DE930286C - Verfahren zur Herstellung von Polyamiden - Google Patents

Verfahren zur Herstellung von Polyamiden

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Description

  • Verfahren zur Herstellung von Polyamiden Es ist bekannt, daß sich Dicarbonsäureester von Phenolen leichter und bei niedrigerer Temperatur mit Diaminen, insbesondere diprimären Diaminen, zu linearen Polyamiden umsetzen als Dicarbonsäuredialkylester. Wenn dieses Verfahren trotz seiner Vorzüge bisher wenig Anwendung gefunden hat, so liegt das zum Teil daran, daß die bei der Reaktion frei werdenden Phenole wegen ihrer hohen Affinität zu Polyamiden sich nur schwer aus den fertigen Polyamidschmelzen oder aus den geformten Gebilden wieder entfernen lassen. Besonders gilt dies für dickere.Gebilde, wie Folien oder Preßlinge.
  • Es wurde nun gefunden, daß man unter milden Arbeitsbedingungen zu hochmolekularen linearen oder vernetzten Polyamidverbindungen der verschiedensten Art gelangen kann, wenn man di- oder polyfunktionelle Amine und Di- oder Polycarbonsäureester oder di-oder polyfunktionelle Aminocarbonsäureester, in denen die Säurecarbonylgruppen wenigstens anteilig an Mercaptane gebunden sind, in Gegenwart oder Abwesenheit von Lösungs-, Verdünnungs- oder Flußmitteln kondensiert. Bevorzugt ist die Polykondensation bifunktioneller Stoffe, die ungefähr äquivalente Mengen an Estergruppen und wasserstofftragenden Aminogruppen im gleichen oder in verschiedenen Molekülen besitzen, zu linearen, verspinnbaren Superpolyamiden.
  • Vorzugsweise verwendet man Ester, die sich von niederen, leicht flüchtigen Mercaptanen ableiten, z. B. von Methyl-, Äthyl-, Propyl-, Isopropyl- oder Allylmercaptan. Es sind aber auch höhere Mercaptane, z. B. Hexyl-, Dodecyl-, Phenyl- oder Benzylmercaptan, nicht ausgeschlossen, zumal die Gleichgewichtslage der Polyamidbildung bei den Mercaptanen viel günstiger ist als bei den Alkoholen. Höhermolekulare Mercaptane sind namentlich dann zu verwenden, wenn keine besonders hohen Polymerisationsgrade erstrebt werden oder wenn Arbeiten bei verhältnismäßig hoher Temperatur und unter stark vermindertem Druck möglich ist. Im Falle der Thiophenole kommt noch hinzu, daß deren Affinität zu Polyamidverbindungen geringer ist als die der Phenole. Auch praktisch unflüchtige Mercaptanverbindungen sollen als Bestandteile der Ester nicht ausgeschlossen sein, besonders wenn es sich um die Herstellung vernetzter Polyamide, z. B. auf Substraten oder in Verbindung mit einer Verformung, handelt.
  • Für die Herstellung linearer Polykondensationsprodukte kommen die Mercaptanester derselben Aminocarbonsäuren oder Dicarbonsäuren in Betracht wie bei den bekannten Polykondensationen der freien Carboxylverbindungen. In erster Linie also Aminocarbonsäureester mit mindestens 5 Kohlenstoffatomen zwischen veresterter Carboxylgruppe und Aminogruppe und Dicarbonsäureester mit q. oder mehr Kohlenstoffatomen zwischen den beiden Monothiocarboxy-S-estergruppen. Bei der leichten Reaktionsfähigkeit der Ester der Mercaptane sind aber auch kürzerkettige Aminosäureester, z. B. a-Aminosäureester oder ß-Aminosäureester, ferner Dicarbonsäureester leicht imidbildender Säuren, wie Bernsteinsäure und Glutarsäure, mit Vorteil verwendbar. Imidbildende Säuren sind vor allem dann verwendbar, wenn entweder keine sehr hohen Polykondensationsgrade .erforderlich sind oder wenn zur Amidbildung nicht oder nicht ohne weiteres befähigt e Aminoverbindungen, z. B. disekundäre Diamine oder Hydrazinverbindungen verwendet werden. Beim Arbeiten mit imidbildenden Dicarbonsäuren ist die Möglichkeit der Verwendung verhältnismäßig niedriger Kondensationstemperaturen ein spezifischer Vorzug des Verfahrens.
