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Kantvorrichtung für Walzwerke Die Erfindung betrifft eine Kantvarrichtung
für Walzwerke; bei der das Kanten des Walzgutes durch eine heb- und senkbare Kantvorrichtung
erfolgt, die aus einem oder mehreren schwingbar aufgehängten und durch Lenker geführten
Kantarmen besteht und die mit einem quer zum Rollgang verschiebbaren Widerlager
zusammenarbeitet. Solche insbesondere bei Knüppelstraßen und bei Vorwalzen größerer
Profilstraßen in Anwendung befindlichen Kantvorrichtungen eignen sich durchweg nur
zum Kanten von Walzgut rechteckigen Querschnittes um einen Winkel von 9o°. Das Kanten
von Walzgut von z. B. ovaler oder rautenförmiger Querschnittsform ist mit solchen
Kanteinrichtungen bisher nicht möglich. Es ist nun der Zweck der Erfindung, Käntvorrichtungen
der gekennzeichneten Art so zu verbessern, daß mittels solcher Vorrichtungen nicht
allein. 'Walzgut rechteckigen Querschnittes, sondern vielmehr von Jedem vorkommenden
Querschnitt und unter jedem gewünschten Winkel gekantet werden kann. Zu diesem Zweck
ist gemäß der Erfindung der den Kantarm bzw. bei einer Kantaimgruppe jeden der Kantarme
führende Lenker an einen Schwinghebel aasgelenkt, der zweckmäßig drehbar auf der
die Hubkurbel für den Kantarm tragenden Welle gelabert ist. Ferner steht der Lenker
bzw. der Kantarm selbst unter denn Eimfluß einer quer zur Förderrichtung des Walzgutes
wirkenden nachgiebigen Druckkraft, durch die der Kantarm während des Kantens des
Walzgutes in an sich bei Kantverrichtungen anderer Art bekannter Weisse ständig
gegen das Walzgut gepreßt wird und so mit diesem während des ganzen Kantvorganges
in Berührung bleibt. Die Verwendung einer gemäß der Erfindung ausgebildeten Kantvorrichtung
hat z. B. bei Knüppelstraßen den Vorteil, daß man schon von 25o bis zoo "- ab das
Walzgut in Oval- oder Rautenkalibern auswalzen kann, wodurch bekanntlich eine' wesentlich
bessere Streckung des Walzgutes und schnellere Querschnittsabnahme desselben erzielt
wird, als wenn dies erst, wie bisher, von r oo _ ' ab möglich ist.
Letzteres hatte bekanntlich seinen Grund darin, daß erst bei dieser Größe des Querschnittes
der Knüppel von einem Mann hochgestellt, festgehalten und in das Kaliber eingeführt
werden konnte. Da mit der Kantvorrichtung gemäß der Erfindung Walzgut von jeder
beliebigen Querschnittsform gekantet und in der gekanteten Stellung festgehalten
«-erden kann, so wird z. B. durch ihre Anwendung bei Knüppelstraßen die Leistung
* dieser Straßen wesentlich gesteigert. Die Ausführung der Erfindung kann eine verschiedene
sein. So kann z. B. der die Kantvorrichtung steuernde, nachgiebig gelagerte Lenker
an einen. Schwinghebel aasgelenkt sein, der drehbar auf der Welle sitzt, die zugleich
urdrehbar die Kurbei
zum Heben und Senken der Kantvorrichtung trägt.
Der mit dem Lenker verbundene Schwinghebel steht unter der Einwirkung einer Druckkraft,
die ,dafür sorgt, daß die Kantvorrichtung während des Kantens des 1Valzgutes mit
diesem ständig in Berührung bleibt. Infolge der nachgiebigen Anordnung des Lenkers
kann die Kantvorrichtung jeder Änderung der Lage des Walzgutes während des Kantens
folgen. Zweckmäßig wird die mit dem Walzgut wähnend des Kantens in Berührung kommende
Arbeitsfläche der Kantv orrichtung so ausgebildet, daß ein Rutschen des zu kantenden
Walzgutes verhindert und ein sicheres Kanten desselben gewährleistet wird.
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Auf der Zeichnung sind zwei Ausführungsbeispiele der Erfindung dargestellt.
Es zeigen Abb. i -die Kantverrichtung in Seitenansicht, teilweise im Schnitt, in
Ruhelage; Abb.2 bis 8 verschiedene Stellungen der Kantvorrichtung während des Kantens
von @VaIzgut und Abb. g eine weitere Ausführungsform der Kantvorrichtung.
