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Übungsgeschoß mit verkürzter Flugbahn Die Erfindung .bezieht sich
auf ein Übungsgeschoß mit verkürzter Laufbahn, das insbesondere für eine Beschießung
vor. Motorfahrzeugen, Tanks o. dgl. sowie zur Beschießung von beweglichen Zielen
durch Flakgeschütze bestimmt ist. Bei derartigen übungsgeschossen soll das Geschoß,
nachdem es einen bestimmten Teil der Flugbahn, die möglichst mit der Bahn eines
scharfen Geschosses übereinstimmt, unschädlich gemacht werden, indem sich die ballistischen
Eigenschaften des Geschosses plötzlich derart ändern, daß die Flugbahn gegenüber
derjenigen eines scharfen Geschosses stark verkürzt wird und das Geschoß, ohne Schaden
anzurichten, zu Boden fällt. Die Übungsgeschosse werden vorteilhafterweise auf Schießplätzen
mit beschränkten Raumverhältnissen verwendet, bei denen normale Geschosse, die ihr
Ziel verfehlen oder abprallen, den Raum außerhalb des Schießplatzes gefährden würden.
Die Übungsgeschosse können auch als Blindgeschosse verwendet werden, die nur eine
kleine Sprengladung besitzen, um die Aufschlagstelle kenntlichzumachen. Die Sprengladung
kann übrigens bei den Übungsgeschossen auch dazu verwendet werden, um die ballistischen
Eigenschaften des Geschosses zu ändern und das Geschoß dadurch unschädlich zu machen.
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Es ist die Aufgabe der Erfindung, ein Übungsgeschoß finit möglichst
einfachem Aufbau
zu schaffen, das keine verwickelten Vorrichtungen
oder pyrotechnischen Einrichtungen besitzt, so daß eine Gefährdung der Umgebung
des Schießplatzes durch ein Versagen derartiger Einrichtungen vermieden wird.
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Es sind Geschosse bekannt, deren Luft-,viderstand künstlich vergrößert
wird, so dal.) die Fluggeschwindigkeit des Geschosses rasch abnimmt. Die Vergrößerung
des Luftwiderstandes wirkt nur in der Flugrichtung und hat auf die L?nidrehungsgeschwindigkeit
keinen E influß. Der -Nachteil dieser bekannten Geschosse besteht darin, daß die
Flugbahn von derjenigen eines scharfen Geschosses stark abweicht und daß die Mittel
zum Vergrößern des Luftwiderstandes einen verwickelten Aufbau des Geschosses notwendig
machen.
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Erfindungsgemäß werden diese -Nachteile vermieden und die oben angegebene
Aufgabe dadurch gelöst, daß die Stabilität des Geschosses während des Geschoßfluges
durch eine plötzliche Änderung des Geschoßschwerpunktes durch Abstoßung oder Verlagerung
von Geschoßteilen aufgehoben wird. Bei einer solchen Ausführung eines Übungsgeschosses
ist beispielsweise der Geschoßmantel, der nur eine verhältnismäßig geringe Wandstärke
besitzt, mit einer schweren Flüssigkeit ausgefüllt, die während des Geschoßfluges
durch im Geschoßmantel vorgesehene Kanäle Herausgeschleudert wird. Der Geschoßkörper
kann auch aus mehreren getrennten Teilen zusammengesetzt sein, wobei diese Teile
zwischen dem Kopf und dem Boden des Geschosses mit Hilfe eines Bolzens und einer
Feder eingespannt sein können. Das erfindungsgemäße Übungsgeschoß kann auch mit
Bremsflächen, welche die Umdrehungsgeschwindigkeit des Geschosses verringern, ausgestattet
sein. Die Verringerung der Umdrehungsgeschwindigkeit kann dann dazu benutzt werden,
um die Zerlegung des Geschosses erst dann vorzunehmen, wenn dieses eine bestimmte
Flugstrecke zurückgelegt hat. Die Störung der Stabilität des Geschosses kann auch
durch andere Mittel erst dann herbeigeführt werden,- wenn das Geschoß einen Teil
seiner- Flugbahn zurückgelegt hat. Zu diesem Zweck wird der auf den Kopf des Geschosses
oder einen anderen Teil wirkende Luftwiderstand ausgenutzt, der mit abnehmender
Fluggeschwindigkeit kleiner wird, ;o daß eine im Geschoß vorgesehene Feder den verringerten
Luftwiderstand überwindet und einen Bolzen oder einen ähnlichen Teil verschiebt.
so daß beispielsweise die Vorrichtung. welche die einzelnen Geschoßteile zusammenhält,
gelöst wird.
