Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum mechanischen Fügen (z. B. Clinchen
und Stanznieten) von aufeinanderliegenden Flächen von dünnen Bauteilen, wie
z. B. Blechen, und eine Vorrichtung zu seiner Durchführung nach den
Oberbegriffen der Ansprüche 1 bzw. 2. Beispiele solcher Verfahren und
Vorrichtungen sind in der DE 197 77 267 C2 und EP 0 890 397 A1 offenbart.
In beiden Vorveröffentlichungen sind das Schlagwerk mit seinem den Impuls
erzeugenden Kolben, der Stoßwellenleiter und der Stempel in einer vertikalen
Achse in Reihe angeordnet. Dadurch ergibt sich eine hoch aufbauende
Vorrichtung, so dass die Fügeverfahren, für die diese Vorrichtungen
vorgesehen sind, in Einsatzgebieten mit engen räumlichen Gegebenheiten
nicht einsetzbar sind, obwohl sie sich hierfür besonders gut eignen würden.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein Fügeverfahren nach dem Oberbegriff des
Anspruchs 1 und hierfür anwendbare Vorrichtungen nach dem Oberbegriff des
Anspruchs 2 zu schaffen, die einen wesentlich weniger hohen Aufbau des den
Stempel, den Stoßwellenleiter und das Schlagwerk enthaltenden Teils der
Vorrichtung ermöglichen.
Diese Aufgabe wird bezüglich des Verfahrens durch die im kennzeichnenden
Teil des Anspruchs 1 und bezüglich möglicher Ausführungsformen der
Vorrichtung durch die im kennzeichnenden Teil der Ansprüche 2, 3 und 5
angegebenen Merkmale gelöst.
Durch die Umlenkung der Stoßwellen wird es möglich, das Schlagwerk seitlich
und im großen Abstand zum Stempel anzuordnen, wodurch sich ein wesentlich
schlankerer Aufbau der Fügevorrichtung ergibt. Eine solche Fügevorrichtung
zeigt wesentlich weniger ungünstige "Störkonturen" und ist in ihren
Einsatzmöglichkeiten bezüglich ihrer Zugänglichkeit zu den Verbindungsstellen
mit einer Widerstands-Punktschweißzange vergleichbar.
Bei der Ausgestaltung des Stoßwellenleiters ist anzustreben, dass die vom
Schlagwerk in dem Stoßwellenleiter erzeugten Druckwellen im großen Umfang
auch im Stempel als solche angelangen und nicht auf ihrem Weg dorthin durch
Reflexion in Zugwellen umgewandelt werden. Dieses wird erreicht durch die in
den Ansprüchen 2, 3 und 5 beanspruchten drei unterschiedlichen
Vorrichtungsversionen.
Die erste Vorrichtungsversion ist im wesentlichen dadurch gekennzeichnet,
dass der Stoßwellenleiter abgewinkelt ist, wobei die Schenkel zumindest
weitestgehend geradlinig und das Zwischenstück in einem möglichst großen
Bogen verlaufen. Dadurch wird der größte Teil der Druckwellen im Übergang
von dem einen zum anderen Schenkel in einem großen stumpfen Winkel
reflektiert, so dass sie als Druckwellen im Stempel ankommen.
Bei der zweiten Version ist in dem Übergangsbereich von dem einen zu dem
anderen Schenkel des Stoßwellenleiters gezielt eine Reflexionsfläche
angeordnet. Diese Version ist dadurch gekennzeichnet, dass der
Stoßwellenleiter abgewinkelt ist, die äußere Winkelkante als Reflexionsfläche
schräg abgeflächt ist und die Abflächung so groß ist und in einem solchen
Winkel verläuft, dass ihre Projektionsfläche aus Sicht jeder der freien
Schenkelenden der Größe der senkrechten Querschnittsfläche der
gebundenen Schenkel entspricht. Diese Reflexionsfläche reflektiert die auf sie
auftreffenden Druckwellen in einem nur kleinen Winkel zur Mittelachse des
zweiten Schenkels, so dass sie in ihrer überwiegenden Menge auch als
Druckwellen in den Stempel gelangen.
