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Unterlagen für typographische Druckformen und Lichtdruckschichten
Typographische Druckformen müssen, mit Ausnahme von dick mit Stereotypmetall hintergossenen
Galvanos oder ähnlichen massiven Metallplatten, für den Druck in der Buchdruckpresse
in kostspieliger Weise erst auf Typenhöhe gebracht werden, zu welchem Zwack gewöhnlich
Holz verwendet wird, aber auch faserstoffartige Körper pflanzlicher Natur in Verbindung
m# Zement sowie Mischungen von Gips- und Zementpulver mit Harzmassen oder Gips in
Verbindung mit Metall und Leim sind schon benutzt worden.
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Es besitzen diese Stoffe aber insofern nicht die gewünschten Eigenschaften,
als z. B. Holz oder faserstoffartige Körper pflanzlicher Natur bei Feuchtigkeits-
oder Temperaturschwan. ku:ngen das Bestreben der Ausdehnung oder Zusammenziehung
zeigen und .dadurch leicht eine - Krümmung der auf ihnen befindlichen Druckform
herbeiführen. Gips- oder Harzmassen sind zu spröde und nicht genügend widerstandsfähig
gegen mechanische Einrichtungen, wie Druck, Stoß usw.; Zement, obwohl hart und fest,
eignet sich deshalb schlecht, weil er, in Typrenböhe, welche bekanntlich einer Plattenstärke
von etwa 23 mm entspricht, angewendet, zu schwer ist und sich nach denn Erhärten
nicht mehr bearbeiten läßt. Dünne Zementplatten bilden jedoch ebenfalls ein sprödes,
leicht brechendes Material. Metallplatten von etwa Cicerostärke machen die Druckform
schwer und kostspielig.
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Es wurde neun gefunden, daß eine Unterlageplatte, welche die soeben
angeführten Nachteile im weitgehendsten Maße vermeidet und welche das Aufbringen
der mit dieser Unterlage versehenen Druckform auf einen Holzstock o. dgl. in Typenhöhe
unnötig macht, dabei leicht, billig und widerstandsfähig ist, in einer Zementmasse
besteht, die Asbest enthält, und die unter hohem Druck gehärtet wird.
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,Die Patentschrift 103 98.1. veröffentlicht eine Unterlagenasse für
Galvanos, :velcher neben Harzen, Ölen, Kautschuk o. dgl. auch Portlandzement zugemischt
wird. Herbei dient der Zement als Füllmaterial und nicht mit seinen wichtigen hydraulischen
Eigenschaften. Nach der amerikanischen Patentschrift 575 321 wird zur Festigung
einer Galvanofolie diese zunächst mit einer dünnen Zement-Metalloxyd-Mischung gefüllt
und auf diese Füllung, ehe sie erhärtet, ein dickeres Faserstützmaterial, wie z.
B. Papiermache, Holzmark o. dgl., aufgepreßt. Nach dem Erhärten des Zements ist
dieser fest mit dem Faserstützmaterial verbunden. Das Ganze wird dann noch auf einen
Block oder Holzstock auf Typenhöhe gebracht.
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Ein aus pflanzlichen Faserstoffen bestehendes Stützmaterial zeigt
jente schon erwähnten nachteiligen Eigenschaften der Ausdehnung und Zusammenziehung
durch Feuchtigkets-und Temperatureinwirkungen, Na:eteile, welche sich in Verbindung
mit einer dünnen Zementschicht noch mehr auswirken, da hierbei innere Spannungskräfte
zweier verschiedenartiger Körper ständig einander entgegenwirken,
die
bald zum Zerfall dieses Systems führen müssen. Außerdem haftet der Zement, auch
wenn ihm-@Metalloxyd beigemischt wird, nicht genügend am galvanischen Niederschlage.
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Das die vorliegende Erfindung betreffende Plattenmaterial, die Asbest-Zeinent-
oder Asbesf-rMörtel-Platten, werden biekanntlich hergestellt dadurch, daß man eine
Mischung, bestehend aus Asbestfasern und auf dar Lang- oder Rundaiebmaschine zu
"pappen formt und diese bgld nach der Abnahme von der Formatwalze einer hydraulischen
Pressung von beiläufig 8oo ooo bis i ooo ooo kg für ein Format 5o X 5o cm unterwirft,
sodann einige Wochen bei häufigerem Eintauchen in Wasser, zuletzt bis zum völligen
Trocknen, hinstellt. Die Platten können dann mittels Carborundum- oder Metallsägen.
in die gewünschten Formaroe zert(eiilt werden. Die große Zugfestigkeit erlangen
sie durch den hohen Preßdruck, ihre Bveggungsfestigkeit durch eingemischte Asbestfasern.
Solche Platten, sogenannter Kunstschiefer, lassen sich bis zu einer Stärke von ¢
bis 5 mm noch bearbeiten, z. B. sägen, bohren, feilen, und sind in hohem Grade gegen
Feuchtigkeits- und Temperatureinwirkumgen beständig. Ein Werfen, Krümmen, Verbiegen,
Brechen oder Verändern der Druckform ist daher bei Benutzung solcher Platten für
die Zwecke dies Buchdrucks selbst noch bei einer Dicke von nur i bis 2 mm ausgeschlossen.
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Als. Beispiel zum Unterlegen und Festigen einer galvanischen Metallhaut
wird eine solche Asbestplatte zunächst in der entsprechenden Größe zugeschnitten,
eine Seite derselben etwas aufgerauht und einige Zeit in Wasser gelegt, sodann plastischer
Zement in Mischung mit feinstem Sande in dünner Schicht auf der rauhen Seite aufgetragen;
alsbald legt man die Platte mit der Seite der frisch hereiteten Zementmasse auf
die nur ganz schwach geölte Rückseite der Galvanohaut erstere unter zartem Druck
und kreisförmiger Bewegunggenau an dieselbe anpressend. Hat -der Zement abgebunden,
so liäßt sich die Metallhaut von den Kanten aus leicht abheben, wobei: deren rückseitige
Vertiefungen oder Erhöhungen auf der Asbest-Zement-Platte abgeformt sind. Es ist
nunmehr nötig, die beiden Körper, Metall. und Zement, fest miteinander zu verkitten,
wobei z. B. das durch Anbrennen einer konzentrierten Harz-Alkoliol-Lösung"ewonnene
oxydierte Harz, insbesondere Schellack, oder der durch den. Sauerstoff der Luft
weitgehend oxydierte Kautschuk sowie beide Körper in Mischung verwendet werden können..
Ein Fasierstoff, z. B. Asbestgewebe, kann außerdem als Zwischenlage dienen. Nach
denn Facettieren der fertigen Platte mittels seiner Feile kann sie unaufgeblockt
zwischen. Buchdruucksatz auf Stege gelegt, mit Facettenbaltern gesichert, zum Dru&
gegeben werden.
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Metalldruckformen sowie Druckformen aus anderem Material lassen sich
auch in bekannter Weise mittels Stifte oder Schrauben oder mit Bindemitteln, die
:dem Stoffcharakter des Materials sich anpassen, auf der Asbest-Zement-Platte befestigen.
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Lichtdruckscbichten haften ebenfalls vorzüglich ,auf Asbest-Zement-
oder Asbiest-Mörtel-Platten, und da diese feinporös sind und von faseriger Struktur,
benötigen sie keiner VorpräparatIon; auch die Gefahr des Zergpringens, wie bei Glasplatten,
ist bei: ihnen weXen mangelnder Sprödigkeit nicht zu befürchten.