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Die LinieA-B bezeichnet die Oberkante des Walzwerkrollganges. Zu beiden
Seiten des Rollganges sind die parallel zu diesem verlaufenden Rahmen i und 2 angeordnet,
die beide in an sich bekannter, nicht dargestellter Weise quer zum Rollgang verschiebbar
sind. Der Rahmen i trägt einen Lagerbock 3, in dem die Kurbelwelle 4. ruht; auf
dieser ist urdrehbar die Hubkurbel 5 gelagert: An der Hubkurbe15 hängt der Kantarm
6, der in seiner in Abb. i dargestellten Ruhelage sich in einer Ausnehmung 7 des
Rahmens i befindet. Die Bewegung der Kurbelwelle 4 kann in beliebiger Weise erfolgen.
Beim Ausführungsbeispiel erfolgt der Antri.:b mittels Kurbe18 und Kurbelstange g,
die an -die auf der Triebwelle i o urdrehbar gelagerte Kurbeln angelenkt ist. Sodann
ist auf der Kurbelwelle 4 drehbar der Schwinghebel 12 gelagert, mit denn ein Lenker
13 verbunden ist, der an dem Kantarm 6 angreift. Der Hebel 12 steht unter der Einwirkung
des Gewichtes 14 und liegt in Ruhestellung der Kantiorrichtung gegen den Anschlag
1g, der den Anschlag des Hebels 12 so begrenzt, daß der Kantarm 6 in der Ruhelage
nicht in die Förderbahn des Walzgutes hineinreicht. Der Kantarm 6 ist mit einer
Nase 15 versehen, an die sich nach unten auf der dem Walzgut zugewendeten Seite
des Kantarmes eine konkav gestaltete Arbeitsfläche 16 anschließt, die zweckmäßig
geraubt, geriffelt oder gezahnt sein kann, um ein Rutschen des Walzgutes während
des Kantens zu verhüten. Die Nase 15 ist so angeordnet, daß sie sich in der Ruhelage
des Kantarmes unter der Oberkante des Rollganges befindet. Bei dem Ausführungsbeispiel
bilden die Hubkukrbel 5, der Lenker i _I, der Schwinghebel iz und der obere Teil
17 des Kantarmes ein Gelenkviereck, wobei die Mittelachsen der Hublt'urbel5 und
des Lenkers 13 nach dem hartarm hilf auseinanderlaufen. An Hand der Abb.2 bis 5
sei nun die Arbeitsweise der Kantvorrichtung beschrieben.
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Noch während das Walzgut, z. B. ein'Valzstab, aus dem Walzkaliber
ausläuft, wird der Rahmen 2 so weit in der angegebenen Pfeilrichtung y seitlich
verschoben, daß er an dem auf den Rollgang auflaufenden Walzgut 1v anliegt (s. Abb.
2). Der Kantarm 6 wird durch Dreiren der Kurbelwelle 4 - durch die Hubkurbel 5 etwas
angehoben und schwingt gleichzeitig unter der Einwirkung des Lenkers 13 um die Achse
18. Er nimmt hierdurch die 'in Abb. 2 dargestellte Lage ein und tritt zum Teil aus
der Ausnehmung 7: des Rahmens i heraus. Sobald der auf den Rollgang auflaufende
Stab das Kaliber verlassen hat, wird der Rahmen i in Richtung z (Abb. 3) so weit
seitlich verschoben, daß auch der Kahtarm 6 das Walzgut berührt. Der Kantarm steht
dann in der in Abb.3 punktiert gezeichneten Stellung. Er wird beim weiteren Verschieben
des Rahmens i in Richtung z von dein Walzgut in die in Abb. 3 in ausgezogenen Linien
dargestellte Lage, also in die Ausnehmung 7, zurückgedrückt unter gleichzeitigem
Anheben des Gewichtes 14.. Das Walzgut tv ist nun zwischen der Nase 15 des
Kantarmes 6 und dem als Widerlager dienenden Rahmen 2 eingeklemmt. Darauf wird der
Kantarm 6 durch Drehen der Kurbelwelle 4 in der Pfeilrichtung x gehaben, wobei der
Kantarm 6 durch den Lenker 13 unter Einwirkung des Gewichtes 14 ständig gegen das
Walzgut gepreßt wird und das Walzgut um go° in f die Lage gemäß Abb. 4 kantet. Beim
Kanten des Walzgutes kann der Kantarin der Lageränderung des Blockes entsprechend
in die Ausnehmung 7 zurückweichen, bleibt aber dabei in ständiger Berührung mit
dem Walzgut. Nach erfolgtem Kanten' wird einer der beiden Rahmen, z. B. der Rahmen
i, in der Pfeilrichtungy um ein geringes Maß verschoben, so daß das Walzgut frei
liegt (Abb.5) und wieder in ein Kaliber eingeführt werden kann. Ist eine Verschiebung
des Walzgutes zu einem anderen Kaliber erforderlich, so wird das Walzgut, zweckmäßig
bevor es gekantet wird, auf dem Rollgang quer zur Förderrichtung verschoben. Es
ist nicht erforderlich, daß der Kantarm vor dem Beginn des Kantens bereits etwas
angehoben wird. Das Kanten kann auch so bewirkt werden, daß der Rahmen i bis kurz
vor das zu
kantende '\Valz<@ut verschoben wird. wobei zunäe hst
der Kantarm in Ruhestellung bleibt und erst nach Beendigung der Rahmenverschiebung
gehoben wird.