Um die Wirkungsweise dieser Version einer Vorrichtung zu erhöhen, hat es
sich als vorteilhaft herausgestellt, an die Reflexionsfläche einen Massekörper
durch ein Federsystem anzupressen, wobei die Fläche des Massekörpers, mit
der er an der Reflexionsfläche anliegt, größer ist als die Reflexionsfläche und
diese allseitig überragt, sowie die Eigenfrequenz des Feder-Masse-Systems
halb so groß ist wie die Impulsfrequenz. Diese Zusatzmasse sorgt dafür, dass
eine an der Umlenkfläche eintreffende Druckwelle überwiegend auch als
Druckwelle und nicht als Zugwelle reflektiert wird. Dabei ist es vorteilhaft, wenn
die Zusatzmasse aus einem Material besteht, das einen größeren
Wellenwiderstand aufweist als der Stoßwellenleiter.
Bei der dritten Version einer Vorrichtung erfolgt die Stoßwellenumlenkung
durch Zwischenschaltung eines Kraftumlenkungsteils. Eine solche Vorrichtung
ist dadurch gekennzeichnet, dass der Stoßwellenleiter zweiteilig ausgeführt ist
und die beiden Stoßwellenleiterteile in einem Winkel zueinander stehen, dass
zwischen den beiden Stoßwellenleiterteilen ein abgewinkelter Prallkörper um
einen innen zwischen den Schenkeln liegenden Drehpunkt verschwenkbar
angeordnet ist, dass der Prallkörper mit seinem einen Schenkelende an dem
impulseingangsseitigen ersten Stoßwellenleiterteil unter Federdruck anliegt und
dass der Prallkörper mit seinem anderen Schenkelende von dem den zweiten
Schenkel aufnehmenden zweiten Stoßwellenleiterteil beabstandet ist. Dabei ist
es wichtig, dass der Druck der Feder so gewählt ist, dass der Prallkörper nach
seinem Ausschwenken beim Eintreffen des nachfolgenden Impulses wieder am
ersten Stoßwellenleiterteil anliegt.
Als Schlagwerk kann ein mit Druckluft angetriebener Kolben verwendet werden.
Es ist jedoch insbesondere zur Reduzierung der starken Schlaggeräusche
vorteilhaft, wenn die Impulserzeugung durch einen oder mehrere hintereinander
geschaltete piezo-elektrische Aktuatoren erfolgt. Die Hintereinanderschaltung
mehrerer Aktuatoren hat den Vorteil, dass eine Vergrößerung der
Schlagamplitude und damit ein größerer Stempelweg erreicht wird. Die piezo-elektrischen
Aktuatoren eignen sich ebenfalls gut zur Erzeugung einer
pulsierenden Kraft.
Die in die Matrize eingeleiteten Stoßwellen werden bei einer weiteren
vorteilhaften Ausgestaltung der Vorrichtung über einen Stoßwellenleiter
abgeleitet, der in gleicher Weise ausgestaltet ist wie der die Stoßwellen zum
Stempel leitende Stoßwellenleiter. Damit baut auch das Unterteil der
Fügevorrichtung weniger hoch als bei den bekannten Ausführungsformen.
Bei einer vorteilhaften Weiterbildung der erfindungsgemäßen Vorrichtungen
werden die mit dem Stempel und mit der Matrize verbundenen Stoßwellenleiter
von dem oberen bzw. unteren Zangenarm der im Scherenprinzip aufgebauten
Tragvorrichtung des Fügewerkzeugs gebildet. Diese Ausführungsform
ermöglicht einen sehr einfachen und schlanken Aufbau der gesamten
Vorrichtung.
Weiterhin ist es vorteilhaft, wenn am Ende des unteren Zangenarms zur
Vernichtung der Stoßwellen eine durch ein Federsystem an dem
Stoßwellenleiter angedrückte Prallmasse anliegt. Diese Prallmasse kann in
dem Fall, dass zur Fügekrafteinleitung piezo-elektrische Aktuatoren verwendet
werden, durch piezo-elektrische Aktuatoren ersetzt werden, die zeitgleich mit
den auf den Stempel einwirkenden Aktuatoren auf die Matrize einwirken.