  • Die Aminocarbonsäure-mercaptanester können sich beispielsweise von folgenden Aminocarbonsäuren ableiten: a-Aminopropionsäure, a-Aminobuttersäure, a-Amino-a, a'-methyläthylessigsäure, ß-Aminopropionsäure, a, a-Dimethyl-ß-aminopropionsäure, e-Aminocapronsäure, g-Aminononansäure, ii-Aminoundecansäure.
  • In manchen Fällen sind die freien Aminocarbonsäuremercaptanester so außerordentlich reaktionsfähig, daß sie als Salze für die Kondensation eingesetzt werden müssen. Die Aminogruppen werden dann durch Säure bindende Stoffe, z. B. tertiäre Amine, oder durch Verflüchtigung der Säure frei gemacht. Letzteres gilt für Verbindungen der Aminosäureester mit CO, oder H2 S. Auch durch doppelte Umsetzung mit Allialiverbindungen von Lactamen, wie z. B. Caprolactamnatrium, können die ,Estersalze in die freien Ester übergeführt werden.
  • Als Dicarbonsäuren seien beispielsweise die folgenden erwähnt: Oxalsäure, Glutarsäure, Adipinsäure, 3-Methyladipinsäure, Sebacinsäure, Terehhthalsäure, Isophthalsäure, ß, ß'- [p-Phenylen] -dipaopionsäure, Dibutylthioäther-b, ö'-dicarbonsäure, Dipropylsulfony', y'-dicarbonsäure, N-Methyliminodiessigsäure, N-Methylimino-bis-undecansäure, 6-Oxyundecani, ii-dicarbonsäure, Benzol-i, 3, 5-tricarbonsäure.
  • Außer den genannten Säuren kommen auch solche in Frage, die bereits Amidgruppen in irgendeiner Form in der Kette enthalten, z. B. in Form von Carbonamid-, Harnstoff-, Thioharnstoff-, Urethan-, Sulfonamid-, Sulfamid-, Hydrazidgruppen, wie die folgenden: Oxalyl-bis-[e-aminocapronsäure], Terephthaloylbis-[s-aminocapronsäure], Tetramethylenglykol-bis-[carbamidsäureester-N, N'-di-s-capronsäure] (aus Tetramethylenglykol-bis-chlorameisensäureester und E-Aminocapronsäure nach Schotten-Baumann), N, N'- Hexamethylen-bis - [carbamidsäufe - co - carboxydecylester] (aus oxyundecansaurem Natrium und Hexan-i, 6-düsocyanat), N, N'-Hexamethylendi-[sulfonyl-e-aminocapronsäure], N, N'-Carbonyl-bis-[s-aminocapronsäure] der Formel H 0 0 C - (C H2).5 -NH-CO-NH- (CH2)5-COOH, N, N'-Hexamethylendi-[harnstoff-co, co'-E-capronsäure], Sulfonylbis-[ö-aminovaleriansäure]. Schließlich können auch linearpolymere Dicarbonsäureester mit Mercaptoesterendgruppen eingesetzt werden, wie sie erhältlich sind, wenn man Diamine mit überschüssigen Dicarbonsäureestern von Mercaptanen zur Umsetzung bringt. Dieses Verfahren ist namentlich dann von Bedeutung, wenn Mischungen verschiedener Vorkondensate unter Erhaltung ihrer Struktur zusammen kondensiert werden sollen, wobei Produkte mit höherem Schmelzpunkt, geringerer Löslichkeit und höherer Kristallinität erhalten werden.