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Bti dem in den Abb. a bis 5 dargestellten Kantvorgang erfolgt das
Kanten des Walzgutes itn Sinne einer Hubbewegun-, also im Sinne des Pfeiles .c (Abb.2
und .1). Das Kanten des Walzgutes kann natürlich auch in umgekehrter Z\'eise erfolgen.
In dies2in Falle wird der Kantarin zunächst in seine höchste Stellung und erst dann
mit dem zu kantenden Walzgut in Berührung bebracht. Beim Senken des Kantarmes findet
unter Einwirkung des Lenkers ein Kanten des Walzgutes im Sinne der Abwärtsbewegung
des Kantarmes statt.
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In den Abb.6, 7, 8 ist das Kanten von-Walzgut verschiedener Querschnittsfermen
dargestellt: So, zeigt Abb. 6 das Kanten bzw. Hochstellen von @Valzgut mit
etwa ovalem Querschnitt, Abb: 7 das Hochstellen eines Breiteisens und Abb.8 das
Hochstellen eines länglichen Vorsteckstückes. In allen Abbildungen zeigt Stellung
I in ausgezogenen Linier, die Kantvorrichtung in Ruhelage. Stellung II (strichpunktiert)
eine Zwischenlage der Kantvorrichtung und des Walzgutes während des Kantz-organges
und Stellung III (punktiert) die Endstellung der Kantvorrichtung und des Walzgutes
nach beendetem Kanten. Der Kantvorgang kann sich auch in umgekehrter Reihenfolge
abspielen, je nach der Lage, die das Walzgut einnünmt. wenn es aus dem Kaliber kommt.
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Bei der in Abb.9 schematisch dargestellten Ausführungsform der Erfindung
ist auf jeder Seite des Rollganges eine Kantvorrichtung gemäß der -Erfindung angeordnet,
wobei das zu kantende Walzgut zwischen die Backen 22, 23 der beiden sich gegenüberliegenden,
unter der Wirkung einer nachgiebig gelagerten, druckbelasteten- Lenkvorrichtung
stehenden Kantarme 2o, 21 gebracht wird. Das Kanten des R'alzgutes geschieht dann
durch gegenläufige Bewegung der beiden Kantvorrichtungen. Die eine der Kantvorrichtungen,
z. B. der Kantarm 2 i, wird dabei vor dem Kanten in die höchste Stellung gebracht
und dann während des Kantens gesenkt. Es kann aber auch einer der Kantanne, z. B.
21, nur als nachgiebiges )Viderlager benutzt werden, wie in Abb.9 angenommen ist;
dieser Kantann wird dann erforderlichenfalls lediglich zur Korrektur der Kantlage
des @Valzgutes gehoben oder gesenkt. Die -Stellungen I, II und 111 zeigen,
ähnlich wie in den Abb. 6 bis 8, einzelne Lagen der Kantanne 20, 21 während des
Kantvorganges.
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Einstatt die Lenkvorrichtung unterhalb der Kurbelwelle .l ajiztiordiie.ii,
kann diese auch oberhalb dieser M'clle aeLi""ert «-erden. wodurch sich eine niedrigere
Bauart der 1-orrichttnig ergibt. Der hantarin wird dann als Doppelhebel ausgebildet,
und der Lenker greift am oberen freien Ende des Dopp,2lliebels- än. Zweckmäßig wird
auch die Arbeitsseite des als Widerlaer dienenden verschiebbaren Rahmens mit Riffelung
oder Verzahnung versehen, um ein Abheben des Walzgutes vom Rollgang während des
Kantens zu verhüten. Während des Kantvorgan-cs können die Rahmen i, 2 in beliebiger
«-ei=_L Festgestellt werden. In die gebogene Arbz:itsfläche der Kantarme werden
zweckmäßig am Umfang gerauhte, geriffelte oder gezahnte Führungsrollen für das Walzgut
eingebaut, und zwar so, daß ihre Umfläche sich der Arbeitsfläche anpaßt. Diese Rollen
erleichteni dann das Abrollen des gekanteten '\j älzg-tttes und Einführen desselben
in das Kaliber.