DE9151C - Neuerungen an dem BELL'schen Verfahren zur Kälteerzeugung behufs der Anwendung desselben auf Schiffsräume. (Zusatz zu P. R. 3949.) - Google Patents
Neuerungen an dem BELL'schen Verfahren zur Kälteerzeugung behufs der Anwendung desselben auf Schiffsräume. (Zusatz zu P. R. 3949.)Info
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Description
1879.
Klasse 53.
HENRY BELL, JAMES BELL und JOSEPH JAMES COLEMAN in GLASGOW (Schottland).
Neuerungen an dem Bell'schen Verfahren zur Kälteerzeugung behufs der Anwendung
desselben auf Schiffsräume.
Zusatz-Patent zu No. 3949 vom 14. October 1877.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 9. April 1879 ab.
Längste Dauer: 13. October 1892.
Die gegenwärtigen Neuerungen bestehen in Modificationen des Apparates oder der Anordnungen,
welche in der Beschreibung des den Erfindern ertheilten Deutschen Reichs - Patentes
vom 13. October 1877, No. 3949, beschrieben sind, und haben dieselben zum Zweck,
den besagten Apparat in einer besseren und passenderen Art und Weise für Schiffe verwendbar
zu machen, sowie ihn bei verschiedenen Temperaturen arbeiten lassen zu können. Es
können z. B. einige der neuen Modificationen so arbeiten, dafs sie eine Temperatur von ο
bis 50C. bewahren, während andere so angeordnet
werden können, dafs sie eine Temperatur von 15 bis 180C. sichern, während wieder
andere speciell für Erhaltung von Temperaturen unter dem Gefrierpunkt angeordnet
werden. Im allgemeinen sind die im folgenden beschriebenen neuen Modificationen anwendbar
zur Abkühlung und Regulirung der Temperatur und Trockenheit der Luft in Räumen, Salons
und Cabinen von Schiffen, in Theatern, Hallen, Fabriksgebäuden, Spitälern , Schlachthäusern
und anderen Innenräumen. Wie.in der Originalbeschreibung erklärt wurde, wird die comprimirte
Luft einer besonderen Abkühlung unterworfen, welche bei der verbesserten Construction
dadurch bewirkt wird, dafs die Rohre oder Gefäfse, durch welche die comprimirte Luft
geht, der Wirkung der wieder expandirten Luft selbst unterworfen werden, entweder allein oder
mit Luft von der äufseren Atmosphäre gemischt, und entweder vorher oder nachher, nachdem
sie für die Zwecke verwendet worden ist, für welche sie gekühlt wurde. Die Theile oder
Apparate werden, um diese Wirkung zu erreichen, auf verschiedenen Wegen, entsprechend den Umständen
der verschiedenen Fälle, angeordnet, für welche der neue Luftkühlapparat angewendet
werden soll.
Fig. ι bis 8 auf Blatt I der beiliegenden Zeichnungen stellen die verbesserte Anordnung
von Kaltluftmaschinen dar.
Die in diesen Figuren gezeigten Maschinen sind speciell als auf einem Schiffe angeordnet,
bestimmt, und da es von grofser Wichtigkeit ist, dafs sie einen möglichst geringen Raum
einnehmen, so sind die Bestandteile der Maschinen in einer sehr zusammengedrängten Form
angeordnet, wobei zugleich Vorsorge getroffen ist, dafs jeder Theil behufs Untersuchung oder
Verstellung passend zugänglich sei.
Die Maschinen nehmen einen im Grundrifs nahezu rechteckigen Raum ein, und werden die
Bestandtheile von einem Grundgestell 1 getragen, an dessen einem Ende zwei doppelt wirkende
Compressionspumpen 2 angebracht sind, während die Expansionscylinder 3 ungefähr in
der Mitte und die horizontale querliegende Antriebswelle 4 am anderen Ende ist. Dieselben
Kolbenstangen werden für die horizontalen Pumpen 2 und die Expansionscylinder 3 verwendet.
Sie werden durch Pleuelstangen und zwei zu einander rechtwinklig stehende Kurbeln auf der Welle 4 getrieben.
Vier verticale Dampfcylinder 5 befinden sich über der Kurbelwelle 4; sie sind zu zwei
Paaren angeordnet. Die Dampfcylinder 5 eines jeden Paares haben dieselben Ventile, und die
zwei Kolbenstangen erstrecken sich abwärts bis zu einem Kreuzkopf unter der Welle 4. Die
Kreuzköpfe der beiden Paare sind durch Pleuelstangen mit den Kurbeln für die Pleuelstangen
der Expansionscylinder 3 und Pumpen 2 verbunden.
Auf der Kurbelwelle 4 sind ein Paar Schwungräder befestigt, von denen eines an jedem Ende
sich befindet.