  • Es liegt im Rahmen der Erfindung, die Mercaptanester zum Teil zu ersetzen durch andere reaktionsfähige mehrwertige Acylierungsmittel, z. B. Oxalsäureester, wie Oxalsäurediisopropylester, Diarylester organischer Dicarbonsäuren, wie Sebacinsäurediphenylester, Diarylester der Methionsäure, Diphenylcarbonat, Di- und Polyisocyanate und solche in der Hitze liefernde Stoffe, z. B. Diurethane, wie Alkylenbis-[carbamidsäurephenylester], Diisothiocyanate, Schwefelkohlenstoff, N, N'-Acylen-bis-lactame, z. B. der Dilactame aus e-Caprolactam und Adipinsäure-oder Sebacinsäurechlorid, oder das Dilactam aus a-Pyrrolidon und Terephthalsäurechlorid. In Frage kommen ferner als Zusätze polymerisierbare Lactame und Aminocarbonsäureester. Die Mitverwendung verhältnismäßig träge reagierender Ester, z. B. der Dialkylester von Dicarbonsäuren, ist an sich möglich, bedingt aber eine Verlängerung der Reaktionszeit. Man wird also solche Ester hauptsächlich dann zusetzen, wenn ihre Verwendung aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus gegeben erscheint. Bei der Herstellung von Mischpolyamiden kann die Verwendung von Komponenten mit verschiedenen Umsetzungsgeschwindigkeiten auch technische Vorteile haben, da die Enderzeugnisse andere Eigenschaften besitzen, als wenn reaktionskinetisch gleichwertige Komponenten verkettet werden.
  • Zur Umsetzung mit den Mercaptanestern von Di-und bzw. oder Polycarbonsäuren eignen sich die verschiedenen Di- und Polyamine mit mindestens zwei basischen, wasserstofftragenden Stickstoffatomen, wie Äthylendiamin, Trimethylendiamin, Hexamethylendiamin, N, N'-Dimethylhexamethylendiamin, N-Butylhexamethylendiamin, N-a-Äthylhexylhexamethylendiamin, ß-Methylhexamethylendiamin, Dekamethylendiamin, i, i2-Diaminooctadecan, i, 4-Diaminocyclohexan, q., 4'-Diaminodicyclohexylmethan, 4,q'-Diaminodicyclohexyläthan, Piperazin, i, 3-Diaminobenzol, Benzidin, y, y'-Diaminodipropyläther, Tetramethylen-bis-[y-aminopropyläther], y, y'-Diaminodipropylsulfid, Diäthylentriamin, N-Methyl-di-[y-aminopropyl]-amin, Triäthylentetramin, Polyäthylenimin, hydroxylierte Polyamine, wie 6-Oxy-i, ii-diaminoundecan, N-ß-Oxypropyl-N-di- [y-aminopropyl] -amin (aus der u), w'-Diformylverbindung des Dipropylentriamins und Propylenoxyd mit nachfolgender Verseifung), N-ß-Mercaptopropyl-N-di-[y-aminopropyl]-amin (erhältlich wie die vorstehende Verbindung, jedoch unter Benutzung von i, 2-Propylensulfid als Alkylierungsmittel), Hydrazin und dessen Substitutionsprodukte mit mindestens 2 wasserstofftragenden Hydrazinstickstoffatomen, z. B. sym.-Dimethylhydrazin, N, N'-Diaminopiperazin, Semicarbazid, Carbodihydrazid, ganz oder teilweise desacyliertes Chitin, Aminoäthyläther der Cellulose, Polyvinylamine (erhältlich durch Reduktion von Polyvinylketonen in Gegenwart von Ammoniak oder primären Aminen), ferner Gelatine, Casein, Zein, Sojaprotein, mit Äthyleniminen umgesetzte Eiweißstoffe, z. B. mit Äthylenimin behandeltes Casein. Die Umsetzungen können in Gegenwart oder Abwesenheit von Lösungsmitteln durchgeführt werden. Lösungsmittel sind vor allem dann zweckmäßig, wenn bifunktionelle Ausgangsstoffe Verwendung finden und hochschmelzende, unvernetzte linearpolymere Erzeugnisse erhalten werden