-
Nicht-typisierbare
Haemophili influenzae (NTHi) sind hauptsächlich nicht-invasive Krankheitserreger des
menschlichen Respirationstrakts. NTHi können im Respirationstrakt als
Kommensalen vorliegen oder lokale Infektionen hervorrufen, umfassend
Otitis media, Bronchitis, Sinusitis und selten Pneumonie, (Bluestone, C.
D., und J. O. Klein, in: Pediatric Otolaryngology 356 (1983); Bluestone
und Stool, Hrsg., W. B. Saunders Co., Philadelphia; Musher, D. M.,
et al., Ann. Intern. Med. 99: 344–350, 1983). Verschiedene mögliche Adhärenzfaktoren
wurden für
die Adhärenz
von Haemophilus influenzae (sowohl typisierbaren als auch nicht-typisierbaren)
an menschliche Zellen beschrieben, umfassend vier Klassen von Fimbriae/Pili
und zwei Proteine mit einem hohen Molekulargewicht, die eine Ähnlichkeit
mit dem filamentösen
Hämagglutinin
von Bordetella pertussis aufweisen (St. Geme, J. W., et al., Proc.
Natl. Acad. Sci. USA 90: 2875–2879,
1993). Pili sind bakterielle Oberflächenantigene. Sie sind Protein-Anhängsel, die
aus einer helikalen symmetrischen Zusammenlagerung von Haupt-Protein-(Pilin-)Untereinheiten
bestehen. Einige Pili können
auch zwei bis drei Neben-Proteine enthalten, die an ihren Spitzen
angeordnet sind. Eines dieser Proteine, Adhäsin, enthält die aktive Stelle für die Pilus-Adhäsion an
spezifische Membranrezeptoren auf menschlichen und tierischen Zellen.
-
Eine
Klasse von Pili/Fimbriae wurde gründlich untersucht, hierbei
handelt es sich um die Familie der langen dicken Pili („long thick
pili") (LKP). LKP-Pili
werden sowohl durch typisierbare als auch durch nicht-typisierbare
H. influenzae (Hib) exprimiert. Die Pili in dieser Familie weisen
eine charakteristische Morphologie und eine teilweise gemeinsame
Adhäsionsspezifität auf, außerdem haben
ihre Strukturproteine Aminosäuresequenzen
gemeinsam. Diese Pili sind hämagglutinationspositiv
und vermitteln die Anheftung an menschliche Schleimhautzellen (Brinton,
C. C., et al., Pediatr. Infect. Dis. J. 8, Suppl.: 54–61, 1989).
Die Hämagglutination von
menschlichen Erythrocyten wird durch Bindung an das Blutgruppenantigen
AnWj erreicht, während
an der Bindung an Epithelzellen ein Sialinsäure-enthaltender Lactosylceramid-Rezeptor
beteiligt ist (van Alphen, L., et al., Infect. Immun. 69: 4473–4477, 1991).
-
Die
LKP-Familie wurde aufgrund der Reaktivität gegenüber polyclonalen Antiseren,
die gegen gereinigte Pili hervorgebracht wurden, in verschiedene
Stamm-spezifische
Serotypen eingeteilt. Zwischen den Pili-Serotypen wurde eine geringe
Kreuzreaktivität
festgestellt (Brinton, C. C., et al., Pediatric Infect. Dis. J.
8, Suppl.: 54–61,
1989).
-
Durch
Hemmen oder Blockieren der LKP-Pilus-vermittelten Adhäsion von
H. influenzae an Zellen können
H. influenzae-Krankheiten verhindert werden. Im Chinchilla-Modell
wurde gezeigt, dass gereinigte intakte LKP-Pili mögliche Kandidaten
für Impfstoffe
gegen eine NTHi-Otitis-media sind, wobei sie einen Schutz gegen eine
Infektion mit NTHi-Stämme
verleihen, die den homologen Pili-Serotyp enthalten (Karasic, R.,
et al., Pediatr. Infect. Dis. J. 8, (Erg.): S62–65, 1988). Da jedoch der Schutz
Pilus-spezifisch ist, müsste
ein Impfstoff für einen
umfassenden Schutz multivalent sein, wobei er die meisten in der
natürlichen
Population von Krankheitserregern häufig vorkommenden Serotypen
von Pili umfassen müsste.
LKP-Pilin-Strukturgene wurden von verschiedenen Gruppen cloniert
und sequenziert (Coleman, T., et al., Infect. Immun. 59: 1716–1722, 1991;
Formey, L. J., et al., Infect. Immun. 59: 1991–1996, 1991; Kar, S., et al.,
Infect. Immun. 58: 903–908,
1990; van Ham, S. M., et al., EMBO J. 8: 3535–3540, 1989), jedoch wurden
nur die Gene identifiziert, die für die Pili-Serotypen 1 und
4 verantwortlich sich.
-
Wir
beschreiben die Isolierung, Clonierung und Sequenzierung des Pilin-Gens
für den
Pili-Serotyp 5 von Haemophilus influenzae (1), die
Sequenzierung des gesamten LKP1-Operons, das in Tabelle 5 dargestellt
ist, und die Clonierung der LKP10-, LKP11- und LKP12-Pili. Wir beschreiben
DNA-Moleküle
(hier auch als DNA-Sequenzen
oder Nucleinsäuresequenzen
bezeichnet), die Proteine codieren, welche H. influenzae-LKP umfassen,
insbesondere ein Tip-Adhäsin-Protein.
Außerdem
beschreiben wir DNA-Moleküle,
die in der Lage sind, mit den DNA-Sequenzen des Haemophilus influenzae-Genoms
zu hybridisieren, die mit den Pili im Zusammenhang stehen. Die hier
beschriebenen DNA-Moleküle
können
in einem Verfahren eingesetzt werden, mit dem eine Probe, z.B. eine
Blutprobe, auf das Vorliegen von Haemophilus influenzae getestet
wird. Die hier beschriebenen DNA-Moleküle können demgemäß als ein
Mittel für
die Diagnose eingesetzt werden.
-
Außerdem werden
rekombinante Haemophilus influenzae-Pili-Proteine und -Peptide,
spezifisch ein Tip-Adhäsin-Protein,
beschrieben. Die Proteine oder Peptide können für die Herstellung von Antikörpern, sowohl
polyclonalen als auch monoclonalen, eingesetzt werden, die fähig sind,
mit den H. influenzae-Pili-Proteinen zu reagieren (d.h. die daran
binden), und sie können
in diagnostischen Tests eingesetzt werden, um das Vorliegen von
Haemophilus influenzae-Antikörpern
z.B. in einer Blutprobe nachzuweisen. Solche Antikörper können auch
als Impfstoffe in Verfahren der passiven Immunisierung verwendet
werden.
-
Die
beschriebenen Proteine und Peptide können auch in Verfahren zum
Immunisieren eines Säugers, z.B.
eines Menschen, gegen eine Haemophilus influenzae-Infektion und
somit als Impfstoff zur Verhinderung von mit Haemophilus influenzae
zusammenhängenden
Krankheiten, z.B. Otitis media, eingesetzt werden. Insbesondere
kann aufgrund der hier dargestellten DNA- und Aminosäuresequenzen
ein Adhäsin-Protein-
oder -Peptid-Impfstoff konstruiert werden, der in Säugern schützende Antikörper gegen
H. influenzae induzieren kann.
-
1 ist
eine graphische Darstellung der konservierten Regionen der Proteine,
die durch Pilin-Gene der H. influenzae-Serotypen 1, 4 und 5 codiert
werden (SEQ ID NO: 1 bis 3).
-
Die 2A, 2B und 2C sind
schematische Darstellungen der physikalischen Karten, die durch
Restriktionsenzymspaltung von Vektoren, die LKP-Inserte enthalten, erhalten wurden.
-
3 zeigt
die Aminosäuresequenz
des LKP1-Fusionsproteins. Der unterstrichene Bereich gibt die partielle
Aminosäuresequenz
des LKP-Tip-Adhäsin-Proteins an, der
mit dem Maltose-bindenden Protein fusioniert wurde.
-
4 ist
ein Foto eines Gels, welches die Identifizierung des LKP1-Tip-Adhäsin-Proteins
durch Antikörper,
die fähig
sind, mit dem Fusionsprotein von LKP1-Tip-Adhäsin-MBP zu reagieren, in durch
Western-Blots erhaltenen Membranen zeigt. Bahnen 1 und 2: verschiedene
Präparate
von gereinigten LKP1-Pili mit Tip-Protein (47 Kd) (eine positive
Reaktion zwischen dem Tip-Protein und dem Antikörper wurde gezeigt); Bahn 3:
gereinigte LKP10-Pili mit Tip-Adhäsin (47 Kd) (das Tip-Protein
reagiert nicht mit dem Antikörper);
Bahn 4: gereinigte LKP11-Pili mit Tip-Protein (47 Kd) (das Tip-Protein
reagiert nicht mit dem Antikörper);
Bahn 5: Protein-Molekulargewichts-Marker.
-
5 ist
ein Foto eines Gels, welches die Bindungsaktivität von LKP1-Tip-Adhäsin an menschliche Erythrocyten-(HRC-)Ghosts
zeigt. Bahn 1: Molekulargewichts-Marker; Bahn 2: gereinigte LKP1-Pili
mit Tip-Protein; Bahn 3: die Pili mit HRC-Ghosts nach einer Zentrifugation.
Die Tip-Protein-Bande (47 Kd) verschwand aufgrund der Bindung von
Tip-Adhäsin-Pili
an das Ghosts-Pellet. Bahn 4: HRC-Ghosts nach einer Zentrifugation,
die als Kontrolle dienten; Bahn 5: gereinigte Pili ohne Tip-Protein
(behandelt mit 1% SDS) wurden mit frischen Ghosts inkubiert, wobei
sie das gleiche Muster der Proteinbanden wie das Muster von Bahn 3
zeigten; Bahn 6: gereinigte Pili ohne Tip-Protein. Die Pili wurden
vor dem Auftragen auf das Gel mit 1% SDS behandelt, gründlich in
25 mM Tris-Puffer, pH 8,0, dialysiert, durch PEG plus NaCl kristallisiert
und in 25 mM Tris-Puffer, pH 8,0, erneut solubilisiert.
-
6 ist
ein Foto eines Gels, welches die Bindungsaktivität des gereinigten LKP1-Tip-Adhäsin-Proteins
an menschliche Erythrocyten-Ghosts zeigt. Bahn 1: Molekulargewichts-Marker;
Bahn 2: gereinigtes Tip-Adhäsin-Protein
mit einem Molekulargewicht von 47 Kd, wobei das Protein durch 0,1%
SDS in 100 mM Glycin-Puffer,
pH 2,0, entfernt wurde; Bahn 3: gereinigtes Adhäsin wurde mit frischen menschlichen
Erythrocyten-Ghosts inkubiert und abzentrifugiert, anschließend wurde
der Überstand
auf das Gel aufgetragen. Die Tip-Adhäsin-Bande verschwand aufgrund
der Bindung an die HRC-Ghosts; Bahn 4: gereinigtes Adhäsin wurde mit
gekochten HRC-Ghosts inkubiert und abzentrifugiert, anschließend wurde
der Überstand
auf das Gel aufgetragen. Hier war die Adhäsin-Bande mit 47 Kd zu sehen,
dies macht deutlich, dass das Tip-Adhäsin-Protein nicht an das Ghosts-Pellet
bindet; Bahn 5: Überstand
frischer Ghosts nach einer Zentrifugation; dieser wurde als Kontrolle
eingesetzt; Bahn 6: Überstand
gekochter HRC-Ghosts nach einer Zentrifugation, wobei ein anderes
Muster löslicher
Proteine als das von frischen HRC-Ghosts zu sehen ist, dieses Präparat wurde
als eine weitere Kontrolle eingesetzt; Bahn 7: anderes Präparat des
gereinigten Tip-Proteins, inkubiert mit frischen HRC-Ghosts, das
die Bindung zwischen dem Tip-Protein und dem Pellet frischer HRC-Ghosts
zeigt; Bahn 8: anderes Präparat
des gereinigten Tip-Proteins, inkubiert mit gekochten HRC-Ghosts,
das zeigt, dass das Tip-Protein nicht an die denaturierten Ghosts
bindet. Das Gel wurde mit Silber gefärbt.
-
7 ist
ein Foto eines Gels, das Adhäsin-Proteine
aus Pili unterschiedlicher LKP-Typen mit dem gleichen Molekulargewicht
zeigt. Bahn 1: Molekulargewichts-Marker;
Bahn 2: LKP10-Pili; Bahn 3: LKP11-Pili und Bahn 4 bis 6: verschiedene
gereinigte Präparate
von LKP1-Pili. Die Proteine wurden mit Silber gefärbt.