Die Dampfcylinder 5 und die Expansionscylinder 3 sind mit Schieber- und mit Expansionsventilen
versehen, welche durch Excenter auf der Kurbelwelle 4, wie bei gewöhnlichen Dampfmaschinen, bewegt werden.
An jedem Ende der Compressionscylinder 2 sind drei Ventile, wovon die zwei oberen für
Luftzutritt und das untere für den Austritt der
comprimirten Luft nach einem Kanal 6, Fig. 5, im Grundgestell dienen. Die Ventile sind
Scheibenventile und mit Spiralfedern versehen. Die linken und rechten Enden der Pumpen
stehen mit je einem Kanal 6 in Verbindung. Jeder Kanal 6 communicirt mit einer Kammer
7, die auf sich einen Cylinder 8 hat. Letzterer ist mit einer Anzahl durchlöcherter
Platten versehen. Durch ein Wassereinlafsrohr 9 mit einer Brause fliefst Wasser in einem Sprühregen
für Abkühlung der comprimirten Luft ein. Das in die Cylinder 2 und 8 einzuspritzende
Wasser wird durch ein Paar Pumpen 10 hineingedrückt,
die durch Excenter von der Kurbelwelle 4 getrieben werden.
Die comprimirte Luft gelangt aus den Cylindern 8 durch Rohre 11 oben in die Cylinder
12, die mit durchlöcherten Platten versehen sind, und durch diese abwärts in eine untere
Kammer 13. Diese zweite Reihe Diaphragmen dient dazu, das von der Luft mechanisch mitgerissene
Wasser zurückzuhalten. Das Wasser läuft dabei in die Kammer 13 ab, und wird
von hier, wie auch von den Kammern 7, in passender Weise entfernt.
Von der Kammer 13 geht die comprimirte Luft in den Apparat, der zur Entfernung der
noch in ihr enthaltenen Feuchtigkeit dient. Ein derartiger Apparat ist in Fig. 6 im Verticalschnitt,
in Fig. 7 im theilweise durchschnittenen Grundrifs und in Fig. 8 in theilweise durchschnittener
Seitenansicht dargestellt.
Dieser Apparat besteht aus einem Rohr 14 von rechteckigem Querschnitt, aus einer Reihe
verticaler Rohre 15 und einem oberen Rohr 16.
Die senkrechten Rohre 15 sind durch Kopf- und Bodenflantschen mit den Rohren' 14 und 16
dicht verbunden. Die comprimirte Luft tritt in ein Ende der Bodenbüchse 14, und hat zugleich zu allen verticalen Rohren 15 Zutritt.
Die Rohre 16 haben zwei innere Zwischenwände, die so angeordnet sind, dafs sie die
LuftTeranlassen, von den verticalen Rohren 15
aus zuerst ans andere Ende der Büchse zu gehen und dann an der Seite auszutreten, an
der sie in den Apparat eingetreten ist. Diese Anordnung bezweckt, dafs die Luft durch die
verschiedenen verticalen Rohre 15 gleichmäfsig strömt. Die von der Luft abgelagerte Feuchtigkeit
läuft an den Innenwänden der verticalen Rohre 15 herunter, und durch das Rohr 14
nach Kammer 13.
Die Fig. 9, 10 und 11 auf Blatt II der beiliegenden
Zeichnungen und Fig. 12 auf Blatt III zeigen einige Anordnungen der Apparate, wie
sie für Schiffsalons passend sind.
Fig. 9 ist die Ansicht und der Querschnitt der Wand eines Ganges, der Zutritt zu einer
Reihe Passagierzimmer gewährt; das Getäfel der Wand ist an einer Stelle weggebrochen gedacht.
In die hohle Wand wird die wieder expandirte Luft am tieferen Ende durch Zweigrohre 17
von einem Hauptrohr 18 aus eingelassen und
steigt aufwärts in Berührung mit verticalen Rohren 19, durch die comprimirte Luft strömt.
Die Luft strömt dann durch Löcher 20 in die Räume.
Die Rohre, 19 sind mit einem Hauptrohr 21
verbunden. Die Luft wird durch Wände in 21 gezwungen, durch die Rohre 19 zu gehen; die
Wände reichen bis in kleine Vertiefungen von 21; hier bildet Wasser einen hydraulischen Abschlufs.
Durch diese Einrichtung kann das aus der comprimirten Luft abgelagerte Wasser, das
Hauptrohr 21 entlang und abfliefsen.
In Salons, die feste -Sitze an den Seiten haben, wie in Fig. 10, können unter den Sitzen 22
Behälter für die wieder expandirte Luft liegen, welche Rohre 23 für die comprimirte Luft einschliefsen.
Die Behälter 2 2 stehen mit einem durchbrochenen Gesims in Verbindung.
