DE99472A - - Google Patents

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DE99472A
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Description

KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
KLASSE 36: Heizung.
Patentirt im Deutschen Reiche vom i. November 1894 ab.
Die Beheizung mittelst Dampfes von niedriger Spannung erfolgt im Allgemeinen derart, dafs der in einem Kessel erzeugte Dampf mittelst Rohrleitungen den zu beheizenden Räumen zugeführt wird und in dort aufgestellten Oefen H zur Condensation gelangt. Dem einströmenden Dampfe tritt die in den Oefen H enthaltene Luft hindernd entgegen, und es ist Erfordernifs einer jeden Heizungsanlage, diese Luft auf bequeme und zuverlässige Weise aus den Oefen zu entfernen. Der alsdann eintretende Dampf eondensirt an den Ofenflächen und wird, so lange der Ofen angestellt ist, durch nachströmenden Dampf ersetzt. Wird der Ofen H nun abgestellt, so würde Luftleere in demselben entstehen, weil kein neuer Dampf nachströmt.
Das erfolgt indessen bei den bisherigen Dampfheizungen, besonders allen bekannten Niederdruck-Dampfheizungen, nicht, weil entweder in Behältern aufgespeicherte Luft (ζ. Β. System Käu ff er) oder Luft aus dem Freien (z: B. bei centraler Entlüftung oder bei gewöhnlicher Entlüftung durch Hähne oder dergleichen) in die Heizkörper zurückströmt und so den Leerraum anfüllt, oder indem der letztere, durch zurücktretendes Condenswasser angefüllt wird.
Das vorliegende System behält jedoch die Luftleere dauernd bei. Diese dauernde Luftleere kann nur erhalten werden, wenn der Luft der Rücktritt von allen Seiten verwehrt wird. Das ist nun bei keinem der bisher bekannten Systeme erreichbar, indem entweder durch die EntlUftungsvorrichtungen oder die Standrohreinrichtung des Kessels, sowie durch Regulatoren u. s. w. die Luft einzutreten vermag.
Damit die Luft nicht ebenfalls in das hier zu beschreibende System eintreten kann, wird das System erstens mit einem der bekannten Regulatoren versehen, welche gegen die Aufsenluft abgeschlossen sind, und zweitens wird dem für Niederdruck-Dampfheizung vorgeschriebenen offenen Standrohr eine derartige Einrichtung gegeben, dafs wohl einerseits der Austritt des Dampfes ins Freie ungehindert erfolgen kann, sobald der Dampfdruck Y2 Atmosphäre übersteigt, andererseits aber die Luft nicht zurücktreten kann. Das offene Standrohr der bekannten Heizungssysteme taucht etwa 30 bis 40 cm in den Wasserinhalt des Kessels ein; sobald also in dem Heizsystem eine geringe Luftleere von der gleichen Wassersäulenhöhe vorhanden ist, tritt infolge des atmosphärischen Ueberdruckes die Luft rückwärts durch, den Wasserinhalt des Kessels hindurch ein.
Bei vorliegendem System soll der Lufteintritt dadurch verhindert werden, dafs das Standrohr S entweder heberförmig von dem Kessel K abgezweigt und 10 m hoch geführt wird oder von der Dampfleitung D abzweigt, und zwar in einer solchen Höhe, über dem Kesselwasserstande, welche es ermöglicht, das Rohr 10 rn tief zu einem Gefäfs G mit
Wasserfüllung hinabzuführen, von welchem ein offenes Standrohr T ausgeht. Beide Rohre, sowohl die Dampfleitung bezw. der Heber 5 wie auch das Standrohr T, münden unterhalb des Wasserspiegels in diesem Gefäfs, welches einen Wasserinhalt von etwas mehr, als zur Füllung des io m langen Heber- oder Dampfleitungsrohres erforderlich ist, erhält.
Tritt in dem Kessel Dampfdruck von mehr als Y2 Atmosphäre ein, so wird der Wasserinhalt des Gefäfses durch T hinausgedrückt und dem Dampf freier Austritt gestattet. Umgekehrt wird durch die entstehende Luftleere in der Heizung das Wasser des Gefäfses in dem heberförmigen Standrohr S in die Höhe gesogen, und da dieses io m hoch oberhalb des Gefäfses ausmündet, so bleibt die Luftleere in dem Heizsystem dauernd gesichert. Zur Erzeugung der dauernden Luftleere wird das ganze Heizungssystem mittelst Dampfes beim Anheizen gefüllt, wobei der Lufthahn des Luftgefäfses L K geöffnet ist. Sobald das ganze System mit Dampf angefüllt ist, wird der Lufthahn geschlossen, und wenn nun einer der Oefen gegen Dampfeintritt abgeschlossen wird, tritt in demselben Luftleere ein. Der Dampfzutritt zu jedem Ofen wird der Condensation entsprechend durch Ventilregelung so bemessen, dafs nicht mehr Dampf zugelassen wird, als condensirt werden kann.