sollen. Stoffe, die unter Vernetzung zu unlöslichen Kondensationsprodukten reagieren, werden entweder auf Substraten, z. B. Holzmehl, Faserstoffen, Geweben, Papierbahnen, erforderlichenfalls getrennt aufgetragen, zur Umsetzung gebracht oder nach genügender Homogenisierung heiß verpreßt, zweckmäßig in Gegenwart von Weichmachern oder Plastifizierungsmitteln. In dieser Weise kann z. B. Casein verarbeitet werden. Als Lösungsmittel oder M'eichmacher sind fallsweise Alkohole, Phenole, Amide, Sulfone, Dialkylcyanamide verwendbar. Bei sehr leicht löslichen Umsetzungserzeugnissen, z. B. solchen, die unter Verwendung alkylierter Diamine, wie N, N'-Dimethylhexamethylendiamin, N-Monobutylhexamethylendiamin, N-a-Äthylhexylhexamethylendiamin oder i, i2-Diaminooctadecan, aufgebaut sind, können auch Kohlenwasserstoffe und deren Halogenverbindungen Verwendung finden. Beispielsweise kommen folgende Stoffe in Betracht: Chlorbenzol, o-Dichlorbenzol, Delzahydronaphthalin, Anisol, 3-Oxytetrahydrofuran, Tetrahydrofurfuralkohol,m-Kresol, Resorcin, N-Äthyiformamid, N, N'-Dimethylformamid, N-Formylpyrrolidon, a-Pyrrolidon, N-Methyl-a-pyrrolidon, Methyläthylsulfon, Tetramethylensulfon, Dimethylcyanamid, N-Cyanpyrrolidin.
  • Die Umsetzungstemperaturen können je nach der Reaktionsfähigkeit der Ausgangsstoffe und dem gewünschten Polymerisationsgrad in weiten Grenzen schwanken. Im allgemeinen liegen sie zwischen Raumtemperatur und 25o°, vorwiegend zwischen ioo und 2oo°. Am leichtesten reagieren die Ester des Methylmercaptans und primäre Aminoverbindungen, insbesondere solche, in denen die Aminogruppen an eine Kette von mindestens zwei oder mehr C H2 Gruppen gebunden sind. Im Gegensatz zu Kondensationen von Aminoverbindungen mit Carbonsäuren schmelzen die Reaktionsgemische in vielen Fällen schon bei niedriger Temperatur, so daß der Ausführung der Polykondensationen unter milden Temperaturbedingungen auch in dieser Hinsicht nichts im Wege steht.
  • Die leichte Reaktionsfähigkeit und der in der Regel niedrige Schmelzpunkt der Ausgangsmischungen läßt das Verfahren besonders zur kontinuierlichen Durchführung geeignet erscheinen. Die Umsetzung verläuft außerordentlich schnell, z. B. innerhalb von wenigen Minuten, wenn man die Mischung der Komponenten in dünner Schicht über beheizte Oberflächen fließen läßt oder durch andere Mittel dafür sorgt, daß das abgespaltene Mercaptan sich schnell verflüchtigen kann. Bei Verwendung von leicht flüchtigen Aminen kann es beim kontinuierlichen und beim diskontinuierlichen Verfahren zweckmäßig sein, eine Druckstufe vorzuschalten. Man kann aber auch den sich mit dem Mercaptan verflüchtigenden Aminanteil durch Einsatz oder Nachsatz entsprechender Überschüsse ausgleichen. Das abdestillierte Mercaptan läßt sich leicht durch Kondensation oder durch Adsorption, z. B. in Kieselgel, zurückgewinnen. Die Kondensation kann auch kontinuierlich oder diskontinuierlich unterhalb des Schmelzpunktes durchgeführt werden. Zum Beispiel kann man die Mischung der Reaktionsteilnehmer zunächst bei niedriger Temperatur in der Schmelze vorkondensieren, das wiedererstarrte, niedrigpolymere Polyamid zermahlen und das pulverige Gut auf Transportbändern durch beheizte Kanäle hindurchführen.