Fig. 11 und 12 sind zwei zu einander rechtwinklige
Verticalschnitte durch einen grofsen Salon, bei dem die Feuchtigkeits-Ablagerungsapparate in Salonmitte in einer Verkleidung 24
angeordnet sind.
Es können auch die comprimirte Luft enthaltenden Rohre durch Luft aus den Räumen
gekühlt werden. Diese Anordnung wird besonders angewendet, wenn eine Temperatur von
o° oder unter o° in den Räumen herrscht, doch darf das Wasser in den Rohren für comprimirte
Luft nicht frieren, weshalb man in die Kühlbehälter durch Ventile 28 und 29 und bei 30
in Fig. 13 bald äufsere Luft, bald innere Luft nach Bedürfhifs einlassen kann.
Fig. 14 zeigt einen Feuchtigkeitsablagerapparat in einer isolirten Büchse.
In Fig. 15 und 16 auf Blatt IV und V ist
die Maschine in Verbindung mit einer Fleischconservirungskammer gezeichnet.
Die Kammer nimmt den Raum zwischen den Schiffsseiten und den Querschotten 31 32 ein;
33 ist der Raum für die Treppenluke; der Kälteerzeugungsapparat steht vor dem Vorderschott
32; der Feuchtigkeitsablagerungsapparat steht in der Mitte der Kammer. Die wieder
expandirte Luft strömt durch die Rohre 41 42 in die Kammer.
Luft aus der Kammer strömt durch Oeffnungen 28 und die Verkleidung 24. Im Falle
diese Luft zu kalt sein sollte, kann durch ein Rohr 34 vom Oberdeck so viel Luft als nothwendig
zugelassen werden. Die so in die Verkleidung 24 eintretende Luft wird mittelst
Rohr 35 durch die Pumpen 2 angesaugt.
Nachdem sie darin comprimirt ist, gelangt sie durch das Rohr 36 auf den Boden des
Feuchtigkeitsablagerungsapparates in der Verkleidung 24, kehrt durch das Rohr 37 zu den
Wiederexpansionscylindern 3 zurück, um von hier durch die Kammern 38, Fig. 2, das Hauptrohr
39, die Zweigrohre 40 in die Kühler 41 zu treten.
Diese sind mit horizontalen Scheidewänden versehen, die sich von ihren vorderen Enden
bis ungefähr in die. Fleischkammermitte erstrecken. Die Verbindungen der Rohre 40 liegen
unter den Scheidewänden der Leitungen 41, so dafs die Luft unter den Scheidewänden zur
Mitte der Kammer gelangt, und von da von vorn nach hinten entlang den oberen Theilen
der Leitungen vorwärts geht. Mit den Leitun^ gen 41 sind eine Anzahl Rohre 42 von dünnem
Metall oder passendem Material verbunden, und diese Rohre sind an den Seiten der
Kammer hinaufgeführt und laufen dann in der in Fig. 15 durch punktirte Linien angezeigten
Art und Weise an der Decke entlang. Die verschiedenen Rohre 42 liefern die Luft an
ihren offenen Enden ab und sind von verschiedenen Längen, so dafs die frisch eingeführte
Luft sich in der Kammer gleichmäfsig vertheilt.
Bei der Anordnung in Fig. 17 sind statt der Rohre 42 Rohre 43 verwendet.
Wenn das zum Abkühlen der comprimirten Luft angewendete Wasser der Luft Fäulnifs befördernde
oder sonst verunreinigende Bestandtheile zugeführt haben könnte, so wird die Luft, ehe
sie in die Kammer tritt, durch animalische Kohle oder andere passende Mittel filtrirt.
Eine lange Metallstange, die in dem abzukühlenden Raum angeordnet ist, ist mit der
Drosselklappe der Dampfmaschine durch Hebel und Gelenke oder mit dem Ventil eines Dampfcylinders
verbunden und regulirt das Arbeiten der Maschine.
Claims (4)
1. Die Anordnung von Dampfmaschinen, Luftcompressionsapparaten,
Apparaten zur Abkühlung der comprimirten Luft und Luftexpansionsapparaten
nach der in Fig. 1 bis 5 gegebenen Darstellung.
2. Die Combination des Feuchtigkeitsablagerungsapparates mit dem Vertheilungsapparat
für die wieder expandirte Luft, entsprechend der Darstellung in Fig. 6, 7, 8, 9, 10, 11,
12 und 14.
3. Die Anordnung des Feuchtigkeitsablagerungsapparates in Verkleidungen oder in hohlen
Scheidewänden, die mit regulirbaren Ein- und Auslässen für von aufsen einzuführende
Luft versehen sind.
4. Die Construction der in Fig. 13, 15, 16
und 17 gezeichneten Kammern mit Anordnungen, durch welche in denselben eine
Temperatur unter oder nicht viel über dem Gefrierpunkt bewahrt werden soll.
Hierzu 5 Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
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