Es kann sonach durch die Condensleitungen kein Dampf von einem Ofen zum anderen rückwärts durchschlagen. Erforderlichen Falles wird das Durchschlagen durch Rückschlagventile verhindert.
Die Condenswasserleitungen von den Heizkörpern werden oberhalb des höchsten Wasserstandes mittelst einer Luftrohrleitung verbunden , die ihrerseits in einen Luftkessel L K mündet, welcher durch eine selbsttätige oder von Hand stellbare Entlüftungsvorrichtung entleert wird. Zur Verhinderung des Eintretens von Condenswasser in diese Luftleitung werden die Condensleitungen mit irgend einer der bekannten Vorrichtungen zum Abscheiden der Luft vom Wasser versehen, so dafs kein Condenswasser . in die Luftleitung abstritt. Die Condenswasserleitungen erhalten nur so viel Lichtweite, als zur Abführung des Coridenswassers erforderlich ist. Infolge der Luftleere in der Heizung braucht der im Kessel erzeugte Dampf keinen Luftwiderstand zu überwinden. Die etwa noch in den Heizkörpern vorhandene Luft sinkt in den Luftkessel. Es bedarf sonach nur aufserordentlich geringer Spannung im Dampferzeuger, und der Wasserdampf tritt ungehindert in die Heizkörper ein, welche sich gleichmäfsig erwärmen können. Infolge der geringen Spannung im Heizsystem genügt sodann auch ein einfaches Ventil zur sicheren Regelung der Wärmeabgabe desselben.
Weil das System keine Luft erhält bezw. die Luft, welche durch die Undichtigkeiten eingedrungen ist oder sich aus nachgefülltem Wasser erzeugt hat, von Zeit zu Zeit ausger trieben wird, so ist ferner jedes Knallen in den Leitungen und Rosten der Eisenröhren u. s. w. von innen ausgeschlossen. Während bei Heizungssystemen mit centraler oder anderer directer Entlüftung auch Dampf durch diese entweichen kann, ist das vorliegende geschlossene System, welches keinen Dampfverlust zuläfst, auch sparsamer im Betriebe.
Die allgemeine Anordnung bezüglich der Kessel, Leitungen und Heizkörper unterscheidet sich nicht von den bekannten Heizungssystemen.
Alle Verbindungen werden luftdicht geschlossen. Infolge der Anordnung des Systems erzeugt der Dampfdruck im Kessel keine Aenderung des Wasserstandes in den Condenswasser - Rohrleitungen. Bei allen offenen Systemen steigt das Kesselwasser im Verhältnifs des Dampfdruckes in denselben hoch und steht dementsprechend hoch in den Condensleitungen, sogar oft in den Oefen selbst.
Es besitzt dieses Heizungssystem sonach ganz wasserfreie Rohrleitungen, mit Ausnahme des letzten Rohrstückes der Condensleitung am Kessel, in welchem das Wasser auf gleicher Höhe mit dem Kesselspeisewasser steht. Das vorliegende System unterscheidet sich demnach von allen bisher bekannten Heizungssystemen dadurch, dafs
1. die Oefen nur einmal beim Beginn der Heizperiode entlüftet werden, sonach alle diejenigen Nachtheile, welche mit der Entlüftung verbunden sind, vermieden werden und stets auf gleichmäfsige Erwärmung der ganzen Ofenheizfläche gerechnet werden kann. Störungen sind nahezu ausgeschlossen; dem Dampf tritt in den Rohrleitungen kein Widerstand entgegen.
2. Das System' arbeitet ohne jeden Ueberdruck; die Dampfspannung wird in der Regel unter Null sein, mithin geringer als bei jedem anderen Heizungssystem. Bei diesen mufs stets Ueberdruck vorhanden sein, um die Luft aus dem Heizungssystem zu drücken, also den atmosphärischen Ueberdruck oder den Gegendruck in den Luftgefäfsen zu überwinden.
3. Das System theilt mit den bekannten geschlossenen Systemen den Vorzugs dafs keine sauerstoffreiche Luft in das System eintritt, weil überhaupt keine Luft eintritt. Die Dauer der Rohrleitungen ist sonach eine erheblich gröfsere.
Neu ist die Anordnung des Standrohres bei den beschriebenen Einrichtungen, durch welche
der Eintritt von Luft in die Rohrleitung und die Heizkörper verwehrt wird.

Claims (1)

  1. . Patent-Anspruch:
    Bei einer nach aufsen abgeschlossenen Niederdruck-Dampfheizung zur Erhaltung der Luftleere die Anordnung eines heberförmigen Standrohres (S) von einer dem Atmosphärendruck entsprechenden Saughöhe, dessen eines Ende in das Kesselwasser taucht oder an die Dampfleitung angeschlossen ist, dessen anderes Ende in ein geschlossenes, mit Standrohr (T) versehenes Wassergefäfs (G) taucht.
    Hierzu ι Blatt Zeichnungen.

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