-
Hier
werden erstmalig die Clonierung des Pilin-Gens von Haemophilus influenzae
Serotyp 5 sowie die Sequenz des gesamten LKP1-Operons (Tabelle 5,
SEQ ID NO: 4) und die abgeleiteten Aminosäuresequenzen für sechs
offene Leseraster (SEQ ID NOs: 5 bis 10) beschrieben. Das LKP1-Operon,
wie in Tabelle 5 dargestellt, besteht aus fünf getrennten Genen, die hipP
(das Pilin-Gen), hipC (das periplasmatische Chaperon-Gen), hipR
(das Membrananker-Gen), hipM (das Gen des Tip-assoziierten Neben-Proteins)
und hipA (das Tip-Adhäsin-Gen)
genannt werden. Diese fünf
Gene werden hier auch als hifA (für hipP), hifB (für hipC),
hifC (für
hipR), hifD (für
hipM) und hifE (für
hipA) bezeichnet. Außerdem
liegen auf dem LKP1-Operon ein Integrase-Gen und ein Peptidase-Gen
vor. Die Proteine, die durch diese Gene des LKP1-Operons codiert
werden, und das LKP5-Pilin-Protein werden insgesamt hier als die
H. influenzae-Pili-Proteine bezeichnet.
-
Hier
werden isolierte und/oder rekombinante Nucleinsäuresequenzen beschrieben, welche
die H. influenzae-Pili-Proteine oder biologisch aktive Fragmente
davon codieren. In der Verwendung hier werden Nucleinsäuren auch
als DNA und RNA oder DNA-Sequenzen und RNA-Sequenzen oder DNA-Moleküle und RNA-Moleküle bezeichnet.
Nucleinsäuren,
die hier als „isoliert" bezeichnet werden,
sind Nucleinsäuren,
die von den Nucleinsäuren
der genomischen DNA oder der zellulären RNA des ursprünglichen
Präparats
(z.B. wie sie in Zellen oder in einem Gemisch von Nucleinsäuren, z.B.
einer Bank, vorliegen) abgetrennt wurden, und können noch weiter bearbeitet
worden sein. „Isolierte" Nucleinsäuren umfassen
Nucleinsäuren,
die durch Verfahren, die dem Fachmann bekannt sind, zum Herstellen
isolierter Nucleinsäuren
und durch hier beschriebene Verfahren erhalten wurden. Diese isolierten
Nucleinsäuren
umfassen im Wesentlichen reine Nucleinsäuren, Nucleinsäuren, die
durch eine chemische Synthese oder durch Kombinationen von biologischen
und chemischen Verfahren produziert wurden, und rekombinante Nucleinsäuren, die
isoliert vorliegen.
-
Nucleinsäuren, die
hier als „rekombinant" bezeichnet sind,
sind Nucleinsäuren,
die durch DNA-Rekombinations-Verfahren produziert wurden, umfassend
diejenigen Nucleinsäuren,
die durch Verfahren erzeugt werden, die auf einer Methode der künstlichen
Rekombination beruhen, z.B. durch die Polymerasekettenreaktion (PCR)
und/oder Clonierung in einen Vektor unter Verwendung von Restriktionsenzymen. „Rekombinante" Nucleinsäuren sind
auch solche, welche die Folge von Rekombinationsereignissen sind,
die anhand der natürlichen
Mechanismen der Zellen stattfinden, nach denen jedoch selektiert
wird, nachdem in die Zellen Nucleinsäuren eingeführt wurden, die so entworfen
wurden, dass ein gewünschtes
Rekombinationsereignis zugelassen und wahrscheinlich gemacht wird.
-
Außerdem werden
hier Nucleinsäuresequenzen
(DNA- oder RNA-Sequenzen),
die im Wesentlichen komplementär
zu den hier beschriebenen DNA-Sequenzen
von H. influenzae sind, und Nucleinsäuresequenzen beschrieben, die
mit diesen DNA-Sequenzen unter Stringenz-Bedingungen hybridisieren,
die nach Kenntnis des Fachmanns ausreichend sind, so dass DNA-Sequenzen
mit einer wesentlichen Nucleinsäuresequenz-Identität identifiziert
werden können.
Man kann davon ausgehen, dass DNA-Sequenzen, die unter solchen stringenten
Bedingungen identifiziert wurden, mit großer Wahrscheinlichkeit ein
Protein (hier auch als ein Polypeptid oder Peptidfragment bezeichnet)
mit der biologischen Aktivität
der Pili-Proteine
von H. influenzae codieren. Eine allgemeine Beschreibung von stringenten
Hybridisierungsbedingungen findet sich in Ausubel, F. M., et al.,
Current Protocols in Molecular Biology, Greene Publishing Assoc.
and Wiley-Interscience, 1989. Faktoren wie Sondenlänge, Basenzusammensetzung,
prozentualer Anteil der Fehlpaarungen zwischen den hybridisierenden
Sequenzen, Temperatur und Ionenstärke beeinflussen die Stabilität von Nucleinsäure-Hybriden.
So können
Stringenz-Bedingungen,
die zum Identifizieren weiterer H. influenzae-Pili-Proteine ausreichend
sind (z.B. Bedingungen mit einer hohen oder mittleren Stringenz),
empirisch bestimmt werden, z.T. abhängig von den Merkmalen der
bekannten DNA, mit der andere unbekannte Nucleinsäuren auf
eine Sequenzähnlichkeit
verglichen werden.
-
In
der Definition hier bedeutet im Wesentlichen komplementär, dass
die Sequenz nicht die exakte Sequenz von z.B. Tabelle 5 (SEQ ID
NO: 4) darstellen muss, dass sie jedoch in der Sequenzidentität ausreichend ähnlich sein
muss, um mit Tabelle 5 (SEQ ID NO: 4) unter stringenten Bedingungen
zu hybridisieren. Z.B. können
nicht-komplementäre
Basen oder längere
oder kürzere
Sequenzen unter der Voraussetzung in Sequenzen verteilt sein, dass
die Sequenz ausreichend komplementäre Basen mit z.B. Tabelle 5
(SEQ ID NO: 4) besitzt, um damit zu hybridisieren.
-
Die
DNA-Moleküle
können
vorzugsweise ein funktionelles oder biologisch aktives Pili-Protein
codieren, z.B. das Pilin-Gen, hipP; das periplasmatische Chaperon,
hipC; das Membrananker-Protein, hipR; das Tip-assoziierte Protein,
hipM; und das hier beschriebene Tip-Adhäsin-Protein, hipP. Ein „funktionelles
oder biologisch aktives Protein" ist
hier als ein Protein definiert, das eine signifikante Identität (z.B.
mindestens etwa 65%, vorzugsweise mindestens etwa 80% und am stärksten bevorzugt
mindestens etwa 95%) mit den entsprechenden Sequenzen des endogenen
Proteins aufweist und eine oder mehrere Funktionen davon besitzt.
Biologische Funktionen der Pili-Proteine von H. influenzae umfassen
antigene, strukturelle und Adhäsionseigenschaften.
Z.B. kann gezeigt werden, wie in Karasic, R., et al. (Karasic, R.,
et al., Pediatr. Infect. Dis. J. 8 (Erg.): S62–65, 1988) beschrieben wird,
dass Pili-Proteine sich an Schleimhautzellen und Erythrocyten anheften.
Somit können
solche Adhäsionseigenschaften,
z.B. die Bindung an Erythrocyten, ein Maß für die biologische Aktivität darstellen.
Außerdem
wird hier beschrieben, dass die biologische Aktivität die Antigenität des Proteins oder
Peptids umfassen kann, die zur Produktion von Antikörpern führt, welche
an die Pili-Proteine binden können.
-
Die
H. influenzae-Pili-Proteine umfassen die Proteine des LKP1-Operons
und das hipP-Pilin-Protein des Serotyps 5 sowie Proteine, die Aminosäuresequenzen
aufweisen, die zu diesen Sequenzen analog sind. Solche Proteine
sind hier als H. influenzae-Pili-Protein-Analoga oder Derivate definiert.
Analoge Aminosäuresequenzen
sind hier so definiert, dass sie Aminosäuresequenzen mit einer ausreichenden
Identität
der Aminosäuresequenz
mit z.B. dem LKP1-Tip-Adhäsin- Protein darstellen,
so dass sie die biologische Aktivität des Tip-Adhäsins besitzen.
Die biologische Aktivität
des Tip-Adhäsins
kann z.B. die Fähigkeit
des Tip-Adhäsins umfassen,
an spezifische Membranrezeptoren auf menschlichen und tierischen
Zellen zu binden, einschließlich
der Bindung an native Erythrocyten-Ghost-Präparate.
-
Z.B.
kann ein analoges Polypeptid mit „stummen" Änderungen
in der Aminosäuresequenz
hergestellt werden, wobei sich eine oder mehrere Aminosäurereste
von den Aminosäureresten
des LKP1-Adhäsins
unterscheiden, das jedoch immer noch eine Adhäsions-Aktivität besitzt.
Beispiele solcher Unterschiede umfassen Additionen, Deletionen oder
Substitutionen von Resten.
-
Außerdem umfasst
die vorliegende Erfindung analoge Proteine, die eine schwächere oder
stärkere
biologische Aktivität
der Pili-Proteine der vorliegenden Erfindung zeigen.
-
Ferner
beschreiben wir biologisch aktive Proteine oder biologisch aktive
Fragmente der H. influenzae-Pili-Proteine. Solche Fragmente können nur
einen Teil der vollständigen
Aminosäuresequenz
eines Pili-Proteins umfassen, besitzen jedoch noch eine biologische
Aktivität.
Solche Fragmente können
durch Amino- oder Carboxy-terminale Deletionen und außerdem durch
innere Deletionen hergestellt werden. Solche Peptidfragmente können, wie
hier beschrieben, auf biologische Aktivität getestet werden. So umfasst
ein funktionelles oder biologisch aktives Protein Mutanten oder
Derivate des endogenen Proteins, in dem eine oder mehrere Aminosäuren substituiert,
deletiert oder zugefügt
wurden. Außerdem
werden aktive Fragmente des Proteins beschrieben. Die H. influenzae-Pili-Proteine
umfassen funktionelle oder biologisch aktive Pili-Proteine, z.B. das
Pilin-Strukturprotein, hipP; das periplasmatische Chaperon, hipC;
das Membrananker-Protein, hipR; das Tip-assoziierte Protein, hipM; und am stärksten bevorzugt
das hier beschriebene Tip-Adhäsin-Protein,
hipA. In Fusionsproteinen, welche die hier beschriebenen Pili-Proteine umfassen
(die hier als eine erste Einheit bezeichnet werden), sind diese
an eine zweite Einheit gebunden, die nicht in dem in der Natur zu
findenden Pili-Protein vorkommt. So kann die zweite Einheit eine
einzelne Aminosäure,
ein Peptid oder ein Polypeptid sein. Die erste Einheit kann im Fusionsprotein
in einer N-terminalen Lage, einer C-terminalen Lage oder im Inneren vorliegen.
-
Die
hier beschriebenen DNA-Sequenzen können auch in einem rekombinanten
Konstrukt für
die Infektion, Transfektion oder Transformation einer Zelle in vitro
oder in vivo unter der Kontrolle eines geeigneten Promotors für die Expression
funktioneller H. influenzae-Pili-Proteine, wie hier definiert, in
einer geeigneten Wirtszelle eingesetzt werden. Solche rekombinanten
Konstrukte werden hier auch als Expressionsvektoren bezeichnet.
Z.B. kann eine DNA-Sequenz, die an einen geeigneten Promotor (z.B.
einen konstitutiven oder induzierbaren Promotor oder den endogenen
Promotor) funktionell ligiert ist, in einen geeigneten Expressionsvektor,
z.B. pUC19, eingeführt
werden, der sodann in eine geeignete Wirtszelle eingeführt wird.
Das Konstrukt kann auch eine DNA, die einen oder mehrere selektierbare
Marker codiert (z.B. neo, gpt, dhfr, ada, pac, hyg und hisd), oder
eine DNA umfassen, die ein oder mehrere verschiedene Antigene oder
therapeutische Proteine codiert.
-
Das
Konstrukt kann durch ein beliebiges geeignetes Verfahren eingeführt werden,
wie vorstehend angegeben, z.B. durch Calciumphosphat-Fällung, Mikroinjektion,
Elektroporation oder Infektion (z.B. mit einem infektiösen Retrovirus-,
Herpes-, Vaccinia- oder Adenovirus-Vektor). Die Wirtszelle kann
eine eukaryotische oder prokaryotische Zelle sein. Geeignete Zellen
umfassen Bakterien-(z.B. E. coli) oder Säugerzellen. Säugerzellen
umfassen primäre
somatische Zellen, z.B. Epithelzellen, Fibroblasten, Keratinocyten,
Makrophagen oder T-Zellen oder immortalisierte Zelllinien, z.B.
HeLa oder HT1080. Anschließend
kann die rekombinante Wirtszelle gezüchtet und gegebenenfalls selektiert
werden, dies erfolgt in vitro unter geeigneten Bedingungen, die
zur Expression des Proteins führen.
Andererseits kann die Zelle für
eine in vivo-Expression in ein Tier, z.B. einen Menschen, transplantiert
oder injiziert werden.
-
Eine
Ausführungsform
betrifft rekombinante, LKP-Typ-Pili-produzierende E. coli-Zellen.
Solche Rekombinanten wurden aus Haemophilus influenzae, wie hier
beschrieben, konstruiert. Diese Rekombinanten einzelner Serotypen
produzierten Pili in großen,
einfach zu reinigenden Mengen. Sie variierten nicht mit der Phase
oder wurden bei Subkultur nicht widerstandsfähig („recalcitrant") und konnten wie
E. coli in einem flüssigen
Medium mit guten Pilus-Ausbeuten gezüchtet werden. Die gezüchteten
und daraus gereinigten Pilus-Präparate
eines einzelnen Serotyps enthielten Pili, die mit denjenigen auf
den elterlichen H. influenzae-(Hflu-)Stämmen identisch waren, und sie
enthielten keine anderen Hflu-Antigene. Diese Präparate lassen sich leicht auf
Reinheit, Identität,
Konzentration und Wirksamkeit standardisieren, um in einen multivalenten
Impfstoff eingemischt zu werden, und stellen somit ein effizientes
Verfahren für
die Herstellung von Pilus-Präparaten
für die
Impfstoffproduktion dar. Wie hier beschrieben, wurden rekombinante
E. coli-Vaccinestämme, die
einen einzelnen Typ produzieren, für die Serotypen LKP10, LKP11
und LKP12 konstruiert.