  • Die Reaktion wird durch alkalisch reagierende Stoffe beschleunigt, z. B. durch geringe Mengen von Alkaliverbindungen, wie Alkali- und Erdalkalialkoholaten, Alkalimercaptiden, Alkaliverbindungen mit Amiden, z. B. a-Caprolactamnatrium, ferner durch tertiäre Amine, wie Tributylamin, Isochinolin, Diäthylanilin. Auch basische Amide wie Diäthylformamid, N-Methyl-a-pyrrolidon wirken reaktionsfördernd. Die Wirkung der alkalischen Beschleuniger tritt besonders gegen Ende der Reaktion in Erscheinung, wenn das Reaktionsgemisch an basischen, wasserstofftragenden Aminogruppen verarmt. Selbstverständlich wirken auch in die Umsetzungsteilnehmer eingebaute basische Gruppen im gleichen Sinne.
  • Die Verwendung von wasserfreien Alkaliverbindungen als Beschleuniger kann dazu ausgenutzt werden, gleichzeitig zugesetzte Lactame mit zur Polymerisation zu bringen, insbesondere s-Caprolactam.
  • Das Verfahren ist besonders wichtig zur Gewinnung von Polyamidverbindungen aus Reaktionsgemischen, die verhältnismäßig empfindliche Stoffe enthalten, z. B. Diamine und bzw. oder Dicarbonsäurederivate mit basischem sekundärem oder tertiärem Stickstoff oder mit Amidgruppen in der Kette, oder auch Diaminodicarbonsäureverbindungen mit Hydroxyl-oder Sulfhydrylgruppen, z. B. Estern der Schleimsäure, acetylierten Weinsäureestern, Estern der 6-Oxyundecandisäure-(i, ii) oder der 3-Oxyphenyladipinsäure. Man arbeitet in solchen Fällen vorzugsweise bei möglichst niederer Temperatur und verwendet, wenn die Enderzeugnisse zu hoch schmelzen, Lösungs-oder Weichmachungsmittel in zur gewünschten Herabsetzung des Schmelzpunktes ausreichender Menge. Da bei der Reaktion nur die indifferenten Mercaptane gebildet werden, besteht zumal bei milder Temperatur keine Gefahr der Spaltung empfindlicher Amidgruppen. Man kann deshalb auch Derivate von a-Aminocarbonsäuren zum Einbau verwenden, z. B. Amidverbindungen, wie N, N'-Diglycyl-hexamethylendiamin der Formel N H2-C Hz-C 0-N H- (C H,), -N H-C 0-C H2 N Hz Auch die Gefahr von Vernetzung beim Einbau von in bezug auf die Polyamidbildung bifunktionellen Stoffen mit zusätzlichen Hydroxyl- oder Sulfhydrylgruppen ist verringert oder ganz vermieden.
  • Besonders interessant und praktisch wertvoll sind die nach dem Verfahren erhältlichen basischen Polyamide, die sich in verdünnten wäßrigen Säuren kalt oder warm lösen. Wichtig sind vor allem Mischpolyamide, in denen der Gehalt an basischem Stickstoff so weit reduziert ist, daß die Produkte wohl noch in der Hitze, nicht aber mehr in der Kälte in verdünnter Säure, z. B. 2 bis 3 n-Essigsäure, löslich sind. Warm bereitete Lösungen derartiger Polyamide erstarren in der Kälte zu gelatineähnlichen Gallerten, die bei ausreichendem Polymerisationsgrad hervorragende Gelfestigkeiten aufweisen können.
  • Die Verfahrensprodukte eigenen sich wie die bekannten Polyamide, soweit sie linearer Natur sind, zur Herstellung von Fasern, Folien, Überzügen und dreidimensionalen Formlingen. Die als Salze heißwasserlöslichen, in der Kälte gelatinierenden Polyamide sind neuartige Austauschstoffe für Gelatine und ähnliche Stoffe. Mäßig stark vernetzte Gebilde eignen sich zur thermoplastischen Verformung. Vernetzte Polyamide können auch in Verbindung mit einer Verformung oder auf Substraten hergestellt werden, z. B. zum Zwecke der Animalisierung. Im letzteren Fall können vorteilhaft Ester von Mercaptanen mit wasserlöslichmachenden Gruppen Verwendung finden, z. B. Ester aus Dicarbonsäuren und Mercaptocarbonsäuren, wie Thioglykolsäure, oder Mercaptoaminen, wie ,B-Mercaptoäthyl-diäthylamin.
