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Verfahren und Vorrichtung zur Aufrechterhaltung der Temperatur und
der Wassermenge in Schlachthofbrühbottichen In den Brühbottichen der Schlachthöfe
ist eine bestimmte Wassertemperatur aufrechtzuerhalten, die 70° C nicht übersteigen
soll, um ein Verbrühen der zu enthaarenden Schweine zu verhindern, und 65° C- nicht
unterschreiten soll, damit das Enthaaren ordnungsmäßig erfolgen kann.
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Bisher wird ein Brühbottich in der Regel entweder mit kaltem Wasser
gefüllt und durch unmittelbar in das Wässer geleiteten Dampf von z. B. 6 atü erwärmt,
oder aber der Bottich wird mit Heißwasser von 9o° C beschickt. Durch die Wärmeabgabe
an das Brühgut kühlt sich das Wasser ab, und bei gewöhnlichen Brühbottichen wird
der Wärmeverlust dadurch gedeckt, daß man von Hand frischen Dampf oder frisches
Heißwasser einführt. Eine Regelung der Temperatur erfolgt nicht, sondern diese sinkt
nach einer gewissen Brühzeit gewöhnlich unter die zulässige niedrigste Grenze, und
das Wasser wird dann beim Nachheizen meistens über die zulässige obere Grenze erhitzt.
Die Bedienung erfolgt durch das technisch nicht geschulte Schlachtpersonal, womit
der weitere Mangel verbunden ist, daß an den Ventilen usw. häufig Instandsetzungen
nötig sind. Ist das Brühwasser zu stark verunreinigt, so muß der Bottich unter großem
Zeitverlust, der eine Betriebsstockung zur Folge hat, völlig entleert und wieder
gefüllt werden.
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Man hat auch schon den Weg mittelbaren Beheizens durch in den Brühbottich
eingebraute Rohrschlangen, in denen Hochdruckheißwasser umläuft, beschritten und
dabei angestrebt, die Brühwassertemperatur mit Hilfe von Wärmefühlern zu regeln,
die auf die Durchgangsventile für das Heizmittel -einwirken. Zunächst sind solche
Einrichtungen kostspielig und für den Betrieb in Schlachthöfen zu empfindlich. Ferner
haben dieselben bei größeren Temperaturschwankungen den Mangel starken Nachedens,
und schließlich muß der Wasserwechsel gleichfalls gesondert ,erfolgen. Man vermeidet
bei diesen Einrichtungen zwar wichtige Mängel der gewöhnlichen Brühbottiche, nämlich
z. B. den Lärm der Dampfkondensation im kalten Wasser, ferner die ,erhebliche Unter-
und überschreitun- der Temperaturgrenzen, die mit letzterer verbundene starke Abdampfung
(Schwadenbildung) und die Gefahr des Verbrühens des Gutes; aber auch diese Lösung
der Aufgabe ist nicht vollkommen.
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Gemäß der Erfindung wird die Temperatur in Brühbottichen der Schlachthöfe
dadurch geregelt, daß - entweder allein oder in Verbindung mit einer mittelbaren
Beheizung -die Wärmeschwankungen völlig selbsttätig durch Einführung von Frischwasser,
das annähernd die Gebrauchstemperatur hat, ausgeglichen werden. Zu diesem Zweck
wird erfindungsgemäß zur Deckung der durch Verdunstung und Abkühlung entstehenden
Verluste sowie gegebenenfalls eines geringen Teiles des Wärmebedarfs des Brühgutes
eine
mäßige Menge -Flüssigkeit von annähernd Gebrauchstemperatur
ununterbrochen in den Bottich :eingeführt, und zusätzlich hierzu wird selbsttätig
bei jeder Unter- und Überschreitung des gewöhnlichen Betriebsspiegels noch weitere
Flüssigkeit zugeführt, die den stark wechselnden Wärmebedarf des Brühgutes deckt.
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Durch die ununterbrochen zugeführte mäßige Wassermenge werden die
im wesentlichen gleichbleibenden Wärmeverluste in ähnlicher Weise ausgeglichen,
wie e'§ bei Fischbeförderungsbehältern bekannt ist. Damit lassen sich aber die großen
Wärmeschwankungen, die der stoßweise Betrieb der Schlachthofbrühbottiche verursacht,
nicht erfassen. . Hierzu dient vielmehr gemäß der Erfindung die selbsttätige Flüssigkeitszufuhr
bei Unter- und Überschreitung des Wasserspiegels, wozu bei fallendem Spiegel ein
Schwimmerventil bekannter Art und bei steigendem Spiegel ein neuartiges Schwimmerventil
mit umgekehrter Wirkungsweise benutzt wird, während die dauernde mäßige Wasserzufuhr
durch eine nicht absperrbare Hilfsöffnung, wie eine auswechselbare Düse, die man
z. B.. der Jahreszeit anpaßt, oder aber mit Hilfe der. Vor-oder Nacheilung eines'
der beiden Schwimmerventils jerfolgt.