-
Außerdem wurden
Rekombinanten für
mehrere Serotypen konstruiert, die zwei Operons auf getrennten Plasmiden
enthielten. Einzelne Kolonien dieser Stämme exprimierten gleichzeitig
zwei Serotypen von Pili in deutlichen Mengen. Jedoch waren diese
Stämme
insofern instabil, als sie während
der in vitro-Subkultur dazu neigten, rasch die Pilus-Expression
zu verlieren, vielleicht weil die verwendeten Plasmide inkompatibel waren.
Wenn man die zwei Operons jedoch auf zwei kompatiblen Plasmiden
platziert, kann man erwarten, dass diese Stämme stabiler sind. Durch die
Verwendung von stabilen, auf hohem Niveau produzierenden, doppelt
exprimierenden rekombinanten Stämmen
könnte
die Produktion von Proteinen, die für die Verwendung als Impfstoff
geeignet sind, vereinfacht werden, indem die Zahl der erforderlichen
Impfstoffstämme
auf die Hälfte reduziert
wird.
-
Gute
Verfahren zur Produktion, Einengung und Reinigung von Hflu LKP-Pili
verschiedener Serotypen wurden entwickelt und sind hier beschrieben.
Pili können
aus rekombinanten E. coli-Kulturen gereinigt werden, die Hflu-Pili
produzieren, wie für
die Reinigung von Pili aus einer Hflu-Kultur beschrieben wird. Sowohl
Festphasen- als auch Flüssigphasen-Fermentationsverfahren
wurden verwendet. In dem bevorzugten Verfahren werden die Pili aus
den geernteten Bakterien mechanisch entfernt und sodann von den
Bakterienzellen durch Zentrifugation abgetrennt. Die Pili werden
eingeengt und weiter gereinigt, indem aufeinanderfolgende Zyklen erfolgen,
bei denen eine Längs-Aggregation
(Kristallisation) von intakten Pilus-Stäbchen mit Entfernung der löslichen
Verunreinigungen durch Zentrifugation der Kristalle, und anschließend eine
Solubilisierung der Pilus-Kristalle erfolgt, wodurch freie Pilus-Stäbchen entstehen,
wobei die in Partikelform vorliegenden Verunreinigungen durch Zentrifugation
entfernt werden. Jeder Schritt des Produktions-/Reinigungsprozesses
wurde für den
jeweiligen Pilus-Serotyp optimiert. Bisher wurden 19 verschiedene
LKP-Serotypen gereinigt.
-
Außerdem wurden
andere Pilus-Reinigungsverfahren entwickelt, die sich für die analytische
und industrielle Anwendung eignen. Unter Verwendung geeigneter Lösungsmittel-
und Säulen-Bedingungen
können intakte
Pili durch HPLC oder FPLC auf Molekülgrößensortierung-, hydrophoben
oder Ionenaustauscher-Säulen
von den als Verunreinigung vorliegenden Proteinen gereinigt werden.
Diese Verfahren eignen sich auch für eine Herstellung im technischen
Maßstab.
-
Ferner
wurden Reinigungsverfahren für
einzelne Pilus-Proteine entwickelt, wobei mit intakten LKP-Pili begonnen
wird. Hflu-LKP-Pilus-Strukturproteine, die durch das mehrfache Sequenz-Ausrichtung
von Pilus-Gensequenzen mit anderen Pilus-Genen abgeleitet wurden,
umfassen Pilin, das kleine Tip-Neben- und das große Tip-Neben-Protein.
Das große
Tip-Neben-Protein wird als das „Adhäsin" bezeichnet, da es die bekannte Spezifität der Adhäsion des
LKP-Pilus an menschliche Erythrocyten aufweist. Jedoch kann man
anhand der Analogie mit anderen Pilus-Familien sagen, dass auch
die anderen zwei LKP-Pilus-Strukturproteine möglicherweise
Adhäsine
mit Spezifitäten
für bisher
noch unbekannte menschliche Rezeptoren sind. Sowohl Piline als auch
Adhäsine
von LKP-Pili wurden so gereinigt, dass die biologisch aktive Form
vorlag.
-
Die
Piline werden in Form zusammengelagerter Stäbchen gereinigt, indem die
Tip-Neben-Proteine entfernt und die Stäbchen von den Neben-Proteinen
auf Molekülgrößensortierung-Säulen abgetrennt
werden. Die Pilin-Untereinheiten behalten in ihrer zusammengelagerten
Form die antigene Spezifität
der intakten Pili bei, die durch die exponierten Oberflächendeterminanten
der Pilin-Untereinheiten auf der seitlichen Oberfläche des
Pilus-Stäbchens
bewirkt wird. Man kann davon ausgehen, dass Pilin-Stäbchen genauso
wirksame multivalente Impfstoffkomponenten sind wie intakte Pili
und außerdem
möglicherweise
den Vorteil haben, dass sie reiner sind und eventuell weniger Nebenwirkungen
aufweisen.
-
Das
Adhäsin
von LKP11 wurde isoliert und zur aktiven und löslichen Form gereinigt. Wenn
es von den LKP11-Pili entfernt wird, verlieren diese Pili dadurch
die Fähigkeit,
an menschliche Erythrocyten zu binden. In der reinen Form kann es
an menschliche Erythrocytenmembranen binden. Die Adhäsin-Bande
auf SDS-Gelen wird durch Antikörper
markiert, die mit einem Fusionsprotein reagieren, das ein Fragment
des Adhäsins
und das Maltose-bindende Protein umfasst. Gereinigte LKP-Pilus-Adhäsine sind
möglicherweise
als Impfstoffbestandteile geeignet, die in der Lage sind, Adhäsion-blockierende
oder klärende
Antikörper
zu induzieren. Das LKP11-Adhäsin
zeigte auf Western-Blots keine antigene Kreuzreaktion mit dem LKP1-Adhäsin. Somit
konnte in diesem auf zwei Serotypen begrenzten Test anhand der Ähnlichkeit
im SDS-PAGE-Gel des offensichtlichen Molekulargewichts von drei
verschiedenen LKP-Adhäsinen
keine Voraussage gemacht werden, dass auch eine antigene Ähnlichkeit
bestand. Freie Adhäsine
können
auf ihre Wirksamkeit als Impfstoffe gegen Otitis media und auf ihre
Fähigkeit
getestet werden, Adhäsions-blockierende Antikörper zu
induzieren. Antiserum gegen das Fusionsprotein, welches die Adhäsin-Bande
auf Western-Blots markierte, blockierte nicht die Adhäsion an Erythrocyten.
-
Die
isolierten rekombinanten Proteine der vorliegenden Erfindung können an
einen Säuger
verabreicht werden, um den Säuger
gegen eine H. influenzae-Infektion zu schützen oder diese bei ihm zu
behandeln. Das isolierte rekombinante Pili-Protein kann zu einer
Impfstoffzusammensetzung formuliert werden, z.B. wie im US-Patent
5 336 490 beschrieben. Das Protein kann auch mit Hilfe eines infektiösen Konstrukts,
vorzugsweise eines Replikations-inkompetenten oder abgeschwächten viralen
Konstrukts, verabreicht werden. Andererseits kann das Protein anhand
einer rekombinanten Wirtszelle (z.B. einer Säugerzelle), die das Protein
in vivo exprimiert, oder in einem pharmazeutisch verträglichen
Träger
verabreicht werden. Insbesondere kann das rekombinante LKP1-Tip-Adhäsin-Protein,
ein biologisch aktives Fragment davon oder ein Fusionsprotein in
einer Impfstoffzusammensetzung verwendet werden, um die Produktion
von Antikörpern
in einem Säuger
zu induzieren. Man kann davon ausgehen, dass solche Antikörper den
Säuger
vor H. influenzae-Krankheiten schützen können.
-
Die
Impfstoffzusammensetzung kann in einer Einzeldosis oder in mehr
als einer Dosis innerhalb eines Zeitraums verabreicht werden, so
dass ein ausreichender Antikörperspiegel
im Blut erreicht wird, um einen Schutz vor einer H. influenzae-Infektion
bereitzustellen.
-
Geeignete
pharmazeutische Träger
umfassen, sind jedoch nicht beschränkt auf Wasser, Salzlösungen,
Alkohole, Polyethylenglykole, Gelatine, Kohlenhydrate, z.B. Lactose,
Amylose oder Stärke,
Magnesiumstearat, Talkum, Kieselsäure, viskoses Parrafin, Fettsäureester,
Hydroxymethylcellulose, Polyvinylpyrrolidon usw.. Die pharmazeutischen
Präparate
können
sterilisiert und gegebenenfalls mit Hilfsstoffen gemischt werden,
z.B. mit Gleitmitteln, Konservierungsstoffen, Stabilisatoren, Feuchthaltemitteln,
Emulgatoren, Salzen zum Beeinflussen des osmotischen Drucks, Puffern,
Farbstoffen und/oder aromatischen Substanzen und dergleichen, welche
mit den Wirkstoffen nicht auf schädigende Weise reagieren. Sie
können
auch mit anderen Wirkstoffen, z.B. mit Enzyminhibitoren, kombiniert
werden, um den Abbau im Stoffwechsel zu reduzieren, sofern dies
gewünscht
wird.
-
Für die parentale
Anwendung sind insbesondere injizierbare sterile Lösungen,
vorzugsweise ölige oder
wässrige
Lösungen,
außerdem
Suspensionen, Emulsionen oder Implantate, einschließlich Suppositorien,
geeignet. Ampullen sind günstige
Einheitsdosierungen.
-
Die
Verabreichungsarten sind dem Fachmann bekannt, z.B. die parentale,
orale oder intranasale Verabreichung oder eine durch eine zelluläre Implantation
erfolgte Verabreichung.
-
Es
ist so zu verstehen, dass die tatsächlichen wirksamen Mengen des
Proteins in einem bestimmten Fall variieren, z.B. entsprechend der
spezifischen Verbindung, die verwendet wird, der bestimmten formulierten
Zusammensetzung, der Verabreichungsart und dem Alter, Gewicht und
Zustand des Patienten. In der Verwendung hier ist die wirksame Proteinmenge
eine Proteinmenge, die in der Lage ist, den Antikörperspiegel
in einem Säuger
auf einen ausreichenden Spiegel anzuheben, so dass ein Schutz vor
einer H. influenzae-Infektion bereitgestellt wird. Der Fachmann
kann die Dosierungen für
einen bestimmten Patienten ermitteln, indem er herkömmliche Überlegungen
anstellt (z.B. anhand eines geeigneten herkömmlichen pharmakologischen Protokolls).
-
Die
hier beschriebenen DNA-Moleküle
und Proteine können
in diagnostischen in vitro-Tests eingesetzt werden, um das Vorliegen
von H. influenzae in biologischen Proben nachzuweisen. Diese DNA-Moleküle oder Fragmente
davon können
als Sonden in einem Test verwendet werden, mit dem Haemophilus influenzae
in einer Probe, z.B. einer Blutprobe eines Säugers, z.B. eines Menschen,
nachgewiesen wird. Solche Sonden können so entworfen werden, dass
sie spezifisch an die Zielsequenz binden (z.B. ein H. influenzae-Pili-Protein).
-
In
einer Ausführungsform
kann die DNA-Sonde die Nucleotide einer Serotyp-konservierten Region des H. influenzae-Genoms
umfassen, z.B. die Nucleotide, welche ein Tip-Adhäsin-Protein
codieren. Damit die Sonde spezifisch an die Zielsequenz bindet,
muss sie eine ausreichende Länge
haben, um die gewünschte Spezifität bereitzustellen,
d.h. um zu vermeiden, dass sie mit zufälligen Sequenzen in der Probe
hybridisiert. Das DNA-Molekül,
das zu einer Hybridisierung in der Lage ist, enthält vorzugsweise
mindestens etwa 400 Nucleotide, stärker bevorzugt mindestens etwa
1000 Nucleotide und am stärksten
bevorzugt mindestens etwa 1200 Nucleotide. Z.B. kann das DNA-Molekül mindestens
etwa 400 Nucleotide zwischen etwa Nucleotid 7000 bis 7400 von Tabelle
5 (SEQ ID NO: 4) umfassen. Die DNA-Hybridisierungssonde weist vorzugsweise
eine Homologie von mindestens etwa 70% mit den entsprechenden Sequenzen
des Haemophilus influenzae-Genoms,
stärker
bevorzugt von mindestens etwa 80% und am stärksten bevorzugt von mindestens
etwa 90% auf.
