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Viskosekesselanlage Bei der Herstellung von Kunstseide im allgemeinen
und Viskoseseide im besonderen ist es von großer Wichtigkeit, die Spinnlösung in
einem für jeden Fall genau festliegenden Zustand zu verspinnen. Die Spinnlösung
soll vollkommen homogen und daher' der Reifegrad an den verschiedenen Spinnstellen
durchaus gleich sein.
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Speist man aber die einzelnen, im Viskosekeller untergebrachten Viskosekessel
durch eine gemeinsame Leitung und entleert man sie auch durch eine gemeinsame Leitung,
so ist die Bedingung nicht zu erfüllen, weil in dem Teil der Leitung, der eine Zeitlang
nicht benutzt wird, Viskose zurückbleibt und weiter reift. Das gleiche trifft, wenn
auch nicht in demselben Maße, für den Fall zu, wenn eine Ringleitung verwendet wird.
Außerdem hat man hier keine Sicherheit bezüglich der Strömungsgeschwindigkeit, und
es kann vorkommen, daß an den Stellen der Ringleitung, an denen die Stromttngsgeschwindigkeit
zeitweilig nur klein ist, Ablagerungen auftreten, die wieder fortgeschwemmt werden,
wenn die Strömungsgeschwindigkeit ansteigt. Ringleitungen erfordern überdies große
Rohrlängen mit einem entsprechenden Inhalt.
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Nach der Erfindung wird zwecks Vermeidung dieser Mängel so vorgegangen,
daß außer den für die Aufnahme der Viskose erforderlichen Kesseln, die aus einer
gemeinsamen Leitung gespeist und durch eine gemeinsame Leitung entleert werden,
zwei weitere Kessel vorgesehen werden, von denen der eine nur an das Ende der Speiseleitung
und der andere nur an den Anfang der Entleerungsleitung angeschlossen ist.
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Auf der Zeichnung ist eine Viskosekesselanlage nach der Erfindung
schematisch dargestellt. Sie besteht aus den Viskoseaufnahmekesseln I, 1I, 11 1,
IV und V und aus den beiden Hilfskesseln A und P. Die Speiseleitung ist mit i und
die Entleerungsleitung mit 2 bezeichnet. Die Kessel t bis V sind sowohl an die Speise-
als auch an die Entleerungsleitung angeschlossen; der Kessel A dagegen ist lediglich
an (las Ende der Speiseleitung i und der Kessel P einzig und allein an den Anfang
der Entleerungsleitung 2 angeschlossen.
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Die Anlage wird in folgender Weise betrieben Soll z. B. der Kessel
II gefüllt werden, so wird die Viskose zunächst durch die Leitung i in den Kessel
A gedrückt. Nunmehr wird das Ventil 3 geschlossen, das Ventil a." geöffnet und der
Inhalt des Kessels A z. B. pneumatisch in den Kessel II üb-erfCihrt. Daraufhin wird
das Ventil a" geschlossen und das Ventil 3 wieder geöffnet. Die in (lein Stück der
Leitung i zwischen der Zweigleitung zum Kessel II und dem Ventil 3 befindliche Viskose
bleibt natürlich in der. Leitung z stehen; sie wird aber beim nächstmaligen Fünen
eines der Kessel I bis V, z. B. des Kessels III, wieder in Bewegung gesetzt. Das
Füllen des Kessels III geht in der gleichen
Weise wie das des Kessels
II, also auch wieder über den Kessel 4 vor sich.
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Soll z. B. der Kessel I entleert werden, so wird das Ventil 4. geschlossen,
das Ventil b' geöffnet und der gesamte Inhalt des Kessels I in den Kessel B gedrückt.
Dann wird das Ventil b' wieder geschlossen und das Ventil 4. geöffnet. Der Inhalt
des Kessels B kann jetzt durch die Leitung 2 abgeführt werden.
