahren weiterhin den Schritt auf: Spanende Herstellung der Driftröhre aus einem hochreinen und virginalen Fluorkunststoff, insbesondere
Polytetrafluorethylen (PTFE) oder Perfluoralkoxy (PFA).
Kurzbeschreibung der Figuren
Die Erfindung wird nachfolgend mit Hilfe von Figuren weiter erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 eine schematische Darstellung eines lonenbeweglichkeitsspektrometers;
Fig. 2 eine Längsschnittansicht einer erfindungsgemäßen Driftröhre;
Fig. 3 ein Rauheitsprofil einer spanend hergestellten Innenwandungsoberfläche der Driftröhre;
Fig. 4 ein Rauheitsprofil der Innenwandungsoberfläche der Driftröhre nach einer
Nachbehandlung mittels eines glättenden Feinbearbeitungsverfahrens;
Fig. 5 eine Längsschnittansicht der Driftröhre, welche mittels Laserpolieren
nachbehandelt wird; und
Fig. 6 ein Flussdiagramm des erfindungsgemäßen Verfahrens;
Figurenbeschreibung
Die Figuren sind lediglich schematischer Natur und dienen ausschließlich dem
Verständnis der Erfindung. Gleiche Elemente sind dabei mit denselben Bezugszeichen versehen. Die nachfolgende Figurenbeschreibung betrifft gleichermaßen die
erfindungsgemäße Driftröhre, das erfindungsgemäße lonenbeweglichkeitsspektrometer, sowie das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung einer Driftröhre.
Fig. 1 zeigt eine schematische Darstellung eines lonenbeweglichkeitsspektrometers 2, welches einen lonisationskammerabschnitt 4 sowie einen daran angrenzenden, durch ein Bradbury-Nielsen-Gitter 6 von dem lonisationskammerabschnitt 4 getrennten
Driftkammerabschnitt 8 umfasst. Zu analysierende Atemluft wird gegebenenfalls zusammen mit einem Trägergas in den lonisationskammerabschnitt 4 eingeleitet und dort mittels einer lonisationsquelle 10 ionisiert. Das Bradbury-Nielsen-Gitter 6 steuert ein Eindringen der in dem lonisationskammerabschnitt 4 erzeugten Ionen in den
Driftkammerabschnitt 8. Über ein mittels Hochspannungsringe 12 erzeugtes
elektrisches Feld werden die Ionen hin zu einer Faraday-Platte 14 beschleunigt, welche einer Detektion der Ionen dient. Unmittelbar vor der Faraday-Platte 14 ist ein Apertur- Gitter 16 als Abschirmgitter zur kapazitiven Entkopplung der Ionen vorgesehen. An der
die Faraday-Platte 14 aufweisenden Seite des Driftkammerabschnitts 8 ist eine
Einlassöffnung 18 für ein Driftgas vorgesehen, welches einen Innenraum 20 entgegen einer Driftrichtung der Ionen durchströmt und verhindert, dass ungeladene Moleküle oder Partikel in den Driftkammerabschnitt 8 hinein gelangen.
Die erfindungsgemäße Driftröhre 22 ist als Bauteil zu verstehen, welches einen
Innenraum 20 bzw. einen Durchtrittsbereich von zu analysierender Atemluft radial begrenzt und den lonisationskammerabschnitt 4 und/oder den Driftkammerabschnitt 8 aufweist. In Fig. 2 weist die Driftröhre 22 sowohl den lonisationskammerabschnitt 4 als auch den Driftkammerabschnitt 8 auf. Die Driftröhre 22 ist in Fig. 2 vereinfacht dargestellt und weist eine im Wesentlichen zylinderförmige, tubuläre bzw. röhrenförmige Form auf. Die in Fig. 1 gezeigten Elemente sind bevorzugt in einer Wandung 24 der Driftröhre 22 integriert, die Hochspannungsringe 12 sind beispielsweise in nicht gezeigten Ausnehmungen in einer Außenwandung 26 aufgenommen, das Bradbury- Nielsen-Gitter 6, die lonisationsquelle 10, die Faraday-Platte 14 und das Apertur-Gitter 16 sind beispielsweise in nicht gezeigten Ausnehmungen in einer Innenwandung 28 aufgenommen.
Die in Fig. 2 gezeigte Driftröhre 22 ist aus einem thermoplastischen Kunststoff, bevorzugt aus einem Fluorkunststoff, vorzugsweise aus Polytetrafluorethylen (PTFE) oder Perfluoralkoxy (PFA), ausgebildet und bevorzugt spanend, insbesondere durch Drehen, Fräsen und/oder Bohren, hergestellt. Der verwendete Fluorkunststoff ist hochrein und virginal, das heißt unbearbeitet und unverarbeitet, nicht durchgesintert und nicht wiederaufbereitet, nicht chemisch modifiziert und nicht mit Füllstoffen versehen. Da die vorliegende Erfindung ein lonenbeweglichkeitsspektrometer bereitstellt, welches im ppb(parts per billion)-Bereich vorliegende Moleküle eines Anästhetikums (Propofol) nachweisen soll, kann ein Messergebnis selbst durch ein lediglich marginales Ausgasen von flüchtigen Bestandteilen wie etwa Gasen verfälscht werden. Es hat sich erfindungsgemäß herausgestellt, dass nur wenn hochreines, virginales Kunststoffmaterial verwendet wird, exakte und wiederholgenaue
Messergebnisse über einen längeren Zeitraum erhalten werden können. Eine spanende Herstellung der Driftröhre 22 ermöglicht eine geeignete Funktionsintegration, beispielsweise durch das Vorsehen von Ausnehmungen für die Hochspannungsringe
12, das Bradbury-Nielsen-Gitter 6, die lonisationsquelle 10, die Faraday-Platte 14 und das Apertur-Gitter 16.