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= Nach dem Verfahren nach der Erfindung wird die Temperatur im Brühbottich
selbsttätig geregelt, so daß eine Bedienung von Hand nicht mehr nötig ist. Eine
Gefahr des Verbrühens der Schlachttiere besteht nicht. Ferner wird der wesentliche
hygienische Vorteil .erzielt, daß der Reinheitsgrad des Bottichwasserserheblich
größer als bisher ist, zumal die löslichen Verunreinigungen ständig abgeführt werden..
Während man bisher den ganzen Bottichinhalt mehrfach erneuern mußte, läßt sich jetzt
der Tagesbetrieb ohne solchen Wechsel durchführen, womit der große Zeitverlust für
das Entleeren und Wiederfüllen vermieden tuid der reibungslose Elblauf der ArheitsvorgänKe,erleichtert
wird. Die Leistungsfähigkeit der Brühbottiche w .ächst derart, daß :sie auch den
stark gesteigerten Anforderungen entspricht, die neuerdings im Falle der Aufstellung
von Enthaarungsvorrichtungen (Stundenleistung ,etwa 180. bis 22.o Schweine)
entstehen und die durch die gewöhnlichen Brühbottiche überhaupt .nicht lerfüllt
werden können.
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Ein Beispiel einer Vorrichtung zur Ausüb#tng des Verfahrens nach der
Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt. Es bedeuten: .
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Fig. i ,einen Querschnitt durch einen Schlachthofbrühbottich und Fig.
2 unten einen Grundriß und oben einen waagerechten Schnitt des Bottichs.
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Der Bottich i hat gerne Fig. 2 die für große Leistungen übliche langgestreckte
rechteckige Grundrißform. Unter dem breiten Bord 2 ist eine Kammer 3 angeordnet,
die beispielsweise zusammen mit einer Heizvorrichtung a, zur- mittelbaren Wärmezufuhr
die Hilfsmittel für die Ausübung des neuen Verfahrens enthält. Die Kammer 3 ist
zum Bottichraum hin offen, aber etwa durch ein aufklappbares Gitter 5 gegen den
Eintritt von Brühgut geschützt.
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Gemäß Fig. i sind .an der Außenwand der Kammer 3 nebeneinander zwei
Schwimmerventile 6 mit dem Gestänge 7, 8, 9 und . den Schwimmern io angeordnet.
Bei einem der Ventile 6 befindet sich der Ventilteller unterhalb. seines Sitzes;
@er öffnet sich also, wenn der zugehörige Schwimmer io sinkt. Bei dem zweiten Ventil
6 befindet der Teller sich oberhalb seines Sitzes und öffnet sich daher, wenn der
zugehörige Schwimmer io steigt.
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Durch ein '-Stück i i und ein Hauptventil 12 sind die Ventile 6 mit
einem Speicher o. dgl. verbunden, der das Reinwasser liefert, das annähernd mit
der Gebrauchstemperatur in den Bottich eintritt. Nur am Anfang und am Ende der Arbeitsschicht
wird das Ventil i2 geöffnet oder geschlossen. In der Zeichnung ist -keine besondere
Düse zum Einführen der ununterbrochen. zulaufenden mäßigen Wassermenge angegeben.
Vielmehr soll hier eins der Ventile 6 mit .entsprechender Vor- oder Nacheilung :eingestellt
sein, so daß es sich niemals völlig schließen kann.
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Der in Fig. i angedeutete Betriebsspiegel wird durch einen nicht dargestellten
Überlauf bestimmt. Bringt man Brühgut in den Bottich hinein, so verdrängt dasselbe
eine entsprechende Menge Wasser, die durch den Überlauf allfnählich abfließt, wobei
der Spiegel zunächst steigt. Dier Wasserverlust ist hei keinem Bottich vermeidbar,
aber der durch das überlaufende Wasser und das Brühgut verursachte Wärmeverlust
wird-jetzt sofort durch das Schwimmerventil 6 gedeckt, das sich mit steigendem Spiegel
öffnet. Stockt die Zufuhr an Brühgut, so sinkt der Wasserspiegel um einen Betrag,
der der geringer gewordenen Wasserverdrängung entspricht, d. h. um so tiefer, je
stärker der Bottich vorher besetzt war. Nach Maßgabe des vorher entstandenen Wärmeverlustes
führt darin das bei sinkendem Spiegel arbeitende Schwimmerventil 6 sofort wieder
Frischwasser zu.