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Verfahren zum Überziehen von Papier, Karton o. dgl. mit einer Kautschukschicht
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Überziehen von Papier, Karton o.
dgl. mit einer Kautschukschicht. Das gemäß der Erfindung behandelte Papier ist in
hohem Grade widerstandsfähig gegen Wasseraufnahme, die Biegsamkeit und die mögliche
Zahl der Falzungen wird erhöht, das Papier hat einen glatten, gleichmäßigen Glanz
nach Art der Kunstdruck-, Chromo- und Glacepapiere. Beim Bedrucken des Papiers gemäß
der Erfindung wird der Verbrauch. an Druckfarben herabgesetzt, während eine genügende
Dichtigkeit des Drucks erhalten wird. Das Verfahren ist dadurch gekennzeichnet,
daß zum überziehen von Papier, Karton o. dgl. eine Emulsion aus Kautschuk und kolloidalem
Ton benutzt wird. Der Kautschuk wird in Form von Latex oder koaguliertem Kautschuk
angewendet. Zusatz einer geringen Menge Ammoniak ist bisweilen erwünscht, um den
Kautschuk während der Behandlung in beweglichem Zustande zu erhalten und ihn zu
konservieren.
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Es ist bekannt, beim Überziehen von Papier mit Kautschuk, auch in
Form von Latex, Füllmittel verschiedener Art zuzusetzen. Der kolloidale Ton ist
aber kein bloßes Füllmittel im üblichen Sinne, also ein Zusatzmittel irgendwelcher
Art, sondern dient zur Herstellung einer innigen Mischung von Kautschuk und kolloidalem
Ton in emulgiertem Zustande.
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Außer kolloidalem Ton, vorzugsweise in Form von Kaolin, können -beliebige
Farb-, leim- und Füllstoffe je nach Art der gewünschten Oberfläche zur Herstellung
der Aufstrichmasse verwendet werden. Es sind dies beispielsweise Blanc Fixe, Satinweiß,
Baryt, Talkum, Schlämmkreide, Zinkoxyd o. dgl:, die einzeln oder in Mischungen zu
zweien oder mehreren benutzt werden können. Für Tönungen und Färbungen werden die
üblichen Tongebungs- und Farbstoffe in den erforderlichen Mengen zugesetzt. Leimstoffe
können gleichfalls mit dem Kautschuk außer einem oder mehreren der Aufstrichstoffe
gemeinsam benutzt werden. Als derartige Leimstoffe können beispielsweise Kasein
in einen alkalischen Lösungsmittel, tierischer Leim, Stärke, Gummi und Harze benutzt
werden. Diese Materialien können in die Pigmente und Aufstrichmaterialien vor dem
Zusatz der oben angegebenen Gummilösung eisgeführt werden. Farb-, Leim- und Aufstrichstoffe
können mit dem Latex gemischt werden, wobei ihre Mengen sich je nach der Dicke und
der Art des gewünschten Überzuges richten; der für Karton erforderliche überzug
ist gewöhnlich dichter und dicker als der für glatte, dünne Papiere. Die fertiggestellte
Mischung von Kautschuk mit den Farb-, Aufstrich- und Leimstoffen wird bei dem Papier
nach Herstellung des Papierblattes verwendet und wird nicht in den Papierstoff eingeführt,
bevor er durch die Papiermaschine geht.
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Wenn mit Latex gearbeitet wird, wird die für die Aufstrichbehandlung
erforderliche
Flüssigkeit oder der Schleim durch innige Mischung
des Latex mit den gewünschten Farb-, Leim- und Aufstrichstoffen hergestellt, und
der fertige Schleim wird dann auf das Papier mittels einer mechanischen Papierstreichmaschine
aufgebracht, die einen Trog und Gummiwalzen oder Bürsten besitzt, welche die kautschukhaltige
Masse auf das Papier oder den Karton in Form eines Häutchens aufbringen und dort
ausbreiten. Die so behandelten Papier-, Kartonblätter o. dgl. werden dann unmittelbar
der Luft ausgesetzt, um zu trocknen und abzubinden und werden schließlich durch
den Kalander geschickt. Nach dieser Behandlung: und -dein Austrocknen können
die Papier- oder Kartonbahnen oder -blätter einer Kaltvulkanisation durch Einbringen
in eine Schwefelatmosphäre bei geeigneter Temperatur unterworfenwer den.