-
Insbesondere
sind die hier beschriebenen DNA-Moleküle in der Lage, mit Serotyp-konservierten
Regionen des H. influenzae-Genoms zu hybridisieren. Eine besonders
bevorzugte Ausführungsform
sind DNA-Moleküle,
die mit der H. influenzae-Region hybridisieren, welche das Tip-Adhäsin-Protein
codiert. Z.B. kann ein DNA-Molekül
in der Lage sein, mit dem Gen zu hybridisieren, welches das Tip-Adhäsin-Protein
von Serotyp 1 codiert, vorzugsweise mit der Sequenz, die zwischen
etwa Nucleotid 6955 und 8265 von Tabelle 5 (SEQ ID NO: 4) dargestellt
ist. In einer Ausführungsform
ist das DNA-Molekül
in der Lage, mit dem Genom unter stringenten Bedingungen, wie hier
beschrieben, zu hybridisieren. Der Hybridisierungstest kann durchgeführt werden,
indem bekannte Hybridisierungsverfahren, z.B. die hier beschriebenen
Prozeduren, verwendet werden. Die Sonde kann z.B. nachweisbar markiert
werden, indem Markierungen, die dem Fachmann bekannt sind, eingesetzt
werden, umfassend Enzyme, Farbstoffe, Antikörper und radioaktive Markierungen.
Die Sonde ist vorzugsweise an einem festen Träger (z.B. an einer Membran)
immobilisiert.
-
Alternativ
kann das DNA-Molekül
so ausgewählt
werden, dass es mit einer nicht-konservierten Region des Haemophilus
influenzae-Genoms hybridisiert. Z.B. kann ein DNA-Molekül eingesetzt
werden, das mit dem Gen hybridisiert, welches das Pilin-Protein
codiert. Ein solcher Test kann das Vorliegen eines bestimmten Serotyps
von Haemophilus influenzae in der Probe nachweisen.
-
Eine
Probe, die dem vorliegenden Test unterworfen werden kann, kann eine
beliebige Probe sein, von der man annimmt, dass sie Haemophilus
influenzae enthält
oder damit kontaminiert ist. Beispiele einer solchen Probe umfassen
eine Blutprobe, eine Probe aus dem Nasenrachenraum oder ein Aspirat
aus dem Ohr.
-
Der
Test kann somit für
diagnostische Zwecke zum Nachweisen einer Infektion eines Individuums,
z.B. eines Säugers
(z.B. eines Menschen), mit Haemophilus influenzae eingesetzt werden.
Außerdem
kann der Test verwendet werden, um das Vorliegen einer Verunreinigung
eines Materials, z.B. eines Nahrungsmittels, Medikaments oder biologischen
Materials, mit Haemophilus influenzae nachzuweisen.
-
Das
Protein kann in einem Test zum Nachweisen einer Haemophilus influenzae-Infektion
in einer Probe, z.B. einer Blutprobe, eingesetzt werden. Z.B. können die
Pili eines Pathogens aus der Probe isoliert oder rekombinant produziert
werden, wobei die hier beschriebenen Verfahren eingesetzt werden.
Sodann kann eines oder können
mehrere der Proteine der Pili oder Fragmente davon sequenziert werden.
Die Sequenzen können
an der (den) entsprechenden Proteinsequenz(en) von SEQ ID NO: 4
ausgerichtet und damit verglichen werden. Eine Homologie von mehr
als 90% zeigt z.B. das Vorliegen des Pathogens (d.h. einer Infektion)
in der Probe an.
-
Außerdem kann
das Pili-Protein oder ein Fragment davon (z.B. ein Peptidfragment)
in einem Immuntest, insbesondere einem ELISA, eingesetzt werden,
um das Vorliegen von Antikörpern
in einer biologischen Probe (z.B. Blut, Serum oder Gewebe) nachzuweisen.
Ein solcher Immuntest kann vom Fachmann einfach durchgeführt werden,
indem er eingeführte
Verfahren verwendet, mit denen ein Antikörper nachgewiesen wird, der
an das LKP-Pili-Protein oder an Peptidfragmente gebunden ist.
-
Die
Pili-Proteine oder Fragmente davon (hier auch als Peptide oder Peptidfragmente
bezeichnet) können
auch eingesetzt werden, um Antikörper
zu produzieren, die befähigt
sind, mit den hier beschriebenen Pili-Proteinen zu reagieren. Der
Begriff Antikörper
soll sowohl polyclonale als auch monoclonale Antikörper umfassen.
Polyclonale Antikörper
können
hergestellt werden, indem ein Tier mit einem Präparat eines rohen oder gereinigten
Pili-Proteins unter Verwendung von Verfahren immunisiert wird, die
dem Fachmann bekannt sind. Ferner können Pili-Fusionsproteine für die Immunisierung
verwendet werden. Monoclonale Antikörper können anhand von Verfahren hergestellt
werden, die dem Fachmann bekannt sind. Diese Antikörper können in
diagnostischen Tests eingesetzt werden, um das Vorliegen von H.
influenzae-Antikörper
in biologischen Proben, wie vorstehend beschrieben, nachzuweisen.
-
Die
Erfindung wird durch die folgenden Beispiele noch weiter spezifisch
erläutert.
-
Beispiel 1
-
Clonierung und Sequenzierung
des LKP 5-hipP-Gens und des LKP1-Operons
-
Material und Methoden
-
Bakterienstämme und
Plasmide
-
Die
H. influenzae-Stämme
P860295, P861249 und P860688, welche die LKP-Serotypen 1, 4 bzw. 5 exprimieren, wie
früher
beschrieben wurde (Brinton, C. C., et al., Pediatr. Infect. Dis.
J. 8, Suppl.: 54–61,
1989), wurden eingesetzt. Die E. coli-Stämme
MB392 (Kar, S., et al., Infect. Immun. 58: 903–908, 1990) und HB101 wurden
als Wirte für
rekombinante Plasmide verwendet, und der Stamm DH5-α wurde für Clonierungsschritte eingesetzt,
umfassend die β-Galactosidase-α-Peptid-Komplementierung.
Hflu wurden in Gehirn-Herz-Infusionslösung (Dco Laboratories, Detroit,
MI), enthaltend 10 μg/ml
Hämin (Sigma
Chemical Co., St. Louis, MO) und 2 μg/ml NAD (Sigma), bei 37°C gezüchtet. E.
coli-Stämme
wurden in Luria-Brühe
(Miller, J. H., in: Experiments in Molecular Genetics 203, 1972,
Cold Spring Harbor Laboratory, Cold Spring Harbor, NY) bei 37°C gezüchtet. Gegebenenfalls
wurden Antibiotika in den folgenden Konzentrationen eingesetzt:
Ampicillin (Sigma) 100 μg/ml,
Kanamycin (Sigma) 25 μg/ml
und Chloramphenicol (Sigma) 20 μg/ml.
-
Die
Konstruktion und die Eigenschaften des Plasmids pHF1, welches LKP1-Pili in E. coli,
wie früher beschrieben,
exprimiert (Kar, S., et al., Infect. Immun. 58: 903–908, 1990),
wurden genutzt. Das Plasmid pPX551 ist ein pUC18-Derivat, welches
das 1,9 kb-XhoI-Fragment von pHF1 enthält, das in die BamHI-Stelle eingefügt ist.
Deletionsclone von pHF1, denen der pepN-Locus fehlt, wurden, wie
im Text beschrieben, konstruiert. Das LKP4-Pilin-Strukturgen wurde
durch PCR-Amplifikation
der chromosomalen DNA von P860295 unter Verwendung von Primern mit
den folgenden Sequenzen isoliert: für das 5'-Ende des Gens: 5'-GTGCTGGATCCGTTTCTCTTGCATTACATTAGG-3' (SEQ ID NO: 12)
und für
das 3'-Ende: 5'-TTAGGAATTCGGAAGCGTTTTTTACTTTTTTTGG-3' (SEQ ID NO: 13).
Der 5'-Primer umfasste
eine HindIII-Restriktionsstelle, die in der Sequenz unterstrichen
ist, und der 3'-Primer
enthielt eine EcoRI-Stelle, die auch unterstrichen ist. Das PCR-Produkt
wurde in pCR1000 (Invitrogen, Inc., CA) cloniert, wobei die Anweisungen
des Herstellers befolgt wurden. Das LKP4-Strukturgen wurde subcloniert,
indem die EcoRI-Stelle mit Klenow in Gegenwart aller vier dNTPs
mit glatten Enden versehen wurde und es mit Asp718I gespalten wurde
(eine Asp718I-Stelle
liegt im Vektor vor), wodurch das Fragment freigesetzt wurde. Das
LKP4-Gen wurde in den mit HindII und Asp718I gespaltenen pPX191
ligiert (ein Derivat von pUC19, worin das bla-Gen durch das cat-Gen
aus pACYC184 ersetzt ist (Chang, A. C. Y., und S. N. Cohen, J. Bacteriol.
134: 1141–1156,
1978)), wodurch pPX602 erzeugt wird.
-
Das
LKP5-Pilin-Strukturgen wurde durch PCR unter Verwendung der folgenden
Primer isoliert: für
das 5'-Ende: 5'-AACGAATTCTGCTGTTTATTAAGGCTTTAG (SEQ
ID NO: 14) und für
das 3'-AGCTGGATCCTTGTAGGGTGGGCGTAAGCC
(SEQ ID NO: 15). Das PCR-Produkt von etwa 1 kb wurde in pCRII (Invitrogen,
Inc., San Diego, CA) cloniert und als ein durch Klenow-Behandlung
der EcoRI-Enden mit glatten Enden versehenes Fragment subcloniert,
das unter Verwendung der flankierenden EcoRI-Stellen des Vektors
erzeugt wurde. Das LKP5-Pilin-Gen wurde in Plasmid pPX191 subcloniert
und die Orientierung durch Restriktionsanalyse bestimmt. Der LKP5-Subclon
wurde als pPX605 gewonnen.
-
Clonierung von hipP-Genen,
welche andere LKP-Serotypen codieren
-
Die
hipP-Loci, welche die LKP-Gene des Serotyps 4 und des Serotyps 1
codieren, wurden beschrieben (Kar, S., et al., Infect. Immun. 58:
903–908,
1990; van Ham, S. M., et al., EMBO Jour. 8: 3535–3540, 1989). Um zu bestimmen,
ob die Serotyp-Spezifität
von LKP-Pili innerhalb des hipP-Gens liegt, wurden anhand von PCR
die Pilin-Gene der Serotypen 4 und 5 aus NTHi-Stämmen cloniert, die diese Pili
exprimieren. Das PCR-Produkt für
das LKP4-Pilin-Gen wurde, wie vorstehend beschrieben, in pPX191
cloniert und wird unter der Kontrolle des lac-Promotors exprimiert.
Das hipP-Gen aus einem LKP5-exprimierenden Hflu-Stamm wurde durch
PCR, wie beschrieben, isoliert und in pPX191 für eine Expression unter der
lac-Kontrolle cloniert.
-
Oligonucleotid-Synthese
-
Die
synthetischen Oligonucleotide, die als Primer für die PCR-Amplifikation und
die DNA-Sequenzierung verwendet wurden, wurden auf einem Applied
Biosystems (ABI)-380B-DNA-Synthesegerät unter Verwendung der b-Cyanoethylphosphoramidit-Chemie
synthetisiert (Sinha, N. D., et al., Nucleic Acids Research 12: 4539–4557, 1984).
-
Amplifikation durch Polymerasekettenreaktion
(PCR)
-
Die
LKP4-hipP- und LKP5-hipP-Pilin-Gene wurden durch PCR aus den NTHi-Stämmen P861249
bzw. P860688 unter Verwendung herkömmlicher PCR-Amplifikations-Protokolle
amplifiziert (Saiki, R. K., et al., Science 239: 487–491, 1988).
-
DNA-Sequenzierung
-
Das
auf dem Plasmid pPX551 enthaltene hipP-Gen und das auf dem Plasmid
pHF1 enthaltene gesamte LKP1-Operon wurden mit herkömmlichen
M13-Sequenzierungs-Primern
und mit überlappenden
Sense- und Antisense-Primern sequenziert. Die gesamte DNA-Sequenzierung
erfolgte auf einem Applied Biosystems (ABI)-373A-DNA-Sequenziergerät, wobei
der Taq-Thermozyklus-DyeDeoxyTM Terminator-Sequenzierungs-Kit von ABI,
Teile-Nr. 901497, verwendet wurde. Die Serotypen LKP4 und LKP-5
wurden direkt aus den PCR-Produkten unter Verwendung von PCR-Amplifikations-Primern
und inneren synthetischen Primern, die auf der LKP1-Sequenzierungsstudie
beruhten, sequenziert.
-
SDS-PAGE-Analyse
-
Eine
Natriumdodecylsulfat-Polyacrylamid-Gel-Elektrophorese (SDS-PAGE)
wurde in einem 70 × 100 mm
Mini-Gelsystem (Bio-Rad, Richmond, CA) unter Verwendung des Verfahrens
von Laemmli (Laemmli, U. K., Nature (London) 227: 680–685, 1970)
durchgeführt.
Die Proben wurden mit β-Mercaptoethanol
oder DTT im Proben-Präparationspuffer
reduziert und fünf
Minuten gekocht. Die Gele wurden bei einer konstanten Spannung von
150 V laufen gelassen. Die aufgetrennten Proteine wurden durch Färbung mit
Coomassie-Brilliantblau G-250 (Sigma) nachgewiesen.
-
Teilweise Reinigung von
Pili
-
Die
LKP-Pili wurden gemäß früher beschriebenen
Verfahren gereinigt, wobei die unterschiedliche pH-Löslichkeit
genutzt wurde (Brinton, C. C., Jr., et al., Pediatr. Infect. Dis.