Eine Innenwandungsoberflache 30 der Innenwandung 26 ist mittels eines glättenden Feinbearbeitungsverfahrens, insbesondere durch mechanisches Polieren oder
Laserpolieren, nachbehandelt. Die Bedeutung einer Nachbehandlung der
Innenwandungsoberflache 30 mittels eines glättenden Feinbearbeitungsverfahrens wird nachfolgend mit Bezug auf die Fig. 3 und 4 beschrieben.
Fig. 3 zeigt ein Rauheitsprofil einer spanend hergestellten Innenwandungsoberfläche 30 der Driftröhre 22. Bei der spanenden Herstellung der Driftröhre 22 weist die
Innenwandungsoberfläche 30 etwa eine gemittelte Rautiefe Rz von 8 μιτι auf. Das in Fig. 3 dargestellt Rauheitsprofil weist eine Vielzahl von Spitzen 32 und Tälern 34 auf. Befindet sich nun ein Molekül 36, hier bevorzugt ein Propofolmolekül, innerhalb (in einem Innenraum 20) der Driftröhre 22, kann dieses wie in Fig. 3 gezeigt von Spitzen 32 des Rauheitsprofils mechanisch aufgehalten bzw. gestoppt werden. Das Molekül 36 bleibt in anderen Worten an den Spitzen 32 des Rauheitsprofils hängen und haftet sich an diese mechanisch an.
Fig. 4 zeigt ein Rauheitsprofil der Innenwandungsoberfläche 30 der Driftröhre 22 nach einer Nachbehandlung mittels eines glättenden Feinbearbeitungsverfahrens. In Fig. 4 sind die in Fig. 3 gezeigten Spitzen 32 bis hin zu der in Fig. 3 dargestellten Linie abgetragen worden, so dass sich eine gemittelte Rautiefe Rz des Rauheitsprofils in Fig. 4 auf kleiner 2 μιτι verringert hat. Die Spitzen 32 in Fig. 4 sind verformt, eingeebnet und abgerundet worden. Im Gegensatz zu der nicht nachbehandelten
Innenwandungsoberfläche 30 von Fig. 3 werden die Moleküle 36 in Fig. 4 nicht durch die Spitzen 32 aufgehalten.
Die in Fig. 4 dargestellte Innenwandungsoberfläche 30 wird bevorzugt durch
mechanisches Polieren mit Diamant als Poliermittel oder Laserpolieren hergestellt. Wie gerade aus Fig. 5 hervorgeht, kann die nicht einfach zugängliche
Innenwandungsoberfläche 30 besonders durch Laserpolieren in einfacher Weise nachbehandelt werden. Eine Umlenkeinheit 38 ist entlang einer Längsachse der
Driftröhre 22 translatorisch verschiebbar sowie um die Längsachse herum rotatorisch verdrehbar. Ein Laser 40 sowie die Driftröhre 22 sind räumlich fixiert/ lagefixiert. Ein Laserstrahl trifft kontinuierlich auf die Umlenkeinheit 38 und wird mittels dieser auf die Innenwandungsoberfläche 30 gelenkt. Durch Verschieben und Verdrehen der
Umlenkeinheit 38 wie in Fig. 5 durch Pfeile dargestellt kann die gesamte
Innenwandungsoberfläche 30 nachbehandelt werden.
Fig. 6 zeigt ein Flussdiagramm des erfindungsgemäßen Verfahrens. In einem ersten Schritt (S1 ) wird dabei die Driftröhre aus einem hochreinen und virginalen
Fluorkunststoff, insbesondere PTFE oder PFA spanend hergestellt. Anschließend (S2) erfolgt ein Nachbehandeln der Innenwandungsoberfläche der Driftröhre mittels eines glättenden Feinbearbeitungsverfahrens, insbesondere mittels mechanischen Polierens oder mittels Laserpolierens. In einem dritten Schritt (S3) wird die erzeugte gemittelte Rautiefe Rz der Innenwandungsoberfläche überprüft. Ist diese nicht kleiner als 2 μιτι springt das Verfahren zurück zu S2 und die Schritte S2 und S3 müssen noch einmal durchgeführt werden. Ist die Rautiefe Rz (schließlich) kleiner als 2 μιτι, ist die Driftröhre zur Verwendung in einem lonenmobilitätsspektrometer, welches einer Überwachung einer Narkose eines Patienten während eines medizinischen Eingriffs dient, geeignet (S4).
Bezugszeichenliste
2 lonenbeweglichkeitsspektrometer
4 lonisationskammerabschnitt
6 Bradbury-Nielsen-Gitter
8 Driftkammerabschnitt
10 lonisationsquelle
12 Hochspannungsring
14 Faraday-Platte
16 Apertur-Gitter
18 Einlassöffnung
20 Innenraum
22 Driftröhre
Wandung
Außenwandung
Innenwandung
Innenwandungsoberfläche Spitze
Tal
Molekül
Umlenkeinheit
Laser