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Der Schwerpunkt des Geschosses kann auch dadurch plötzlich geändert
werden, daß ein in dem Geschoß vorgesehener beweglicher Teil verschoben oder verdreht
wird, so daß das Geschoß infolge Aufhebung seiner Stabilität stark schwankt oder
umkippt und nach kurzer Zeit herabfällt.
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Um eine größere Geschwindigkeitsabnahme zu erzielen, können die Übungsgeschosse
als Leichtgeschosse von wesentlich kleinerem Gewicht als die scharfen Geschosse
ausgeführt und finit bedeutend größerer Anfangsgeschwindigkeit als die scharfen
Geschosse abgeschossen werden, so daß ihre Bewegungsenergie an der Mündung des Geschützrohres
gleich oder größer ist als bei scharfen Geschossen.
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In den Abb. i bis 1d. sind Ausführungsbeispiele der Erfindung dargestellt.
Bei den Beispielen nach den Abb. i bis io und 13 sowie 1.1 werden Teile des Geschosses
abgestoßen, und bei den Ausführungsbeispielen nach Abb. i i und 1a werden einzelne
Geschoßteile verlagert, ohne sich jedoch von dem Geschoß zu lösen.
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Das in Abb. i dargestellte Geschoß besteht aus einer hohlen und verhältnigmäßig
leichten Büchse i, die mit einer verhältnismäßig schweren Flüssigkeit gefüllt ist.
Der finit Flüssigkeit gefüllte Raum wird durch einen oder mehrere `-erschlösse 3
abgeschlossen, die sich durch den beim Abschuß auftretenden Stoß an der verengten
Stelle d. öffnen. Durch die Fliehkraft wird die Flüssigkeit durch die Kanäle 5 Herausgeschleudert,
so daß das Geschoß während des Fluges rasch an Gewicht verliert. -Nach dein Zurücklegen
der gewünschten Bahn sinkt also das Gewicht des Geschosses auf das Gewicht der Büchse
i herab. Ein so leichtes Geschoß verliert dann insbesondere noch infolge der Bremsfläche
6 sehr rasch seine Geschwindigkeit.
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Cbungsgeschosse, die während des Fluges zerlegt werden, sind in den
Abb.2 bis 9 gezeigt. Abb. 3 ist ein Schnitt in der Ebene 111-1I1 des in Abb. 2 dargestellten
Geschosses. Der mittlere Teil des Geschosses besteht aus einigen Längssegmenten
7, die radial durch eine Kappe S zusammengehalten werden. Die Kappe 8 wird durch
eine Feder 9 gegen die Segmente 7 gedrückt. Diese sind um den Bolzen io verteilt,
der mit dem Boden i i verbunden ist. Die Segmente 7 werden durch den Rand 12 des
Bodens ii unten und oben durch die Kegelfläche 13 des Kopfes 8 zusammengezogen,
der auf den kegeligen Vorsprüngen 14 der Segmente 7 aufsitzt. Die Kraft der Feder
g sowie die Neigung der Kegelfläche 13 und der entsprechenden Vorsprünge 14. sind
so gewählt, daß das Geschoß während des gewünschten Teiles der Flugbahn zusammengehalten
wird. Erst wenn der Widerstand der auf den mit einer Absetzung 15 versehenen Kopf
8 wirkenden Luft so weit her=
absinkt, daß der Kopf mit der Feder
9 die Segmente nicht mehr zuammenhält, werden diese durch die Wirkung der Fliehkraft
frei, und das Geschoß zerteilt sich in eine Anzahl von ballistisch sehr ungünstigen
und verhältnismäßig leichten Teilen, die nach dem Zurücklegen der gewünschten Bahn
zur Erde herabfallen.
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Eine andere Ausführungsform ist in den :libb. d. und 5 veranschaulicht,
wobei Abb. 5 einen Schnitt in der Ebene V-V- darstellt. Diese Ausführung weist keine
Segmente auf, sondern der Körper wird durch zwei spiraliörmig zusammengedrehte Bleche
16 gebildet. Auch hier werden die Bleche radial durch einen Bolzen io mittels eines
Kopfes 8 gehalten, auf den während des Fluges die Feder 9 und der auf die Fläche
15 wirkende Luftdruck drücken. Erst nachdem das Geschoß einen bestimmten Teil seiner
Bahn zurückgelegt hat und die Geschoßgeschwindigkeit und dadurch auch der Luftdruck
auf die Fläche 15 des Kopfes vermindert ist, überwindet die auf die Bleche 16 wirkende
Fliehkraft den Druck des Kopfes 8, worauf die Bleche auseinanderschnellen und das
Geschoß auseinanderfällt. Es ist auch möglich, die Bleche 16 mit ihren inneren Enden
17 am Bolzen io zu verankern. Wenn der Kopf 8 dann die Spiralbleche freigibt, so
erhält das Geschoß eine ballistisch sehr ungünstige Form und fällt sofort auf die
Erde herab.