J. 8, Suppl.: 54–61,
1989). Kurz gesagt wurden die Pili-aufweisenden Bakterien aus einer
flüssigen
Kultur abzentrifugiert und zweimal in Phosphat-gepufferter Kochsalzlösung, pH
7,2, gewaschen. Der bakterielle Niederschlag wurde in 100 mM Tris,
pH 10,3, enthaltend 150 mM NaCl, mit einem Verhältnis von 4 ml Puffer pro g
Nassgewicht der Zellen resuspendiert. Die Pili wurden von den Zellen
abgeschert, indem sie in einem Oster-Minimixer in drei 3-Minuten-Salven bei
4°C gemixt
wurden. Die Bakterientrümmer
wurden durch Zentrifugation abgetrennt und verworfen. Der Überstand
wurde gegen 50 mM Natriumacetat, pH 5,0, über Nacht dialysiert, um die
Pili auszufällen
und andere Proteine zu denaturieren. Der Niederschlag wurde durch
Zentrifugation bei 15000 × g
bei 4°C
gewonnen und über
Nacht in 50 ml 0,01 N CAPS-Puffer, pH 10,4, unter leichten schwankenden
Bewegungen gelöst.
Dieser Zyklus der Säurefällung und
Solubilisierung in basischem Puffer wurde noch zweimal wiederholt.
Das endgültige
saure Pellet wurde sodann in 0,01 M Natriumphosphat, pH 10,4, gelöst und das
unlösliche
Material verworfen. Diese lösliche
Fraktion wurde als die teilweise gereinigten Pili bezeichnet.
-
Sequenz des LKP1-Operons
-
Das
LKP1-Operon wurde, wie vorstehend beschrieben, sequenziert, und
die vollständige
Sequenz ist in Tabelle 5 (SEQ ID NO: 4) angegeben. Die Sequenzanalyse
identifizierte sechs mögliche
offene Leseraster (ORFs) in dem LKP-Operon, umfassend die Gene hipP (etwa
bei Nucleotid 1882 bis 2532 von Tabelle 5, SEQ ID NO: 4) und hipC
(etwa bei Nucleotid 2854 bis 3630 von Tabelle 5, SEQ ID NO: 4).
Alle sechs ORFs in dem LKP-Operon wurden als homolog zu äquivalenten
Pilus-Operon-Genen in der Pilus-Superfamilie identifiziert, die
durch mehrere Sequenz-Ausrichtungen von Proteinen definiert wurden.
Die Analyse der Sequenz-Ausrichtung
erfolgte auch unter Verwendung der Entrez Sequences Database Release
10,0 des National Center for Biotechnology Information (National
Library of Medicine, Bethesda, MD). Die abgeleiteten Aminosäuresequenzen
der ORFs sind in Tabelle 5 (SEQ ID NOs: 5 bis 10) angegeben. Jedem
Leseraster wurde aufgrund der Sequenz-Ausrichtungs-Analyse eine
Funktion zugewiesen. Es gibt fünf
ORFs, die in einem Operon gruppiert zu sein scheinen, das durch
die hipC-Promotorregion kontrolliert wird. Hinter dem hipC-Gen (für periplasmatisches
Chaperon) wurde das zweite Leseraster hipR (etwa bei Nucleotid 4016
bis 6238 von Tabelle 5, SEQ ID NO: 4) bestimmt, ein Membrananker-Protein,
das dritte ORF hipM (etwa bei Nucleotid 6259 bis 6873 von Tabelle
5, SEQ ID NO: 4) wurde bestimmt, ein Tip-assoziiertes Protein (hier auch als
Tip-Neben-Protein bezeichnet) und das fünfte ORF hipA (etwa bei Nucleotid
6955 bis 8265 von Tabelle 5, SEQ ID NO: 4) wurde bestimmt, ein Tip-Adhäsin-Protein.
Das Pilin-Gen (hipP) und das periplasmatische Chaperon-Gen (hipC)
werden in entgegengesetzter Orientierung wie im LKP4-Operon transkribiert,
wobei die Promotorregion die früher
identifizierten TA-Wiederholungseinheiten
aufweist (van Ham, S. M., et al., Cell 73: 1187–1196, 1993). Da pHF1 LKP1-Pili
in E. coli exprimiert, gibt es zehn TA-Wiederholungseinheiten in
der Intrapromotor-Region, wie von van Ham et al. beschrieben. Diese
TA-Wiederholungseinheiten
sind für
die Phasenvariation des Phänotyps
der LKP-Pili verantwortlich, wobei ein Verlust einiger der Wiederholungseinheiten
zum Verlust der Piliation führt und
eine Zahl an TA-Wiederholungseinheiten zwischen 10 oder 11 die Expression
des LKP-Operons zulässt. Wie
auf dem LKP1-Operon identifiziert wurde, codierte ein ORF eine Integrase
(etwa bei Nucleotid 1495 bis 1868 von Tabelle 5, SEQ ID NO: 4).
Außerdem
lag auf dem LKP1-Operon eine Sequenz, die ein Enzym, eine Peptidase,
codierte (etwa bei Nucleotid 8395 bis 9342 von Tabelle 5, SEQ ID
NO: 4).
-
Die
vorausgesagte Größe des LKP1-hipP-Genprodukts
beträgt
etwa 21,2 Kilodalton, dies lässt
eine Signalsequenz mit einer Länge
von 20 Aminosäuren
annehmen, während
das festgestellte Molekulargewicht in den SDS-PAGE-Gelen etwa 27
Kilodalton ausmacht. Dies lässt
sich teilweise durch die anomale Wanderung von LKP-Pilin-Sequenzen
in SDS-PAGE-Gelen im Allgemeinen erklären (reifes LKP4 wandert entsprechend einer
Molekülgröße von 24
Kilodalton, während
seine vorausgesagte Größe 22,1
Kilodalton beträgt),
die genaue Erklärung
hierfür
bleibt jedoch unbekannt.
-
Sequenzvergleich der hipP-Gene
der LKP-Serotypen 1, 4 und 5
-
Diese
Beschreibung präsentiert
die erste Sequenzanalyse der hipP-Gene, welche die LKP-Serotypen 1
und 5 codieren (1). Außerdem wurde das hipP-Gen aus einem LKP4-exprimierenden
Hib-Stamm sequenziert (van Ham, S. M., et al., EMBO Jour. 8: 3535–3540, 1989),
wobei die abgeleitete Aminosäuresequenz eine
Identität
von 99% mit der hier enthaltenen, von LKP4 hipP abgeleiteten Aminosäuresequenz
zeigt. Die Sequenzen der hipP-Gene aus den Hib-Stämmen Eagan
und M43 wurden veröffentlicht
(Forney, L. J., et al., Infect. Immun. 59: 1991–1996, 1991). Das LKP1-hipP-Gen
sollte ein Protein von etwa 21,5 Kd codieren, während das vorausgesagte Molekulargewicht
des LKP4-hipP-Proteins 23,8 Kd beträgt. Die tatsächlichen hipP-Genprodukte,
die in rekombinanten E. coli festgestellt werden, weisen in Western-Blots
etwa die korrekten Größen für LKP4 und
LKP5 auf, jedoch läuft
das LKP1-Pilin abweichend bei einem höheren Molekulargewicht als
vorausgesagt bei 26 Kd. Die MacVector-Software wurde eingesetzt,
um die Homologie dieser Gene festzustellen, wobei die LKP4-hipP-
und LKP5-hipP-Proteine zu 70 bzw. 67% identisch sind mit dem LKP1-hipP.
Die Ausrichtung zwischen den Sequenzen ist an den Aminoenden der
Proteine sehr gut, wobei drei Hauptbereiche mit einer Sequenzdivergenz
in den Genen des Serotyps LKP1, 4 und 5 weiter innen in den Proteinen
vorliegen, wie in 1 zu sehen ist. Da nur eine
geringe Kreuzreaktivität
zwischen anti-LKP1-, anti-LKP4- oder anti-LKP5-Seren mit intakten
Pili eines heterologen Serotyps festzustellen ist, müssen die
Sequenzen, die für
die Serotyp-Spezifität
der typisierenden Antiseren verantwortlich sind, in diesen Regionen
liegen. Durch Vergleich der Sequenzen in GenBank mit der LKP4-Sequenz zeigt sich,
dass das H. influenzae Typ b-M43-Pilin (Gilsdorf, J. R., et al.,
Infect. Immun. 58: 1065–1072,
1990), sequenziert durch Gilsdorf et al., auch ein LKP4-Serotyp-Gen
zu sein scheint (Ergebnisse nicht gezeigt).
-
Beispiel 2
-
Konstruktion von E. coli-Rekombinanten,
die Pili des LKP-Typs produzieren
-
Bakterienstämme
-
Die
Pili-aufweisenden Hflu-Stämme,
die für
die Konstruktion von rekombinanten E. coli-Zellen verwendet wurden,
sind LKP11/CB59, LKP10/88-0807 und LKP12/88-0677. Hämagglutination
und Serumagglutination wurden untersucht, bevor die genomische Bank
hergestellt wurde. Die E. coli-Stämme XL-1-BlueMR und HB101
wurden als clonierende Wirtszelle verwendet.
-
DNA-Bank-Konstruktion
und Cosmid-Vektor-DNA
-
Die
chromosomale DNA aus LKP11, LKP10 und LKP12 wurde jeweils durch
Standardverfahren extrahiert und gereinigt. Die Größe der genomischen
DNA von Hflu beträgt
etwa 1,8 × 106 bp. Die chromosomale DNA wurde mit dem
Restriktionsenzym Sau3Al teilweise gespalten. Ein etwa 30 kb großes DNA-Fragment wurde aus
einem LMTA-Gel (Sigma) extrahiert und durch das Phenol-Chloroform-Verfahren
gereinigt. Die endgültige
DNA-Konzentration beträgt
etwa 1 μg/μl.
-
Die
Vektor-DNA SuperCosI (Stratagene, La Jolla, CA) wurde mit XbaI gespalten
und mit alkalischer Phosphatase des Kälberdarms (CIAP) dephosphoryliert.
Danach wurde die mit XbaI und CIAP behandelte Vektor-DNA mit dem
Restriktionsenzym BamHI gespalten. Ein etwa 6,5 kb großes Vektor-DNA-Fragment wurde erhalten.
-
Die
DNA-Fragmente LKP11/CB59, LKP10/88-0807 bzw. LKP12/88-0677 wurden
jeweils an der BamHI-Stelle der Vektor-DNA SuperCosI ligiert. Die
ligierte DNA wurde unter Verwendung von Ciga-pack Gold-Kit (Stratagene,
La Jolla, CA) in λ-Phagenpartikel
verpackt. Die Wirtszelle für
die Verpackung war XL1-BlueMR.
-
Durchmusterung
der Bank
-
Die
rekombinant exprimierten Pili des LKP-Typs wurden durch das Kolonie-Blot-Verfahren durchgemustert.
Die Konzentration von anti-Pilus-Seren von LKP11, LKP10 und LKP12
war so, dass sie als eine 1:1000-Verdünnung vorlagen. Der prozentuale
Anteil von positiven Kolonien betrug 40/4200 für LKP11, 9/700 für LKP10
und 1/600 für
LKP12. Die Piliation der Zellen wurde durch EM untersucht. Die Rekombinanten
wurden durch weitere HA- und SA-Tests verifiziert und mit CLJ11
für LKP11,
CLJ10 für
LKP10 und CLJ12 für LKP12
bezeichnet (2A, 2B und 2C).
Die DNA der Rekombinanten wurde extrahiert und auf den E. coli Stamm
HB101 transformiert, da die XL1-Blue-Zelle Typ-I-Pili exprimiert.
Die DNA der Rekombinanten weist bei CLJ11 eine Größe von etwa
18,5 kb auf. Diese wurde durch Spaltung und anschließende Ligierung unter
Verwendung einer Restriktionsstelle auf Insert- und Vektor-DNA erhalten.
Die CLJ10-DNA beträgt
etwa 25 kb, die für
CLJ12 etwa 35 kb. Die teilweise DNA-Sequenz für diese rekombinanten Inserte
ist verfügbar.
-
Beispiel 3
-
Protokolle für die Reinigung
eines LKP-Pilus aus einem rekombinanten E. coli-Stamm unter Verwendung des Flüssigphasen-Verfahrens
-
Allgemeines Protokoll
-
- 1. Beimpfen rekombinanter E. coli-Zellen in
3 ml eines LB-Mediums, das Ampicillin enthält, und Züchten bei 37°C, bis ein
OD-Wert bei 540 nm von 0,6 bis 0,8 erreicht ist (drei bis vier Stunden).
- 2. Überführen der
Zellsuspension in 50 ml Medium und Züchten bei 37°C, bis ein
Wert bei 540 nm von 0,8 bis 1,0 erreicht ist (vier bis fünf Stunden).
- 3. Überführen der
50 ml-Zellsuspension auf 1 l Medium in einem 2,8-l-Kolben und Züchten bei
37°C über Nacht
(16 bis 18 Stunden), bis ein Wert bei 540 nm von 4,0 bis 5,0 erreicht
ist.
- 4. Ernten der Zellen durch Zentrifugation bei 5000 UpM, 15 Minuten.
- 5. Resuspendieren der Zellen in 50 nM Acetatpuffer, pH 5,0,
und Halten der Suspension bei Raumtemperatur eine Stunde.
- 6. Mischen bei 11000 UpM in einem großen Becher oder bei 14000 UpM
in einem kleinen Becher mit einem Omnimixer auf Eis drei Minuten.