In der Zeichnung sind verschiedene erfindungsgemäße Ausführungen der
Vorrichtung dargestellt, und zwar zeigen
Figur 1 die Fügevorrichtung aus der Seitenansicht, Figur 2 eine Einzelheit bei A des Stoßwellenleiters, Figur 3 eine andere Ausführungsform des Stoßwellenleiters bei der
Einzelheit A, Figur 4 eine Weiterbildung des Stoßwellenleiters nach Figur 3, Figur 5 eine weitere Ausführungsform des Stoßwellenleiters unter
Zwischenschaltung eines Prallkörpers, Figur 6 eine andere Ausführungsform des Prallkörpers gegenüber Figur 5, Figur 7 eine Seitenansicht einer weiteren Ausführungsform der Fügevorrichtung
und Figur 8 eine gegenüber der Ausführungsform nach Figur 7 abgeänderte
Ausführungsform der Fügevorrichtung.
Die in den Figuren 1, 7 und 8 dargestellten Ausführungsformen der
Fügevorrichtung sind nach dem Scherenprinzip aufgebaut, wobei der obere
Zangenarm 1 und der untere Zangenarm 2 im Drehpunkt 3 schwenkbar
miteinander verbunden sind. Sowohl der obere als auch der untere Zangenarm
1 und 2 erstrecken sich mit ihren Endabschnitten 4 und 5 über den Drehpunkt 3
hinaus. Zwischen diesen beiden Endabschnitten 4 und 5 ist eine Zustelleinheit
6 angeordnet, die die vorderen Zangenenden öffnet oder aufeinander zu
bewegt. Eine solche Scherenzange mit der vorbeschriebenen Anordnung der
Zustelleinheit, wobei letztere hinter dem Gewichtsschwerpunkt der
Scherenzange angeordnet ist, ermöglicht der Fügevorrichtung eine schlanke
Bauweise der Vorrichtung und verbessert die Handhabbarkeit durch eine
günstige Verteilung der trägen Massen.
Bei der Ausführungsform der Fügevorrichtung nach Figur 1 bildet sowohl der
obere Zangenarm 1 als auch der untere Zangenarm 2 jeweils einen
Stoßwellenleiter 9 und 10. Diese Stoßwellenleiter 9 und 10 sind nach rückwärts
durch eine sie tragende Halterung 11, 12 hindurchgeführt. Auf das durch die
Halterung hindurchragende Ende 13 des Stoßwellenleiters 9 wirkt ein
Schlagwerk 14 ein. Die durch das Schlagwerk 14 erzeugten Impulse werden
von dem Stoßwellenleiter 9 als Druckwellen in den abgewinkelten Schenkel 20
des Stoßwellenleiters 9 und von hier auf den Stempel 7 übertragen. Das
Schlagwerk 14 wird durch eine Feder 15 gegen das Ende 13 des
Stoßwellenleiters 9 angedrückt.
Der die Matrize 8 aufnehmende untere Zangenarm 2 ist ebenfalls als
Stoßwellenleiter ausgebildet. Das Ende dieses Stoßwellenleiters 10 ragt mit
seinem hinteren Ende 16 durch die Halterung 12 hindurch. Gegen dieses
hintere Ende 16 des Stoßwellenleiters 10 wird eine Prallmasse 17 durch die
Feder 18 gepreßt. Dieses Feder-Prallmassen-System dämpft die von der
Matrize 7 auf den Stoßwellenleiter 10 weitergegebenen Stoßwellen.
Um eine optimale Umlenkung der Stoßwellen von dem horizontalen Schenkel
19 des Stoßwellenleiters 9 in seinen vertikalen Schenkel 20 zu erreichen, ist
das die beiden Schenkel verbindende Zwischenstück 21 des Stoßwellenleiters
9 so auszubilden, dass die in dieses Zwischenstück umgelenkten Druckwellen
am Ende des vertikalen Schenkels 20 und damit am Stempel 7 als Druckwellen
und nicht als Zugwellen angelangen. Um diese Vorgabe so gut wie möglich zu
erfüllen, ist das Zwischenstück 21 - wie aus Figur 2 ersichtlich - bogenförmig
ausgestaltet, wobei ein Bogen mit einem möglichst großen Radius gewählt
werden sollte. Eine andere mögliche Ausführungsform ist in Figur 3 dargestellt,
wobei die von dem horizontalen Schenkel 19 geleiteten Stoßwellen an der
Fläche 22 in den vertikalen Schenkel 20 reflektiert werden.