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Ein anderes Beispiel der Zerlegung des Geschosses in eine Reihe von
Teilen mit ballistisch ungünstiger Form ist in der Abb.6 veranschaulicht. Hier wird
der mittlere Teil des Geschosses durch eine Säule von Blechscheiben 18 gebildet,
die auf einen Mitteldorn i9 aufgesteckt sind. Dieser Dorn wird aus dem Geschoß in
der Richtung 2o durch die Feder 21 gezogen, gegen welche der Luftwiderstand wirkt.
Der auf den Kopf 22 des Bolzens einwirkende Luftwiderstand ist bestrebt, den Bolzen
i9 gegen den Boden ii des Geschosses zu drücken, wobei er den Druck der Feder 2
1 überwindet. Aber erst bei einer solchen Verringerung der Geschoßgeschwindigkeit,
daß der Luftdruck auf den Kopf 22 kleiner ist als der Druck der Feder 21, wird der
Bolzen i9 aus dem Geschoß herausgezogen, wodurch die Scheiben i8 frei werden und
das Geschoß in den Boden i i, die Scheiben i8, den Bolzen i9, die Feder 21 und den
Teil 23 auseinanderfällt. Vor dem Abschuß wird der Bolzen i9 von den Kugeln
24 im Sitz gehalten. Durch die Wirkung des Anfangsstoßes beim Abschuß wird der Bolzen
i9 zurückgestoßen, und die Kugeln 24 werden in die Höhlung 25 gedrückt. Dadurch
wird der Bolzen i9 freigegben, der dann während des Fluges nur durch den auf den
Kopf 22 wirkenden Luftwiderstand gegen den Boden des Geschosses gedrückt wird und
dadurch das Geschoß zusammenhält.
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Bei dein Beispiel der Abb.7 und 8 tritt infolge der Verringerung der
Geschoßumdrehungen eine Zerteilung des Geschosses dadurch ein, daß sich der Kopf
26 vom Geschoßkörper löst und die einzelnen Teile infolge ihrer ballistisch ungünstigen
Form zu Boden fallen. Vor der Zerlegung des Geschosses wird der Kopf 26 durch die
Fliehkraft gehalten, die auf die Kugeln 27 wirkt. Diese sind in Querbohrungen 28
des Halses 29 geführt und «-erden durch die Schleuderkraft in die im Geschoßkörper
ausgebildete Nut 30 gedrückt. Die Feder 3 i ist bestrebt, den Kopf 26 aus dem Geschoß
herauszuschieben. Gegen den Federdruck ist der auf den Kopf 26 wirkende Luftdruck
gerichtet. Der Kopf 26 ist zwecks rascherer Verminderung der Geschoßumdrehungen
mit gegen die Drehrichtung geneigten Nuten 32 versehen. Durch die Verminderung der
Umdrehungen des Geschosses und durch die Verringerung des auf den Kopf wirkenden
Luftdruckes wirft die Feder 31 den Kopf 26 nach einer bestimmten zurückgelegten
Bahn heraus, wodurch die Geschoßteile -sehr rasch an Geschwindigkeit verlieren und
auf die Erde fallen. Während der Beförderung des Geschosses werden die Kugeln 27
in der Nut 3o durch einen Stift 33 gehalten, der durch einen auf Scherung beanspruchten
Splint gesichert ist. Beim Abschuß wird der Splint 3.4 abgeschert und der Stift
33 heruntergestoßen, wodurch die Kugeln 27 frei werden.
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Bei dem in Abb.9 dargestellten Geschoß wird der überwiegende Teil
des Körpers durch einen zusammengewickelten Draht 35 gebildet. Das Geschoß hat im
wesentlichen die Form einer Spule mit einem Kern 36, dessen untere Stirnscheibe37
den Boden des Geschosses und dessen obere Scheibe den Kopf 38 des Geschosses bilden.