  • Beispiel i Zu 41,75 Teilen Tetramethylen-bis-[y-aminopropyläther] (1/2o. Mol Überschuß) gibt man unter Rühren 51,73 Teile Bis-[monothioterephthalsäure-S-äthylester] (hergestellt aus Terephthalsäurechlorid und Natriumäthyhnercaptid, weiße Blättchen aus Essigester, Schmelzpunkt 89 bis go°). Die Umsetzung beginnt sofort unter lebhafter Mercaptanentwicklung. Man erwärmt im Stickstoffstrom innerhalb von 8o Minuten auf 22o°, beläßt 1/2 Stunde bei dieser Temperatur und erhitzt schließlich noch 1/Z Stunde auf 23o°. Zum Schluß wird der Druck für 2o Minuten auf ioo mm erniedrigt. Die erhaltene zähe, schwachgelbe Schmelze läßt sich zu endlosen, durch Recken orientierbaren Fäden von guter Festigkeit und Kochbeständigkeit verspinnen. Das Material erweicht bei etwa igo° und schmilzt zwischen Zoo und 2io°. Es eignet sich auch sehr gut zum Verarbeiten nach dem Spritzgußverfahren. Ersetzt man den Terephthalsäureester des Äthylmercaptans durch Terephthalsäurediäthylester, so ist eine viel längere Erhitzungszeit notwendig, um ein spinnbares Polyamid zu erhalten.
  • Beispiel 2 i Mol Bis-[monothiosebacinsäure-S-äthylester] und i Mol Decamethylendiamin werden, wie im Beispiel i angegeben, allmählich auf 2io° erwärmt, bis die Abspaltung von Äthylmercaptan so gut wie aufgehört hat. Man erhitzt dann noch kurze Zeit auf 23o°, schließlich unter vermindertem Druck. Die Schmelze kann in der üblichen Weise auf Borsten verarbeitet werden. Schmelzpunkt des Polyamids 194 bis i96°. Beispiel 3 Man kondensiert 3 Mol Bis-[monothioadipinsäure-S-äthylester] mit 2 Mol N-Methyl-N-di- [y-aminopropyl] -amin und i Mol Hexamethylendiamin i Stunde unter Druck auf 2io°, destilliert dann das Mercaptan unter Druckentlastung allmählich ab und hält schließlich die Schmelze noch i Stunde auf 23o°. Das erhaltene Polyamidlöstsich in zweifachnormaler wäßriger Essigsäure in der Wärme. Die Lösung gelatiniert beim Erkalten zu einer steifen elastischen Gallerte. Kondensiert man das Triamin und den Adipinsäureester im Verhältnis i : i, so erhält man ein stark basisches Polyamid, das sich in zweifachnormaler Essigsäure auch kalt löst.
  • Beispiel ¢ Man tränkt Viscosezellwolle mit einer fünfprozentigen wäßrigen Lösung von Polyäthylenimin, schleudert ab und trocknet bei 40°. Die getrocknete Faser wird dann kurz imprägniert mit einer vierprozentigen wäßrigen Lösung des Umsetzungsproduktes aus i Mol Terephthalsäurechlorid und 2 Mol ,B-Mercaptoäthyldiäthylamin. Man schleudert ab und erwärmt die Zellwolle 2 Stunden auf z25°. Anschließend wird mit Wasser gewaschen und in der üblichen Weise für die Verarbeitung fertiggemacht. Das Polyäthylenimin ist auf der Faser fest verankert und verleiht der Zellwolle eine erhöhte Gebrauchstüchtigkeit. Von saurem Wollfarbstoffen wird die Faser kräftig angefärbt.