- 7. Titrieren auf pH 8,0 mit 1 M HCl und drei Stunden Stehenlassen
bei Raumtemperatur.
- 8. Zentrifugieren bei 12000 UpM 20 Minuten bei 4°C. Wiegen
aller Pellets und Verwerfen.
- 9. Zufügen
von 10 μl
DNase und RNase zu jeweils 100 ml Präparat. Gründliches Mischen und zehn Minuten Stehenlassen
bei Raumtemperatur.
- 10. Dialysieren gegen 50 mM Acetatpuffer, pH 5,0, über Nacht
mit mehrmaligem Austauschen. Wenn das Präparat über Nacht nicht den pH-Wert
5,0 erreicht, erfolgt ein längeres
Dialysieren gegen den Puffer mit häufigerem Austauschen.
- 11. Zentrifugieren bei 16000 UpM 60 Minuten bei 4°C, um den
Proteinniederschlag und die Pilus-Kristalle zu sedimentieren.
- 12. Resuspendieren des Pellets in etwa 25% des ursprünglichen
Volumens in 25 mM Tris-HCl-Puffer, pH 8,0.
- 13. Zufügen
von Triton X-100 und EDTA zum Präparat
unter leichtem Rühren,
so dass eine Endkonzentration von 0,2% und 5 mM erreicht wird. Leichtes
Rühren über Nacht
bei 4°C.
- 14. Klären
des Präparats
durch Zentrifugation bei 16000 UpM 60 Minuten bei 4°C.
- 15. Zufügen
von NaCl und PEG 8000 auf eine Endkonzentration von 0,5 M bzw. 3,0%,
danach Inkubieren des Präparats über Eis
zwei Stunden.
- 16. Zentrifugieren des Präparats
bei 16000 UpM 60 Minuten bei 4°C,
um die Pilus-Kristalle zu sedimentieren.
- 17. Resuspendieren des Pellets in 25 mM Tris-HCl, pH 8,0, in
1/3 des vorherigen Volumens. Bei Verwendung von weniger Lösung wird
eine geringere Ausbeute an Pilus-Kristallen erhalten.
- 18. Wiederholen der Schritte 13 bis 17.
- 19. Resuspendieren des Pellets in 25 mM Tris-HCl, pH 8,0. Abhängig von
der Reinheit und der Menge des Materials können gegebenenfalls noch andere
Schritte zur Solubilisierung und Kristallisation durchgeführt werden.
-
Während der
Reinigung wird nach jedem Schritt eine Probe genommen und für die SDS-PAGE
verwendet, um die Reinheit der Proben zu untersuchen. Außerdem wird
zur Prüfung
der Reinheit ein Test mit Dunkelfeld-Mikroskopie benötigt. Ferner
ist der Einsatz von UV-Scanning erforderlich, um eine Verunreinigung durch
DNA oder RNA zu bestimmen.
-
Da
Triton X-100 eine starke Absorption bei 280 nm zeigt, ist es wichtig,
das restliche Triton X-100 nach der Reinigung durch eine einmalige
oder durch mehrmalige Kristallisation von Pili durch PEG und NaCl
zu entfernen. Hierdurch werden falsche Werte bei 280 nm vermieden,
wenn man die Konzentration der Pili-Präparate durch
das UV-Verfahren bestimmt.
-
Reinigung der LKP5-Pili
-
- 1. Ernten in 80 mM PBS, pH 5,0, unter Verwendung
von 5 bis 10 ml pro Schale.
- 2. Titrieren des Präparats
auf den pH-Wert 5,0 mit 6 N HCl, sofern dies erforderlich ist.
- 3. Mischen mit einem Omnimixer über Eis drei Minuten (durchschnittliche
Geschwindigkeit = 9800 UpM) (bis zu 11000 UpM, wenn es in größeren Bechern
möglich
ist, und bis zu 14000 UpM in kleinen Bechern).
- 4. Titrieren auf pH 9,0 mit 5 M NaOH und Stehenlassen drei Stunden
bei Raumtemperatur. Ein leichtes Rühren kann erforderlich sein,
um pH-Änderungen
zu vermeiden. Der pH-Wert wird die ganze Zeit überwacht und gegebenenfalls
eingestellt. (Wenn Kulturen in Brühe gezüchtet wurden, erfolgt das Titrieren
mit einer 1 M Lösung
von Puffer (Tris) anstelle von NaOH).
- 5. Zentrifugieren bei 15300 g 20 Minuten bei 4°C. Überführen des Überstands
in saubere Flaschen und Klären
wie vorstehend ein zweites Mal. Wiegen aller Pellets und Verwerfen.
- 6. Einstellen des pH-Werts des Überstands auf 8,0 und Zufügen von
10 μl DNase
und RNase zu jeweils 100 ml Präparat.
Gründliches
Mischen und zehn Minuten Stehenlassen bei Raumtemperatur.
- 7. Dialysieren gegen 40 mM Acetatpuffer, pH 5,0, über Nacht
mit mehrmaligem Austauschen. Wenn das Präparat über Nacht nicht den pH-Wert
5,0 erreicht, erfolgt ein längeres
Dialysieren gegen den Puffer mit häufigerem Austauschen.
- 8. Zentrifugieren bei 18600 g 60 Minuten bei 4°C, um die
Pilus-Kristalle zu sedimentieren (Kristalle nicht typisch für klare
Pili).
- 9. Resuspendieren des Pellets in etwa 25% des ursprünglichen
Volumens in 25 mM Tris-HCl-Puffer, pH 9,0, unter Verwendung eines
Gummischabers. Leichtes Rühren
bei 4°C
(Vermeiden von Schäumen)
mehrere Stunden. Große
Stücke
gegebenenfalls durch vorsichtiges Pipettieren aufbrechen.
- 10. Zufügen
von Triton X-100 (2% Vorratslösung)
zum Präparat
unter leichtem Rühren,
so dass eine Endkonzentration von 0,4% erhalten wird, und von EDTA
(25 mM Vorratslösung),
so dass eine Endkonzentration von 5 mM erreicht wird. Inkubieren über Nacht
bei 4°C.
- 11. Klären
des Präparats
durch Zentrifugation bei 186000 g 60 Minuten bei 4°C. Überführen des Überstands
in einen sauberen Kolben.
- 12. Einstellen des pH-Werts des Überstands auf unter 8,0 unter
Verwendung von 1 N HCl.
- 13. Zufügen
von NaCl (5 M Vorratslösung)
auf eine Endkonzentration von 0,5 M und von PEG (30% Vorratslösung) auf
eine Endkonzentration von 3%, danach Inkubieren des Präparats über Eis
0,5 Stunden. Überprüfen im Dunkelfeld
auf Kristalle. Gegebenenfalls Verlängern der Zeit, wobei es jedoch
kritisch ist, die Pili nicht zu lange gegenüber dem PEG zu exponieren,
da die erneute Solubilisierung mit zunehmender Zeit immer schwieriger
wird.
- 14. Zentrifugieren des Präparats
bei 18600 g 60 Minuten bei 4°C,
um die Pilus-Kristalle zu sedimentieren.
- 15. Waschen des Pellets mit 40 mM Citratpuffer, pH 5,0, um überschüssiges PEG/NaCl
zu entfernen. Danach Zentrifugieren bei 186000 g 60 Minuten) (zweimal).
- 16. Resuspendieren des Pellets in 25 mM Tris-HCl, pH 9,0, in
1/3 bis 1/2 des vorherigen Volumens. Solubilisieren durch Aufwirbeln
und anschließendes
vorsichtiges Pipettieren. Laufenlassen der Probe auf einem Gel,
um die Reinheit zu testen. Gegebenenfalls Fortfahren mit Schritt
17.
- 17. Zufügen
von Triton X-100 zum Präparat,
so dass eine Endkonzentration von 0,4% erhalten wird, und von EDTA,
so dass eine Endkonzentration von 5 mM erhalten wird, anschließend Inkubieren über Nacht bei
4°C (vgl.
Einzelheiten in Schritt 10).
- 18. Einstellen des pH-Werts des Präparats auf unter 8,0 unter
Verwendung von HCl (zwischen 7 und 8).
- 19. Zufügen
von NaCl auf eine Endkonzentration von 0,5 M und von PEG auf eine
Endkonzentration von 3%, danach Inkubieren des Präparats über Eis
0,5 Stunden (vgl. Einzelheiten in Schritt 13).
- 20. Zentrifugieren des Präparats
bei 186000 g 60 Minuten bei 5°C,
um die Pilus-Kristalle zu sedimentieren.
- 21. Resuspendieren des Pellets in 25 mM Tris-HCl, pH 9,0, um
die Pili zu solubilisieren (vgl. Einzelheiten in Schritt 16). Überprüfen der
Reinheit durch SDS-PAGE.
Gegebenenfalls Fortfahren mit Schritt 22.
- 22. Zufügen
von Triton X-100 zum Präparat,
so dass eine Endkonzentration von 0,4% erhalten wird, und von EDTA,
so dass eine Endkonzentration von 5 mM erhalten wird, anschließend Inkubieren über Nacht bei
4°C (vgl.
Einzelheiten in Schritt 10).
- 23. Klären
durch Zentrifugation bei 18600 g 60 Minuten bei 4°C.
- 24. Zufügen
von NaCl auf eine Endkonzentration von 0,5 M und von PEG auf eine
Endkonzentration von 3%, danach Inkubieren des Präparats über Eis
0,5 Stunden (vgl. Einzelheiten in Schritt 13).
- 25. Zentrifugieren des Präparats
bei 18600 g 1 Stunde bei 4°C.
Verwerfen des Überstands.
- 26. Resuspendieren des Pellets in Tris-HCl, pH 9,0. Abhängig von
der Menge und der Reinheit des Materials können gegebenenfalls abwechselnd
noch weitere Schritte zur Solubilisierung und Kristallisation durchgeführt werden.
-
Während des
Reinigungsprozesses Überwachen
des Pelletmaterials und Überstands
durch Dunkelfeld und/oder Gel und/oder Scan. Gegebenenfalls kann
eine erneute Behandlung erforderlich sein.
-
Reinheit
durch Überprüfung mittels
SDS-PAGE: gegebenenfalls Wiederholen des Triton-Schritts, wobei
jedoch die SDS-Reaktionsschritte in früheren Protokollen vermieden
werden sollten, da es hierbei zu hohen Verlusten von Pili kommen
kann.
-
Beispiel 4
-
Reinigung
der LKP-Pili durch HPLC und andere Säulenverfahren
-
Die
LKP-Pili können,
abgesehen von Detergens-Extraktion und PEG-Fällung, auch durch HPLC, FPLC
und andere Säulenverfahren
gereinigt werden. Diese Verfahren sind gut geeignet, insbesondere
für unbekannte
LKP-Pili. Normalerweise werden die Pili zuerst durch Extraktion
und Fällung
teilweise gereinigt, bis die Pilus-Lösung
klar und eingeengt ist und eine sehr kleine Größe aufweist. Wenn das Präparat immer
noch nicht rein ist, wie durch SDS-PAGE bestimmt wird, wären Säulenverfahren
die Methoden der Wahl. Für
diesen Zweck werden bevorzugt Größensortierungs-Säulen eingesetzt.
Vor dem Auftragen auf eine Säule
ist es wichtig, dass die Pilus-Probe noch weiter gereinigt wird.
Das für
die teilweise Reinigung der Pili verwendete Detergens sollte aus
den Pilus-Proben durch Dialyse oder andere bekannte Verfahren entfernt
werden. Ein Detergens reduziert die Auflösung der Säulentrennung signifikant. Für eine Größenausschluss-Säule ist
ein kleines Probenvolumen erforderlich.
-
Für HPLC oder
FPLC wird ein Auftragvolumen von 50 μl bis 200 μl empfohlen, das Proben-Auftragvolumen
für andere
herkömmliche
LC-Gelfiltrations-Säulen
hängt von
der Länge
und der Größe der Säule ab. Eine
Pilus-Probe von 1 ml ist für
eine Säule
mit einem Gesamtvolumen von 50 ml bevorzugt. Da Pili eine niedrige
Absorption bei 280 nm besitzen, ist für den Monitor eine höhere Empfindlichkeit
empfehlenswert. Das aus der Säule
eluierte verfügbare
Protein kann bei 230 nm überwacht
werden. Eine weitere Reinigung der Proteine kann durch HPLC erfolgen.
Säulenverfahren
zur Reinigung eignen sich auch für
die Isolierung von Pilin aus Pili.
-
Beispiel 5
-
Protokoll
der Reinigung eines LKP-Pilus aus einem [Hflu]-Stamm oder einem
rekombinanten E. coli-Stamm unter Verwendung eines Festphasen-Verfahrens
-
Allgemein
gesagt exprimiert ein rekombinanter Stamm das Pilus-Strukturprotein besser
als der Elternstamm Hflu, deshalb ist es einfacher, Pili aus den
rekombinanten Zellen zu reinigen. Da jedoch der rekombinante E.
coli-Stamm das Pilus-Protein genauso wie der Elterstamm Hflu exprimiert,
sind die Reinigungsverfahren der Pilus-Stäbchen aus Hflu oder aus dem
rekombinanten Stamm im Grunde die gleichen. Für das Züchten des Hflu-Stamms sind
Schokoladenagar-Medien und ein bestimmter CO2-
und Feuchtigkeitsgehalt erforderlich. Für das Züchten des rekombinanten E.
coli-Stamms sind LB-Agar-Medien
erforderlich, die Ampicillin enthalten.