Den Geschoßkörper bildet der aufgewickelte Draht 35, dessen Ende 39 am Kern 36 befestigt
ist. Das andere Ende .Io des aufgewickelten Drahtes wird durch den Stift .I1 gehalten,
der in Abb. io im Querschnitt dargestellt ist. Der Stiftd.i wird im Kopf 38 durch
einen Zapfen .I2 gehalten, der mit seiner kegeligen Spitze .I3 in die entsprechende
Bohrung 44 iln Stift 41 durch die Feder ,45 und durch den auf die Fläche ,46 des
Zapfens .42 wirkenden Luftdruck gedrückt wird. Der Stift 41 ist durch den Zapfen
42 verriegelt, auf den die Kraft der Feder und ferner der Luftdruck auf die Fläche
16 einwirken. Infolge der Verminderung der Geschoßgeschwindigkeit in der gewünschten
Entfernung überwindet die Fliehkraft des Stiftes 41 die auf den Zapfen d.2 wirkenden
Kräfte,
der Stift 41 wird durch die Fliehkraft herausgeschleudert und gibt so das Ende des
Drahte. d.o frei, so daß dieser sich abwickelt und in kurzer Zeit die Geschoßgeschwindi;rkeit
so herabsetzt, daß das Geschoß unschä B-lich wird.
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Fei der nach Abb. i i ist der Kopf 47 drehbar um einen exzentrisch,
aber parallel mit der Geschoßachse angeordneten Zapfen 48 gelagert. Der Kopf wird
axial in Richtung des Luftdruckes durch eine Feder 49 gegen eine Haltevorrichtung
gedrückt. Diese ist als Kugel So ausgebildet, in der \-Iitte des Geschosses gelagert
und greift in die zugehörige kegelige Ausneliinung 5i ini Kopf 47 ein. Der Kopf
wird an seinem Umfange mit geeigneten Flächen oder Nuten 52
versehen, die
bestrebt sind, den Kopf während des Fluges gegen den Drehsinn des Geschosses zu
verdrehen. Diese Verdrehung verhindert aber der Druck der Feder .19 und der auf
den Kopf wirkende Luftdruck. Erst nachdem die Geschwindigkeit des Geschosses nach
Zurücklegen eines Teiles der Flugl>alin gesunken ist, wird der Kopf 47 um 180'y
gegenüber dein Geschoßkörper verdreht, wodurch eine solche Störung-des Gleichgewichtes
des Geschosses verursacht wird, daß es plötzlich seine Geschwindigkeit vollständig
verliert.
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Gemäß Abb. 12 tritt die Störung des Gleichgewichtes des Geschosses
durch ein Herausschieben einer besonderen Hülse 53 um die Länge 5d. ein, die zu
diesem Zweck unter dem Druck einer Feder 55 steht. Die Hülse 53 wird in ihrer Ruhelage
durch eine Kugel 56 gesichert, die beim Abschuß in die Höhlung 57 tritt und die
Hülse 53 freigibt. Gleichzeitig wird die Hülse 53 so weit heruntergeschoben, daß
durch den Kegel58 die Verbindungsöffnung 59 geschlossen wird. Durch den Luftdruck
während des Fluges des Geschosses wird die Hülse 53 in der unteren Grenzlage gehalten.
Sobald der Luftdruck unter den durch die Feder 55 hervorgerufenen Gegendruck sinkt,
wird die Hülse 53 durch die Feder #.5 angehoben und die öfinung 59 geöffnet. Dadurch
wird ein Druckausgleich herbeigeführt, und die Feder 55 schiebt die Hülse 53 um
die Länge 54 heraus, so daß die Stabilität des Geschosses plötzlich aufgehoben wird.
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Im Beispiel nach den Abb. 13 und 1d., von denen letztere einen Schnitt
in der Ebene ZIV-1IV darstellt, tritt durch den Geschwindigkeitsabfall und durch
den Abfall des Luftdruckes auf den Kopf 6o ein Zerlegen des Geschosses in zwei Teile
ein, und zwar in einen oberen Teil 6o und einen unteren Teil bi. Vor der Zerlegung
des Geschosses werden die beiden Teile durch die Fliehkraft zusammengehalten, die
auf die in die Nut 62
eingreifenden Kugeln 63 wirkt. In dieser Lage .«-erden
die Kugeln während der Ruhe durch einen abschießbaren Zapien 64 gehalten, der durch
einen Splint h5 gesichert ist. Dieser Splint wird beim Abschuß durch das Herunterschlagen
des Zapfens 6.1 abgeschert, wodurch die Kugeln 63 frei werden. Damit gleichzeitig
finit der Umdrehungsgeschwindigkeit auch die die Teile6o und 6i zusammenlialtende
Kraft abninmit, fi=t es vorteilhaft, den Kopf 6o niit gegen die Drehrichtung des
`"eschosses gestellten Bremsflächen 66 zu versehen.