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Wenn mit koaguliertem Rohkautschuk gearbeitet wird, wird zuerst ein
kittartiges Produkt dadurch erhalten, daß man den Kautschuk einer fortgesetzten
Durcharbeitung in Wasser unterwirft, bis er eine große Menge von Wasser aufgenommen
hat. Dieser Kautschuk wird dann in einen Mischapparat eingebracht und mit Kaolin
oder einem ähnlichen kolloidalen Ton (gewöhnlich auf zwei Gewichtsteile trockenen
Kautschuk einen Gewichtsteil Ton) verarbeitet und emulgiert, wobei Wasser in kleinen
Portionen nach und nach zugesetzt wird in dem Maße, wie die Mischung fortschreitet.
Wenn der Kautschuk in den Emulsionszustand übergeht, was gewöhnlich innerhalb von
zwei Stunden geschieht, kann Wasser zugesetzt werden, um die Mischung zu verdünnen
und sie auf die gewünschte Konsistenz zu bringen. Nun werden die Leim-, Farb- und
Aufstrichstoffe zugesetzt und in die Emulsion eingearbeitet. Beispiel -In gewöhnlichen
Fällen, wo die Oberfläche des zu behandelnden Papiers nicht eine besonders große
Absorptionsfähigkeit hat, ist die folgende Mischung zur Ausführung der Erfindung
sehr brauchbar: 2,271 Kautschukläsung, 454 kg Kaolin (Super), 9,o8 kg Blanc Fixe,
2,z7 kg Satinweiß, 0,78 kg Kasein, o_,23 kg Talk, 2,27 kg gefällter
kohlensaurer Kalk.
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Ein zweckmäßiges Verfahren, um den Kautschuk in emulgiertem Zustand
zu erhalten, wird in der Weise ausgeführt, daß der Kautschuk zuerst mit einem der
bekannten Lösungsmittel behandelt wird und daß die entstandene Aufquellung oder
Flüssigkeit in - einen Mischapparat zusammen mit dem kolloidalen Ton gebracht wird.
Die weitere Verarbeitung geschieht dann wie zuvor beschrieben.
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Die kautschukhaltige, schleimige oder flüssige Masse, die in der oben
beschriebenlen Weise gewonnen ist, wird mit Wasser verdünnt, bevor sie auf das Papier
mit Hilfe der Bürsten oder Walzen als dünner Überzug aufgebracht wird. Diese- Verdünnung
kann erfolgen, unmittelbar nachdem der Kautschuk und die übrigen Bestandteile miteinander
gemischt sind. Es ist nicht nötig, das gestrichene Papier nach dem Trocknen zu bürsten
oder zu glätten, um eine schöne Oberfläche zu bekommen. Eine wirksame Aufstrichmischung
der beschriebenen Art enthält z. B. 4 bis 5 % Kautschuk (als Trockenkautschuk berechnet).
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Das behandelte Papier ist nicht schwer und dick, wie es die meisten
mit Aufstrich versehenen Papiere des Handels sind, und es ist widerstandsfähig gegen
schnellen Zerfall und Zerstörung. Das erhaltene Papier zeigt keine Neigung, sich.
zu rollen, aufzurauhen oder Falten zu werfen. Das Papier zeigt keine schädliche
Fleckung oder Sprenklung, es fasert nicht aus und blättert nicht ab, es ist heller
als die- meisten im Handel befindlichen Papiere, insbesondere diejenigen für Vielfarbendruck.
Die Eigarnis an Druckfarben ist sehr erheblich und beträgt bis zu 30 % oder noch:
mehr gegenüber den besten Kunstdruck- oder Chromopäpieren des Handels. -