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Verbrennlicher Feueranzünder Bekanntlich bestehen die meisten zur
Zeit im Handel befindlichen Feueranzünder überwiegend aus Teerdestillationsprodukten,
wie Naphthalin, Paraffin usw. Diese Rohstoffe sind zur Zeit nicht rhehr oder nur
noch in sehr beschränktemUmfange erhältlich. Aus diesem Grunde verdient das Problem
Feueranzünder herzustellen, die, wenn überhaupt, nur sehr wenig dieser Teerdestillationsprodukte
enthalten, besondere Bedeutung. Man hat daher schon vorgeschlagen, Teerrückstände
verschiedenster Art für diesen Zweck nutzbar zu machen. Versuche in dieser Richtung
sind bisher stets fehlgeschlagen, und zwar liegt dies daran, daß diese Produkte
zwar, wenn sie einmal zur Entzündung gebracht sind, gut brennen, aber schwer zu
entzünden sind und daher nicht der Hauptanforderung einer schnellen Entzündung entsprechen:
So gelingt es mit Feueranzündern auf dieser Rohstoffgrundlage nicht, ausreichende
Zündung in der Normapparatur für die Prüfung von Feueranzündern zu erzielen, die
vom Reichsamt für Wirtschaftsausbau in der Zeitschrift »Die Wärmewirtschaft«,, 1z.
Heft, 13. Jahrgang, veröffentlicht ist.
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Es wurde nun überraschenderweise gefunden, daß man Formlinge aus an
sich schwer entflammbaren Teerrückständen rasch und sicher zur Entzündung bringen
und damit den gesamten Zündvorgang erheblich beschleunigen kann, wenn man die auf
den Rost gebrachten Anzünder zunächst mit einem Primärzünder zur Entzündung bringt,
worauf dann der entzündete Sekundärzünder aus den an sich schwer entzündbaren Teerrückständen
derb Brennstoff leicht und rasch entzündet.
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Als Primärzünder benutzt man vorteilhaft mit leicht entflammbaren,
bei gewöhnlicher Temperatur festen Stoffen getränkte brennbare Zündblätter, wie
man sie erhält,, wenn man z. B. Blätter aus aüfsaugfähigem Papier in eine Schmelze
von Naphthalin, Paraffin o. dgl. taucht. Man kann auch so vorgehen,
daß
man die Imprägnierung des Zündblattes mit dem leicht entflammbaren festen Stoff
kurz vor Gebrauch vornimmt, indem man ein Papierblättchen o. dgl.. mit dein leicht
entflammbaren, zweckmäßig verflüss:@gten oder pastenförmigen Material bestreicht,
oder man kann auch die Plättchen mit dem fein gepulverten, mit einem Haftmittel
versehenen Material bestreiten oder bepudern.
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Bei der Entzündung muß man zweckmäßig darauf achten, daß der Sekundärzunder
in seiner gesamten Oberfläche mit dem Zündblatt bedeckt ist. Um Brennstoffe zu entzünden
und Feuerungen anzumachen, geht man gemäß vorliegender Erfindung so vor, daß man
zunächst auf den Rost Formlinge aus dem schwer entflammbaren Zwischenzünder (Sekundärzünder)
aufbringt, diese mit dein Zündblatt (Primärzünder) zur Entzündung bringt und, nachdem
der Sekundärzünder in volle Entflaminung gekommen ist; den Brennstoff aufgibt.
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Für den Primärzünder kann maul an Stelle von Papier auch andere brennbare
aufsaugfähige Materialien wählen, wie z. B. Torfblättchen, Lignitwatteblätter u.
a. in. An Stelle von Naphthalin oder Paraffin kann man auch andere leicht entflammbare,
bei gewöhnlicher Temperatur feste Stoffe verwenden, z. B. Bratinwaclise, Rückstände
der Lackfabrikation, Nitrozelltiloselösung usw. Am vorteil iaftesten halten c:ch
solche Stoffe erwiesen, die, wie Naplitlialin, einen verhältnismäßig hohen Dampfdruck
bei gewöhnlicher Temperatur besitzen.