- 1.
Ernten in 80 mM PBS, pH 5,0, unter Verwendung von 5 ml pro Schale.
Verwenden eines geglätteten Glasspachtels,
um die feuchten Zellen abzuschaben, und danach Überführen der Zellsuspension in
einen Omnimixer-Becher. Wenn die Zellen an der Oberfläche vorliegen,
wird nur die Oberflächenfeuchtigkeit
der Medien genutzt, um die feuchten Zellen zu gewinnen.
- 2. Titrieren des Präparats
auf den pH-Wert 5,0 mit 2 M Acetatpuffer, sofern dies erforderlich
ist.
- 3. Mischen mit einem Omnimixer bei 14000 UpM über Eis
drei bis fünf
Minuten.
- 4. Titrieren auf pH 8,0 mit 1 M Tris-HCl-Puffer und Überwachen
der pH-Änderung
durch ein pH-Meter. Das Titrieren auf den pH-Wert kann anstelle
von Tris-Puffer
mit 2,5 oder 5 M NaOH erfolgen, wenn das Präparat eine große Menge feuchter
Zellen enthält.
Bei der Verwendung von NaOH muss vorsichtig vorgegangen werden,
um die Lyse der Zellen zu vermeiden. Inkubieren des Präparats bei
Raumtemperatur drei Stunden.
- 5. Zentrifugieren bei 12000 UpM 20 bis 30 Minuten bei 4°C. Wiegen
aller Pellets und Verwerfen.
- 6. Zufügen
von 10 μl
DNase und RNase zu jeweils 100 ml des Präparats. Gründliches Mischen und zehn Minuten
Stehenlassen bei Raumtemperatur.
- 7. Dialysieren gegen 50 mM Acetatpuffer, pH 5,0, über Nacht
mit mehrmaligem Austauschen. Wenn das Präparat über Nacht nicht den pH-Wert
5,0 erreicht, erfolgt ein längeres
Dialysieren gegen den Puffer mit häufigerem Austauschen.
- 8. Zentrifugieren bei 16000 UpM 60 Minuten bei 4°C, um den
Proteinniederschlag und die Pilus-Kristalle zu sedimentieren.
- 9. Resuspendieren des Pellets in etwa 25% des ursprünglichen
Volumens mit 25 mM Tris-HCl-Puffer, pH 8,0.
- 10. Zufügen
von Triton X-100 und EDTA zum Präparat
unter leichtem Rühren,
so dass eine Endkonzentration von 0,2% und 5 mM erhalten wird. Leichtes
Rühren über Nacht
bei 4°C.
- 11. Klären
des Präparats
durch Zentrifugation bei 16000 UpM 60 Minuten bei 4°C.
- 12. Zufügen
von NaCl und PEG 8000 auf eine Endkonzentration von 0,5 M bzw. 3,0%,
danach Inkubieren des Präparats über Eis
zwei Stunden. LKP-Pili mit einer anderen Länge und das Dimer können in
unterschiedlichen Konzentrationen von NaCl und PEG 8000 kristallisiert
werden. Deshalb ist ein Konzentrationstest für NaCl und PEG zum Kristallisieren
verschiedener Pili wichtig.
- 13. Zentrifugieren bei 16000 UpM 60 Minuten bei 4°C, um die
Pilus-Kristalle
zu sedimentieren.
- 14. Resuspendieren des Pellets in 25 mM Tris-HCl, pH 8,0, in
1/3 des vorherigen Volumens. Verwendung von noch weniger Lösung, wenn
eine kleinere Ausbeute an Pilus-Kristallen gefunden wird.
- 15. Wiederholen der Schritte von Schritt 10 bis Schritt 14.
- 16. Resuspendieren des Pellets in 25 mM Tris-HCl, pH 8,0. Abhängig von
der Reinheit und der Menge des Materials können gegebenenfalls abwechselnd
noch weitere Schritte zur Solubilisierung und Kristallisation durchgeführt werden.
-
Während der
Reinigung wird nach jedem Schritt eine Probe genommen und für die SDS-PAGE
verwendet, um die Reinheit der Proben zu untersuchen. Außerdem wird
ein Dunkelfeld-Mikroskopie-Test benötigt, um die Reinheit zu überprüfen. Ferner
ist der Einsatz von UV-Scanning erforderlich, um eine eventuelle
Verunreinigung durch DNA oder RNA zu erkennen.
-
Da
Triton X-100 eine starke Absorption bei 280 nm zeigt, ist es wichtig,
das restliche Detergens nach der Reinigung durch eine weitere Kristallisation
von Pili durch PEG und NaCl zu entfernen. Hierdurch werden falsche
Werte bei 280 nm vermieden, wenn man die Konzentration des Pilus-Präparats durch
das UV-Verfahren
bestimmt.
-
Beispiel 6
-
Konstruktion eines MBP-Δ3'-Tip-Fusionsproteins
-
Die
genetische Fusion wurde unter Verwendung von PCR-Primern konstruiert,
so dass ein Teil des LKP1-Tip-Gens von pHF1 erhalten wurde, der
dann mit dem MBP-Protein-Gen im Vektor pMAL-p2 im Raster vorliegt.
Die Primer wurden so entworfen, dass das Carboxylende von etwa 100
Aminosäuren
des Tip-Proteins entfernt und durch ein Stopp-Codon ersetzt wird.
Der aminoterminale Teil des Proteins wurde durch PCR vermehrt, im
Raster mit einer geeigneten Restriktionsstelle etwa am Punkt der
Signalsequenz-Spaltstelle, die durch Analogie mit anderen bakteriellen
Signalsequenzen und des Hydrophobie-Profils der hergeleiteten Aminosäuresequenz
des Tip-Proteins bestimmt wurde. Die Aminosäuresequenz des Fusionsproteins
ist in 2 dargestellt. Die teilweise
Sequenz des LKP-Tip-Proteins des Fusionsproteins ist unterstrichen.
-
Expression der Fusion,
Reinigung und Produktion von Antiseren
-
Das
Protein wurde in E. coli BL21 (einem onnipT.Ion K-12-Stamm) exprimiert,
der in SOB-Brühe,
enthaltend 100 μg/ml
Ampicillin, bei 28°C
nach Induktion mit 0,2 mM IPTG gezüchtet wurde. Die Zellen wurden abzentrifugiert
und einmal in PBS gewaschen. Die Zellen wurden in 20 mM Tris, pH
7,5, enthaltend 2 mM EDTA und 400 mM NaCl, mit einem Verhältnis von
20 ml/Liter der ursprünglichen
Kultur resuspendiert. Die Zellen wurden lysiert, indem sie dreimal
durch eine French-Press-Zelle
geschickt wurden, und die Zelltrümmer
wurden durch eine Zentrifugation bei niedriger Geschwindigkeit bei
8 mal × g
20 Minuten bei 4°C
entfernt. Der Überstand
wurde im gleichen Puffer, der für
das Aufschließen
verwendet wurde, fünffach
verdünnt
und über eine
Amylose-Harz-Säule
mit 15 ml Bettvolumen bei 1 ml/Min. bei Raumtemperatur geschickt.
Nachdem das Lysat durch die Säule
gelaufen war, wurde die Säule
mit 15 Bettvolumina des Lysepuffers mit 5 ml/Min. gewaschen. Das
gebundene Material wurde unter Verwendung von Waschpuffer, der 10
mM Maltose enthielt, eluiert. Die Elution erfolgte mit 50 ml Puffer
bei 1 ml/Min., anschließend
wurde das Eluat vereinigt. Das resultierende Proteingemisch wurde
durch SDS-PAGE und
Western-Blot und anti-MBP-Seren analysiert, wobei gefunden wurde, dass
es die Fusion, Spaltprodukte und das vollständige MBP enthielt. Anderes
Material wurde nur in geringem Umfang nachgewiesen.
-
Die
Fusionsproteine, das MBP und die Spaltprodukte wurden als ein Komplex
eluiert. Mäuse
wurden mit 10 μg
Dosen des Komplexes immunisiert, wobei 100 μg MPL als Adjuvans verwendet
wurden. Die Immunisierungen erfolgten subkutan in den Wochen 0,
4 und 6, und die Mäuse
wurden in der Woche 8 ausgeblutet. Das Serum der negativen Kontrolle
war anti-MBP-Serum der Maus, das gegen das gereinigte MBP hergestellt wurde,
wobei die gleichen Reinigungs- und Immunisierungsprotokolle verwendet
wurden.
-
Anti-GST-Seren
-
Die
GST-Fusion wurde konstruiert, indem das vollständige LKP-Tip-Gen, einschließlich der
Signalsequenz, verwendet wurde. Das Gen wurde aus PHF1 mit den geeigneten
Restriktionsenzym-Spaltstellen für
die Insertion in pGEX-3X im Raster durch PCR vermehrt und in E.
coli DH5α exprimiert.
Die Zellen wurden in SOB, enthaltend 100 μg/ml Ampicillin gezüchtet, und
mit IPTG bei 0,2 mM zwei Stunden bei 37°C induziert. Die Zellen wurden
geerntet und in PBS gewaschen, danach in PBS resuspendiert und lysiert,
indem sie durch eine French-Press-Zelle passiert wurden. Die Zelltrümmer wurden
durch Zentrifugation geerntet und dreimal mit Puffer, der 1% Triton
X-Zwittergent 3–14
enthielt, gewaschen, anschließend
wurden die Einschlusskörper durch
Zentrifugation gewonnen. Die Einschlusskörper wurden in 5 M Guanidin-HCl
solubilisiert und durch SDS-PAGE analysiert. Die Guanidin-Konzentration
wurde durch Dialyse auf 2,5 M abgesenkt und die löslichen Einschlusskörper wurden
bei 4°C
gelagert. Die Antiseren wurden hergestellt, indem präparative
10% SDS-PAGE-Gele laufen gelassen wurden und jeweils die Fusionsbande
aus dem Gel ausgeschnitten wurde. Die Acrylamid-Protein-Bande wurde
mit einem Skalpell zerkleinert und mit MPL (100 μg) gemischt und sodann den Mäusen dreimal
in den Wochen 0, 4 und 6 injiziert. Die Mäuse wurden in der Woche 8 ausgeblutet.
-
Beispiel 7
-
Entfernung, Reinigung
und Identifizierung des LKP-Pilus-Tip-Adhäsin-Proteins von H. influenzae
-
Hierdurch
wird erstmals gezeigt, dass das Tip-Adhäsin-Protein aus H. influenzae-LKP1-Pili
ohne Depolymerisation der Pilus-Stäbchen entfernt werden kann.
Freies Tip-Adhäsin-Protein
kann isoliert und gereinigt werden, indem Dialyse und präparative
Elektrophorese angewendet werden. Das gereinigte Tip-Adhäsin kann unter
Verwendung der Western-Blot-Analyse durch das Antiserum identifiziert
werden, das anhand eines konstruierten genetischen Fusionsproteins
erhalten wurde, das von einem Teil des LKP1-Tip-Gens und dem Gen des
MBP (Maltose- bindenden
Proteins) stammt. Eine spezifische Bindung wurde zwischen dem gereinigten Tip-Protein
und dem Fusionsprotein-Antiserum nachgewiesen, dies zeigt deutlich,
dass es sich bei dem aus dem LKP1-Pilus-Präparat gereinigten Protein um
das LKP1-Tip-Adhäsin-Protein
handelt.
-
Aktivitätstests
mit menschlichen Erythrocyten-(RBC-)Ghosts zeigten, dass das gereinigte
Tip-Protein an ein natives Ghosts-Präparat bindet, dass es jedoch
nicht an denaturierte RBC-Ghosts bindet, dies macht deutlich, dass
das gereinigte Tip-Protein biologisch funktionell oder zumindest
teilweise funktionell ist.
-
Entfernung
des Tip-Proteins aus Pilus-Stäbchen
-
- 1. Dialysieren gereinigter LKP1-Pili in 200
mM Gly-HCl-Puffer, pH 2,0, enthaltend 5 M NaCl, bei Raumtemperatur
vier bis sechs Stunden.
- 2. Überführen des
Dialyseschlauchs in einen 25 mM Tris-HCl-Puffer, pH 8,0, und mehrere
Stunden Dialysieren, bis der pH-Wert des Pilus-Präparats auf
pH 8,0 kommt.
- 3. Zufügen
von SDS zum Pilus-Präparat
auf eine Endkonzentration von 0,1% und Inkubieren bei 4°C zehn Stunden.
- 4. Dialysieren des Pilus-Präparats
in 50 mM Citrat-Puffer, pH 5,0, über
Nacht.
- 5. Pilus-Aggregate können
abzentrifugiert werden, wobei der größte Teil des freien Tip-Proteins
im Überstand
verbleibt.
-
Das
Tip-Protein kann durch 2% SDS in 25 mM Tris-Puffer vollständig entfernt
werden, und zwar ohne Depolymerisation der Pilus-Stäbchen, wobei
jedoch das SDS möglicherweise
die Aktivität
des Proteins schädigt.
0,1% SDS entfernt nur 20 bis 30% des gesamten Tip-Proteins, wobei
das Protein jedoch seine biologische Aktivität beibehält. Außerdem zeigten die Ergebnisse,
dass das Tip-Protein durch 4 M Harnstoff und 2 M GuHCl in Puffer,
pH 2,0, von den Pilus-Stäbchen
teilweise entfernt werden kann, ohne dass es zur Depolymerisation
kommt.
