DE5331C - Gärverfahren. ! - Google Patents
Gärverfahren. !Info
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
KLASSE 6: Bier, Branntwein, Wein, Essig und Hefe.
E. RITTER in BERLIN. Gärverfahren.
Patentirt im Deutschen Reiche vom l. Oktober 1878 ab.
Eine gleichmäfsige mittlere Temperatur von etwa 20° C. ist für die Gährung am zweckmä'fsigsten.
Eine höhere Temperatur befördert zwar die Energie des Processes, begünstigt aber
die Bildung unreiner Gährungen (Säurebildung) und bewirkt auch die sogen. Selbstgährung der
Hefe, welche letztere dann zur Fortpflanzung unfähig ist. Bei jener im Interesse der Schnelligkeit
der Fabrikation zu niederen Temperatur eine kräftigere Gährung zu erhalten, ist der
Gegenstand meiner Erfindung.
Der Diffusionsstrom ist nämlich abhängig in zweiter Linie von der Differenz der Concentration
der Nährlösung innerhalb der Hefenzellen und aufserhalb derselben. Diese Differenz
wird durch die Gährung geschwächt. Um daher den Diffusionsstrom gleichmäfsig stark zu
erhalten, mufs ein schneller Ersatz der aus der unmittelbaren Umgebung der Hefenzellen verzehrten
Nahrungsmittel stattfinden, wodurch auch der Eintritt der Selbstgährung verhindert
wird.
Dieser Ersatz mufs erreicht werden durch eine starke mechanische Bewegung der Maische.
Diese rufe ich hervor durch ein mechanisches Rühren, welches im Gährbottich während der
ganzen Gährungszeit im Gang erhalten wird.
Um ferner fortgesetzt starke Gährung zu erhalten, mufs man der wachsenden Hefe hin und
wieder Gelegenheit geben, Sauerstoff zu athmen, d. h. die Hefenzellen müssen von Zeit zu
Zeit an die Oberfläche der Maische gebracht werden.
Meine Verfahren ist nun folgendes:
Ich bringe eine Bewegung der gährenden Masse im Sinne der sogenannten wälzenden
Gährung hervor, d. h. ich führe immer Partien von der unteren Maische an die Oberfläche des
Gährbottichs, so dafs eine Circulation der Maische im Bottich in verticaler Richtung entsteht.
Diese Circulation der Maische wird durch'
ein mechanisches Rührwerk hervorgerufen. Fig. 1 und 2.
Fig. ι stellt einen Gährbottich dar, in welchem
sich eine archimedische Schraube mit einer Umdrehungsgeschwindigkeit von 120 pro
Minute und einer Steigung von 164 mm bewegt. Die Maische wird durch dieselbe von
unten nach oben gehoben, !liefst oben ab und nimmt die in der Zeichnung durch die Pfeile
angedeutete Bewegung an.
Fig. 2 ist ein eiserner Gährbottich von der Form des Paucksch'sehen Universal - Maisch-Apparates
(Patentschrift Nr. 891). Am Boden desselben befindet sich ein Flügelrad, dessen
Ansicht von unten durch Fig. 2a gegeben ist. Bei einer Umdrehungszahl von 300 pro Minute
im Sinne der Pfeile wird ein Schleudern der Maische nach den Wandungen zu entstehen
und durch dieses ein Aufsaugen derselben durch die oberen Oeffnungen der Flügeldecke. Mein
Flügelrad hat nur den Zweck der Bewegungsherstellung, nicht den der Zerkleinerung. Es
unterscheidet sich von dem Paucksch'sehen
erstens durch die verticale Stellung der Flügel und dann durch das Fehlen der gerieften Bodenplatte.