Damit die aus dem horizontalen Schenkel 19 auf die Fläche 22 auftreffenden
Druckwellen überwiegend auch als Druckwellen und nicht als Zugwellen
reflektiert werden, liegt an der Fläche 22 ein zusätzlicher Massekörper 23 an,
der durch ein Federsystem 40 angepreßt wird. Die Fläche 24 des
Massekörpers 23, mit der letzterer an der Fläche 22 des Stoßwellenleiters 9
anliegt, ragt allseitig über die Fläche 22 des Stoßwellenleiters 9 hinaus, und die
Eigenfrequenz des Feder-Masse-Systems des zusätzlichen Massekörpers 23
ist halb so groß wie die Impulsfrequenz. Die Effektivität dieses zusätzlichen
Massekörpers 23 ist dann hoch, wenn er aus einem Material besteht, das einen
größeren Wellenwiderstand aufweist als der Stoßwellenleiter 9.
Bei der in Figur 7 dargestellten Ausführungsform werden die Stoßwellenleiter
25, 26 nicht von dem oberen und unteren Zangenarm 1 und 2 gebildet, wie
nach der Ausführungsform gemäß Figur 2, sondern hierbei sind die beiden
Zangenarme 1, 2 hohl ausgebildet und die beiden Stoßwellenleiter 25 und 26
sowie das Schlagwerk 14 und die Prallmasse 17 sind in die hohl ausgeführten
Zangenarme 1 und 2 eingesetzt. Das gleiche gilt für die beiden federnden
Andruckvorrichtungen 27 und 28 für das Schlagwerk 14 bzw. die Prallmasse
17. Dabei ist es vorteilhaft, wenn die Andruckvorrichtung 27 für das Schlagwerk
14 nachstellbar ist.
Bei der in Figur 8 dargestellten Fügevorrichtung sind anstelle eines
pneumatischen Schlagwerks piezo-elektrische Aktuatoren 29 eingesetzt. Die
Hintereinanderschaltung von mehreren piezo-elektrischen Aktuatoren erhöht
die Schlagamplitude, so dass die Elastizitätsgrenze des zu fügenden Materials
bei jedem Impuls überschritten wird. Anstelle der Prallmasse bei der
Ausführung nach Figur 7 sind bei dieser Vorrichtung im unteren Zangenarm
piezo-elektrische Aktuatoren eingesetzt, die zeitgleich mit den auf den Stempel
7 einwirkenden Aktuatoren 29 auf die Matrize 8 einwirken und somit die
Fügekraft verstärken.
Bei der in Figur 5 dargestellten Ausführungsform werden die vom Schlagwerk
14 erzeugten Stoßwellen durch einen schwenkbar gelagerten Prallkörper 31
umgelenkt. Die von dem Schlagwerk 14 in dem Stoßwellenleiter 32 erzeugten
Druckwellen werden von diesem in den Schenkel 35 des Prallkörpers 31
eingebracht. Dadurch schwenkt der Prallkörper um seinen Drehpunkt 34 in
Richtung des Pfeils B und stößt mit dem freien Ende seines Schenkels 36
gegen den Stoßwellenleiter 33 und erzeugt in diesem Stoßwellenleiter
Druckwellen, die von ihm auf den Stempel 7 übertragen werden. Der
Prallkörper 31 wird nach seinem Ausschwenken in Richtung des Pfeils B von
der Rückstellfeder 37 wieder in seine Ursprungslage zurückgeschwenkt. Damit
der Prallkörper 31 beim Zurückschwenken keinen Stoß auf den
Stoßwellenleiter 32 ausübt, fährt er beim Zurückschwenken gegen einen
elastischen Anschlagdämpfer 38. Die Kraft der Rückstellfeder 37 ist dabei so
gewählt, dass der Prallkörper 31 nach seinem Ausschwenken beim Eintreffen
des nachfolgenden Impulses wieder am ersten Stoßwellenleiterteil 32 anliegt.
In einer Weiterbildung des Prallkörpers 31 weist dieser, wie in Figur 6
dargestellt, zwischen seinen beiden Schenkeln 35, 36 eine
körperschalldämmende bzw. -dämpfende Zwischenschicht 39 auf. Diese
Zwischenschicht vermeidet bzw. reduziert die Biegeschwingungen im
Prallkörper 31.