  • Beispiel 5 Zu einem geschmolzenen Gemisch von 3 Mol Bis-[monothioterephthalsäure-S-äthylester] und z Mol Sebacinsäuredi-[p-isooctylphenylester] gibt man 4 Mol y, y'-Diaminodipropyläther, erhitzt das Gemisch 1/2 Stunde unter Druck auf 2oo°. Dann wird der Druck unter allmählicher Steigerung der Temperatur auf 23o° abgelassen und schließlich noch 1/2 Stunde auf 23o° erhitzt. Das als Band ausgepreßte und zerkleinerte Polyamid enthält p-Isooctylphenol als Weichmacher und eignet sich gut zur Verarbeitung nach dem Spritzgußverfahren. Es kann auch aus der Schmelze zu Folien und Bändern vergossen werden. Beispiel 6 Zu einem Gemisch aus je i Mol Oxalsäurediisopropylester und Bis- [monothioterephthalsäure-S-äthylester] gibt man unter Rühren 2 Mol Tetramethylenbis-[y-aminopropyläther] und erhitzt allmählich auf igo°. Nach zweistündigem Erhitzen zum Schluß unter auf 40 mm vermindertem Druck wird die Schmelze auf Borsten versponnen.
  • Beispiel 7 Zu einem Gemisch aus i Mol wasserfreiem a-Caprolactam und i Mol Bis- [monothioterephthalsäure-S-methylester], der 1/7o Mol E-Caprolactamnatrium enthält, gibt man i Mol Decamethylendiamin hinzu und erhitzt die Schmelze allmählich auf 27o°. Nach einhalbstündigem Belassen bei dieser Temperatur kann die Schmelze zu guten, durch Recken orientierbaren Fäden versponnen werden.
  • Beispiel 8 Gleiche Molteile Decamethylendiamin und Bis-[monothiosebacinsäure-S-äthylester] werden kontinuierlich vermischt und in eine auf igo bis 2oo° erhitzte Rinne eingefördert. Unter heftiger Entwicklung von Äthylmercaptan entsteht in wenigen Minuten eine zähe Schmelze, die man durch Herabfließenlassen über auf 22o bis 27o° beheizte kugelkalottenförmige Oberflächen fertigpolymerisiert. Das in einen Sumpf abfließende Polyamid ist sofort zu Fäden verspinnbar. Beispiel g Gleiche Molteile Bis- [monothiosebacinsäure-S-äthylester] und 6-Oxy-i, ii-diaminoundecan werden allmählich auf 2io° erhitzt, schließlich unter auf io mm herabgesetztem Druck. Das erhaltene Polyamid ist unzersetzt schmelzbar und läßt sich zu kalt reckbaren Fäden von guter Festigkeit verspinnen. Die Fäden können durch Umsetzung mit zweiwertigen Acylierungsmitteln, z. B. mit Hexamethylendiisocyanat, vernetzt werden.
  • In gleicher Weise kann die Sulfhydrylverbindung umgesetzt werden.

Claims (3)

  1. PATENTANSPRÜCHE: i. Verfahren zur Herstellung von Polyamiden aus polyamidbildenden di- oder polyfunktionellen Carbonsäureestern und di- oder polyfunktionellen Aminen oder aus di- oder polyfunktionellenAminocarbonsäureestern, dadurch gekennzeichnet, daß solche Verbindungen verwendet werden, deren Säurecarbonylgruppen wenigstens anteilig an Mercaptane gebunden sind.
  2. 2. Verfahren nach Anspruch i, dadurch gekennzeichnet, daß Verbindungen verwendet werden, die außer primären Aminogruppen oder Carboxymercaptoestergruppen noch kettenunterbrechende sekundäre oder tertiäre Aminogruppen enthalten.
  3. 3. Verfahren nach Anspruch i und 2, dadurch gekennzeichnet, daß Aminocarbonsäuremercaptanester mit weniger als 3 Kohlenstoffatomen zwischen den funktionellen Gruppen verwendet werden. q. Verfahren nach Anspruch i, dadurch gekennzeichnet, daß Lactame mit einpolymerisiert werden.
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