In Fig. 4 wird die Bewegung hergestellt durch die Differenz des specifischen Gewichtes in der
Maische. ' . ,
Der eiserne Bottich trägt einen cylinderför-
(2. Auflage, ausgegeben am 4. Januar igo2.J
erexeffi
Claims (1)
- migen Einsatz, dessen Durchmesser und dessen Entfernungen von der Oberfläche der Maische und von der Wandung des Bottichs so bemessen sind, dafs die Fläche der Cylinderöffnung, die Mantelfläche der Maischsäule über und unter dem Cylinder, sowie des Ringes zwischen Cylinder und Bottichwand, von gleichem Flächeninhalt sind. Auf diese Weise wird der Circulation der Maische im Sinne der Pfeile eine glatte Bahn vorgeschrieben. Die Gährung ist zunächst in der Mitte am stärksten, entsprechend der dort zuerst auftretenden Temperaturerhöhung; in Folge dessen nimmt daselbst das specifische Gewicht ab, die inwendige Maischsäule wird deshalb von der äufseren, specifisch" schwereren in die Höhe gehoben. Diese Bewegung wird unterstützt durch die sich in der Mitte am lebhaftesten entwickelnde Kohlensäure. Sie tritt ein, sobald überhaupt die Gährung beginnt; sie ist jedoch für den oben angegebenen Zweck nicht energisch genug.Um letzteren zu erreichen, sind die Apparate aus Eisen construirt und werden in einem kalten Räume aufgestellt. Dadurch wird die Temperatur der äufseren Maische niedriger erhalten, während die Temperatur der inneren so weit erhöht, dafs eine genügende Differenz der specifischen Gewichte hergestellt wird.Fig. 3 stellt einen hölzernen Gährbottich mit demselben cylinderförmigen Einsatz wie eben beschrieben und. zu demselben Zwecke dienend dar, nur dafs hier die Bewegung durch die mechanische Einführung eines Luftstromes durch einen Root'sehen Blower hervorgerufen wird. Die eingeprefste Luft tritt in den, in dem Einsatz befindlichen Kupferring und aus diesem durch die Durchbohrungen desselben in die Maische ein. Es entsteht hierdurch eine durch die Pfeile angedeutete Bewegung der Maische.Die übermäfsige Luftzufuhr birgt eine gewisse Gefahr in sich, weil eine Essigbildung durch den Sauerstoff der Luft hervorgerufen werden könnte; aufserdem schwängert sich die durchgehende Luft mit Alkoholdämpfen und ruft dadurch Verluste durch Verdunsten hervor. Ich verbinde deshalb sämmtliche Gährbottiche im Gährraume mit einander.Alle Bottiche sind hermetisch geschlossen und ist an jedem ein Zuleitungsrohr zum Einblasen der Luft in den Kupferring und ein Ableitungsrohr angebracht. Letzteres ist mit dem Zuleitungsrohr des nächstfolgenden Bottichs verbunden. Jedes Verbindungsstück zwischen je zwei Bottichen trägt einen Vierwegehahn, durch welchen die Bottiche entweder unter sich, oder der eine mit dem Gebläse, oder der andere mit der freien Luft in Verbindung gesetzt werden kann. Die durch das Gebläse erzeugte Luft tritt immer in den frisch mit Maische gefüllten Bottich ein und setzt die Maische desselben in Bewegung. Diese gelangt dann, nachdem sie den ersten Bottich durchströmt hat, in den zweiten mit Kohlensäure und Alkoholdampf . des ersten Bottichs gemischt. Von hier geht sie, an Sauerstoff ärmer, an Kohlensäure reicher in den dritten Bottich und so weiter durch sämmtliche vorhandenen Bottiche. Es ist so die Gefahr der Essigbildung, sowie der Verdunstung auf ein Minimum herabgesetzt. Je reicher nämlich die Maische an Alkohol wird, um so ärmer ist der durchgehende Gasstrom an Sauerstoff.Ich bemerke noch, dafs man meine.Erfindung bei Dickmaischung als auch bei Dünnmaischung mit . Vortheil anwenden kann. Mit steigender Concentration nimmt die Beweglichkeit der Maische ab und die mechanische Bewegung wird nothwendig. Bei abnehmender Concentration tritt die Gefahr ein, dafs sich die Hefe am Boden ablagert und dort in Selbstgährung übergeht. Die mechanische Rührung bringt diese Hefe stets wieder in Action. :Patent-A ν SPRU ch:Die oben beschriebenen Gärverfahren, welche alle darin bestehen, bei verhältnifsmäfsig ,niederer Temperatur durch mechanische Bewegung eine gleichmäfsig starke Gährung zu erzeugen, speciell unter Anwendung der beschriebenen und gezeichneten Apparate.Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE5331C true DE5331C (de) |
Family
ID=283827
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT5331D Active DE5331C (de) | Gärverfahren. ! |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE5331C (de) |
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE1201795B (de) * | 1956-08-17 | 1965-09-30 | Dominion Breweries Ltd | Verfahren zur halbkontinuierlichen oder kontinuierlichen Vergaerung von Bierwuerze |
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Cited By (1)
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|---|---|---|---|---|
| DE1201795B (de) * | 1956-08-17 | 1965-09-30 | Dominion Breweries Ltd | Verfahren zur halbkontinuierlichen oder kontinuierlichen Vergaerung von Bierwuerze |
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