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Die Sekundärzünder bestehen, wie erwähnt, zweckmäßig aus Formlingen
aus Teerrückständen oder ähnlichen -Materialien. _11s besonders geeignet haben :ich
Generatorteere aus der Braunkohlenvergasung, Schleuderrückstände aus cler Bi-aunlcoltlen.scliwelttng,
Rückstände der Bratmkohlenhy-drierung, Teerrückstände aus der Sviithesegasherstellung
u. a. erwiesen. Diese Stoffe werden in der Regel mit einem Trägerstoff, z. B. Torf,
Sägeineilil tisw., versetzt und in zweckmäß:g eingekerbte Platten verformt, die
man bei Gebrauch in kleinere Stücke zerbricht. Besser Resultate werden jedoch erzielt,
wenn man die Teerrückstände in Tabletten-, Kugel-, Erbsen- o. dgl. Formen bringt,
bei denen von vornherein das Verhältnis zwischen Gewicht und Oberfläche ein günstiges
ist und zweckmäßig bei q qcm Oberfläche auf t-g-Formling liegt. Formlinge von etwa
:2 g Gewicht haben sich als besonders gut erwiesen.
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Da derartige Formlinge leicht abreiben und bei der Hantierung die
Hände verschmutzen, auch bei höheren Außentemperaturen zum Zusammenkleben neigen,
hat es sich als zweckmäßig erwiesen, die Formlinge mit einer das Kleben und die
Beschmutzung der Hände verhindernden Schutzschicht zu überziehen. Als Schutzmittel
kann man sich der verschiedensten brepnbaren Stoffe bedienen. So kann man .die Formlinge
z. B. in flüssiges Paraffin oder Lacklösungen o. dgl. eintauchen und mit einem den
Abrieb verhindernden brennbaren Überzug versehen; man kann sie aber auch einfach
mit brennbaren staubförmigen Materialien in dünner Schicht umhüllen, z. B. mit feiest
gepulvertem Sägemehl. Braunkohlenstaub, Lignit- oder Ligninstaub u. dgl. Das Überziehen
der Formlinge finit diesem Staub erfolgt in geeigneten 'Maschinen in an sich bekannter
Weise.
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Es sind zwar bereits Feueranzünder b%-kannt, die die Form einer herze
haben und die aus Sägemehl, Harz, Kolophonium und Petroleum bestehen: durch diese
-Masse ist eine mit Harz, Kolophonium und Terpentin getränkte Schnur als Docht gezo-en.
Abgesehen davon, daß es sich hierbei nicht tun einen Antiinder aus schwer entflannnbare»
Stoffen handelt, ist der Docht zum größten Teil eingehüllt und kann daher die Flainnie
nicht ztt den einzelnen Feueranzündern übertragen. Man hat auch schon Feueraii7üncletaus
Kohle und brennbaren Destillationsrückständen mit einem Überzug aus brennbaren Subtanzen,
wie Harz. Schellack ti. dgl., vetsehen, uni den unangenehmen Geruch dieser Anzünder
zti überdecken. Besonders wenn die .Anzünder aus kleinen Formlingen bestehen, muß
sich beim Anzünden mittel Streichholz die Flamme von einem Formling zum anderen
fortpflanzen, was dann @ch«-ierigl;eiten bereitet, wenn die Formlinge einander nicht
unmittelbar berühren. Ferner sind Bremistoffbrikette aus pulverisierter Lösche von
Stein-, Braun- oder Holzkohlu bekannt, bei welchen in Aussparungen mit Harz und
Pech getränkte Papierdillen eingepreßt sind. Das Brennstoffbrikett soll mittels
des eingepreßten Papiers in hrand gesetzt werden. Abgesehen davon, daß hier nicht
eilt Primär- und Sekundärzünder vorliegt, sondern lediglich ein Brennstoffbrikett
finit einem an ihm fest angebrachten Feueranzünder entzündet wird, brennen derartige
Pfropfen, die sich noch dazu fest in den Löchern des Briketts befinden, außerordentlich
schlecht.