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Wäre der Hilfskessel A nicht vorhanden, so hätte man eine normale,
bereits obenerwähnte Viskosekesselanlage vor sich. Bei einer solchen Anlage ist
nach dem Füllen des Kessels I die Rohrleitung von a.' bis a ""' noch mit
Viskose gefüllt. Füllt man nun den Kessel II, so bleibt in dem Rohrstück, a' bis
a" die nach der Füllung des Kessels I in der Leitung zurückgebliebene Viskose stehen,
während die restliche noch von der vorigen Füllung herrührende Viskose in den Kessel
II überführt wird. Beim Füllen des Kessels 111
bleibt wieder in der Rohrleitung
zwischen ä' bis a"' Viskose stehen. Umfaßt die Batterie, wie dargestellt, insgesamt
fünf Kessel und hat man die einzelnen Kessel in Zeitabständen von 5 zu 5 Stunden
nacheinander gefüllt (Reifezeit also ungefähr i Tag), so enthält die Rohrleitung
kurz vor der erneuten Füllung des Kessels I in dem Stück ä bis ,i' Viskose,
die 25 Stunden alt ist, in dem Stück ä' bis a... Viskose, die 2o Stunden
alt ist, in dem Stück ä " bis a.... Viskose, die 15 Stunden
alt ist usw. Diese verschieden alte Viskose gelangt bei Wiederbeginn des Zyklus
in den Kessel 1. Ein Mischen der alten, ganz verschieden nachgereiften Viskose mit
der frischen Viskose findet indessen nur sehr unvollkommen statt. Die Forderung
nach einer völlig homogenen Spinnlösung bleibt somit unerfüllt.
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Was für 'die Speiseleitung der Viskosekessel gilt, hat auch für die
Entleerungsleitung Geltung, nur daß die in der Entleerungsleitung stehengebliebene
Viskose int Gegensatz. zu der in der Speiseleitung stehengebliebenen Viskose auch
nicht die mindeste Gelegenheit hat, sich - und sei es auch noch so mangelhaft -
init der übrigen normalen Viskose zu mischen.
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Die gleichen. \Iißstände, nur nicht in ganz demselben 1-laße, treten,
wie ebenfalls schon erwähnt, auch bei der Verwendung von Ringleitungen auf. Man
hat bereits den Vorschlag gemacht, die Ringleitung nach jeder Füllung eines Kessels
durch Druckluft frei zu blasen. Dabei ist man aber auf die Zuverlässigkeit des die
Ventile bedienenden Personals angewiesen. Ferner wird in der Ringleitung keine stets
gleichmäßige Viskosegeschwindigkeit innegehalten, so daß in der Leitung Ablagerungen
stattfinden können,. die gelegentlich wieder von der Rohrwandung abgelöst und fortgeschwemmt
werden. Außerdem wird infolge der großen Adhäsion der Viskose durch die Druckluft
sozusagen nur ein Kanal aus dein noch in der Leitung befindlichen Viskosestrang
herausgeblasen, während der restliche Teil der Viskose an der Rohrwandung haftenbleibt.
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Der Vorteil der Anlage nach der Erfindung besteht somit darin, daß
die Speise- bzw. Entleerungsleitung immer nur die von der letzten Füllung bzw. Entleerung
eines Kessels herrührende Viskose enthält und demgemäß Mißstände infolge Änderungen
der Viskose nicht bzw. praktisch nicht auftreten. Ferner läßt sich in den Leitungen
i und 2 eine immer gleich hohe Strömungsgeschwindigkeit erzielen, was zwecks Vermeidung
von Ablagerungen wichtig ist.
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An die Steile der Ventile a', a", a"' . . . .
und
b', b", b"' . . . . können auch Dreiwegehähne treten, die an den Abzweigstellen
der zu den Kesseln I bis V führenden Leitungen von der Speise- bzw. Entleerungsleitung
anzuordnen sind. Die Ventilei und .1 können dann in Fortfall kommen, und es bleiben
nach einer Kesselfüllung oder -entleerung keine nennenswerten Viskosemengen mehr
in den Leitungen i bzw. 2 zurück.