-
Reinigung des Tip-Proteins
-
- 1. Mischen des eingeengten Tip-Proteins mit
SDS-PAGE-Probenbehandlungs-Puffer
ohne SDS und β-Mercaptoethanol.
Das Verhältnis
beträgt
2,5 ml des Pilus-Präparats
zu 0,3 ml Probenbehandlungs-Puffer.
- 2. Auftragen der Probe auf ein 12% SDS-PAGE (0,1% SDS) in einer
Prep-Cell (Bio-Rad), wobei die Länge des
Sammelgels 0,8 bis 1,0 cm und des Laufgels 5 cm beträgt.
- 3. Laufenlassen des Gels bei 300 Volt mit einem Kühlsystem
sechs bis acht Stunden und Überwachen
der Elution bei 280 nm.
- 4. Vereinigen der Fraktionen, die das Tip-Protein enthalten,
und Einengen.
- 5. Bestimmen der Reinheit der vereinigten Fraktionen durch Mini-SDS-PAGE. Die Identifizierung
des gereinigten Tip-Proteins durch anti-KLP1-MBP-Fusionsprotein ist in 4 dargestellt.
Die Bindungsaktivität
des gereinigten Tip-Proteins
mit menschlichen Erythrocyten-Ghosts ist in den 5 und 6 dargestellt.
In 7 werden Adhäsin-Proteine
aus Pili unterschiedlicher LKP-Typen durch SDS/PAGE verglichen.
-
Beispiel 8
-
Analyse des Serotyps
-
Der
Haemophilus influenzae-(Hflu-)Bacterioplex ist ein differenzierter
Komplex von bakteriellen Phasen oder Zelltypen, die sozial organisiert
sind, um die Protein-Anhängsel
zu unterstützen,
die auf der Oberfläche
von Hflu exprimiert werden und die außerdem aus Hflu in freier Form
ausgeschieden werden, wobei sie spezifische Adhäsions-Determinanten für die Bindung
an menschliche Zellmembranrezeptoren tragen. Anhand der Pili werden
die pathogenen Bakterien an ein Leben in Wirbeltier-Wirten angepasst,
indem sie die Funktionen der eigenen Proteine des Wirts nachahmen.
Zu den Pilus-Funktionen zählen
das Anlagern von Bakterien an eine Vielzahl von Wirtszellen und
Geweben und das Stimulieren des Immunsystems des Wirts in einer
Weise, so dass die Bakterien begünstigt
werden und der Wirt geschädigt
wird. Pili dienen bei den meisten Bakterienkrankheiten als Faktoren
für die Übertragung,
Virulenz, Keimstreuung, Pathogenität und Immunität.
-
Die
Expression von Pili wird durch einen genetischen Umschaltmechanismus,
eine Phasenvariation, gesteuert, wobei die Pilus-Expression und
der Pilus-Typ mit Wahrscheinlichkeiten an- und ausgeschaltet werden,
die mit Bedingungen und Signalen in der unmittelbaren Umgebung der
Bakterien variieren und dadurch bestimmt werden. Unter einigen Bedingungen
können
die Umschalt-Wahrscheinlichkeiten
sehr hoch sein, z.B. etwa 10–2 pro Bakterienzellteilung.
Unter anderen Bedingungen der Umgebung kann die Wahrscheinlichkeit der
gleichen Phase-Umschaltung bei 10–6 oder
darunter liegen. Die Phasen-Umschaltung wird von sowohl reversiblen
als auch irreversiblen Umlagerungen in der DNA von Pilus-Operons begleitet.
Die Phasen-Umschaltung während
der in vitro-Züchtung
geht häufig
mit Deletionen an Pilus-Operon-Genen einher, so dass die keine Pili
aufweisenden Phasen in diesem Stadium irreversibel bleiben.
-
Durch
Reinigen von Hflu-Pili aus verschiedenen Isolaten und Erzeugen von
Antiseren gegen die gereinigten Präparate wurden bisher verschiedenartige
LKP-Pilus-Serotypen
identifiziert. Die Expression der verschiedenen Serotypen wird als
Marker eingesetzt, um die verschiedenen Piliations-Phasen des Hflu-Bacterioplexes
zu identifizieren. Tabelle
1
- L = 1
- ist eine Länge < 0,2 μm
- L = 2
- ist eine Länge < 0,2 μm < 0,5 μm
- L = 3
- ist eine Länge < 0,5 μm
- D = 3
- ist ein Durchmesser
von 3 nm („dünn")
- D = 4
- ist ein Durchmesser
von 4 nm („dick")
-
Die
Häufigkeit
jedes LKP-Serotyps wurde für
alle serotypisierbaren Kulturen und für alle exprimierenden Kulturen
bestimmt, indem die Typen sowohl auf den einzeln expimierenden als
auch auf mehrfach exprimierenden Kulturen gezählt wurden. 16 der 20 Serotypen
wurden auf in typischer Weise LKP-Pili-aufweisenden Kulturen gefunden,
und 90% dieser Kulturen konnten in dem 20-Typ-System einem Serotyp
zugeordnet werden. Die Häufigkeitsverteilung
von Serotypen für
diese Kulturen ist in Tabelle 1 dargestellt.
-
Drei
verschiedene LKP-Pilus-Operon-Gene wurden selektiert, das Pilin-Gen,
das Anker-Gen und das Adhäsin-Gen,
die alle bei verschiedenen Serotypen in mehrfachen Sequenz-Ausrichtungen
Sequenzähnlichkeiten
aufwiesen, die jedoch auch für
Hflu-LKP-Pili charakteristisch waren. Aus diesen Genen wurden Sequenzen
selektiert, die als geeignete Primersequenzen, die das jeweilige
Gen flankieren, zur Verwendung in einer PCR-Reaktion dienen könnten.
-
-
Alle
drei Paare von Primern wurden synthetisiert und in einer PCR-Reaktion
eingesetzt, um Segmente einer DNA zu amplifizieren, die aus Hflu-Isolaten
extrahiert wurde.
-
Die
Ergebnisse, die das Vorliegen von LKP-Pilus-Operons in getesteten
Haemophilus influenzae-Stämmen
zeigen, sind in Tabelle 2 angegeben. Tabelle
2 Korrelation
zwischen dem Vorliegen von genetischem Material des LKP-Pilus-Operons in H. influenzae-Isolaten
und den exprimierten LKP-Parametern von Piliation und Hämagglutination
- 1. Pilus-Länge 0 bedeutet keine Pili aufweisend;
- 2. Länge
3 bedeutet > 0,5 μm (die längsten,
typisch für
LKP-Pili);
- 3. HA+ bedeutet positiv für
Hämagglutination
menschlicher Erythrocyten; typisch für LKP-Pili. (Diese Isolate sind
per Definition nicht widerstandsfähig („recalcitrant");
- 4. HA– bedeutet
negativ für
Hämagglutination
menschlicher Erythrocyten; typisch für SNN-Pili. (Diese Isolate
sind widerstandsfähig,
da alle Isolate mindestens einmal hämadsorbiert wurden);
- 5. Pilus-Durchmesser 3 bedeutet, dass die Isolate Pili mit Durchmessern
exprimieren, die für
SNN-Pili typisch sind;
- 6. Pilus-Durchmesser 4 bedeutet, dass die Isolate Pili mit Durchmessern
exprimieren, die für
LKP-Pili typisch sind;
- 7. Serotypisierbar bedeutet, dass die Isolate unter Standardbedingungen
mit mindestens einem der LKP-Pilus-typisierenden Antiseren in dem
1-20-System agglutinieren;
- 8. Nicht-serotypisierbar bedeutet, dass die Isolate mit keinem
der LKP-Pilus-typisierenden
Antiseren in dem 1-20-System agglutinieren.
-
Beispiel 9
-
Hybridisierungstest für die Konstruktion
einer Haemophilus influenzae-Testsonde
-
Ein
etwa 1100 bp großes
Fragment aus dem Plasmid pHF1 (Karasic, R., et al., Pediatr. Infect.
Dis. J. 8 (Erg.): S62–65,
1988), welches das LKP1-Serotyp- Operon
enthält,
wurde durch PCR unter Verwendung von Primern amplifiziert, die mit
den 5'- und 3'-Enden des hipA-Gens
hybridisieren. Dieses Gen codiert das Tip-Adhäsin-Protein
der LKP1-Pili. Bei der PCR-Reaktion wurde Digoxigenin-markiertes
dUTP zusammen mit den vier dNTPs eingesetzt, so dass das PCR-Reaktionsprodukt
mit Digoxigenin markiert wurde. Diese Sonde wurde auf einem Agarose-Gel
elektrophoretisch aufgetrennt und gereinigt, indem die etwa 1,2
kb große
Bande ausgeschnitten und die DNA durch Standardverfahren extrahiert
wurde. Die Sonde wurde in 30 μl
eines geeigneten Puffers wieder gelöst.
-
Hybridisierungstest
-
Elf
zufällig
ausgewählte
klinische Haemophilus influenzae-Isolate wurden auf BHI-XV-Platten
bei 37°C mit
5% CO2 gezüchtet und außerdem auf
BHI-Agar ausgestrichen. Alle Isolate wuchsen nur auf der BHI-XV-Platte,
dies zeigt, dass es sich um H. influenzae handelte. Die Isolate
umfassten zwei Hib-Stämme
und neun NTHi. Die Stämme
wurden auf eine Nylonmembran geimpft, die auf BHI-XV-Agar gelegt
wurde. Außerdem
wurden fünf
klinische Isolate eines anderen Atemwegs-Pathogens, Moraxella catarrhalis, auf
das Filter getüpfelt.
Die Bakterien wurden über
Nacht bei 37°C
in 5% CO2 gezüchtet. Nach dem Züchten wurden
zwei Bordetella pertussis-Stämme
auf das Filter getüpfelt.
An den Filtern wurde eine Koloniehybridisierung gemäß dem Verfahren
von Maniatis et al. durchgeführt
(Molecular Cloning: A Laboratory Manual, 1991, Cold Spring Harbor
Laboratories, Cold Spring Harbor, NY). Die Filter wurden in Prähybridisierungslösung bei
65°C drei Stunden
blockiert, wie von Boehringer-Mannheim für das GeniusTM-System
beschrieben. Kolonietrümmer
wurden durch vorsichtiges Abreiben mit feuchten Papiertüchern entfernt.
Die Sonde, 30 μl,
wurde zu 5 ml der Prähybridisierungslösung zugegeben
und zehn Minuten gekocht, um die DNA zu denaturieren. Die Sonde
wurde unmittelbar zu dem Filter zugegeben und die Hybridisierung über Nacht
bei 65°C
zugelassen. Die Filter wurden in 2 × SSC, 0,1% SDS, zweimal fünf Minuten
pro Waschgang bei Raumtemperatur gewaschen, worauf zwei 15-Minuten-Waschgänge mit
0,2 × SSC,
0,1% SDS, bei 65°C
folgten. Die gebundene Sonde wurde unter Verwendung von mit alkalischer
Phosphatase markierten anti-Digoxigenin-Antikörpern, wie vom Hersteller beschrieben,
nachgewiesen. Die Ergebnisse sind in Tabelle 3 angegeben.
-
Tabelle
3 Hybridisierung
einer Dig-markierten LKP1-Tip-Sonde mit zufälligen klinischen Isolaten
-
Die
Sonde war für
H. influenzae spezifisch, wobei weder mit M. catarrhalis noch mit
B. pertussis eine Hybridisierung zu sehen war.
-
Hybridisierungstest von
Pili von nicht-typisierbaren Haemophilus influenzae-Stämmen
-
Zehn
LKP-Pili-exprimierende NTHi-Stämme,
die unterschiedliche Serotypen von LKP-Pili exprimieren, und Hib
Eagan wurden auf einem Nylon-Filter, das auf Schokoladen-Agar aufgelegt
war, bei 37°C
in 5% CO2 gezüchtet. Außerdem war noch ein weiteres
NTHi-Isolat enthalten. Nach dem Wachstum waren zwei Stämme auf
dem Filter gelb, dies ließ vermuten,
dass es sich um Non-Haemophilus-Bakterien handelte, deshalb wurden
sie durch Wachstum auf BHI- und BHI-XV getestet. Dieses Experiment
zeigte, dass sie Verunreinigungen und keine NTHi waren. Das Filter
wurde von dem Agar entfernt und, wie vorstehend beschrieben, bearbeitet. Die
Sonde aus dem ersten Experiment wurde erneut gekocht und wie vorstehend
zum Filter zugegeben, mit der Ausnahme, dass die Hybridisierungstemperatur
auf 62°C
erniedrigt wurde. Das Filter wurde wie vorher gewaschen, mit der
Ausnahme, dass die Waschtemperatur auch 62°C betrug. Die gebundene Sonde
wurde wie vorstehend nachgewiesen. Die Ergebnisse sind in Tabelle
4 dargestellt.
-
Tabelle
4 Hybridisierung
einer Dig-markierten TKP-Tip-Sonde mit LKP-Typ-Stämmen
-
Die
vorstehend dargestellten Ergebnisse zeigen, dass die DNA-Sonden
selektiv mit Haemophilus influenzae hybridisierten.
-
Für den Fachmann
werden zahlreiche gleichwertige Formen der hier beschriebenen spezifischen
Ausführungsformen
ersichtlich sein, oder er wird in der Lage sein, diese unter Verwendung
von lediglich Routineexperimenten zu bestimmen.
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-