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Es ist weiterhin vorgeschlagen worden, mit leicht brennbaren Substanzen
imprägnierte Holzstäbchen, welche sich in einem Pappgehäuse befinden, als Feueranzünderinittel
zti verwenden, wobei das Pappgehäuse so ausgebildet ist, daß die Bodenfläche rostartig
durchbrochen und die aus der Bodenfläche herausgeschnittenen Aussparungen der Pappe
tinigc#bogen als rostartig ausgel)ildcte Deckelfläche verwendet «-erden. Diese 1'al@pehäu:e
werden
mit einem imprägnierten Docht versehen, der auf der Bodenfläche des Pappgehäuses
angebracht ist und ein leichtes Anbrennen des Feueranzünders bewirken soll. Diese
komplizierte Anordnung hat sich nicht bewährt und daher nicht einführen können.
Ebensowenig hat sich auch eine halbkugelartige Zünderkappe aus einem leicht brennbaren,
p.l.astiselien Stoff, wie Torf, als Hilfsmittel zum Feueranzünden in Verbindung
mit einem anderen Zündermaterial bewährt, die im übrigen unhandlich ist und bei
der während des Transportes und der Lagerung die Gefahr des Zerbrechens besteht,
so daß sie überhaupt nicht mehr verwendungsfähig ist. Beispiel i E-i,n aufsaugfähi,g@es,
2,0 °/Q Asche enthaltendes Papier mit einem Gewicht von 6o bis 62 g/m' wird
durch dreimaliges Tauchen von Hand in geschmolzenes '85 bis 9o° C warmes Naphthalin
so imprägniert, daß auf dem Papier 240 9/m= Naphthalin aufgetragen sind. Bei dein
mehrfachen Tauchen empfiehlt es sich, vor dem folgenden Tauchen durch Abkühlen das
auf dem Papier aufgetragene Naphthalin erstarren zu lassen.
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An Stelle des Naphthalinbädes kann in gleicher Weise ein Bad mit geschmolzenem
Paraffin oder mit einem Gemisch von beisP:elswelise 50°/o Naphthalin und 5o°/, Paraffin
angewandt werden. Bei -Verwendung von Paraffin allein kann auch ein weniger aufsaugfähiges
Papier benutzt werden. Die imprägnierten Papierbahnen werden beispielsweise zu Bündeln
von io Stück gelegt und diese maschinell oder auch von Hand zu kleinen Blättchen
geschnitten, welche gebündelt oben atif die Verkaufsverpackung der Sekundärzünder
gelegt werden.
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Durch Bestreichen einer Stirnseite dieser Bündel von zugeschnittenen
Primärzünderblättchen mit einer Leimmasse können die einzelnen Blättchen zu einem
Block vereinigt werden, welcher sich leicht verpacken läßt und von dem vor Gebrauch
i bis 2 Blatt Primärzünder abgerissen werden. .
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Zum Anzünden eines Stubenofens werden 2o g eines Sekundärzünders,
welcher z. B. in 8 bis io Stückchen vorliegt, angewandt; zum Anzünden dieser . Sekundärzünder
benötigt man zwei Primärzünderblättchen von der Größe 3 X 5 cm' mit insgesamt
o,9 g Gewicht.
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Zum Anzünden von Zentralheizungskesseln und Industriefeuerungen benötigt
man je nach der Größe des Kessels 15o bis iooo g Sekundärzünder eines größeren Formats
als zum Anzünden eines Stubenofens. Die Sekundärzündereinzelteile wiegen beispielsweise
i i g (Nuß II) oder 35 g (Nuß I). Zum Anzünden des Sekundärzünders werden pro Zoo
g @ekundärzünder etwa i bis 2 Primärzünderblättchen, je io X io cm groß und beispielsweise
3 g schwer, benötigt. Ein einzelnes Primärzunderblättchen kann auch in mehrere ,Stücke,
die man auf, zwischen oder auch unter die Sekundärzünder legt, zerrissen und anschließend
angezündet werden. Beispiel- 2 Die Herstellung der Sekundärzünder geschieht beispielsweise
wie folgt: Als Rohstoff wird Kratzteer verwendet, welcher beim Betrieb von Braunkohlengeneratomen
anfällt und der ,durc'h Braunkohleiischwelteeröle aus den Gasleitungen herausgespült
wird.
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Da dieser Teer bis zu 40 °!o Wasser enthalten kann, so muß er vorher
entwässert werden, was dadurch geschieht, daß der Teer in einer Blase, die gegen
Wärmeverluste sehr sorgfältig isoliert ist, langsam auf ioo bis 130° erhitzt wird.
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Das Austreiben des Wassers wird durch intensives Rühren oder auch
durch Aufwirbeln mittels eines Luftstromes beschleunigt.
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Nach etwa 8 bis 12 Stunden können auf diese Weise 15 t Teer von 2o
bis auf 1 °/o entwässert werden.
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Diese geschmolzene Teermasse wird mit 2o bis -25 % gemahlenen
Hanfholzschäben, die eine Größe von o bis 4 min haben, in einer Mischschnecke gut
und längere Zeit innigst gemischt.
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Die innige Durchmischung der Materialien wird in kontinuierlicher
Arbeitsweise dadurch erreicht, daß das Material in einer Misch- und Transportschnecke
bei einer Temperatur von 9o bis i io° durchearbeitet wird.
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Nach dem Verlassen der' heißen Mischschnecke wird die krümelige Klasse
abgekühlt und etwa 24 Stunden ausgebreitet gelagert. Hierbei findet ein oberflächliches
Verkrusten der Masse statt, welches für ein einwandfreies Verformen der Masse wesentlich
ist.
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Dias Abkühlen der Mischung kann selbstverständlich auch kontinuierlich
gestaltet werden. Das abgekühlte, krümelige Mischprodukt wird nunmehr kontinuierlich
in Walzenpressen bei gewöhnlicher Temperatur verformt.
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Die Formlinge können selbstverständlich in verschiedenen Größen hergestellt
werden. Für Haushaltsware empfiehlt es sich, Formlinge mit einem Gewicht von etwa
2,5 g herzustellen, während zur Zündung von Heizungskesseln oder von Industriefeuerungen
Formlinge von io bis i i g (Nuß II) und etwa 37 9 (Nuß I) am geeign.etsten
sind.
Aus der Walzenpresse fallen die Formlinge auf ein Transportband
und werden einer Heizkammer zugeführt, wo sie bei ioo° eine bestimmte Zeit gehalten
werden; anschließend werden sie in einer Kühlkammer scharf heruntergekühlt und hierdurch
an der Oberfläche für den Transport noch besonders günstig verfestigt.
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Die hiernach hergestellten Sekundärzünder haben z. B. folgende Abmessungen:
| Durchmesser Höhe Oberfläche Gewicht Verhältniszahl |
| mm mm Cm= Oberfläche/Gewicht |
| Haushaltsware . . ig 16,5 10,0 2,9 3,45 : I |
| Nuß II ... . ... 32 24,0 25,1 11,0 2,28
: i |
| Nuß I ........ 48 35,0 55,2 35,o 1,57 :1 |
Die krümelige Masse aus Hanfholzschäben und Braunkohlenteerrückständen kann jedoch
auch durch andere Formmaschinen zu Formlingen, z. B. Würfeln, Tafeln, Riegeln, Stäben
u. dgl., verformt werden.
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In den Fällen, wo die Masse nur durch geringe Druckanwendung verformt
wird, ist es zweckmäßig, die Ware warm zu verarbeiten; wo hohe Drucke angewandt
werden, ist es nötig, mit kalter Masse zu fahren, da sie sonst auf den Walzen klebt
und schmiert.
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Von Zeit zu Zeit empfiehlt es sich, die Walzen mit einem Ölfilm zu
versehen, damit die Masse leichter aus der Walzenform sich herauslöst.
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An Stelle der Hanfholzschäben können in gleicher Weise Sägemehl, Flachsschaben,
Holzschaben, Strohhäcksel, Torfgrus, zerkleinertes Laub usw: verwandt werden.